48 Gresrsche wöchentlich» gemeinnützige Anzeigen
eines Schönpflästergens auf den reitzenden Wangen ihrer Gespielinnen, bald über unser WochenBlättgen lustig machte. Wir lachten heimlich über die jungen Petitmaitres, wenn sie sich über den Mangel ter Anzeigen von den neuesten Moden in unserm Blatt beklagten, und daraus den geringen Werth unsrer Arbeiten beweisen wollten. Uiberall hörten wir Tadler, nirgends Vorschläge, wie wir unsre Sache besser machen sollten. Wir machten uns das Gegründete in diesen Censuren zu Nutze. Wir lackten über das Unbillige in denselben, und nahmen uns vor, uns niemals merken zu lassen, daß uns diese ungleichen Urtheile bekannt waren. Allein ein Brief, der uns gestern zugeschickt wurde, änderte unfern Entschluß. __ Wir finden es aus vielen Gründen für nöthig die Vorwürfe des Herrn Ego zu beantworten. Hier ist fein Brief:
" Meine Herrn.
gefiel mir ganz gut, als ich neulich hsrte, daß Sie oas Gie- ' fische WochenBlatt wieder anfangen wollten In meinen " StudentenJahren nahm es seinen ersten Anfang. Damals las ich " es schon lieber, als meine Metaphysick. Und das that jeder Stu- " dent. Dann das Wochenblatt schilderte uns manchmal den Reitz " des andern Geschlechts, die Freuden der Liebe und das Süsse in " den Küssen mit so reitzenden Zügen, daß wir natürlicherweise der " Metaphysick gram werden musten, die uns unsre Mädchen in lau- " ter Monaden, und unsre Küsse in lauter Betriigereyen, in Schein, " in Phänomene und wer weiß in was noch mehr verwandeln wollte. " Ich mögte nur wissen, was die Philosophen mit diesen Grillen " wollen. Doch was gehn sie mich mit allen ihren Monaden an. " Kurz, ich war recht froh darüber, daß das Wochenblatt wieder, " wie ein Phönix aus seiner Asche, aufiebte, nnd entschloß mich, mit " Freuden meine drey Gulden dran zu wagen. Nun kan ich eben " nicht sagen, daß mich mein Entschluß reuefc. Aber weil ich mich " gern über die ganze Welt aufhalte, so halte ich mich auch (verzei- " den Sie mir meine Unhöflichkeit) über ihr Wochenblättgen auf. " Misten Sie was? es ist mir zu gemeinnützig. Was liegt mir an " den Disputationen, die zu Giesen gehalten'worden sind, und die " jedermann schon wieder vergessen hatte? Was nützt mir die Nach- " richt von Gebohmen und Gestorbenen, von durchgegangenen Tau- " den


