Ausgabe 
(16.11.1915) 270. Zweites Blatt
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zweites

N Erscheint täglich mit Ausnahme des Sountags.

DieGießener Familienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das »ureisblatt für den Ureis Eießen zuoermal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ tagen erscheimnen monatlich zwermal.

Uriegsbriefe aus dem Osten. Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichter statter (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Die Kämpfe an der Dünafront.

III. Zwischen Jakobstadt und Friedrichstadt.

a Banske, 6. November. Als am 18. August Kowno dem wuchtigen und schnellen Zu⸗ sassen der 10. Armee und des Generals Litzmanns fiel, waren die Russen im Begriff, mit Anlehnung an Kowno ihre in Polen und Galizien geschlagenen Armeen neu zu gruppie en und grgen unsere Nord⸗Ost⸗Frout, wenn irgend möglich, offensiv vorzugehen. Die überraschende Einnahme der Njemen⸗ e lung, die sichtlich wie die riesige Geschünbeute unter anderem bewies langen Widerstand leisten sollte, brachte auch in die Kurländischen Operationen der Russen Unsicherheit Unsere Truppen, die durch zahlreiche Kavallerie

besonders zu schnellem Operieren befähigt waren, drängten in täg⸗ 2

3 Kämpfen die Russen, die auswichen, gegen die obere Dünalinie zurück.

Die Kämpfe der deutschen Gruppen, die sich Aber Dünaburg

schoben, sind geschildert; in diesem mittleren Teil der vor der

Düna westlich gelegenen Front, zogen sich die Russen nach den

eft gen Kämpfen bei Banse(Bansk) zurück, erst b⸗i den befesligten ügeln um Wallhof stellten sie ich zu energischem Widerstand. Sie wurden geworfen, und ein Teil ihrer Kräfte wurde auf Lennewaden, der andere auf Friedrich adt zurückgenommen. Unsere vordringen⸗ den Truppen fanden das eroberte Gelände sorgfältig für cine groß⸗ angelegte russische Offensive vorbereitet: Alle Straßen waren ündlich ausgebessert, alle Wege im ande, Etappenorte, so in 1 waren eingerichtet, zwölf neue Brücken über die Düna geschlagen. Scharf wurde den nach Friedrich adt Abziehenden nachge⸗ drängt, da sicht ich unsere Offen sive schneller als die neuversuchte russische lief. Die er en Waldstellungen vor Friedrichstadt wurden überrannt, die zweite Linie nach sorgfältiger Artillerierorbereitung genommen, starke Kapalleriemassen deckten die Flanke gegen Düna⸗ burg. Nach dem Verlust der ausgezeichneten zweiten Stellung konnten die Russen Friedrich adt selbst nicht mehr halten; sehr starke russische Kräfte die 12. russische Armee waren im An⸗ transport, aber sie kamen zu spät. Aehnlich wenn auch die Aus⸗ maße diesmal viel geringer waren wie bei Tannenberg, spielte sich der Kampf um Friedrich adt insofern ab, als ein neuangekom⸗ menes russisches Armoelorps bei Steinort untätig zusah, wie die tapfere 3. russische Schützendivisson vor Friedrichftadt ver⸗ nichtend geschlagen wurde Ein ganzes russisches Schützenregiment fiel in unsere Hände, 5000 Mann und 25 Offiziere waren die

Gesamtbeute dieses Tages, den vernichtendes Mörserfeuer eröffnet

hatte. Nachts zog man in das ausgestorbene Friedrichstadt ein, nur

Katzen flüchteten vor den Schritten unserer Marschkolonnen in der

toten Stadt. Noch in der Nacht des 12. September wurden die Vor⸗

bereitungen 0 Rechtsschwenkung auf Jakob adt g⸗troffen.

9 Inzwisckhen war die Ausladung der 12. russischen Armee in Riga, Lennewaden, Friedrichstadt, Jakobstadt beendet. In schweren Gefochten kämpften sich unsere Truppen in Richtung Jakobstadt

vorwärts, die Gefechte bei Dandsewas waren besonders blutig.

Duvch Kavalleriebedrohung von Silden hir unsene Kavallerie

in Kurland ist genug herumgeworfen worden, und sie kann stolz

auf diese kurländische Ehrenzeit sein fühlten die Russen ihre

Flanken so stark gefährdet, daß sie in Richtung Jakobstadt zurück⸗

fluteten. Ueberall waren jetzt entweder an der Düna oder in dem

Bogen vor Jakobstadt günstige Linien für uns erreicht. Die Kämpfe gegen Dünaburg gingen inzwischen wei er bis zum Durchbruch der 15. Stellung und der Erstürmung des Schloßberges.

Als ich von der Front vor Dünaburg fortfuhr, ging die Kano⸗ nade Tag und Nacht; Jedlowa, das kleine Nest, schien unter dem Dröhnen der schweren Geschütze zu zittern, aus dem Zwiegespräch, das ich auf dem Schloßberge hatte beginnen hören, war ein scharfer Wortwochsel e Die Russen meinten es bitter ernst mit hrem Durchbruchsversuch am Swentensee, und ebenso hart war

ie deutsche Antwort. Die Russen hatten schließlich unter sehr schmeren Verlusten ein Stück Raum gewonnen, unter dem Häm⸗ mern der deutschen Artillerie mußten sie am Tage darauf wieder zurück. Das Dröhnen hinüber, herüber, hörte nicht auf in diesen Tagen, so daß die Stille des kleinen kurländischen Fleckens Subat, in dem ich diese Nacht auf der Fahrt an die Front bei Friedrichstadt zubrachte, fast drückend war. Drückend wie diese ganze Fahrt durch Kurland, in dem viel deulsches Leid aus den törten Schlössern, den leeren, so deutschen Wohnungen und Häusern spricht. Es war das Doktorhaus von Subat, in dem ich schlief, An der Zimmer⸗ wand hing das Wappen der Dorpater BurschenschaftCuronia, Curonia sei's Panier! Darunter der Burschenspruch:

165. Jahrgang NN 0

0

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Walen den Scheitel auch silberne Haare, Böant der Bursche verjubelte Jahre! Der deutsche Glanz der Dorpater Universität ist längst von den Russen verdorben worden, nur in den alten Doktorwoh⸗ nungen und Pastoreten von Kurland und Livland und auf den Edelsitzen blühte die Erinnerung, jetzt frißt der Krieg auch die alten, freundlichen Dinge. 5

In einer Gärtnerwohnung nebenan lagen Flüchtlinge aus Illuxt. Eine alte Frau, die die Haushälterin des Illuxter Dok⸗ tors gewesen war, sorgte für die andern. Sie hatte selbst fast nichts, aber sie sprach kaum ron den Nöten, die ihr alter Kör⸗ per kennen lernen mußte, ihre Sorge galt den Kindern, die nebenan auf dem Stroh spielten, einer Greisin, die hilflos vor sich hin weinte. Ihr Brotherr war nach Dorpat geschickt worden, als unsere Truppen sich der Illuxt⸗Linie näherten, sie hatte ver⸗ sprochen, zu bleiben.Wer konnte wissen, daß es dann so kam? Sie saßen beim Mittagessen, die Artillerie war stille geworden da kamen die ersten Mannschaften durch den Park in die Woh⸗ nung.Wir konnten ihnen allen zu essen geben. Dann kamen Offiziere. Sie saßen um den runden Tisch, es war ja noch alles gut. Ich hatte Bettzeug für sie. Dafür dankten sie besonde Dann begann die ruffische Kanonade. Wir mußten hinaus. Es rpar Nacht und kalt, als wir fuhren. Sie waren alle so freund⸗ lich und sie sind wohl gut. Aber ich war dreißig Jahre dort

Jetzt hat wahrscheinlich der Krieg das Haus in Illuxt ge⸗ fressen. Er sitzt auf den verwüsteten, faulenden Feldern Kur⸗ lands. Die Unseren können ihn nicht mild machen, so rührend sie sich oft darum mühen.

Der Nebel quirlte am andern Morgen auf allen Wegen, über die Fekder, hüllte den Wuld in weiße Tücher. Matt und seltsam glänzten die Seen auf, die Nähe war geheimnisvoll, Kirchen und Bäume sahen wie fremde Wesen durch die matte. weiße Luft. So war es auch, als ich von Steinfeld, von dem hübschen Pfarrhaus, zur Front ging.Man fann heute bequem bis zur Düna gehen, ihre 2

1

rlillerfebeobachtung sieht nichts und ihre Scharsschützen am jenseitigen Dünarand mülssen still sein, sagte der Gencralstäbler. Der Lehmboden war zähe, als wollte er einen festhalten. Ueber feuchte 1 auf denen der Schnee 1 ing es weiter. Da waren Stäbe in der Erde, die eine russis⸗ inie, die traciert war, anzeigten.Sie haben sie dann nic ganz fertig bekommen, meinte der Hauptmann. Eine schöne Sil⸗ houette wuchs aus den Schleiern. Fest und breit unten, schmal aufsteigend mit gewölbter Kappe stand eine Mühle auf niedrigem Hügel.Wir wollten sie schen in Betrieb nehmen, aber es ist 05 zu nahe, vorgestern schoß der Russe hinein. Granaten hatten in die Haube gebissen und die steinerne Stirnwand zer⸗ trümmert.

Wir kletterten in den Annäherungsgraben, kamen an hübschen, sauberen Unterständen vorbei, und dann ging es steil hoch. Die dichten Tannenzweige wurden lichter. Durch die Schießscharten sah ich den grau⸗schwarzen Spiegel der Düna. Sie mag hier 80 Meter breit sein. g

Es fing an heller

u werden. Immer leichter wurden die Schleier. Man erkannte

sthen die russische Linie. l

Die Ufer sind hier ungefähr etwa gleich hoch, die deutsche Seite mag die russische ein wenig überhöhen. Man sah die Gehöfte drüben deutlich.Sie müßten uns jezt eigentlich auch sehen, sagte der Oberleutnant. Da begann auch schon das Knallen. Hier, dort. Eine Antwort kam von unserer Seite.

Warum hast du geschossen?, fragte der Hauptmann.

Es lief ein Kerl zum Fluß runter. 5

Was machst du nun, wenn du drüben den Abhang größere Abteilungen herunterkommen siehst, 0

Ad Lenachrichtige den Unteroffizier.

n

Und inzwischen schieße ich.

Und wenn nun von links herunter welche kommen? Die kannst du doch schlecht sehen? 5

Dann klettere ich auf die Lehne und schieße auch.

Die Hauptsache ist Schießen.

Wird besorgt! Zu Befehl!

Die ruhigen Augen des jungen Soldaten gingen wieder auf den schwarzen Rand am jenseitigen Dünaufer.

Die Dünalinie ist hier ausgezeichnet für uns. Ein vaar Kilo⸗ meter lang bin ich sie abgegangen. Das meiste, was ich dort sah, ist natürlich noch nicht zu beschreiben. Aber:Die Hauptsache ist Schießen.Wird besorgt! 115 Befehl! Das schien mir das wesentlichste an dieser Dünastellung zwischen Jakobstadt und Fried⸗

richstadt. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

Aus Hessen. Wechsel im hessischen Finanzministerium.

Der Großherzog hat am 15. November den Minister der Finanzen Dr. Dr.⸗Ing. Ernst Braun auf sein Nachsuchen, unter dankbarer Anerkennung seiner langjährigen, treuen und ausgezeichneten Dienste, mit Wirkung vom 1. Januar

Darmstädter Theaterbrief.

Den Darmstädter Theaterfreunden sind am Schluß der Woche zwei höchst interessante Erscheinungen dargeboten worden: Eine Gastdarstellung der Münchener Kammerspiele im Ma⸗ thildenhöhe⸗Saal und im Hoftheater die Erstaufführung des neuen Schauspiels von Hermann BahrDer Queru⸗ lant, mit der Gattin des Autors, Frau Bahr⸗Milden⸗ burg der berühmten Wagnersängerin, in der dramatischen Hanpt⸗ rolle des Stückes. Diesem ersten Versuch der BayreutherKundri Sängerin, sich auch einmal als Schauspielerin zu betätigen, sah man in weiten Kreisen mit dem lebhaftesten Interesse entgegen, auch ihr Gatte war zu dem eigenartigen Experiment herbeigekom⸗ men Der Querulant ist der Wegmacher Mathias Gunglbauer, dessen einziges auf der Welt sein treuer Hund bildet. Diesen hat der Forstmeister Oedlinger erschossen. Der alte Gunglbauer ist darüber zu Tode betrübt und verlangt Gerechtigkeit, die er nur darin erblickt, daß derMörder vom Gericht ins Zuchthaus gesteckt wird Alle Vorstellungen, daß hier nach der Rechtsanschau⸗ ung nicht Mord, sondern nur Sachbeschädigung vorliege und er sich mit einer Geldabfindung begnügen müsse, weist er schroff zurück, und weder der Richter, noch der Pfarrer oder die Tochter es Oedlinger vermögen ihn von seinem Verlangen abzubringen. Er verrennt sich vielmehr in seiner starrköpfigen Einfalt so weit, daß er Rache zu nehmen und die Tochter zu erwürgen beschließt. Erst bei Ausübung der mißglückten Tat, die nur einen schweren Nervenchock zur Folge hat kommt er zur Vernunft und nun geht er in seiner unerschütterlichenGerechtigkeit so weit, daß er sich selber dem Gericht denunziert und seine Bestrafung verlangt. Und der Richter kennzeichnet die Situation mit den Worten: Den kriegen wir schon los; die Geschworenen werden doch ein⸗ sehen, daß der unzurechnungsfähig ist. Diesem eigenartigen Hel⸗ den des Stückes sind in dem polternden, rechthaberischen Ober⸗ förster und seiner Tochter Marie Pendants gegenübergestellt, zwi⸗ schen denen sich die ganze, recht e Handlung entwickelt.

Der Autor hat besonders die Figur der Marie mit scharfer, lebens⸗ woller Charakteristit ausgestattet und damit der Darstellerin eine

ehr schwierige Aufgabe gestellt, die sie besonders in den großen Szenen mit dem Richter und dem Pfarrer vortrefflich löste. Die lebte, etwas 15 lang ausgesponnene Szene bildete den Höhepunkt hrer Darstellung und zeigte, daß die Sängerin auch ein hervor⸗

des dramatisches Talent besitzt und sie namentlich für Partien,

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wie Sappho, geeignet macht. Hielt sie sich auch in den ersten Akten etwas zu reserviert und nüchtern, so fand sie doch bald auch in ihrem serlischen Konflikt innere Herzenstöne, und die sichere Be⸗ herrschung des österreichischen Dialekts, in dem das ganze Stück geschrieben ist, sicherten 1 vollends den Erfolg, über den das Publikum auch das Gro b herzogspaar war zugegen mit häufi⸗ gen Hervorrufen und Blumenspenden quittierte; der Verfasser wurde ebenfalls durch mehrere Hervorrufe ausgezeichnet. Von den heimischen Künstlern verdient in erster Linie Herr Wester⸗ mann für die sorgsamst ausgearbeitete Charakterfigur des Ma⸗ thias Anerkennung. Den Pfarrer 2 Herr Baumeister, der auch als Spielleiter für prächtige Bühnenbilder sorgte, sehr wir⸗ kungsvoll und auch die Herren Heinz(Forstmeister) und Ehrle 1 waren ausgezeichnet, während die Darstellerin der schrul⸗ enhaft überspannten Tante im Forsthause viel zu stark auftrug.

Das Gastspiel der Münchener Kammerspiele vermit⸗ telte uns die Bühnenbekanntschaft mit Strindbergs beiden EinakternDie Stärkere undDer Gläubiger. Der erstere ist nur ein Zwiegespräch zwischen zwei auf einander eifer⸗ süchtigen Künstlerinnen, von denen die eine andauernd schweigt. In denGläubigern dagegen wird gründliche Abrechnung zwischen zwei Männern gehalten, von denen der eine durch ein dämonisches Weib zugrunde gerichtet worden ist. Leider gestattet uns der Raum nicht, hier eine sehr naheliegende Parallele zwischen Strindberg und Ibsen zu ziehen, die sehr zugunsten des ersteren, ausfallen würde. Daß die Darsteller: Frau Unda(Tekla), Frau v. Jacoby(die stumme Künstlerin) und die Herren Kalser (Adolf) und Paul Marz(Gustav) in ihren Partien Ausgezeich⸗ netes leisteten, bedarf kaum der besonderen Erwähnung.

fr. h.

* Die französischen und englischen Bücher werden teurer! Sowohl auf dem französischen wie auf dem englischen Büchermarkte macht sich der Druck des Krieges schwer fühlbar. In Frankreich ist die Genossenschaft der Verleger, um der Not des französischen Buchhandels einigermaßen abzuhelfen, mit dem Vorschlage hervorgetreten, den Preis sämtlicher Bücher um 10 v. H. zu erhöhen und in London hat eine Reihe führender Verleger, u. a. auch das große Haus Macmillan u. Co., eine

Preiserhöhung bereits durchgeführt. In England will man

jener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

3

5 85 5 5 in Verbindung damit überhaupt eine Umgestaltung des Bücher⸗

2 5

Dienstag, 16. November 1915

3

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen l

Uniwversitäts- Buch- und Steindruckerei. 5 R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschältsstelle u. Druckerei: Schul

straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: 51, Schrift⸗

leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichtem Anzeiger Gießen.

1916 an in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß das Großkreuz des Ordens Stern von Brabant ver⸗ liehen, sowie ihn mit Wirkung vom gleichen Tage mit der Führung der Geschäfte des Präsidenten der Oberrechnungs⸗ kammer beauftragt,

Der Oreßherzog hat am 15. November den Ministerial⸗ rat im Ministerium der Finanzen und Vorsitzenden der Abteilung für Steuerwesen, Staatsrat Dr. Johannes Becker, mit Wirkung vom 1. Januar 1916 an zum Präsi⸗ denten des Ministeriums der Finanzen ernannt.

Der neue Finanzminister ist im Jahre 1869 zu Ludwigshöhe, Kpeis Oppenheim, als Sohn des Bauunternehmers Franz geboren. Er besuchte das Gymnasium zu Mainz und studierte in Gießen, Leipzig, München und Berlin. 1896 wurde er Amts⸗ anwalt in Offenbach und fand bald danach richterliche Verwendung am Amtsgericht Bingen. 1897 wurde er Hilfsarbeiter, 1900 vor⸗ tvagender Rat im Ministerium der Finanzen. Seit 1902 ist er Ministerialrat, seit 1908 Geh. Rat. 1912 wurde er zum Stell⸗ vertreter des Bevollmächtigten zum Bundesrat ernannt.

Märkte. le. Tronturt a. M. Viehhofmarktbericht vom 15. Nov. Auftrieb: Rinder 2409(Ochsen 2, Bullen 0, Kühe und Järsen 224% Kälber6, Schafe 590, Schweine 2786. Marltverlauf: Rinder gute Ware gesucht und lebhast, sonst ae⸗ 5 drückt, bleibt Ueberstand. Kälber, Schafe, Schweine lebhaft, wird 5 Preise für 100 Pfd.

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geräumt. 5 Lebend- Schlacht- Ochsen. gewicht 2 Vollflesschige, aus dem ete, höchsten Schlacht- Mk. Mk. 11 wer es, 47 Jahle alt. 71 188 Jun e fleischige, nicht ausgemästete und ältere b ausarmästet tee ,Tsd ed, Mäßig genäßhrte junge 9 aut genährte ältere 58 62 110-115 2 Bullen. 1 Vollfleischige, jün arenen 6070 115120 Mäßig genährte junge und aut genährte ältere 58-62 108-1178 Färsen, Kühe.. 1 Vollfleischige ausgem. Farsen höchst. Schlachtw. 6167 115 125 Vollfleischige ausgem. Kühe höchsten Schlacht⸗ 1 N wertes bis zu 7 Jahren6066 110-129 Wenig qut entwicke te Farsen. 52 58 lo i- Aellere ausgemäslete Kühe 455? 90104 Manig genährte Kühe und Färsen.. 33-42 7 Gering genährte Kühe und Färsen. 30-38 68 80 Kälber. einste Mastkälber. 3178-80 1281838 Mittlere Mast- und beste Sauakälber. 70-74 117123 5 Geringere Mast⸗ und gute Saugkälber. 6570 110-119 Geringe Saugkäl ber. 60-65 102110 Schafe. 4 Mastlämmer und Masthammel 60-00 130-00

Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht Vollfleischige Schweine Leben dgewi ht..

8

108.00 00 00 00.00 00 80 kg a

93.00 00.0) 00.00- 00.00

Vollfleischige Schweine von 100 bis 120 kx Lebendgevicht.. 118.0000.)0 00.00 00.00 Vollfleischige Schweine von 120 bis 5 150 kz Lebend gewicht 123.0012900 00.00- 00.00 le. Frankfurt a. M., 15. Nov. Frucht⸗ und Futter mittelmartt. Ange ot in Getreide fehlt. Die Nachfrage nach Futtermittel ist weniger dringend, das Angebot ist größer ge worden, doch ist nur kleines eschä't. Leinkuchen 70-75 Mk., Kartofel-Futtermehl 424 Mk., Ripschrot 606 Mk., Biertreben 50 5 Mk., Srelesoreu 1213 Mk. Spelzstreu gemahlen 28 bis

24 Mk. Alles für 109 kg.; se. Frautsurt a. M., 15. Nov. Kartosfelmartt. Man notierte 4.50 wit ver 100 kg in loser Ladung ab Versand⸗

station. Es sehlte an ge ügendem Angebot.

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deshelb sendet sie ins Feld!

Oderall zu haben wo Bekl. am fenster in Beuteln v. 15 Pfg.

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preises durchführen, dem Publikum den bisher gewährten hohen Rabatt auf Bücher entziehen, und es an den vollen Ladenpreis gewöhnen, also, buchhändlerisch gesprochen, alle englischen Bücher innet⸗bobks umwandeln. Allenfalls soll beim englischen Nor⸗ malroman, dessen Preis 6 Schilling beträgt, an der Behandlung festgehalten werden. Was die 6 sh.⸗novel für England, das ist bekanntlich der 3,50 Franken⸗Roman, die bekanntengelben Bücher in Frankreich. französische Buchhandel hat von je 85 nach bestimmten Einheitssätzen gestrebt, wie denn z. B. der durch⸗ schnittliche Preis für ein wissenschaftliches Werk einfacherer Aus⸗ stattung in Frankreich 7,50 Franken beträgt. Uebrigens ist der wirkliche Preis, den man in Frankreich für die 3,50 Franken, Bände zahlt, noch geringer: er beträgt nur 2,80 Franken, und diese Ermäßigung ist in der eigentümlichen Organisation des französischen Buchhandels begründet. Der französische Durch⸗ schnittsverleger nimmt nämlich nur ungern das ganze Wagnis einer Neureröffentlichung auf sich, er pflegt sich daher meisten⸗ teils mit seinen Geschäftsfreunden auf bedeutende Kommissions⸗ bestellungen zu einigen, die er ihnen zu so niedrigen Preisen liefert, daß sie die Exemplaxe billiger zu verkaufen in der Lage sind als der Verleger selbst. Seine Rechnung findet diefer in dem erheblich 0 5 Absatz, der durch dieses Verfahren erzielt wird, oder in der Verminderung des Verlustes, falls sein neuer Verlags⸗ artikel nicht einschlägt. Natürlich pflegt der französische Verleger unter diesen Umständen dem Verfasser nur ein mäßiges Honorar zu zahlen, er gibt ihm meistens ein geringes Fixum und be⸗ teiligt ihn im übrigen mit einem bestimmten Gewinnsatze an jedem verkauften Buche. Da jedoch der Ladenpreis des Werkes aus den oben erwähnten Gründen nur selten voll bezahlt wird, so kommt der Verfasser nur in den seltensten Fällen auf seine Rechnung. Berühmte französische Dichter haben denn auch selber Verleger gespielt, wie z. B. Balzac, oder sie haben sich mit Buch händlern verbunden, die ihnen ganz ungewöhnliche Bedingungen einräumten, weil ihr Geschäft erst durch den Schritt des Dichters Bedeutung gewann; so haben z. B. Chateaubriand und Lamartine gehandelt. Daß die Gründung der VerlagsgesellschaftMercure de France eine ähnliche Befreiung der französischen Schrift⸗ steller vom Verleger bezweckte und den ersteren unter Ausschal⸗ tung der Risikospekulation größeren Gewinn gewährleistete, durfte nicht unbekannt sein.