Ausgabe 
(10.5.1915) 109. Zweites Blatt
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiezener Famillendlätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Ureis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

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165. Jahrgang

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Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul-

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S851, Schrift-

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Die Seeschlacht bei Bergen.

Berlin, 8. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Vor einigen Wochen brachte eine große Anzahl von Meldungen aus Norwegen übereinstimmend die Nachricht, daß in der Nähe von Bergen an der norwegischen Küste in der Nacht vom 7. zum 8. April eine heftige Seeschlacht zwischen englischen und deut⸗

schen Schifsen stattgefunden habe. Auch aus der See kommende iffe berichteten, daß sie ein Geschwader von Kriegsschiffen ge⸗ sehen hätten und in der fraglichen Nacht Geschützfeuer und Schein⸗ werferleuchten beobachtet hätten. Diese Nachrichten erschienen da⸗ mals unglaubwürdig. Erst jetzt ist in das Dunkel, das bisheu über diesem Seegefecht lag, Licht gekommen. Ein an den ge fangenen Kommandanten des englischen Unter⸗ seebvotesAcez, das in den Dardanellen vernichtet wurde, gerichteter, vom 11. April datierter Brref, der in unsere Hände fiel, sagt über diese Nordseeschlacht, die in der Woche vorher statt gefunden haben soll, folgendes:Superb gesunken, Warrior sinkend, ohne daß die deutsche Marine Verluste hatte. Am Freitag, den 9. April, ist schwerbe schädigt eine Anzahl Kreuzer eingelaufen. Der Lion ist fürchterlich zugerichtet. Der offizielle Bericht verschweigt alles, was sehr unrecht ist. Uebereinstimmend hiermit besagten 3 assige Nachrichten von neutraler Seite, die bald nach der Schlacht bekannt wurden, daß eine Reihe schwerer und leichter huvarierter großer und kleiner Kriegsschiffe in die englischen Hafen eingel waren, um ihre damals noch auf unerklärliche Weise erlittenen Beschädigungen auszubessern. Insbesondere lief in den Tyne eine Anzahl beschädigter Schiffe ein. In Firth of JFvrth wurde ein am Backbordbug beschädigter Kreuzer eingeschleppt. In die Themse fuhr ein Linienschiff mit schwerer Steuerbordschlagseite ein. In Dover lag ein Großkampfschiff mit starker Backbord⸗ schlagseite, bei dem die obere Hälfte des hinteren Schornsteins fehlte Aus welchem Grunde die norwegische Zen fur damals alle Erörterungen und Telegramme über die Schlacht, die ja in ihren Einzelheiten von mehreren Stellen wahrgenommen worden war, unterdrücken mußte, ist jetzt erklärlich. Erklärlich ist auch der Eifer, womit die britische Admiralität in Abrede stellte, daß eine Seeschlacht zwischen der deutschen und englischen Flotte statt⸗ gefunden habe. Sie hatte recht mit dieser Bekanntmachung. Die deutsche Flotte hatte an dieser Schlacht keinen Anteil. Da neu⸗ trale Schiffe nicht in Frage kommen, kann es sich nur um einen Kampf britischer Geschwaderr handeln, die sich im Dunkel der Nacht nicht erkannten.

Schadenfreude ist nach der geistvollen Untersuchung des Philosophen Arthur Schopenhauer die reinste Freude. Die Engländer müssen es sich gefallen lassen, daß man über ihre Sseschlacht bei Bergen zunächst einmal nichts anderes als reine Freude empfindet. Sie en diese Schlacht ganz aus eigenen Mitteln bestritten. Keine deutsche Kugel brauchte verschossen zu werden, kein deutscher Matrose sein Leben ein⸗ zusetzen. Die Engländer haben es sich selbst an der norwegi⸗ Kütste in der Nacht vom 7. zum 8. April zwei Linien⸗ und eine Anzahl Kreuzer kosten lassen. Man kann es

begreifen, daß sie ängstlich t waren, das Geheimnis nicht dem Gelächter der Welt preiszugeben, bis es nun

doch durch den Brief herausgekommen ist, den man in der Tasche des in den Dardanellen gefangenenU Bootskom⸗ mandanten fand. Die Seeschlacht bei Bergen ist ein wür⸗ diges Gegenstück zu der Heldentat des russischen Admirals Rodschestwensky, der in der Nacht des 21. Oktober 1904, des süßen Weines voll, bei der Dogg erbank eine aus 055 Booten bestehende, in Hull beheimatete englische ischerflottille bombardierte. Der heutige Verbündete und . bruder Rußlands, John Bull, zeigte schon damals eine übergroße Gereiztheit. Im Hafen von, Portsmouth traf man kriegerische Vorbereitungen, und erst nach sieben aufgeregten Tagen mäßigte Albion seinen Löwenmut und wurde vernünftigem Zureden zugänglich. Schon damals Panik, Verwirrung, Kopflosigkeit auch auf englischer Seite. Was am 7. April 1915 in den norwegischen Gewässern

passierte, war nicht allein die Folge begreiflichen Irrtums allgemein menschlicher Unvollkommenheit. Es ist vielmehr bezeichnend für.

eigen sind; wir meinen den

die gerade den Engländern Cant und denSpleen,

Libau.

Wälrend das Innere Kurlands eine al wechselungsobolle, an lül schen Bildern reiche Landschaft bietet, ändert sich der Charakter des Landes, wenn man sich der kurländischen Küste nähert. Die großen Waldungen, die die Umgegend von Mitau kennzeichnen und reiche Gelegenheit zur Jagd bieten, verschwinden. Soweit das

Auge zu sehen vermag, erblickt es keinen Baum mehr, nichts als eine endlose, sandige, kahle Fläche und dahinter das Meer. Das

ist das sogenannte kurische Sibirien, und im Süden dieses wenig wirtlichen Landstriches liegt Kurlands bedeutendster Seehandels⸗ platz: Libau. Seine Bedeutung als Handelsplatz hat Libau erst im jüngsten Menschenalter erlangt, aber seiner Geschichte nach ist es eine uralte Siedelung. Schon vor der Ankunft der Deutschen war den damals das Land kewohnenden Kuren, sowie auch den see⸗ fahrenden Skandinaviern der natürliche Hafen wohlbekannt, der an dieser Stelle durch die Mündung der aus dem gleichnamigen See lommenden Liva gebildet wird. So entstand an dieser für die Schiffahrt so günstigen Stelle das Dorf Liwa, das bereits am An⸗ fange des 15. Jahrhunderks sich zu einer Stadt entwickelt hatte, die allmählich den Namen Libau erhielt.

Wechselvolle Schicksale sind dieser Stadt beschieden gewesen; unter vielfachen Heims 5 Zeit glücklicher, ruhiger Entwickelung, als sie als Pfandgut in den Händen des Herzgos von Preußen war. Wieder lurländisch gewor⸗ 75* 4 5 155 97 Wett zuké en, von polnischen Regierung in jeder günstigt wurde. Erst das 18. Jahrhundert sprengte die Zoll- fesseln, die Libaus Aufschwung niederhielten, und alsbald begannen sich die natürlichen günstigen Bedingungen der Stadt bemerkbar Der Soeperkehr steigerte sich, die Einwohnerzahl wachs und das Territorium der Stadt nahm an Umfang zu.

ie der jetzt nach Sibirien verschickte tüchtige baltische Geschichts⸗ eser Tr. Ernst Seraphim hervorgehoben hat, hob sich unter di Umständen das Selbstgefühl der Stadt sehr schnell, besonders als es immer deutlicher zutage trat, daß Libau die erste Handels- stadt Kurlands war. War Mitau die Herzogs und Adelsstadt, so entfaltete sich Libau zur selbstbewußten Bürgerstadt, die der Adel eher mied, als er sie aufsuchte, und nirgends haben die Lehren der. von der Freiheit und Gleichheit und die Gedanken der französischen Revolution in Kurland so schnell Boden gefaßt, wie hier. In diese Zeit des blühenden Wohlstands allen denn auch die älteren Kirchenbauten der Stadt, von denen be⸗ sonders die Kirche für die Teutsche Gemeinde vorzuheben ist, die

Weise be⸗

das schönste Gotteshaus Kurlands genannt worden ist. Unter den

Gebäuden, die weltlichen Zwecken der Bürgerschaft dienen, ragt das No hervor, das wohl 1784 errichtet worden sein mag.

suchungen genoß sie von 1560 bis 1609 eine

tbewerb von Riga an⸗schwi

beides schwer übersetzbare Worte. Carlyle nennt denCant: die Kunst, die Dinge erscheinen zu lassen, was sie nicht sind, eine Kunst, die die, welche sie üben, bis in die Seele hinein ertötet und dann sie über das Stadium bewußter Lüge hinaus zu einem Glauben an ihre eigenen Wahnvorstellun gen führt und sie zu dem denkbar elendesten Zustand her- unterbringt, dem, wo man aufrichtig unaufrichtig ist. Und Spleen ist die Furcht der Reichen vor Dieben 1255 Bettlern, der Geschäftsleute vor Konkurrenten, dieleicht in eine nervöse Aengstlichkeit, in ein melancholisches Gespenstersehen entartet und in einen Zustand versetzt, worin der Mensch aus Angst zu jeder Schandtat fähig ist. Wir können heute hinzufügen: Spleen ist die Furcht der Briten vor Zeppelinluftschiffen und Unterseebooten, Spleen ist die Feigheit des Flaggenschwindels. Spleen ist die zur Schau getragene Sorglosigkeit da, wo wirkliche Gefahr droht(siehe den Fall Lusitania), also der Trotz am falschen Ort; Spleen ist das kopflose 5 1 der eigenen Schiffe, ehe man sich vergewissert, ob man Freund oder Feind vor sich hat. Das kopflose Drauflosschießen ist natürlich auch ein Beweis ge⸗ ringer Disziplin und schlechter Ausbildung der englischen Schiffsmannschaft. Wie prahlte doch Großbritanniens Ma⸗ rineminister Churchill noch in Friedenszeiten in der Lon⸗ doner Guildhall: An Kopfzahl zweimal, an Ausbildung und Tüchtigkeit drei⸗ oder viermal sei die englische Flottenmann⸗ schaft der deutschen überlegen. Die deutsche! resse konnte schon damals(es war im November 1913) den Gegenbeweis durch ein kleines, aber treffendes Beispiel führen: Während der letzten Manöver der deutschen Hochseeflotte in den nor⸗ wegischen Gewässern verloren wir im ganzen drei Matrosen, einen im Dienst, bei wilder See, einen durch Krankheit und einen durch Absturz in den Bergen. Alle übrigen 30000 Maun fanden sich heil und wohl wieder in der Heimat zu⸗ sammen. Als die Engländer ihren Flottenbesuch in Ame⸗ rika machten, verloren sie von 20000 Mann 2000, also zehn Prozent durch Fahnenflucht! Solcher Mannschaft ist man Wader 89 erst 1 nicht 8 so kommt es, daß wilder Schrecken und mangelnde Zucht die Schiffsgeschütze gegen das eigene Geschwader feuern. Derselbe C uche der so überheblich von der Tätigkeit der englischen Matrosen sprach, hat ja auch einmal die britische Flotte eine Notwen⸗ digkeit, die deutsche eine Art Luxus genannt. Nun, es gibt wohl keinen größeren Luxus, als mit den eigenen Schiffen gegeneinander Seeschlachten zu liefern. Wenn sich Churchills Flotte noch weiterhin solchen Luxus gestattet, bravo und da capo! Uns kann nichts lieber sein. Daß unsere Flotte wirk⸗ lich eine Notwendigkeit ist, das zeigt der uns aufgezwungene Krieg. Welcher echte Heldenmut verbunden mit eiserner Disziplin bei uns herrscht, beweisen die herrlichen Taten unserer Schiffe und Unterseebvote. Albion aber scheint zur Kriegstragödie nur das Posseuspiel liefern zu wollen. Die Kämpfe bei Ypern.

Aus dem Großen Haupt garcr tier wird uns geschrieben:

Nach den schweren Kämpfen des Oktober 1914 waren in West⸗ flandern am Merkanal ebenso wie auf der übrigen Weftfront die Operationen in einen zähen Stellungskrieg übergegangen, der nur zeitweilig von kleinen Offensiv⸗Unternehmungen auf beiden Seiten unterbrochen wurde, ohne daß die allgemeine Lage eine wesentliche Aenderung erfuhr.

Von der Nordsee folgten die beiderseitigen Stellungen bis Steenstraate(8 Kilometer nördlich Ypern) im allgemeinen dem Laufe des Mertanals, dessen westliches Ufer zwischen der See und Dixmuiden an zahlreichen Stellen, zwischen Dirmuiden und

ern nur bei Drie Grachten von unseren Truppen gewonnezt

den war. Zwischen Steenstraate und Oosthoek(4 Kilometer südlich Ypern) sprang die Stellung des Gegners keilförmig über den Kanalabschnitt nach Osten bis zur Straße Passchendaele Becelaere vor und umschloß in weitem Bogen ein Gebiet, dessen Hauptverhindungen konzentrisch in Hpern zusammenlaufen.

Im einzelnen erstreckte sich die Linie des Gegners von Steen⸗ straate nach Osten über Langemarck bis Poelcapelle, das in deut⸗ schem Besitz war, nahm westlich dieses Dorfes eine südöstliche

zunächst wieder schwere Zeiten. Der Sturm und Drang der napo⸗ leonischen Jahre, die Bedrohung der Stadt durch die Polen im Jahre 1831, ihre Absperrung durch die Engländer während des Krimkrieges im Jahre 1855 und immer wieder dabei der Wett⸗ bewerb mit dem immer mächtiger aufstrebenden Riga ließen die Stadt nur langsam emporkommen, bis endlich 1873 die russische Regierung die volle Wichtigkeit des Libauer Hafens begriff. Jetzt wurde Libau in das Eisenbahnnetz Rußlands einbezogen, und die getreidereichen Bezirle des Landes konnten nun ihre Erzeugnisse geradenwegs nach Libau befördern. Es war der Plan der russi⸗ schen Regierung, die russische Ausfuhr von den deutschen Ostsee⸗ häfen nach einem russischen Hafen, eben nach Libau, abzulenken, und bedeutende Hafenbauten und Neuanlagen begannen das alte Bild der Stadt zu verändern. Sie liegt auf einer schmalen Neh⸗ rung zwischen der Ostsee und dem sogenannten Kleinen See. Aus einer an die 15 000 Einwohner zählenden Kleinstadt hat sich Libau in etwa 40 Jahren zu einer regen Stadt von aun gefähr 65000 Einwohnern entwickelt, die durch die 1890 begonnene Anlage des neuen Kriegshafens einen weiteren bedeutenden Aufschwung er⸗ fahren hat. Den veränderten Verhältnissen hat sich auch ihr Acuße⸗ res mehr und mehr angepaßt. Das alte Libau bestand, echt, nor⸗ disch, aus sauberen und freundlichen einstöckigen Holzhäusern, die im Bilde der Stadt auch heute noch nicht fehlen, aber immer größer ist als die Zahl der stattlichen modernen Gebäude gewor⸗ den. Auch als Seebad hat Libau einen bemerkenswerten Auf- ung genommen. Von den Sommergästen lebt in erster Linte das Theater der Stadt; ein Kurhaus ist für sie bestimmt, und eine Menge hübscher Villen zwischen der Stadt und dem Strande nehmen im Sommer die Erholungsbedürftigen auf. Libau hat vor allen an⸗ deren russischen Ostseehäfen den wichtigen Vorzug des etwas mil⸗ deren Klimas voraus, da die Eisfesseln, welche der Winter dem Hafen anlegt, hier um drei Wochen früher als vor den anderen Häfen der Ostseeprovinzen, und fast 6 Wochen früher als vor der Newamündung schmelzen.

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Die Zukunft der Münchener Sezessions⸗ Galerie. Es ist jetzt 10 Jahre her, seitdem die Münchener Sezession die Anlegung einer eigenen Galerie moderner Kunst⸗ werke beschlossen hat. Nach dem jüngst erschienenen Berichte über das erste Jahrzehnt dieser ung umfaßt sie gegenwärtig im ganzen 191 Werke, darunter 96 Gemälde, 80 graphische Arbeiten und 14 Bildhauerwerke. Zu den bedeutendsten Stücken der Samm⸗ lung gehört das Ansorge-Porträt von Corinth, ein Selbstbildnis und ein weibliches Bildnis von Habermann, sowie gute Stücke von Stuck, Samberger und A Langhammer. Der Hauptwert der Sezessionsgalerie beruht doch auf der sehr gut ausgebauten

Richtung und bog zwischen Wallemolen und Passchendaele nach Süden um; weiter folgte sie der Straße Mosselmart Brood⸗ seindeBegelagere, von der sie sich 2 Kilometer südöstlich Zonne⸗ beke nach Südosten wandte, um bei Oosthoek auf das Westufer des Kanals zurückzutreten. Dieser von den Franzosen, Engländern. und Kolonialtruppen jeder Färbung besetzten Linie lagen die deutschen Stellungen in wechselndem Abstand, im allgemeinen aber sehr nahe, gegenüber:

Das von ihnen umschlossene Gebiet ist, wie die ganze west⸗ flandrische Ebene, von flachen Erhebungen und Mulden durchsetzt und mit zahlreichen, weitläufigen Ortschaften, Einzelhöfen, Wald⸗ stücken, Parks und Hecken so dicht bedeckt, daß die Unüberfichtlich⸗ keit des Geländes die Truppenführung und einheitliche Gefechts⸗ leitung schwierig gestaltete. Artilleriebeobachtung ist meist nur von erhöhten Punkten, Kirchtürmen, Windmühlen und ähnlichem möglich, aber auch hier beschränkt die dichte Bodenhewachsung und die feuchte, silbergraue Luft, die die Fernen verschleiert, die Aus⸗ sicht. Diese Schwierigkeiten des Geländes sind zum Teil der Grund, daß sich der Gegner monatelang in der taktisch ungln⸗ stigen Stellung, aus der er jetzt geworfen ist, behaupten und der im April begonnenen deutschen Offensive einen nachhaltigen, nur langsam weichenden Widerstand bieten konnte.

Es lag seit langem in der Absicht des deutschen Armeeführers, die taktisch ungünstige Lage des Gegners zum Angriff östlich Ypern auszunutzen. Die Zurückdrängung des Gegners aus seiner vorspringenden Stellung gegen oder über den Yserabschnitt würde die Frontbreite der Armee verringern und den noch in Feindes⸗ hand befindlichen Teil Belgiens verkleinern. Auch die moralische

Wirkung eines groß angelegten Angriffes auf die Truppen mußte

nach dem langen Stellungskampf von Bedeutung sein.

Württemberg, die an der Mer liegt, konnte an die Verwirklichung dieser Absicht aber erst gehen, nachdem sie über die ihr so nötigen Kräfte verfügte. Der von Norden, Osten und Süden umfaßte Geg⸗ ner konnte auf die Dauer einem mit ausreichenden Kräften ge⸗ führten Angriff nicht widerstehen, die deutschen Truppen standen im Norden und Süden von Pypern den dortigen Yerübergängenr näher als die am weitesten nach Osten vorgeschobenen Teile des Feindes Aus dieser Lage ergab sich die Art der Durchführung des Angriffes. 5

Der Hauptangriff mußte nach der Basis der feindlichen Stel⸗ lung, die der YMerkanal bildete, angesetzt werden, um den Aus⸗

allmählich zuzuschnüren und damit die rückwärtigen Verbindungen zu bedrohen. Da die deutschen Stellungen südlich Ypern bereits auf vier Kilometer gegen die Stadt vorgeschoben, im Norden aber um die doppelte Entfernung von hier entfernt waren, schien den Angriff aus dieser Richtung geboten. Es war anzustreben, daß der Gegner im östlichen Teil des Sackes möglichst lange festgehalten wurde. Der Hauptangriff durfte daher nicht zu weit nach Ostem ausgedehnt werden, während den übrigen Teilen der Einschlie⸗ Fungsfront die Aufgabe zufiel, den gegenüberstehenden Gegner zu Senf Diese Gedanken leiteten die am 22. April beginnende ensive.

An diesem Tage waren die Vorbereitungen beendet, die der schmierige Angriff gegen eine seit Monaten 8 von einem zähen Verteidiger besetzte Stellung forderte. Sechs Uhr abends brachen unsere Truppen aus der Linie SteenstraateLangemarck vor. Der vollkommen überraschte Feind überließ ihnen seine erste und zweite Stellung, die 30 bis 500 Meter vor unserer Front

Süden, während seine Artillerie die nachdrängenden Deutschen aufzuhalten suchte. Als aber die Nacht herabsank, standen die An⸗ griffstruppen in einer Linie, die dem Kanal von teenstraate über Let Sas bis zwei Kilometer südlich Pilkem folgte und von hier nach Osten umbiegend, in Richtung Kersselaere die alten Stellungen des nächsten Abschnittes erreichte. Nur bei Steenstraate hatte der Feind heftigen Widerstand geleistet, aber dennoch war es gelungen, den Ort abends zu nehmen und hier, ebenso wie bei Het Sas mit Teilen das linke Kanalufer zu gewinnen. Das taktische Ergebnis des ersten Kampftages war, daß Gelände in einer Breite von neun

Kilometer und in einer Tiefe von drei Kilometer gewonnen, den f

Ausgang des Sackes somit wesentlich verengert worden war; außerdem war in zwei neuen Stellungen westlich des Kanals fester Fuß gefaßt. Gleichzeitig mit dem Hauptangriff wurde der Gegner auf der ganzen übrigen Front beschäftigt. a

Es war vorauszusehen, daß die Verbündeten, nachdem sie ihren Verlust in vollem Umfange erkannt hatten, versuchen wür⸗ den, das Verlorene wiederzugewinnen. Die am 23. April be⸗

Dringend wird nun die Frage der Zukunft dieser Sammlung, die ein Münchener Bericht derKunstchronik bespricht. Ihre weitere Entwickelung ist durch den Krieg und die infolgedessen der Se⸗

schnitten, und überdies wird sich in nicht allzuferner Zeit auch die Frage erheben, wo die Sezession ihre Galerie unterbringen soll, wenn sie den Tempel am Königsplatz zu räumen hat. Für die staatliche Sammlung käme die Sezessions⸗Galerie aus dem Grunde kaum in Betracht, weil durch ihre Bestände keine wirklichen Lücken in dem Besitze der Neuen Pinakothek ausgefüllt würden. Um so vorteilhafter wäre ihr Erwerb durch die Stadt München, die: sich damit einen vorzüglichen und kräftigen Grundstock für die un⸗ bedingt ins Leben zu rufende Städtische Galerie schaffen würde. Die Sezeession schätzt den Wert ihrer Galerie gegenwärtig auf rund 220000 Mark; diese Summe ist aber doch wohl reichlich hoch 1 und jedenfalls würde sie dieser Schätzungswert ber einem Verkaufe an Stadt oder Staat wohl keine ernsthafte Grund⸗ lage bilden. 0 Die Wiedergewinnung eines Frankfurter Bildes aus Lille. Während in dem von uns besetzten feind⸗ lichen Gebiete sonst überall der Besitz an Kunstwerken unangetastet bleibt, wird, wie Wilhelm v. Bode bereits mitgeteilt hat, die Gemäldegalerie von Lille eines ihrer Werke herausgeben müssen. Es ist dies eine Arbeit von Giovanni Battista Piazzetta, dem Lehrer des Tiepolo, die der kunstsinnige Erzbischof von Köln, Clemens August, für die Deutsch⸗Ordenskirche in Frankfurt⸗ Sachsenhausen bestellt und dem Künstler 1736 mit zweitausend Gulden bezahlt hat. Ueber die weitere Geschichte des Bildes werden imCicerone jetzt einige nähere Angaben gemacht. Als die Franzosen 1796 Frankfurt besetzten, verlangten sie außer einer Kontribution in barem Gelde und in Naturalien auch die Herausgabe des Piazzettaschen Bildes, und nahmen, als diese verweigert wurde, das damals auf 30000 Gulden geschätzte Werk mit Gewalt fort. Auch 1815 konnte bei der Rückgabe der geraub Kunstschätze das Bild der Stadt nicht wiedergegeben werden, da es verschollen war, und erst 1844 entdeckte es der Inspektor des Städelschen Institutes, der bekannte Raffael⸗Biograph, Passavant, in der Gemäldegalerie zu Lille. Aber auch jetzt scheiterten alle! Verfuche, das Werk auf diplomatischem Wege durch Vermittelung der Geistlichteit der Frankfurter Deutschordenskirche wiederzuge⸗ winnen, am Widerstande der französischen Regierung. Auch eine Kopie, die Philipp Veit anfertigen sollte, kam nicht zustande. Erst jetzt nach der Besetzung von Lille durch unsere Truppen konnte Bild beschlagnahmt werden. Es ist eine Kompofition von reicher, dekorativer Wirkung: Maria, von Engeln begleitet, fährt gen der Apostel

Skizzen⸗ und Studien Abteilung, in der jedes der bedeutenderen Mitglieder, ein ichnet vertreten ir

Himmel, während unten die pathetisch bewegte Gruppe das leere Grab umgibt. Nach der Ausbesserung leichter, durch eine) Granate heruargerujen

verirxte- e her er. Schäden wird das interessante

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Montag, 10. mai 1015

Die Armee Sr. Königl. Hoheit des Herzogs Albrecht vor 5

gang des Sackes, in dem sich der Gegner östlich Yoern befand

lagen, und floh in westlicher Richtung über den Kanal und nach

ginnenden Kämpfe stellen auf seiten des Gegners eine fast un⸗ 5

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zession erwachsenden Schwierigkeiten für die nächsten Jahre abge⸗ 7