Ausgabe 
(1.6.1915) 126. Zweites Blatt
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e des Sonntags.

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Die» gletzener gaminenblätter werden dem viermal wöchentlich beigelegt, das ö latt für den kreis Gießen wöchentlich. Die Landwirtschaftli

erscheinen monatlich zweimal.

Frankreich.

er eines neutralen Landes hat alten, in dem er von den Ein⸗ chaft ablegte, die er auf seinen Reisen durch zeit gesammelt hat. Er bringt Lage der in Frankreich gefangen n der Volksstimmun se. Seine Ausfüh

hier ein offenbar s t ergreift, zugleich ein Mann i heit die Helle des Blickes trübt.

die Zuftände in

kürzlich einen Vortrag 8

reiben der Pariser Krei so beachtenswerter, als achter das Wor Voreingenommen

Der Vortragende führte aus:

bald .

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einen tiefen Einblick gewonn

wie das 3

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chtgeöffnet werden konnte; en. Der Brief ist von einem

allgemeinen Eindrücke will ich einige kurze Streif⸗

ösischen Volkes weist merkwürdige Wand⸗ Tnerzelt noch urter pen, Einprud des Joffe. stand da war alles helle Begeisterung.

Worte, Perf mgerissen e

105. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

rer Erfolg beschieden sein sollte, aber sie wird zur Revolution führen, wenn weitere Niederlagen folgen.

Noch eins. Es 1 eine Partei, die in aller Stille dem Ver⸗ lauf zusieht; das ist die aristokratische Partei, die mit der Re⸗ Gerung nicht einverstanden ist, und ich muß sagen, aus guten Gründen. Wenn man das Uhrwerk der Republil von innen sieht, dann ist es nicht sehr sauber. Ich hatte Gelegenheit, mit Vertretern dieser Kreise zu reden. Und da sagte mir einer ganz offen:Uns gefällt es nicht, il nous faut un Chef, le roi Albert. Man nennt ihn jetzt Albert le Grand; es ist sogar ein Theater eröffnet worden unter diesem Namen, man überreichte ihm einen wundervollen goldenen Ehrensäbel. Ich fragte, warum man plötzlich den König Albert so verehre und man sagte mir:Weil er für uns geschossen hat. Und auf einem Bilde sah man ihn wirklich in einem Schützen⸗ graben stehend und auf die deutschen Soldaten schießend. Man kann darüber streiten und ich begreife sehr wohl, daß man als König seinem Volk in jede Not und jedes Elend folgt, aber es ist doch ein eigener Geschmack, im Schützengraben zu stehen und auf sein eigen Fleisch und Blut zu schießen. Er ist doch schließlich Deutscher, Koburger. Im stillen denke ich:

den König gönne ich den Franzosen.

Noch tiefer wirkt aber die moralische Zerrüttung, und ich habe die schwersten Bedenken für die Zukunft Frankreichs. Das wunder⸗ bare Große das in Deutschland jeden mit Bewunderung erfüllt, wie sich der Militarismus als ein Volk in Waffen zeigt, das kennt man in Frankreich nicht. Ich habe 100 Klm. vom Feind in den offenen Singspielhallen eine ganze Anzahl jener Herren gesehen, die man. die Drückeberger nennt und die sich ganz vergnügt mit bekannter Gesellschaft aus Paris herumtreiben. Da singt einer, was es doch für eine Marter für die Frau der Soldaten sei, in Paris umherzu⸗ laufen und keinen richtigen Mann mehr zu finden. Das alles ist so morsch, und keiner denkt daran, daß es in diesem Kriege um die ganze Existenz geht, alle rufen Beifall, niemand protestiert. Und ich meine, daß Deutschland schon aus Reinlichkeitsgründen. besser täte, mit diesem abwärtsgleitenden Volk möglichst wenig zu tun zu haben.

Dazu kommt der Haß, der systematisch gegen Deutschland hervorgerufen wurde. Ich sah Postkarten und Zeichnungen der allerersten Künstler Frankreichs. Ich muß sagen, es hat in der ganzen Weltgeschichte noch nichts Widerwärtigeres gegeben! Deutsche Wehrmänner, auf ihren Säbeln und Helmspitzen Kinderleichen, die Germania über Kinderleichen hinwegschreitend, Kaiser Wil- helm, ein Glas Blut in der Hand und darüber: Morgentrunk, und darunter: aber frisch dampfendes Kinderblut. Deutsche Kran⸗ kenschwestern, die französischen Verwundeten die Augen auskratzen; Krankenwagen mit dem Roten Kreuz, die Maschinengewehre bergen: von den Verirrungen geschlechtlicher Natur nicht zu reden, und sie waren arg. Noch schauerlicher aber war es, daß diese Bilder auf dem Weihnachtsmarkt in Geduldsspiele für Kinder umgearbeitet auftauchten. Schon in die Kinderherzen wird so der Haß gepflanzt, und schon deshalb ist es unmöglich, in nahe Beziehung mit dieser Nation zu treten, wie vielleicht einige noch glauben. Ein Kasperle⸗ Theater, das die ganze Kaiserliche Familie nacheinander köpft, derartig, daß das Blut wirklich herunterläuft: Das ist fran⸗ zösische Kultur. Und daneben sieht man, wie sich heute tausende und abertausende von Mädchen wegwerfen nicht an die franzö⸗ sischen Soldaten, sondern in der schamlosesten Weise an die schwarze Rasse. Niemand regt sich auf der Straße und in den Cafés mehr auf, wenn man solchen schwarzen Kerl sieht, mit 23 weißen Frauen um sich herum. Das sind Dinge, die auf die ganze Zu⸗ kunft des französischen Volkes bedenkliche Schatten werfen. Es ist klar, daß die moralische Kraft gebrochen ist und nur durch die

der Engländer aufrecht erhalten wird. Die wirtschaftliche Kraft isi Iange gebrochen und das Ansehen ist auch nicht mehr weit her. Wenn in der ZeitungIllustration genau beschrieben ist, wo die Japaner hereinlommen sollen, welche Städte sie besetzen sollen usw., da ist es kindisch, wenn Frankreich sich rühmt, die Kultur Europas verteidigen zu wollen. W. T. B.

in der seanzelsschen Bevölkerung die Karte hindeuten und meinen,

Jetzt aber macht Feu ar zu bert allerwenigsten Fre * sickert

etungsmoment ist das Flüchtlingswesen. In. e 200 000 belgische und französische denn Arbeit fehlt, und vom E in dieser Zeit geordnete Arbeit zu lei n; er ist zu nervös. Bas Fal der Erglinber ausgenutzt. Der Engländer ist heute der . 7 nur 5 15

Handelsschiffe, er inner 14* Hand

Paris sind in diesen 2 b chtlinge, die nichts tun können, Staate unterhalten werden

port und Import seiner andes die großen kauf⸗ genommen. Sogar Detail- Bordeaux Paris sind in englischen Händen und der

Franzose hat das Nachsehen. Außerdem ist der Kohlenmangel be⸗ denklich in Frankreich. Ich habe im Hotel beobachtet, daß es nicht geheizt war. Einzelnen besseren Gästen hat man so eine Art Erdöl⸗ sonst war alles kalt. Und die Flüchtlinge, die in den kalten Räumen sich aufhalten mußten, treiben sich auf den/ Straßen umher und sal. Es sollen 11 Frankreich bis in lingen, die Mauer noch

brenner gegeben,

ger lich über ihr Schick⸗ ½ Millionen Flüchtlinge sein, die durch ganz den Süden ziehen. Sollte es den Deutschen ge⸗ etwas 1 1 A 15 1

Bevöl vor sich her zu drängen un m Sit

. 8 ich der Ueberzeugung, bricht das französische Volk zusammen.

vittor Emanuels militärische Laufbahn.

König Viktor Emanuel ist trotz seiner wissenschaftlichen Liebhabereien ein passionierter Soldat und auf militäri⸗ schem Gebiete gründlich ausgebildet und erfahren. Seine Erziehung war von klein auf militärisch. Mit 12 Jahren wurde er dem damaligen Obersten im Generalstabe Egidio Orio übergeben und blieb bis zum 20. Lebensjahr unter dessen Leitung. Der Erzieher verlangte von 1 Zögling viel, hielt sehr auf Pünktlichkeit und räumte körperlichen Uebungen einen großen Platz im Erziehungsplan ein. In den ersten Jahren wurde diesem der Studiengang der Collegi militari, d. h. der Kadettenanstalten, zugrunde elegt, freilich mit vielen Erweiterungen, dann später der er Militärschule zu Modena, die etwa unseren Kriegsschulen entspricht. Aber er hat nie eine Kadettenanstalt besucht, sondern die in Rom nur benutzt, um dort Exerzierübungen usw. zu treiben, während ihm für andere militärische Zwecke, Uebungen im Schanzenbau usw., ein Platz in den Palast⸗ gärten eingeräumt war.. ö

Nach einem halben Naber erhielt er das Abzeichen, das an Kadetten für tadellose Führung verliehen wird!. Mit 18 Jahren wurde er zum Unterleutnant ernannt und alt als strammer Soldat und guter Reiter. Zwei Jahre päter bekam er seine eigenemaison militaire, an deren Spitze General Morra di Lavoriano, der spätere Bot⸗ schafter in St. Petersburg, trat. Nun war sein Beförde⸗ Maafegang sehr rasch. Horst Jahre alt, wurde er schon Major, g 3 darauf Oberstleutnant und ein Jahr später trat er als Oberst und Kommandeur an die Spitze eines Infanterie⸗Regiments in Neapel. Hier gefiel es ihm so gut, daß er, als er Generalmajor werden sollte, den Kriegs⸗ minister bat, das Dekret dem Könige noch nicht zur Unter⸗ schrift vorzulegen. Trotzdem wurde er bereits am 2. Sept. 1892 zum Kommandeur der Brigade Como in Neapel er⸗ nannt. Nach weiteren zwei Jahren ging er als General- leutnant und Divisionskommandeur nach Florenz. Hier blieb er knapp drei Jahre und trat nun als kommandieren⸗ der General an die Spitze des 10. Korps in seiner Lieb⸗ 2 2 5 Neapel. Bald darauf wurde er auch Vorsitzender des Beförderungsausschusses und der Landesverteidigungs⸗ kommission. Im Jahre 1900 machte die Schreckenstat von Monza den 31jährigen General zum Obersten Kriegsherrn Italiens.

u kommt ein großes Friedensbedürfnis infolge der vielen die dadu⸗ tstehen, daß viele Soldaten den Stellungs⸗ Aan ui:. ist eben körperlich nicht das, 0 Deu, ist. Also N n. den etwas, daß die Engländer z. B. die 9 1 und 1 15 8 1 17 7 ö ägt si ösi Charakter ni 9

8 Ab es nicht sonderlich, wenn der ht. enbogen auseinander, 7

in den Cafés breit macht: er kann gegenwärtig nur nicht

1 Pee innere Demoralisierung wird nicht öffentlich in die treten, wenn ihnen demnächst eu kledierer oder arübe⸗

kampf nicht aus örpe b

Deut liche Rücksichten. N e nicht weitergeht; es

dem englischen. Per Eee urg

Aus Stadt und Cand. Gießen, 1. Juni 1915.

Die Kochkiste.

Man schreibt uns:

Es Wa nicht erst betont zu werden, daß sich das deutsche Volk dank seinem vaterländischen Pflichtbewußtsein mit bewundernswürdiger Kraft bis in alle Schichten der Bevölkerung hinein gegen jede beabsichtigte Aushungerungs politik unserer Feinde stemmt. Fleißige Hände haben Feld und Gärten in geradezu mustergültiger Ordnung unter

Dienstag, J. Juni 1015 f

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S251, Schrift leitung: 112. Adresse sür Drahtnachrichten

Anzeiger Gießen.

Ausnutzung des kleinsten wächst der Erfolg mit werden wir uns des G. müsearten erfreuen. Was hier mit vielem Fleiß gezogen, muß nun auch in sparsamer, schmackhafter Weise Dieses in vollem Umfange zu er⸗ ere Blicke in die Küche.

Die weiter nötigen Arbeiten im Feld und Garten wer⸗ den fürdie Daheimgebliebenen während des Sommers onders viel Zeit beanspruchen, so daß der Aufent⸗ der Küche abgekürzt werden muß. Wir brau cht zu sorgen, woher die Zeit zum Ko, vorzügliches Hilfsmittel an die von jetzt ab in keiner Haus⸗ Ihre Beschaffung bezw. Anfertigung sind einsach und dürften allen bekannt sein. Wie weiterhin bekannt, werden die Speisen bei Anwendung der Koch- kiste auf dem Herd eine kurze Zeit angekocht und im siedenden Zustand in die Kiste gestellt. Durch die 2015

schwellende Hitze, der die Speisen in der Ko

ausgesetzt sind, werden die harten und unverdaulichen Bestandteile stark zerkocht und zermürbt, so daß sie für unsexen Magen kein so großes Hindernis mehr bilden. 5 i der Kochkiste weicher, ver dau⸗ rgiebiger. Es stellt sich somit heraus: Wenn wir die Speisen in lönnen wir mit einer gerin⸗

Verwertung finden. reichen, lenkt uns

Wir haben ein Hand, die Kochkiste, haltung fehlen darf.

andauernde,

ie Speisen werden in licher und darum e eine wertvolle Tatsache der Kochliste zubereiten, geren Speisemenge auskommen. i An vielen Orten wird jetzt die Kochtiste im Betrieb vorgeführt. So hat die Königliche Eisenb ahn Ver⸗ waltung des hiesigen Bezirks durch die Königliche Eisen⸗ a. M. allen Wirtschafts⸗-Aus⸗ hnvereinen dringend angeraten, über⸗ ten, wie in allen anderen Kreisen, die Kochkiste vorzuführen und zum weitgehendsten Gebrauche dringend zu empfehlen. Die vorstehenden Zeilen sollen An⸗ hänger für die Weiterverbreitung der Kochkiste finden. Es hingewiesen werden: Die Koch? kiste bringt bei Anwendung jedem Haushalt, neben dem 9 erhebliche Ersparnisse an Zeit, Feuerungsmaterial und Aufsicht. 3 Die nachstehenden Tabellen geben einen ungeführen Anhalt, wie kange die einzelnen Speisen an dzufochen sind und wie lange sie in der Kochkiste stehenn müssen:

1. Suppen:

bahn⸗Direktion schüssen und Eisenba all bei den Bedienste

muß immer wieder darauf

angeführten,

Rindfleischsuppe Suppe aus Knochen.. von Geflügel.. aus Hülsenfrüchten.

Haserflocken 2

2 28322

Rot-, Weiß⸗, Wirsin Grüne Bohnen.

Grüne Erbsen 5 Kohlrabi und Rübchen.

F Hammelfleisch Keule) Schweinefleisch

Nindfleisch als Nouladen oder Gulasch 20

Eisenbahner-Regiment Hanau, steht. wurde die Hessische

Märkte, insbesondere

irgendwie tiefer gehende

Sachen aus Italien beeren, in Deutschland sekommen. Die it ich ebenfalls er Frage kommt, ist f. in Deutschland ebenfalls Mangel wird sich allen machen, wenn es findig zu machen. recht gering, wesha auch ganz erhebli⸗ Mangel wird au deutschen Volkswirtsch groß aber der S

Wirtschaftslebe

Fleckchen Landes bestellt. Schon senschritten fort. In kurzer Zeit enuf

ses vieler selbstgezogener Ge⸗

.

Muß Muß in der

anlochen Kochkiste stehen

Minuten Stunden i 20 4 e 4 3 4 . 15 3 8 10 10 10 . 3 e 9 5 1 n 2 3 Gemüse:

r Rosenkohl. 20 4 . 3 2 10 3 . 2249 3 e 5 1 1 5 e 2

8 10 2 leischspeisen:

8 40 3 3 37 3 e 3

2 15 3

40 4

3

8 30 4

3 . 2

3 3

2 1 5*

Auszeichnung. Dem Pionier Franz Sauer vom der seit Kriegsausbruch im Westen Dapferkeitsmedaille ver⸗

Frühoßpst und Frühgemuse. die ersten Früh⸗

kartoffeln, Gurken, die ersten Kirschen und manch andere Frühgemüser und Frühobstsorten, die auf die deutschen auf die süddeutschen Märkte kamen, tammten zum größten Teil aus Italien. Schon in den letzten kritischen Wochen des Monats Mai wurden von der italienischen Regierung für einzelne Produkte Aus- und Durchfuhrverbote erlassen, die nach dem Ausbruch des Krie⸗ ges wohl alle Produkte umfassen dürften. In Deutschland wird sich der Handel und die Hausfrau alsbald an das Fehlen dieser Sachen gewöhnt haben, wie man sich schon an manches während der vorhergehenden Monate gewöhnen mußte und ganz gut gewöhnt hat. Genau so, wie man ohne das französische Gemüse und Obst ausgekommen ist, ohne i 0 Störungen im deutschen Wirt⸗ schaftsleben zu spüren, genau so würd es auch mit den

gehen. Die ersten Kirschen und Erd⸗ gewonnen, sind bereits auf die alienischen Pflaumen und' Birnen setzen lassen. Soweit Gemüse in npflanzung in größerem Maße betrieben worden. Ein fühlbarer ls nur in Zitronen bemerkbar ingt, andere Zufuhrstellen aus⸗

äte darin sind in Deutschland

tronenpreise in der letzten Zeit öhe gegangen sind. Doch dieser Fall das Bild zu Ungunsten des haftslebens verschieben können. Wie aden ist, den das italienzsche u durch den sehlenden deutschen Markt ch jetzt noch nicht einmal annähernd Fall kann als sicher angenommen

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