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Vom Telephon abgcsckmitten. Es ist gar nicht sestzustelle», wo außerdem Leute sitzen, und ob Mannschaften durch, das hereinbrechende Fließ überrascht und von ihm begraben worden sind. Der Ventilator soll mit voller Kraft arbeiten, und es soll einer von den Maschinenbeamten sorgfältig untersuche», wie stark der Ventilator auszieht."
„Soll ich hinunterkomme»?" fragte der Gcheimrat.
„Rein, nein, um keinen Preis, Herr Gcheimrat! Sie können hier unten nichts Helsen. Es ist viel wichtiger, daß jemand oben ist, der dirigiert und meine Wünsche erfüllt. Ich bin selbst noch gar nicht orientiert. Ich bitte nur recht rasch das Material zum Dammbau herunterzuschicken. Ich lasse Fahrsteiger Oswald hier unten am Telephon und werde diesem vom Bergwerk aus meine Befehle nach dem Füllort schicken."
Geheimrat Kersten sah wieder so straff und hochaufge- richtet aus wie in seiner besten Zeit. Der Ernst des Augenblickes schien ihm seine Kräfte wiedergcgcben zu haben. Er sthickte fünszig Männ mit Beilen nach dem Walde, der in der Nähe stand und ebenfalls Buchwaldsches Eigentum war, mit dem Befehl, junge Bäume schleunigst nmzuhauen und nach dem Grubenplatz zu schassen, ebenso große Aeste von älteren Bäumen abzuschlagen und herbeizuschafsen.
Er telephonierte selbst an die benachbarten Bergwerke um Hilfe, und dann siel es ihm ein, daß Graf Klinter sein praktisches Jahr auf der Justinus-Grube verfahren hatte und dort genau Bescheid wußte. Er telephonierte auch an den Grasen, und dieser erklärte sich sofort bereit, zu kommen.
Nach kurzer Zeit kam ein Auto auf den Grubcnplatz gejagt. Der Gcheimrat hatte sich im Zechcnhause umgezoge», um für alle Mille dort bereit zu sein, in das Bergwerk hineinzufahren.
Aus dem Auto, das vor dem Zechcnhause hielt, stieg Dora allein.
„Was willst du hier?" fragte Geheimrat Kersten.
„Ich höre, daß ein Unglück geschehe» ist, und ich meine, ich habe ein Interesse daran, zu erfahren, was hier vorgeht."
„Du kannst uns nicht helfen," cntgegnete Kersten sehr ernst. „Deine Anwesenheit ist hier ganz überflüssig. Du kannst ruhig zu Hause bleiben und auf telephonische Nachricht warten."
„Ich bleihte hier," erklärte Tora. „Ich habe ein Recht, zu erfahren, was hier geschieht."
Sie war allein gekommen. Tante Schottelius war am Morgen abgereist. Sie ging nicht nach Aegypten, sondern hatte cs vorgezogen, nach ihrem Heimatorte zurückzukehren. Die neue Gesellschaftsdame hatte Dora zu Hause gelassen; sie verstand nichts von industriellen Dingen und war mit allen Verhältnissen so unbekannt, daß cs ganz zwecklos war, sie mitzunehmen.
„Ich kann mich mit dir nicht beschäftigen," hatte Kersten zu Dora gesagt und war wieder die Treppe zur Hängebank, dem Eingang des Hauptschachtes, hinaufgestiegen.
Dora begab sich in das Zechenhaus und nahm an dem Tisch auf der Estrade Platz. Ein älterer Arbeiter, ein Invalide, der als Kalfaktor im Zechenhause tätig war, bildete für eine Stunde ihre einzige Gesellschaft. Der alte, eins armige Mann, namens Hartrop, war ziemlich aut über alle Vorfälle draußen unterrichtet, und von ihm erfuhr sie, was sich ereignet hatte.
Dora war selbst, von Unruhe getrieben, aus den Grubenplatz hinausgegangen, aber sehr bald zurückgekchrt. Sie kam sich dort so überflüssig vor. Der Platz war ganz leer, aber hinter dem großen Gittertor, das jetzt geschlossen und von Arbeitern bewacht wurde, stand eine hundertköpfige Menschenmenge, meist Frauen und Kinder, weinend und schreiend. Es waren die Angehörigen der im Bergwerk Ein- geschlossenen: die Mütter, die Gattinnen, die Kinder, die Bräute.
Es konnte nicht geduldet werden, daß diese aufgeregten Menschen auf den Grubenplatz kamen, wo sie nur gestört hatten. Aber auch sie wurden von Unruhe verzehrt, und> machten sich in Weinen und Schreien Luft. Dieser Schmerzausbruch der vielen hundert Menschen trieb Dora zurück, nach dem Zechenhause und auf die Empore. Ta saß sic und blickte nach der oberen Rundung der großen Fenster, an denen die weißen Wolkenballen des Dampfes, der ans den Auspuffrohren der Wasserhallungsmaschine in regelinäßigen Zwischenräumen gestoßen wurde, vorüberslogen.
Die Tür wurde aufgerissen, und sehr eilfertig kam Graf Klinter hereingestürzt und ries Hartrop zu:
„Rasch, rasch, geben Sic mir Grubenzcug, ich muß einfahren!"
Dann erst erblickte er Dora und schien überrascht, sie hier zn finden. Er kam auf die Estrade hinauf und reichte ibr die Hand.
„Wie steht cs im Bergwerk?" fragte Tora.
„Nicht gut," antwortete Gras Klinter, „gar nicht gut! Es scheint ein zweiter Durchbruch von schwimmendem Gc- birge^eiugetrcten zu sein und die Rettungskolonne, die Bcrg- rat Spalding führt, abgeschnitten zu haben. Wir sind« ohne jede Verbindung mit ihr."
Hartrop erschien und lviukte ihm, und eilfertig verließ Graf Klinter Dora, die vor Schreck ganz sprachlos war.
Sic hatte cs geahnt, als sie die Nachricht von dem Durchbruch des Fließes vom Gcneralbureau erhielt; sie hatte es geahnt, daß Werner der erste sein würde, der bei der Rettung eingriss, und sie wußte, daß er keine Gefahr scheuen würde.
Ein zweiter Durchbruch, abgeschnitteu durch das Fließ!
Graf Klinter, der sich Hals über Kops angezogcn hatte, stürmte quer durch den Saal vom Ankleidezimmer her und rief Dora nur noch einen Gruß zu. Seine Eile war sehr beängstigend. Hartrop kam aus dem Ankleidezimmer und näherte sich der Estrade, aus der Dora an dem großen Ver- lesetische saß.
„Schlimm, sehr schlimm!" sagte Hartrop. „Ein Unglück kommt nie allein. Es sollen Branogase durchgebrochen sein, und der Bergrat mit seiner Kolonne ist in der größten Gefahr. Mit Brandgase» ist nicht zu spaßen. Ich will einmal Nachsehen, ob man nicht etwas erfährt."
Hartrop ging hinaus, und Dora blieb ganz allein.
Was waren alle die Aufregungen der letzten Wochen gegen das, was sie jetzt durchleben inußtc! Kaum lvar der Maun, den sie liebte, dem Tode entgangen, so schien er aufs neue, und um so sicherer, dem Untergänge Versalien,
Hartrop blieb lange fort, sehr lange wenigstens für die Ungeduld Toras. Dan» kam er wieder und machte ein betrübtes Gesicht.
„Gott sei ihnen gnädig!" ries er. „Ter Bergrat und die fünf Mann, die mit ihm waren, sind sicher verloren. Sie sind in den Brandgasen erstickt, und man kann ihnen keine Hilfe bringen, selbst lvenn man wollte. Ter arme Bergrat! ES war ei» lieber, guter Mensch, und er hatte auch für unsercinen stets ein freundliches Wort."
Hartrop wischte sich mit dem leeren linken Aermel seines Rockes die Augen.
Tora sah das und bemerkte sogar, daß das komisch aussah.
Sic schrie nicht auf, sie weinte und stöhnte nicht, obgleich dieser Mann da, der gewiß unterrichtet war, bereits die Toten betrauerte. Es war alles kalt und still in ihr; nur in ihrem Kopse brannte es, als glimme dort ein Funke, der sich .in ihrem Gehirn immer weiter fraß.
(Fortsetzung folgt.)
von Giehen nach vlisstngen und mit dem „Admiral" zum 5tapellauf der „virmarck" nach Hamburg.
Forlsortsort iortsortsort rast der Ervretzzug vorbei a» Kempen und Kevelaer zur Grenzstation Goch, wo die Führung durch holländische Beavltcn übernommen wird, der untcrgehcuden Sonne zu, nach Gennep, fruchtbare Ländereien hinter sich lassend, hinein in die Dünen des ehemaligen Mccrcsstrandes und in das Mocrgebicl des holläirdischcn Flachlandes.
Es ist neuneinhalb Uhr abends, nach Amsterdamer Zeit erst neun Uhr. Der Zeiger der Uhr wird zurückgcstcllt, und die Zollrevision slillschweigeud erduldet. Nichts zu verzollen! Eine saubere Holländerin durcheilt den Seitengaug des Zuges und bietet Genever und hollandsche Sigarru auf einem Tablett au. Schnell lvird der Bedarf au letzteren gedeckt und Weiler eilt der Train mit 85 Kilometer Geschwindigkeit in die Nacht hinein.
Roscndaal, Bergen liegen hinter uns, und die schmalen Dämme siird passiert, lvelche die Inseln von Seeland mit dem Festland verbinden. Sternenklare Nacht. Zur linken der Orion und die Kassiopeia über der Westerschelde und vor »ns die Nordsee, glatt wie Oel, die Tücke verbergend.
Ter Zug fährt behntsanl um Mitternacht tu den Bahnhof von Vlissinge» ein mld gibt fast alle Passagiere an das nach England fahrende Boot ab. Ich begebe auch ins Hotel Zeeland, um den am andern Tage von Ostairika kommenden Rcichspostdanipser ,,Ad» miral", dessen erster Okstzier mein Bruder ist, zu erlvarte»,


