WM
Wochenblatt.
Acht und Vierzigstes Stuck.
Dienstags den r8. November i?7f*
Mit Hochfürstt. Hessen Damrstadttscher gnädigster Erlaubntß.
Ueber das Studium der Geschichte.
ist unlaugbar, daß man wenig Kenntniß oder Vorthekl von der Geschichte erlangen kann, wenn man sie auf solche Weise studiret, wie die meisten Zungen Leute zu thun pflegen, die ohne kluge Führer auf dem Wege der Wissenschaften so lange herumwandern, bis sie sich in den Wildnissen des JrrthumS und der Ungewißheit verlieren. So bald aber als ein gelehrter Reisender mit Behutsamkeit fortgehet, die verschiedenen Spuren, denen er nachgehet, genau untersuchet, und die Gegenstände, die ihn umgeben, gehörig betrachtet, so kann er schwerlich den Weg verfehlen, auf welchen man zuletzt die angenehme Höhe t eS Ansehens und Ruhms erreichet.
Die jungen Leute belästigen gemeiniglich ihr Gedächtnis mit einer großen Anzahl von Jahrzahlen, Namen und Begebenheiten, und wofern sie dasjenige, was sie gehört oder gelesen haben, wiederholen können, so werden sie schon wegen ihrer Kenntnisse hochgeschätzt. Ein Jüngling, welcher bemerket, daß er bey solchen Gelegenheiten gelobet wird , ist nicht wenig stolz auf seine Geschicklichkeit. Und da man nicht erwarten kann, daß junge Leute eben so von Dingen urtheilen sollten, wie diejenigen, denea das Alter und die Erfahrung Weisheit verschast hat; so ist es nicht zu
Bb b verwun-


