Ausgabe 
24.7.1764
 
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rzi Grebfthe wöchentlich - gemeinnützige Anzeigen

am wenigsten zum wahren Scherzen aufgelegt sind, am meisten und liebsten scherzen. Wer allzeit scherzen will, kann selten gut scherzen Alberne Witzlinge glauben oft man lache über ihre Einfälle, und man lacht über sie selbst. Es gibt Leute, die sich scheinen vorgesetzt zu haben; in der Co- mödie des menschlichen Lebens den Pickelhäring zu spielen. Sie bringen uns anfangs zum Lachen, sagt der Abt Bellegarde, aber zuletzt machen sie sich jederzeit verächtlich und eckelhaft. Der wahre Scherz ist allezeit leicht, natürlich und edel; niemals ist er auf Zweydeutigkeiten, niemals auf Grob­heit gegründet. Ein falscher Scherz ist meistens mühsam, oder wenn er es nicht ist, so ist er doch allezeit pöbelhaft, unzeitig und ungereimt. Die emblematischen Predigten der vorigen Zeiten sind oft Veyspiele der närri­schen und unverschämten Art zu scherzen, die von den Kanzeln ganz ver­bannt seyn sotten. Und noch itzt trifft man zuweilen Geistliche an, die ihren Stand durch diesen abgeschmackten Witz entehren. Wir erinnern uns selbst, daß ein Prediger an einem gewissen Orte in einer geistlichen Rede den Christ ohne Loch vorstellte. Die Frucht dieser Ungereimtheit war, daß ein Zuhörer überlaut sagte: so ist hohl mich - - kein Christ in der ganzen Kirche. Ein wahrer Scherz ist immer sehrMitzbar, aber so fein er auch ist, so ist er doch bey einer ernsthaften Gelegenheit übel angebracht. Wenn man scherzen will, muß man der GemüthsZustand und die Situa­tion worinn sich der andere befindet, kennen, damit man nicht seine Scher­ze zur Unzeit anbringe. Em scherzender Moralist ist allezeit gewiß, mehr Beyfall zu erhalten und mehr Nutzen zu stiften als wenn er ernsthaft blei­ben und beständig Lehren geben wolte: aber er kan auch zur Unzeit scher­zen, und iwrckliche. Laster sind äusser dem Scherz. Es ist kern gewisseres Mittel, sich verhaßt und unerträglich zu machen als zu moralisiren, wann andere Leute scherzen, und zu scherzen wenn andere moralisiren. Ein feiner Scherz zeigt einen lebhaften Geist an; ein ungezogener Scherz aber, ein Scherz, der auf Unkostender Sitten geht, eine Zweydeutigkeit, ist das sicherste Kennzeichen einer schrecklichen Armut!) des Witzes und deö Ver­standes. Nichts ist leichter als auf Unkosten der Religion und der Sit­ten witzig zu seyn, und eben weil es die leichteste Art des Witzes ist, ist sie so gewöhnlich. Es gehört nichts dazu , als eine grose Unbesonnenheit eine unverschämte Mine, und wenn es hoch kommt, ein wenig falscher Witz. Scherze, welche die, mit denen wir umgehen beleidigen, sind nicht viel -besser. Die Scherze sind nie angenehmer als unter Freunden ; aber es ge­hört zu einem freundschaftlichen Scherz Vorsichtigkeit und wahrer Witz

Cleon