deren polnischen Provinzen. Dasikr wird hier ein starkes, trotz seiner geringen Kröß« doch sehr ausdauerndes Pferd gezüchtet, und auch an Hornvieh und Schweinen ist kein Mangel, wie sich in den dichte» Wäldern noch viel Wild aushält. Bis L o witsch dehnen sich die sumpfigen Wald gebiete auf beiden Usern. Als ehemalige Hauptstadt eines selbständigen Fürstentums hak dieser setzt von den Deutschen besetzte Ort heute noch prächtige Kirrt »eu, ein früher dem Erzbischof von Gnesen dienendes Residenzschtoß. sowie alle Klöster der Dominikaner und Bernhardiner als Zeichen seiner einstigen Größe aufzuweisrn. Im Jahre 1795 ging dos Fürste,rtum in den Besitz des russischen Staates über: 1807 schenkte Napoleon es dem Herzog Davoust, woraus es nach dem Verfall der napolconischen Herrschaft Domäne der russischen Krone nmrd«. Während des poltrischeit Aufstandes vom Jahre 1831. war Lowitsch ‘ein heiß umstrittener Punkt: die Polen hatten den ivichtigcn lieber- igangspunkt über die Bzura ohne Bvfestigwigen gelassen und muß- ten ihn nach tapferem Widerstand den Russen aUSliescrn, die ihrerseits die Stadt stark befestigten, große Magazine anlegtcn und alle Angrissc des Gegners erfolgreich abwehrtcn. Bei Lowitsch mündet das Flüßchen Skierniewka, an dessen Usern die 1454 erbaute Stadt Skierniewice liegt. Sie war Eigentum der Erzbischöfe von Gnesen, die hier einen Palast besaßen nnd in den Wäldern der Bzura häufig auf Elentiere und Auerochsen jagten. Von S o ch a - czew aus ist die Bzura den ganzen Sommer hindurch ins zur Weichsel schiffbar. Auf schneller, an die Elbsahrt bei Äusig erinnernder Talfahrt erreicht man die stcilabfallcnden User der Weichsel. Ein Dutzend grauer Schiffsmühlen, eine alte Kirckre mit kleinem Turm und ein kleines weißes Rathaus mit flachem Dach, um beide, herum niedrige, wenig einladende Häuser und am Landungsplätze ein buntes Gewimmel jüdischer Händler, das ist dats Bild von, Wyszogrod, dem der Bzalramündung gegeiiüberliegenden Hasen.
Der 5<. Genossenschaftstag.
A Darmstadt, 20. Dez.
Der Vorstand der hessischen landwirtschaftlichen »Genossenschaften hielt am Samstag mittag im Kaisersaal tzu Darmstadt seinen 51. Berbandstag ab, der von den Genossenschaften aus allen drei Provinzen stark besucht war. Verbandsprä- sidcnt Oeko-nomierat Walter begrüßte die Versammlung, die in Deutschlands schwerster Zeit stattsinde, um über die wirtschastlick-cn Verhältnisse Hessens zu beraten und hoffte, daß die von so ge- gvaltiIen Erfolgen gekrönte deutsche Einigkeit auch im hessischen Genoiscnschaftswescn wieder Einigkeit herbeiführen werde. Der (Vorsitzende gedachte dann mit warmen Worten der inzwischen verstorbenen Vorstandsmitglieder: Oekonomicrat Jakob Schmitt I.« Guirtersblum, Oekonomierat Dr. Heidenreich, Vorsitzenden der landioirtsch. Zcntralgenossenschast und Dr. Fitting, des ersten geschästssührenden Direktors, der den Heldentod sürs Vaterland erlitt. Wie der Vorsitzende weiter mitteilt, sind zur heutigen Versammlung 176 Genossenschaften vertreten, die Versammlung ist also 'beschlußfähig. Da infolge der geplanten Abänderung der Verbands- Aatzungcn der jetzige Ausschuß zurückzutreten beabsichtigt und am ^Schluß der Sitzung eine Neuwahl sämtlicher 18 Ausschußmitglieder Ftattfindeu soll, wird aus Anregung des Vorsitzenden eine aus den iHerren G ö t t m a n n »Höchst i. O., Bürgermeister Schmidt- Echzcll und Hirsch-Alzey bestehende Vorschlagskommission ge- Ivählt.
' Der Vorsitzende gibt sodann nähere Erläuterungen zu dem ,gedruckt vorliegenden Jahresbericht für 1913. Es wird darin betont, daß das Jahr 1913 für das Hess, landw. Genossenschaftswesen ein Unglücksjahr war. Der Zusanrmenbruch des Sparund Kreditvercins Nieder-Modau, die Liauidation der Reichsgenossenschaftsbank und der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank haben einen großen Teil der Hess, landw. Genossenschaften «llifs Schwerste erschüttert. Manche Genossenschaft konnte die Erschütterung nicht aushalten, sie "mußte liquidieren: die Mehrzahl der Gensosenschaften war jedoch stark genug, sich lebensfähig Izu erhalten und ihren Mitgliedern nach wie vor die Vorteile zu gewähren, welche den Genossen von jeher geboten umrdeu. Durch 4xrs Eiirtretcn des Staates und Gctvährung des NotstLrdsdar- leheus von 1 Million und des Kredits von 2 Millionen, sowie d« Urtterstellung der ncugegründctcn Zentralkasse unter staatliche Aufsicht, kehrte das anfangs geschwundene Vertrauen zur "Genossenschaftssache langsam wieder zurück, der Geschäftsbetrieb lder einzelnen Genossenschaften hob sich wieder und es steht zu hof- ! fen, daß bei treuer Zusammenarbeit aller im Hess, landw. Genossenschaftswesen tätigen Organe die schweren Schäden im Laufe sder Zeit wieder geheilt werden. Im Berichtsjahr nmrden im .ganze 463 Verwaltungsrevisionen vorgenommen und zwar bei 283 »Spar-u. Darlehnskasseir, 122 Bezugsgenossenschaften, 16 Molkereigenossenschaften, 40 sonstigen Genossenschaften und 2 Zentral- janstalten. Durch das Rechnungs-Revisionsbureau wurden bei 479 ^Genossenschaften postenweise Revisionen der Bücher vorgenom- ,men. Die Ergebnisse dieser Berbandsrevisionen können bei der großen Mehrzahl der Genossenschaften als befriedigend bezeichnet werden. Bei einer Anzahl von Genossenschaften imißtc je- Tvch, teilweise wiederholt, leider festgestellt werden, daß altbewährte geschäftliche oder genossenschaftliche Grundsätze nicht die erforderliche Beachtung gefunden haben und infolgedessen für die betreffenden Genossenschaften allerlei Schwierigkeiten entstanden sind. Die 'Revisionsberichte sind auch mit den Begleitschreiben öfter rricht >zur Kenntnis sämtlicher Vorstands- und Aufsichtsrats-Mitglieder -gelangt. Der Mitgliederbestand betrug am Schlüsse des Geschäftsjahres 1913 607 Genossenschaften (gegen 677) am Schlüsse 1912, darunter 363 Spar- und Darlchnskassen und 157 Bezugs- genoisenschasten, 26 Molkerei- nnd 27 Wrnzergenossenschaften. Dre Gesanrrmitgliederzahl betrug 63 406.
lieber den Jahresbericht entstand eine Debatte, in (welcher B eck e r - Sprendlingen für die weitere Beibehaltung des ‘Kellerei-Inspektors eintrat und um Wcitergewährung des Beitrags von 1000 Mark dastir ersuchte. W ei d man n - Höchst i. O. weist! auf den Fehlbetrag bezüglich der Kellereikontrollc hür. Wann aber di« Winzergenossenschaften den Inspektor für nötig erachteten, so müsse der Posten auch weiterhin bewilligt werden. Becker- Sprendlingen entgegnet der Kellerei-Jnspektor sei sozusagen der Hecht im! Karpsenteich: er sei zurzeit absolut notwendig, um das Weingeschäft überhaupt im Gange zu halten. Möbus-Trebur ersucht um Aus- kunft über ein Guthaben von 40000 Nktk., das bei der L G. B erscheine. während andererseits noch eine Bankschuld von 279 000 Mk. bestehe. Ter Vorsitzende erklärt, das Guthaben fei inzwischen ab- gcschrieben und darnach die Schuld auf 239 000 Mk. vermindert worden. Direktor Mager geht auf die Frage der Revisionen näher ein und betont, man merke bei der Tnrchsrch- der Rcoistonsü berichte ost nicht, daß im Hinblick auf die schweren Zeiten die Ermahnungen gefruchtet hätten. Es scheinen manche Genossen,chaftm anzunehmen. daß sie ruhig ebenfalls sündigen könntan, weil dies! einmal auch in Darmstadt geschah. Das Anlegen des ganzen Geldes in Hypotheken könne leicht üble Folgen haben. Die jetzigen großen Gcldübcrschüssc sollten die Genossenschaften zu Rate halten, denn wenn nach dem Kriege wieder eine intensive Wirtschaft Platz griffe, würden die Mittel wie Butter an der Sonne zusammenschmelzen' Man solle überhaupt deu Blick stets auf das Ganze lenken und das Interesse der Allgemeinheit nicht außer acht lassen. (Zustimmung h
Ueber die Entlastung des Verbandsvvrstandes bezüglich der Rechnung und Bilanz für 1911 und 1912, sowie Vorlage und Bescheidung der Rechnung und Bilanz für 1913 berichtet Schröckert -Ober-Ingelheim namens der Kvmmifsion Er stellt fest, daß die Buchführung für richtig befunden wurde, jedoch dir Art derfelben bemängelt werden müsse. Di« Beanstandungen aus den Jahren 1911/12 seien im Geschäftsjahr 1913 beseitigt worden Der Redner beantragt die Entlastung für 1911, 1912 n 1913, auch des Verbandspräsidentrn und des geschästssührenden Direktors sür Geschäftsführung und Jahrrsrrchnung, die von der Versammlung einstimmig ertellt wird.
Zn einer längeren D eba tte führt darauf der Antrag der SpNv- unb Darlehnskasse e. G m. u. H. Daulenheim um Festsetzung der Jahresbeiträge der Gcnoffenfchaften wie folgt: Grundtare 20 Mk.. Zuschlag 0,12 Mk. für 1000 Mk. des Gesamtumsatzes. Minnnalbritraq 30 Mk. Die Festsetzung eines Mapimalbeitrags imtrrbleibt, jede Genossenschaft hat den ihr nach ihrem Gesamtum- latz zusallcnden Jahresbeitrag voll zu zahlen Dieser Antrag wird von Lehrer Blaß-Dantenheim kur, begründet. Weidmann-
Höchst wendet ftch gegen den Antrag und macht aisf die Berichte» denartigkeit der Gcnossenschasten ausmerksam. Man könne ost mit den kleinen mehr Arbeit l>aben, als mit den großen, nnd solche mit großem Umsatz hatten oft nur einen klekuen Getoinn. Somit wäre cs unrecht, die Beiträge nur nach dem Umsatz und ohne Höchstsatz zu bemefsen. Schmuck- Wendelsheim ist ähnlicher Ansicht und wünscht auch die Vornahme von Abschreibungen am Genossenichasts- ihausc. Direftor M a g er beleuchtet die Schwierigkeiten bei der Festfetzung der Verbandsbeiträgc nnd schlägt vor, die ganze Frage dem Vcrbandsausschuß zu überweism. Die Versammlung beschließt daraus, diese Ueberweisung mit dem Ersuchen, dem nächstjährigen Verbandstag eine Vorlage über die Regelung der Beitragsfrage zu .machen. — Ein in derselben Sache von der Spar- und Darlehnslasse St. Johann gestellter Antrag war vorher zurückgezogen worden, weil sich der Referent im Felde beftndet.
Es folgt nun die Beratung über die Abänderung der bestehenden VerbandSsntzungcn, die sich besonders auf die Bestimmungen über den Ausschluß von Gcnossenschasten usw. beziehen. Die Acnderungen werden mit Ausnahme der Ausschlußfrage einstimmig angenommen. Mit der Beratung der letzteren wurde ein Ausschuß betraut, der auch als Re- nungsprüfungskommissiou fungieren soll und auS den Mitgliedern: Bürgermeister Haller-Offenthal, Gemeinderechncr
Schröckert -Oberingclheim, Lehrer Lorbacher -Vilbel und den Stellvertretern Rechner Eckstein-Griesheim, Lehrer Edling - Flomborn und Molkereidirektor Stedten-Reichelsheim besteht.
Die Vorschlagskommission gibt darauf ihre Vorschläge sür die neuen Verbands-Ausschußwahlcn bekannl. Sic emvfiehlt die Herren: Oekonomierat Wal 1 e r-Langseld, G rün ewa l d-Babenhausen, Oekonomicrat H a nrm an n - Biebesheim, Oekonomierat Stoll-Georgenhausen, Weidmann-Höchst i. O., Ritz- Darmstadt, Bill- Ostheim, Geh. Rrg.-Rat Bichmann - Darmstadt, Bürgermeister Schmidt- Echzell, Bürgermeister Birken- st o ck - Ranstadt, Kl o e s-Vilbel, S t a n g - Schotten, Oekonomierat Keller- Svießheim, Bürgernieister Lösch- Wald-Ueloers- heim, Schmuck-Wendelsheim, Wernher -Nierstein, Beiter- St. Johann und Bürgermeister Achebach - Weinolsheim. Die Versammlung nahm dies« Vorschlagsliste einstimmig durch Zuruf an, womit die Genannten zu Mitgliedern des Verbandsausschnsses auf 6 Jahre gewählt sind. Dir Hälfte hat jeweils nach drei Jahren durch das Los auszuscheiden. Nachdem dies festgestellt, schloß der Vorsitzende mit einer kurzen Ansprache und einem dreifachen Hoch auf das Blühen und Gedeihen des hessischen Genossenschaftswesens die Versammlung, an die sich um 2 Uhr ein gemeinsames Mittagessen im Kaisersaal onschloß.
Verlustliste.
Rcscrve-Jnfantcric-Rcgimcnt Nr. 222, Gießen.
MeSnil, FromelleS und la Boutillerie vom 31. 10. bis 14. 11. 14.
1. Kompagnie: Mnsk. Otto Habermehl aus Wallenrod, tot. — Musk. Friede. Ostheim a»S Echzell low. — Musk. Fritz Bommann aus Falkengesäß low. — Musketier Karl Glenz aus Lich low.
2. Kompagnie: Offiz.-EIellv. Karl Stein aus Bayern schvw. — Musk. Karl Schäfer aus Gleiberg low. — Musk. Karl Rybka aus Gleiwitz low. — Musk. Ernst Koller aus Wetzlar low.
— Musk. Karl Hain ans Jrobnhaufe» low. — Musk. Andreas Thlerer ans Giengen low. — Musk. Wilhelm Tönile au? Mosingcu Ichvw. — Gelr. Wilhelm Lich ans Oberndort tot. — MuSk. Heinr. Schilling ans Hainchen low. — 'Musk. Iohs. Wallbott aus Kraftsolms ichvw, — Musk. Ernst Hirschhorn aus Wetzlar low. — Musk. Hermann Hirt aus Leipzig low. — Musk. Johs. Jakob aus Vilbel low. — Gelr. Adots Wieder aus Garbenheim low. — Gesr. Theodor Zimmer aus Lich low. — Gesr. Bruno Radecke aus Rettert low. — Gesr. Allred Ruvpcl aus Paschwitz low. — Gesr. Friedrich Schneider aus Orleshausen low.
3. Kompagnie: Musk. Hch, Herzberger aus Lauter low.
4. Kompagnie: Musk. Georg Seyfried ausKl.-Karben tot.
— Mnsk. Friedrich Schmitt aus Aplar lviv. — Musk. Karl Feußer aus Gießen low.
9. Kompagnie! Ers.-Res. Ernst Eberhardt aus Leipzig tot.
— KriegSsreiw. Rud. Hofmann auS Wallertheim lviv.
10. Kompagnie: Feldw. Jakob Philipp Mrmz ans Wochenheim lvw. — Musk. Fridolin Fetter aus Sängern tot.
11. Kompagnie; KriegSireiw. Karl Galli aus Biebrich schvw. — 'Musk. Gust. Grün aus Lißburg lvw. — M»Sk. Ewald Schulz aus Berlin schvw. — Krtegsireiw. Wllbelm Stoiber auS Wehen lvw. — Ersatz-Res. Adam Römer aus Klem-Echmal- bach tot.
12. Kompagnie: Offiz.-Stellv. Rudolf Wichmann aus Obergebra lvw. — Uffz. Daniel Jayme aus Rolabaeb lvw. — Ers.°Re!. Leo Eckert aus Mondield lvw. — Gcfr. Johann Brückl aus Simpering lvw. — Kricgssreiw. Alois Mundschenk aus Laubenheim lvw. — KriegSireiw. Ernst Müller aus Laubenheim tot. — Ers.-Res. Peter Neuman» aus Worms lvw. — KriegSsreiw. Fritz Böttger auS Biebrich lvw. — KriegSsreiw. Albert Eby aus Mainz lvw. — KriegSsreiw. Valentin Gerhard auS Hühnlein lvw. — Ers.-Res. Georg Frledmann auS Worfelden lvw.
Au» Stadt und Cattdw
Gießen, 21. Dezember 1914.
Auf dem Felde der Ehre gefallen.
(Aus Hessen und den Nachbargebieten.)
Felwebel-Leut. Ehr. Seidel, Aug.-Garde-Rat. 4, aus Breidensteln. — Kriegstreiw. Robert Rumps, Ref.-Jagerbat. 24, aus Marburg. — Ersatz-Res. Ph. K a s s e n b e r g e r, Jns.-Rgt. 98, aus Orleshausen. — Geireiter Friedr. Weber, Landw.-Jns.- Rgt. 40, aus Ossenbach a. M. — Osf.-Etellv. Wilh. Kurz, Jns.- Rgt. 80, aus Hanau. — Landwehrm. Wilh. Mack, Landw.-Erf.- Bat. 41, aus Nauborn. — Unteroff. der Res. Hermann Gramer, Res.-Jns.-Rgt. 221, aus Ossenbach a. M.
** Heilstättenverein für das Großiherzvg- tum Hessen. Am 17. dieses Monats fand im Sitzungssaal der Landesversicherungsanstalt in Darrnfdadt die ordentliche Mitgliederversammlung statt, die ttotz der Kriegszeit aus allen Teilen des Hesfenlarkdes besucht ivar. Der Vorsitzende Geheimer Regierrrngjsvai Dr. Dietz begrüßte die Versammlung und erstattete den Geschäftsbericht für 1313. Die beiden Bereinsheilstätten, die Eleo- noren-Heilstätte für weibkiche Lungenkranke und die neu in 1913 in Betrieb genommene Luply-Heilstätte zu Gießen waren stets gut besetzt, letztere mußte schon im ersten Jahre ihres Bestehens erweitert werden, um nur einigermaßen den überaus zahlreichen Aufnahurggesuchen Lupitskoanker genügen zu können. Bei den Sanierungsmaßregeln in Heubach, die mit kräftiger Unterstützung der Landesversicherungsanstalt Ende 1912 in Angriff genommen wurden, konnten in 1913 schon erfreuliche Ergebnisse verzeichnet werden. Es wurde weiter ein Kindergarten eingerichtet nnd eine besondere Kindergärtnerin bestellt, auf dem Spielplatz ein Kinderfreibad eingerichtet. Abzüglich der von verschiedenen Seiten gewährten Beihilfen hat der Verein für Heubach in 1913 etwa 3700 Mk. ausgewandt. Die von ihm in Heubach geschaffene Einrichtung für Warmbäder wird nicht imr von den Schulkindern, sondern auch von Erwachsenen fleißig benutzt. In den Kinderheilstatwnen Hirschhorn und Lampertheim wurden in 1913 zusammen 95 tuberkulöse Kinder verpflegt. — Der Rechnungsbericht schließt mit 300 250,66 Mk. Einnahmen und 294 227,05 Mk. Ausgaben ab. Unter letzteren ist als zweite Rate der Bankostcn der Lupus-Heilstätte ein Bettag von zirka 102 000 Mark ent halten. Die Baurechnung ist noch nicht abgeschlossen. Bei der Neuwahl von Ausschuß- uud Vorstandsmitgliedern wurden die satznugsmäßig Ausgelosten wiedcrgewählt.
**■ Zur Beawrung tut vroictt"»er vvb Lleves- gaben. Zahlreiche Angaben lassen erkennen, daß vielfach die Ansicht herrscht, daß Ende Dezember wieder eine Paket Woche Uattjindct. Zur Vermeidung von Enttäuschungen und unnötigen Sendungen erinnert das Stellvertretende Generalkommando daran, daß bestimmungsgemäß die nächste Paket wo che c r st a m 2 3. Januar beginnt. Das Stcltvettrttcndc Generalkommando benutzt diese Gelegenheit, um gleichzeitig bekannt zu geben, daß ihm von den im W c ft en im Felde stehendeil Trig»- pen und Behörden die Bitte zilgegangm: ist. in den nächsten Wochen keine Wollsachen und keine Eßwaren hinauszusenden, da nach Eingang der Weihnachtssenduugeu an diesen ltzegenständen überall Ueberfluß herrsch«: das einzige, was den Truppen im Westeil vorläusig fehle, seien elektrische Taschenlampen mit brauck»- baren Ersatzbatterien. Lluch durfte es sich empfehlen, im Hinblick aus eine längere Dauer des Krieges mit dem Absenden von Paketen etivas hauszuhalte:!, um die finanziellen Mittel der einzelnen Familien nicht über Gebühr anzuspaunen.
F e l d p o st s c » d u » g e n mit » n z u l ä I s i g e r A d r e s s e. Neuerdings werden öfters Feldpostbriefe, besonders Zeitungen, uuter Bricsumschlag, mit der Adresse ,A» «in beliebiges Ütcgimeul im Oslcn" oder ,Än ein Etappenlazarctt im Westen" u. a. m. nnsgel,eiert. Derartig unbestimmt adressierte Sendungen können von der Post nicht w e i t e r g e s a n d t, müssen vielmehr als unbestellbar bebandelt werden.
** Schlechte Jagdergebnisje. T-ie Hasenjagden fallen in diesem Jahre nach übereinstimmenden Mitteilungen reckst kärglich aus. Tie Sckuckd liegt nicht daran, daß augenblicklich die besten Schützen im Kriege ihres Amtes walten — unsere' alten Nimrode sind meistenteils nicht mein dienstfähig fürs Feld, — sondern an den schlechten Witterungsverhälttiijscii im Frühjahr, die den jungen Hasen oerderblick- wurden. Bei 'den Treibjagden ivird jetzt kaum ein Drittel des bisl-ettgen Ergebnissts zur Strecke gebracht. Die Folge dieser lläglichen Refullate sind die recht hohen Hajenpreise. Mancher wird darum aus seinen gewohnten Weihnackstshasenlnaten verzichten müssen.
Kreis Lautcrbach.
A Herb stein, 19. Dez,. Zur Gewiirnrmg von Eisenerzen in den reichlstllttgen Erzlagern des nördlichen Bogelsbcrges hat die Firma Hrch. Wilh. C l o o s nnd Wlh. M o l l zu Nidda in diesem Jahre für ein Gelände von: 15 091 814 Quadrattnetern das Bergwerkseigentum^ erworben. Die Eisenerzlager erstrecken sich über die Gemcc» kungen Eirgclrod, Eichenrod, Eichelhain, Hopfmaunsfeld/ Dirlammen, Maar, Heblos, Sickendorf, Reuters wid Salle*- rod int Kreise Lauterbach, und Brauerschwend und .Hörgersdorf im Kreise Msfeld.
Etarkenburg und Nheinhrssea. '
O Assolterbach, 17. Dez. Für die am II. November in Frankreich geiallencn Reservisten Adam Heckmann und Wendel Heid fand am Mittwoch abend in der Kirche eine G «dacht »Isseier statt. Tie Herren Jäger und Krämer, sowie der Geiangverein .Frohstim" sangen eindrucksvolle Lieder. Der Ortsgeistliche gedachte der geiallcnen Krieger. Bis jetzt sind a»s »»sercr Gemeinde bereits sechs Krieger gefallen, von denen fünf in der 8. Kompagnie des Reserve-Jnfanterie-Regiment» Nr. 118 standen.
i&iß - Hessen-Nassau.
m. Neustadt, 18. Dez. NackHein nun die landwirtscbastlicheir' Arbeiten ihren Slbschluß geftinben haben, bietet sich für die kleinenl Landwirte eine willlommeue Arbeitsgelegenheit als Holzhaue« in den 461 Hektar großen städttscheu Waldungen. Die Strüstve» waltung läßt zurzeit für das BetrickSjahr 1914/15 das erforderliche Holz zum Einschlag bringen, ivaS unter Anfficht des Stadt- sürsters von vierundzwanzig Holzhauern ausgefühtt wird. 'Auch in den angrenzenden ausgedehnten Staatswaldeingen und den vor> Törnbergschen Revieren hat das Holzhauen begonnen, wobei eben- falls eine größere Anzahl Leute lohnende Beschästigging finden. Tie Einnahmen der Stadt aus dem verkauften Holze betragen pro Jahr, je nach den Preisen auf dem Holzmarfte, 25 000 bis 28 000 Mark. Für Unterhaituug und Pflege des Waldes sowie Werbuilgskvsten werden jährlich 4000 bis 4500 Mark verausgabt, so daß der Stadtkasie immerhin noch eine Reineinnahme von 21 000 bis 23 500 Mark verbleibt.
h. Usingen, 18. Dez. In mehreren Gemarkungen des Kreises hat die Kornaussaat unter dem Schneckenfraß so gelitten, daß die bestellten Ofrundftücke umgepflügt werden mußten. Teilweis koumen die Accker noch mit Weizen bestellt werden, die übrigen müssm bis zuni Frühjahr brach liegen bleiben. Der Landrat hat an die von dem Mißgeschick betroffenen Landwirte die dringende Aufforderung gerickstet, die Grundstücke int Frühjahr unter allen Umständen neu zu besäen und fordert über die Befolgung der Anregung von den betreffenden Bürgermeistern einen Bericht bis zu etnem festgesetzten Termin ein.
[] Kassel, 18. Dez. In der in dieser Woche hier abgehaltenen Llusschußsitzung der Landes Versicherungsanstalt Hessen-Nassau mackite der Vorstand Mitteilung, loelchen Einfluß der K r i e g in den ersten vier Monaten auf den Geschäftsgang der Landesversicherungsanstalt gemacht lsttbe. Bereits im August seien die Einnahmen um 239 000 Mk. (also um ein Drittel) gegen das Voffahr zurückgegangen, im Septeinber habe der Rückgang 296 000 Mark bettagen und sei dann im Oftober auf 274 000 Mk. und im November aus 234 000 Mk. gefallen. Bei der BerichterstatMng über die aus Anlaß des Krieges gettoffenen Maßnahmen zeige sich, daß die Mittel der Anstalt in bedeutendem Maße zur Li n de ru n g der Kriegsnot verwendet wurden. Es soll auch in Erwägung gezogen werden, den aus dem Felde als Invaliden heinikehrendeit Bersichctten eine mehttähttge llnterslützirng in Form eurer Ev°> Höhun g der Rente zu gewähren.
Gießencr Strafkammer.
th. Gießen, 17. De».
Urteilsverkündungen.
In der am Dienstag, den 15. Dezember fottgesetzten Bor Handlung gegen den Bäckergesellen H. W. Pr. und den Taaelöhner Adolf 38., beide von Rommelhausen, erkanitte die Sttaskammer die Angeklagten wegen gemeinsam begangenen Einbrnchdiebstahls (es handelt sich um 12 Sack Weizen) ichuldig, verneinte aber, daß der Diebstahl unter Milführung von Waffen ausqesührt sei, billigte den Angeftagttn mildernde Umstände zu und erkannte aus 1 Jahr Gefängnis sür jeden der Angeklagten. — Das Urteil gegen bat Direktor M. vom Ober-Roßbacher Brunnen lauttte wegen sahr- läfsiger NalirungSmittclversälschung auf eine Geldstrafe von 5 Mk. oder hilssweise auf 1 Dag Gefängnis, sowie Tragung der Kosten des Bersahttns in allen 4 Instanzen, die das Verfahren bereits durchlaufen hat.
Ein alter Sünder.
Gegen den Mejßbinder- und Tapeziermeister Joh. T. von Bersrod wurde wegen schivcrer Sittlichkeitsversehlungen ^ unter ?lus- schluß der Oefftntlickikeit verhandelt. Nach der ösfentlichai Urteilsverkündung konnte sich der Gerichtshof nicht entschließen, dem 3ln- gellagten, einem Manne in der Mitte der 50er Jahre, mildernde Umstände zuzubilligen und hielt eine dreijährige Zuchthanssttase ftir angemessen. Wegen der an den Tag gelegten niedrigen Gesinnung wurden dem ?lngellagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahttn abgesprochen.
3 böse Gießener Buben haben sich durch dlbentaierlust vetteiten laffan, eine ganze Reihe von Straftaten auszusühren. Der 15 Jahre alte Schlosserlchrling B. und der gleichaltrige Mechanikerlehrling H. haben, wie sie vor der Strafkammer zugestehen, dreimal abends spät nach Schluß des Geschäfts sich mittels Tietnchs Eingang in einen Lade» am Wetzlarer 38eg verschafft und dort Eßwaren »nd Zigarre» usw. gestohlen. Sie haben das Diebsgut nach einer oerichlossenen Gartenhütte in der Nähe der Schönen ?lussicht gescktziift, die sie gewaltsam öffneten, um dort die Nacht über zu hause» und zu chmausen. Gelegentlich haben die beide» Burschen aus den lllarlen- liüttc auch Gartcngcrälc entwendet. Gemeinsam mit dem 12jährigen Fritz K. baben die beide» alleren Genossen im 'Bcrgwerkswald ein Arbcitorhäuschcn erbrochen uud daraus drei Bergmaiinslampen mitgchen heißen. Für die sich als Mundraub darstetteiweil Nah-


