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Wofern aber eure Umstände dieses nicht erlauben, so gedenkt wenigstens, daß ein Einwurf, der euch aus Mangel mehrerer Kenntniße un- auflößlich scheint, es darum nicht gerat) in der Thak ist. Denn wie wolt ihr von eurer wenigen Wissenschaft aufandre Leute schließen? TausendLcute finden Schwierigkeiten zu glauben, daß sich die Erde um die Sonne bewege, die einem Gelehrten doch offenbar lächerlich, und wenigstens nichtsbedcu- tende Kleinigkeiten sind.
Vor allen Dingen untersucht die Wichtigkeit euers Einwurfs. Findet ihr, daß derselbige in keinem nothwendigen Zusammenhang mit den wichtigen Wahrheiten der Religion sicht, daß er keine wesentliche Lehre aushebt, oder daß er den Vcweiß von der Göttlichkeit der Schrift, und der Religion, ganz und gar nichts angeht, oder doch nicht wankend machen kann, so legt ihn so lange bey seit, biß ihr Gelegenheit habt, den- selbigen genaues einzufthen; oder verachtet ihn ganz. Wofür wolt ihr euch mit solchen Zweifeln martern, diedoch, wenn sie auch völlig gegründet waren, offenbar nichts zur Sache beytragen ? Wofür wolt ihr aus Neugierde Sachen wissen, die, wenn ihr sie wißt, euch doch nichts Helsen können?
Endlich hütet euch viele solcher Zweifel auf einmahl und in der Geschwindigkeit zu gedenken. Es ist nichts zu sagen, wie unglaublich groß awdenn ihre Würkung, aufdasGemüthist, das durch dieselbige bestürmt wird. Man geräth durch eine solche conventrirte oder zusammengepropste Vorstellung, deren einzelne Theile man nur undeutlich erkennt, gar zu leicht in eine Gemüthsbewcgung welche den verdorbnen Herzen des Menschen ohnehin angenehm ist. Man ist alsdenn zur Untersuchung der Wahrheit nicht kalt genug: Man glaubt, oder verwirft in der Hitze des Affekts: und wenn dieser Zustand der Seele ost komt, so giebt es endlich eine Gewohnheit. Man meynt völlig überzeugt zu seyn, weil man diese Gedanken schon mehrmahlen gehabt hat, und ist es in der That eben so wenig, als ein thörichter Verliebter von den vortreflichen Eigenschaften seiner Geliebten, der in seiner Leidenschaft keinen Augenblick zweifelt, und hernach, wenn er wieder zu kaltem Blut komt, sich selbst nicht genug über die Macht seiner Verblendung verwundern kann. Die Menge der Einwürfe macht es nicht aus, eben so wenig als eine Menge von allerseits falschen Zeugen eine Sache wahr macht. Denn warum prüfte man sie sonst einzeln? Dergleichen


