HL Gr'esrfche wöchentlich -- gemcürnützlge Anzeigen

Die Frage selbst ist gegründet. Die lieben Mädchen mögen sa­gen, was sie wollen: Sie haben es doch lieber, wann wir sie mit Cpthe- ren, als wenn wir sie mit Minerven vergleichen. Aber warum?- Ich antworte dem spottsüchtigen Witze der Wanner zum Trotz: weil die Scbö- nen in diesem Punct klüger als die Manner sind. Klüger als wir? wer­den hier einige halbkluge vom männlichen ^Geschlechte fragen. Einfältiges Geschwätz ! klüger als wir! Das ist ja unmöglich. Sie studiren ja keine Logick, wie wir. Wo sollen sie dann diese grösere Klugheit hernehmen? -O wann sie keine,andere Ursache haben, meine gute Herrn, warum sie meine Antwort ein einfältiges Geschwätz nennen: so kann ich nur getrost fortfah­ren. Sie werden mit aller ihrer Logick keine FehlSchlüsse in meinem Be­weise entdecken.

Sagen Sie mir einmal, ist nicht derjenige klug- der die sichersten Mittel wählt, denjenigen Endzwecke zu erreichen, zu dem er bestimmt ist? Das können Sie nicht leugnen. Wann ich Ihnen nun beweise, daß die Mädchen würkkich diese Kluglxit äusern, in sofern sie lieber ihre Schön­heit, als ihren Verstand loben hören: würden Sie mich alsdann noch länger einen einfältigen Schwätzer nennen wollen?

Das Frauenzimmer kennt seine Bestimmung sehr früh. Eine Schö­ne darf nur vierzehn Jahre und sieben Wochen alt seyn: so weiß sie schon, was es zu bedeuten hat, wenn ein junger Herr mit dem Papa allein zu sprechen verlangt. Ein Mann, ein Mann ist ihre Bestimmung, ihre Hof. nung und überhaupt wie Gellere sagt,

die gröste Freude

Auf die ein Mädchen Hoffen kann.

Ist es nicht vernünftig, baß die Schönen auf ihrer Seite alles tbun, um diese Hornung bald erfüllt zu sehen? Sie wissen wohl, daß in unfern Zei­ten die Nachahmung des Sabinischcn FrauenzimmerRaubS nicht mehr nö- fhig ist. Die Männer wählen heut zu Tage ihre Gchülfinnen, und eine gewisse Eigenschaft bestimmt ihre Wahl. Aber was für eine Eigenschaft? Der.Verstand der Schönen? Wahrhaftig nicht. Wenn ja noch ein Freyer im Ernste sagt, daß er sich eine Frau von Verstand wählen wollte r so nimmt er dieses Wort in einer Rabermischen, nicht in einer psychologi­schen Bedeutung. Allein