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eines zwar ansgelassenen, sehr freien, aber doch nur kame­radschaftlichen Tones. So hatte sich Heinz denn auch eigent­lich ja nichts vorzuwerfen, wenn nur eben das eine nicht gewesen wäre auch die Miezi Molnar war im'mer mit Von der Partie. l

Er hatte seinem Versprechen gemäß damals seine Be­ziehungen zu ihr wirklich gelöst. Und sie hatte es als eine an sich gutmütige und vernünftige Person ihm auch nicht verdacht. Sie sah ja ein: er konnte nicht gut anders.

Eine Weile waren sie sich dann ganz aus dem Wege

S egangen. Das heißt, soweit das möglich war bei zwei Men- hen, die sich allabendlich auf der Bühne wieder trasen, treffen mußten. Aber man tat eben sein möglichstes, be­schränkte sich auf das Unerläßliche, das der Kollegen wegen nicht gut zu vermeiden war.

Dann aber hatte sie eines Abends der Zufall doch wie­der zusammcngeführt. Man traf sich mit seinen beidersei­tigen Bekannten in einem Kabarett. Ein Ausweichen war nach Lage der Dinge einfach nicht möglich und so mußte man sich denn mit der Situation abfinden. Die vorgeschrit­tene Stimmung tat das ihre, uzid so sagten sie sich denn! schließlich beide: war dies krampfhafte Sichaus-dem-Weg-i Geben bei so enger Kollegialität denn nicht eigentlich eins Unsinn? Es mußte erst recht auffallen und zu neuem Klatsch Anlaß geben. Wenn freilich auch ihre innerlich' Trennung bestehen mußte, man konnte doch ganz freundschaftlich, nur als guter Kamerad miteinander verkehren. Tamil tat man doch niemand ein Unrecht.

Und so wurde an jenem Abensd, von de» durch Zufall Vereinten aus übermütiger Künstlerlaune heraus, derVum melklub, dieBöse Sieben", gegründet.

Wohl konnte sich Heinz eines unbehaglichen Gefühls nicht erwehren, daß er so wieder mit Miezi Molnar zu- svmlmenkäim. Aber er hatte ja doch ei» gutes Gewissen. Es war nichts, wirklich nichts mehr zwischen ihm und der feschen Soubrette. Selbst dann nicht, als er sich auch ein­mal nachmittags mit ihr traf, und statt seines gewohnten Rittes eine Autosahrt mit ihr nach dem Waunsee unter­nahm. Es war doch zu langweilig, immer so allein zu sein. Er brauchte nun einmal Menschen um sich herum. Und die Molnar war ei» so lustiger Gesellschafter. Sie tat ihm direkt gut. So hatte er denn die in fröhlicher Rachtstimmuug ver­abredete Spazierfahrt wirklich ausgeführt. Die Molnar war ja obenein noch so taktvoll gewesen, eine Freundin mitzu­nehmen. Also vollkommen die Dehors gewahrt.

Freilich, als man dann ein paar Tage später die Sache wiederholte, war die Freundin verhindert. Sie mußten allein fahre». Aber es geschah auch so nichts. Absolut kame­radschaftlich war ihr Ton, jeder hätte dabei sein können.

Zwar mitunter seine Gedanken! Aber, mein Gott, war das eine so schwere Sünde? Die Molnar war doch nun einmal eine scharmante Person! Konnte er seinen Auge» Verbieten, zu sehen? Wenn er nur fest blieb und sich nie etwas amnerken ließ! Schwer war es fteilich mitunter; sie hatte so eine Art, ihn mit ihren Samtaugen still anzusehen, daß cs einem heiß dabei werden konnte.

Aber er hatte es einmal versprochen, und ec würde es auch halten Sicher, ganz gewiß! Laut, fast überlaut versicherte er es sich selber immer wieder. Darum hatte er neulich Astrids Warnung er hatte sie natürlich recht gut verstanden glatt ablehnen können und darum hatte er auch heute nachmittag die Spazierfahrt mit der Molnar ohne Bedenken wiederholt. Und er hatte sich auch heute nichts Vorzuiversen.

Das alles vergegenwärtigte sich Heinz Keßler in schnel­le» Gedankcugängen, von der Sektstimmuna getragen, wie er so übrigens >A>» doch ein bißchen müde, ein etioas toller Tag, gerade heute! i» weichsederndem Auto durch die nächtlich stillen Straßen des Westens hindurchflog, seinem Hause zu. Nein, er hatte kein schlechtes Gewissen, brauchte es nicht zu haben.

Mit diesem Ergebnis seines Nachdenkens entstieg er dem jetzt haltenden Wage», entlohnte den Chauffeur und wollte ins Haus trete». Doch da gewahrte er, zufällig hinauf­blickend, in seiner Wohnung die Fenster noch hell.

Wie denn? Doch wohl ein Irrtum. Aber nein, «es stinmite schon. Im ersten Stock, die rechte Hälfte.

Er stutzte betrossen. Ob den» Gerda etwa noch auf ihn wartete?

Das wäre allerdings fatal. Gerade heute, wo es so spät

geworden war. Und schnell schloß er auf, eilte die Trehfie

empor.

Er trat ein. Auch die Diele ganz hell, aber niemand zu sehe». Doch hing nicht hier in der Garderobe, wo er nun hastig ablegte, an dem Haken ein fremder Hut und Mantel? Er überzeugte sich. Ja, wahrhastig! Aber was hatte das zu bedeuten?

Und plötzlich von einer dumpfen Beklemmung befallen, ging er wieder nach vor» und trat in eines der Vorderzim- mer, in denen er von unten das Licht bemerkt hatte.

Richtig, auch jetzt noch alles hell, uud nun plötzlich nebenan in Gerdas Zimmer die Verbindungstür stand offen ein Laut wie ein leises Schluchzen und dann eine tröstende Mannesstimme.

Er trat über die Schwelle, aber prallte im selben Augen­blick zurück. Dort lehnte Astrid in einem Sessel, das Taschen­tuch vor de» Angen, und über sie geneigt stand ihr Manu.

Nun bemerkte auch Klaus Petersen ihn und richtete sich auf.

Ihr hier? Mitten in der Nacht?" Bestürzt kam es von Keßlers Lippen. Aber plötzlich packle es ihn.Wie seht ihr den» aus? Mein Gott was ist denn geschehen?"

Da trat der Schivager aus ihn zu, führte ihn schweigend lvieder ins Nebenzimmer und schloß die Tür hinter sich.

Fass' dich ein schweres Unglück hat dich getroffen.'"

Gerda?"

Ein Nicken, ernst und schwer.

Barmherziger!"

Keßler knickte zusammen lvie unter einem Axthiebe. Klaus Petersen mußte ihn stützen. Dann sank er auf einen Stuhl, völlig gebrochen.

So saß er, das Haupt in die .Häiche vergraben, mSC schwerem, stöhnendem Atem. Lange, bis die Tür vom Nebcn- zimmer anfging und Astrid eintrat. Da hob er langsam den Kops, aber ein völlig fremdes Gesicht sah sie an. Ein geal­terter Mann, mit fahlen, verfallenen Zügen lind nun fragte er schiversällig, lvie einer, dem der Schlag die Zunge gelähmt:

Wie ist denn das alles gekommen?"

Astrid gab die Antwort. Sie loar jetzt wieder gefaßt. Ja, etwas Hartes war in ihren Mienen, als sie nun niedcrsah auf ihn und erwiderte:

Gerda hat einen hestigen Schrecken gehabt, eine furcht­bare Aufregung."

Schneidend drang es zu ihm Es peitschte ihn wie- der auf.

Was denn nur? So sprich doch!"

Wieder ruhten Astrids Augen auf ihm: in einer erbar­mungslosen Anklage, und nun sagte sie es ihm:

Wir waren heule nachmittag auch im Grunewald. Gerda hat dich gesehen, und"

Mit weit offene» Augen starrte er sie an. Das also das! Er schuld an dem Tode seiner Frau!

Und er sprang ans. Wie ein Schrei entrang es sich ihm:

Astrid du irrst! Bei allem, was mir heilig ist, ich habe mein Wort nicht gebrochen!"

Sic blickte mitleidlos aus ihn.

Noch nicht gebrochen vielleicht aber du warst auf dem Wege dazu." «

Es durchfuhr ihn, als ob plötzlich mit grellem Licht in sein Innerstes hineingeleuchtet würde, daß er mit etnenr Male erkannte, was ihm noch selber verborgen war. Ta gab er nur eine» dumpfen Laut von sich, lind wieder brach er dann in sich zusammen, völlig verstört dastehend und vor sich hinblickend Es sah zum Erschrecken aus, wie sich seine Lippen beständig beloegte», ohne daß er doch ein Wort sprach.

Ein Mitleid stieg da in Klaus Petersen auf. Er legte ihm die Hand auf die Schulter.

Heinz Gerda hat dir verziehe». Astrid weiß es. Sie ist nicht unversöhnt von dir gegangen."

Da lies cs durch Keßlers Gestalt ein Schüttcrni a»S den Tiefen seiner Brust herauf. Er schlug die Hände vors Gesicht und ging aus dem Zimmer. Hinüber zu der Toten.

*

Am späten Nachmittag kamen, telegraphisch herbeige« rufen, die Elter» aus Ellcrstedt an.

Fassungslos sank die Mutter am Lager Gerdas in die Knie. Ausrecht »eben ihr stand Joachim von Henning.

Nur ei» Wort hörte Astrid von seinen Lippen kommenr