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060 taglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Sie ener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen zeit⸗
fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
Die Statistit der Sparsamkeit in der Uriegszeit.
Die immer erneute Mahnung zur Sparsamkeit, die im Hinblick auf die Monate bis zur neuen, in ihrem Ertrage nicht zu berechnenden Ernte überall ergeht, findet eine interessante Erläuterung an einer Statistik, die jüngst die „Zeitschrift für Schulgesundheitspflege“ brachte. Wenn täg— lich nur 2 Gramm Brot vertrocknet oder verkrümelt der menschlichen Nahrung entzogen werden, so beträgt das bei rund 10 Millionen Haushaltungen, die für Deutschland angenommen werden,— es sind in Wirklichkeit mehr— 20000 Kilo oder 10000 Vierpfundbrote pro Tag. Das er⸗ gibt für das letzte Kriegshalbjahr, dieses abgerundet zu 180 Tagen gerechnet, 1 800 000 Vierpfundbrote gleich 3600000 Kilo Brot, zu dessen Transport— die Ladefähig⸗ keit eines Eisenbahnwaggons zu 4000 kg angenommen— 900 große Eisenbahnwagen oder 18 Züge zu je 50 Waggons benötigt würden. Hätte jeder Deutsche in dem Halbjahr diese 2 Gramm täglich gespart, so ergäbe das für das 67 Millionen-Volk ein Brotguthaben, mit dem 118ʃ% Züge de je 50 Waggons beladen werden könnten... Ein beson⸗
eres Kapitel bilden in dieser Hinsicht die Küchen- abfälle. Um welche Massen und Werte es sich hier handelt, zeigt die Angabe, daß in einem Berliner Hotel mit Restau⸗ rationsbetrieb die Abfälle für nicht weniger als 8000 Mk. jährlich verpachtet wurden und in Essen in einer Woche aus 12 000 Haushaltungen 50 000 kg gute Futtermittel
sammelt wurden. Welche Rolle hierbei die Kartoffel- chalen spielen, zeigt die Erwägung, daß ein Kilogramm er Kartoffeln nur 700 Gramm, dieselbe Menge in er Schale gekochter(Pellkartoffeln) aber 960 Gramm Speise⸗ wert ergibt. Im Zusammenhang damit wird hervor⸗ gehoben, wie die Hausfrau heute meist noch nicht volks- wirtschaftlich, ondern nur privatwirtschaftlich zu denken und zu handeln gewöhnt ist.„Sie kann nicht begreifen, daß das eine oder die zwei Gramm Fett, die sie täglich vergeudet, zu einer Summe im Gesamtverbrauch des Volkes anwachsen, die 28000 Tonnen(zu je 20 Zentnern) Fett pro Jahr ausmacht.“ Eine jetzt interessante Erinnerung sei dabei erwähnt: in Florenz, das neben Venedig als die Wiege der Statistik bezeichnet werden muß, wurde um 1390 die Zahl der Bevölkerung nach dem Brotkonsum„in bocche“,„auf Mäuler“— wie im einzelnen und ob hier, wie es fast den Anschein hat, eine Art Brotmarkensystem schon damals eingeführt war, wissen wir nicht— berechnet; es ergab im genannten Jahre 90000 Seelen. Im Hinblick auf das Lehrreiche und Anschauliche solcher Statistiken ist denn auch schon in pädagogischen Kreisen angeregt worden, ihre 4 in der obersten Volksschulklasse zu be⸗ 7—— und ihr Verständnis weitesten Kreisen zu er⸗ chließen— was vielleicht wie so mancher andere in der Kriegszeit geborene Gedanke einst verwirklicht werden und das wirtschaftliche Denken des Volkes vertiefen wird.
Aus Stadt und Cand. ö Gießen, 2. Juni 1915. Gefundene Wolle. Aus einer Lande i des Kreises geht uns folgende beherzigenswerte Zuschrift zu In früheren Jahren, als Deutschland noch nicht so wohl⸗ habend war, sammelten die Kinder armer Leute auf dem ö Land da, wo Schafherden weideten, die an den Hecken und Bäumen hängen gebliebenen Wollflocken. Sie bekamen da⸗ von ihre Winterstrümpfe gestrickt, und im Sommer gingen sie barfuß. Mit dem reichlicheren Verdienst der letzten Jahr⸗ te und den sinkenden Wollpreisen kam der sparsame ö ch abhanden. Jetzt ists wieder an der Zeit, daß arme und reiche Kinder die Wollflocken sammeln! Vielleicht be⸗ teiligt sich auch mancher Spaziergänger, der zufällig auf eine ndstelle stößt, daran. Die Flocken können an den Rote⸗ melstellen abgegeben werden. Man glaubt nicht, wieviel solch verlorener Wolle auf diese Art zusammen⸗
Ein Künstler⸗Dorado in Hungen. Hungen, 31. Mui.
„Ein stimmungsvoll poetisckes Fleckchen Erde ist das Hungener Schloß immer gewesen. Der Krieg hat's nun auch zu einem Sitz der Museen gemacht Warum gerade er? Nun, das ist auch so ein Stück deutsches„Barbarentum“. Wie auf einem Eilande fried⸗ lichen Schaffens haben ein paar Künstler hier, der Einladung der Frau. von Solms Braunfels folgend, in der stürmischen Kri t Zuflucht gefunden. 5 Da arbeitet in dem einen Schloßflügel der Maler Franz Huth, die vielsach noch unentdeckten Schönheiten des alten ter⸗ auer Städtchens und seiner Umgebung sestzuhalten. Lauschige Schloß⸗ und Waldeckchen, alte Stadtwinkel mit windschiefen Ziegeldächern,
garakteristische Persönlichkeiten, hier in farbenfrohem Oel, dort im feinen b Aquarell, so wurden sie in einer eigenen kleinen Ausstellung kürzlich dem Publikum vorgeführt. Und da hat mancher sehen gelernt und seiner Heimat köstliche Reize durch des Malers Dolmetschdienst lebendiger zu Bewußtsein gebracht bekommen.
9 In einem Turmstüb. hoch oben, mit ganz weitem, freiem Blick ins Land hinein, an den Zacken des einen Schloßgiebels und dem Kirchturm vorbei, haust Johanna Beckmann, die Sil⸗ houettenschneiderin, Welch eigne zarte Kunst! Auch da 5 zu lernen. Die unerschöpfliche Fülle von Leben und Lieblich⸗
feit, die schon allein in den Umrissen von Gottes Schöpfungen liegt, tritt uns da isoliert entgegen. Sonst versteckt sie sich so leicht hinter den stärkeren Reizen der fa ter den Wirkungen
2 sie die
Stübchen, die Blumen und Gräser in
ie altmodische Wandschranktür, es ist alles so,
wie es im Märchen sein müßte. Oder wenn dann die Schatten kaustlerin mit dem grauen um die Schultern unter den Bäumen hinhuscht, neue feine Bilder irgendwo dr in stil⸗ ler Waldeinsamkeit einzuheimsen, da gehört nicht viel dazu, auch von ihr sich auszumalen, daß sie da irgendwo zu Hause sei und nur hin und wieder unter die Menschen gehe, um ihnen freundlich
— Lehren zu geben, vom Zufrieden⸗Werden z. B., wie eines
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Darin, wie das nur einem Menschen
Bücher heißt. Und es ist— 5 0 viel 1. 9 3 gegeben ist, dem e⸗
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Gießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
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mittwoch, 2. Jun! 1015
Rotationsdruck und Verlag der Briühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.
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uckerei: Schul⸗
Schristleitung, Geschäftsstelle u.
straße 7. Geschäftsstelle u. Verl 1
leitung: 112. Adresse sür Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.
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kommen kann. Die Schulklasse in dem kleinen Dörschen Lauter brachte in 14 Tagen 2½ Pfd. zusammen, lauter echte unverfälschte Schafwolle. Da die Sammlung fortgesetzt wer⸗ den kann, verspricht sie noch mehr, muß natürlich sogleich angefangen werden, da die Schafe jetzt geschoren werden. An den Unner-(Mittagsruhe⸗ Plätzen der Schafe, an rauhen Baumstämmen und Dornhecken sucht man am erfolgreichsten. Man kann, da die Schafzucht in den letzten Jahren sich wieder gehoben hatte, leicht ausrechnen, daß in ganz Deutsch land einige 100 Zentner Wolle seither jährlich verloren gingen. Wer hilft sie finden?— Das Kreiskomitee für Rotes Kreuz und Kriegshilfe ist bereit, solche Wollsammlungen in jedem Umfang in seiner Sammelstelle (Asterweg 25) entgegenzunehmen und sie zur weiteren Ver⸗ wendung an die geeigneten Stellen abzuführen.
Freikonzert. Am Donnerstag(Frohnleichnam), den 3. Juni 1915, nachmittags 4—8 Uhr, findet bei günstiger Witterung im Garten der alten Klinik(Liebigstraße) Freikonzert für vex⸗ wundete Soldaten, Landsturmleute und deren Angehörige statt. Das Konzert wird ausgeführt von der Kapelle des Landsturm⸗In- santerje-Ersatz-Batl. Gießen.
* Zum Vogelschutz! Jetzt zur Brutzeit der Vögel ergeht an alle Katzenbesitzer seitens der Naturfreunde die dringende Mahnung: Habt acht auf eure Katzen! Erfah⸗ rungsgemäß treiben sich gerade des Nachts die wildernden Katzen mit Vorliebe in den Gärten und Anlagen herum, um bei hereinbrechendem Morgen, durch das Zirpen der hungernden Vogeljungen angelockt, die Nester zu plündern. Viele Katzen verlassen fast regelmäßig im Frühjahr das Haus, um während der Sommermonate ausschließlich Jagd auf Hasen und die Vogelwelt zu machen. Eine wohlgepflegte Katze verlegt sich übrigens nur höchst selten auf dieses Raub⸗ handwerk.
Landkreis Gießen.
Lollar, 1. Juni. Daß trotz aller gefälschten Kriegs- berichte Englands und unserer anderen Feinde die Wahr⸗ heit über die wirkliche Lage unserer siegreichen Heere in Amerika durchdrungen ist, möge nachfolgender Brief eines geborenen Lollarers aus Bellingham, Washington, beweisen;
An den Herrn Bürgermeister zu Lollar, Oberhessen.
Sehr geehrter Herr!
Als geborener Lollarer möchte ich auch gerne mein Scherflein beitragen, um das Los bedürftiger Kriegerfamilien oder zurück⸗ gekehrter 2 deter in Ihrer Gemeinde etwas lindern zu helfen. Ich schicke am heutigen Tage per Postanweisung 100 ek. an Sie mit der Bitte, sie nach Ihrem Gutachten in obigem Sinne zu verwenden. Mit gerechtem Stolz blickt jeder Deutsche Amerikas auf die unvergleichlichen Heldentaten des lieben, alten Vaterlandes, von dem heiligen Wunsche und der festen Zuversicht beseelt, daß Deutschland mit der Siegerkrone aus diesem ihm aufgezwungenen Weltkriege größer, stärker und edler als je hervorgehe.
Mit pers. Hochachtung verbleibe ich 3 Sch
Die 100 Mark find angekommen und dem Roten Kreuz⸗Lollar zur. gestellt worden.— Die Sa für die Hinterbliebenen gefallener Krieger be⸗ trügt hier 450 Mark.
Kreis Schotten.
OMeiches, 31. Mai. Bei einem Sturmangriff in den Karpathen fiel am 18. Mai Musketier Döring, Sohn des Landwirts Heinrich Döring III. von hier. Unser Dorf, das etwa 500 Einwohner zählt, hat somit bis jetzt zwei Tote und einen Ver⸗ mißten zu beklagen.
8 Starkenburg und Rheinhessen.
h Darmstadt, 1. Juni. Die Stadtverwaltung stellt den hiesigen Einwohnern mit einem Einkommen von weniger als 2000 Mark den Zentner Kartoffeln zum Preise von drei Mark zur Verfügung. Einwohner mit einem Einkommen zwischen 2000 und 2600 Mk. erhalten die Kartoffeln zum Selbst⸗ kostenpreise.
ch. Nieder-Ingelheim, 1. Juni. In Anfällen geistiger Umnachtung begingen hier zwei Frauen Selbstmord. Beide Frauen waren Mütter mehrerer Kinder.
Kreis Wetzlar. O Salzböden, 1. Juni. Bei der kürzlich vorgenommenen Gemeindevorsteherwahl wurde Gemeindevorsteher Müller wieder- und an Stelle des eine Wiederwahl ablehnenden Jakob Bepperling wurde der Landwirt und Händler Gottfried Heuser als stellvertretender Gemeindevorsteher gewählt.
Hessen⸗Nassau.
b. Biedenkopf, 1. Juni. Mit dem heutigen Tage tritt Rentmeister Rechnungsrat Esserz(früher in Rodheim a. d. Bieber tätig), in den Ruhestand. Aus diesem Anlaß wurde ihm der Kronenorden 3. Klasse verliehen. Rentmeister Treptow aus Briesen(Westpreußen ist als Nachsolger ernannt worden.
[Marburg, 1. Juni. Die hiesigen Fleischermeister geben bekannt, daß sie während der Sommermonate, mit Aus⸗ nahme von Mittwoch und Sonnabend, die Läden von 2 und an Sonntagen von 12 Uhr an geschlossen halten.— Eine von Handwerkern aus allen Teilen des Kreises Biedenkopf abgehal⸗ tene zahlreich besuchte Versammlung beschloß die Gründung von Lieferungsvereinigungen für Schreiner, Schmiede und Schlosser, Sattler, Schneider, Schuhmacher und Anstreicher. i
h. Frankfurt a. M., 1. Juni. Die Stadtverord⸗ netenversammlung bewilligte heute weitere 3,5 Millio⸗ nen Mark zu Kriegsfürsorgezwecken, in erster Linie für Unterstützungen der Angehörigen der Feldzugsteilnehmer. Aus der Versammlung heraus wurde sodann der Magistrat beauf⸗ tragt, bei der Regierung dahin vorstellig zu werden, daß die Zuckerpreise nicht eine weitere Erhöhung erfahren. Ferner soll der Magistrat im Hinblick auf die zunehmende Teuerung eine weitere Erhöhung der Unterstützungen für die Kriegerfrauen ins Auge fassen, demgegenüber aber mit allem Nachdruck allen ferneren Preiserhöhungen, namentlich der Fleischpreise, entgegentreten. Auch der Frage der billigeren Brotbeschaffung will man näher treten. Ein Antrag des Generalgouverneurs von Brüssel, Freiherrn von Bissing, an die Intendanz des Schauspielhauses, in Brüssel zwei Gastspiele zum Besten deutscher Krieger zu ver⸗ anstalten, rief einen längeren Meinungsaustausch vor, inso⸗ fern, als der Magistrat in einem Dringlichkeitsantrage zu dem Unternehmen einen Zuschuß der Stadt an die Künstler forderte. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten wurde schließlich ein Zusckuß von 4000 Mark bewilligt.— In der folgenden Geheim⸗ sizung beschäftigte man sich, wie wir hören, mit der völligen
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Versladtlichung des Gaswerks, das bisher größtenteils noch in den 3 Händen englischer Kapitalisten war. 15 b. Aus dem Taunus, 1. Juni. Das anhaltende trockene Wetter hat bereits einen Wassermangel zur 5 Folge, der sich besonders in den Wassermühlenbetrieben unliebsam 5 bemerkbar macht. Im Kreise Usingen mußten verschiedene 1 Mühlen ihren Betrieb deswegen schon einschränken oder ganz 50 einstellen. l ———— 9 Die Marktpreise für Vieh und Frucht f
und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise 5
am 31. Mai 1915.. 10
Schlachtviehpreise
in Frankfurt a. M. Fleischpreise in Giegen
Of 50 K 9 120—128 780 n* 15
Kälber ½ Kg. Schlachtgw. 108.137[/„ 108-12,
Schweine„„ 145160,%„ 168000„
Getreidepreise m Mann he im
Weizen 100 Kg. 29.10 Mk. Höchstpreis. Roggen 100 Kg. 25.10 Mk. 7
Brotpreise in Gießen:
Weißbrot 2 Ng.— Na. Schwarzbrot 2 Kg. 75 Pfg.
Die Milchnot ist behoben, wenn junge Mütter statt der frischen Milch Nestles Kindermehl den Säuglingen geben, denn dieses enthält einen hohen Prozentsatz der tadellofen und absolut gesunden Alpenkuhmilch, außerdem auch noch albe anderen orga⸗ nischen und anorganischen Bestandteile, die zur kräftigen Muskel⸗ 1 und Knochenentwickelung und zum gesunden Gedeihen des Kindes erforderlich sind. Aeußerst nahrkräftig und dabei selbst für die zartesten Säuglinge leicht verdaulich, ist die Zubereitung leicht und schnell, denn es genügt etwas Wasser, um eine volkständige Mahl⸗ zeit zu erhalten. Probedose kostenfrei durch Nestle Gesellschaft Berlin W 57. 1./6.88
ben nicht leicht gemacht wurde
n 1 und das trotzdem innerlich fröhlich mit ihm
fertig zu werden wußte.
Zu Farben und Linien und Versen kommen dann auch die W.
Töne. Die Pfingstwoche brachte uns ein Wohltätigkeitskonzert im Schloß. Denn auch der Violinist Ferdinand Kauf⸗ mann gehört zu den Gästen der Frau Prinzeß. Man kennt des Künstlers Namen nicht nur in Bad⸗Nauhe Frankfurt, wo er längere Zeit wirkte. Er gehört zu unseren Besten überhaupt. Und sein Violinsolo von Altzeit(Fantasie), das im Mittelpunkte des Programms stand, war ein Erlebnis für jeden Hörer, ein hinreißendes, ein unvergeßliches. Mehrere andere Künst⸗ ler wirkten noch mit zu zwei Quartetten von Haydn(C Dur Nr. 42) und von Mozart(A-Dur). Wie packte die Melodie des „Deutschland, Deutschland über alles“ in dem ersteren, wenn sie so von einem Instrument auf das andere überglitt, wie in der ge⸗ waltigen Zeit, in der wir leben, von einem Volk auf das andere, von den Vogesen zu den Karpathen, von der Nordsee zu den Darda⸗ nellen! Und zu dem allen der schöne Rahmen! Das grün ge⸗ schmückte Podium, und durch die hohen Fenster grilßten die alten Riesen des Schloßparks herein und die sinkende Sonne und von den Wänden schauten die Bilder hoher Ahnen würdevoll auf das Geschlecht von heute auf ihre Enkelinnen besonders Denn mit ihren feinen, klaren Mädchenstimmen trugen auch die Prinzessinnen Helene und Marie Agnes das Ihre zu dem Programm bei. Zu⸗ mal Mozarts„Ave Verum“, von Streichmusik begleitet, war ein Eindruck von edelster Zartheit. Das Publikum lauschte in er⸗ griffener Andacht. Da waren die tapferen Feldgrauen aus dem Hungener Lazarett, in dem Prinzessin Marie Agnes als Pfle⸗ gerin hilft; da waren die Bürger und die Bürgerinnen der Stadt, davon so manche im gleichen Saale des Schlosses an der Woll⸗ versorgung der draußenstehenden Soldaten mitgearbeitet hatte, da waren auch die jungen Mädchen, unter denen Prinzessin Helene mithilft, den Kriegskindergarten für die Kleinen durchzuhalten, deren Vater im Felde ist. Ein Kunstabend und ein Kriegsbild zu⸗ gleich! Und auch das Sinnbild eines einigen, edelfühlenden Volkes zugleich. Mögen unsere Feinde schmähen! In uns allen kli
es mur umso inniger nach aus Haydns Quartett, dieses„Deuts.
land, Deutschland über alles!“ Prof. Dr. Strecker.
Das Uriegsspieljahr in Straßburg.
Aus Straßburg i. E wird uns geschrieben: An das Kriegsspieljahr des Straßburger Stadttheaters, das jetzt zu Ende gegangen ist, hatte man ursprünglich große Hoff- nungen geknüpft. Schon die Tatsache, daß die erste Bühne des Reichslands ihre Pforten überhaupt auftat, obschon wenige Kilo⸗ meter davon in den Vogesen die Kriegsfackel leuchtete, wurde hier mit G. begrüßt und als ein Zeichen nationaler Kraft
im, in Wiesbaden, in f
empfunden, das in dem von schillernden Stimmungen und Gefühlen zerrissenen Elsaß besonders hoch zur bewerten war. Leider hat die irklichkeit nun aber nicht alle Erwartungen erfüllt. Die Spiel⸗ zeit begann unter den besonderen Verhältnissen erst Mitte Januar, da das Theater bis dahin als Magazin für Liebesgaben sich zur Verfügung gestellt hatte. Wie anderwärts versuchte das Schan⸗ bie l unter des Intendanten Otto Leitung es zunächst mit ernigen 6 5 um die 5 in Ein⸗ lang m geschichte zu bringen. einigermaßen be⸗ friedigenden Auftakt bildeten Schillers Tell, Lefsings Minna von Barnhelm, Heyses Kolberg und Wi Quitzows. Sogleich mit der Aufnahme neuer Werke sank das Niveau der Abende, trotz guter Einzelleistungen, merklich herab. Weder die heilige Not von Wiegand und Scharrelmann, noch Georg Engels theatralisch aus⸗ gemittter Herenkessel vermochten die Herzen sonderlich zu wärmen. Die Intendanz versuchte es daraufhin mit einigen klassischen Stücken, wie Goethes Iphigenie, Kleists Prinzen von Homburg, Skakespeares Romeo und Julia ind dem Faust(in der guten Her⸗ richtung des Vorfahrs), ohne auch damit sonderliche Erfolge zu erreichen. Der Rest der Schauspiel⸗Aufführungen zerflatterte dann gänzlich. Neben zwei dänischen Werken(Klein Eva und Die Af⸗ faire) mit ihren reizvollen Wirkungen und dem alten Lustspiel Krieg im Frieden gab es schließlich noch die flache Gesangsposse „Wie einst im Maie die zwar mehrere volle Häuser brachte, zu⸗ gleich aber auch die Armseligkeit des Spielplans doppelt unterstrich. Vor allem wurde bedauert, daß aus den reichen, nur verschüttet liegenden Schätzen der Nationalliteratur kein einziger Edelstein herausgenommen wurde, wie das anderwürts mit so großem Er⸗ folge geschah. Auch die Oper bewegte sich in den Bahnen des 5 ichen ohne besondere Höhepunkte. Von deutschen Werken erschienen u. g. Wagners Holländer, Tannhäuser, Meistersinger und Tristan, Mozart. Zauberflöte und Figaro, Lortzings Undine zend Waffenschmied. Beethovens Fidelio, der unperwüstliche rel. 5 8 3 En Heinrich, Das feindliche Auskand ieferte Carmen, die Cava sticana, Travi badour. Für den sehr lang beurfar 8 O r den Abenden i
diesem Kriegs⸗ Hamburg zur Stell⸗
m es mit Temperament und Sachkenntnis. Für die kommende Opern⸗Spielzeit bietet die Rückkehr Pfitzners eine besondere Gewähr für die künstlerisch einbeitlichere und gehalt⸗ vollere Gestaltung der Oper. Auch die feste Verpflie tung Klem⸗
perers als ersten Kapellmeisters findet hier lebhafte zustimmun . erste ellmeiste ö e bhe 1 g. Ob auch das Schauspiel sich in aufsteigender Linie bewegen wird.
muß abgewartet werden. B


