Mkizierstöchtrr

Roman von Panl Grabei in (Nachdruck verboten.)

Noch im Hauskleid? Willst dich also richtig mal tvieder einkapseln?"

Kopfschüttelnd blieb Gerda in Henning auf der Schwelle stehen und sah auf die ältere Schwester am Schreibtisch. Sie selbst war schon fertig zur Ausfahrt, im weihen, schicken Leinenkostüm, und streifte nur noch die laugen Seidenhand­schuhe über. Mit einem Ton des Mchtverstehens fuhr sie dann fort, zu Edith geivendet:

Warum machst du nur heute nicht mit? Wo wir doch so ganz im kleinen Kreis sind!"

Aber nur junge Leute, bis auf Mama und Frau Bren- cken Und du weißt doch, Achim hat es nicht gern."

Ein Laut des Widerspruchs.

,Mcherlich! Dein Verlobter kann nicht verlangen, daß du dich ihm zuliebe begrübst!"

Ediths Gesicht mit seinem seinen, aber schon etwas welken Reiz behielt seinen ernsten Ausdruck. Sie sah so um vieles älter aus, als es ihren fünfundzwanzig Jahren ent­sprach.

Er verlangt es ja auch nicht," antwortete sie.Ich ziehe mich eben aus freien Stücken zurück es liegt mir auch gar nichts Besonderes daran; so zum Beispiel heut' an eurer Ausfahrt."

Na ja da hast du ja am Ende recht. Sehr aufregend lvird die Chose nicht gerade werden. Wieder mal so ein rich­tiger Kommiß-Pekko; wenn er zwar diesmal auch sehr ver­lockendWaldpicknick mit Bowle" firmiert."

Und mit einem halben Seufzer trat Gerda v. Henning ans Fenster.

Tier Krüinper ist schon vorgefahren," stellte sie fest. Die beiden Rappen ' die Rammsnase uud die steifbeinige ,)Wlalküre". Die alten Krippe ns« her könnten wirklich näch­stens auch mal ausrangicrt werden."

Edith blickte von ihrem Schreibtisch auf zu der Schlvester hin, auf deren schönem ^Antlitz jetzt ein lei,er Unmut lag.

Run, vielleicht unterhältst du dich doch noch besser ais du denkst - Klaus Peterscu fährt ja auch mit."

Und sie beobachtete mit einer gelvissen Erwartung die Mienen Gerdas. Aber dort belvegte sich nichts.

Petersen du lieber Gott!"

(Kaum ein Ach>elzuaen begleitete die Antwort.

Indessen verharrte Edith bei ihrem Gedanken mit der ihr eigenen leisen Hartnäckigkeit.

Ich finde ihn im Grunde sehr nett. Ein Mensch von unbedingt ehrenwertem Charakter und tadellosen Manieren."

,ßba also! Warum hast du da nicht lieber ihn genom- nien als deinen Achim? Da hättest du schon längst heiraten können und brauchtest nicht zu ivarten, bis ihr mal glücklich

Hauptmann erster Klasse seid. Frau Holzhändler en groS Petersen es hätte sich auch gar nicht schlecht gemacht."

,/Gerda!"

' Stark verweisend klang es zu der Spötterin hin, die ilvch immer nach der Straße hinuntersah. Nun aber wandte sie sich der anderen zu.

Na ja lvarum nicht? Wo dir doch Petersen an­scheinend so sehr liegt. Es wäre vielleicht zehnmal vernünf­tiger gewesen als dieser ewige Brautstand und nachher der Hausstand ohne Zuschuß zu wenig um zu leben, und zu viel um zu sterben eine Misere, doch gar nicht abzusehen."

Du erwartest wohl nicht, daß ich dir im Ernst darauf erividere. Nur das möchte ich dir noch sagen: dein Hochmut gegenüber Herrn Petersen ist sehr ungerecht und vielleicht sehr unklug von dir!" ,

Gerda überhörte den Nachsatz.

Hochmut?" Sie blieb vor der Schlvester am Schreib­tisch stehen. Nun selber ernster.Da verkennst du die Situa­tion doch. An dein Holzhändler stoße ich mich durchaus nicht. Was einer ist, danach frag' ich gar nichts. Meinetwegen auch Tran oder Heringe cn gros taute meme! Nur auf beit Menschen kommt's mir au Und da versagt der gute Petersen eben wenigstens nach meinem Geschmack. Gelvtß, ein ganz netter Mensch gern zugegeben aber doch auch nicht mehr. Und das ist ein bißchen wenig, sind' ich. Und da ihr allesamt es trotzdem offenbar für eure heilige Pflicht haltet, mich immer wieder auf ihn, sozusagen als meinen letzten Rettungsanler zu stoßen darum wehr' ich mich endlich mal meiner Haut. Also laßt mich gefälligst nun hübsch in Ruh'! Hört ihr?"

Mit einem Lächeln schüttelte sie scherzend die Schwester bei den Schultern. Ihr Blick streifte daher unwillkürlich den Briefbogen auf dem Schreibtisch.

Du schreibst an Achim? Natürlich!"

Edith nickte nur schweigend.

Na, da wird dir d-ie Zeit ja auch nicht lang werden. Grüß' den Herrn Schwager schönstens wenn du noch so viel Platz übrig behalten solltest."

Gerda! Schnell, schnell es geht los!"

Eine helle Stiinme rief es durch das Haus; Astrid, die jüngste der Schlvester».

Komm' ja schon!" gab Gerda zurück. Dann noch ein Hinwinken zum Schreibtisch.Also addio, viel Vergnügen im brieflichen Tete-a-tete!" Und sie huschte hinaus.

Aber drunten im Hausflur gab es doch noch einen Aufenthalt. An der offenen Tür seines Arbeitszimmers stand die mächtige, breitschultrige Gestalt des Oberstleutnants von Henning, der dem Ausbruch seiner Damen Zusatz. Neben ihm «in jüngerer Herr, Leutnant Kyllburg, sein Adjutant. Re­spektvoll und doch mit der gewissen Vertraulichkeit eines guten Freundes des Hauses Kyllburg kannte Gerda schon rm halblangen Backfischröckchen verneigte sich dieser vor der Tochter seines Chefs, >Aie sie jetzt eilig die Treppe her-