swelles Blat
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Gießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das
wöchentlich. Die„Landwirtschastlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
Die Mordverschwörung von Sofia. Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen. Das Neujahrsnacht⸗Attentat im Stadtkasino u Sofia war so fein angelegt, so geschickt verdeckt und ver— ckt, daß man glauben mochte, auch wenn der Bombenwurf mißlingt, erfährt die Welt nicht mehr als: ein paar unzu⸗ friedene Beamte versuchten den Umsturz ihrer Polizeiver⸗ waltung, versuchten es mit wenig wählerischen Mitteln, es . 1 geglückt, geht ruhig heim, es war eben auf dem Balkan! Nun ist aber doch alles herausgekommen, alles. Die Kulissen 18— während der Verhandlung des Kriegs- gerichts 8150 ich hoch und man erkennt in greller Beleuch- tung— die 1 des Dreiverbands, die Agenten, die hetzen— 1 5 techen, den still rollenden Rubel, die lieferten Bomben, geheime Konferenzen in der englischen ndtschaft, Drähte und Minen, Tod und Teufel. Es 1 und Casement zusammen, das Tollste an edertracht und Verworfenheit, was eine verbrecherische 1 Politik nur aussinnen kann, nachdem sie erkannt hat, daß sie auf anderen Wegen nicht mehr zu ihrem Ziele gelangen ö kann. Der Mordplan von Sofia ist nicht nur ein Seiten- und Gegenstück zum Attentat von Serajewo, er ist der direkte Abkömmling. Es stellt sich heraus, daß die Gelder für die Ausführung des Anschlags auf König Ferdinand von Bul⸗ 3 direkt aus Serbien und Rußland kamen, wobei er berüchtigte serbische Major Tankositsch, der in dem Mordplan gegen den Erzherzog Franz Ferdinand eine her⸗ vorragende Rolle spielte, in den Attentatsplan verwickelt erscheint. Der Hauptangeklagte Anastasow gab an, daß ein wisser Manolow nach Rußland geschickt wurde, um t Gelder in Empfang zu nehmen, die für die Ermordung des Königs ausgesetzt waren. Der Mitangeklagte Sanko Antonow erklärte, er habe den Auftrag gehabt, zum Major Tankositsch nach Serbien zu reisen, der Geld für die Er⸗ mordung des Königs aus serbischer und russischer Quelle erhalten würde. Das Attentat hätte zwischen dem 5. und 6, Januar ausgeführt werden sollen. Und wer stand hinter diesen Dunkelmännern? Kein geringerer als Seine Exzellenz der ehemalige Herr Staatsminister Dr. Genadiew, Führer der Stambulowistenpartei, vertrauter Berater des Königs und Reisender in politischen Angelegenheiten für die Gebiete des Dreiverbands. Genadiew war mit Vikanti Anastasow aufs engste befreundet, hatte ihn schon wiederholt dent Ermordung mißliebiger oder„gefährlicher“ sönlich⸗ eiten angestiftet und ihm jedesmal zu diesem sufe ein aufeuerndes Trinkgeld von 10000 Leva in die Hand gedrückt. Kaum war das zu Protokoll des Kriegsgerichts gegeben, da wurde bekannt, daß auch der kürzlich abberufene eng- lische Gesandte Bax⸗Ironside ein guter Freund Gena— diews und ein zahlender Gönner der ganzen Mordbande war. Der e Ministerrat befaßte sich mit der Nach⸗ 5 g dieses Verdachts, und siehe da, Bax⸗Ironside ver⸗ 0 nd, um den öffentlichen Skandal zu vermeiden. In fleißiger Zusammenarbeit mit Genadiew und dem russi⸗ chen Gesandten Sowinsky hatte er die sattsam bekannten Drohungen und Ueberredungskünste angewandt, um die öffentliche Meinung Sofias für die Angebote des Dreiver⸗ bands zu gewinnen. Er schlug den Bulgaren ein Tausch⸗ geschäft vor. Sie sollten sich mit einem winzigen Stück des serbisch gewordenen Mazedonien begnügen und dafür die d auf das türkische Thrazien legen. Für das thra⸗ ische Linsengericht sollten sie Verrat an ihren mazedoni⸗ 5 schen Brüdern üben. Um Thrazien zu erwerben, sollten die 8 ihre Truppen mit Indern und Australiern auf Gallipoli vermengen. Damit Konstantinopel russisch werde, sollte das bulgarische Heer die Griechenland abgelehnt hat und
Aufgabe übernehmen, die gegen die sich sogar Italien
105. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
Dienstag, 13. Juri 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. N 3 R. Lange, Gießen.
Schristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗
straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S851, Schrist⸗
leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
mer noch leugnen?
Berlin, 12. Juli.(Priv.⸗Tel) Das„Berl. Tagebl.“ meldet aus Sofia: Der Präsident des Kriegsgerichts verlas nach der
Anastasows sie mit dem Taschentuch das Signal zum Attentas gegen den Kö geben sollte, und daß der frühere Minister Dr.
10 000 Franken
hat großes Aufsehen hervorgerufen.
Neues vom Seldmgrschal Hindenburg.
Aus dem Großen Hauptquartier wird uns ge⸗ schrieben:. 4. Wer den Heldenkampf um die Befreiung und Verteidigung des deutscken Nordostens recht würdigen will, muß ein besonderes Augenmerk auf die Stelle richten, wo das südliche Masuren an Westpreußen grenzt. Die Aufmerksamkeit der ganzen Welt war 5 gelenkt, als der General von Hindenburg den Russen bei annenberg die erste vernichtende Niederlage beibrachte. Seit⸗ dem sind in dieser Ecke gewaltige Schlachten von weithin klingen⸗ den Namen nicht mehr geschlagen worden; wohl aber haben dort zahllose schwere Gefechte stattgefunden, die von unseren Truppen äußerste Spannkraft und Widerstandsfähigkeit forderten und daher verdienen, einmal in großen Zügen dargestellt zu werden. Die schwerwiegende Bedeutung eines russischen Einbruchs auf Oste⸗ rode— Deutsch⸗Eylau lehrt ein einziger Blick auf die Karte: es! dreht sich um die Abtrennung des deutschen Landes vechts der Weichsel vom Reiche. Das war natürlich nicht nur den Ost⸗ preußen klar, die immer— solange überhaupt noch eine Gefahr bestand— mit mindestens gleicher Sorge nach Süden wie nach Osten blickten, sondern auch den Russen. Diese haben für eine Operation auf den Unterlauf der Weichsel hin günstige Eisen⸗ bahn verbindungen. Die drei bei Ostrolenka endenden Bahnstrechen ermöglichen dort schnelle Ausladungen großer Truppenmassen, und die Linie Warschau—Mlawa— Soldau führt geradewegs in das Einmarschgebiet hinein. Darum ist der Besitz Mlawas von so hohem Wert. Es klingt glaubhaft, daß der russische Ober⸗ befehlshaber im Februar befohlen haben soll, Mlawa zu nehmen, Di eee 5 die Narewarmee, die sten i ver
an dieser Stelle unternahm, ihr furchtbares Ende zwischen und in den südmasurischen Seen gefunden hatte, gingen die Russen längere Zeit hindurch hier nicht mehr mit starken Kräften vor. Immerhin. 5 die verhältnismäßig wenigen Truppen des Generals v. Zastrow, die in breiter Front die Grenze schützen. und während der Vorbereitungen zu dem zweiten deutschen Einfall in Polen die Aufmerksamkeit des Feindes auf sich lenken sollten, eine recht schwere Aufgabe. Sie drangen weit in Feindesland ein, mußten
Glocken. Ein Stimmungsbild aus dem Westen.
Man schreibt uns aus dem Felde: Wir waren abgelöst und am Abend vorher aus dem Schützen⸗ 5 1 in das Ruhequartier gekommen. Wie immer an diesem, „hatten wir Appell und allerlei anderen Dienzt gehabt, hatten unsere„Badereise“ hinter uns(wir marschierten immer am Tage nach der Rücktehr aus dem Schützengraben nach einam kleinen Nest hinter der Front, um all den Schmutz und Staub von uns abzuspülen) und waren begreiflicherweise nun hundemüde. Draußen war schon die Dunkelheit angebrochen und wir dachten gerade daran, uns im Stroh unser Nachtlager zurecht⸗ A als plötzlich 5 5 8 aus einem 9 geregt zum Scheunentor hereinstürzte und uns zurief:„Wenn wieder einmal Glocken 5— hören wollt, so kommt gleich
b Wie der Blitz waren wir auf den Beinen und eilten hinaus in die sternenhelle Sommernacht. Dort standen schon die anderen, einzeln oder in Gruppen, schweigsam und lauschend. Als wir um die Ecke der Scheune bogen, schallte es auch uns entgegen, voll,, tönend und feierlich: bumm, bamm, bumm, bumm, bamm,
bumm—, die Glocken von E.! 75 Gegend, in der wir lagen,
war zwar reich an Dörfern und Kirchen, aber an— zerstörten. 5 viele von uns schon monatelang leine Glocken mehr ören.
— Ein Summen und Klingen, vermischt mit dem Duft blühender Linden wehte zu uns herüber— so süß und doch so herb. Tönte, doch das Läuten so heimatlich in uns wieder, klang es doch so tröstend für die kriegsharten und doch so weichen Herzen, der deutschen Barbaren. Da standen die wetterfesten feldgrauen Krieger und horchten ergriffen auf die harmonischen Töne. Heimatklänge! Und Bilder der Heimat waren es auch, die vor unseren Augen
Augen emporstiegen: das Kirchlein daheim, umkränzt von lachen⸗
den Fluren, Wald und Feld, 1 1— Berge und liebliche Täler,
Eltern und Geschwister, Weib und Kind— all dies sahen wir in
jener Racht beim Klange der Glocken.
Manch alter We nn ist leise abseits gegangen, und manche ille heiße Träne ist damals über verwitterte Wangen in dem unklen Kriegerbart gelaufen. Selbst die Gefühllosen und Ver⸗ stockten unter uns, die sonst nicht so leicht aus ihrer Gemütsruhe zu bringen waren, schwiegen an diesem Abend still und horchten auf eine leise Stimme in i Innern, die ihnen erzählte von Heimat, Friede und stillem Glück, von dem sie wohl früher schon
5 8 81 das sie aber nie verstanden hatten. Und immer noch
ie Glocken weit hinaus in die französischen Lande.—
Später erfuhren wir auch, warum die Glocken läuteten:
Lemberg war gefallen!
in unseren Herzen stieg eine heiße Dankbarkeit für unsere
*
Kameraden im Osten empor. Zur selben Stunde, da sie zu neuen Taten und Siegen rüsteten, jubelten in.
riefen f
Die Stunde der Ruhe war gekommen, Das Klingen der Glocken lag uns allen noch im Ohr und mit ihm schliefen wir ein. Es mischte sich in unsere Träume und ein leises zages Hoffen schlich sich in das träumende Herz: Friede?
Am anderen Morgen aber erwachten wir wieder unter dem Bullern der Kanonen in der Ferne. Der Friedenstraum war vorüber, schwer und ernst stand uns die Wirklichkeit gegenüber, doch was sie fand, waren entschlossene und ernste Männer.
R. Scholz.
0 Auf nach Valencia?
Die Gerüchte, der Papst würde Rom verlassen, wollen nicht verstummen und haben durch das vielbesprochene Interview neue Nahrung bekommen. Das einzige Land, das dem Oberhaupt der katholischen Welt eine Zuflucht bieten kann, ist Spanien. Und da sind es besonders zwei Plätze, die für eine mögliche päpst⸗ liche Residenz in Frage kommen. Valencia, das den Beinamen „del Eid“ führt, nach dem Helden des spanischen Nationalepos, das auch in Deutschland durch Herder so bekannt geworden, daß wir aus ihm neben Zitaten wie„Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo!“ auch das nun doppelt geflügelte Wort:„Auf nach Valencia!“ in unseren täglichen Gebrauch übernommen haben. Der Cid Cam- peador—— Held) eroberte im Jahre 1094 die Stadt und herrschte bis zu seinem Tode, 1099, daselbst. Dann fiel sie wieder in die Hand der Mauren und blieb in deren Besitz, bis 1238 Jakob I. von Aragonien sie zurückeroberte. Die Stadt am Guadalaviar gelegen, erscheint mit ihren engen kleinen Gassen nicht allzu ge⸗ eignet, seine Heiligkeit zu beherbergen. Der alte bischöfliche Palast, das Dominikanerkloster, der„Palacio de justicias“, die gotische Lonja, sollten die Bewohner des Vatikans aufnehmen? Das stille Carmeliterkloster ist schon seit langem in ein Museum umgewandelt, in dem man die Maler der valencianischen Schule bewundern kann. Juanes, Espinosa und vor allem Ribalta. In dem Saal der Mo dernen befinden sich vier Bilder von Goya. Valencias Schönheit bilden seine wundervollen, sich um die Stadt ziehenden Huertas (Fruchtgärten), bewässert durch eine noch von den Mauren angelegte Wasserleitung. Ihre Obstbäume versorgen Spanien und, in fried⸗ lichen Zeiten, auch das 99 Ausland mit den herrlichsten Süd⸗ früchten. Die Stadt an sich bietet sonst wohl nichts, um dem Papst auch nur einigermaßen einen vorübergehenden Ersatz für sein bis⸗ eriges„Gefängnis“ zu gewähren. Abgesehen davon, daß die ganze eschränktheit der kleinen spanischen Provinzialstadt kaum geeignet erscheint für den päpstlichen Hofhalt, gilt auch das Klima Valencias ür das heißeste Spaniens. g Annehmbarer und verständlicher erscheint der Vorschlag des jugendlichen, gastfreien Königs Alfons XIII., der als treuer Sohn seiner Kirche deren Oberhaupt den Escorial zur Verfügung gestellt hat. Hier ist es wohl möglich, dem vatikanischen Hofhalt ein würdiges Unterkommen zu schasfen. Zwei Stunden von Madrid entfernt, liegt am Fuße des Guadaramagebirges der Escorial.
Siegesglocken gen Himmel: Heil und Sieg, ihr
heute noch sträubt. Die Ränkespinner wußten nicht, daß die Narben des ersten Balkankrieges verheilt sind, daß es für die Bulgaren nicht mehr Daseinsnotwendigkeit ist, sich gegen die Türken zu wenden. Als die türkisch-bulgarischen Ver⸗ handlungen in Konstantinopel in ihren ersten vorbereitenden Anfängen begannen, da merkte man in der englischen und russischen Gesandtschaft zu Sofia, daß man das offene Spiel verloren hatte, und es begann das verbrecherische Spiel hin— ter den Kulissen. Genadiew, von der Regierung Rados— lawows als bulgarischer Vertreter ausdrücklich abgeschüt— telt, sollte durch den Bombenstreich Vikanti Anastasows Minister werden. Für König Ferdinand war ebenfalls die Bombe schon bereitgestellt. Serafim Manow, eine Kreatur Genadiews, sollte die Bombe vor das Automobil werfen, die Frau des Vilanti dazu mit dem Taschentuch das Zeichen eben. Genadiew, der bei Hofe ein- und ausging, hätte dem könig vielleicht zu dieser Autofahrt aus irgend einem Grunde geraten. Und in der englischen Gesandtschaft wären die Schecks ausgestellt worden, mit denen man die„gute Arbeit“ bezahlte. Will man in London und Petersburg im—
Verkündung des Urteils im Bomben-Attentats-Prozeß ein Proto⸗ koll, in dem es u. a. heißt, daß nach dem Geständnis Helen
Genadiew die engsten Beziehungen zu Vikenti Anast a so w unterhielt, dem er größere Summen in einer Gesamthöhe von gab. Der Gerichtshof habe beschlossen, eine Unter⸗ suchung gegen die beiden Genannten einzuleiten. Der Beschluß
—
vor einem überlegenen Gegner bis an die Grenze zurüchveichen und gingen kurz vor Weihnachten wieder vor, um Mlawa endgültig zu besetzen. Die Front verlief west⸗östlich, der rechte Flügel hing also zurück. Da tauchte im Januar bei den Russen An„neuer gigantischer Plan“ auf; sie wollten mit großen Kavalleriemassen, gefolgt von starken Kräften, zwischen Mlawa und der Weichsel nach Westpreußen einbrechen und gleichzeitig von Kowno her im nörd⸗ lichen Ostpreußen stehende deutsche Truppen umfassend angreifen. Der neue Plan wax also im wesentlichen nur eine Wiederholung des alten, im Herbst gescheiterten. Diesmal blieb er jedoch in den ersten Anfängen stecken, da er mit einem schneller durchgeführten deutschen Offensivplan zusammenfiel. Alle verfügbaren deutschen Kräfte wurden zu dem großen umfassenden Gegenstoß bereitgestellt, der dann in der masurischen Winterschlacht zur Vernichtung der 55 ee Armee östlich der Linie Johannesburg— Gumbinnen rte. 9 Zugleich wurden auch die deutschen Truppen an der Südgrenze West⸗ und Ostpreußens etwas verstärkt. Die Führung erhielt der General der Artillerie v. Gallwitz. Er hatte den Auftrag, die rechte Flanke der in Masuren angreifenden Armeen zu schützen und seinen Grenzabschnitt gegen den russischen Einbruchsversuch zu sichern. Dazu ging er offensiv vor. Zunächst wurde der rechts Flügel in scharfem Draufgehen nach vorwärts geschoben, bis er Plod erreichte, das inzwischen zu einer starken deutschen Festung ausgebaut war. Garde-Regimenter und eine e 5 ernteten bei diesem schneidigen Einmarsch reiche blutige Lor⸗ beeren in der Gegend von Sierpe und Racionz. Sie trieben einen überlegenen Gegner vor sich her und leisteten schließlich einen dreifachen Uebermacht erfolgreichen Widerstand. Ein besonderen Glücks- und Ehrentag der Gardetruppen war der von Drobin, ww sie einen bereits geglückten russischen Ueberfall in eine schwere Niederlage des Feindes verwandelten, der dabei 2500 Gefangene 5 verlor. Das war Mitte Februar. Aber General v. Gallwiz plante Größeres. Er wollte durch einen umfassenden Angriff von beiden Flügeln her das ganze vor seiner Front liegende Gebiet zwischen Weichsel und Orzyc säubern. Der rechte Flügel solltg weiter nach Osten einschwenken, und die in Willenberg eingetroffenen Heeresteile erhielten Befehl, vom Orzye her die offene rechte 5 Flanke des Feindes zu umgehen. Sie kamen, weit ausgrei 1 östlich an Prasnysz vorbei und schwenkten südlich um die Stadt herum, die nur schwach besetzt sein sollte. Da ergab sich aber, daß angesichts des überraschend schnellen Vormarsches der Deutschen eine russische Division nach Prasnysz geeilt war. Der Angriff wurde beschlossen. Inzwischen hatten jedoch die Russem große Truppen⸗ massen am Narew zusammengezogen und gegen Prasunsz in Marsch gesetzt. Zwei russische Korps gingen gegen den linken Flügel der deutschen Truppen vor. Trotzdem wollten diese auf die große Beute, die sich bot, nicht verzichten. Ein Teil noch ver- fügbarer Kräfte wurde zur Sicherung gegen den nahenden, weit 7 überlegenen Gegner im Halbkreise aufgestellt und unter diesem Schutze stürmte am 24. Februar eine Reserve⸗Division Pras⸗ nysz. Ueber 10000 Gefangene, darunter 57 Offiziere, 36 Ge⸗ schütze, 14 Maschinengewehre und viel anderes 5 fielen eit. bi l
in die Hand der Sieger. Allein es war höchste Zeit, in Sicherheit zu bringen, denn schon war die russische 5 macht, gegen die ein Widerstand auf diesem schobenen Posten fruchtlos gewesen wäre, in bedrohliche Nähe gerückt. Unter sehn erheblichen Schwierigkeiten zogen sich unsere Truppen 3 in die große Verteidigungslinie im Orzye⸗Bogen zurück, nachdem sie den russischen Drängern noch riesige Verluste zugefügt 13 Der kecke Sturm auf Prasnysz hatte eine sehr beträchtliche Wirkung: er täuschte den Feind, der nun an dieser e den Feld⸗ marschall v. Hindenburg selber mit starken Kräften vermutete. Das machte sich in der Folgezeit für die Truppen des Generals vom Gallwitz aufs schwerste fühlbar. Denn nun warfen die 2 im⸗ mer neue Korps hierher, um die Scharte der masurischen Winter⸗ schlacht auszuwetzen und die deutsche Linie in Richtung Soldau— Neidenburg zu durchbrechen. Unter solchen Umständen konnte der deutsche Führer an die Fortsetzung seiner Offensive nicht mehr denken, sondern mußte eine hartnäckige Verteidigung vorbereiten, auf deren Gelingen die beteiligten Truppen stolz sein dürfen al, auf eine der besten Waffentaten des deutschen Heeres. Unsere St lung bildete bei Mlawa einen Winkel, da sie einerseits nach Süd westen auf Plock hin, andererseits nach Ostnordost über die Höhen nördlich Praszuysz hinweg verlief. In diesem Winkel schoben die Russen Ende Februar-Anfang März ihre Truppenmassen zunächst gewaltige Bau da. Der große Häuserkomplex mit Kirche, Klo und Schloß erinnert in seiner Abgeschlossenheit an den Vatikan, der Gedanke Michelangelos für den Bau von St. Peter ist hier in der Kirche nachgeahmt. Keine großartigere Stätte könnte der Papst außerhalb Roms finden, um in Ruhe seines Amtes zu walten. Vielleicht spricht er bald, in anderem Sinne als Philipp II.:„Ruh finde ich in Escorial!“ Nahe bei Madrid gelegen und durch eine 5 gut gehaltene Chaussee mit der Hauptstadt verbunden, lockt der 2 Escorial zwar durch seine Umgebung die elegante Welt der spa⸗ nischen Residenz an schönen Sommertagen an, aber auch das wird den Papst nicht stören. Ein eigenartiger Reiz liegt in dem schar Gegensatz zwischen der Strenge und Einfachheit des königli 5 Palastes und dem eleganten Leben und Treiben der reichen Madri⸗ lennos. Durch Roms lautes Straßenleben ist der Vatikan ja an ein solches Treiben gewohnt, und jedenfalls wird gegen die in diesen 7 Zeiten doppelt leidenschaftliche Unruhe der italienischen Hauptstadt Madrid wohltuend abstechen. Denn, wiederum mit Schiller, wird der Papst, wenn er nach Spanien übersiedelt, feststellen können; „Man ist sehr ruhig in Madrid. Und das ist mehr, als sich dass ganze übrige Europa zu erfreuen hat.“ 5 1 175 — Eine Schreibmaschine für Einarmige. Die⸗ selbe Geschmeidigkeit, mit der die deutsche Industrie sich den Kriegs⸗ bedürfnissen angepaßt hat, beginnt sie bereits jetzt in der Berück⸗ sichtigung der Bedürfnisse unserer wackeren Kriegsversehrten zu bekunden. Zweifellos ist neben der ärztlichen Wissenschaft beson⸗ ders die Technik berufen, auf dem Gebiete der Kriegskrüppelfürsopge segensreich zu wilken, indem sie Arbeitsgeräte schafft, die n ihrem Aufbau den Verhältnissen der ihrer Glieder und deren Be⸗ tätigungsmöglichkeiten ganz oder teilweise Beraubten angepaßt sind. Ein solches Arbeitsgerät ist nun die von dem Hause Julius Pintsch in Frankfurt a. M. auf den Markt gebrachte Schreib⸗ maschine für Einarmige, über die die bekannte, ber Otto Spamer 55 in Leipzig erscheinende Zeitschrift„Prometheus“ nähere Angaben 55 veröffentlicht. An sich ist es allerdings wohl möglich, eine der gewöhnlichen Schreibmaschinen mit einer Hand zu bedienen, doch würde man dabei nicht besonders schnell arbeiten können. Deshalb ist die Leistungsfähigkeit der Schreibmaschine für Einarmige da⸗ durch erhöht worden, daß man eine Rei g Hilfe von Pedalen durch en läßt.* sche
hatten.
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Da die Maschine keine Klaviatux durch einen Handhebek bedienß
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Ganz aus grauem Granit erbaut, scheint er selber ein Stück Fels zu sein. Grau in Grau, düster un ernst, steinern und bolt, steht der


