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Leichtsinn kann ich immer entschuldigen, denn ich bin wahr-

K ftig auch kein Enget; vor der nackten Gemeinheit «der ver- gt mein Verständnis wie meine Duldsamkeit. Weil Ihr alter Herr einer der verehrungswürdigsten Ofsiziere meines ehemaligen Regiments gewesen ist, hatte ich Ihnen hier den Weg zu einem neuen Leben erschlossen, als Sie von Ihrer Familie wie von Ihren Kameraden bereits aufgegeben wa­ten ; aber ich habe Ihnen von vornherein gesagt, woran Sie sich zu halten haben. Sie haben mein Vertrauen getäuscht, und damit ist cs aus zwischen uns ein für allemal und UMviderruslichausl Mache» Sie sich keine Hoffnung aus eine Fürsprache meiner Frau. Es gibt Dinge, in denen ich mir nicht dreinreden lasse. Auch von ihr nicht. Bis zum Ersten mögen Sie in Gottes Minen noch hier bleiben, wenn Sie vor den Leuten den Anschein vermeiden wollen, davongejagt zu sein. Mer ich verbitte mir bis dahin jede Art von Ver­traulichkeit. Zwischen Leuten Ihrer Art und mir gibt es keinerlei Kameradschaft!"

Er mutzte unmittelbar nach dem letzten Wort durch einen anderen Ausgang das Rauchzimmer verlassen haben, denn Margarete hörte das dröhnende Zuschlägen einer Wr. Wenige Sekunden später erschien Reibnitz auf der Schwelle. Er war leichenblaß, und jeder Muskel seines hageren Gc-

B sichts schien in zuckender Bewegung. Die Anwesenheit der Erzieherin und des Haustöchterchens hatte er in seiner charen Erregung offenbar übersehen. Er sah nur die e Gestalt der Baronin, die eben jetzt, ihm gerade gegen­über, wieder ins Zimmer trat.

Ungestüm eilte er auf sie zu und warf sich vor ihr nieder, sein Gesicht mit einem schluchzenden Laut in die Falten ihres Kleides pressend.Ich kann nicht mehr!" stieß er her­vor.Er hat mich beschimpft wie einen Buben. Es muß ein Ende gemacht werden. Ich will es nicht länger er­wägen !"

Vergebens hatte Frau v. Bardeleben durch eine heftige Bewegung und durch einen zischende» Laut versucht, ihn am Reden zu hindern. Nun machte sie sich los und tat einen Sckritt auf Margarete zu.Gehen Sie auf Ihr Zimmer, Fräulein Othmar! Es ist Zeit, daß Dietlinde zu Bett ge­bracht wird."

Dje Erzieherin nnißte kaum, wie sie mit dem Kinde aus dem Gemach hinausgekommen war. Die Hand Diet­lindes ly der ihrigen haltend und an allen Gliedern zit­ternd, stieg sie oie Dreppe in das obere Stockwerk empor.

Aber noch waren die Erregungen dieses Abends für sie nicht zu Ende, denn von oben her kam ihr ein fester, dröh- NMtder Schritt entgegen, und aus einer der obersten Stufen sah sie sich Harro v. Bardelehen gegenüber. Er hatte einen grauen Havelock über die Schultern geworfen und einen weichen Jägerhut in die Stirn gedrückt.

Sie hatte gehofft mit leisem Gutenachtgruß an ihm vorüberschlüpfen zu können, aber seine breite Gestalt vor-

K örrte ihr den Weg Sein Blick freilich galt nicht ihr, son- rn dem kleinen Mädchen, das er ein paar Sekunden lang starr ansah, um es danu plötzlich emporzuheben und auf die bleiche Stirn zu küssen.

Mtz er es behntsatn, wie wenn er in der Dat gefürchtet hatte, das zierliche Geschöpf zu zerbrechen, wieder auf den Boden gesetzt hatte, wandte er sich an Margarete.Gute Nacht, Fraulein! Ich habe Ihnen ja wohlmeinend voraus- gesagt, daß es nrcht sehr vergnüglich zugeht auf Klein- Ellbach. Mer lassen Sie sich nicht gleich einschüchtern. Es können auch noch fröhlichere Dage kommen."

Er ging iveiter, und Margarete klammerte sich mit beide» Händen an das Dreppengeländer, von einer lähmen­den Furcht überwältigt, daß er noch einmal in das Speise­zimmer eintreten und die beiden dort überraschen könnte.

Aber sein Schritt hallte über die Diele dahin, und mit einem Gefühl unsäglicher Erleichterung hörte sie, wie das schwere Haustor hinter ihm ins Schloß siel.

ü. Kapitel.

Dietlinde wurde in ihrem Zimmer von Josepha er- tvartet, in deren Händen offenbar die Sorge für das leib­liche Wohl des Kindes lag. Margarete war zwar ent­schlossen, diese Sorge als einen Ivichtigen Teil ihrer Rechte und Pflichten künftig für sich in Anspruch zu nehmen: aber sie wünschte auf gütlichem Wege dahin zu gelangen und es nickst gleich an diesen« ersten Meud auf eine Machtprobe ankouiincn z» lassen. Auch fühlte sie sich nach der laugen Fahrt und nach altem, was ihr gefolgt war, sehr erschöpft

und glaubte sich derAufaabe einer unbefangenen Unter« Haltung mit dem Kinde nicht mehr gewachsen.

Sie ließ es also geschehen, daß Joseph« die Kleine itt Einpfang nahm, ohne der Erzieherin einen Blick oder ein Wort zu vergönnen; aber sie ließ die Berbindungstür offen, so daß ihr kein Wort entgehe» konnte, das nebenan ge­sprochen wurde.

Sowie Dietlinde zu Bett gebracht «var, sagte sie:Nun mußt du inir aber was erzählen, Joseph«, damit ich ein- schlafen kann."

Gern, inein Engel. Was soll ich dir denn erzählen'?"'

Die Geschichte, wie Hernrann Kubalke meinen Papa aus dem Wasser gezogen hat. Das ist doch die allerfchönste."

Das war also, wie Baron Harro sechs Jahr' alt lvar, und wie >vir de» strengen Winter hatten, >vo die verhunger­te» Vögel überall herumlagen, und wo wir in der Scheune auf den« Vorwerk die beiden erfrorenen HandwerksbUrschen fanden."

Mit einem Klang von Ungeduld fiel Dietlinde ein:Ach, von den Vögeln und den Handwerksburfchen mag ich nichts hören. Nur das andere!"

Aber das gehört doch dazu, Liebchen! Den» es ist, so­lang' ich lebe, das erste und einzige Mal gewesen, daß der Zackelsce zum Stehen gekommen ist. Es soll ans der Erde herauf warmes Wasser hineinflicßen, darum kan» er nicht zufrieren. Aber damals ist er doch zngefroren. Der liebe Gott hat's eben so gewollt, Schätzchen!"

Margarete lauschte mit wachsendem Interesse. Wenn sie nicht Mit solcher Bestimmtheit gewußt Härte, daß es wirklich die alte Joseph« war, die da drinnen saß und erzählte, sh «vürde sie nimmermehr geglaubt haben, daß die Sprechende und die arobknochige Me mit dem harten, finsteren .Gesicht eine und dieselbe Person sein könnten.

Nein, der liebe Gott hat es nicht gewollt," sagte Diet­linde.So etwas darfst du nicht behaupten, Josepha!"

Nun, so «var es ein anderer, der es geivolli hat. Der Herr Baron, was damals der richtige Herr Baron «var. Harros Vater, der hat auch genau gelvußt, daß das Eis auf dem Zackelsee keinen Menschen tragen könnte, auch nicht ein Bübchen von sechs Jahren. Und nicht eininal, nejtz zehn­mal hat er's dem Jungen verböte», darauf zu gehen. Wer der Herr Harro war schon damals keiner von deneip dis sich verbieten lassen, «vas sie sich eininal in den Kopf gesetzt haben. Und «veil er sich vorgenommen hatte, auf dem Zackel­see zu schlittern, darum hat er es auch getan. Wie wir ihn da mitten auf dem Eise sahen, der Hermann Kubalke und ich

Nein, Josepha, heute erzählst du nicht richtig. Erst koinmt doch das von deiner Hochzeit."

,dWas für ein Gedächtnis du hast, «nein Engel! Wer das ist doch nicht die Hauptsache."

,/Doch!i Wenn das nicht dabei wäre, möcht' ich die Geschichte gar nicht iinmer wieder hören."

(Fortsetzung solgt.)

Zur Geschichte der vurg und Stadt Staufenberg an der Lahn.

Bon Or. H. Berger- Gießen. lFortsetzung.)

Wir behalten aber Uns vnd vnseren Erben und Nachkommen-« Fürsten za Hesse«i hiermit außtrücklichn» bevor, Pfarrkirchen vud andere Ordnungen darzu Gulden >v einzoll Ap­pellation Sachen Volgcsteuer bnd schatzungen, die solle» Uns, Unfern erben vnd Nachkontincii Ungehindert Zstehcn, Bolgen, Vnnd gereicht lverdten, auch die Widder ablosung genwltls vnser Schloß vnd Stadt Stausfenbergk, tvel- ches Jhares vnns daß beliebet bequeni vnnd eben Ist. Doch daß wir dem Kcuisjer seinen Erben vnnd künftigen Inhabern, Welches ein halb Jhar von Cathedra petri zuvor in unserkm versiegelten Briew Verkündigen» Bund volgends ge- mcllen Peters lagt die Losung Nemblich 6000 sl. darzn was er an vorgemellen 600 sl. Münz bewilligten Baugelts Knndlich verbaivct l-ait vnnd mit de» Bawregistern bescheinen wurddet. Auch was er sonst Widder zu Schloß vnird Stadt zugepragt vvn audereu Jngelov vnnd darüber den Jngcloste Verschreibung vor­legen wurdte, zu M a r b u r g k t h u n vnnd bezahlen». Unnh soll alß dann diese Verschreibung todt, Crastlos vnnd von Keinen wurten mehr sein, auch Unns oder vnsern erben »eben den Registern Und anderen Verschreibungen, ob er deren, loie Vor­steltelt, znlosen lvürde, herauser geben vn«,d Unser Schloß vnnd Stadt sampt den Zugehor»ngen Uns wid»