Ausgabe 
(10.9.1915) 213. Zweites Blatt
Seite
60
 
Einzelbild herunterladen

N 5

ur. 25 zweites Blatt Erschetat taglich wit Ausnahme des Sonntags.

DieSleßener Famillendlätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Krelsblatt sür den Kreis Sietzen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschasftlichen Jeit⸗

fragen erscheinen monatlich zeunal. 0

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Gberhessen

165. Jahrgang Freitag, 10. September 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrist⸗

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

der gestürzte Nikolajewitsch.

i khaft ieses baren Men ber 18 4 5 ußen gewesen. ch dürfte ge⸗

liefern. Ist dafür einmal der Stoff zusammengetragen und erwiesen, so wird Nikolais Charakterbild in der Geschichte nicht mehr schwanken. Wir können nur erwähnen, was wir wii 4 4 der durcheinander wogenden Ereignisse wissen. Na Nikolai Nikolajewits als erblich

teten, geohrfeigt und durch Mißhandlungen zum Selbstmord Er hat Soldaten, die 8

ssen werden sollten, kurz vor der Hinrichtung be, adigt, 1 ohrseigte Und wo er nicht Backen

a nicht rechtzeiti mer schloß

nehmbar gal

österreichischer Unter den Solche verschleierten

13 21 E

ein, an ft

ersten da verf der die si⸗

1 mmen hatte und nun zu den Kosaken mußte, einem unserer zurückgekehrten Kriegsgefangenen erklärt:Die Kosalen, sagte er,wa

über das Leben und die Ehre ihrer 3 sie schicken i eher eine in den Rücken, als daß sie ihn in feindliche Hände fallen lassen. Also deshalb machte der erlauchte Höchstkommandierende Offiziere, die deutsche Namen trugen,

Schrecken, und was er blickt, ist Wut. Als man ihm den

zu Kosaken.Denn was er sinnt, ist d

Verlust bei der Niederlage in Ostpreußen meldete, überhörte] werden, verlieren nun einmal mit oder ohne genügenden Grund 5 5 941 der getöteten Menschen und sagte bloß:500 das Vertrauen ihrer Soldaten und Landsleute. Daß der Zar eschütze lassen si 0 Lolbalen, ph bei Tannenberg fielen, fand er kein] Kampfesmut und das Vertrauen der russischen Heere stärken Wort. Die Blutbefehle, die er zur Vernichtung der Juden Der Entschluß des Zaren wird ebenfalls mächtigen Eindruck auf durch Verschicken vor der Front in die Feuerlinie als Bere 5 1 8 5 70 Kugelfang erließ und in Memel erneuerte(dort auch gegen 1 re 5 uf sch 8 bat bein 2 25 alle anderen Bewohner ohne Unterschied), seine rohe Wut hört:Ich zerschmettere Deutschland. Man wird daher die Ge⸗ are die preußischen Oberförster, deren Erschießung er fühle verstehen, mit denen er jetzt den Feldherrnstab von sich legen anbefahl, die Haßverordnungen gegen die Polen, die Stra-] muß. Wird die Uebernahme des Oberkommandos durch r

tegie in den Karpathen, wo er bewußt nu,

von Menschen opferte, die Brand⸗ und 5 beim Rückzuge nach den Niederlagen, das alles sind Hand⸗ lungen, die sich nicht mehr lediglich als tatarische und mos⸗ kowitisch-asiatische Triebe erklären lassen, sondern denen eine geistige Abnormität, eine seelische Erkrankung als Wurzel zugrunde liegt. Wäre es diesem Manne gelungen, seine geheimsten Pläne 4e 3 in der inneren Politik Ruß⸗ lands zu verwirklichen, die Zeiten ns des Schrecklichen, des Feodor Iwanowitsch und des Zaren Boris wären wieder gekommen.

Petersburg, 9. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Groß⸗ fürst Nikolaus ist nach dem Kauka sus abgereist.

los Hetatomben einen Umschlag im Kriegsglück auf der Ostfront herbeiführen? 0 Der Siegesgott geht mit den starken Bataillonen. Die Frage ist, ob der neue russische Kriegsminister genügend neue Streitkräfte dem Zaren und General Alexejew zur Verfügung stellen konnte.

Ein deutsch⸗bulgarischer Nulturverein. Aus Sofia wird uns geschrieben:

Rücktritt des Großfürsten Nikolaus genteldet wird, war dessen Posten] nicht stattfinden. Statt dessen wurde eine Gedenkkarte heraus

nach der Aufgabe von Grodno habe der Zar diese Frage in einer 85 5

dem ru 1

das wirksamste, freili das letzte S ionsmittel, wenn der und Zurückhaltung. Bulg in Deutschland viel zu wenig be⸗

Zar felt ben Sberzesehh 1 ll 1 Beachtung als bisher, weil es die Kopenhagen, 9. Sept(WTB. Nichtamtlich.) Zum Sturze ideen Ber i*.

des Eroßfürfht g. gen Bukunft en.

sei Kennt nis und Sympathie Deutschlands und Bulgariens beiträgt. Unter

Munst und wissenschaft.

Engländer gegen Shakespeare. Seit dem Aus- bruche des Krieges ist in dem Verhältmisse der länder zu Shakespeare ein Umschwung eingetreten, der des unfreiwilligen 3 nicht 1 sie 3 2 3ihren

peare entdeckt nehmen gro egeisterung den Dichter als den Ihrigen in Anspruch. Dazu haben sie unzweifel⸗ haft ein gutes Recht; allein die so plötzlich neu entstandene eng⸗ lische Shakespearebegeisterung kann die Tatsache nicht in Ver⸗ 4 7 bringen, daß mansvor Tische anders las Die Wahr⸗ beit ist, daß das Verhältnis der Engländer zu Shakespeare vor dem Kriege ein laues und oft noch kaum einmal das war; es Hingt unglaublich, ist aber Tatsache, daß man z. B. in der Unter⸗ haltung mit Damen der besten englischen Gesellschaft die Ent⸗ deckung lonnte, daß sie nie etwas von Shakespeare gelesen batten! Diese Tatsache findet mum ihre Erklärung in dent tiefen Mißtrauen, das der pietistische und moralisterende Engländer von beute gegen den freien und rücksicgslosen Geist des großen Dich⸗ 8 i Auch in der literarischen Kritik Englands ist die

i der Engländer gegen Shakespeare in wiederholten

allen unzweideutig getreten, wie denn z. B. Georg randes in einem satze inPolitiken jetzt eben an die Able erinnert, die Shakespeare durch den englischen Kritiker

Frank Harris erfahren bat. Harris hat sich über das, was er Shakespeare-Snobismus nennt, heftig aufgehalten, und er hat es sich geradezu zur Aufgabe gemacht, Shakespeare als einen, Menschen darzustellen, der an Schwächen und Mängeln überreich gewesen sei Tabei erweist er eine Vertrautheit mit Shakespeares allergeheimsten Schwächen, die jeden Shakespeareforscher höchlich neibisch machen muß Für Harris ist Shakespeare seinem ganzen Wesen nach eine feminine Natur gewesen. Erstaunlich, aber wahr!

n den E 3 3 er 1 prechende Zeug e Weichmütigteit ichters selbst, wie er überhaupt in einer fast unglaublichen methodischen

Verirrung in einer ganzen Anzahl dramatischer Gestalten Shakespeares dessen Selbstbildnis erkennen will. So hat er z. B. Shalespeare einfach mit Hamlet identifiziert und das schöne Wort sprochen:Er n nämlich Shakespeare scheint schon von re en n fein und wenig an Not gelitten zu haben. Aus anderen Shake⸗ 5 liest ex den Beweis einer beinahe krankhaften t des Dickters heraus, und so entsteht denn unter den Händen dieses Kritikers im ganzen ein Shakespeare-Zerrbild, das er dann freilich erer Entrüstung ablehnen darf. Wenn A tungen der 90 m. NN. 10 n Fallen pedanti ihnen

N

dazu ein Recht gogeben hat; daran aber ist nichts zu ändern, daß Beethoven verfaßtes und komponiertes Kriegslied aus dem Jahre Shakespeare seit mehr als 100 Jahren zu einen völlig unablös⸗ 1797 mitteilt. Der Tert des Liedes ist leicht geändert, und in lichen Bestandteile der deutschen Bildung geworden und daß er] dieser neuen Fassung were es, getragen von der wundervollen jedem gebildeten Deutschen ganz und gar vertraut ist, während] Melodie des Meisters, wohl geeignet. das Kriegslied der Oester⸗ die 1 3 1 4 1 reicher gegen Italien zu werden. Es lautet folgendermaßen: weit zurückgeblie ind. größte ist, den gland je: 8 1 erzeugt hat, übt auf die ungeheure Mehrzahl der Briten von heute 7 td wir, gerade durch seine freie Größe und seine menschliche Vorurteils⸗ Ihr Welschen, das bezweifelt ihr losigkeit eine erschreclende und abschreckende Wirkung aus: daran Ih N Welschen kennt uns schlecht ist nicht zu rütteln, Und merkwürdig bleibt doch auch, daß selbst Wir schlagen mutig drein N ein so geistreicher Kopf wie Shaw an Shakespeare gar kemen Midi arch Gmrer fein Ges finden kann. Freilich Shaw und Shakespeare größere 8 g

Mit Piken, Sensen und Geschoß

Gegensätze sind nicht gut auszudenken. 0. 5

Am Louvre bröckelts. Am Louvre, diesem herr⸗ Eilt klein und groß herbei! lichen Meisterwerk der Pariser Architektur, das die kostbarsten Türs Vaterland! stimmtt Klein und groß!. Kunstschätze der Seinestadt birgt, ist kürzlich ohne jede sichtbare Stimmt an das Feldgeschrei! Ursache ein Stein von etwa 8 Kilogramm heruntergefallen, und Wir stehen unverwandt 9** 1 5 7 1 Für Haus und Hof und Land. auf den 5 rzte. ieses ignis ist a nur ein 4 n a 8 Anzeichen dafür, daß der Louvre langsam abbröckelt. DasJour⸗ 2 12 3 Sold, nal des Dsbats führt dafür noch andere Tatsachen an.Wir g konnten heute seststellen, schveibt es,daß die Ganymed Statue, die vor dem Kupferstichkabinett steht, den linken Arm verloren hat. Die Bruchstelle, die ganz neu ist, befindet sich gerade an der Schulter. Ein Museumsdiener erzählte uns, daß der Gany⸗ med vor etwa zwei Monaten seinen Arm verloren hat. Er fand eines Morgens den Arm in Trümmern auf der Erde liegen; die 8 Nacht war sehr stürmisch gewesen. Vielleicht rühren diese und] tische Anwendung dieser Wissenschaft im Dienste der Kulturauf ähnliche Unglücksfälle, die sich im und am Louvre wiederholen.] gaben an Ausdehnung und Bedeutung überaus gewonnen und es einfach von der Erschütterung her, die die immer eiliger dahin⸗ hat süch nach und nach eine eigene neue Sonderwissenschaft ge rasenden Automobile in den Straßen der Hauptstadt hervorrufen.] bildet, die mit dem Namen Pfsychotech nk bezeichnet wird und Diese gewaltigen Lastwagen, die es stets besonders eilig haben, deren Grundzüge der bekannte Harvard Professor Huga Mün⸗ erschüttern die Mauern der Häuser, verursachen Risse und Sprünge sterberg in einem umsassenden und gediegenen, unlängst bei und bewirken besonders das Herabfallen einzelner Steine, die] Johann Ambrostus Barth in Leipzig erschienenen Werke zum dann eines Tages ein harmloser Spaziergänger auf den Kopf ersten Male zusammenfassend dargestellt hat. Die Untersuchungen bekommt. Der Louvre scheint unter diesen Erschütterungen be⸗] der Psuchotechnik greifen tief in die Fragen des sozialen und wirt sonders zu leiten, und es muß Abhilfe geschaffen werden, um schaftlichen Lebens ein, der Gesundbeit, des Rechts und der Er größeren Schädigungen vorzubeugen. Vielleicht setzt sich der Gou⸗ ziehung und bieten vielfach zum ersten Male gediegene und ge verneur von Paris, der ja ein Kunstfreund ist, mit dem Polizei-] sicherte Grundlagen für die Beurteilung laug umstrittener Fragen präsidenten in Verbindung, damit die Mauern des Louvre ein-[Tas zeigt sich z. B. in tyzischer Weise bei der Frage der Druck mal untersucht werden und besonders damit das Daherrasen der] schrift, mit deren Psycholvate sich die Wissenschaft ziemlich ein großen Lastautomobile geregelt und gedämpft wird. gehend beschästigt hat. Die leichte Lesbarkeit der Dru

Ein Kriegslied Beethovens gegen Italien. type, die empfehlenswerte Länge der Druchzeile, der freie Noch fehlt den Oesterreichern in ihrem Kampf gegen die Italiener] Raum zwischen den Buchstaben und zwischen den Zeilen und vieles ein modernes Kriegslied, das dio volkstümlich wäre wie der] Achnliche haben sich dem psychotechnischen Laboratoriumspexsuche Kadetzky. Marsch. Eine glückliche Idee hat nun der Jenger Verleger ganz natürlich dargeboten. Mit einfachen Vorrichtungen ließ sich Eugen Diederichs gehabt, indem er in seinenJenaer Kriegslieder- die Zeit messen, un der ein Wort in verschiedener rm er karten, die dos neue Soldaten Volkslied pflegen sollen, ein von] kannt wird, oder die Zahl der Febler bestimmen. die sich ein⸗

Wir kehren arm amhfremdem Gold Zu unserm Herd zurück.

Gerecht ist unser Krieg,

Uns, uns gehört der Sieg!

. Die Psychologie der Druckschrift. Seit der Begründung der modernen Experimentalpsychologie hat die prak-

schwer ersetzen. Für die 150 000 russi⸗selbst das Oberkommando übernommen hat, wird unzweifelhaft den