489
■tufjtcn. Für einen Gang von Staufenberg nach Gießen wuvdcn b alb. -- 40 Psg. vergütet, oft auch noch die Zehrungskosten erstattet. Als Steuererheber, welches Amt er auch mit dem Uuter- bürgernieister zu teilen hatte, bezog er auch seine Gebühren. Er hatte auch die Stadtkasse zu venrxilten, wober er nur Geld uleate. Alle Zahlungen gingen durch ihn; manche Beträge, 4e der Bürgernveister vorletzte, wurden in seiner Abwesenheit oft nicht notiert, sodaß der vorhergehende Bürgermeister aul Neujahr die Kassen mit einem „Rezeß" von einigen Hundert Gulden überlieferte, für die er zumteil, wenn er nicht nachträglich noch Rechnungsbelege Vorbringen konnte, selbst auskonlmen musste. Bel der Bürgermeister- und Stadlratswahl wurde aus der Stadtlasse den Wählern auf dem Rathaus ein „Freitrunk" gestiftet. Rach den Rechnungen wurde gut getan 1662: „16 alb. vor 2 Mast Wein den Kührern", 1663: 1 Taler 10 alb. den Kührern auf dein Rathause, 1666: 251/2 alb. vor Bier so best der Kiihre vnd newen Jahr vfgangen."
Bürgermeister und Ratsversonen waren „Respektspersonen". Ungebührliches Verhalten mw Nichtbesolgen ihrer Anordnungen Wurden bestraft. 1672 wurde vom Rat beschlossen: „Wenn einer oder der andere sich aus dem Rathaus ungebührlich init Worten! oder Werken erzeiget, soll er zur Straff erlegen 20 alb. (1,60 M.).
1— Wenn einer oder der andere ein Ratsgebot vorsätzlich versäumet und nicht erfolget (befolget), so soll sedesmal er geben zur Strass 8 alb,"
Ein wichtiges städtisches Amt war das des Stadtschreibers. Die Stadtschrelber gerierten sich gern als Gelehrte, beliebten es, lateinische Ausdrücke anzuwenocn, auch oft ihren Namen »u latinisieren. -Bei Anlegung und Einrichtung eines Neuen ProtokollbucheS oder eines Registers zeigten sie gern ihre Schreibkunst, indem sic Titelblatt oder den Kopf der einzelnen Al>tei- l'ungen mit Frakturschrist zierten. Die Schrift in den einzelnen Einträgen ist oft sehr schön, die Buchstaben sind aber >0 verschnörkelt, daß es schwer wird, den Inhalt der Niederschrift zu enträtseln. Er bezog dasselbe Gehalt wie der Bürgermeister, 10 fl., hatte aber noch viel Sporteln und Nebeneinkünste, da er oft, namentlich in Kriegs;eiten, als bester Schreibkundiger angesprochen wurde. Seine Sachkenntnis genügte nicht immer: denn in den Stadt- kechnungen begegnen wir häufig Ausgabeposten an den Stadtschreiber in Gießen für „Supplicatimien", Bittschriften und Gesuche, die an die höchste Stelle gingen. Mer war ein besonderer! Kanzleistil üblich, der allerdings so verschwommen und unklar war, hast man oft ein derartiges Schriftstück mehrmals lesen muß, bis man den Inhalt versteht. Die Stelle des Stadtschreibers versah im Nebenamt oft her Stadtlehrer, der dadurch sein knapp zugemessenes Einkommen wesentlich erhöhte. Der Stadtschreiber vertrat bisweilen an Stelle des Bürgermeisters die Stadt auf den Landtagen. IN schwierigen Angelegenheiten, die auf der Tagesordnung standen, bediente man sich einer kundigeren Person, so des Stadtschreibers zu Gießen, der außer den üblichen Diäten noch eine Ertravcrgütung bekonmit: denn es heißt in der Rechnung von 1663: „6 alb. vor Fisch dem' Stadtschreiber zu Gies-en verehrt, weil er Bor uns osf den Landtag zu Darmstadt gehandelt". 165 4 war sogar der Kanzlerder Universität Gießen Vertreter der Stadt und des Ehrbaren Rats zu Staufenberg auf dem Landtag zu Kronberg (soll wohl heißen Grimberg) und wurden ihm dafür 9 fl. 10 alb. „verwilliat". Wif den Landtagen konnten Beschwerden Über Verwaltungsmißbräuche vor- gebracht, auch Anträge zu neuen Gesetzen gestellt werden, hauptsächlich handelte es sich aber auf diesem Landtag um Bewilligung der Steuern seitens der Stände. Und außerordentliche Stcuer- bewilligungen waren damals sehr nötig bei den unruhigen Krregs- zciteu, nicht nur für Kaiser und Reich, auch für die Nemen Landesfürsten. Da waren alle nröglichen Steuern fällig: Kontributioneii,
t oldatensteuer, Servisgeld, Winlerauartiergeld, Türkensteuer oder ömcrmonatsgeld, ja sogar eine Fräuleinsteuer (für Ausstattung der fürstlichen Prinzessinnen). Zunächst die allgemeine, jährlich
K werdende Bede von Häusern und Gütern, Kontribution n Rechnungen genannt. Ursprünglich ist unter Kontribution eine Kriegssteuer zu verstehen,, die dem Laude vom Feinde auferlegt wird. Hier bedeutet Kontribution die ständige Grundsteuer. Sie betrug 12 alb. (96 Psg. aus 100 Gulden Steuerkapital (Vermögens). Zur Unterhaltung der Soldaten im Lande, also des hessischen Kontingents, wurde die S 0 l d a t e n st e u c r, auch Servisgeld, erhoben. Während die Soldatensteucr 1591 noch 14 fl., als Beitrag der Stadt Staufenberg, betrug, war sie schon 1654 aus 75 sl. gestiegen. Den 11. Oktober 1675 wurde die
f oldatensteuer auf 12 Taler gesetzt, „Muß jedes Hauß erlegen l/r alb., maßen itzo die Häußer gezählet und 861/2 befunden worden". 1709 betrug das Servis geld „für Lieferung von raufutter" (Hafer, Heu) 32 Taler. Die Türkennot war eine stete Sorge für Kaiser und Reich. Zur Führung der Türkcnkricge bedurfte der Kaiser, der stets in Geldverlegenheit war, der (Unterstützung des ganzen Reiches: er erhob als Reichssteucr die D ürkenste uer mit dem Steueransatz von „1 Schreckenbcrgcr" (25 Pfennig) auf 100 fl. Kapital. Das in Staufenberg 1596 geschätzte Vermögen betrug 16 909 fl., die Steuer hieraus 29 sl. 6 alb. Dazu kamen noch die Ausgaben für Exekutionen und Brandschatzungen, die die fremden Völker während der Kriege her Stadt Staufenberg Merlegfen,
Tie Stadt Staufenberg hatte ihr eigenes Brauhaus, das unter dem Rathaus im Erdgesckioß sich befand. Sie nahm einen Braunieistcr in den Dienst, der den Bürgen: den Haus-- trnnk braute. 1600 waren es 40, 1664: 60 Personen, die an der „Verlosung" int Brauhaus, d. h. an der Auslosung teilnahmen, die bestimmte, an welchen Tagen im Jahre der einzelne Bürger brauen konnte. Tie Bransteuer erbrachte 1642: 52 fl., 166» sogar 70 fl. Von dem einzelnen „Gebrau" würden 2—3 Mark bezahlt.
Im Resormationszeitalter erhielt auch Staufenberg eine EchuIe, die nicht nur die Bürgerskindcr, sondern auch die Kinder der Adeligen besuchten. Die damaligen Schulen waren meist Winterschulcn und in erster Linie Re!igioirsschu!en, in denen der Glaube, das Vaterunser, Lesen, das Einmaleins gelehrt wurde. Schreiben stand anfangs noch nicht auf dem Lektronsplan, von sonstigen Lehrfächern ganz zu schweigen. Der Lehrer war ein „Wanderlehrer", der von Ort zu Ort reiste, um Schule zu halten. Daß man aber auch damals schon den Wert einer guten Schule nicht verkannte, und besorgt war, einen tüchtigen, ständigen Lehrer zu bekommen, zeigt nachstehende St lftungs urkunde des Friedrich von Rolshausen vom 16. Dezember 1581. Die Urkunde lautet:
„Ich Friedrich v. Rolshausen, hessischer Ampt vnd Burg Manu zu S t a u f e n v e r g bekenne vnd thue Kundt vor mich vnd Mle meine Nachkommende Erben, daß ich auß gutem vndt wohlbedachtem Muthe vnd christlicher Liebe, Gott dein Allmächtigen zu Ehren vndt dem Nechsten tzu.Nutz ünbt Wohlfahrt srn- wMig ewiglich gegeben vndt gestiftet habe Einhundert gülden Marpurger wehrung Zn einer Schulen Bahn Stanf- senbergk . . . Damit vnserer dasige Burgleute auch deren Burger Kinder vndt Kindeskind desto «fleißiger in der Zucht vnd furcht Gottes vsfgezogen vndt ihres Christlichen glauben-, ihrem fehlen heifl zu guten, vnderrichtet werden mögjen, welche (#) ein hundert gülden dann Einem Erbaren Rath zu Staufsenbergt von mir vberlifsert wird. Da dann Ein jeder Bürgermeisttv
E mpt Einem Erbaren Rath ein Jder Ihre vleißige «flicht thust II . . . daß jehrlich vff ein jeden Sankt Martins tagk Jedermann rer Zeit! Schulmeister detz Orts fünf gülden Pension (Zinsen) obvenanther wehrung vnverzüglich gehandtreicht werden stzlle. . . Da der Schuldienst ein oder Mehrere Jhar ledig vnd vnbedient Pliebe, sofl die Pension von Jhar zu Jhar gep sammelt vndt zu dero Hauptsummc geschlagen werden, (gez.) Friedrich v. Rolshausen.
Alljährlich wurde zweimal vor dem Herrn Superrnieuden- tcn aus Gießen, dem Bürgermeister und ehrbaren Rat das „Sch ul ex amen" abgehalten. An das Examen schloß sich em Festessen mit dem nötigen Bier, deflen Kosten die Stadtkasse trug. Das Protokollbuch berichtet: „16 6 8: 12 alb. vor Bier so beim Examine vfgangen. 1 6 6 9: 10 alb. vor Fleisch, 9 am. vor Fisch, 9 alb. vor Bier, beim Examine vfgangen. — 15 alb. vor Essen zum SchÜler-Examine, 6 alb. vor 6 Maß Bier dermalen. 16 7 5: IO1/2 alb. vor 4 Psd. Kalbfleisch »um Examine, I1/2 alb. vor würtz, dazu 9 alb. vor 6 Maß Bier damals. — 12 alb. 2 Psg. vor 71/2 Psd. Fleisch zum Schüler-Examme. 5 alb, vor 2 nflirst, 7i/z alb. vor 5 Maas Bier, 3 alb. vor Brot, 21/2 alb. vor würtz."
In kirchlicher Beziehung gehört« und gehört Staufenberg zu Kirchberg. Hier war sein« Mutterkirche, während,m Orte selbst oberhalb der Unterburg nach Nordwesten bin schon seit 1503 eine Kapelle stand, die dem Ritter Sankt Georg geweihr fort. Sie hatte bis 1667 keine Glocken, erhielt aber um diese Zeit jedenfalls ein Geläute, da in den Rechnungen von Ausgaben für Reisen zu den Glockengießern in Frankfurt und Domburg die Rede ist Ihre Glocken kamen, als die Kapelle 1839 tvegen! Baufälligkcit abgebrochen wurde, zu den 2 Glocken aus der Stadtpforte Ueber der Tür der Kirche zur Kirchberg befinden sich neben der Jahreszahl 1497 die Wappen der Schaben Und der von Raü, die Patronatsherren der Kirche waren. Kirchberg ist über viel älter als 1497; es ist jedenfalls eine Gründung irischer Mönche, die hier eine Kapelle errichteten, die mit der Zeit erweitert werden Mußte, bis 1497 ein vollständiger Neubau errichtet wurde. Stauscnberg hatte an seinem Teil seinen Beitrag zur Psarr- bcsoldung und zur Unterhaltung der Kirche und des Pfarrhauses zu leisten. Während der Jahre 1661—1667 waren die Beiträge der Staufenberger nach Kirchberg recht bedeutend, einmal weil wegen des Alters der Kirche häufige Reparaturen nötig waren, andererseits auch wohl aus dem Grunde, weil die dortigen Gebwide während des dreißigjährigen Krieges viel gelttten halten. Eine Zusammenstellung der Einträge in den Stauseiiberger Rechnung«! über Kirchberg ergibt: 1661: Zu Laddeii vfss Pfarrdach nach Kirchberg 1 Taler, 23 alb. 2 Psg. — Bor Nägel zmn Psarrkmutz 2 Taler 7V» alb. — Stemdeckerarbeit 1 Taler 15 alb. — Bor Nägel zum Pfarrdach 2 Taler. 1662: 23 alb. den Zimmerleuten an Psarrhauß zu unserem Theil. 1 Taler dem Steindecker. 1695: Zum Wcinkaus 6 alb., als das Stück Dach am Thurm zu Krrch- dergk verdungen worden zu unserem' Teil. 1666: 1 Taler 15 alv. vor Ziinmcrarbeit in die Kirchbcrger Äircki. — 2>2 Taler dem Bürgermeister aus die Bauarbeit abschläglich nach Kirchberg. 1667 im März und April müssen die Staufenberger mit dem 2. Pfarrer in Kirchberg unzufrieden geioesen sein, Beschwerden eingcreicht und mündlich vorgebracht und wohl auch seine Versetzung


