schienen lische Kriegspolitik enthält:
bplomatische Geschichte des Krieges“
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einsamung“,
wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen zeit ⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
Der„unheilvolle Lügner Grey“.
Der berühmte englische Gelehrte Frederick C. Conybeare, Professor zer Theologie an der Universität Oxford, Officier de Akademie. Ehrendoktor der Universität Gießen, hat an einen amerikanischen Freund einen offenen Brief gerichtet, der
in der amerikanischen Wochenschrift„The Vital Issue“ er⸗ 2
ist und u. a. folgende kritische Auslassungen über die eng⸗
„Im August, September und Oktober vorigen Jahres war ich do fest davon überzeugt, daß England alles Recht auf seiner Seite und Deu alles Unrecht auf seiner hatte, daß ich mir kaum die Mühe nahm, die in den englischen, deutschen, französischen und sischen Weißbüchern verössentlichten amtlichen Schriftstücke zu lesen. N Oktober wurde ich zum erstenmal auf die Kor⸗ respondenz des deutschen Kaisers mit dem Zaren aufmerksam und kam zu der Ueberzeugung, daß der Kaiser in den vom 28. zum 31. Juli sich ernstlich und aufrichtig um den Frieden bemüht hatte. Dann kam mir das Buch von Price„Die
alle diplomatischen Schriftstücke wiedergibt und in Zusammenhang miteinander bringt.
englischen Volkes unsere Flotte, unsere einzige starke Waffe, be⸗ dingungslos an Frankreich verpfändet. Ich glaube, daß nur Asquith und ein paar andere Mitglieder des Kabinetts eingeweiht waren. Die große Masse des englischen Volkes hatte eine vage Vorstellung von der Tripel⸗Entente, aber keiner von ums hatte auch nur den geringsten Verdacht, daß Greys Diplomatie 2 eine Wahl ließ, und wir Engländer durch seine geheimen Abmachungen genau so wie Frankreich an die Räder von Ruß⸗ Wagen gekettet waren. Trotz der Verwandtschaft zwischen der serbischen Sprache und igion mit der— +— glaube ich nicht, daß Petersburg viel an
Hebel, der zur Zerbröckelung Oesterreich-Ungarns t werden ko ebenso nahe,
Als die Krisis am 24. Juli einsetzte, machten sich Sasonow und Grey bei den
vollständiger Solidarität“ mit Rußland und Frankreich
lands 9 i
ein eg wegen dieses Landes niemals die Billigung der
englischen öffentlichen Meinung zu hören, ging
voraus fahren und alles 1 1 5 Kaiser zur Kriegserklärung zu
5 Oesterreich, sie gleichfalls anzunehmen. nowsky mit Grey
erwartete das englische Kabinett, daß Grey sofort einen Bericht er⸗ batten würde darüber, ob Deutschland irgendwelche Bereitwilligteit binett war durchaus in zu machen, und wartete
Kunst, wissenschaft und Ceben.
— Eine belgische Satire auf England. Eine deutsche Neuausgabe.) Zur Zeit von Englands„glänzender Ver⸗ damals, als es während des Burenkrieges vom sitt⸗ lichen Gewissen der Welt in die Acht getan worden war, schrieb ein belgischer Dichter, Eugen Demolder, eine kleine satirische Dichtung:„Albions Todeskampf“. Das Werkchen ist„den be⸗ rühmten und bewundernswerten Mitgliedern der Haager Frie⸗ denskonferenz mit der ihnen gebührenden Hochachtung“ gewidmet, und vor den Eingang schrieb der Verfasser die Worte:„Dies, damit man meinen Namen aus der Liste aller englischen Klubs streiche.“ Es ist ein Buch der Empörung, des Hasses. Seinen Geist zeigen Aussprüche wie diese:„John Bull, der sich nur mit Krämerei befaßt, träumt von der Beherrschung der Welt, die er mit seinen Wuchererkrallen umspannen möchte.„In unserm Jahrhun⸗ dert sind es Shakespeares Shylocks und die von Marlow gebrand⸗ markten Barabas, Flibustier und Diebe sind's, die das englische Herz verkörpern.“„Üebrigens wird sie die Geschichte ja richten.“ Und Demolder, oder vielmehr Herr Haringus aus Amsterdam, durch den der Verfasser spricht, prophezeit den Enkeln Tartuffes —. Tartuffe ist nach England gezogen und hat dort einen Laden eröffnet,“ sagt Oscar Wilde— jenes Waterloo, das sie einst dem ersten Napoleon bereiteten.. Demolder erzählt den Traum von Eng⸗ lands Ende Um sich die Schärfe und Satire und jede Bewegungs⸗ freiheit der Groteske zu sichern, hat er eine Gestalt erfunden, die wirklich eine entzückende Schöpfung dichterischer Laune ist: jenen biedern Holländer, Herrn Haringus. Herr Haringus ist der Typ des aufgeklärten, liberal denkenden, gutmütig friedfertigen Bür⸗ gers, der keinem Kätzchen weh tun kann. Er ist offen und ehrlich und liebt die breite ungezwungene Behaglichkeit, verabscheut aber alles Zugeknöpfte und Heuchlerische; verabscheut alles Englische. Er, der kaum irgendwelche stärkere Gemütswallungen kennt, hegt gegen das Engländertum eine instinktive Abneigung, und mit Lust verzeichnet er alles, was feinem Widerwillen recht gibt. Der Haß gegen England ist seine fire Idee, und wenn man an diesen Punkt rührt, verkehrt sich seine Sanftmut augenblicklich in schäumende Raserei. Der Burenkrieg hat Herrn Haringus ganz aus dem Gleichgewicht gebracht. Jede Niederlage der Engländer ist ihm ein Fest. Jede Kunde
würdigen Hasse, der ihn selbst im Traum der Nacht nicht losläßt. Und Herr
105. Jahrgang
Erscheint taglich mit Ausnahme des Sonntags. 2 i 2
1 2 an ener 4 aan le ener 13 eiger „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sießen“ zweimal 5
General⸗Anzeiger für Oberhessen
nur auf einen Ausweg, um nicht mit Deutschland in Krieg ver⸗ wickelt zu werden. Grey wußte also, daß wenn er Lichnowskys Vor⸗ schlage an das Kabinett berichtete, dieses sie sofort annehmen würde; dann aber hätte er seine geheimen Verpflichtungen Frank- reich und Rußland gegenüber nicht erfüllen können. Und was tat Grey? Er sagte am 1. August keinem seiner Kollegen ein Wort von Lichnowskys Angeboten, und als das Kabinett am Morgen des . August zusammentrat, verheimlichte er diese Vorschläge dem Kabinett gleichfalls und tat dasselbe in der Sitzung des Unter⸗ bauses vom 3. August. Durch diese Unterlassung hat uns Grey in diesen Krieg gestürzt, ja, ich sage, hinterlistig in diesen Krieg gedrängt. Diese unheil⸗ volle Tat wird Grey noch einmal in seinem Leben zu büßen haben, das können Sie mir glauben!
Erst mehrere Wochen nach Kriegsausbruch erfuhr man etwas von der Unterredung mit Lichnowsky(Englisches Weißbuch Nr. 123). Keir Hardie brachte in der Unterhaussitzung am 27. August die Sache als Erster zur Sprache und fragte Grey, ob er Lichnowskys Vorschläge dem Kabinett vorgelegt hätte, und, warum diese Vor⸗ schläge nicht als Unterlage einer friedlichen Auseinandersetzung mit Deutschland benutzt worden wären Alle Antworten, die Grey auf diese Anfragen Keir Hardies am 27. August gab, sind Muster⸗ beispiele von bewußter Lüge. Damals natürlich spendete ihm das Haus, weil es sich durch seine Künste vollständig blenden ließ, Beifall. Bald aber wird es ihn an den Galgenschicken! Ich bin mir nicht ganz klar, ob Asquith von dieser verbreche⸗ rischen Unterlassungssünde Greys wußte, denn er stützte am 6. August seine ganze Beweisführung nur auf Nummer 85 des Weißbuches. Wenn aber Asquith tatsächlich mit Grey unter einer Decke gesteckt hat, dann wird auch er baumeln müssen.
Das englische Volk muß auf einer Forderung bestehen: Die⸗ ser unheilvolle Lügner Grey, der ewig Frieden auf den Lippen und Krieg im Herzen hat, muß gehen. Ihm und seinem Spießgesellen Sasonow können wir die Aufgabe, den Frieden für England zu schließen, nicht anvertrauen.
0 Aus dem Reiche.
Die Sicherstellung unserer Ernte.
Berlin, 29. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Einem Artikel der„B. Z. am Montag“ über die neuen Bundesratsverordnungen zur Sicherstellung unserer Ernte ist zu entnehmen:
Es bleibt grundsätzlich bei den Höch stpreisen, sowohl für Brotgetreide, wie für Futtermittel. Die Festsetzung dieser Höchst⸗ preise erfolgt, wenn die Entwicklung der—+ übersehen werden kann, ebenso bleibt es bei der Beschlagnahme aller dieser Erzeug⸗ nisse Die Beschlagnahme erfolgt diesmal zugunsten der Kom munalverbänd e, da dieses Jahr die ganze Ernte zu bewirt⸗ schaften ist, so daß eine Aussonderung des Saatgutes usw. nicht von den Zentralstellen erfolgen kann. Die Beschlagnahme durch die Kommunalverbände bedeutet gewissermaßen eine Entlastun 9 der Kriegsgetreide⸗Gesellschaft und zugleich ein Ent⸗ gegenkommen gegen die Produzenten. Im Effekt wird nichts ge⸗ andert, da fiir die Kriegsgetreide⸗Gesellschaft und für die neue Reichsgetreidestelle n und 33 755 sind, prompte teserung der angemessenen Qualität sicher⸗ stellen. Die Beschlagnahme bedeutet nur, daß eine Verpflichtung zu guter Verwaltung und Ve übernommen wird. Das Ge⸗ treide muß nach wie vor seitens der Kriegsgetreide⸗Gesellschaft bzw. der R 1 4 bzw enteignet werden. Die Kriegs⸗
der Reichskommissar zur Durchführung nebst dem diesem beigegebenen
0 eren Reichskanzler ernennt. Dadurch wird es möglich, die Landwirte in gleicher Stärke 'tädt g 1 Bundesstaaten können wie bisher Landes- Verteilungsstellen einrichten und werden es voraussichtlich alle tun. Das Verfütterungs verbot für Roggen und Weizen wird aufrechterhalten, ebenso die Verfügung der Be⸗ schlagnahme für Hafer und Gerste. Neueingeführt werden soll eine Reichsfuttermittelstelle. 5
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Mittwoch, 30. Juni 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühbschen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
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straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S 51, Schrist⸗
leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Berlin 29. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Durch Ver⸗ ordnung des Bundesrats vom 7. August 1914 und die zu dieser Verordnung ergangenen Nachträge ist es den im Aus⸗ lande wohnenden Personen bis zum 31. Juli 1915 untersagt, vermögensrechtliche Ansprüche, die vor dem 31. Juli 1914 entstanden sind, vor inländischen Gerichten gel⸗ tend zu machen. Der Reichskanzler ist ermächtigt, Aus⸗ nahmen von diesem Verbot zuzulassen. Nachdem auf Grund dieser Ermächtigung schon früher eine allgemeine Ausnahme in dem Verhältnis zu Oesterreich-Ungarn zugelassen ist, sind die Beschränkungen der Rechtsverfolgung nunmehr auch im Verhältnis zur Schweiz durch Anordnung des Reichs⸗ kanzlers vom 25. Juni allgemein außer Kraft gesetzt worden. Die Anordnung gilt zugunsten von natürlichen Personen, die in der Schweiz ihren Wohnsitz haben, sowie juristischen Per⸗ sonen, die dort ihren Sitz haben. Angehörige Englands, Frankreichs und Rußlands sind von dieser Vergünstigung ausgenommen. 8
Berlin, 29. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) In der Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank betonte Präsi⸗ dent Havenstein, daß die Lage der Reichsbank nach wie vor als sehr befriedigend gelten könne. Der Präsident erläuterte dieses allgemeine Urteil näher an Hand der letzten Ausweise der Reichsbank.
Leipzig, 29. Juni.(WTB. Nichtamtlich) Zur Linderung der großen Not der deutschen Gemeinden Galiziens hat der Oberpräsident der Rheinprovinz, Rheinbaben, dem Aus⸗ schuß für die hilfsbedürftigen Deutschen Galiziens und der Buko⸗ wing in Leipzig 3000 Mark gespendet. Für den gleichen Zweck bewilligten die Städte Leipzig und Stettin je 1000 Mark, Rem⸗ scheid, Kottbus, Steglitz im Kreise Westernburg und Hamm je 500 Mark. In den letzten Kämpfen haben verschiedene deutsche Dörfer wieder schwer gelitten. Bei dem Nussen den kränklichen evangelischen Senior Royer samt seinem Sohne, der ebenfalls evangelischer Pfarrer ist, nach Rußland.
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Vermischtes.
Berlin, 29. Juni. Das„Berliner Tageblatt“ meldet aus München: Der starke Regen, der gestern in ganz Bayern fiel, steigerte sich stellenweise zu Wolkenbrüchen von ge⸗ waltigenn Umfange, namentlich im Allgäu und Stubei⸗ gebiet. Dort stürzten lawinenartig Geröllmassen zu Tal und bedeckten Wiesen und Felder meterhoch.
Berlin, 29. Juni(Priv.⸗Tel.) Das„Berliner Tageblatt“ meldet aus Amsterdam: Die geheimnisvollen Brände in England dauern noch immer an. Am Samstag brachen zwei Brände in Glasgow, zwei in Essex und einer in Breafer aus. Die Ursache konnte nirgends festgestellt werden. — u——a—
Märkte.
te, Fraukfurt a. M., 29. Juni. Auf dem heutigen Heu⸗
und Strohmarkt war nichts angefahren. 0
—— Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.
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2— 2 2 1E 82 23 33 2„„ 5 un Se, 4 S S 5 Seer 3 53 S 35 5 2 5585 4615 58 88 83 S3 3 5 8 5 4 d 8 Fe 3 29. 2 743,4 20,5 8,7 48 WNW. 2 9 29. 5% 7438 17,4 10/0 67 W 2 9 30. 1 744,1 16,0 9,9 73 W 2 4 Sonnenschein
28. bis 29. Juni 1915= + 21,1 0.
0 U 1 Höchste Temperatur am 28.„ 29.„ 1515 J 140%
Niedrigste„— Niederschlag: 0,0 mm. Müllersche Badeanstalt. Wasser wärme der Lahn am 30. Juni 18
läßt er John Bull, den alten Heuchler, freundlich vor ihnen katzbuckelnd, während 5 5 hat, die den
die Buren empfangen, er schon die Meuchler 1 U Braven den Garaus machen sollen. Herrn aringus Haß schafft wirklich dichterische Bilder von satirischer Schlagkraft und einer Größe des Komischen, die manchmal ans Grau streift. Das Charakterbild Englands, wie es sich ihm während des Burenkrieges enthüllt, setzt sich ihm in Gestalten um, die sich unheimlich einprägen. Es war ein guter Gedanke des Ver⸗ lages Georg Müller in Belgier schrieb, ehe sein Vaterland daran dachte, sich zum Vor⸗ spann der„alten Diebin England“ zu machen, jetzt ins Deutsche übertragen zu lassen. 2
iche Lehrmeister deutscher Kunst. Wie einst zur Goethe⸗Schiller⸗Zeit erlebt in unseren Tagen die deutsche Silhouetten kunst, für die sich jetzt der Namen„Schattenrisse“ oder„Schattenbilder“ einzubürgern scheint, eine neue Blüte. Diese Technik stammt aber nach den Untersuchungen von Prof. Dr. Jakob aus Persien, und sie wurde der europäischen Kultur von den Türken überbracht, bei denen sie, wie der namhafte Orien⸗ talist Prof. Dr. J. H. Mordtmann in der„Zeitschrift der deutschen Morgenländischen Gesellschaft“ nachgewiesen hat, seit Jahrhunder⸗ ten eifrig gepflegt wurde. In den Reisen des Eplija Tschelebt wird erwähnt, daß die„oimarschian“, die Silhouettenschneider, eine besondere türkische Zunft bildeten und bei feierlichen Auf⸗ zügen mit den übrigen Zünften defilierten; sie werden auch aus⸗ drücklich in der Beschreibung eines solchen Aufzuges, der im Jahre 1582 vor dem späteren Sultan Mehented III. stattfand, äuf⸗ geführt. Ihre soziale Stellung war denn auch im alten türkischen Reiche, wo das Vorrecht der Geburt wenig galt und der begabte Sohn eines Sklaven die höchste Staffel in Würden und Reichtum erlangen konnte, eine sehr angesehene, zumal die Schattenrißtunst sehr volkstümlich war und Pfuscher nicht hochkommen konnten. In dem ausführlichen Bericht eines Augenzeugen, der zuerst in der deutschen Ausgabe von L s Türkenchronik gedruckt und daraus in der„Hoffhaltung des Türkhischen Keysers und Othomannischen Reichs“ des Nicolaus Höniger von Königs hafen erschtenen 1596) wiederholt wurde, heißt es von ihnen unter dem 25. Juni:„Tie so allerlei Schnitzwerk von Papier machen, nur ihrer zehen, haben dem Sultano einen sehr schönen lustigen Gar⸗ ten und ein Schloß mit Blumenwerk aus Papier mancherley Far⸗ ben künstlich geschnitzelt, Presentiert.“ Und Heinrich Friedrich v. Diez, der zu Anfang des 19. Jahrhunderts preußischer Ge⸗ sandter bei der Hohen Pforte war, notiert in seinen„Denk⸗ würdigkeiten von Asien“:„Idris degh, ein reicher Mann, war ein sehr geschickter Maler, besonders für Dosen. Er besaß auch eine ausnehmende Fertigkeit im Ausschneiden allerlei Arten Figuren im kleinen Er schnitzelte diese kleinen Figuren mit der Schere in Papier. Er trieb dies nur zu seinem Vergnügen und verschentte die Figuren aufgeklebt an seine Freunde und Bekannte mit Unter⸗ zeichnung seines Namens. Bei der Sammelliebhaberei der vor⸗ nehmen Osmanen, die sich nicht nur auf kostbare Wasserpfeifen
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und Gdelsteine beschränkte— die meisten Sultane betätigten eine
Art abergläubischer Scheu vor allem Geschriebenen und Gezeich⸗ neten— dürften sich noch viele Zeugnisse alttürkischer Silhouetten⸗ kunst finden, aus denen die Geschichte der Wanderungen der Sil⸗ houettenkunst aufgestellt werden könnte; jedenfalls ist sie, wie so viel anderes mehr, aus dem Orient zu uns gekommen und zwar durch Vermittelung der Türken, mit denen schon vor ihrer Fest⸗ setzung in Europa ein intensiver Handelsverkehr des Abendlandes
München, dieses köstliche Büchlein, das ein bestand
l e Von der Nordseeküste wird uns geschrieben: In S., einem kleinen Orte im e wurde jüngst ein Pferdemarkt abgehalten, dem in üblicher Weise ein dürf⸗ tiger Krammarkt angegliedert war; Ein mit Hosenträgern, Schuh⸗ riemen und Wachs tuch beladener Tisch, eine„Smuttaal“ Bude und der von der Menge allezeit umlagerte Stand des„billigen Jakob“ bildeten die ganze Herrlichkeit. Geräuschvoll, mit großem Schwall an Worten und nicht selten an Reimen pflegt der Jakob seine Waren anzupreisen. Da sieht man ihn, wie er auf seinem Tische steht, ein kleines Schächtelchen hoch im Kreise schwingt und folgende Ansprache an seine Käufer hält:
Na kuckt eins her!
Hier diese Smeer,
»So swart as Teer,
Frett alle Sorten Minschenlüs⸗ 1 As unse swarze Katt de Müs' Kostet aber auch'n halber Dahler!— Wat meenst, mien Deern? Is di to düer? Töw' man Warte nur; noch'n beten, ward gliks all billiger!— Ihr wißt doch all mit'nanner, daß der Jakob kein Engländer is, der euch beschuppsen will! Weil Krieg is, will er mall den Reellen spielen und läßt euch die Salbe wahrhaftigen Gott für nne Mark! Für eine Reichsmark!— Abersten ihr wollt diese patentierte Läusesalbe doch gewiß euren Männern und Liebsten nach Rußland schicken, he? Na, also! Deshalb kostet sie auch aus⸗ nahmsweise summa summarum nichts als fünf lumpige Groschen! Aber ausnahmsweise! Wer köfft??—„Hier!“ rufen Meta und Trina, zwei rotbackige Deerns, und halten ein Fünfzigpfennigstück hoch, das alsbald mit einer Sal ben schachtel vertauscht ist, Glück⸗ lich über ihren billigen Kauf, ziehen die beiden ab. Aber nicht lange, da stehen sie wieder vor dem Jakob. Sie vermissen eine „Gebrauchsauweisung“ und möchten wissen, wie das Mittel anzu⸗ wenden ist. Der Jakob streicht seinen struppigen Bart und hebt an:„Dat will ick jo seggen: ji nehmt de Lus und smeert ehr'm beten van dat swarte Tüg up de Näs'. Denn schallt ji man sehn, nah'ne knappe halwe Stünn is das kleine Lausevieh perdüh!“— „Och Mensch, Jakob!“ entgegnet die resolute Trina,„wenn wir die Laus all gefangen haben, dann brauchen wir doch nicht so ne Umstänne mehr mit ihr zu machen, denn können wir sie ja doch
man gleich mit'in Daumen dotdrücken!“— Hierauf der Jakob mit
dem unschuldigsten Gesicht von der Welt:„Aber gewiß doch, ja, mien säute Deern— dat geiht ok!“ 0 1 —
Rückzuge verschleppten die
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