Wribrr-Krgimrnt.

vtoman von Oskar Klaußmann.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Der Oberhüuer aus dem Arbeitsfeld des Querschlags geleitete den alten Geheimrat bis zu dem Hauptschlacht zurück, durch den die Ausfahrt zu Tage unternommen wer­den sollte. Werner aber ging mit dem Ober- und denr Fahrsteiger jetzt zu dem neuen Grubenfelde hinüber, un­unterbrochen prüfend und besichtigend. Er stieg in den Schachtbauten aus eisernen Leitern empor zu den Arbeits­stätten, die sich über den Köpfen der Arbeiter befanden, und stieg auf Strickleitern hinunter zu den Stollen, wo die Schächte nach abwärts getrieben wurden, und die Arbeiter die Stätte ihrer Arbeit unter den Füßen halten.

Nach ungefähr dreistündigem anstrengenden Herum­wandern an den wichtigsten Arbeitsstätten unter Tage suhr Werner mit den beiden Beamten wieder empor. Er war schwcißgebadet und erschöpft. Das warme Bad in der Bade­anstalt, die an das Zechenhaus angebaut war, erfrischte ihn einigermaßen. Dann erreichte er nach kurzer Wande- rung die Straßenbahn und fuhr bis zu seiner Villa. Die Wirtschafterin Frau Wols zog ein schiefes Gesicht, denn die Essenszeit war schon lauge vorüber. Werner aber nahm nur sehr wenig zu ficf); er war todmüde und mußte eine Stunde schlafen, ehe er ivieder nach dem Direktorialbnreau, des Walzwerks ging.

Hier fand sich nachmittags wiederum der Geheimrat Kerste» ein. um sich zu erkundigen, in welcher Weise Werner die Arbeiten auf JustinnS-Grube weiterzusühren gedenke.

Werner schlug verschiedene Steuerungen vor, und Kersten antwortete ihm:

Sie kennen den modernen Betrieb besser als ich. Mein Vertrauen zu Ihren Fähigkeiten und Ihrer Energie ist unbegrenzt: ebenso das der Besitzerin der Werke.* Apropos, wir haben ja Ihre Ernennung zum Bergrat noch gar nicht gefeiert. Wir können die Sache nicht stillschwei­gend vorübcrgehen lassen."

Wir wollen das nicht tun," sagte Werner,und ich bitte Sie dringend, die Sache als erledigt zu betrachten. Ich habe in der nächsten Zeit so viel zu run, daß ich mir jede Störung, selbst wenn sie auS den liebenswürdigsten Absichten entspringt, sernhalten muß."

Die Sache war nicht so schlimm," bemerkte Geheimrat Kersten:aber die Damen in Saarkirchen meinten, Ihre Ernennung sollte eigentlich durch ein größeres Diner ge­feiert werden Ich sehe es aber Ihrem Gesicht an, daß Ihnen daran nichts liegt. Also lassen >oir die Sache. Zu tun haben Sie tüchtig. Noch einnial: strengen Sie sich nicht zu sehr an. Ich werde mir aus alter Freundschaft, die ja schon von Ihrem Herrn Later herstammt und die ich aus Sie

übertragen habe, gestatten, nicht etwa Ihre Arbeit, sondern Ihre Erholung zu kontrollieren, damit Sie sich nicht kaput arbeiten, und deshalb werde ich mich wahrscheinlich mit Graf Klinter in den nächsten Tagen bei Ihnen einmal zu einem Skatabend ansagen. Sie dürfen nicht abends und bis in die Nächte hinein arbeiten. Das bringt ein Pferd um, und der Mensch hält weniger aus als ein Pferd."

Jedenfalls wird mir Ihr Besuch sehr angenehm sein, Herr Gehcimrat, obivohl Sie an meinem Skalspiel nicht viel Vergnügen haben werden. Ich bin ein miserabler Spieler."

Um so mehr iverden wir geivinnen," meinte Kersten mit eigentümlichem Lächeln und verabschiedete sich von Werner, um ihm nicht Iveiter Zeit zu nehnien.

Werner mußte eine ganz neue Zeiteinteilung für die nächste Zukunft treffen. Seine Arbeit war verdoppelt, seine Verantwortlichkeit verzehnfacht. Die Arbeiten auf der Ju- stinus-Grube erforderten unausgesetzte Kontrolle und die schärfste Aufmerksamkeit. Die neuen Projekte für die The- resien-Hütte wollte er aber auch nicht gänzlich fallen lassen. Er niußte mit seiner Zeit wirklich geizen. Um sich die nötige Bewegung zu machen, wollte er die Morgenritte beibehalten. Die Vormittagsstunden Ivollte er aber jetzt auf der Justi- nus-Grube verbringen und die Nachmittage auf der The- resien-Hütte, ivenn nicht irgendwelche wichtigen Konferenzen zu halten waren oder neue einschneidende Dispositionell von ihm persönlich gctrossen werden mußten. Inspektor Lenske hatte ja das Walzwerk und die Martinöfen monate­lang selbständig geleitet und konnte auch jetzt wieder den Betrieb führen.

Ani nächsten Tage ivoUte Werner der Verabredung gemäß ausreiten und in Klinterselde den Grafen Edmund zu einem Spazierritt abholen, bei dem die .Kiesgruben der Frau Glover besichtigt werden sollte». Spätestens um neun Uhr wollte Werner aber aus der Justinus-Grube sein, um bis zum Mittag das Bergwerk besahren zu haben.

Als er abends von seinem Bureau nach Hause kam, fand er ein dreißigpferdiges Auto vor, das von den Damen aus Saarkirchen kam und dessen Lenker sich ihm zur Ver­fügung stellte und vorlänsig in einem Teile der^ Kutscher­wohnung uutergebracht tvurde. Der inangelnde Schlaf von der Nacht vorher und die Anstrengung des Tages veran- laßten Werner, sehr zeitig sein Lager aufzusucheu, zumal er am nächsten Tage wieder früh in den Sattel steigen

Der Kutscher mußte lange au der Tür klopfen, ehe Werner am nächsten Tage erwachte. Dann machte er aber, daß er aus dem Bette kam, kleidete sich rasch an ujnd be­stieg das Pferd, das im Hose seiner harrte. Er sagte dev Wirtschafterin, er würde um achteinhalb Uhr zurück sein, tvürde dann rasch srühstücken und sich umkleiden. und uiu