1 nr. 201
Der Siezener er erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Hießener gamilienblätter; zweimal wöchentl. Kreis⸗ blatt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtscaaftüche Seitfragen Fernsprech⸗Anschlüfse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelles 1 Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme don Anzeigen
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Verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei N. Lange. Schriftleitung,
165. Jahrgang
Oberhessen
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Freitag, 10. Dezember 1015
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Ein neuer Reichstagsbeschluß über Urieg und Frieden.
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B.) Großes Hauptquartier, 9. Dezember.
mtlich. 85 85 Westlicher Kriegsschauplatz. f Lebhafte Artilleriekämpfe an verschiedenen Stel⸗ len der Front, besonders in Flandern und in Gegend der Höhe 193 nordöstlich von Souain.
Ein französisches Flugzeug wurde südlich von Ba⸗ vaume zur Landung gezwungen; die Insassen sind ge⸗ fangen genommen worden. 5 a 1 Oestlicher Kriegsschauplatz. Aͤbgesehen von einzelnen Patrouillengefechten ist nichts zu berichten. 5
Balkan⸗Kriegsschauplatz. 0 Die Kämpfe südlich von Plevlje, südlich von Sje⸗ nica und bei Ipek werden mit Erfolg fortgesetzt.
Djakova, Debra, Struga und Ohride sind von bulgarischen Truppenbesetzt. Die Kämpfe am Vardar sind im günstigen Fortschreiten.
Oberste Heeresleitung.
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Die Bedeutung der gestrigen Reichstagssitzung lag nicht sowohl in den beiden großen Reden des Reichskanzlers als vielmehr in der Haltung aller bürgerlichen Parteien und in ihrem Beschlusse, die Stunde abzuwarten,„die Frie⸗ densverhandlungen ermöglicht, bei denen dauernd die mili⸗ tärischen, wirtschaftlichen, finanziellen und politischen In⸗ teressen Deutschlands im ganzen Umfange und mit allen Mitteln einschließlich der dazu erforderlichen Gebietserwer⸗ bungen gewahrt werden müssen.“ 5 Das ist das weithin sichtbare Ergebnis der sozialdemokratischen Anfrage, ob und unter welchen Be⸗ dingungen der Reichskanzler bereit sei, die Hand zum Frie⸗ den auszustrecken. Hiermit ist der unumstößliche Wille des deutschen Volkes klar und unzweideutig zum Ausdruck ge⸗ kommen. Waren die Ausführungen des Reichskanzlers we⸗ niger bestimmt, weniger scharf umrissen? Mit nichten! Er hat uns nichts blendend Neues vorgetragen, und seine Reden atmeten die ruhige, schlichte Sachlichkeit, die wir an ihm gewohnt sind; es ist sehr töricht, wenn die„Voss. Ztg.“ die Worte des Kanzlers insofern kritisiert, als habe er nicht schwungvoll, nicht hinreißend genug gesprochen. Ist es nicht für das deutsche Bewußtsein erhebend, packt es uns nicht im Tiefsten, wenn der Kanzler mit erhobener Stimme festlegt: „Wir haben ungeheure Erfolge errungen“? Wenn aus dem nichts übertreibenden Munde unseres ersten Beamten so stolz die glänzenden deutschen Siegeszüge gepriesen wurden, und wenn es dabei noch hieß:„Darüber hinaus sind vor allem die Aussichten für die Zukunft verheißungs⸗ voll“ꝰ Der Reichskanzler hat uns und der Welt ein macht⸗ volles Zeugnis der Wahrheit und Klarheit gegeben. Daß er Bekanntes unterstrich, die in der Presse vielfach hervor⸗ gehobenen Siege nochmals besonders heraushob, war unbe⸗ dingt erforderlich, gerade auch vor dem deutschen Volke, das nach der Bestätigung der bisherigen Auffassung über die Ge⸗ samtlage dringend verlangte. Dabei hat Herr v. Bethmann Hollweg sich sorgsam gehütet, als Staatsmann mit Welteroberungsplänen zu erscheinen. Für die erforder⸗ lichen Sicherungen, die wir beim Friedensschluß ver⸗ langen müssen, prägte er neue Bezeichnungen: der Feind darf keine Einfallstore gegen Deutschland offen haben, aber wir führen den Krieg nicht um deswillen fort, weil wir neue Faustpfänder gewinnen wollen, denn wir haben deren genug. Liegt darin nicht im Grunde das, was die sozialdemokratischen Redner gewünscht hat⸗ ten: die Ausstreckung der Friedenshand? Mehr kann die deutsche Regierung nicht tun. Es liegt bei unseren Fein⸗ den, über diese Faustpfänder, die wir beim Friedensschluß auszunutzen berechtigt sind, zu verhandeln, uns Vorschläge zu machen, wie sie der jetzigen Kriegslage Rechnung tra⸗ gen wollen, um zum Frieden zu gelangen. Der Reichskanz⸗ er unterließ es denn auch nicht, den Feinden diese Er⸗ wägungen anheimzugeben. Dabei war es selbstverständlich, daß er darauf hinwies, der weitere Kampf, für den die Jeinde die Verantwortung tragen, müsse notwendig dazu 1 daß von Deutschland erhöhte Ansprüche beim Frie⸗ en geltend gemacht würden. Die deutsche Kraft ist un⸗ ebrochen, die militärische sowohl wie die wirtschaft⸗ siche und finanzielle. Und der Kanzler konnte selbst schon während der Reichstagssitzung das Ausland darauf hinweisen, daß in unserem Lande keine Gruppe, keine Partei und kein vernünftiger Mensch sich befindet, der etwa aus dem Gefühl nationaler Entmutigung heraus nach Frieden ver⸗ zangt. In der Tat, die beiden sozialdemokratischen Redner, die den sozialdemokratischen Wunsch an den Kanzler be⸗ gründeten, schlossen sich allen übrigen Parteien an in der viederholten und ausdrücklichen Feststellung, daß wir uns zisher als die Sieger fühlten und der Antrag nur aus dem Bewußtsein heraus entstanden sei, der Stärkere und Aus⸗ ichtsreiche erwerbe sich geschichtlichen Ruhm, wenn er groß⸗ müttig zuerst die Hand zum Frieden ausstrecke. Herr Scheidemann vergaß sogar nicht, das Ausland ausdrücklich vor der falschen Auffassung zu warnen, als ob im deutschen Volke sich jemand fände, der an der deutschen Kraft und Möglichkeit, den Krieg noch länger fortzuführen, irgendwie 5 9 85 Nun, vermutlich werden sich dennoch ausländische 5 5 0 00 117 0 Worte deuteln und es 75 zeugnis von tschlands Schwäche auslegen wollen. mußte der Reichskanzler so unzweideullg sprechen,
wie er es getan, und darum haben alle Parteien, außer der Sozialdemokratie, jenes Gelöbnis abgelegt und jene Forde⸗ rungen aufgestellt, die dem Gebot des Tages entsscachen.
Pressestimmen zur Reichstags verhandlung. Berlin, 10. Dez. Alle Blätter geben der Ueberzeugung Ausdruck, daß das deutsche Volk auf Inhalt und Verlauf der gestrigen Reichstagssitzung mit Genugtuung zurück⸗ blicken könne.— Der„Berliner Lokalan 3.“ schreibt: Unsere Feinde hatten sich von der sozialdemokratischen Inter⸗ pellation ein kleines Schlachtsest versprochen, auf dem die viel gerühmte und bis jetzt wirklich nicht wegzuleugnende Einigleit
Gesamtdeutschlands endlich zur Strecke gebracht werden würde. d
Heute stehen sie wieder einmal am Grabe einer Hoffnung. Nicht nur, daß die beiden sozialdemokratischen Redner bei aller Frie⸗ denssehnsucht, der sie Ausdruch gaben, dem nationalen Empfinden unseres Volkes volle Gerechtigkeit widerfahren ließen, der Kanzler den Deutschen Reiches benutzte diese Gelegenheit, um die durch unsere Ueberzeugung auf allen Fronten geschaffenen ehernen Tat⸗ sachen in wuchtiger Aneinanderreihung vor den Augen der Welt vorüberzuführen, die so eine Wirkung erhalten, die im Lager unserer Gegner die nachdenklichen Stimmen vertiefen dürfte. An den entscheidenden Stellen klangen die Worte des Kanzlers hart wie Stahl und sie wurden durch die Gesamterklärung der bürgerlichen Parteien wirkungsvoll unterstrichen. So sind wir durch die gestrige Reichstags verhandlung um einen erheblichen Schritt vorwärts gekommen. Wir wissen, daß, je länger die Feinde uns
zwingen, den Krieg fortzuführen, desto schwerer die Bedingungen 0
werden müssen, unter denen ein Friede für sie zu haben sein wird.
Wir wissen, daß unsere Feinde weder im Osten noch im Westen überre
Einfallstore behalten werden und
wir wissen endlich, daß der Reichstag bereit ist, der Regierung
zu folgen, wenn sie Gebiets⸗
erwerbungen verlangen sollte, die notwendig sind, um Deutschland/ i
militärische, politische und wirtschaftliche Zukunft dauernd zu sichern. Dieser Gewinn des Tages ist wirklich nicht auf der Kredit⸗ seite unserer Feinde zu buchen. 5
Die„Freisinnige Zeitung“ schreibt:
Wir glauben, daß die Gegner sich von der sozialdemokratischen
Juterpellatton viel versprochen haben; sie sind um eine arge Ent⸗ de
täuschung reicher geworden, denn wenn schon die Reden der beiden sozialdemokratischen Abgeordneten absolut nicht dazu geeignet sind, gegen Deutschland ausgenutzt zu werden, so hat die Beratung auch noch Kundgebungen bei der Rede des Reichskanzlers und der Er⸗ klärung der bürgerlichen Parteien gebracht, die den Feinden die Hoffnung keiten nehmen muß.
Die„Tägliche Rundschau“ kratischen Rednern das Zeugnis aus,
Redner eine erfreuliche V i und allen Volksgenossen be⸗ daß jede Rechnung auf unsere wirtschaftliche Erschöpfung bekundet, daß sie jeden Gedanken s mit Entschiedenheit zurückweisen und insbesondere für die französische Hoffnung auf eine Wieder⸗ eroberung von Elsaß⸗Lothringen kein Verständnis hätten.
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Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht.
Wien, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 9. Dezember 1915. ö
Russischer Kriegssch auplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die vergeblichen Angriffsunternehmungen der Italie⸗ ner gegen einzelne Abschnitte unserer Front im Görzi⸗ schen dauern fort. Solche Angriffe wurden bei Os la vi j a, am Monte San Michele und bei San Martino abgeschlagen. Bei Dolje(nordwestlich von Tolmein) verbesserten unsere Truppen ihre Stellung durch Eroberung eines feindlichen Frontstückes. In Südtirol beschießt die italienische Ar⸗ tillerie einzelne Stellungen in unseren befestigten Räumen von Lardaro und Riva.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Auf den Höhen südöstlich von Plevl je wurden monte⸗ negrinische Banden zersprengt. Im Grenzgebiet nördlich von Bera ne haben wir den linken Flügel der Monte⸗ negriner zum Weichen gezwungen. Auch die Kämpfe gegen den rechten Flügel des Feindes verlaufen erfolgreich. Auf den Höhen westlich von Ipek warfen wir serbische Nachhuten. Zahl der gestern gemachten Gefangenen zwei Offiziere und tausend Mann.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Ereignisse zur See.
Eines unserer Unte rseeboote hat am 7. vormittags im Drin⸗Golf einen albanischen Motorsegler, auf dem sich 30 serbische Militärflüchtlinge mit Gewehren, vier Geschützen und Munition befanden, festgenommen und nach Cattaro eingebracht.
5 1 Flottenkommando.
auf eine Schwächung Deutschlands durch innere Uneinig⸗ ft
Der Rückzug der Franzosen und Engländer
auf dem Balkan.
Athen, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Der Bericht⸗ erstatter des Reuterschen Bureaus erfährt aus amtlicher griechischer Quelle, daß die englisch⸗französischen Truppen den Rückzu g in Richtung nach der griechischen Grenze fortsetzten.
Eine deutsche Spende für bulgarische Soldaten.
Sofia, 9. Dez.(WB. Nichtamtlich.) Meldung der Bulgarischen Telegraphen⸗Agentur. Die Blätter verzeichnen mit Dankbarkeit das dem bulgarischen Roten Kreuz von der deutschen Mission zugewendete freigebige Geschenk, as aus einer Million Zigaretten für die im Felde stehenden Soldaten und aus 40000 Zigaretten für die in den Spitälern Sofias behandelten Soldaten besteht.
Kaiser Wilhelm und sein Kaschauer Sausregiment.
a Budapest, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich) Haiser Wilhelm richtete am 20. November folgendes Telegramm an den Kommandanten des auf dem Kriegsschauplatze be⸗ 15 Kaschauer Hausregimenks, dessen Chef l
„In Wien mit meinem Allerhöchsten Verbündeten, Seiner 0 veranlaßt,
der mein Regiment allgemein, besonders zuletzt bei der Ikwa, Herrn Oberstleutuaut, allen
„„
Der türkische Bericht. Konstantinopel, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich) Das Hauptquartier teilt mit: An der IJrakfront nimmt der Wider⸗ stand des Feindes merklich ab. Unsere Truppen schlugen die Aus⸗ fallversuche der Engländer blutig zurück. Sechs von uns erbeutete Flugzeuge sind ausgebessert worden und werden jetzt gegen den Feind benutzt.
An der Kaukasusfront griff der Feind
ingen Artillerie antwortete, feindlichen Schützengräben und
gegen diesen.
eine Bomben⸗ und sonstige Munitionsniederlagen der feindlichen Artillerie. Am 8. Dezember beschoß unsere Artillerie ein eng⸗
lisches Flugzeug, das bei Akbach in Flammen aufging. Das Flug⸗ zeug und der Flieger verbrannten vollständig. 171
Die Türken rücken auf Aden. Konstantinopel, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Das Kriegspressequartier veröffentlicht einen Bericht über die für die Türken siegreichen Kämpfe, die vom Juli bis Oktober zwischen Lahadi und Aden stattgefunden haben. Dis Türken rücken in die Nähe des Isthmus, auf Aden und di Ortschaft Schech Othman.
Die englischen Verlufte bei Ktesiphon.
London, 9. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Im Unterhause erklärte der Staatssekretär für Indien, Chamberlain: Die britischen Verluste bei Ktesiphon betrugen 643 Tote, 333 Verwunde te und 594 Vermißte. Nach den letzten Berichten waren die gesamten Verluste beim Rückzuge weniger ala 300. Chamberlain sprach sich in Worten warmer Anerkennung üben die Haltung der Truppen aus.
in dieser Kasa verloren die Italiener 6000 Mann an Toten und ließen sehr viel Waffen und Munition in der
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Aus dem englischen Parlament.
London, 10. Dezbr.(WTB. Nichtamtlich.) Oberhaus. Lord Crewe sagte über die Niederlage ber Ktesiphonz Es sei nicht richtig, daß General Townsend n ur eine Droi⸗ sion gehabt hätte; seine Truppenmacht sei beträchtlich stärker gewesen; die maßgebenden Fachleute hatten sie für ausreichend gehalten. Ebenso sei es nicht richtig, daß der General de or 0 auf Bagdad aus eigenem Antrieb unternommen habe. e. nehmung sei seit Monaten geplant un, d sorgfältig vorbereitet ge⸗ wesen. Die schnelle Einnahme von Bagdad wäre ein großes mil i- tärisches und politisches Ereignis gewesen. Weder die T
noch ihre Führung verdienten einen Vorwurf, aber die Aufgabe
habe sich als schwieriger erwiesen, als urswümalen aver


