nad) ihrer Kehle. Aber diesmal riß ihn eine härtere Faust zurück: Der Sclnnied war eingctreten. Sein blgsses Gesicht sab nach der Marquise, als wolle er ihr die kianzc Schmach dieser Augenblicke abbitte». „ „
„Der Schmied," riesen die Weiber. „Der Revosuttonschlrstns!" höhnte» die Männer. Aber sie sahen dock, scheu nad, dem großen ftmgen Bursche» mit de» klugen Augen, der so surchtlos uttler ihnen stand. Ein paar Mädel lichcrtcn: „Die schöne Marguise — er liebt sic ja seit langem! Seit er ihr Reitpferd beschlagen durste, wird er rot, so oft er sie sieht. Seht nur, wie ihm wieder das Blut die Wangen steigt!"
Der Schmied wnr wirtlich rot geworden wie ein Schulknabe, deu der Lehrer beim Kirchendiebstahl ertappt. Seine Stimme zitterte vor Wut, als er jehl ries: „In der Nachbarschast sind Sol baten, ihr werdet füsiliert oder müstt de» Kokardcnhut und das Gewehr nehmen, toenn ich euch als Plünderer airzeige. Ihr habt irn Sdrlost geplündert und euch Nationalgut angeeignet!"
Die Sdrreier sdiwicgcn verblüfft und bestürzt. Sic sahen deu Schmied ein rverrig verlegen an, und als er jetzt den Arm hob und sie hinmrswieö, wagten sie keinen Widerstand. Da auch Francois und zwei andere Dlener gekommen waren, so klnvierte die Menge rasch über die Treppe davon ...
„Ich danke Euch, Bürger Schmied," sagte die Marquise und wollte ihrri die Hand reichen. Er aber griff nicht danach. „Ich habe nur im Namen der Freiheit und im Geist des neuen Frankreich gehandelt," erwiderte er. „Im Name» deä Frankreich, das Unrecht aus bcchen Seiten nicht leiden will. Diese Freiheit kennen die armen Bursdien hier »och nicht und —"
„Ich auch nicht, wollt Ihr sagen," ergänzte die Marquise, und ihre Stimme klang traurig.
„Ihr and, nicht," sagte der Schmied, „denn diese Freiheit kann erst erstehen ohne diesen Tand, der hier um Euch ist!"
„Vielleicht verstehe ich uud ehre ich diese Freiheit dod, mehr, als Ihr glaubt," sprach die Marquise leise, und um ihre Lippen zuckte ein bitteres Lächeln.
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Sie. hatte in ein seidenes Tuch Sdmmd und etwas Geld getan und ein einfaches bäuerisches Kleid angelegt. Das Haar trug sie wie ei» Landmädchcn. Dann gab sie Francois zwei Beutel mit Goldstücken. „Behalte, tvas du brauckist, und gib das übrige deinen Kameraden. Dann gebe. Frage nicht nach niir, es ist mein letzter Beseht au dich Sorge auch nicht für die Beerdigung deines Herrn. Ehe du über die Grenze bist, wirst du sehen, dast ich daran gedacht habe und aller tvohl besorgt ist. Gehe jetzt!"
Nachdem sie sid> überzeugt hatte, hast er mit den Kameraden den Weg über die Höhe ei,Eching, trat sie vom Gartcutor in de» einsaui und dunkel liegenden Park zurück. Ihr Schritt klang nu- heimlich aus den finsteren Treppe» des Schlosser. Am Bett des Tote» flackerte» „och ein paar tief herabgebranute Kerzen. Der gestirnte .Himmel stand draußen über den schwarze» Bauuiwipfeln des Parks. Die Vorhänge raschelten im Nachtwind, sratzeuhaste Schatten huschten über die Wäiche des Zimmers. Da trat sie au das Lager des Toten, der init osscncn Augen ins Flackerlichl der Kerze» starrte, und nahm den eine» Leuchter vom Kamin »ich hielt ihn an die knisternden, leichten Dainastvorhänge. Eine Flamme raschelte über das Bett . . .
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Pein, Sdtucied, der an der Flustbrücke ansterhalb de-s Dorfes wohnte, poditc cs, als die Nach! zu Ende ging. Er öffnete und sah erstaunt da» junge Weib unter seiner Türe. Dann sprach sie, und er erkannte sie an der Stimme: „Bürger Schmied, id> habe alles Inter mir niedergebrannt. Ich suche wie b» die Freiheit, die Frei- eit ohne Gewalt, die die Freiheit der Herzen ist . . Die Freiheit, die ich da obeir nie faitb und die du bei den Dorslenteu hier unten nie finden würdest. Willst d» mir den Weg z» dieser Freiheit weisen, Bürger Schmied?"
Er tvurde oerleqen, atmete tief und tonstte nicht, was er ingcit sollte.
„Wenn du nicht toillst, Bürger Schmied. so must id> allein meine Strasse gehe». Man darf mich, toenn die Sotinc ansgeht, nicht niehr hier finden. Soll ich schutzlos de» Weg in ein neues Lebet! gehen? Man hat mir gesagt, dast Ihr mich liebtet, Bürger Schmied . . ."
Da stieg es ihm Heist in die Augen und sein Blick slauimte vor Seligkeit.
„Bürgerin!" ries er und schlost sie fest in die Arme. Sic aber toeintc jetzt und krampfte ersdiöpst von de» Schrecken der Nacht ihre Hand in die seine . . .
*
Als sie die Waldhöhe über dem Dort erreicht hatten, ans dem die ersten Moraenrufc der Hähne beransschallten, zerriß eben eine mächtige Flamme das Dach des Schlosses und lohte entiesfelt über die feierlichen Baumwipfel des Parks in den Himniel. .Hand in Hand standen die beiden Flüdttlingc und blickten zurück. Wie ein flatterndes Rieseubauner der Freiheit breiteten sich die Flamnien über den Himmel und vermählten sich mit deni Frührot zu glän- zeuder Flut. Groß uud klar glühte die Sonne über die Höhe» herauf .. .
vermischte».
Ick. Der F ü u f z r g p t e n » i g b u t. Eine englische Tageszeitung, der „Daily Mirror", hat dieser Tage in ein Äespennestt gestochen, indem er in seiner Modespalte eilt paar wunderhübsche und moderne Hüte abbildete, nach Photographien -, die wie der Text sagte, nicht mehr und nicht weniger als 40 bis 80 Pfennige das Stück kosteten. Die nnmittelbarc Folge war, daß aus dem Kreisc der Leserinnen eine wahre Flut von Zuschriften über diese» Füufzigpfennighnt an die Redaktion gerichtet wurde. Für den tlnbcteiligten sind nianche dieser Briese recht ergötzlich zu lesen. Eine Dame war angeuscheinlich vollstäirdig aus dem Häuschen, als sie schrieb: „So glanben Sie das Wohlwollen Ihrer Leserinneii zu gewinnen? Mein Mann hatte kaum Ihre indiskreten Photographie» z» Gesidtt bekommen, da hielt er mir eine lauge Predigt über Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit im Hause, ja, er verlangte allen Ernstes, ich solle mir eine» solchen Fünfzig- vfcninghnt kauscn. In inizühligen Familien bat sich sicherlich das Gleiche abgespielt: so säen Sie Zwietracht zwischen Man» und Frau! Und da ich kein attderes Mittel habe, mich zu rächen, so bestelle ich vo» heute an Ihr Blatt ab!" Eine andere Frau ging nicht ganz so weit. Sie schrieb: „Angenommen, cs sei möglich (cs ist aber nicht mögliche, einen anständigen Hut sür 50 Ps. herzustellen, so wird sicb keine einzige Frau finden, die es wage« würde, sich dattlii aus ihrem hause zu begeben, wenn der Preis bekannt ist. Uebcrdics ist es vollkommen absurd, zu behaupte», dast die Hüte, deren Abbildungen sie veröffentlichen, für alle Frauen passen, sür schöne und häßliche, für magere und decke, sür blonde nnö braune. Augenscheinlich — mit diesett bitteren Worten schließt die erzürnte Leserin — wird ihre ganze Zeitturg von Männern geschrieben, einschließlich der Franenbeilagc!" Eine Menge „An- klagcbriese" sind natürlich anch ans dem Kreisc der Hntkünstlerinnen eiugegangen, und aussälligcrweisc stimmen die Hutkünstlerinnen alle darin überein, daß eine Dauie, die cttvas aus sich hielte, keinen Hut tragen könne, der nicht tvenigstens seine 20 Mk. koste! Die ganze Anitvort des englischen Blattes ans alle Briefe bestand darin, dast es in einer der nächsten Numnirrn wieder die Abbildung eines DamenhuteS brachte, der (nach männlichem Urteil» durchaus anmutig ist, dabei aber nur — 10 Pfennige kostet I
* Protest in der St rasten bah». Vater: „Willst du nicht aufstehcn, Kurt, um der Dame Platz zu machen?" — „Ach Papa, sei nicht inimer so galant auf meine Kosten!"
Sprachecke der Allgemeinen ventsche» Sprachverein».
* Der Offijicr. Der Dublee Zinrgrel lt7. Jahrh.s erzählt «ine Anekdote von cincni f»amfd)eil Beleblohat er des 17. Jahr!»., von einem foldie», »Me man jetzunder A Ir mod» Offmimr heißt.* A»S diesen Worte» ergibt stch dreierlei: einmal, dast Otfizier von Antang an nicht den Inhaber einer inilttärisciien Steltima be- zeichnete, keiner, dast die Ueöertragung und Bearissseinscl>rnnkn»g des Wortes an! Miillärvechältnisse fld> in Frankreich vollzo >. und daß der Deul!d>c cs erst von hier aus in leiner Nenbedeutung übernahm. In der Tat ist der mitleklat. oklieiarius, ans den, der Otfizier tbei uns in älterer Zeit auch Olfizirer genannt» hervorging, von Haus aus keme nillltärische Würde, sonder» allqe>neiti et» Beamter, der irqend ei» officium <d. h. Amt» im Dtensle eines weltUetien oder geistlichen Herrn, zu verwalte» halte. Erst im 17. Jahrhundert und helondeiS seil den, Drelstiqjährtqen Krieg ist der Oifizler als inililärisch« Ranghezeidinnng bei uns Heimisch ge- ivorden. Nunmehr sdiivanden alle anderen älteren Bedenlmiien de« Wortes, und heule ivürde niemand mehr sagen können ivie ErnstinqerS Reisebnch vom Ende des 16. Iahrh.: Zur Kirche klvcire-vrcmc in Bari? gehören 50 thne »Herren, 11>capestan, ohne vit andele olficler. Karne» doch >mt der Etnrichlung unserer Heere nach sranzöstschei» Atnster auch vtele andere französische Rang- beiieimmigen zu nns, ivie General, Major, Leutnant (»rsvr. — Steitveltleier», Sergeant. Deutsch hliehcn rigentttdi uurSheist, Honptmann, Rittmeister, Fähnrich, Feldivehel (äUeie Form Jeld» ivcibels und der Geirett«, d. l>. der von, Wachtdienst Bekrcile. Wie so manches anders geworden ist! Wer lieht rs de,» Grenadier heute »och an, dost ec in seiner itatteuische» Heimat von Hans a„r ein Wecker vo» Handgranaie» war? lieber kränz. grsusärer wurde er bet nn» zunächst zinn Granadirer und von da aus erst zu dem, ivas er heute ist. Mit de» Granatcn hat er nichts mehr zu tun.
_ SöhnS (Hannover'
DerStedrätjel.
Ala» suche ein Svrichwort. dessen ctnzelne Silben in solgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in .Wanderer*. Edelstein — Kaffeebohne» — Augenärzte — Kriegerverein — Reisetasche — Zundcrerz — Overnsänger — Teekanne — Bielhiiser — Geldbörse — Assessor — Handarbeit — Heinrich — Botenfrau.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Pallndroms in voriger Nnrniner:
Nebel, Leben.
Redaktion: iFeurath. — Nolatioicsdrnck und Verlag der Brühl'schen Uiilverssläts-Vnch. und Steindrnckerei, R. Lange, Gießen»


