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3 5 Der Seekrieg. London, 31. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus Lloyds meldet: Der Passagierdampfer „Iberian“ von der Laylandline ist von einem Untersee— boot versenkt worden. Der„Iberian“, ein Schiff von 5223 Registertonnen, wurde zuerst beschossen und
sind tot; 61 wurden gerettet.
London, 31. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Vier Fischer fahrzeuge aus Lowestoft sind von Unterseebooten versenkt worden. Die Besatzungen wurden gelandet.
* Kopenhagen, 1. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Grund, weshalb in der letzten Zeit so viele neutrale Schiffe aus Skan⸗ dinavien mit Bannware versenkt worden sind, ist nach Ansicht der biesigen Presse darin zu erblicken, daß England jetzt Kohlen an neutrale Schiffe nur gegen die Verpflichtung ausliefert, Bann⸗ are nach England zu bringen. Es liegt auf der Hand, daß England eigene Schiffe nicht der Gefahr aussetzen mag und dafür lieber neutrale Schiffe wählt. Es versucht nachher bei der Ver⸗ senkung derartiger Schiffe Entrüstung in den neutralen Ländern hervorzurufen. 1 Kristianig, 1. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Kon⸗ torchef der norwegischen Amerika⸗Linie, der sich augenblicklich in London aufhält, drahtet: Der Dampfer„Trondhjems⸗ fjord“ ist am 28. Juli von einem Unterseeboot 61 Grad
30 Minuten nördlicher Breite, 3 Grad 42 Minuten westlicher⸗
Länge versenkt worden. Die Mannschaft befindet sich an Bord des Barkschiffes„Glance“ aus Kristiansund. Dies ist die einzige Meldung, die die Gesellschaft bisher erhalten hat. Die Besatzung bestand aus 13 Mann.
London, 31. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Lloyds erfahren aus Kap Wrath: Der Dampfer der norwegischen Amerikalinie„Trondh— jemsfjord“ mit 2737 Tonnengehalt wurde von einem deutschen Unterseebboot versenkt.
Aus Stadt und Land. Gießen, 2. August 1915.
* Der Großherzog ist lt.„Darmst. Ztg.“ von einer Fahrt nach Valenciennes, Lille, Brügge, Seebrügge, Ostende, Gent, Antwerpen, Brüssel zum Generalkommando zurückgekehrt.
Amtliche Personalnachrichten. Die Groß- herzogin hat am 28. Juli ds. Is. den vom Fürsten zu Erbach Schönberg und vom Fürsten zu Löwenstein-Wertheim⸗Rosenberg auf die evangelische Pfarrstelle zu Bielbrunn präsentierten Pfarr- verwalter Otto Adam daselbst für diese Stelle bestätigt.— Die Großherzogin hat zum 1. August d. J. der Krankenpflegerin des Alice-Frauenvereins(Hessischer Landes-Frauenverein vom Raten Kreuz)! Schwester Alwine Fries zu Sprendlingen(Rheinhessen) das Dienstauszeichnungskreuz für Krankenpflege in Silber ver- liehen.— Am 27. Juli ds. Js. wurde der Finanzamtsbureau— vorsteher des Finanzamts Osthofen Karl Knierim zu Osthosen in gleicher Diensteigenschast an das Finanzamt Zwingenberg versetzt.
* Stadtsekretär Allendorf stand gestern fünfundzwanzig Jahre im Dienste der Stadt Gießen. Die Zeit ist nicht dazu angetan, Feste zu feiern; so lag es namentlich auch im Sinne des Jubilars, wenn man keinerlei geräuschvolle Ehrungen für ihn vorbereitet hatte. Daß aber die Stadt Gießen und ihre Beamten und Bediensteten ihres treuen Mitarbeiters herzlich gedachten, bewiesen schöne Blumenspenden, die des Oberbürgermeisters und der Beamtenschaft Glückwünsche überbrachten. Und obschon der Geehrte selbst die Absicht gehabt hatte, sein Jubiläum
ganz in der Stille im Familienkreise zu begehen, brachte ihm doch schon der gestrige Morgen reiche Gratulationen aller Art ins Haus. Durch seine Tätigkeit in der inneren Verspaltung unserer Stadt und als Protokollführer bei den Sitzungen unserer Statverwaltungen ist Stadtsekretär Allen⸗ dorf mit den Geschicken Gießens aufs engste verbunden. Was aber die Wünsche, die ihm auch die Bürgerschaft zu seinem Ehrentage bringt, so persönlich und herzlich macht, ist die Anerkennung für die Art, wie er seine Beziehungen als Beamter zum Publikum aufsaßt, seine sich stets gleich bleibende schlichte Liebenswürdigkeit und sein freundliches, gewissenhaftes Entgegenkommen. Diese Eigenschaften des Jubilars als Menschen und Beamten rechtfertigen den auf⸗ richtigen Wunsch, daß ihm noch eine lange Zeit des Wir⸗ kens für unsere Stadt bevorstehen möge; ein Wunsch, dem auch wir, die wir selbst gar häufig die Freundlichkeit Stadtsekretär Allendorfs in Anspruch nehmen, uns erz⸗ lich anschließen.
Oeffentliche Bücherhalle. Im Juli
wurden
2341 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende
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Literatur 1357, Zeitschristen 133, Jugendschriften 221, Gedichte und Dramen 47, Literaturgeschichte 18, Länder⸗ und Völkerkunde 56, Lulturgeschichte 37, Geschichte und Biographien 135, Kunstgeschichte 24, Naturwissenschast und Technologie 101, Heer⸗ und Seewesen 25, Haus- und Landwirtschaft 15, Gesundheitslehre 20, Religion und Philosophie 59, Staatswissenschast 12, Sprachwissenschaft 24, Fremd- sprachliches 57 Bände. Nach auswärts kamen 62 Bände.
* Zum Kampf gegen die Obstschädlinge. Im Interesse der Vertilgung der schädlichen Insekten ist es dringend geboten, die Fallfrüchte, Aepfel wie Birnen, einen um den anderen Tag, namentlich nach starkem Winde, auf⸗ zulesen. Bleibt das Fallobst liegen, so haben die schäd⸗ lichen Insassen Zeit, sich daraus zu entfernen und zu verpuppen, um dann im nächsten Jahre unsere Obst⸗ pflanzungen erheblich zu schädigen. Das Fallobst läßt sich, gut ausgeschnitten und gereinigt, auf mancherlei Weise im Haushalt verwerten. Der angefressene Teil, welcher aus⸗ geschnitten wird, findet als Schweine- oder Gänsefutter gute Verwendung. Verkehrt wäre es, das Fallobst auf dem Speicher zu lagern, oder die Reste auf den Mist oder
Lomposthaufen zu werfen, da hier der Weiterentwicklung
der Schädlinge Tür und Tor geöffnet wird. Landkreis Gießen. „ Ober⸗Hörgern, 31. Juli. Feldwebel⸗Leutnant Tobias Seipp von hier ist zum Leutnant der Landwehr 2. Aufgebots
befördert worden. Der mit dem Eisernen Kreuz Ausgezeichnete
diente 6 Jahre bei der Leibkompagnie des Juf-Rgts. 116. Seine Eltern haben noch 3 Söhne im Felde, von denen der jüngste, Ge- reiter Wilh. Seipp, seit September 1914 vermißt ist.
Kreis Büdingen. Büdingen, 2. Aug. Der Oberleutnant im Sächsischen Feld-Artillerie-Regiment Nr. 77 Hugo Schneider erhielt die Heissische Tapferkeitsmedaille. Das gleiche Ehrenzeichen erhielt der Gefreite Wilhelm Derenburg. Blofeld, 2. Aug. Die vom hiesigen Arbeitskommando vor etwa drei Wochen entwichenen französischen Kriegs gefangenen wurden in Thalfang, Kreis Bernkastel(Rhein- provinz), wieder eingesangen. a Nidda, 1. Aug. Des Jahrestags der Mobil⸗ machung wurde gestern abend im hiesigen Vereins-
dann torpediert und zum Sinken gebracht. Sieben Personen.
lazarett, das gegenwärtig voll belegt ist, durch eine lernige, echt patriotische Ansprache des Kreisfeuerwehrinspek— tors Vetzberger an die Verwundeten gedacht. Der Redner schloß mit einem begeistert aufgenommenen dreifachen Hurra auf den obersten Kriegsherrn. Kriegs- und Vaterlandslieder
und musikalische Vorträge aus den Reihen der Pflegerinnen,
und Lazarettinsassen bildeten den Schluß der Feier, zu der ein hiesiger Gönner den Kriegern Freibier verabreichen ließ. Heute vormittag schloß sich in der evangelischen Kirche eine Gedächtnisfeier der Mobilmachung für das ganze Kirchspiel an. Alle marschfähigen Verwundeten aus dem Lazarett, der Krieger- und Veteranenverein Nidda sowie die hiesige Jugendwehr mit ihrer neuen Fahne, nahmen
an der Kirchenparade teil und zogen vom Marktplatze in,
das bereits dichtgefüllte Gotteshaus. Hier hielt Pfarrer Hermann über Psalm 50, 14 und 15 eine erbauliche Pre— digt, worin er die Gemeinde zu demütigem Dank gegen Gott ermahnte, aber auch zu gläubiger, vertrauensvoller Hingabe aller Opfer zum Siege. Zum Schluß des Gottesdienstes sang die Gemeinde das Niederländische Dankgebet. Die beim Aus- gang erhobene Kollekte war für das Rote Kreuz bestimmt.
Kreis Lauterbach.
O Blitzenrod, 2. Aug. Der als Sanitätsunteroffizier ein- gezogene Landwirt Thomas Stock von hier wurde zum etats— mäßigen Sanitäts⸗Feldwebel im Feld⸗Lazarett 11 des 18. Armeekorps befördert.
Kreis Friedberg.
E Butzbach, 1. Aug. Heute vormittag gegen 10 Uhr ver⸗ sammelten sich der Krieger- und Militärverein, der Turnverein, der Gesang verein Eintracht und die Freiwillige Feuerwehr auf dem Marktplatze und der Evangelische Arbeiterverein am Pfarr⸗ hause zu einem gemeinsamen Kirchgang in die Stadtkirche, woselbst eine Gedächtnisfeier für die Gefallenen unter Mitwirkung der vereinigten Gesangvereine stattfand. Der Gottesdienst war sehr stark besucht. Herr Pfarrer Loos hielt die Predigt.
Starkenburg und Rheinhessen. Worms, 2. Aug. Das Fest der Goldenen Hochzeit feierten der in Lehrerkreisen Hessens wohlbekannte Rektor Hembel
und Frau. 8 Hessen⸗Nassau.
[] Marburg, 1. Aug. Auch die hiesige Stadtverwaltung hat sich jetzt den Bestrebungen, dem Ueberhandnehmen tierischer Schädlinge durch Fangprämien zu steuern, angeschlossen. Sie zahlt für 100 Stück Kohlweißlinge 10 Pfa. und für Wühl- mäuse und Ratten je 5 Pfg.— Ein auf einem hiesigen städtischen Bureau beschästigter Hilssschreiber wurde gestern während der Arbeit vom Tode ereilt.
l! Neustadt, 1. Aug. Der im hiesigen Amtsgerichts- gefängnis eingesperrte Landstreicher Jakob Merz aus Mertes- heim(Kreis Frankenthal), der zuletzt in Frankfurt gearbeitet hatte, stahl dem Gesangenwärter Uhr, Geld und Fahrrad und entfloh.
m. Neustadt, 1. Aug. Wegen Landstreicherei war der Gelegenheitsarbeiter Jakob Merz aus Mertesheim durch den Gendarm Krug dem Amtsgerichtsgefängnis zugeführt worden. Der Inhaftierte benutzte gestern die Abwesenheit des Gefangen⸗ aufsehers und brach mittels Feuerhakens die Türen der Gefängnis⸗ zelle auf, drang in die Privatwohnung des Aufsehers ein und stahl Geld und eine Uhr mit Kette; alsdann nahm er das Fahrrad des Aufsehers und entfloh. Heute früh erhielt der Gefangen⸗ aufseher das gestohlene Fahrrad von Marburg aus per Eil-⸗ gut zugesandt, Diese Tat beweist, welche große Unverfrorenheit der Patron besitzt. Von ihm selbst fehlt bis heute noch jede Spur.
F. C. Frankfurt a. M. 1. Aug. Der„Mitteldeutsche Viehhändler⸗Verein“ hielt heute im„Löwenhof“ eine gut besuchte Versammlung ab, zu der Viehhändler aus den Re⸗ gierungsbezirken Wiesbaden und Kassel, aus Unterfranken, den Großherzogtümern Hessen und Baden, sowie aus dem nördlichen Württemberg erschienen waren. Der Vorsitzende, Sally Waller⸗ stein⸗ Rödelheim, leitete sie. Zunächst wandte sich der Vieh⸗ händler Flörsheim ⸗Alsfeld mit scharfen Worten gegen den von den Viehaufkäufern für die Heeresverwaltung auf dem hie⸗ sigen Viehmerkt eingeführten Gebrauch, bei Aufkäufern dem legi⸗ timen Viehhandel pro Stück drei Mark abzuziehen. Es handele sich um fünf Großviehhändler aus Berlin, Köln, Frankfurt a. M. usw. Der Redner hob hervor, daß die hohen Viehpreise durch die für die Heexesverwaltung tätigen Aufkäufer mit veranlaßt seien. Stern ⸗Friedberg, Lichtenberg⸗Bretten stimmten dem zu, während Strauß ⸗Hergershausen für den Abzug ein⸗ trat. Wolf Levi⸗Groß⸗Bieberau, der Vorsitzende des Tarm⸗ städter Viehhändler⸗Vereins, stellte sodann den Antrag, daß den Aufkäufern vom 9. August d. Is. ab keinerlei Abzug mehr auf dem Frankfurter Markte zugebilligt, und daß den Metzger⸗ meistern in Frankfurt ebenfalls bei Zahlung des Kaufpreises für Kühe und Rinder durch die Viehmarktsbank Frankfurt— der Ver⸗ kauf der Kühe und Rinder erfolgt auf dem Frankfurter Markt ohne Garantie— keinerlei Abzug, auch nicht, wie beantragt, nur ¾0ỹ Prozent, zugestanden wird. Der Antrag fand gegen die Stimme des Viehhändlers Strauß-Hergershausen nach kurzer De⸗ batte Annahme,
X Gelnhausen, 1. Aug. Im benachbarten Nieder⸗ steinbach ist von den beiden 16jährigen Schneiderlehrlingen Philipp Schön aus Hanau und Johann Gilmer aus Niedersteinbach eine außerordentlich rohe Tat ver⸗ übt worden. Am Stationsgebäude Niedersteinbach zer- störten sie 23 Schwalbennester, die mit Jungen belegt waren, warfen die Vögel teils an die Wand des Stationsgebäudes und legten sie teils auch auf ein totes Geleise, um dann einen leeren Eisenbahnwagen darüber zu schieben. Einige der Vögel steckten die rohen Burschen in die Schmierkapseln der Eisenbahnwagen. Der Gendarmerie ge— lang es, die Täter zu ermitteln, die am gleichen Tage einen schweren Einbruchsdiebstahl verübt hatten.
h. Bad Homburg v. d. H., 1. Aug. Vor dem Kurhause wurde heute mittag in Gegenwart einer überaus großen Fest⸗ gemeinde ein Standbild des heiligen Nichael in Eise n ent⸗ hüllt und der Benagelung freigegeben. Die Weiherede hielt Ober⸗ bürgermeister Lübke. Die überlebensgroße Figur ist dem be⸗ kannten Entwurf des Kaisers nachgebildet und von Bildhauer Fenn“⸗Frankfurt a. M. künstlerisch in Holz ausgeführt. Der Er⸗ lös soll zur Errichtung einer Homburger Heilanstalt für Offiziere und Mannschaften der deutschen Armee und Marine dienen. Als Grundstock für die Heilanstalt stiftete Rentner Eduard Balser⸗ Frankfurt a. M. bereits 5000 Mark.— Unmittelbar vor der Ent⸗ hüllung des St. Michael fand die Einweihung einer von den Frauen Homburgs der hiesigen Jugendwehr gestiftiten Fahne statt.
h. Vom Feldberg, 1. Aug. Die Erdbebenwarte des Taunus⸗Observatoriums meldet, daß am 31. Juli früh von 2.42 Uhr ab die Instrumente ein sehr starkes Fernbeben registrierten. An der etwa 8300 Kilometer entfernten Herdstelle dürste das Beben verheerend gewesen sein..
r. Rodheim da. d. Bieber, 31. Juli. Dem Bergmann Konrad Koth wurde für seine langjährige Tätigkeit als Bergarbeiter das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze verliehen.
— Dotzheim, 31. Juli. Konsistorialrat D. Eibach, welcher früher als Pfarrer und Kreisschulinspektor in Nendenroth„(Dill kreis) und seit 20 Jahren hier in Dotzheim wirlt, gedenkt am 1. Dezember in Ruhestand zu treten.
Teirche und Schule.
Berlin, 2. Aug. Das„Berliner Tageblatt“ meldet aus München: Das bayerische Kultusministerium ersucht in einem Rundschreiben an die Lehranstalten der Unsitte, unsere Gegner zu beschimpfen, entgegenzuarbeiten. Die deutsche Jugend solle, ohne zu Haß und Feindschaft angereizt zu werden, sich erheben und erbauen an den ruhmvollen Taten des deutschen
Volkes.
und sozialwissenschaftliche Fakultät.— Die. der wirtschafts⸗ und sozialwissenschaft⸗ lichen Fakultät haben die Genehmigung des Ministers gefunden.— Es wurde ein„Verein katholischer Studentinnen“ gegründet; seine Farben sind„violett⸗gold⸗grün“. Der Verein schloß sich dem„Kartell der katholischen Studentinnenvereine Deutschlands“ an.
Umgruppierung.
Im Kurtheater zu Bad⸗Nauheim fand am gestrigen Sonntag abend zum Jahrestag des Kriegsausbruchs eine vaterländische Aufführung statt, wobei auch folgendes hübsche und muntere Gedicht Hermann Steingoetters lebhaften Beifall fand:
Beten lehrt die Not— nicht minder
Wirkt sie fruchtbar auf Erfinder,
Und der Deutsche, der geschlagen
Jeden Feind noch, sieht mit Zagen
Hier den Gegner triumphieren
Durch das Wörtchen— umgruppieren.
Wenn bei Mpern sich die Britten Tüchtig in die Finger schnitten Und, die Wunden zu verbinden, Ganz wo anders wiederfinden, Nennt dies Rückwärtskonzentrieren Man bescheiden— umgruppieren.
Niklas Kinder, wenn in Polen
Die sich blutge Köpfe holen,
Ostwärts laufen dann in Eile
Barfuß, manche liebe Meile,
Schuh' und Laus und Pelz verlieren— Sänftlich nennt mans: umgruppieren.
Wenn Italien, durch Bläue
Seines Himmels und durch Treue Weitberühmt, sich als verweg'ner Neuer Feind gesellt dem Gegner, Ist's Verrat nicht, mit Manieren Spricht man da von— umgruppieren.
Deutscher lerne: Wenn bezwungen Alle, die der Neid gedungen,
Alle, die der Vierbund narrte,
Dann nimm vor Europens Karte Aendre gründlich die Schraffierung— Das sei deine Umgruppierung!
vermischtes.
Lyon, 1. August.(WTB. Nichtamtlich.)„Lyon Républicain“ meldet aus Madrid: Ein neues, von dem spanischen Ingenieur Salas erbautes Riesenluftschiff wird demnächst mit 50 Fahrgästen von Barcelona nach Madrid fliegen. Salas beabsichtigt, in kurzem von Spanien nach Amerika zu fliegen.
Glücks- und Unglückstage im August. Von allen Monaten des Jahres hat der August im Aberglauben der ver- schiedensten Völker und Volksstämme die meisten Unglücks- und Glückstage. Oftmals ist der eine Tag bei einem Volke ein Unglücks⸗ tag, wogegen er bei einem anderen Volke als Glückstag angesehen wird, an dem man sich verloben, verheiraten oder wichtige Unter⸗ nehmungen beginnen soll. Das tritt sogleich beim ersten des Monats hervor. In manchen Gegenden Europas gilt der 1. August als der Tag, an dem der Teusel aus dem Himmel gewiesen wurde. Deshalb gilt dieser Tag so recht als unglückbringend. Anderswo dagegen, wie zum Beispiel in England, heißt es, am 1. August sei der Apostel Paulus in Gesangenschast genommen worden. Das sei zwar ein Grund, zu trauern, aber der Tag selbst bringe doch kein Unheil, sondern namentlich für die Schaszüchter sei er geradezu glückbringend. Nach Cbristi Worten:„Gehe hin und weide meine Herde!“ wird nämlich Paulus als Schutzpatron der Lämmer an- gesehen. In Tirol gilt der 17. August als besonderer Unglückstag, in Niederdeutschland der 18. und in Böhmen der 27. August. An den Augusttagen, die als Glückstage angesehen werden, werden oft Weltkämpse, Fischstechen und Umzüge veranstaltet. Derartige Volks⸗ sestlichkeiten finden wir in diesem Monat überall in Deutschland, England, Holland und Belgien. Das bekannteste davon in Deutsch⸗ land ist wohl der Stralauer Fischzug, der jedesmal am 24. Augusl abgehalten wird.
—
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Die westliche Depression rückt weiter nach dem Kontinent zu vor und wird morgen unsere Wetterlage beherrschen. Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 3. August 1915: Meist bedeckt, zeitweise Regenfälle, westliche Winde.
— ö— Letzte Nachrichten. Französische Schlachtschiffe vor der belgischen Küste. Lugano, 2. Aug. Die Blätter melden, daß vorgestern französische Schlachtschiffe vor Ostende und Zeeb rügge mit den deutschen Küstenbatterien mehrere Salven. wechselten. Das Geschwader zog sich, da eine Ueberrumpelung mißglückt⸗war, bald zurück. Infolge des unerwarteten eiligen Abfahrens verfehlte
ein französisches Wasserflugzeug den Anschluß an sein Schiff und mußte auf englischem Gebiet eine Notlandung vornehmen.
Cadorna macht reinen Tisch. Lugano, 2. August. Schweizer Blätter behaupten, Cadorna habe mehrere kommandierende Generale ab-
gesetzt. 8 5 8 Mißstimmung in Italien. Chiasso, 2. Aug. der allgemeinen Mißstimmung wegen der zunehmenden Lebens⸗ mittelteuerung. Die Arbeiter der Gießerei Perego bei Mailand haben die Arbeit eingestellt. Die Textilarbeiter von Turin fordern eine Lohnaufbesserung. Das allgemeine Unbehagen wird ge⸗ steigert durch das zunehmende Mißtrauen gegenüber den amtlichen Siegesberichten und den ganz Italien überschwemmenden Ver⸗ wundetentransporten. In leitenden Kreisen sieht man mit schwerer Besorgnis einer längeren Dauer des Krieges entgegen und erklärt, daß Italien keinen Winterfeldzug ertragen könnte.
Zum Jahrestag des Todes Jaureès'.
Kopenhagen, 2. Aug. Clemenceau richtet heute in seinem „Lihomme ͤnchaine“ einen außerordentlich heftigen Angriff gegen die anläßlich des Kriegsjahrestages geplanten Reden Poin⸗ carés und Vivianis. Wir brauchen kein Geschwätz, son⸗ dern Taten und sind der Phrasen herzlich müde. Viviani wird wieder dasselbe schwätzen, was wir schon hundertmal gehört haben. — Wie„Politiken“ hierzu erfährt, soll es Tatsache sein, daß die geplanten Festlichkeiten abgesagt worden sind.
Fluchtversuche eines internierten feindlichen Fliegers
in der Schweiz.
Kopenhagen, 2. August. Wie der„Matin“ aus Genf meldet, hat der in der Schweiz internierte franzö⸗ sische Flieger Gelbert versucht, in Frauenkleidern nach Frankreich zu entkommen. Der Fluchtversuch wurde aber rechtzeitig entdeckt. Die Schweizer Behörden unter⸗ sagten daher den internierten französischen Fliegern, Andermatt, den Ort ihres Aufenthaltes, zu verlassen.
In Italien mehren sich die Anzeigen
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