Ausgabe 
15.8.1775
 
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Giesser

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Woch eilö lall,

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Drey und Dreifsigstes Stück.

Dienstags den i f. August i?7f*

Mit HochfürstU Hessen Darmstavkischcr gnädigsier Erlaubniß.

lieber die Zreundfchafe.

Ist in der ganzen bethauken Landschaft des Frühlings, in dem prächtigen Auge des HeöperuS am Morgen, in der Natur schönsten Gestalten etwas so schön, als tugendhafte Freundschaft?

Akenstde.

3u allen Zeitaltern der Welt hat man die Freundschaft für eine der größ­ten Glückseligkeiten des Lebens gehalten. Das Verlangen, uns Mit einem andern Herzen zu vereinigen, ist eine Empfindung, die mit unS geboren wird und die erste Bewegung, die wir in unferm Herzen fühlen. Demungeachtet ist der Mangel eines wahren Freundes von jeher eine allge­meine Klage gewesen und ist es noch: und die Welt stellt unS von Anbeginn sehr wenig Beyspiele einer vollkommnen Freundschaft dar. Dieß ist leider! eine von den unglücklichen Wirkungen der menschlichen Natur.

Die Vortheile der Freundschaft reden genug für sich selbst und die ganze Natur stimmt in der Erklärung überein, daß eS eine der wünschenS- würdigsten Freuden deS Lebens ist. Ohne sie hat eS keinen Reiz Der Mensch hat eine Menge Bedürfnisse, und so bald er sein eigen Herz zu - prüfen anfangt, so findet er hier ein Leeres, das die Freundschaft allein gussüllen kann. Die Seele ist von Natur immer im Tumult, unruhig

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