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rischen Armee auf eins heraus Der österreichische Offizier ist eben der österreichische Offizier. Nichts mwereK. Aber
S denke, das rst genug. Und niemand weih das besser, als r draußen im Reich."
Und als Echo zu diesen Worten klang von einer entfernten Straße herüber das Gebrüll einer Rotte junger Burschen, die zu dem Meeting zogen.
„Dole Anstria!" schrien sie. „Nieder mit Oesterreich!"
(Fortsetzung folgt.)
Die hundert Tage.
IWman aus dem Jahre 1815 von M. von Witten.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Wer weiß, was Wahrheit, was Lüge von seinem Gerede! Ich glaube kein Wort! ---> .Herr von Jager!" Mit
beschwörender Bitte streckte sie die Hände gegen ihn aus. .Baben Sie nie bedacht, daß Sie sich vielleicht irren, daß irr vielleicht ein Mißverständnis zugrunde liegen könnte? das Leben spielt mit uns so sonderbar! Wenn Sie Toska noch lieben, dann fordern Sie Rechenschaft von ihr selbst! Liehen Sie zu ihr!"
Da schnellte er empor.
„Nicht um eine Welt! Mein Gott!" Seine Hände faßten an die Schläfen, als träume er oder sei nicl>t recht bei Sinnen. „Ist denn das Empsindungsleben von Mann und Weib so grundverschieden? — Sie, die ich hochachte, wie kein anderes Weib sonst auf Erden, Sie muten mir zu, Toska, die mich verließ —?!"
„Weil er Ihrer nicht würdig ist, die mit einem so niedrigen Verdacht zu beschmutzen, die Sie einst Über alles geliebt!"
„Einst? — Einst?" Er lachte rauh. Es war ein Lachen, in dem Hohn und Qual sich aufs bitterste mischten. „Ist bet
:nch Frauen die Liebe von so kurzer Dauer?--" er riß
ich zusammen mit knirschenden Zähnen. „Aber ich sage )hnen, Erdmuthe — und wenn ich darüber zugrunde gehen ollte - ! Ich täte nie den ersten Schritt!"
Sporenklirrend riß er die Backen zusammen, nahm seinen Tschako und stürmte hinaus.
Erdmuthe blickte ihm nach. In schmerzliches Grübeln verloren. Dann aber ging ein Sonnenlächeln der Hoffnung Aber ihr.Gesicht.
In den Straßen und auf den Plätzen von Paris lagen die preußischen Truppen im Biwak. Die brandenburgischen tllancn mit der übrigen Reservckavallerie des Zietenschen fforps in dem Tuileriengarten, diesem großen, schönen Park, der unter Ludwig XIV. von Le Nötre angelegt, sich vor den Tuilericit längs der Seine hinzieht.
Es war nun die vierte Stunde des Nachmittags. Tausend von geputzteil Parisern und Pariserinnen wandelten Unter den prachtvollen Bäumen des kleinen Waldes zwischen Aren Besiegern dahin, als sei man im tiefsten Frieden, keichisinnig kokette Neugier oder großäugiges Erstaunen war her Ausdruck, der sich bald mehr, bald weniger auf allen ßfesichlcrn ausprägte.
Napoleon war vergessen, wie ein nächtlcchcs Phantom, flüchtig irrte er an der Nordküste Frankreichs umher.
Und dafür lvar Ludwig XVIII. eingetrosfen mtb in die Dnilerten eingezoae». ohne daß die Pariser, ohne daß die Preußen groß Notiz von seiner Ankunft genomnien hätten.
Erdmuthe, im schlichten, tiefschwarzen Franengewand,
f ine» Schutenhnt auf dem kurzen, strohgelben Blondhaar, chritt zielbetvutzt durch die Straßen. Es verursachte ihr ein —u; eigeicartiges Gefrihl von erhebendem Stolz und iibcr- ömendem Dankgefühl, all diese bunten Uniformen ihres ,.ütcrl<r»deS in den Straßen und auf den Platzen von Parts |ü sehen, überall ihre liebe deutsche Sprache zu hören.
Endlich war es ihr gelungen, das Hans des Herrn von kure zu erfragen. Das kleine festgefügte Schlößchen lag iii«
f triften eines großen, von hoher Mauer umschlossenen Garens, unfern des CKamps Elysses nahe dem Seinequai.
Erdmuthe zog die Klingel neben dem schmiedeeisernen Lore. Ein Schlüssel knarrte. Ein schnurrbärtiger Mann mit »ebengten Schultern und einem Stelzfuß — gewiß der Portier — starrte sie aus gramvollen Augen hinter dem verr- sichtig geöffneten Türflügel hervor an. Auf ihre Frage nach
dem Herrn General und seiner Tochter erklärte der Alte in müdem schmerzvollem Tonfall, daß, wie er einem soeben erhaltenen Brief entnLhine, der Herr General seiner Wunde erlegen sei, Madame aber mit seiner Leiche unterwegs wäre, uni ihm in heimatlicher Erde die letzte Ruhestätte zu bereiten. In etwa drei Tagen würden sie hier erwartet.
Erdmuthe dankte und ging. Mit froherem Mnte als sie gekommen. War es nicht, als käme das Schicksal ihr auf halbem Wege entgegen? Toska kehrte nach Paris zurück, Erdmuthe brauchte nicht erst in der Welt herumzureisen, um nach ihr zu suchen!
Sie rief einen Fiaker und Mb ihm Straße und Haus- numiner ihrer Wohnung an. In dem Hause, in dem Blücher sich ein Absteigequartier gewählt — denn sein Hauptquartier war in St. Elond verblieben — habe er auch für sie «in freundliches Zimmer genommen. Er wollte sie bis zu ihrer Abreise unter seinem Schutze wissen. —
Als sie eine halbe Stunde später, von seinem Jäger angemeldet, beim Feldmarschall eintrat, dem sie davon Mitteilung machen wollte, daß sie noch einige Tage in Paris verbleiben würde, fand sie ihn, die Pfeife im Munde, am Schreibtisch sitzend und gerade einen Brief zusammenfaltend.
Er nickte ihr zu und ließ den Blick erstaunt und doch erfreut an ihr herniedergleiien. ES war ihm noch etwas Ungewohntes, sie wieder in fraulichen Gewändern zu sehen, und dabei erschien sie ihm doch gerade dadurch wie ein Bote des Friedens.
„Habe eben nach Berlin an meine Frau geschrieben und deine Ankunst angeineldet und habe ihr mitgeteilt, daß ich hier in Paris sitze. In Paris! Ach Erdmuthe!" Er stand ans und dehnte und reckte sich, daß Glieder und Nähte krachten. „Was das doch für ein Gefühl ist! Kann's gar nicht beschreiben ! — Wiewohl, grimmig geärgert hat's mich ja, daß unS der Bösewicht nicht ins Gar» gegangen! Der hätte mir ans Messer gesollt, wenn ich ihn auch mit aller Hochachtung ausgenommen hätte! Aber wenn man bedenkt, was der ein ganzes Jahrzehnt lang über Europa für Elend und Herzeleid gebracht! Wenn man bedenkt, welche Masse von Menschenleben es zur Erreichung seiner ehrgeizigen Pläne gefordert! Welche Ströme von Blut vergossen werden mußten, um ihn unschädlich zu machen — dann —! Na, unser Herrgott muß es wissen, warum er ihn hat entwischen lassen! Aber," — er trat passend ans Fenster und wies, ein wunderbares Leuchten in den Angen, auf das bunte Gewirr der Truppen zu seinen Fußen, „darf sich unser siegreiches Heer nicht als Werkzeug der Vorsehung betrachten, die ihm eine» so vollkommenen Sieg verliehen, um dadurch ewige Gerechtigkeit zu üben?!"
Erdmuthe nickte mit senchtschinnnernden Augen. Sie halte ja vorhin, als sie durch die Anlagen fuhr, genau dieselben Gedanken gehabt. •--
Als sic bald darauf allein i» ihrem gininier, schrieb sie an Tosta.
Zuerst ei» paar kurze, aber tiesempfnndene Worte ihrer Teilnahme. Und dann die Bitte, wenn sic ihrer noch in Freundschaft gedenke und Vertrauen zu ihr habe, ihr eine Stunde zu bestimmen, in der sie ungestört zu sprechen wäre.
Es war eine» Tag nach der Beerdigung Philipp von Eures, als die beiden in lieses Schwarz gekleideten Frauen durch die Gänge des Gartens der Enreschen Villa wandelten.
„Sie verlangen viel von mir," sagte Toska. Ihre Lippen bebten. Das schöne Haupt lag init wehem Trotz im Nacken.
„Was iväre ftir wahre Liebe zu viel?! Toska! Oder wissen Sic es noch immer nicht: Tie Liebe ist stärker c>1«( selbst der Tod!" Mit heißer Angst in den Augen bog sich Erdmuthe vor, um Toska inß Antlitz zu schauen, um ihr Innerstes zu ergründen.
lieber das schöne, blasse Gesicht zuckte und wetterleuchtete der Schmerz.
„Daß er mich so verdAchtige» — mich so in meiner Frauenehre verletze» konnte." Mit jähen. Aufschluchzen wandte sie sich ab.
„ArnieS Kind —
„Nein, nein!" Ohne sich umzuwenden, streckte sie abwehrend die Rechte gegen Erdmuthe aus. „Bedauern Sie mich nicht! Vielleicht habe ich wirklich so harte Strafe verdient! Aber es ist, bitter - bitter, sich so verkannt zu sehen, wo — wo r— man —i liebt —Die Worte erstarren. Mt!


