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. von der Nordsee bis an den Rhein ertönt.
Einfriedigung des Ganzen, kurze, mit dem Eisernen Kreuz als Sinnbild versehene Steinpfeiler, die freundliches, weißgestrichenes Holzwerk aneinanderreiht. Jedem unbefangenen Auge wird der Unterschied zwischen alter und neuer Friedhofskunst sofort in die Augen fallen, wenn man nach dem Turchschreiten des Haupt⸗ ganges im französischen Teil die Stufen zum Ehrenfriedhof emporsteigt. Dort eine unwillkürliches Frösteln verursachende Flut vou hoch und höher getürmten Erinnerungszeichen ohne einen auderen Schmuck als geschmacklose Kränze aus künstlichen Blumen. Hier harmonisch⸗charakteristische Ausgestaltung des Ganzen, so daß keine einzelne Gruppe als gesonderter Fremdkörper in die Erscheinung tritt. Möge dies Fleckchen Erde gesegnet sein! Möge auf es das Wort Heines gelten: Vor des Friedhofs dunkler Pforte Bleiben Leid und Sorgen steh'n, Dringen nicht zum heil'gen Orte, Wo die sel'gen Geister geh'n, 1 5 And Tage 5 0 92 ser Freund in Frieden ru R. Grünrowsky. Deutsche Weihnachtsfeier vom französischen Schützengraben aus gesehen. Zum zweiten Male werden unsere wackeren Krieger das Weih⸗ nachtsfest in Feindesland, im Schützengraben begehen, zum zweiten Male werden unsere schönen Lieder von Weihnachtsfreude und Weihnachtsglück im Angesichte des Feindes ertönen. So war es bereits vor Jahresfrist, und auf manchen unserer Gegner im Schützengraben hat damals, was er in der Christnacht von der deutschen Seite hörte und, wenn nicht sah, so doch ahnte, einen tiefen Eindruck gemacht. Ein geradezu ergreifendes Zeugnis hier⸗ für besitzen wir in einem Briefe des Kavallerieoffiziers Marcel Dupont, der im„Correspondant“ erschienen und von Eduard Behrens in seinem interessanten Buche„Das kriegerische Frank⸗ reich“(Rosenlaui⸗Verlag in München) mitgeteilt worden ist. Die heilige Nacht ist angebrochen. Die Schützengrabenwacht der Fran⸗ zosen hat den Alarm gegeben. „Ich springe auf die Erdstufe. Wirklich, an drei verschiedenen rten, weit weg von uns, scheinen Lichter. Während ich aufmerk⸗ sam hinsehe, errate ich den Grund dieser ungewöhnlichen Beleuch⸗ kung. Es sind enorme Tannen, die man im Schutz der Nacht dorkhin geschafft hat und die wunderbar erleuchtet sind. Mit
dem Feldstecher kann ich sie genau unterscheiden, ich sehe sogar
die Schatten, die darum tanzen. Ein Murmeln und ferne Freuden⸗ rufe dringen bis zu uns. Wie das alles gut vorbereitet ist! Sie haben sogar elektrisches Licht in den Zweigen der Weihnachts⸗ bäume, um zu vermeiden, daß unsere Artillerie sie als bequemen Zielpunkt benütze. Wirklich verlöschen auch von Zeit zu Zeit alle Lichter derselben Tanne unvermutet und entzünden sich erst wie⸗ der nach einigen Minuten. Aber wir erzittern, als plötzlich über der gewaltigen Ebene ein ernster und melodischer Gesang ertönt. Unsere Erinnerung an ähnliche Chöre, die wir in Bixschoote in tragischen Momenten gehört haben, sind noch ganz neu. Das sind dieselben reinen und harmonischen Stimmen, die jetzt einen Choral singen und im Norden, vor dem Hurra des Sturmangriffes, in Vaterlandslieder ausbrachen. Aber hier fürchten wir nichts der⸗ gleichen. Man hat den Eindruck, daß das Gebet nicht nur hier, unserem Graben gegenüber, pfalmodiert wird, sondern daß es sich unendlich weit über unsere besetzten Provinzen ausdehnt, über unsere Champagne, unser Lothringen, unsere Picardie und daß es
Der Schützengraben hat sich geräuschlos belebt. Die Mann⸗
schaften sind wortlos aus ihren Deckungen aufgetaucht und jetzt
stehen sie alle auf der erhöhten Erdbank. Was für ein Schweigen bei uns, wie jeder verlegen ist, ja fast eifersüchtig auf den Vor⸗ gang da drüben! Und jetzt erklingen, wie auf Befehl, auf der Linte der deutschen Schützengräben neue Choräle, die einander zu
antworten scheinen. Ganz nahe bei uns, in den Gräben, fern, bei den Weihnachtsbäumen, rechts, links, ertönen Gesänge, durch die
Entfernung gedämpft. Wie großartig, ergreifend sind diese Hym⸗
„
nen, deren tiese Ablorde über die weite Totenebene schweben Was wären in andere Zeiten für derbe Witze, für Anrempelungen den Sängern zuteil geworden! Aber das ist alles anders geworden. Ich fühle bei unseren Braven eine Art Bedauern, daß sie nicht an einem ähnlichen Fest teilnehmen können. Haben wir nicht Veihnachtsabend? Sie sprechen nicht, unsere Mannschaften, aber ihre Gedanken vereinen sich hier über dem Schützengraben zu einer gemeinsamen Melancholie. Nach und nach sind die Gesänge verstummt und das lautlose Schweigen sinkt wieder auf die Ebene.
Diese Nacht scheint mir alle möglichen Ueberraschungen bringen zit wollen, doch diese letzte übertrifft alles, was ich er⸗ warten lonnte. Ich möchte den ganz ungewöhnlichen Eindruck mit⸗ teilen können, den ich empfand, aber man mußte diese Nacht da⸗ bei gewesen sein, um ihn nachfühlen zu lönnen. Ueber dieser weiten stillen Ebene, wo jetzt alles zu schlafen scheint, wo bein anderes Geräusch zu vernehmen ist, ertönen plötzlich von weither Laute, welche trotz der Entfernung bis zu uns hinzittern. Welch unver⸗ gleichlicher Augenblick! Dieser Gesang, der durch die Unendlichkeit der Nacht hinzieht, macht unser Herz klopfen und ergreift uns 15 als das beste, von den berühmtesten Künstlern gegebene Konzert.
Es ist wieder ein unbekannter Choral, der von links, von den entferntesten deutschen Schützengräben zu uns dringt. Der Sänger muß auf den Feldern am Ende der Linie stehen; er muß gegen uns zu marschieren, während er langsam den feindlichen Stellungen entlang geht; denn seine Stimme nähert sich unmerklich und wird stärker. Von Zeit zu Zeit hält sie an, und dann antworten hunderte von Stimmen im Chor einige Sätze, welche den Refrain der Hymne bilden. Dann nimmt der Solist seinen Gesang wieder auf und kommt näher. Woher kommt er? Jedenfalls aus weiter Ferne, denn unsere Jäger haben ihn schon während einiger Zeit gehört, bevor sie sich entschlossen haben, mich zu rufen. Wer ist wohl dieser Mann, der die Mission haben muß, die ganze Front betend abzuschreiten, und den jede deutsche Kompagnie zu erwarten scheint, um mit ihm zu beten? Ein Pfarrer jedenfalls, der den Kämpfenden die Heiligkeit dieser Nacht und den Ernst der Stunde ins Gedächtnis rufen will.
Jetzt dringt die Stimme aus den uns direkt gegenüberliegenden Gräben. Trotz der Helle der Nacht können wir den Sänger nicht unterscheiden; denn die beiden Linien sind hier wenigstens 400 Meter weit entfernt. Aber er versteckt sich sicher nicht, denn seine Stimme käme nicht so deutlich zu uns, wenn er in den Tiefen der Gräben sänge. Sie verstummt wieder. Und nun nehmen unsere unmittelbaren Gegner ruhig den Refrain des Chorals mit den ge⸗ heimnisvollen und sanften Worten auf, die Soldaten, die den uns gegenüberliegenden Graben verteidigen, diese Männer, die wir morden müssen, wenn sie erscheinen, und die uns erschießen müssen, sobald wir uns zeigen. Sie auch sind über den Rand des Grabens emporgekrochen und stimmen dort, uns gegenüber, ihre Hymne an; denn ihr Gesang tönt klar und deutlich zu uns herüber.
Ich sehe nach unserer Seite. Alle Mannschaften sind wach und aufgestanden. Alle sind auf die Erdstufe gestiegen, einige haben den Graben verlassen und sind auf dem Feld, das Ohr dem unerwarteten Konzert hingeneigt. Keiner ärgert sich und leiner spottet. Es ist eher ein Gefühl des Bedauerns, das sich im Gesicht und in der Haltung der mir zunächst stehenden ausdrückt. Und doch wäre es so einfach, dieser Szene ein Ende zu machen: eine Salve von der Abteilung hier, und alles wäre still, alles würde in die Ruhe der anderen Nächte versinken. Aber niemand denkt daran. Nicht ein einziger unserer Jäger würde das Feuern auf diese betenden Soldaten nicht als Entweihung empfinden. Wir fühlen, daß es Stunden gibt, in denen man vergessen kann, daß man hier ist, um zu töten. Das würde ums nicht verhindern, im nächsten Augenblick unsere Pflicht zu tun. Die Stimme entfernt sich; sie nähert sich ruhig— majestätisch möchte*. sagen— den Gräben, wo sich die beiden Linien auf 50 Meter Distanz gegenüberliegen. Wieviel ergreifender mag dieses Schauspiel dort unten sein!
Päng! Ein Schuß ist gefallen.
„Oh, die unvernünftige Kugel, dir die Luft zerschnitten und vielleicht ihr Ziel erreicht hat! Sofort ist alles verstummt. Kein Schrei, kein Fluch, keine Klage. Jemand da unten glaubte ein gutes Werk zu tun, indem er auf diesen Mann zielte. Wie schade! Wir
werden nichts dadurch gewinnen, daß wir sie verhindert ha Veipnagter unf f at n eker an unsere Schüsse zu sparen.“ ö
N Märkte. 5
Gießen, 21. Dez. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter das Pfd. 1,90 0,00, Hühnereier das Stück 24— 26 Pfg., Käse das Stück 8—10 Pfg., Käsematte 1 Stück 3—0 Pfg., Kartoffeln der Zentner 3,75 bis 0,00 Mark, Milch das Liter 26 Pig. Aepfel der Zentner 6 bis 8 Mk., Spinat 20—22 Pig. das Psund, Wirsing 10-15 Pfg. das Stück, Gelbe⸗ rüben 10—12 Pfennig das Pfund, Rotkraut 15—25 Pfennig das Stück, Rosenkohl 20—25 Pfg. das Pfund, Kohlrabi 6 bis 8 Pig. das Stück, Weißkraut 1525 Pfg. das Stück, Birnen 7 bis 15 Pfg., bessere 00 00 Pfg. das Pfund, rote Rüben 7—8 Pig. römisch Kohl 6—8 Pfennig, Zwiebeln der Zentner 25—00 Mk., Nüsse 100 Stück 50—60 Pfg., Blumenkohl 20—50 Pfg., Sellerie 610 Pfg. das Stück, Endivien 1012 Pfg.— Marktzeit von 8 bis 2 uhr.
le. Fraukfurt a. M. Viehhofmarktbericht vom 20. Dez. Auftrieb: Rinder 3342(darunter Ochsen 381, Bullen 51, Kühe und Färsen 2910), Kälber 527, Schafe 128, Schweine 430.
Marktverlauf; Rinder anfangs lebhaft, flaute später ab, bleibt Ueberstand; Kleinvieh und Schweine flott, geräumt.
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Preise für 100 Pfd. Lebend⸗ Schlacht- Ochsen. gewicht Vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlacht⸗ 5 Mk. wertes, 47 Jahre alt 1 Junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemäste te Bullen. Vollfleischige, ausgewachsene höchsten Schlachtw. 70—75 124-130 Vollfleischige, jüngere... 36569 118—124
Färsen, Kühe.
Vollfleischige ausgem. Färsen höchst. Schlachtw. 68-73 128135 Vollfleischige ausgem. Kühe höchsten Schlacht-
wertes bis zu 7 Jahren 64-69 118128 Wenig gut entwickelte Färsen. 6065 120130 Aeltere ausgemästete Kühe 5257 104—114 Mäßg genährte Kühe und Färsen. 44-50 88—100 Gering genährte Kühe und Färsen..„ 38-43 8798
Kälber. 5 lite Mastkealbe r 83590 142150 Mittlere Mast- und beste Saugkälbern. 8084 123140 Geringere Mast⸗ und gute Saugkälber... 75-80 127-135 Geringe Saugkälber. 70-74 119127 Schafe. Weidemastschafe. 5 Mastlämmer und jüngere Masthammel... 64-00 14000 Schweine.
Vollfleischige Schweine von 80 bis
100 kg Lebendge wicht 108.00 00.00 138.— Vollfleischige Schweine unter 80 kg
, 93.00 00.00 119.— Vollfleischige Schweine von 100 bis
120 kg Lebendgewicht... 118.0011850 148.— Vollfleischige Schweine von 120 bis f
150 kg Lebendge wicht. 129.00- 129.50 161.—
fe. Frankfurt a. M., 20. Dez. Frucht⸗ und Futter⸗ mittelmarkt. Die Preise sind gegen die Vorwoche vollkommen unverändert. Das geringe im freien Verkehr befindliche Angebot begegnet schwacher Nachfrage. Das Geschäft ist im allgemeinen sehrestill. Man notierte: Leinkuchen 7577 Mk., Biertreber 18 Mk., Malzkeime 18 Mk., Futtermehl 45—47 Mk., Spelzspreu 1813,50 Mk., gemahlene Spelzspreu 23—24 Mk. Alles für 100 Kilo. 5
fe. Frankfurt a. M., 20. Dez. Kartosfelmarkt. Kar⸗ toffeln ab Station 6,10 Mk. für 100 Kilo.
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