wdchenblatt-
Wort; Sö Jemand dis Seinen nicht versorgt/ der ist ärger denn ein Heide. Also habe ich wahrhaftig die Pflicht auf mir, nicht blos $u meiner sondern auch Zur meinigen Versorgung zu handeln: ihnen , so lange ihr Unvermögen sich selbst zu erhalten dauert, die Nothdurst und Pflege zu reichen. Aber offenbar erfülle ich damit blos einen Theil meiner Verbindlichkeiten. Ich mutz sie regieren, und in der Zucht und Ermahnung ZUM Herrn erziehen: *) dafür gewissenhaft sorgen, daß sie die Erkenntnisse, Gesinnungen, und Sitten erhalten, bei welchen sie dereinst nützliche und glückliche Menschen seyn werden. Vor allen Dingen sie zeitig anführen, Gott zu lieben, und ihren Nächsten und sich selbst wahrhaftig zu lieben. Sie zeitig zu denjenigen Tugenden vorzüglich bilden und gewöhnen, mit welchen die Ruhe ihres Lebens und das Vertrauen andrer Menschen zu ihnen dereinst verbunden seyn wird: zur Vergnügsamkeit, Geduld, Demuth, Sanstmuth, Arbeitsamkeit, Gutthätigkeit und Dienstbeflissenheit. Keinen Stolz, keine Härte, und keinen Müßiggang bei ihnen dulden. Und für die zur künftigen eignen Besorgung ihrer Wohlfarth nötbigen Erkenntnisse sorgen. O! Gott, es gehört große Weisheit und Redlichkeit darzu, seine Kinder wohl zu erziehen. Ich nehme mir vor mich darüber besonders zu unterrichten, und unterrichten zu lassen.
Nächst meinem Vater, meiner Mutter und meinem Kinde hat auch mein Bruder/ meine Schwester , mein Verwandter ein vorzüglich Recht zu meiner Liebe r und ich habe die Pflicht, ihm , wenn er dessen bedürftig und würdig ist, ehr beizuspringen und zu helfen, als jedem an. dem. Daher heiligte die Schrift den Brudernamen , um jeden Menschen in ein ähnliches Verhältnis gegen mich zu stellen , und mir ähnliche Gesinnungen gegen ihn abzufordern.
Aber mein Gatte! O Gott: wie viel Gutes hast du mir durch die rechtschafne Gattin bereitet, welche du mir zugeführt hast! Der ganzen Sorge für mein Hauswesen mit ihr entledigt kann ich ungehindert meinen öffentlichen Pflichten und Geschäften obliegen. Sanft verstreichen mir an ihrer Hand die Tage meines Lebens unter den unschuldigen Freuden ihrer Gesellschaft. An der Hand der Freundin, die alles mit mir theilt, und bei jeder mir zustoßenden Schwachheit zärtlich für meine Erhaltung wache. Roch sehe ich sie an meinem Krankenbette weinend meine Genesung erfle-
*) Tphcs. 6, 4.


