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feiten wünsche ich so Wenig als möglich behelligt zn werden. Dietlinde Hot nicht die Gewtchnheit, sich bei mir zn bellngen; ober tvenn es gejchälze, dürsten Sie versichert sein, daß Mögen über zu horte Behandlung bei mir lei» Gehör finden würden. Tos, Sie aus ihre Gesundheit einige Rücksickst zn nehmen hoben, ist sekbsrverstöndtich. Aber Sie brauchen «nrf, in dieser Hinsicht keineswegs gor zu ängstlich zu sein. Dos Kind Hot unter dem Einfluß schlechter Dienstboten, die ich leider nicht entfernen konn, bereits gelernt, sich krank zn stellen, lv-cnn ihm eine verdiente Strnse droht, und es wird ziveekmäßig sein, ihm die Nutzlosigkeit solcher Komödien nachdrücklich zum Bewußtsein zu bringen."

Mit wachsender Bestürzung hotte Margnretc zugehört. War es lvirkstch eine Mutter, die so von ihrem siebenjähri­gen Kinde sprach? Und sollte sie hier zum Büttel bestellt tverdcn, statt zur liebevollen Hüterin und Pflegerin einer »och iu ihrer ersten Entfaltung begriffenen Kinderseele? Die seltsamen Worte des Barons, für die sie vorhin ^eine Deutung hatte,finden können, kamen ihr wieder in den Sinn, und forschender, als sie cs bisher gewagt hatte, richtete sie ihren.Blick auf die zierliche Fron, die in lässiger Anmut da vor ihr saß.

Aber sie fand i» ihrem Aenßercn nichts, was die durch ihre Worte geweckte Vorstellung von Herzlosigkeit und Härte unterstützt hätte. Was sie sah, war nichts als das Bild einer sanften Dulderin, eines feinen, gebrechlichen Wesens, in dessen Inneren man sicherlich alles andere eher vermuten konnte als grausame Neigungen.

So schalt sie sich denn in ihrem Herzen um des häß­lichen Argwohns mitten, dem sie für einen Augenblick hatte Raum geben können, und erwiderte freimütig:Ich habe das feste Vertrauen, Iran Boronin, daß es der uiinachjichti- geu Strenge nicht bedürfen wird, um Ihr Töchterchen auf den rechten Weg zu leiten. Dorf ich vielleicht bitten> mich mit dem Kinde bekannt zu machen?"

Ich werde Dietlinde später zn Ihnen hinausschicken. Mer ich warne «ic nochmals davor, sich durch gewisse scheinbare Liebenswürdigkeiten bestechen zn lassen. Wenn es Ihnen nicht gelingt, sie in ständiger Furcht zn erhalten, werden Sie schwerlich etwas bei ihr ausrichten. Und ich mache Sic ausdrücklich darauf aufmcrkfam, daß es pst der stärkstell Suchtmittel bedarf, um den starren Trotz dieses in mancher Hinsicht viel zu früh entwickelten Geschöpfes zn brechen. Wollen Sie, bitte, klingeln! Dort neben Ihnen ist der Knopf der Leitung."

Margarete gehorchte, und säst schon im nämlichen Augenblick erschien die hübsche Jose, die sie vorhin emp­fangen hatte.

Ohne ihre bequeme Stellung zu verändern, befahl die Baronin:Führen Sie Fräulein Othmar ans ihr Zimmer. Sie werden ein Gemach neben dem Schlafzimmer Diet­lindes bewohnen, Fräulein, und ich darf Sie wohl ersuche», während der Nacht die Verbindnngstür offen zu lassen. Jetzt werden Sie nach der langen Eisenbahnsahrt den Wnnsch haven, Ihre Toilette instand zu setzen. In einer halben Stunde ungesähr wird man Sie zn Tisch bitten."

Das war eine Verabschiedung, auf die offenbar keine weitere Aeußerung mehr gewünscht lvurde. Margarete ver­beugte sich stumm und folgte dein vorausschreitendeu Mäd­chen über die breite Wendeltreppe in das erste Stockwerk hinauf. Hier lvar alles niedriger als unten, aber ebenso weit und geräpmig. An den gctäselte» Wänden des Treppen­hauses hinge» in schlichten schwarzen .Holzrahmeli alte, starkachgednnkelte Oelgcmälde, die Porträte würdevoll feierlich oder iheatralisch kühn dreinsstmuender Kavaliere und stark dekolletierter Damen mit unwahrscheinlich schönen Augen und Lippen.

Als das Mädchen sah, daß der Blick der neuen Erzieherin darüber hinglitt, hielt sie es für nötig, erläuternd zu be- merken:Tie Vorfahren des Herrn Barons. Aber nur die «usrangierten. Tie unten in der Bibliothek hängen, sind viel schöner. Bitte, dies ist Ihr Zimmer, Fräulein wie war doch der werte Name?"

Ich heiße Othmar."

Ja, richtig Fräulein Othmar. Nebenan scklläst die kleine Baronesse. Tann kommen hintereinander das Schlaf- eniach der Frau Baronin, das Antleideziinmer und die eiden Räume, pie der Herr Baron benützt, lveun er sich mal vorübergehend auf KleinEllbach aufhält. Er ist aber, fettdem ich hier im Schlosse bin, imlner nur ans ein paar Jägli dagewesen, und manchmal ist es vorgekommen, daß

er während der ganzen Dauer seines Hierseins in einem der unteren Räume gewohnt hat." l

Die Gesprächigkeit des Mädcbens berührte Margarets wenig angenehm, ivic ihr vorhin schon ihre koketle Art dem Baron gegenüber peinlich ansgefalten war. Sie verneinte darum die Frage nach ihren besvndereli Wünschen ziemlich kurz und atmete erleichtert ans, als sie endlich dre Tür dinier sich zuziehen durfte. TaS Zimmer lvar nur klein, aber es erinnerte sie mit feinen weißlackierten Möbeln, dem schmalen Messingbett und den duftigen Tüllgardinen vor dem Fenster an ihr srcnndtiches Mädchengemach ans vergangenen Tagen, darin ste so viele sorglos glückliche Stunden verlebt hatte.

Wieder wollten sie der Schmerz und die Sehnsucht nach dem unwiederbringlich Verlorenen überkommen; aber sie nahm alle ihre Tapferkeit zusammen, um der verzweifelten Stimmung nicht zu »nterliege», und ging unverzüglich dar­an, sich für das Abendessen znrechtzuniachen, dem sie freilich trotz allen Hnngergesühls viel lieber ferngebtiebcn wäre. Ihr einfaches Reijekteid mußte sic allerdings anbehatten, da ja das vorausgesandte Gepäck allem Anschein nach noch nicht eingetroffen lvar; aber sie konnte sich wenigstens von dem sSkand der lairgen Fahrt befreien, tonnte einen frischst,« Kragen umlegen und ihr dickes braunes Haar, dessen Pracht der in seine Tochter arg verliebte Professor so oft dewundrrt halle, neu aufstecken.

Sie halle zn nlledeni tnum mehr als eine Viertelstunde gebraucht, und sie war eben fertig geworden, als leise und schüchtern an die Tür d,es Zimmers geklopft wurde. Sie ging, um zn öffnen, und ein seltsames, unerklärliches Gefühl, ein Gefühl, mic wenn sie nach langer Einsamkeit und Verlassen­heit plötzlich ans ein heißersehntes, teures Wese» gestoßen lväre, »wallte in ihrer Seele ans, als sie ein kleines, schwäch- tiges Mädchen mit gesenkten» Haupte und schlaff herab- hängenden Armen vor sich sah.

Dietlinde? 9iicf)t »wahr, du bist Dietlinde? Tritt nur näher, Kind! Ich freue mich, daß du gekommen bist."

Tie Kleine zauderte und lvandte wie fragend das dunkle Köpfchen nach rückwärts. Erst jetzt lvnrde Margarete der einfach gekleideten alten Frau ansichtig, die das Kind be­gleitet hatte.

Es lvar eine große, starkknochige Person von niin- deslens sechzig Jahren. Das dünne, glait an die Schläfen gebürstete graue Haar ließ ihr faltiges Gesicht noch eckiger und härter erscheinen. 'Und hart, mit stark ausgeprägtem slawischen To»»fall klang auch ihre Stimme, als sie sagte: Die Frau Baronin hat besohlen, Ihnen Dietlinde zn brin­gen. In einer Viertelstunde sott ich sie lvieder holen."

Unfrenndttch, fast feindselig war der Ton der kurzen Mitteilung gewesen. Als Margarete erstaunt .ansblickte, sah sic in zlvei stechende graue Angen, ans denen es lote eine Drohung oder eine stamme Kriegserklärung blitzte.

Aber sie hatte während ihres Alleinseins den Entschluß gefaßt, den Rat des Barons zu befolge» und sich durch! nichts beirren zn lassen. Darum antwortete sie nur mit einem »renndlichenEs ist gut", zog die Kleine vollends ins Zimmer herein und schloß hinter ihr die Tür.

In der Helligkeit des elektrischen Lichtes konnte sic das Aenßere ihres tünftige» Zöglings mit einem Blick in sich ausnehmen. Ihr Befremde» über die nz>veide>»tigc mütter­liche Ansforderung zu einer harten Behandlung dieses jungen Wesens lvnrde zu Heller Empörung, als sie die Blässe dieser schmaten Wangen fah, die Magerkeit diefer kleinen, ersichtlich iveit hinter der» natürlichen Entwicklungszustande zurückgebliebenen Gestatt. Das Kind wavacwiß nicht hübsch. So wenig es von der strotzenden Kraft aes Paters ererbt hatte, so lvenig war ihm von der eigenartigen Schönheit der Mutier zuteil geworden. Tie fest znsammengepreßlenl Lippen gaben sogar dem kleinen Gesicht einen Ausdruck verbissenen Trotzes.

(Fortsetzung folgt.J

wie erreiche ich ein hohes Alter?

Bon Cäsar Rahn, Steglitz.

So lange alle Leute uoch als Weltwunder «»gestaunt »verdcn und noch nicht alltägliches geivorden sind, schein» mir die Frage, wie man ei» hohes Aller erreiche, doch mctst genügend geklärl zn sein. Immerhin föitneit wir von diesen asten LenttN lernen, daß ein eivsaches, regelmäßiges, eisthallsames Leben, bei dem der Geist die »ölige Ruhe findet, das Fundament für ein hohes Aller ist. Wir habe» also, darüber müssen >oir uns von vornherein klar wer»