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Me junge Frair schüttelte müde den Kopf.
„Fahr du, Hein-, aber laß mich hier. Mr ist am wöhlsten, wenn ich hier still! liegen kann."
Seine eben noch belebte Miene zeigte starke Enttäuschung. Langsam schloß er wieder das Fenster. Dabei sagte er:
„Dann bist du gewiß auch für heute abend nicht aufgelegt. Wir hatten »ns das mal ganz nett gedacht, Frerichs und Hüttmauns —" es waren alte Bekannte von ihm •—i „mit unseren Frauen zusammen im Kaiserhof »nt Nacht zu essen, und nachher noch ein bißchen ins Kabarett zu gehen." „Nein, Heinz — sei mir nicht böse, aber ich bin wirklich
Ö imstande. Denk' an neulich — ich verderbe euch allen das Vergnügen."
Er erwiderte nichts. Mer in seinem Gesicht war genug »u lesen. Und sie konnte es ihm nicht verdenken. Fühlte sie doch nur zu gut, wie chm das kehlte. Er brauchte nun einmal solche Anregungen. Tie würoe ihm zu Gefallen ja auch mitgegangen sein, aber sie konnte wirklich nicht. Sie kämpfte mit aller Kraft an gegen dieses Versagen ihrer Nerven, aber vergeblich. Die körperliche Schlaffheit machte alle ihre Energie zuschanden. Aber sie wollte nicht, daß er so .darunter litt, und darum bat sie jetzt:
„Heinz, komm einmal her, bitte."
Er kam, aber langsam nur, immer noch Schatten auf der Stirn. Sie nahm seine Hand, als er nun bei ihr stand.
„Geh doch, jetzt und auch heute abend. Ich bitte dich! »rnMch darum. Es bedrückt mich wie eine Schuld, daß ich> so gar nicht mehr mit kann und dir bloß noch wie eine Last anhänge."
Er machte eine halbe Bewegung.
„Ja, ja — es ist so, Heinz. Ich! weiß es wohl. Und darum tu mir den Gefallen, geh du wenigstens aus dem Haus. Ich verdenke es dir ganz gewiß nicht."«
Ihr Zureden klärte seine Miene wieder auf. Er setzte sich zu ihr auf das Lager. * 1
„Wie gut du bist!"
Und er strich ihr Mer die Wangen. Rückte ihr auch die Kissen zurecht, daß sie bequemer lag.
Sie dankte ihm mit einem Lächeln. Wer in diesem stillen Lächeln lag all das Weh, das nie mehr stumm wurde in ihr. Und sie empfand auch die Tragik dieses Augenblicks. Da mühte er sich!, zart und gujt zu ihr zu sein; ober es! war eben ein Mühen. Er fühlte wohl, genau so wie sie selber, sie konnten einander nichts mehr Vortäuschen, mit «och so viel bester Absicht — was da einmal zerstört war, öS ging nicht mehr zu heilen.
„Was bas nur sein mag mit dir?" Heinz sagte es nun. Wer mehr, um nur etwas zu sprechen. „Ich werde einmal zum Doktor schicken."
„Vkein, keinen Arzt!" bat sie. Wohl hatte sie selber schon Ufanchmal gedacht, es waren da so allerlei Symptome —■ aber sie mochte nicht darMer reden. Und so fügte sie denn »u seiner Beruhigung hinzu: „Es wird schon von selber wieder werden. Laß es nur erst wieder Frühling, Sommer sein, jym Winter Hab ich manchmal, auch früher schon, solche An- Wandlungen gehabt. Mir fehlt eben die Sonne."
Die sagte es nur so hin, aber er griff es' gern auf.
„Ja, das mag es vielleicht fein. Wir hatten ja auch »inen geradezu abscheulichen Mnter. Immer grau und trübe." i :
Gerda lächelte wieder ihr stilles Lächeln und! nickte leise. Und nun drückte sie seine Hand:
„Also nutz du den ersten fchjönen Tag aus, Heinz. Fahr in den Grunewald, rasch eh' die Sonne weggeht."
Da zog er die Uhr.
„Allerdings, es lohnte sich noch —; auch zu Pferd. Wo
! »u doch nicht mitwillst, Wenn ich mir den Gaul gleich be-> telle — also, ich soll wirklich ?"
„Ja, wirklich! Telephonier' nur sofort den Tattersall an"
„Gut, io reit' ich aus!"
Er küßte ihr dankb'ar die HaUd und ging davon, mit nun wieder belebter Haltung.
Gerda blickte ihm nach'.
Reiten — wie gern hatte sie das früher auch getan! Nun war ihr selbst das gleichgültig geworden. Gab es überhaupt noch etwas, das! ihr Freude machte?
*
„Du, Klaus, kommt da. nicht Kyllburg?"
Und Astrid machte ihren Mann auf einen Offizier aufmerksam, der eben in den Nebensaal eingetreten war. Sie befanden sich in der „Traube", wo sie heute einmal nach allerlei Besorgungen in der Stadt ihr Mittagsmahl ein- nahmen.
Klaus Petersen blickte hinüber.
„Ja, du scheinst recht zu haben."
„So hol' ihn doch her! Da können wir ihn ja gleich mal fragen."
Ihr Gatte ging und kam in der Tat mit Kyllburg wieder. Wer es war etwas Befangenes in seinem Wesen, und er sagte bereits bei der Begrüßung:
„Sie müssen mich aber gleich wieder enffchnldigen, meine gnädige Frau. Ich sagte es eben schon Ihrem Herrn Gemahl, ich wollte mich eigentlich nur nach einem Bekannten umsehen, mit dem ich hier sonst zu essen pflege. Wer heut Mutz ich gleich wieder fort."
„Na, einen Moment werden Sie doch wenigstens für uns haben, nachdem Sie schon neulich so ausgertssen sind. Warten Sie nur!"
Und Astrid drohte ihm scherzend.
Kyllburg lächelte etwas gezwungen.
„Ja, ich bedarf freilich! Ihrer Nachsicht, meine gnädige Frau. Doch ich hoffe auf einen Generalpardon."
Klaus Petersen hatte dem Gast inzwischen ein Glas Wein eingeschenkt und trank ihm nun zu. Auch Astrid nippte an ihrem Römer, dann aber wandte sie sich wieder an Kyllburg: (
„Sagen Sie, ist es denn wirklich wahr? Sie wollen nach Afrika? Wir trafen vor ein paar Tagen Geheimrat Linden aus dem Kolonialamt, und der erzählte uns davon. Sie wollten hinaus."
Kyllburg bejahte. Seine Züge waren wieder ernst.
„Aber wie kommen Sie denn nur darauf? Zur Schutztruppe!"
Er ging nur auf das letzte Wort ein.
„Doch nicht zur Schutztruppe. Da hMen Sie Linden wohl nicht ganz richtig verstanden, gnädige Frau. Mein Gesuch — denn nur um ein solches handelt es ftch ja einst- weilen erst —> geht auf Uebernahmle in die Verwaltung!. Als stellbertretender Bezirkshauptmann zunächst. Doch müßte natürlich erst eine Einarbeitung beim Gouvernement vorangehen; in Dar-es-Salam vermutlich."
„Also, Sic wollen wirklich raus!" staunte Astrid und wiederholte noch einmal die Frage von vorhin. „Mer wie sind Sie denn bloß daraus gekommen?"
„Gott, meine gnädige Frau —" er zuckte die Achseln und sagte es so leicht hin—„wie das so geht. Ich habe mich im Grunde schon lange init dem Gedanken getragen So ganz im stillen. Es liegt ja schließlich auch nahe. Wer weiß, wie's einem mal glückt. Und so langsam die Ochsentour mitmachen, bis man dann glücklich beim Major und Bezirksofsizier landet — ich weiß nichitz da ziehe ich mt«! doch schließlich so was vor. Man kann da wirklich noch etwas leisten." >
„Da haben Sie so unrecht nicht," stimmte Petersen zu. „Mer, wann geht's denn nun raus?"
„Ein paar Monate wird's unter allen Umstände» wohl noch dauern. Ich habe zwar gute Empfehlungen, doch bis! das so seinen Jnstanzweg geht —"
„Ja, ja," nickte Klaus, und sie sprachen noch ein paar Worte weiter darüber. Dann erhob sich Kyllburg.
„Es tut mir leid, meine Herrschaften, aber, wie gesagt, nieine Zeit ist herum."
„Wie schade!" Astrid rief es. „Ich hätte so gern noch Näheres von Ihnen gehört. Wissen Sie was? Kommdn Sie heute nachmittag zu Mir zum Tee. Gerda ist auch da. Di» wird es ja gleichfalls riesig interessieren."
(Fortsetzung folgt.)
Die Entstehung der Mhlingsschwermut.
Ein Kapitel aus der Geschichte des deutschen Natnrgefühls.
Von Dr. Paul Landau.
Der Begriff der , Früblingsschwermut", einer melancholischen Stimmung, die im Frühmhr besonders heftig auftritt, ist der modernen Psychologie und Psychiatrie als eine nervös-pathologische Erscheinung bekannt. Jedoch nicht nur als ein fest umgrenzte» Krankheitsbild, sondern auch als ein allgemeines, dem gesunde»


