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Wochenblatt 3S9

Er glaubet, daß wo die Vernunft nicht hinsiebet, die geschriebenen Offenbarungen zu gebrauchen; daß diese Offenbarungen theilS mittelbar, theilö unmittelbar eingegeben, nachgehendS aber in denen verschiedenen Aus­legungen mit Menschen Tand , Fadelwerk und Gloffenmachereyen verdü­stert, umnebelt, übel herum gedrchet, und noch übler angebracht worden; und daß verohalben nichts anders, als die Erleuchtung des Geistes Got­tes uns aus allen diesen Finsternissen und Verwirrungen, vermittelst des rechten Verstandes der heiligen Schrift, heraus zu ziehen vermag, unv zu dessen wahren Erkenntniß zu bringen.

Er glaubet, daß wir nicht sowohl durch die genaue Erkenntniß der Eigenschaften GotteS, und der in heil. Schrift vielfältig enthaltenen Ge­heimnisse, als durch die würkliche Ausübung seiner Gebote selig werden, und daß der historische Glaube hiezu nichts thue, daß aber niemand turch das Verdienst seiner Werke, sondern aus Gnaden , durch das Verdienst Christi, deS Sohnes Gottes, selig werde.

Dieses sind die kurzen Grundsätze seines Glaubens; km übrigen aber nimmt er an der Schriftgelehrten Zank und Streit ganz und gar keinen Antheil; Er bejammert vielmehr mit empfindlicher Wehmuth, die vielen Unglückseligkeiten, die bisher aus dergleichen Gezänk in der menschlichen Gesellschaft entstanden; er verurcheiket und verdammet niemand , sondern ermahnet alle und jede, nach der Lehre Christi und seiner Apostel, zurUede, zur Eintracht und zum Frieden.

Ueberhaupt bezeiget er seinen Glauben durch seine Werke; er ist demüthig, bescheiden, geduldig, wahrhaftige gerecht, großmüthig, liebreich, miidtha- tig, aufrichtig, mäßig, züchtig, liebet Gott über alles, und alles in Gott.

Alle Platze, Häuser, Gesellschaften und Einöden sind Tempel unv Altäre für seine Andacht, um Gott zu loben und zu preisen; er kennet d^ bey weder Aberglauben noch Heuchelet), und wo sein Herz ist, da ist auch seine Kirche; nicht, als ob er deswegen die öffentlichen Versammlungen verachtete; er besuchet vielmehr solche gerne, und weiß in allen eine Andacht zu finden, durch diejenige, die er mit hineinbringet; er sichet zwar ihre Fehler, er urtheilet aber davon mit Gelindigkeit und nach der Liebe, und halt sich im übrigen zu derjenigen, die ihm bedünket, die wenigsten Gebre­chen zu haben. 6* C.

Nach-