isse wegraumten. In Carnten erneuerten sich die gluck⸗ ichen Einfälle unserer Truppen in die Hochtäler des Degano, But und Chiarzo. Tem Feinde wurden 24 Gefangene abgenommen, darunter ein Offizier. Die Bedeutung des Erfolges vom 21. Okto⸗ ber im Seisera⸗Tal, wo 125 feindliche Leichen bestattet wurden, bestätigt sich. Längs des oberen und mittlespen Isonzo vervoll⸗ ständigten unsere Truppen gestern ihre Erfolge auf dem kleinen Javorcek, auf dem Hügel von Santa Lucia, östlich von Plava und auf dem Hügel von Oslavia. Zwei heftige Gegenangriff des Feindes gegen den Mrzli wurden abgewiesen. Auf diesem . wurden 151 Gefangene gemacht, darunter zwei siziere. Auf dem Karst nahmen unsere Truppen am Morgen des 22. Oktober mit neuer Kraft den Angriff wieder auf. Trotz des beharrlichen Widerstandes des Feindes gelang es unserer In⸗ fanterie, unterstützt durch das heftige konzentrierte Feuer zahlreicher und starker Batterien nach hin⸗ und herwogendem erbittertem und blutigem Ringen fast längs der ganzen Front vorsudringen, besonders gegen San Martino del Carso. 2000 Gefangene, dar⸗ unter 60 Offiziere,? Maschinengewehre und große Mengen Mu⸗ nition und anderes Material fielen in unsere Hände. N 0 a General Cadorna. Neue franzöfische 44 em⸗Geschütze. Berlin, 24. Okt.(Zens. Blu.) Aus Zürich berichtet der„B. 2“: Die„Neue Zürcher Lana erfährt, da gegenwärtig in Frankreich neue Kanonen hergestellt werden, deren Kaliber 44 Zentimeter betrage. Diese Kanonen sollen nicht nur mit Bezug auf die Kaliber eine Neuheit darstellen, sondern auch wegen des Geschosses, für das man eine der neuesten Erfahrungen nutzbar machte. Die Kanone sei bereits erprobt und habe ein durchaus befriedigendes Ergebnis geliefert.
General Rennenkampf zur Dispofition gestellt?
Berlin, 25. Okt. Aus Petersburg wird laut„Berliner Lokalanzeiger“ gemeldet, daß General Rennen kampf zur Disposition gestellt worden sei.
. Aus Petersburg.
Hopenhagen, 24. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung der„Rjetsch“ versucht die Petersburger Stadtverwaltung eine Million der Einwohner und Flüchtlinge abzuschieben, um dadurch die Verpflegung der übrigen zu erleichtern. Wie schlinmm im übrigen die Zu⸗ stände sind, zeigt eine weitere Meldung, daß die Wagen⸗ anzahl der Petersburger Straßenbahn vermindert werden mußte, weil Ersatzteile für Reparaturen fehlen; daher seien die verkehrenden Wagen stets überfüllt.
Eine russische Anleihe in Amerika. London, 24. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)„Daily Telegraph“ meldet aus New York vom 21. Oktober: Die Verhandlungen über die Errichtung eines russischen Kredites nähern sich dem Abschlusse. Der Kredit wird vermutlich die Form von Akzepten annehmen im Betrage von 25 bis 50 Millionen Dol⸗ lars. Das Geld soll für russische Ankäufe verwendet werden. Aus Luxemburg. 5 Luxemburg, 24. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das heutige Amtsblatt veröffentlicht einen großherzoglichen Be⸗ schluß, wonach Scheidemünzen aus Zink bis zum Betrage von 200 000 Franken ausgegeben werden. Die neue Münze besteht in Stücken zu 5 un 10 Centimes.
***
Der türkische Bericht. Konstantinopel, 24. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier berichtet von der Dardanellenfront: Bei Anaforta beschädigte unsere Artillerie die feindlichen Gräben schwer. Unsere Artillerie beantwortete das Feuer eines feind⸗ lichen Torpedobootes, das die Umgebung von Djongbair beschoß und traf es. Dichter Rauch und eine Explosion wurden an Bord des erwähnten Torpedobootes bemerkt, das in beschä⸗ digtem Zustande von anderen Torpedobooten nach Imbros ge⸗ schleppt wurde. Bei Ari Burnu und Sedd⸗ül⸗Bahr beiderseits zeitweise aussetzendes Geschür⸗ und Gewehrfeuer und
Bombenwerfen. st nichts von Bedeutung.
Der deutsche Botschafter in Konstantinopel i ertrankt.
Konstantinopel, 24. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der 9 5 1 05 Botschafter Freiherr v. Wangenhe im, der erst vor kurzem von einem Erholungsurlaub in Deutsch⸗ land hierher zurückgekehrt ist, ist seit einigen Tagen ernstlich erkrankt. Botschaftsrat Freiherr v. Neurath ist mit der vorläufigen Wahrnehmung der Geschäfte der Kaiserlichen Botschaft beauftragt.
Eine Botschaft des Königs von England g au sein Volk.
London, 23. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) In einer königlichen Botschaft an das Volk wird ollen In diesem ernsten Augenblicke des Kampfes zwis . organisierten Feinde, der das Völkerrecht mit Füßen tritt, sowie die Rechtsordnung, durch die die Staaten des zivilisierten Europa verbunden werden, appelliere ich an Euch. Ich freue mich über das, was das Reich bisher getan hat, und bin stolz auf die Antwort, die von meinen Untertanen auf der ganzen Welt bereits gegeben wurde, die ihr Heim, Vermögen und Leben geopfert haben, um zu ver⸗ üten, daß ein anderer das freie Recht erbt, das ihre und meine
tern aufgebaut haben Aber das Ende des Krieges ist noch nicht in Sicht. Es sind mehr Leute nötig, um die Truppen an der Front in voller Stärke zu halten und durch sie den Sieg und einen dauernden Frieden zu sichern. Die Botschaft endet: In früheren Zeiten ließ der dunkelste Augen⸗ blick bei allen Männern unserer Rasse stets den mächtigsten Ent⸗ schluß reifen. Ich ersuche Euch, Männer aller Klassen, Euch frei⸗ willig zu stellen, um am Kampfe teilzunehmen. Indem Ihr in weitem Maße dem Aufrufe Gehör schenkt, helft Ihr un⸗ seren Brüdern, die bereits monatelang die alten Traditionen Großbritanniens und den Ruhm seiner Waffen aufrecht erhalten
en.
5 Die Kabinettskrise in England.
London, 24. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der parla⸗ mentarische Korrespondent der„Times“ meldet: Die Zahl der Abgeordneten, die einen Regierungswechsel wünschen, wächst täglich.
London, 24. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die konser⸗ vative Wochenschrift„Spectator“ schließt einen Artikel, in dem sie vor Angriffen gegen die Regierung warnt, mit den Worten: Die Regierung muß im Amte blei⸗ ben, weil keine andere Regierung da ist, und die Mehrheit des Unterhauses das wohl weiß.
5 Der Seekrieg. Vier französische Dampfer im Mittelmeer versenkt. Paris, 24. Okt.(WB. Nichtamtlich.)„Petit Parisien“ veröffentlicht folgende amtliche Meldung: Vom 1. Oktober bis zum 20. Oktober wurden im Mittelmeer folgende fran⸗ zölische Dampfer von feindlichen Unterseebooten versenkt: „Provinvia“,„Sainte Marie“,„Antonia“,„Ami⸗ ral Hamelin“ Die drei ersten waren leer; die Besanung
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wurde gerettet. Auf dem„Amiral Hamelin“ kamen 64 Mann um.
(Der amtliche Bericht verschweigt, daß die 64 Umgekommenen Soldaten waren.)
Neue amerikanische unterseeboote für England.
Amsterdam, 23. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) In ameri⸗ kanischen Blättern findet sich folgende Meldung aus Boston vom 3. Oktober: Die Flottille neuer amerikanischer Unterseeboote, die der britischen Flotte von Gibraltar zuge⸗ teilt worden ist, hat die Reise über den Atlantischen Ozean mit eigener Kraft zurückgelegt. Die Unterseeboote wurden vom Kanonenboot„Kanada“ und dem Hilfskreuzer„Calgarian“ be⸗ gleitet und fuhren die ganze Zeit an der Oberfläche.
Ein neurfundener„Unterseebootsentdecker“.
Amsterdam, 23. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Aus amerika⸗ nischen Blättern. Nach Berichten des aus Frankreich zurückgekehr⸗ ten Ingenieurs und Erfinders William Dubilier ist ein von diesem erfundener Unterseebootentdecker an der fran⸗ zösischen Küste erprobt worden. Die uche hätten gute Erfolge. Die Schrauben des Unterseebootes auf eine Entfernung von 50 Meilen zu hören gewesen. Unter Zuhilfenahme zweier anderer Apparate, die im Abstande von 6 bis 10 Meilen an der Küste aufgestellt gewesen seien, hätte man auch die Richtung, in der sich das Unterseeboot bewegt habe, finden könne. Tas Geräusch der Schrauben werde durch ein mikrophonartiges Instrument aufge⸗ fangen und verstärkt. Die größte Schwierigkeit hätten die Ein⸗ mischungen fremder Geräusche verursacht, durch die das Geräusch des Unterseebootes gestört werde Mit dem Mechanismus, der dem bei der drahtlosen Telegraphie benutzten ähnele, ser es jedoch gelungen, die fremden Geräusche abzulenken.
Die Verluste der englischen Flotte im Mittelmeer.
London, 24. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Me. Namara hat auf eine Anfrage von Parlamentsmitgliedern die schrift⸗ liche Antwort gegeben, daß die Gesamtverluste der Flotte bei den Operationen im Mittelmeer, 1 4 von der Royal Naval Division, 119 Offiziere und 1463 Mann betragen.
Aus Stadt und Cand.
Gießen, 25. Oktober 1915.
Errichtung einer städtischen Preisprüfungsstelle. Unter dem Vorsitz von Geh. Justizrat Prof, Dr. Leist ist eine Preisprüfungsstelle für die Stadt Gießen errichtet worden, der folgende Mitglieder ange⸗ hören: Unbeteiligte Sachverständige und Ver⸗ braucher: Oberbibliothekar Dr. Ebel, Gastwirt Max Jaskowsky, Professor Dr. Wilhelm Kleeberger, Rechtsanwalt Freiherr Georg Schenck zu Schweins⸗ berg, Landgerichtsdirektor August Schmeckenbecher, Professor Dr. August Skalweit, Redakteur Friedrich Vetters, Frau Oberstleutnant Minna Naumann. Warenerzeuger, Großhändler und Klein⸗ händler: Guts⸗ und Brauereibesitzer Georg Bichler, Kaufmann Adolf Fischer, Molkereibesitzer Hans Grieb, Kaufmann Eduard Krumm, Kaufmann Leopold Mayer, Mühlenbesitzer Wilhelm Möser, Kaufmann August Noll,
Obermeister Ernst Ludwig Sack.
Es wird nun vor allem darauf ankommen, daß die Prüfungsstelle nicht nur ein papiernes Dasein führt. Ueber ihre Zwecke und Rechte wurden an dieser Stelle bereits wiederholt Mitteilungen gemacht. Abgesehen von der Ar- beitsentschlossenheit der Mitglieder, die ja vorausgesetzt werden darf, ist in allererster Linie die Mitarbeit des Publikums vonnöten. Nur wenn die ganze Bevölkerung durch ständige Mitteilung ihrer Beobachtungen und Be⸗ schwerden fortwährend anregend und antreibend mitwirkt, ist eine gedeihliche Tätigkeit der Stelle zu erwarten. Ihre Mitglieder müssen mit der Bürgerschaft in ständiger Berüh⸗ rung bleiben. Zu diesem Zweck wird im Stadthause eine Sprechstunde eingerichtet werden, an der ein gutes Wort auch stets eine gute Statt finden wird. Nähere Mittei⸗ lungen darüber werden in den nächsten Tagen gemacht wer⸗ den können.
*
* Auszeichnungen. Dem Kulturtechniker L. Rertz von hier, welcher vor kurzem zum Leutnant der Landwehr be⸗ fördert worden ist, wurde das Eiserne Kreuz verliehen.— Die hessische Tapferkeitsmedaille erhielt der Ersatz⸗Res. im Res.⸗Inf.⸗Regt 118 Otto Bock aus Gießen.
* Verwundeten⸗Fürsorge. Zur Unterhaltung und Belehrung der verwundeten und erkrankten Kriegsteil⸗ nehmer hat der Ausschuß für Unterricht und berufliche Fürsorge für Kriegsbeschädigte durch den Ausschuß für Volksvorlesungen zu Frankfurt a. M. eine Lazarett⸗ Zeitung herausgegeben, die neuerdings auch eine be⸗ sondere Beilage für die Lazarette von Gießen und Umgebung enthält. In der ersten Nummer wird neben der Besprechung der Sehens würdigkeiten von Gießen und Er⸗ wähnung des Soldatenheims über den Verwundeten⸗ Unterricht, der bis jetzt allgemein gut besucht wurde, berichtet. Eine wesentliche Erweiterung ist hierbei insofern eingetreten, daß den Verwundeten die kostenlose Teilnahme an sämtlichen Unterrichtsfächern der hiesigen Gewerbe⸗ schule gestattet ist.— Der übrige Unterricht, der in dieser Woche wieder beginnt, erstreckt sich auf folgende Fächer: Stenographie(Gabelsberger) Dienstag, Donnerstag und Freitag 7—8¼ Uhr abends im Soldatenheim. Beginn 26. Oktober.— Maschinenschreiben. In verschie⸗ denen Lazaretten und im Soldatenheim. Anmeldungen im Geschäftszimmer des Roten Kreuzes in der Alten Klinik. Beginn jederzeit.— Soziale Gesetzgebung(Kranken-, Invaliden⸗, Hinterbliebenenversicherung usw. nebst Aus⸗ . Dienstag und Freitag von 2—3 Uhr im Soldatenheim. Beginn 26. Oktober Eintritt jederzeit.— Französisch: Im Soldatenheim. Nach Anmeldung eben⸗ dort. Eintritt jederzeit.
n Protestfrist für Wechsel. Nachdem der Bun⸗ desrat durch Bekanntmachung vom 21. Oktober bestimmt hat, daß die Protestfrist für Wechsel, die in Elsaß⸗Loth⸗ ringen und in einzelnen Teilen der Provinz Ostpreußen zahlbar sind, frühestens mit dem 31. Januar 19156 statt mit dem 30. Oktober 1915 abläuft, ist die Postordnung vom 20. März 1900 entsprechend geändert worden. Danach wer⸗ den die Postprotestaufträge mit Wechseln, die in diesen Gebieten zahlbar sind und deren Zahlungstag in die Zeit vom 30. Juli 1914 bis einschließlich 28. Januar 1916 fällt, am 31. Januar 1916 nochmals zur Zahlung vorgezeigt werden. q
* Postsendungen an. 5 Italien. Die Postanstalten nehmen Postsendungen an Kriegsgefangene in Italien unter denselben Bedingungen zur Beförderung an wie an Gefangene in England usw.
Landkreis Gießen.
r- Lich, 24. Okt. Die Zahl der Kriegsteilnehmer unserer Stadt beläuft sich nunmehr auf 393. Davon starben den Heldentod 22, vermißt werden 9, in Gefangenschaft befinden sich 6, verwundet waren bisher 53, erkrankt 23. Mit dem Cisernen Kreuz wurden 26 ausgezeichnet, die Hessische Tapferkeitsmedaille
erhielten 15.
3. Steinberg, 24. Okt. Dem Unteroffizier Schresd t
im Res.⸗Inf.⸗Regt. 116 wurde die Hessische Tapferkeits⸗
medaille verliehen. Sein Bruder, Unteroffizier Lehrer Sch» dt,
im Juf.⸗Regt. Kaiser Wilhelm, wurde zum Feldwebel befördert. Kreis Friedberg.
e. Bad⸗Nauheim, 24. Okt. Das Fest der goldenen Hochzeit konnte heute das Ehepaar Geheimer Schulrat Wilh. Hemmes und Frau, geb. Goelz, in seltener körperlicher und geistiger Frische und Gesundheit begehen. Geheimrat Hemmes, er Vater des hiesigen katholischen Pfarrers, der sich seit zwe Jahren in den Ruhestand begeben hat, war vordem mehr als 50 Jahre an der Großh. Taubstummenanstalt in Bensheim, deren Direktor er war, tätig.— Auf Anregung der hiesigen Ortsgruppe des Roten Kreuzes haben fast sämtliche Verein unserer Stadt den Beschluß gefaßt, den unter den Fahnen stehen⸗ den Söhnen unserer Stadt, gemeinsam mit dem Roten Kreuz, gleichwertige Weihnachtspakete zuzusenden. Die beteiligten Vereine zahlen einen angemessenen Beitrag zu den entstehenden Kosten, während das Rote Kreuz einen festen Beitrag von. 2000 Mark leistet. Um die Weihnachtssendungen recht reich⸗ haltig ausstatten zu können, sind außerdem Listen für frei⸗ willige Geldspenden, die für den Zweck verwandt werden sollen, aufgelegt. Beschlossen wurde in der fraglichen Versammlung, daß jeder Bad⸗Nauheimer, also auch die im Garnisons⸗, Wach⸗ Grenz⸗ oder Etappendienst tätigen Kriegsteilnehmer, eine Weih⸗ nachtssendung erhalten solle
Hessen⸗Nassau.
Frankfurt a. M., 24. Okt. Die Stadt Frankfurt hatte zur Beschaffung billiger Kartoffeln für die minderbemittelte Be⸗ völkerung durch Vermittlung des zuständigen Landrats im Unter⸗ westerwaldkreise 40 000 Zentner aufgekauft. Um die Ausfuhr dieser Menge zu sichern, erließ der Landrat ein Ausfuhr verbot für den Kreis. Die Landwirte und Händler des Kreises erwirkten jedoch beim Landwirtschaftsministerium in Berlin die Aufhe⸗ bung des Ausfuhrverbotes. Die Folge war, daß die Westerwälder Spekulanten sofort für den Zentner 3,80 Mk. verlangten, und Frankfurt hat das Nachsehen und kann zusehen, wie es seine billigen Kartoffeln bekommt. Nun hat der Magistrat sich in dringenden Telegrammen an Ministerium, Regierung und General⸗ kommando gewendet und um sofortige Festsetzung von Kartoffel⸗Höchstpreisen für die Produzenten und den Handel ersucht und eine Ausdehnung des Beschlagnahme⸗ und Ent⸗ eignungsrechts über die in der Bundesratsverordnung gegebenen Vorschriften hinaus beautragt.— Kaum waren am Samstag früh die Höckstpreise für Butter in Kraft getreten, so war auch wie mit Zauberschlag jedes Stück Süßrahmbutter aus den Hand⸗ lungen verschwunden.„Es gibt keine Molkereibutter mehr,“ hieß es in allen Geschäften,„nur noch holländische“. Letztere wird mit 2,80 Mk das Pfund verkauft und ist in ziemlichen Mengen am Markte erhältlich.
An versitäts⸗ Nachrichten.
[1 Marburg, 24. Okt. Der heute in der Aula der Uni⸗
versität abgehaltene Festakt anläßlich der Einführung des neuen Rektors der Universität, womit auch gleichzeitig die akademische Hohenzollernfeier verknüpft wurde, stand unter dem Zeichen der Kriegszeit. Von den zahlreichen sludentischen Kor⸗ porationen waren nämlich nur etwa ein Dutzend mit ihren Fahnen. vertreten. Nach einleitendem Orgelspiel gab der seitherige Reltor, Geh. Rat Prosessor Dr. Korschelt, zunächst einen Bericht über das verflossene Amtsjahr. Er gedachte der Fürsorge der Staats- regierung, der Veränderungen im Lehrkörper und der vielen im Felde stehenden Angehörigen der Universität, von denen viele schon den Tod fürs Vaterland gefunden. In üblicher Weise übergab er dann seinem Amtanachfolger, dem Prosessor der Germanistik, Ernst Elster, die Zeichen seiner neuen Würde und wünschte, daß uns in dessen Amtsjahr ein ehrenvoller Sieg und Frieden beschieden sei. In seiner Antrittsrede gedachte der neue Reltor des Hohen⸗ zollern-Jubiläums und schloß einen Vortrag über die Entwicklung deutscher Art und deutscher Dichtung an. Mit dem gemeinsamen Gesang von„Ein' feste Burg ist unser Gott“ sand die stimmungs⸗ volle Feier ihr Ende. Heidelberg, 23. Okt. Infolge jahrelangen Herzleidens ist der Professor der Philosophie Tr. Wilhelm Windelband, 119. von Cuno Fischer, im Alter von 67 Jahren ge⸗ torben.
Vermischtes.
Ein Drama in den Lüften. Ueber ein Fliegerdrama,
das sich kürzlich an der Westfront abspielte, weiß ein englischer Sanitätssoldat zu berichten, dessen Schilderung der„Flug⸗ sport“ wiedergibt. Dieser Augenzeuge beobachtete eines Morgens mit einigen Kameraden ein englisches Flugzeug, als er plötzlich bemerkte, wie die Maschine bedrohlich zu schwanken begann und im Zickzackfluge den deutschen Linien zusteuerte. Unter dem lebhaften Feuer der dort aufgestellten Abwehrkanonen siel sie vorüber⸗ gehend, konnte sich aber bald wieder in höhere Luftschichten empor⸗ schrauben und wandte sich schwankend zu der englischen Front zurück, hinter der sie endlich niederging. Als von allen Seiten Nilfskräfte herbeistürzten, fand man den Beobachter tot in seinem Sitze, während der Pilot, ein englischer Sergeant, noch atmete und beim Herausheben mit brechender Stimme bat:„Ich bin blind, holt schnell den Kommandeur, damit ich ihm das, was ich beobachtete, als ich noch sehen konnte, berichte!“ Alsdann erstattete er dem rasch erscheinenden Abteilungsführer, der ihm feuchten Auges zuhörte, seinen Bericht und erzählte dann mit immer schwächer werdender Stimme, daß er während der Fahrt plötzlich einen Schmerz im Ohr verspürt habe. Er glaubte im ersten Augen⸗ blick, daß ihm das entsetzliche Getöse des Motors das Trommelfell 2 85 habe. Dann legte sich ein dichter Nebel über seine Augen, ür den er den ausgepufften Qualm verantwortlich machte. Er wandte sich daher seinem Beobachter zu und fragte ihn:„Es ist ja auf einmal so dunkel..“ Da er jedoch keine Antwort erhielt, schloß er, daß sein Gefährte von einem Schuß getroffen sein müsse und schickte sich daher an, den Rückweg anzutreten. Mit einem Male schoß ihm die Gewißheit durch den Kopf:„Ich bin blind!“ Der Gedanke war um so entsetzlicher, als er mit seinem toten Beobachter hilflos in 1000 Meter Höhe flog. In dieser ver⸗ zweifelten Lage drang eine schwache Stimme an sein Ohr, die ihm kaum hörbar zuflüsterte:„Gehen Sie schnell nieder.“ Es war die Stimme des Beobachters, der wahrscheinlich in einer tiefen Ohnmacht gelegen hatte und noch einmal erwacht war. Der Flugzeugführer folgte seiner Weisung; er fühlte seine Ent⸗ schlossenheit wiederkehren, und kreuzte nach den Weisungen seines Gefährten, bis dieser aufschrie:„Weiter nach rechts! gehen! Wir sind... Das waren die letzten Worte, die der Führer vernahm, der Rest erstarb in einem Röcheln— der Be⸗ obachter hatte ausgelitten. Der Pilot hatte noch die Kraft, in der Richtung, die ihm der sterbende Begleiter angedeutet hatte, weiter zu fliegen, bis er die englischen Linien erreichte und dort in steilem Gleitfluge niedergehen konnte. Er ist wenige Stunden, nachdem er seinen Bericht abgestattet hatte, im Feldlazarette verschieden.
Handel und Verkehr, Volkswirtschaft. Der amerikanische Handel.
London, 23. Okt.(WTB. Nicktamtlich) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die„Morning Post“ meldet aus Washington: Die amerikanische Handelsbilanz be⸗ trug während der letzten 5 Wochen durchschnittlich 35 Millionen Pfund wöchentlich zugunsten der Vereinigten Staaten. Der Betrag wäre noch höher gewesen, wenn mehr Laderaum zur Ver⸗ fügung stände. Nach den gegenwärtigen Schätzungen wird die Handelsbilanz des Finanzjahres ein Saldo von 400 Millionen Pfund zugunsten der Vereinigten Staaten aufweisen, das ist doppelt 9 viel, wie das bisherige Aktiv⸗Saldo des Außenhandels der Vereinigten Staaten.
Briefkasten der Redaktion. w. B. in L. Wenden Sie sich an das Reichsamt des Innern (Rechtsauskunststelle) in Berlin.
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