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General⸗Anzeiger für Oberhessen 5
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Montag, 8. November 1015
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Große Siege in Serbien. Griechenland behält seinen Kurs bei. Hitcheners neue Mission im Grient.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 6. Nov.(Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauhlaßz. Im Handgranatenkampf wurden die in den Ostteil unseres neuen Grabens nördlich von Massiges eingedrungenen Frau⸗ zosen wieder daraus vertrieben. 8 Soust verlief der Tag unter teilweise lebhaften Artillerie⸗ kämpfen ohne Ereignisse von Bedeutung. 0 Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. 5 Die Russen wiederholten ihre Durchbruchsversuche bei Dinaburg mit dem gleichen Mißersolge wie an den vorher⸗ gehenden Tagen. a Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Die Lage ist unverändert.
Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Nordöstlich von Budka wurden weilete tussische
Stellungen genommen. 2
Bei Siemikowee ist Ruhe eingetreten, der Gegner ist in seine alten Stellungen auf dem Ostuser der Strypa zurück⸗ geworfen. In den nun abgeschlossenen Kämpfen verloren die Russen an Gefangenen 50 Offiziere und etwa 6000 Mann.
Balkan⸗Kriegsschauplaß.
Im Tale der westlichen Morava wird südöstlich von Cacak gekämpft. Kraljevo ist genommen. Oestlich davon wird der Feind versolgt. Sdubal ist erreicht, der Z u⸗ pan jevacka⸗Abschnitt ist überschritten! Im Mo⸗ rava⸗Tale wurde bis über ar nachgedrängt; durch Handstreich setzten sich unsere Truppen noch nachts in Besitz von Varvarin. Ueber dreitansend Serben wurden gefangen genommen.
Bei Krivirir ist die Gefechtsfühlung zwischen den Deutschen und bulgarischen Haupllräften gewonnen.
Die Armee des Generals Bojadfjieff hat bei Lu⸗ kovo und bei Soko⸗Banja du Gegner geworfen, über fünfhundert Gefangene Aa und sechs Geschütze erbeutet.
Nach dreitäggem Kampf ist gegen zähen Widerstand der Serben die befestigte Hauptstadt Nisch gestern nachmittag erobert. Bei den Kämpfen im Vorgelande sind drei⸗ hundertfünfzig Gefangene und zwei Geschütze in bul⸗ garische Hand gefallen. Oberste Heeres leitung.
v) Großes Hauptquartier, 7. November.
(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. 5 l
Oestlicher Kriegsschauplaß. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.
Südwestlich und südlich von Riga wurden mehrfache russische Teilangriffe abgeschlagen. Vor Dünaburg schei⸗ terten feindliche Angriffe bei Illuxt und zwischen Swenten⸗ und Ilsen⸗ See.
In der Nacht vom 5. zum 6. 11. waren die Russen nord⸗ westlich des Swenten⸗Sees durch nächtlichen Ueberfall in unsere Stellungen eingedrungen; sie sind gestern wieder hinausgeworfen.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Die Lage ist unverändert.
Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Nordwestlich von Czartorysk wurden bei einem ab⸗ geschlagenen feindlichen Angriff achtzig Gefangene gemacht und ein Maschinengewehr erbeutet.
Valkan⸗Kriegsschauplatz.
Oesterreichisch⸗ungarische Truppen haben den Feind von der Gracina⸗Höhe(12 Klm. nordweftlich von Jwan⸗ licch zurückgedrängt und sind im Tal der westlichen Morave über Slatina hinaus vorgedrungen.
Beiderseits von Kraljevo ist der Flußübergang er zwungen. In Kraljevo, das nach heftigem Straßenkamp von brandenburgischen Truppen genommen wurde sind hundertunddreißig Geschütze erbeutet.
Oestlich davon gingen österreichisch⸗ungarische Truppe vor und machten vierhunderteinundachtzig Gefangene.
Unsere Truppen stehen dicht vor Krusevac. Din Armee des Generals v. Gallwitz nahm gestern über drei⸗
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Imter unserem
tausend Serben gefangen, erbeutete ein neues englisches Feldgeschütz, viele bebzadene Munitionswagen, zwei Verpfle⸗ gungszüge und zahlreiches Kriegsmaterial.
Oberste Heeresleitung.
***
In Serbien sind glänzende Siege erfochten worden, und Bulgarien weiß sich der sicheren und dauernden Er⸗ füllung seiner nationalen Wünsche ganz nahe. Jener nach⸗ stehend mitgeteilte Depeschenwechsel zwischen dem bulgari schen Generalissimus 5 dem Ministerpräsidenten Rados lawow legt die englisch⸗russischen Pläne ein für allemal in Fesseln. Ihm steht gegenüber eine Kundgebung eitler französischer waar a die vom neuen Minister⸗ präsidenten Briand an Pasitsch gerichtet ist und worin den Serben immer noch Hilse versprochen wird. Dabei erfahren wir heute durch den amtlichen bulgarischen Bericht, daß bei Prilep, Kriwolok und Strumitza(Orte, die etwa 100 Kilo⸗ meter nördlich von Saloniki in einer ebenfalls 100 Kilometer langen Strecke liegen) die Franzosen und Engländer unter beträchtlichen Verlusten geschlagen worden sind.„Viele Ge⸗ fangene und unübersehbares Kriegsmaterial aller Art fiel,“ 0 fügt der Bericht hinzu,„in unsere Hände.“ Man kann
ie Tragweite dieses Sieges nicht hoch genug anschlagen. Die „Entente“, die soeben ihren noch nicht mit Lorbeeren der neuen Kriegsgeschichte geschmückten Helden Kitchener in ge⸗ heimnisvoller Mission nach dem Osten entsendet, hat einen vernichtenden Schlag erlitten, von dem sie sich schwerlich wieder aufraffen wird. Der neue griechische Ministerwechsel, den König Konstantin vollzogen hat, bringt einen 80jährigen. Greis ans Ruder, und es ist klar, daß dieser nur den Namen für die Politik des Königs und seiner Generale hergibt. Jeder Tag bringt es neu ans Licht, daß für die neutralen Balkan⸗ staaten jetzt nicht Diplomatisieren im leeren Raum die Parole sein darf, sondern vor allem sachverständige Einschätzung der militärischen Lage und Möglichkeiten.
Die Haupt⸗ und 1 des Serbenkönigs, Nisch, ist gefallen! Die letzte Feste des Serbenreiches, die den Vor⸗ marsch der Bulgaren an der Morawa aufhalten konnte, ist verloren, und unter dem unwiderstehlichen Druck der sieg⸗ reich einmarschierenden Truppen, von Norden und Süden umfaßt, weichen die Serbenheere nach Montenegro und ge⸗ gen die. Grenze zurück. Nisch war im Laufe des ganzen Krieges der Sammelpunkt der serbischen Regierung und das Hauptquartier des serbischen Heeres, und wenn die verantwortlichen Minister und Generäle des Serbenvolkes sich auch längst in Sicherheit gebracht haben, so ist der Fall von Nisch doch entscheidend für den serbischen Feldzug, und in England, Frankreich, Rußland und Italien wird man mit Schrecken und Erschütterung von der Einnahme Nischs durch die Bulgaren erfahren.
Wenn der Zweck des 8 ist, die wich⸗ tige Bahn von Belgrad nach Sofia, d. h. die Zwischenstrecke der Bahn von Berlin nach Konstantinopel, in deutschen Besitz zu bringen, so ist dieser Zweck durch den siegreichen Vor⸗ marsch der Bulgaren nahezu erreicht. Nur noch wenige Kilometer der Bahn zwischen Nisch und Paracin können noch in den Händen der Serbez sein. Aber dieser Besitz wird kaum noch nach Tagen, sonde ur noch nach Stunden zu zählen sein. Schon bringt unser neuester Tagesbericht die Kunde, daß unsere Truppen dicht vor Krusevac stehen! Krusevac liegt zwischen Paracin und Nisch, an der westlichen Morava, nur 20 Kilometer von der Eisenbahnlinie Belgrad⸗ Nisch entfernt! Auch im weiten Westen Serbiens schiebt sich unsere Front unaufhaltsam vorwärts; in Kraljewo, das von brand gischen Truppen ge⸗ nommen worden ist, sind nicht weniger als 130 Geschütze erbeutet worden. Auf schwierigen Gebirgsstraßen muß die serbische Armee nach Süden flüchten. Zwischen der Armee von Gallwitz und der ersten bulgarischen Armee ist die Verbindung völlig e General Bojadjiew schützt nunmehr die östliche 5 anke der Verbündeten, mit deren Unterstützung er westlich der Binacka. Morawa weiter auf die Serben drücken kann, die vermutlich die Jastrebatz Planina, ein schwieriges Gebirgsgelände, das der Armee Gallwitz onst erhebliche Hindernisse bereiten würde, ohne Widerstand »äumen werden.
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Die österreichisch⸗ungarischen Tagesberichte.
Wien, 6. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 6. November 1915.
Russischer Kriegsschauplatz.
Der Feind unternahm gestern südöstlich von Wis⸗ 11.0 wozyk gegen unsere Strypafront zwei starke Angriffe. Seine Angriffskolonnen brachen, schwere Verluste erleidend, euer zusammen. Die Russen zogen sich chließlich sowohl hier, als auch öftlich von Burkano w ind Bieniawa in ihre Hauptstellungen zurück. Die Zahl der in den Kämpfen von Siemikowee eingebrachten Ge⸗ angenen stellt sich auf fünfzig Offiziere und sechstausend
Nann. Am unteren Styr gewinnen unsere Angriffe schritt⸗ weise Raum. a
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Ruhe an der Südwestfront hielt im großen und ganzen auch gestern an. Hierzu mögen die aus dem amb⸗ lichen Bericht der italienischen Heeresleitung bekannten un⸗ günstigen Witterungsverhältnisse beigetragen haben. Ver⸗ einzelte Angriffe des Feindes wurden abgewiesen. Im Ab⸗ schnitte von San Martino sind noch Nahkämpfe im Gange.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
„Die an der montenegrinischen Grenze kämpfenden öster⸗ reichisch⸗ungarischen Kräfte erstürmten vorgestern östlich von Trebinje den Ilino brdo und durchbrachen damit die montenegrinische Hauptstellung. Gestern wurde der Feind bei der Ruine Klobuk geworfen. Von der Armee des Generals v. Köveß gewann eine öster⸗ reichisch⸗ungarische Kolonne den Talpaß Klieura südlick non Arilje; eine andere drängte den Gegner über die. Jelica und südöstlich von Cacak zurück. Kraljevo wurde von deutschen Truppen besetzt. Weiter südöstlich überschritten deutsche und österreichisch⸗ungarische Abteilungen die westliche Morava. Die Armee des Generals v. Gallwitz nähert sich der Talenge nördlich von Kruse vac. Der serbische Haupt⸗ waffenplas Ni sch befindet sich in bulgarischen Händen. Auch Soko⸗Banfa und die Höhen westlich von Luko vo wur⸗ den non den Bulgaren genommen. Ueberall werden viele in Zivil gekleidete Deserteure der serbischen Armee aufgegriffen
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
Wien, 7. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 7. November 1915. 8
Russischer Kriegsschauplatz. f Ssdöstlich von Wisniowic zyk an der Strypa und nordwestlich von Dubno schlugen unsere Truppen starke russische Angriffe ab. Bei Wisniowezyk war es der siebente Angriffsversuch, den die Russen in den letzten vier Tager gegen dieses Frontstück gerichtet haben. Sonst im Norden nichts Neues.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Lage ist unverändert.
Alle Versuche des Feindes, unsere Stellungen im Ab⸗ cet von San Martino zu durchbrechen, sind ge⸗
eitert. Südöstlicher Kriegsschauplaß.
Die Montenegriner versuchten, die ihnen in den letzten Tagen entrissenen Stellungen zurückzugewinnen. Ihre Angriffe scheiterten. f
Die im Morapica⸗Tale vordringende österreichisch⸗ ungarische Kolonne befindet sich im Angriff gegen die Höhen nördlich von Iwanjica. Südöstlich von Cacak warfen wir den Feind über den Glogovacki Vrh zurück. 2
Bei der Einnahme von Kralje vo durch die Deutschen wurden 130 serbische Geschütze eingebracht.
Die südöstlich der Gruza⸗ Mündung kämpfenden k. und k. Truppen haben gestern 500 Serben gefangen ge⸗ nommen. 0
Die Armee des Generals v. Gallwitz erreichte unter Kämpfen nördlich von Krusevac das Tal der westlichen
Morava. f N Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
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Die Begeisterung in Sosia.
Sofia, 7. Nov.(WTB. e Meldung der A Telegraphen⸗Agentur. Im Verlaufe der aus Anlaß Eroberung von Nisch veranstalteten öffent⸗ lichen Kund 1 bereitete die Menge dem König und Ministerpräsidenten Huldi⸗ bir Der König dankte für die Kundgebung und sagte,
ie Huldigungen, die ihm bereitet würden, gelten sicherlich den ununterbro Erfolgen des tapferen bulgarischen. Heeres. Radoslawow hielt an die vor dem Ministerrats⸗ Palast versammelte Volksmenge eine Ansprache, in der er erklärte die bulgarische Nation habe endlich ihre geschicht⸗ lichen Wünsche verwirklicht und jene Städte in ihren Schoß zurückkehren lassen, die ihr vor 40 Jahren entrissen wurden. Die Staatsmänner würden das, was das Heer mit seinem Blute erobert habe, zu wahren wissen.
Sofia, 6. Nov.(WTB. A e Meldung der Bulgarischen Telegraphen⸗Agentur. Aus laß der Ein⸗ nahme von Nisch ist die ganze Stadt festlich be⸗ flaggt. Die Schuljugend veranstaltete in den Straßen eine Freudenkundgebung durch Absingung patriotischer Lie⸗ 825 In der Kathedrale fand ein feierlicher Dankgottesdienst tatt.
Berlin, 8. Nov. In seinem Berichte an den„Berliner Lokalanzeiger“ über den Jubel in Sofia wegen des Falles von Nisch meldet Kurt Aram u. a.: Vor der deutschen Gesandtschaft begrüßte in Abwesenheit des Gesandten sein Vertreter die fubelnden Scharen, dankte für die Kundgebung, gab der Freude über die Siege der verbündeten Völker Ausdruck und schloß mit einem Hoch auf die verbündeten Fürsten, Heere und Völker. Nachdem die Wacht am Rhein gespielt worden war, hielt ein Bulgare in deutscher Sprache eine Rede. Unter unzähligen Hochrufen und den Klängen
der bulgarischen Hymne zerstreute sich alsdann die Menge. In den Bericht Kurt Krams heizt es weiter: Die wullwiörssche 3008.


