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Schwester hatte ihm olfenbar sckon gestern eine gewisse Dis-> krction bei der Sache bedeutet. Uni seinen Mund, unter dein! furzgehaltenen englischen Bart, stand es daher auch wie ein verborgenes Lächeln. Dies stumme Einvernehmen der beiden, machte sic noch nachdenklicher. Stils beobachtend liest sie ihre Blicke von dem einen zum anderen gleiten. £>,5 die Mutter! mit ihren Mutmaßungen wohl recht hatte?
Ohne Frage fand Peterse» an Astrids srischeni, oft säst, burschikosem Wesen Gefallen. Er stand so auf einem heiteren Neckton mit ihr. Und sie ging gm» Warans ein, kokettierte auch ein wenig mit ihni, aber durchaus in den zulässigen Grenzen: eine kleine Vertraulichkeit, tvie sie eben dem znküns-, tigen Schi vag er gegenüber ivohl gestattet war.
So plänkelten die beiden denn auch jetzt beständig miteinander, aber iinmer toieder kehrte sich doch dann sein Blick mit Plötzlichem Suchen wieder ihr zu. Kein Zweifel also: noch hatte sic die Entscheidung in der Hand.
„Ich ivitl nun icicht länger stören. Meine gnädigste Frau —" und er verabschiedete sich von der Mutter, um dann Astried, der Rüchststehenden, die tzond zu reichen. „Ich hoffe doch, wir sehen uns morgen auf dem Tennisplatz?"
„Sicher!" nickte Astrid munter. „Hoffentlich sind Sic gut i» Form. Wir iniissen ja gegen Elle» Brandt und Herrn, Diester spielen."
„Und Sie werden doch auch mit von der Partie sei», mein gnädiges Fräulein?" lvandtc Peterse» sich jetzt Gerda zu.
„Ich weist noch nicht vielleicht."
Da flog ein Schatten über seine Züge. Er machte ihr eine etlvas formelle Verbeugung und ging.
Die Adulter, der die kleine Szene nickst entgangen lvar, schüttelte mit einem bekümmerten Blick auf die ältere Tochter den Kopf.
„„Gerda, Gerda!"
Aber diese antlvortetc nicht. Mit stolz erhobenem Kops ging sie aus dem Zinümer. Tie Blumen, die ihr geschenkt waren, liest sie ans dein Tisch liegen.
Auch Astrid lvar natürlich der kleine Ztvischciisall inirht unbemerkt geblieben.
„Gerda ist doch mitunter komisch", meinte sie zur Mutter hin. „Ich verstehe nicht, lvaruin sie Peterse» so geradezu vor den Kops stößt. Er ist doch ein sehr netter Mensch und so blöde verliebt in sic. Wenn ich's wäre, ich tvüjrd' mich nicht lange besinnen. Ich! (ließe mich von ihm verwöhnen iniÄ machte ihi'n dafür immer ein freundliches Gesicht. So wären lvir beide znsrieden. Aber Gerda — ich glaube, die träumt immer »och von dem Märchenpciuze» oder voic der grosten Leidenschaft, voil der sie im euer in den Romanen jo viel schwafeln. Blech! - im wirkliche» Leben kommt's nachher doch immer ganz anders."
„Red' nicht so dninincs Zeug! Wals verstehst du junges Ding davon?"
Verweisend sagte es Frau von .Henning. Aber int stillen dachte sie: Warum kann nur Gerda nicht so verständig denken tvie die Kleine? Was ein ein die Kinder doch oft sür Sorgen machen!
Aber dann lvaudte sich ihr Blick mit einem »ockdrn! lichen Ausdruck doch wieder dex Jüngsten zu. Wenn es denn durchaus nichts tverden sollte aus ihreli geheime» Wünschen, so lväre am Ende wirklich noch mit dieser Möglichkeit zu rechnen. Gerda durfte sich dann nicht beklage». Sie wollte es ja mit Gewalt nicht anders haben. Und mit neuer Hoss--> nnng umfaßte Frau von Hennings Auge die frische, anmnts-- volle Erscheinung Astrids, die jetzt damit beschäftigt war, die Orchideen, die Gerda liegen gelassen hatte, in einer Vase zu ordnen.
„Schade um die schönen Blumen!"
Und sie ging hinaus, ihnen Wasser zu geben.
Mit einem zustinimenden Kopfnicken blickte ihr Frau von Henning nach.
„Warum in aller Welt sollen >vir uns den» nicht die „Liebesheirat" ansehen?"
Astrid warf es kampslustig zu der ältesten Schwester hin, aber Edith erividerte:
„Weil es ein ganz modernes, nmnoraiisches Stück ist, in das eine Dame unserer Kreise nicht geig."
„So? Und woher tonnst du denn seine lknmoral?"
„Run, mail bat doch gerade genug in den Zeitnngen gelesen."
1 DE v jjy ■> viel zusammen."
„Aber auch Frau Brenckeu sagt es Sie Hai das Stück! ja im Winter in Berlin gesehen — in völliger Unkenntnis! seines Inhaltes natürlich."
„Natürlich! Aber >vaS dos schon sagen will So einet alte Spinal wachtet, die in Sittlichkeit nnb Temperenzkerinn» macht Bleib inir mit der vom Leibe!"
„Astrid, d» hast mitunter Ausdrücke — geradezu nnncög- tich! Mastige dich doch gefälligst."
„Na, ja, tven» du mir mit solchem Mumpitz konnnst! Aber vor allem — wenn das Stück wirtlich so schlimm lväre, tvürde es dann überhaupt hier bei uns ausgesührt iverdcn? Am Hoftheater?"
„Nun, du iveistt dock, Prinzeß. Juliane hat eben in dieser Beziehung etlvas extravagante Neigungen. Sozusagen einen! literarischen —"
„Fimmel!"
„Sie schreibt selber und ist daher ungewöhnlich weil-, herzig und nachsichtig gegen alles, trms Literatur und Bühn« heißt."
„Gott sei Dank, ja. Denn sonst würden wir hier int! lieben Ellerstedt wohl überhaicpt nichts von moderne!« Stücke» zci sehen kriegen."
„Da kann ich Astrid nur recht geben," liest sich nun auch! Gerda hören, „lind darum tverde ich mir auch ruhig die „Liebesheirat" ansehen. Du braiicbst dich im übrigen Mich gar nicht deswegen auszurcgen, Edith. Es gehen noch eine ganze Reihe anderer T-amen hin, auch vom Regiment. Und! wir haben uns gerade genug geöder in diese» letzten Wochen. Ich null endlich mal wieder wissen, dass ich ein Mensch bin."
„Bravo!" pflichtete die Jüngste bei. „Und überhaupt, der .Heinz Keßler soll ja i» den, Schick so grostarlig sein, als Baron Jrieniar - seine Glanzrolle."
„Ob gerade das Mitwirken dieses Herrn de» Besuch des Theaters passender sür cc'.ch macht, dos weiß ich wirklich! nicht."
„Wieso denn nun das schon wieder?"
„Run, Frau Brenckeu erzählte doch, daß er in Berlin stadtbekannt, um nicht zu sogen verrufen ist durch sein« Extravaganzen. Er soll ja zwar ein glänzender Schmrspieler sein, ober eben völlig unmöglich in seinem Privatleben. Und nainenllich seine Abenteuer mit Frauen. Es soll doch scheu, verschiedene Skandalgeschlchten gegeben haben in den bestell Kreisen, seinetwegen."
„Klatsch!"
Aeglvcrfend sagte es Astrid, und Gerda inenitc im
gleichen Ton:
„Was gehl luis das Privatleben des Mannes an? Uns interessiert er doch nur als Schauspieler. Und lvenii er da Hervorragendes leistet, ist mir alles übrige höchst «gleich, gültig." ' ‘
„Da seid ihr mir nnverständlich," beharrte Edith „Wenn: ich so einen Schauspieler als Vertreter einer Idealfigur auf der Bühne sehe, mit großen, edlen Worten, und weist, er ist in Wirklichkeit eine ganz niedrige Ralur danlc wird >niv doch von vornherein jede Illusion zerstört. Rein, ich verst lange vom Künstler, daß er auch als Mensch nickt klein ist."
„Na, lvenii die Leute alle so dächten wie du, könnten! die Theater man getrost die Bude zumache»," erklärte Astrid, und Gerda cntschred:
„Jeder nach seiner Fasson. Wir zwingen dick so nicht, dir das Stück anznjehen, aber lost uns auch unser Vergnüge».
Ich «ehe l"
(Foeljrtzuug folgt.)
Die Marqtllse von Zalingrv.
Eilic Erzählung von ?llsrcd Möller- Graz.
„Ter Arzt must morgen loieder koinucen. Ich will ihn lrtth anc Morgen teieder hier haben, diese Rächte mit einem wider- speiisligen Herzen in der Brlist sind imauSsteblicl»." Tic Stimme Nang kohl »lld verärgert aus einem Veit, ilbrr dem jich ein Riesciibakbachin aus roter Seite bauschte.
Tic Marquiic von Salingre halte aut dem A1ta>r qeücmdc». Mit ihrer schtautc» Puvpengeuatl, in einer Robe aus mhfwmt« Seide viit dem junge» rosigen Getickt »iltcr der lwbeu »rnisten Puderirisur sab iie aus tvie die Tochter des Mamas, der eben gesprochen. Sie trat aus deui vollen roten Licht der stnteudeu Scplembersonne in das Ziuimer, ü> dein die goldenen Schnörkel und Rahmen aus den Tomasttapetcu im scheidenden Licht des, Tages funkelte».
„Ter Arzt will illlö überhaupt nicht mehr auituchen. Am tvenigsten bei Tage", sagte die Marquise. „Er fürchtet, hast eK


