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Kaiiulreiter.
Mit b«m Uebevfjveifeu des Wellkrieges aus die Küstengebiete deS Nttlleimeeres taucht auf türkischer wie aus englischer Seile eine neue Truppe aui: die Kamelreiierei. Kamele alr militärische Reittiere sind keineswegs eine Errimaenichait der Neuzeit. Schon die Israeliten baden sie in ibren Feldzügiii mehrsach verwend-t, und von den Assyrern missen wir, daß sie bcsoiidere Kainelkämpier besaßen. Zeigt doch der Obel,Sk von Ntmrud, >vie Satinanassar II. als Tribut uiilerworsener Völker Retlkainele für seine Truppen erhält. Bei den Arabern wurden lauge Zeit vor Einiühruug der Schußwaffe die Kamele mit zwei Bogenschützen bemannt uns zogen so in den Kanipf. Auch im persischen Heer spielte die Kamel- reilerei schon im Altcitum eine nroße Rolle, entschied sie doch die Schlacht von SardeS. Von Autwchius ivissen ivir, daß er arabische, mit Bogen bcwafsneie Kamelrciler in seinen» Heer eingestellt halte. Der erste, der die Onmelreiterei im modernen Krieg ver- weiideie, ivar aber Napoleon I. In seinen Erinnerungen koinmt er wiederholt aus die Schöpstmg dieses ersten französischen Kämel- reilcrkorpS zu sprecheii, das eine Art reitende Infanterie ivar, die dank dein Kamel die Möglickkeil besaß, große wasserarme Strecken leichter als zu Pierd oder aus irgend einem anderen Be'örderungz- inittel zu überivinden. Die erste Abteilung Kanielreiter bildete Napoleon iin Jahre 1793, als in Kairo der Mameinkenansstand gegen die sranzösische Herrschaft niedergeworsen ivar. sttapoleon scyte auf das einhöckrige Kainel (Troinedar) zivei Jnianterislen, von denen der vordere gleichzeitig das Tier lenkte, ivährend der ihm abgeivandt, »ach hinten sitzende aus die 'Munition und die Lebensnrstlelvorräii acht geben inußte, die zu beideii Seite» des Höckers in Tragkörbei, aiigebracht waren. Der Versuch, ben Napo- leon mit hunderl Dromedaren macdte, zeitigte gute Erfolge, sodaß er die Anzahl dieser Reiikamele bald aus 7<M erhöhte lind die Triippe dein General Desaix „iiterstestte. Trotz ihres scheinbar sehr schwer>ällig«n Ganges vermöge» Reitkamele, ivenn niaii ste am Mittag «ine kurze Zeit ruhe» läßt, an einem Tage 16 Stunden unterwegs zu bleiben und legen dabei eine Strecke von 149 Kilo- ineiern ziirllck. Eine derartige Anstrcnguiig erträgt das Kamel aber drei bis vier Tage hiiilcreinandcr und braucht dabei mir mit einer Handvost Datteln geiütiert zu iverden. Trank kann es entbehren, wenn es vor dem Auibrnch am erste» Tage genügend Wasser erhält. Tie Franzosen grisseii aus die Napoleonischen Er- iahriingen ziirück, als ste bei der Eroberung Algiers infolge de» Wassermangels einiger Gegenden dieses Landes aus große Schwie- rigketle» stießen. Ten» KainelkorpS dcS Araberlürstei» Abd-el-Kader stellie» sie eu,e eigene Abteiluiig Kanielreiter gegenüber und aus den im Schloß von Versailles hängenden Schlachtenbildern jener Zeit kan» iiian arabische und sranzösische Kanielreiter iin Kampl« sehen. Di« Franzosen machten dabei die Erfahrung, daß das Kainei und ebeuso das eiiihöckcrige Dromedar, während der Schlacht viel leichter zu lenke» ist alr das Pserd, das durch Geräusche beunruhigt wird und scheut. Da» Kainel ist der Trompete und dem Gekiiattec der Gewebrseuers gegenüber wie abgestilmpit und es gewöhnt sich auch leicht an ben Donner der Kanone». Ta er in noch höherem Maße Verwendung ai» militärisches Lasttier den» alr Reittier findet, ist gerade diese Eigenschait von besonderer Bedeutung, Ein Lastkanrel läuft mit einer Bepackung von 160 Kilogramm im Wüstensand etwa 4 Kilometer und vermag so täglich 12 Slunden z» traben, also gegen &0 Kilometer zurückzulegen. Für die Besörderiiug von Maschinengewehren, leichte» Geschützen und Nahrungsmitteln diirch Wüstengegenden, ivi« die Sinaihalbiniel, ist «4 daher unentbehrlich. So benutzen die Peiser das Kamel als militärisches Lasttier, indem sie ihm eineii breiten Satlel aiiilcgen, aus dem ein leichtes Geschütz ruht. lind iin englischen Heere in Nordindten wie in Aegypten gibt es ebenso wie im türkischen Heere besondere Kainel-Train- ävteilungen Ziideni besitzei, aber die Engländer »nd die Türken größere Kanielreiterkorps, einmal wegei, ihrer Schnesiigkeit iür den ErkuiidlgiingSdienst, dann aber als Kanipltruppe für wasserarme Gebiet«
vermisste».
"Zeppelin, Shakespeare und Bacon. Das hat Gras Zeppelin sich ivahl auch nicht träume» laß'en, daß er noch eines Tages in den Shakesveore-Bacon-Slreit hineingezogeu iverden würde. Es ist aber tatsächlich geschehen: in de» Shtliern Hills, bei Lisiy Hoo, «tiva 59 km von London entfernt, hat John Bull etwas Furchtbare» entdeckt, nämlich eine.Zeppelinhöhte", die vor einer Reihe von Jahren die Deutschen ossenbar mit dem Zivecke in die Kreide gehauen hatten, sie zu gegebeiier Zeit — also heule oder morgen — als Schutzhall« für ein Zeppeliiilustschifs zu verwenden. An der Anlegung oder Vollei,dnng iveiterer solcher Zeppeliiihöhleu sind die Deutschen augenscheinlich verhindert worden; die Anfänge dazu sind zwar geniacht ivorden, aber es sind nur ganz winzige Höhlen, die et» deutsches Kriegslustschiff oulnehmen rönnen. Auch die große .Zeppelinhöhle" von Lilly Hoo dürste dazu kaum aiisreichen, denn sie inißt kaiun 59 Meter in der Länge und ivenige Meter im Diirchniesser. Die Engländer haben daher nach einer andereil Erklärung stir die Zeppelinhöhle gesucht inid sie auch gesunden. Sie lautet nach
dem .Dorkshire Observec: »Nicht Gras Zeppelin und seine Leut« haben die Höhle hergestellt, sondern „zwei in literarische» Kreisen sehr bekannte Herren, die an der Shakespeare-Bacon-Frag« sehr interessiert sind. Diese Leute, di« übrigens in, Verdacht stehen, Deutsche zu sein, sollen dort tatsächlich Ausgrabungen begonnen haben, in der vagen Hoffnung, dort Manuskripte (?) finden, dt« d,e Lösung de? Shakesveare-Bacon-RätselS enthielten." Diese Erklärung ist so du»»», daß sie in keinem anderen Lande der Welt als England möglich war: man stelle sich etwa vor, ein deutsche» Provinzblatt von der Größe der Vorkshire Observer behaupt« ähnlichen Unsinn von der Bauinannshöhle im Harz! Aber seitdem sie bekannt geivorden ist, habe» sich die Leute der Shiltern Hill» lind auch die Londoner etwas beruhigt,' ganz sicher aber sind ste nicht, daß inan nicht doch noch einer Tages eine wirklich» Zeppelinhöhle in den Kreidebergen ivestlich von London auifindet.
• Die verdaute Kugel. Ueber den luerkwürdigen Verlaus einer Verletzung berichtet Professor Dr. H. Borultau in einem Aussatz über den Weg und die Wirkung der Kiigel, den er im nenesten Hekt der bei der Deutsche» VerlagSAnstalt i» Stuttgart ersch inenden Zeilschrist .Ueber Land und Meer" veröffentlicht. Er macht daran! aulmcrkiain, ivie durch die verschiedenen Stellungen, die die Soldaten in den heutigen Kämosen einnehnien, der Kugel häufig auch ihr Weg in der Achlenrichtung des Rumpfes gewiesen ivird. Sie dringt z B. an der Schulter ein, durchsetzt de» Brnst- korb der Läng« nach und bleibt über dem Zwerchfell oder in den Bauchaecken stecken, durchdrinqt in inancheii Fällen auch noch den Unterleib und richtet hier Verheeruilgeii an. I» einem solchen Falle war das Geschoß dem im Schützengraben liegende» Soldaten an der Schiilter eingedrunge», hatte die Lunge, da» Ziverchsell uni» die ober« Magenwand durchbohrt und war dann im Magen liegen geblieben. Trotz der langwierigeil Transportes, aus den» von dem Verwundeten durchaus nicht das bei der Durchbohrung von Teilen des Verdauungskanals »olivendige Verbot der Nabrungs- und FlüsfigkeilSauinahme befolgt ivorden war, sondern vielniehr .Liebesgaben" aller Art genossen wurden, trat keine ernstere Störung «in. Welch«» Weg die Kugel dann weiter genonimcu hat, konnte durch eine Reihe von auseinander folgenden Röntgenauinahme» verlolgi iverden: e4 war der .natürliche", der zun, Abgänge mit den Speiie- renen sührte. Der Verwundete, der außer dieser auch noch ander» Verlegungen erlitten halten, ist inzwischen genesen.
vllchertisch.
— Deutscher Kriegshumor Wer unseren braven Kriegern in der Front oder im Lazarett eine Freude bereiten ioill, der sende ihnen das reizende Büchlein ,,Deutscher Kriegshumo» 1914", welches soeben im Verlag von Oscar Coblentz in Ber« lin W. 80 zum geringen Preise von 1 Mark erschienen ist. Diese» Büchlein bietet eine bunte Fülle „wahrhaftiger Anekdoten au» dem Weltkrieg 1914", welche ein ebenso kulturhistorisch wertvolle» wie witziges Dokument aus »»serer großen denkwürdigen Zeit ergeben. Entzückende haiidkolorierte Zeichnmtgen de» humorvollen Berliner Künstlers Paul .haase schmücken daS schön ausgestattei« Bändchen. _
ttönigrpromenad«.
Mau dar! dle einzelnen Wörter uud Silben mir i» der Well« miletnauder verbinden, daß »in» — >vie der König ans dein Schachbrett — steie von einem Feld nur aus ein beuachbarles übergeht.
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Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung der Wechselrätsels in voriger Nuuuner: Brandenburg: Bet», Bern — Rede», Regen — Amsel» Amvel — Nadel, Nagel — Dante, Danke — edel, Esel — neun, nein — Besen, beten — IHm, Ulk — Naab, Raub — Grab, grau.
Schristleitung: Aug. Goctz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lche» IlniversiiäiS'Bnch- und Cteindruckerei, R Lange, Gießen.


