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Aber icmt war in seiner Hosfming, daß Rene nun wird» misieben würde, getäuscht
Am Tage »ach Kotheims Fest war er medergelchlagener veun je, und Kun konnte ihn nur mit Mühe bewegen, Feodoras Jourfix zu besuchen M ...
Frau von Braun bewohnte noch dieselbe Etage am Panier Bläh, die sie schon bei Lebzeiten ihres Gatten, der Unterstaats- sekretär gewesen war, innegehabt l/uttc. Doch die grossen Prunksäle waren verödet und verstaubt, und Feodora benutzte nur noch einige Salons sür sich.
Wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, verwni- melte sie einen Kreis auserlesenster Besurtrer um sich, darunter Namen von weltberühmten! Klang, und ihre Salons galten mit Recht als die ersten Berlins.
Feodora rwn Braun sah in ihrem Boudoir und las, als ihr der Diener Orsk und Brian meldete. Sie schwankte einen Angeir- dlick. ob sic die Herren io zeitig, fast eine Stunde vor dein offiziellen Jonriir, einpsangen sollte. Aber dann entschloß sie sül, kürzt ,,Bitten Sie die .Herren in mein Boudoir."
Während der Diener nach dem kleinen Wartesalon schritt, um Rene und Kun zum Eintritt zu bitten, trat Feodora schnell vor ihren großen veiietianischen Silberglasspiegel, strich mit der Rechten über ihr nnßbrannes haar, das in einer sanftgeschwun- genen Welle über der Stirn lag. dann setzte sie sich in den Sessel vor ihrem kleinen Schreibtisch und griff zur Feder.
In diesem Augenblick öfsnete der Diener die Tür, und die Herren traten ein.
Trotzdem es kaum dänimerte, waren doch die elektrischen Flammen entzündet, und sie ivarfen ein aart abgetöntes Ltcht über den Raum. Auch an Feodoras Schreibtisch glühte eine durch einen rotseidenen Schirm verdeckte Birne und übergoß brr schöne Frau mit einem matten Schinmier.
Der Salon mit seinen zierlichen Möbeln, den unzähligen Nippes, den geschmückten Wänden und den geschlissenen Spiegeln sab auS wie eine große Puppenstube.
(Fortsetzung solgt.)
Dingelstedt-Erinnerungen.
8um 100. Geburtstage von Franz v. Dingelstedt, 30. Juni.
Wo Franz v. Dingelstedt auch erschien, überall wirkte er durch seine ungewöhnliche nick imponierende Erscheinung bedeutend und bestechend. Line hohe Gestalt, ein dunkles glänzendes Auge, das reiche, auch im späteren Älter nur wenig gelichtet« braune Hauot- l-aar und der Barl ebenso wie die ganze Gestalt wohlgepslegt, die Stimme volltönend und wohlklingend: s» machte er iminer glänzende Figur. In seinem Betragen konnte er je nach den Umständen den Schriftsteller oder den Kavalier herauskehren, wie sein Laildsniann und Freund Julius Rudenberg Hervorgehoben hat. Betonte er den Kavalier, so >»ar er sern und unnahbar und dann erschien er als stolz und hochmütig. Aber seinen alten Freunden gegenüber ivar und blicü ec der alte Franz, ein gutartiger, herzlicher, lebeussroher Geselle, und wenn Dingelstedt wollte, so kuimte er die Menschen tatsächlich, wie man zn sagen pflegt, um den Finger wickeln. Przibrai» erzählt, daß er in seinem Vorzimmer eines Tages aus eine Primadonna stieß, die ob ihrer Launen und Ansprüche der Schrecken der Bühnenleiter war. Im Vorübergeben riet sie ihm zu: „Nein, dieser Dingelstedt! Jetzt bin ich zn ihm gekommen, um ihm die Angen anszukratzeir, und beim Weggehen konnte ich niich nicht enchalten. ihm um den Hals zu fallen."
Und es ivaren nicht nnr die Primadonnen, aiff die der Mann hinreißend wirkte Als er einmal in Tarasp, dem „Tal der Quellen und der Pize, Volkerhospiz im welschen Engadin", wie er es selbst besungen hat, zur Kur weilte, da trat er in Beziehungen zu dem preußischen Minister v. d Heydt und zn Lurius, dem späteren Lucius von Bollhausen, der bekanntlich nachher auch die Last und Ehre eines preußischen Ministeriums getragen bat, und die beide» Exzellenzen waren völlig hingeriiseu von dem Geiste und der Unterhaltung des Wiener Hoftbeaterdireklors. dessen Witz, ivie Lucius bemerkt hat, „wie Salz a»i ihrer aller im Dienste träg gewordeneit Sinn" wirkte Durch seine glänzenden Formen und seine geistvollen Unterhaltungen war Dingelstedt >» gau: hervorragendem Maße zur Wirksamkeil auf dem Boden der Gesellichait geeignet, « uiio >» Wie» hat er dafür einen besonders dankbaren Schauplatz , gesunden. Woran keiner seiner Vorgänger a ich nur i:ü Traume gedacht bat, die Hofkreise und das gewählte Publikum der Hosldeater mit den wirkenden Kunstkrä iten in direkte Verbindung zu bringen, ihm gelang es. Beide» Teilen zum Vorteil. Seine gewinnende Liebenswürdigkeit brachte es zuwege, daß Hochadel. Intelligenz und Künftlerschait sich wie gleichöerechiigt aus dein Bod.m siiülten, der sie da vereinigte. Dingelstedt verstand es ja, aus seinem Köcher manchen witzigen Pfeil zu schießen, rat es wohl auch, aber die Tvitze. war nie vergiftet. Trotzdem >ehlte es nicht an Leuten, die an seinen, zumeist ironisch gefärbten Bemerkungen Anstoß nahmen, :»:> be sonders kennzeichnend ist da der Ausgang einer Unterhaltung zwischen ihm und Laube, der Dingelstedt in München traf, wo er da
mals Intendant war. In einem eitrigen GesprMs, dessen Koste» er allem bestritt, entwickelte Laube ihm alle möglichen tween übe» Theaterleitung, Stückewahl, Rollenbesetzung usw. Dingelstedt schwieg, und schließlich sagte er nur mit seinem kühlen, Mephisto- phelischen Lächeln: „Mir scheint gar, Sie nehmen die Sache ernst " Dies Wort hat ihm Laub« nienuals veraessen. Ein anderes seine« geistreichen Epigramme ivirkt dadurch besonder« pikant, daß eS der oberste Leiter der Hofoper >»ar, der es aussprach. Er sagte einmal» „Das Konzert ist ein überflüssiges, die Oper wenigstens ein notwendiges Uebel." Es ist begreiflich. daß Dingelstedt bei dieser epigrammatischen Veranlagung ei» (ianj besonderes Talent zur Parodie hatte. Noch aus seine Frühzell stammt die von Rodenberg ans seinen, Nachlasse nütgeteilte Schilderung einer kleinstädtischen Ressource und ihres Festes, die als Parodie ans Schillers Glocke gesetzt und wohl der geistvollste Versuch unter den zahlreichen dieser Art ist. Nicht^iiinder amüsant ist das parodistische Gedicht auf de» Einzug der Spielbanken in Baden, welches schon in der Uebcrschrist einen parodistische» Ton anschläzt. Sie heißt: „Das Rädchen aus der Fremde" und beginnt also: „In einem Haus im Scbwarzwald- tale Erschien in jedem jungen Jahr Beim ersten Frühlingssonnen- strahle Ein Rädchen schön und wunderbar... Belagert ring» war seine Nähe Und alle Beutel wurde» löeit. Doch der Croupier, aus seiner Höhe Entfernte die Vertraulichkeit." Und nicht minder unterhaltsam ist das als Parodie auf die „Nadowessische Totenklage" ausgemachte Spottgedichtchen „Der letzte Zensor . „Seht, da liegt er auf dem Sofa Wagerecht liegt er da, So wie sonst, wenn er die Nova Aus Paris durchsah.
Von seiner liebenswürdigsten Seite zeigt sich Dingelstedt im Verkehr mit seinen Freunden und ivenn er von Ihnen erzählt, ktndel ec die glücklichen Töne. Wie reizend ist nicht die Schilderung jener Symposien, die er zusammen mit der von König Max am Jsarstrande angesiedesten Fremden-, Künstler- und Gelehrtenkolonie zu feiern pflegte. „Pfeufer (der Mediziner) galt nächst Liebig sür di« feinste Zunge in unserer!» Kreise, der an Wein- kennern und Knchenrichter» nicht arm war und längst hinaus über den glücklichen Urzustand des Geschmackes, da alles) was knallt, Chmilpagner heißt, alles was glimmt, Havana. Beide, Liebigl und Pfeufer standen als geborene Süddeutsch« für den Rheintvein ein, wogegen Dönniges, Sybel und ich zum Bordeaux, l'aml de l' ho IN IN e, hielten . . . Unser deutschester Meistersinger, Emanuel Geibel, trank niemals etwas anderes, als den französischesten alter Meine, Champagner. Als Spezialität in Bowle» glänzte Bischofs, der treffliche Anatom und Physiologe. Eine Waldmetster- oder Erdbeerbowle von ihn, gebraut, aus der Menterschwcia, so Zusagen: an der Quelle genossen, ringsum der heitere Kranz unserer Frauen, Töchter, Kinder, bis auf die Kleinsten hinab, die sich im Grase balgten, zu unseren Fllßen die rasch und hell dabin- sließende Isar, über uns der grüne Wald und der tiefblau« Sommerhimmel, der sich über der Münchener Hochebene bö^r und sester als irgendwo i» den deutschen Lande» z» wölben scheint, zum Schlüsse ei» Gesangsstück meiner Frau mit ihren unvergleichlichen Lecchemrillern und Nacbtigalleiikadenzen, oder ein Jmprovisationswcttstrert zwischen Geibel, Badenstedt und mir , , . v, über solche Stunden liegt ein Schimmer des höchsten Glückes."
humoristische;.
* Lebenswahr. Im Kino iverden Bilder des römischen Straßenlebens vorgejührt, darunter auch Ausnahmen von der Straße,treinigung. Man sieht zwei Straßenkehrer auf dem Cors» Vittorio Emanuele. „Sie bewegen sich >a gar nicht!" ruft das Publikum. „Allerdings, das beweist die Echtheü der Aufnahme."
* Ein sauberes ,HanS. Das Treppenhaus wird nur selten gesegt und gereinigl, trotzdem bat der Portier einen Zettel aurgehängt: „Man bittet, sich die Schuhe zu säubern." Erklärend und boshaft ergänzt ein Mieter das Plakat: „Nachdem man die Treppe herunter gekommen ist."
ksgogriph.
ieurig durchfliegt ich die Lüfte als Pmcktlein, oft Flamin«» gebärend taub« mein Haupt und solort fUlcftt' ich ins Wasser hinab,
Auflösung in nächster Nnminer.
Auslösung des Rösselsprungs in voriger Nummer»
Stört nicht den Traum der Kinder,
Wenn eine Lust ste herzt:
Ihr Wetz schmerzt sic nicht minder Als dich dai d«:„« schmerzt!
Es trägt wohl ma»ch-r Alte,
Des Herz längst »iüt mehr flammt.
In, Antlitz eine Falte,
Tie a iS der Kindheit stammt.
Leicht melk, die Pli»»', eh's Abend,
Weil achtlos du vermischt Ten Tropfen Tau, der labend Am Morgen ste ettrischt.
Redaktion: K. Neurath. — Noiationsd-uck und Verlag der Brübllchen Universttäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Qlefov


