Ausgabe 
(5.6.1915) 130. Zweites Blatt
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nr. 30 zweites Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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DieGlehener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ kragen erscheinen monatlich zweimal.

105. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

die Stimmung der Bevölkerung in Lemberg

schildert der Berichterstatter des PariserTemps Edmond Privat, der die Aufgabe erhalten hat, über die Tätigkeit der Russen in Galizien zu berichten und nun gerade zurecht gekommen ist, ihren schleunigen Abzug mitzuerleben. Gerade in dem Augenblick der Abfassung des Briefes hört er bereits die Kanonen von Stryj deutlicher herübertönen. Seine Russen g ist natürlich bemüht, die Dinge in einer für die Russen möglichst günstigen Beleuchtung erscheinen zu lassen; aber gerade deshalb gewinnen seine Andeutungen über die wahre Stimmung der Bevölkerung besonderes Gewicht.Ab gesehen von einer Rauferei zwischen den Truppen und den ii ache Händlern im zweiten Monat der Besetzung, so schreibt er,hat sich seit dem Einzug der Russen in Lemberg alles in Ruhe 9 Die Bevölkerung scheint in guten Beziehungen mit dem Heere zu stehen, wie mir überall bezeugt wird. In politischer Hinsicht wissen die Polen von Lemberg nicht recht, was sie denken sollen. Man darf nicht vergessen, daß sie in Oesterreich begünstigt wurden. Für den Augenblick erklären sie, sich nicht allzuviel über die neue Verwaltung beklagen zu können, da einmal der Kriegs- . gegeben ist. Für die Zukunft dagegen haben sie efürchtungen, wenn Rußland wirklich beschließt, sie von Polen zu trennen und ihre Universität nach Warschau zu verlegen. Die Einführungsrede des Generalgouverneurs hat sie über 7 Punkt mit Sorge erfüllt. Inzwischen be handelt sie der Graf Bobrinski sehr rücksichtsvoll. Er tut nichts, ohne mit den Vertretern der Stadtbehörde zu verhandeln, denen er die Verwaltung überlassen hat. Er

kommt verschiedenen Familien, die durch den Krieg ruiniert Uf

sind, zu Hilfe, und seine Höflichkeit und sein Wohlwollen werden in der polnischen Gesellschaft geschätzt. Aber leider ist das Land verwüstet. Die Landwirte haben nichts mehr, und die Landbesitzer, die so zahlreich sind, haben keine Güter, keine Schlösser, keine Wälder mehr. Und dann sind die Familien auseinander gerissen. Man erhält keine Nach- geslach von den Seinigen mehr. Die einen sind nach Wien geflüchtet, die andern hier geblieben. Die Söhne und die Gatten kämpfen auf entgegengesetzten Seiten. Man weiß knicht, ob sie leben oder tot, verwundet oder gefangen sind. Hale man dazu den schrecklichen Gedanken, daß Lemberg vielleicht aus einem wiederhergestellten Polen ausgeschlossen werden soll, so wird man leicht begreifen, wie traurig die Stimmung ist, die schwer auf den Herzen dieser Patrioten. lastet. Das Los der Ruthenen ist jedoch noch beklagenswerter. Es gab wohl unter ihnen eine Partei von Russenfreunden, die seit mehreren Jahren eine Annexion vorbereiteten. Ihre Zeitung erscheint heute in russischer Sprache, und ihre Wünsche sind erfüllt. Man sagt, daß sie auch einen Teil der Landbevölkerung für sich hatten, was erklärt, weshalb die Oesterreicher die ruthenischen Bauern, die ihre Dörfer verlassen haben, als Verräter erbittert verfolgen. Aber die meisten Ruthenen von Lemberg hatten eine österreichfreund⸗ liche Gesinnung und unterstützen die Zeitungen in ihrer

ache, die die große ukrainische Bewegung begünstigten. Sie hofften es zu erleben, daß eines Tages mit Hilfe Oester⸗ reichs ein großer Staat der Ükraine erstehen würde, der das ganze Kleinrußland umfassen sollte. Es ist natürlich, daß Graf Bobrinski diese Zeitungen sofort bei seiner Ankunft unterdrückt hat. Es erscheinen in Lemberg nur noch die ge⸗ wöhnlichen polnischen Zeitungen und drei Blätter in rufsi⸗ Hi Sprache, darunter das Amtsblatt und die Zeitung der Offiziere. Die ruthenischen Gesellschaften sind aufgelöst und ihre Sammelplätze geschlossen. Ihre 9 sind ver⸗ haftet, und ihre Sprache ist oftzielt durch die russische perdrängt. Die Lage der Ruthenen ist also sehr verschieden von der der Polen, deren Sprache und Nationalität an⸗ erkannt sind. Welches wird das Los Lembergs sein? Be- trachtet man es als die Hauptstadt der ruthenischen Pro⸗ vinzen Galiziens und vor allem als den Mittelpunkt der

Samstag, 5. Juni 191¹⁵

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

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ukrainischen Bewegung, so sieht jeder, welche Gründe Ruß land haben könnte, es zu behalten, um daraus eine russische Stadt zu machen und eine Bewegungszusersticken, die die Ein⸗ heit des Reiches bedroht. Betrachtet man die Stadt aber für sich, so ist sie eine große polnische Stadt, die ihre Stello an der Seite von Warschau und Krakau haben, mit ihnen vereint und in ihrem Ruhm und in ihrer Freiheit wiederher gestellt werden müßte. Es ist zu hoffen, daß die Russen nicht mehr lange nötig haben werden, sich über das schwie rige Problem, was sie mit Lemberg machen sollen, die Köpfe zu zerbrechen...

der russische Zensor an der Arbeit.

Einen höchst aufschlußreichen Beitrag zu dem unerschöpflichen KapitelRussische Zensur liefert dasAlgemeen Handelsblad. Die Redaktion dieser Amsterdamer Zeitung gelangte kürzlich in den Besitz mehrerer Exemplare ihres Blattes, die, für die hollän⸗ dischen Leser in Rußland bestimmt, von dem russischen Zensor für dortige Verhältnisse zurechtgestutzt waren. Ganze Spalten waren von fettigen, schwarzen Tintenflecken bedeckt und so unlesbar ge⸗ macht worden. Ein Vergleich dieser Zeitungen mit den entsprechen⸗ den Exemplaren, die im Archiv der Redaktion aufbewahrt wer⸗ den, ergab ein Resultat, das auf das Verfahren der russischen Zensur ein charakteristisches Licht wirft und für den Wert und die Beurteilung des russischen Zensors von größtem Interesse sein dürfte. Die Morgenausgabe vom 5. April z. B. weist gleich auf dem Hauptblatt die großen schwarzen Flecken auf. Hierdurch ver⸗ schwindet der amtliche Bericht der obersten Heeresleitung, der sagte, daß der russische Angriff bei Augustow abgewiesen wurde. Desgleichen verschwindet die Armee⸗Order des Erzherzogs Joseph Ferdinand an die österreichischen Truppen aus Anlaß des Oster⸗ festes und ein Telegramm über den Kampf in den Karpathen, am zol⸗ und Duklapaß, wo die Turchbruchsversuche der Ruffen mißlangen. Daß die Mitteilung von der Gefangennahme von 2020 Russen sowie der türkische Bericht aus Konstantinopel von der Zer⸗ störung der russischen SchiffeProvident undVastoehnaja in derselben Nummer der pflichttreuen Arbeit des russischen arbiter zum Opfer fielen, ist selbstverständlich. a 5

Mit welcher peinlichen Genauigkeit der Meister sein Werk ver⸗ richtet, geht hervor aus einem Bericht, der eine Betrachtung des Wiener Fremdenblattes enthält. Der Anfang findet Gnade und darf die Grenze passieren. Aber wo der Abschnitt, der von den ökonomischen Zuständen in Rußland handelt, beginnt, setzt der Schwärzungsprozeß ein und verbirgt die Wahrheit hinterm schwar⸗ zen Schleier; bei der nächsten neuen Zeile nimmt das Stück wieder seinen 0 Plötzlich taucht ein Abschnitt von 21 Zeilen auf, in dem o Schrecken zweimal das WortRußland vor⸗ kommt. Flugs rollt die Walze heran und verscheucht den lästigen Schwätzer. Daß freilich auch dem Meister der Rolle ein Lapsus unterlaufen kann, zeigt folgende merkwürdige Tatsache. In der Morgenausgabe des 6. April ist geschwärzt... ein Heeresbericht des großen russischen Generalstabes! Und wie sich aus dem Vergleich ergab überdies ein für die Russen außerordentlich günstig lautender. DasHandelsblad nimmt an, die Sckwarzrolle hier ausgeglitten ist; wahrscheinlich sei der etwas höher stehende deutsche Bericht gemeint, der lautete:Der russi⸗ sche Angriff bei Mariampol wurde unter schweren Verlusten für den Feind abgewiesen. Mit Erstaunen wird man an diesem Tage im Zarenreiche zum erst 71 von einer russischen Nie⸗ derlage vernommen haben! g

Aus den vielen Fällen, die dasHandelsblad weiter anführt und aus denen überall die e Angst der Regierung hervor⸗ geht, daß auch nur ein Körn n der Wahrheit in die verlogene Wüste gelange, aus diesen Fällen ist besonders erwähnenswert das witzige Verfahren in einem Briefe des Berliner Korrespondenten, der eine Reihe von Artikeln über eine Winterreise in Ostpreußen. für seine Zeitung schrieb. Im Abendblatt des 9. April entwirft er ein Bild von Insterburg und erzählt hierin, daß in der Nähe des aße das Hotel steht, in dem General Rennenkampf und der russische Befehlshaber Nicolai Nicolajewitsch wohnten, die sichim Laufschritt davon machten, als Hindenburg nahte. Natürlich ließ der schwarze Zauberstab sofort diese fürchterlichen Worte ver⸗ schwinden. Gewiß wird diese Lücke, mitten in dem fesselnden Briefe, bei den Lesern Neugierde und nicht allzu fern liegende Vermutun⸗ gen geweckt haben! g 8

Ueber die Art und Weise, auf welche diegefährlichen Stellen unlesbar gemacht werden, weiß dasHandelsblad u. a. folgende interessante Einzelheiten mitzuteilen. Die schwarzen Flecken werden

In den docks von London. Was noch nie geschehe

n, so lange London eine Geschichte hat, das hat die Riesenstadt jetzt erleben müssen: die Londoner Docks lind von deutschen Geschossen bombardiert worden. Die Londoner Docks: das ist eine eigene Welt, eine ungeheure, ente schmutzige, Millionen über Millionen bergende und spendende Welt, zu deren Schilderung sich die Anschaulichkeit eines Dichters, der Tatsachensinn eines fmannes, und die Fachkenntnis eines alten

des Towers von ihrem Hügel drohend über die Themse blicken, breiteten sich früher meilenweit Dörfer aus, kleine Flecken mit Tau⸗ senden von Häusern und Zehntausenden von Einwohnern hier begann zu den Zeiten des alten Londons das flache Land. Dies

Feldern hat, wie Fritz Warnick in einer vortrefflichen Schilderung sagt, der Welthandel enteignet, erobert, verschlungen. Er hat es in die Docks verwandelt, deren Geschichte mit den London Docks vom Jahre 1805 anhebt. In diesem kleinen WorteDocks birgt sich nicht mehr und nicht weniger als die ganze weite Welt mit ihren Erzeugnissen, ihrer Arbeit, ihrem Handelsverkehr. Wo früher Straßen und Gärten lagen, da hat man künstliche Seen geschaffen,

große tiefe Wasserbecken, die mit gewaltigen Steindämmen und! 0

mächtigen Schleusentoren an die Themse Binnenseen herum erheben sich riesenhafte andere Stadt gruppiert iich auch die der Docks in Straßen, Gassen und Pläßte, bestehend aus alten, neueren und noch erst entstehen⸗ den Teilen. Als die weite natürliche Hafenbucht der Themse bei Lonbon die Tausende der anlegenden Schiffe, als die vorhandenen Lagerräume an ihren Üfern die Masse der Güter nicht mehr zu bergen imstande w hinein und schuf sich diese künstlichen Hafenbuchten, um die sich die himmelhohen Steingebäude mit den endlosen unterirdischen Ge⸗ wölbegängen bildeten, in denen jetzt die Schäte aller Weltteile Unterkunft 822 Die ältesten dieser Docks, außer den London Docks die St. Katherine Docks, die unmittelbar östlich an den Tower grenzen, liegen noch, man kann sagen, im Herzen der Stadt. Dann aber fraßen sich die Docks immer weiter ostwärts ins Land hinaus, Die durch die große südliche Ausbiegung der Themse gegen⸗ i 7 Greenwich gebildete Hundeinsel wurde zu Docks ausgenutzt, während zugleich auf beiden Ufern des Flusses östlich und westlich neue Anlagen entstanden und schließlich die modernste aller Dock⸗ anlagen, die Victoria and Albert Docks, wieder noch viel weiter flußabwärts bis Woolwich hinausgeschoben werden mußten. So bͥrstregen die Docks sich jetzt, ein Wahrzeichen modernsten Londons, vom Tower mehrere Meilen den Fluß entlang, und jeder einzelne er Bezirke gleicht einer Festung, die hohe Mauern umgeben

der nur wenige Tore Einlaß gewähren. Denn die Docks

grenzen. Und um diese Warenburgen. Wie jede

Seefahrers vereinigen müßten. Da, wo die grauen Mauermassen Schiff

ganze unabsehbare Gebiet von Dörfern, Gartenlandschaften und ft

aren, da grub sich der Handel ins flache Lands k

mittels einer Kautschukrolle, die an einem Tintenkissen gestrichen ist auf das Papier gebracht. Die Oberfläche der Rolle ist in schmale Streifen geteilt. Die Streifen sind auf dem Papier deutlich sicht⸗ bar. Oben und unten sind öfters schwache Biegungen bemerkbar. Ueber einen Bericht, der für die Russen sehr ungünstig lautete, ist die Rolle mit einer außergewöhnlichen Biegung gefahren. Sicher⸗ lich ist des Zensors Zorn auf seine Handbewegung übertragen wor⸗ den! Die Rolle hat genau die Breite einerHanbelsblad Spalte. Da bei weitem nicht alle in⸗ und ausländischen Zeitungen die⸗ selbe Spaltenbreite baben, muß dem Zensor also für jede eine be⸗ sondere Rolle zur Verfügung stehen. Natürlich kommen nicht ein ober zwei, sondern Zunderte von Exemplaren derselben Zeitung jeden Tag auf den Tisch des Zensors. Die müssen alle peinlich auf derselben Stelle, in derselben Art, ja auf denselben Zeilen ge⸗ schwärzt werden. Daß dieses maschinell geschieht, ist technisch un⸗ möglich. Man kann sich daher leicht denken, über welchen Stab vonSchwärzern der Zensor verfügen muß, welche Unsumme von Arbeit diese zu verrichten haben, welche Verzögerung in der Be⸗ richterstattung entsteht und in welcherpünktlichen und unpar⸗ teiischen Art die Tausenden Neutralen, die in Rußland leben, über den Krieg und seinen Verlauf unterrichtet werden. Das Handelsblad widmet in seiner heutigen Sonntagsausgabe diesen interessanten Vorgängen einen LeitartikelDie Psyche des russi⸗ schen Zensors. Im Verlaufe der Betrachtung wird auch ein Mittel angegeben, mit dem man selbst den Ehrlichsten der Ehrlichen überlisten könne; man reibt die rauhen schwarzen Flecke mit einem weichen Tuch; die Tinte wird glänzend und dünner; dann hält man die betreffende Stelle gegen eine Gasflamme... und jeder⸗ mann kann ohne Mühe die Worte entziffern. Ob freilich unter der liebevollen Obhut der russischen Polizei die Neutralen dieses Mittel anzuwenden wagen, bleibe dahingestellt. Am Schlusse ihrer Betrach⸗ tungen richtet die Redaktion an die Regierung des Zaren die ironische Frage:Welche Mengen jener pechschwarzen setten russi⸗ schen Zensur⸗Tinte die Leser desHandelsblad in Rußland wohl über diesen Artikel gestrichen finden werden?

. Vermischtes.

Ein technisches Generalstabswerk. Wenn der

Weltkrieg eines Tages wann, wissen wir ja noch nicht sein

Ende genommen haben wird, werden wir mit Spannung jenen Be⸗

lauf des Krieges veröffentlichen wird. Vieles, was uns bis zur Stunde dunkel blieb, wird uns klar werden, und wir werden die Einsicht gewinnen, wie im Kriege gesiegt wird. Teils durch die Genialität der Führer, teils durch die heroische Bravour der Trup⸗ pen, teils durch eine ins feinste gehende Organisation, welche die Fäden des verwickelten Netzes in einem Punkte zusammenfließen läßt. Schon in diesem Generalstabswerk wird man des großen und mächtigen Genossen gedenken, der das deutsche Heer in den Krieg begleitet hat und Dank und Anerkennung an Wissenschaft und Technik abstatten. Aber die Bedeutung dieser Hilfsmacht ist zu ungeheuer, als daß sie in einem Werke, das hauptsächlich mili⸗ tärischer Kritik dient, in genügendem Maßstabe zur Darstellung ebracht werden könnte. Deshalb ist die Anregung des Vereins Deulscher Ingenieure auf das freudigste zu 1 t e ch⸗ nisches Generalstabswerk nach dem Kriege in zu nehmen, das die Leistungen der Technik für den Krieg zur Dar⸗ stellung bringen wird. Es besteht kein Zweifel darüber, daß wir in dieser Arbeit ein monumentales Werk bekommen werden, das auch dem einen oder anderen unserer Feinde, wenn die Fluten des Hasses etwas verebbt sind, über den Stand unseres technischen und wissen⸗ schaftlichen Könnens die Augen öffnen wird.

22 f 7 7 Für Rheumatiker u. Neuralgieleidende.

In einem Tage von 3 entsetzlichen Schmerzen

efreit.

Herr Josef Wilhelm, München, schreibt:Seit 2 Monaten litt ich derart an Ischias, daß ich nicht gehen und nicht stehen und das Bett nicht verlassen konnte. Ich bätte aufschreien mögen vor Schmerzen. Kein Mensch glaubt, was ich gelitten babe. Nichts balf mir. Da brachte mir meine Frau aus der Apotheke Togal mit. Die Wirkung war geradezu wunderbar. Nachdem ich nur wenige Tabletten genommen hatte, war ich vollkommen wieder bergestellt. Ich gebe daher jedem Leidenden den Rat, sich sofort aus der nächsten Apotheke das überaus billige und unfehlbar wirkende Togal zu besorgen. Niemand wird diese Ausgabe be⸗ dauern. Aehnlich berichten viele andere, welche Togal Pede. Rbeumatismus, Hexenschuß, Schmerzen in den Gliedern und Ge⸗ lenken sowie bei Influenza und Kopfschmerzen gebrauchten. Es gibt nicht besseres. Alle Apotheken führen Togal⸗Tabletten. Best.: Acid. acet. salie. Chinin Mg. Li. 473688

sind gleichsam neutraler oder internationaler Boden; hier können die Schiffe frei ihre Lasten abladen, und erst, wenn die Waren die inneren Tore passieren und an Land gehen, treten sie in eng⸗ lisches Zollgebiet ein.

Der Reisende, der etwa bei Nacht zu Schiff in London an⸗ langt und morgens auf Deck kommt, glaubt, wenn er sich im Dock sieht, zu träumen. Er findet sein Schiff, wie Karl Hans Strobl einmal gesagt hat, auf dem Grunde eines verräucherten Schachtes, von schmutzigen Mauern umschlossen neben einer Menge anderer ffe an einen Steindamm gekettet, gleichsam erdrückt von der Wucht dieser schmierigen Mauern und den Gebirgen von Fässern, Säcken und Kisten, die sich längs des Steindammes hinziehen. Es scheint unerklärlich, wie das Schiff in diesen rings umschlossenen Hof, auf den Grund dieses Schachtes, der ins Herz der Riesen- tadt hineingebohrt ist, gekommen sein kann. Es schwimmt da auf einer höchst merkwürdigen Flüssigkeit, die schwarzbraun mit blau⸗ . schillernden Flecken, mit violett und rötlich opalisierenden

treifen ist und mit unzähligen Holzspänen, Papiersetzen, leeren Konservenbüchsen und kleinen Tonnengeziert ist. Ein träges, tückisches, drohendes, unheilvolles, schwerflüssiges und stinkendes Ge⸗ wässer: das ist die Themse in den Docks von Verläßt man dann das Schiff, tritt man eine Wanderung durch die Docks an, o kann man in ein paar Stunden die Erzeugnisse der ganzen Welt auf einem einzigen Stapelraume sehen. In labyrtuthischen Kellergewölben vereinigt sich hier, was alle fünf Erdteile hervor⸗ bringen. Da ist eine Stadt, die nur die Gewürze beider Indien enthält; dort eine andere, die mit Chinas Tee gefüllt ist. Kilo⸗ meterlang erstrecken sich die Tabakslager oder die Reismagazine; an anderer Stelle ist ein großer Teil der Welternte an Elefanten zähnen aufgespeichert. Und wie die Waren der ganzen Wekt, so ommen auch alle Nationen in den Docks von London zusammen. Schwarzes und braunes, gelbes und weißes Gesindel aus allen Staaten Europas, berufslos und verelendet, sucht hier Arbeit, und wer ein paar kräftige Arme hat, der 117 sie auch; zählt doch der Bedarf der Londoner Tocks an Arbeitskräften Tag für Tag nach vielen Tausenden! Haben die Beamten der Gesellschasten, denen die Docks unterstehen(denn nicht der Staat, sondern die Handelswelt hat sie errichtet und unterhält sie), früh des Tags die Arbeitskräfte angeworben, so beginnt das gigantische Arbeits- leben der Docks seinen Tas slauf: es wird geschleppt, gekarrt, ewunden, gerollt; die iffe leeren, die Speicher füllen sich; träne und Winden knarren, und des Abends nehmen dann auch die von Dickens so grauenhaft anschaulich geschilderten Schenken am Flusse Teil an der großen Ernte der Tocks von London.

Ibsens Arbeitszimmer im Volksmuseum zu

Kristiania. Wie uns aus Hristiania geschrieben wird, ist

der Plan, Ibsens Arbeitszimmer im dortigen Volksmuseum zur Aufstellung zu bringen, nunmehr zur Ausführung gelangt, und der geschichtliche Raum ist dieser Tage der öffentlich n Besichti⸗ gung zugänglich gemacht worden. Man hat das Zimmer mit einen Tapeten, dem Linoleumbelage des Bodens, den Bildern an den Wänden, den Aschbechern, der Lampe, kurz mit allem Zubehör bis aufs Kleinste aus der früheren Wohnung des Dichters in der Arbinsgate in das Museum übertragen. Da steht der Schreibtisch, den Ibsen benutzte und da steht das grün bezogene Sofa, auf dem er zu sitzen pflegte. Die Wiederherstellung ist so vollständig, daß, wie in einem dortigen Blatte erzählt wird, Ibsens Schwieger⸗ tochter, Frau Bergliot Ibsen, als sie den Raum besichtigte, un⸗ willkürlich nach der Tapetentür suchte, die in Ibsens alter Wohnung aus dem Arbeitszimmer ins Speisezimmer geführt hatte. Erschei⸗ nung und Charakter des Zimmers sind unzweifelhaft langweilig und trocken, allein das Interesse bleibt dessen ungeachtet diesem Raume gewahrt, der so urbürgerlich, ja kleinbürgerlich anmutet und doch die Stätte gewesen ist, wo Ibsen seine durch und durch revolutionären Dramen schuf.

Der neue Kitchener-Marsch. Das VolksliedEs ist ein langer Weg nach Tipperay wird jetzt durch ein neues Marschlied verdrängt, das von Maurice Drake verfaßt ist, der als Leutnant im englischem Heere steht. DieserMarsch der Soldaten Kitcheners wird jetzt viel in der britischen Armee gesungen. Er erinnert in seiner einförmigen Melodie an das alte VolksliedOld King Cole. Der Verfasser hat seinen Text so eingerichtet, daß er vom Feldmarschall bis herab zum gemeinen Soldaten, für jeden passend, gesungen werden kann. Das Lied beginnt damit, daß der alte König, ein vergnügtes Männchen, nach seiner Pfeife und der Soldatenschüssel ruft, seine drei Dudelsackpfeifer verlangt und dann von drei Soldaten bis zu den drei Generalfeldmarschällen herauf, alle seine Untergebenen aufzählt. it jedem neuen militärischen Grad, der genannt wird, wächst die Strophe um einen Vers. Nach den Marschällen kommen die Generäle; da sie sich aus Indien ein Leberleiden mitgebracht haben, heißt hier der Vers:Das Heer geht zum Teufel! der Oberst hat sein Gedächtnis verloren und fragt:Welches ist der nächste Befehl? Der Major flucht, der Hauptmann verlangt, ein Jahr Urlaub, der Leutnant schimpft, daß er den ganzen Dienst übernehmen muß, die polternde Stimme des Sergeanten ruft: 4% Inrmer vier Mann rechts. Und der Kor⸗ poral kommandiert:Links, rechts! Links, rechts! Der verdurstete Soldat eilt in die Kantine, der Dudelsackpfeifer ahmt trillernd den Brummbaß seines einfachen Instrumentes nach, und der Sch luß 55 wechselnden Strophen lautet:Ich brauche eine Mils ion Mann.

richten entgegensehen, die der Große Generalstab über den Ver⸗

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