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Ht. 298 Drittes

Erscheinl tüzllch mit Ausnahme de« Sonntags.

DieGießen« Kaattlienblittu" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, da? Areftdlatt f>r den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Dier«m»i»irttch«ftlichen s«tt tlagen" erscheinen monatlich zweimal.

Blatt Jahrgang

Gietzeim Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhejjen

Zamrtag, ^.Dezember \W

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche» UniversilälS - Buch- und Steindruckerci.

R. Lange, Gießen.

Schriitleitung, Geschästsstelle ».Druckerei: Schul- stratze 7. Geschäftsstelle u.Berlag: «-^ öI,Schrist- leitung: S-SO112. Adresse sür Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Zcarborough-whitbq-hartlepool.

Wo fisch mÄMich 3x3 tief in das Land einschneidenden Hnm- der hohe Kreidefelsen an Englands, Ostküste dehnen, ragt ans dem romantisch zerklüfteten Storni) auf einer hammerförmigen Halb­insel das von unserer Hochseeflotte beschossene Searbvrongb ins Meer hchnrus. Eine tiefe, von zwei Brücken überspannte Schlucht trennt die nördliche Altstadt von dem rmoderiren südlichen Stadt­viertel, das ebenso wie jenes über einen eigenen .Hasen verfügt. Aus eiueur hohen, meeresumbrandeten Felsen liegt inmitten der Altstadt ein altes Normannen schloß ans dem 12. Jahrhundert. Scarborough selbst dürfte freilich eine viel allere Siedelnng fern, deuten doch d« Ruinen eines im Jahre 11.98 erbauten Ziester- zienserklofters, von dem! heute nur noch die Marienkapelle er- hallcn ist, darauf hin, daß sich damals schon eine anselmliche Ortschaft uo« dieses gruppierte. Scarborvughs Ruf drang weit üta England, als 1620 im Süden der Keinen Halbinsel eisen­haltige, sehr heilkräftige Mineralquellen entdeckt wurden, die heute inmitten eines von Promenaden durchzogenen Kurparkes ent­springen. Sie machten die Stadt in kurzer Zeit zum Diodebad England-; and wenn auch heute die Quellen nicht mehr in dem Dtaße mte früher geschätzt werden, so hat sich der Ruf des Bades doch erhallen. Alljährlich strömen viele Tausende zu seinein herrlichen Strand, und der südliche Stadtteil mit den beiden Thoatrrn und einem großen Aguariuin bildet eine einzige große Badeanstalt, in der sich ein Hotel an das andere reiht und die Kohlenrnagnaien Englands ihre So m mer vi llen besitzen. So ist denn auch der südlichere Hafen in neuerer Zell der bedeutendere geworden, zumal zwei well in das Meer hinanSreichende Molen Hn vor Unwetter schützen. Doch bat er den großen Nachteil, daß er nur zurzeit der Flut von Schissen mll größerem Tief­gang ausgesucht werden kann; er dient daher vorzüglich der Küsdenschiffahrt und den Fischerflotten der Nordsee als Unter­kunft. Bon Scarborough-2üü führt eine Zahnradbahn aus die Küstenhöhen, die durch zahlreiche Hochmloove einen besonderen Reiz erhalten, so daß die Landschaft vielfach an das Bild Schott­lands erinnert. Etwa 30 Kilometer nördlich liegt ebenfalls noch in der Grafschaft Pvrkshire zu beiden ©eitert der Mim düng des Esk-Flusses Wbitbn nrll seinen engen Straßen und altertümlichen Häusern. Auch hier hat die Küste noch denselben Charakter wie bei Scarbovough. 'Das Verhältnis beider Städte .ist etwa das von Blankenberghe zu Ostende. Beides sind mo­derne Bäder, doch bevvitzugt die große englische Wcckt Scarborongh, während derjenige, der die gleichen landschaftlichen Genüsse ohne den Trubel eines Wellbades genießen will, sich nach Whitby flüchtet Dabei ist dieses die ältere Stadt. Schon 658 erbaute König Oswin von Nvrthumberia aus Dank für den Sieg über König Penda von Mereia auf einem der stellen Felsen lein Kloster, zu dessen ersten Mönchen der 'Dichter Kädmon zählte. An ihn erinnert auch eine Inschrift in der allen Marienkirche. 'Der sich buchtarttg erweiternde Flußlaus des Esk ist durck, zwei .in das Meer hinausgeschobene Molen zu einem großen Hasen umgewandelt worden, von dem die bei der Doggerbank fischende Heringsslotte alljährlich ihren Auszug nimmt Auch zahlreiche Waljiischsänger trifft man im Hasen von Whllby. So besitzt das kaum 12 000 Einwohner zählende Städtchen einen äußerst regen Verkehr und mehrere Werften, die Boote und Fischerkähne Herstellen, l-aben ihm eine beträchtliche Industrie gebracht. Ganz anderen Charakter besitzt das gleichfalls von unserer Flotte bom­bardierte Hartlepool. An der großen Trichternllmdung des Dees liegen dicht nebeneinander eine Anzahl von Hasenplätzen, von! denen die größten Stockton, das in den letzten Jahren geradezu amerikanisch emporgeschossene Middlesborough, sowie das schon im 12. Jahrhundert als Handelsstadt bedeutende Hartlepool find. Sie alle verdanken ihren Aufschwung der Ausbeuttmg des Kohlen­reviers von Durham. Die Küste ist niedrig und meilenweit liegt der Strand offen da, so daß das Land durch Kunstbauten ver­stärkt werden muß. Um den Ansturm des Meeres abzuwehren. An das alte Hartlepool. dessen Mlltwocksmärkte im 12. Jahr­hundert in ganz Nordenglcmd berühmt waren, erinnern noch die große Markthalle und die Reste der starken Mauer, mll der die Bürger ihren Reichtum schützten. Zurzeit der Hanse stand Hart- lepool in rgem Verkehr mll Deutschland, Holland und Spanien. Doch in den Kämpfen der nordenglischen Grasen verlor die Stadt ihren Reichtum und der Hasen verfiel: auch die Begünstigung durck, Königlli Elisabeth konnte den Verfall nicht aushalten. Erst die Entdeckrng der Kohlenschätze von Durham brachte neues Leben. Freilich ist dies weniger dem allen Hartlepool zugute gekommen, ÄS dem erst 1844 gegründeten West-Harttepool, das, durch große Werft- und Tvckinlageii von ihr getrennt, südivestlich der Mt- stadt liegt und heute über 70000 Eimvohner zählt. Hinter seinem 1200 Meter langen Wellenbrecher iverden Kohlen, Eisen und Maschinen geladen, währeich die ankominenden schisse Wolle, Baumwolle und deutschen Zucker bringen. Ans Pen Wersten liegeri halbfertige Fahrzeuge aller Art, und schon manche schnelle Segeljacht ist hier aus Kiel gelegt tvorden. Hohe Speicher ziehen

Neues aus Mönles Studentenzeit.

Zn Ostern 1826 hatte der Tübinger Studiosus der Gottes­gelahrtheit Eduard Mörike seine letzten Studeittenserien, und er nutzte sie zu einem Besuche im Mutterhause aus Die Mutter Mörike hatte chren Witwen,itz nach Nürtingen verlegt, und bei ihr genoß der sahn. der trotz seiner jungen Jahre im keinen stillen Dichlerherzen schon so manches starke und bedeutende Er­lebnis empfunden bette, glückliche, hellere Ferientage. Ein herr­licher Brief, den er damals an fernen Freund Harttaub gerichtet hat. gibt elll Spiegelbild von dem ruhevollen Behagen, das Mörike damals im Kreise der Seinen genoß, und nmi ist es Hanns Wolfgang Rath, der sich um die Erforschung von Mörik e- Leben auch sonst schon verdient gemacht hat, gelungen, einen zwellen köstlichen Brief Mörikes ans jenen Tagen an denselben crreund auszufinden, von dem er lln Dezemberheste dersüddeutschen Monatshefte" Mitteilung macht. Reizende Stücke liebevoller und seiner .Haus- und Mciischenlchilderung smden sich in diesem Briete. Sv berichtet er z. B. darin über einen Bestich der .Kinder des Philosophen Schelling, an dem er mll großer Verehrung hmg und dessen Schriften ihn tief beeinflußt baden:Letzthin batte, mein 'Bruderi Adolf einen für mich weit inehr Äs für chn intereisanten Besuch, die beiden Buben des Erlanger Schelling. Der ä ltere be­sonders hat so etivas, das an ein nobles Haus erinnert, und durch eine seine Freimdlichkell schimmert rin heller Verstand hin­durch. obgleich er in unserem Hause fremd, nur redete, wenn er gefragt wurde. Meine Schwester hat richtig bemerkt, daß er eut io adelig Maule Hab. Kurz, er ist schön und beide haben breite philosophische Stirnen. Ich fragte, Ivo es anging, allerlei Kleinigkeiten über ihren Herrn Vater, z. B sttdem ick, ihm den Deckel meiner Pfeife zeige:Kennen L-ie diesen?"Napo­leon'?" .Lull ihn Ihr Herr VÄer auch im Bilde?"Ja!"

Plag er chn?"Ich weiß nicht."Freuen SiWich, bis Sie Ihres Herrn Vaters Bücher lesen werden?"Ja," sagte er halblaut und lächelte etivas verlegen. Sieh, so sprechen eines großen Philosophen bluteigene Söhne. Was meinst du, werden unsere auch Arttmorien geben, die nian he im lickt zu Pa­pier bringt? Es war mir sonderbar, wie meine Mutter bei den Kindern von ihrem Papa als vom Herrn Professor sprach. Ich steckte es hrnrei meinen Lldols, er solle nkft emen Brief Schelling S

sich unter dem Schutz der Hasenbesesttgungeii an den Hasennumern dahin, und räuchere Schornsteine deuten aus eine reiche Judu stric, die vorzüglich Maschinen, Papier, Mehl und Seife herstellt.

Die Not in Serbien.

DieTimes" teilt den Brief einer serbischen Kranken­schwester mit, der ein erschütterndes Bild von der grenzen­losen Not in Serbien enthält.Ich habe fünf Kriege ge-, sehen," schreibt die Schwester,denn was ist die Geschichte Serbiens anderes pls eine Reihe von Kriegen? Aber niemals sah ich eine so plötzliche Zerstörung, ein so schreckliches Elend. Verwundete liegen überall, in den Häusern, auf den Straßen und an den Wegen, uitd wir' werden iit unserer Sorge für sie gehemmt durch den Strom von Flüchtlingen, der überall her, oon Podrinsa, Matschwa, ans der Gegend von Semendafia und Belgrad in die Städte flutet. Wir geben ihnen, was wir haben ach, wie wenig ist es! und können doch Saunt etwas von der Not lindern. Es ist herz­zerreißend, wenn man nur ein Kleidungsstück sür zwei Kinder tat und die Mutter sieht, wie sie zögert, welches der beiden zitternden Kleinen sie mit der wärmenden Hülle be­decken soll. Die Türen der Mederlagen des Roten Kreuzes sind von Bittenden belagert, die um Nahrung und Unter­kunft flehen. Wer weiß, wie stolz unser Volk ist, der wird diesen Höhepunkt der diot begreifen. Serbien ist nicht ge­wohnt, zu betteln, aber das gegenwärtige Elend ist zu schrecklich. Biele Tausende warten nun ans die von aus­wärts versprochene Hilfe. Wir alle fühlen es als unsere heilige Pflicht, die Waisen derer am Leben zu erhalten, die mit ihren Leibern den Schuchwall an der Save und Drina bildeten. Alle tun, was sie nur können, vom Metropoliten bis zum kleinsteit Schulmädchen. Viele willige Hände sind hier, aber die Hände sind fegt leer, und keiner hat mehr viel zu geben, wie gern er auch möchte. Wissen Sie, was noch schrecklicher ist, als ein mit Toten bedecktes Schlacht­feld? Es ist ein Hof, vollgestopft mit zitternden, obdachlosen Flüchtlingen, für die keine Hilfe ist . . ."

Verlustliste.

Reservc-Jnsantcrie-Regiment Nr. 116.

Wytschaete vom 11. bis 16 Ste. Marguerite am 13., Kapelerie

am 16. und 17. und Gefecht am 19. und 20. XI. 14.

I. Bataillon, Darmstadt.

1. Kompagnie: Gest. ThMdor Müller, Eppertshausen, lvlv. Res. Philipp Raab, Darmstadt, lvw. Gest. Georg Merschroth, Hahn, Darmstadt, tot. Res. Adam Grimm, Jüges­heim, Offenbach, lvw. Res. Karl Rordors, Nienburg, Bern­burg, tot. Res. Adam Bersch, Darmstadt, tot

2. Kompagnie: Gest. Hefinfich Degen, Großen-Linden, Gießen, lvw. Res. Pahxnin JÄebvrn, Aachen, lvw. Kriegs- sreiw. Bernhard Rasrng, Bremen, lvw. Res. Johann Unkel- bach, GimterSblum, Opvenheim, lvw. Res. Heinrich Hottes, Groß-Zimmern, Dieburg, lvw. Res. Wilhelm Becker, Alzey, .Hessen, lvw. Res. Adolf Frank. Beienheim, Friedberg, lvlv.

Res. August Ambros, Heinersdori i. Schl., lvw. Res. Bernhard Bittinger, Eimsheim, Oppenheim, tot

3. Kompagnie: Untevofs. d. R. Ludwig Harn, Offenbach, tot. Res. IJoseph Kilian, Heusenstamm, Offenbach, lvw. Res. Karl Hertel, Habitzheim, Dieburg, lvw. Res. Eduard Jakobs, Biebesheim, Köln, schvw. Res. Otto Wundenberg, Darmstadt, lvw. Res. Karl Kaltenschuee, Büdingen, tot. Gest. Adam Müller. Hergershausen, 'Dieburg, lvw. Gesr. d. R. August Weidmann, Niederroß.bach, lvw. Gest. Hermann Troß, Geis-Nidda, Büdingen, lvw. Res. Ernst Schwa den tau, Ba­lingen i. Württbg., lvw.

4. Kompagnie: Hauptm. Franz v. Goetze, schvw. Utssz. Otto Schnauder, Höchst t Odenw., lvw. Res. Friedrich Kie­fer, Zürich, verm. Res. Karl Paar, Ruppertsburg, Schotten, schvw. Res. .Heinrich Wolf III., Arheilgen, Darmstadt, lvw., b. d. Tr. Res. Jakob Bergmann, Bieber, Osfenbach a. M schvw. Res. Heinrich Bergsträser, Eberstadt, Darmstadt, tot.

Res. Heinrich Kehr, Treis, Gießen, tot. Res. Mich. Firnk, Seligenstadt, Osfenbach a. M lvw., b. d. Tr.

II. Bataillon, Gießen.

5. Kompagnie: Utssz. Chrisfian Hartmaim, Darmstadt, lvw. Utssz. Heinrich Bopp, Vonhausen, Büdingett, lvw. Wehrm. Heinrich Boppert, Altenburg, Alsftlch, verm. Res. Joh. Brenndel, Arnoldshcftn, Usingen, d. Uns. vert ©efr. Heinrich Lang, Orleshausen, Büdingen, schvw. Res. Jos. Johann Hauck, Walldürn, Buchen, schvw. Wehrm. Konrad August Wick, Langenhain, Friedberg, tot. Res. Adolf Ron- thaler, Langd, Gichen, tot. Gest. Karl v. Eiff, Feldkrücken,

lau die Kinder) zu lesen verschaffen, aber sie seien gewohnt, sie gleich zu zerreißen."

An einer anderen Stelle des Brieses gibt Mörike dem Freunde Bericht darüber, wie sie vor dem Krankenbette der Schwester Luise aus dem PuppentheÄer Rotkäppchen aufführten:Ey! ge­stern abend wurde endlich nach vielen Präparationen Rotkäppchen auf Adolss Theater gespielt. Luise sprach die Rolle des Kindes imd ich modulierte meine Sttmme für die übrigen. Ueberaus vertrau­lich >oar es, wie wft zugleich llr das Buch hinemsahen und die Figuren bewegend uns in die Hände arbefteten. Jene hatte ich besonders dazu gemalt, sowie einige Dekorationen, auch eine besondere Zugabe erftrnden, vvrstellend eine schöne Mondnacht, wo sieben Keine Wen an Fäden schwebend eine Bahre, worin Rot­käppchens Füße und Hände liegen sollen, auf einem fteien Platz im Walde versenkten; sie rezitierten einige Verse und meine silberne Maultrommel hat mir dabei die ersten Dienste getan. In der, ich ergötzte mich selber an dieser lustigen Leichen- seier mld die Ausmalung eines Kupferstiches, welcher eine waldige Tiroler Gegend vorstellte, hatte mir schon vorher Freude und llebuug gemacht, indem ein transparenter Mond seine Lichter auf eine Bergspitze und das Gebüsch fallen taffen mußte."

Diene Erfahrungen über die Psychosen im Kriege. Hebet seine bisherigen Beobachtungen von GeifteSerkran- kungen im Heer während des neuen Krieges spricht der Königsberger Professor E. M e y e r in einem Vortrag, den die Deutsche Modi zinische Wochenschrift veröffentlicht. Das prozentuale Verhältnis der Geisteserltaukungen von Angehörigen der Feldarmee, die vom 7. August bis 7. November 1914 in der mvchiatrischen und Nerven- Kinik der llickversllät Königsberg behandell nnrrden, trägt in Bezug auf die einzelnen Kategorien deS Heeres: 66,5 Proz. Reserve und Landwehr, nobei dll letztere stark überwiegt: 11,5 Proz. Land­sturm. 8 Proz. Ersatzreserve, 5,5 Proz. Kriegsfreiwillige, 5 Proz. Offiziere der Landwehr, Reserve nsw.; 5 Proz. aftive Ossizllre; 5 Pri^. aftive Mannschaften und Untervffizllre. Damll ist nattir- lich noch kein richfiges Bild gewormen, da die KenntrfiS der Stärke­verhältnisse dieser verschiedenen Heeresbestandteile zueinander fehlt. Die Psvchosen im strengen Sinne sind an Zahl gering; well größer ist die Zahl der Fälle bon chronischem Alkoholismus, die 16 Proz. der GejauMmt der Psychosen und Netirosen »Insassen, wozu noch

Schotten, schvw. . Wehrm. Nikolaus Köth, Tienheim, Oppen- I rim. lvw. Wehrm. Konrad Horst, Sellnrod, Schotten, lvw.

Res. Heinrich Hartmanu, Nieder Florstadt, Friedberg, lvw. 6. Kompagnie: Fahur. Karl Grorg Konrad Heintz, Hanau

a. M., lvw. Sergt. Georg Gricb, Gambach, Friedbcrg, lvw.

Er s. Res. Richard Herrmann, Offenbach a. M-., tot. ^ Di et.

Johann Kühlllig, Gundheim, Worms, lvw. Gesr. Süsri Bauer, Butzbach, Friedberg, lvw. '

Zur Siegesbotschaft

vom 17. Dezember 1914.

Die ullocken schwingen hoch vom Turm Die hehre Siegeskunde,

Und jubelnd trägt Begcistrunqssturm Sic fort von Mund zu Munde.

Die schwarz-weiß-roten Banner weh'n

Ans ireier deutscher Erde;

Die Herze» aui zum Himmel sehn:

Gott ivar mit itnscrm Schwerte.

Wenn sür die heiliasten Güter stcht Ein einia Volk zusammen,

V^äegen's tanseud Feinde nicht,

Ubd stünd' die Well in Flammen.

Karl Adols Metz.

Lingesanvt.

sFür Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Städlisches Gartenland.

Vor cttva 14 Tagen stand eure Anzeige des Oberbürgcr- ineisters in Ihrem geschätzte» Blatt, daß an der Licher Landstraße aut den Wielen neben der Ziegenzuchtanstalt durch die Stadt­verwaltung eine Anzahl von Garten varzellen angelegt werden soll, welche dann mit Wasscrzaplstellen versehen und an Liebhaber verpachte! werden sollten. Die Anmeldungen sollten bis Ankang Januar eriolgen, damit ungeiähr übersehen werden könne, ob die Anregung auch in der Bürgerschaft ans Entgegen konimen sloße.

Wie wir an zuständiqer Stelle ersuhren, >st bisher die Zahl der Reflektauten noch eine sehr kleine. Es sei daher gestattet, hier­mit die Oeffenilichkeit nochnials ganz besonders aus den oben ge­nannten Plan hinzuweisen.

Wenngleich allerdings noch gar kein Anhalt über die HRw des Mtetc-vreises der einzelnen Gärten von je ca. 3ov gm Flächen­inhalt gegeben ist, ivas wohl erwünscht gewesen wäre, so kann trotzdem nur dringend empiohlen Iverden, sich rechtzeitig eine kleine Parzelle z» mieten. Das Land ist gerade dort infolge der Niede­rung zienstich ieucht, also sür Gemüsebau besonders geeignet. Die Gärten sind ierner, wie aus den in der Bürgermeisterei, Zimmer ausliegenden Plänen zu ersehen ist, mit kleinen Hüttchen oder Lauben versehen. Es soll ierner, wie mir von zuständiger Seite mitgeteilt wurde, in der unteren, mehr schattigen Ecke (neben dem Wald) ein Kinderlvielplatz angelegt werden.

Das ganze Unternehmen der Stadtverwaltung kann nur als ein außerordentlich glückliches, dankenswertes und segensreiches angeiprochen werden. In der Kriegszcit muß jedes Slück Land nutzbringend verwandt werden, und da an guten, schön gelegenen Nutzgärten in Gießen gerade kein Ueberfiuß ist, sollie mancher Familienvater die von der Gemeinde in so an­erkennenswerter Weise gebotene Gelegenheit ergreiien, selbst Gemüse und gegebenenfalls auch einiges Obst (Johannis­beeren, Stachel teeren »sw > zu ziehen. ES kann daher nur nochmals recht eindringlich aus das Unternehmen hlngewiese« »nd Interessenten gebeten werden, sich m ö g l t ch st bald in der Bürgermeisterei «Zimmer 15) zu melden. Es sind etwa 4V bis 50 Parzellen geplant, und wer zuerst kommt, mahlt zuerst I

Es wäre sehr zu bedauern, wenn aus Mangel an Interesse sür ein so segensreiches, gemeinnütziges Unternehmen dasselbe keine Verwirklichung finden würde. In größeren Städten sind di« vor den Toren der Stadt gelegenen sogenanntenLauben" ungemein begehrt und oft dir Jahre hinaus vermietet; möchte doch auch hier in Gießen diese liir die Dolksgesundunq und Volksernährung so segensreiche Einrichtung allmählich Anerkennung finden I -ng.

Das Pädagogium Neuen Heim-Heidelberg mll kleinen Gomnasial-RealKassen und modern bewährten Ein richttingen sür körperliche und geistige Erziehung mit verkürz­ten Unterruhtssümden und Schülerheim hat in systemaüschem Klassennntereicht die gleichmäßigen Eizichüngsergebniffe wie in früheren Jahren auch im Kriegsjahr 1914 zu verzeichnen:: 1913/14 23 Prima und 011. (7. u. 8. Kl.); 50 Einjährige. Interessante Nachrichten sind im Jahresbericht und in den Prü- snngsergebnissen entha lten. _ lri /i?ss

5,5 Proz. akute alkoholische Psychosen kommen. Ganz besonders hohe Werte weisen Epilepsie und die Gruppe von Geisteskrank­heiten aui, die ans einer psychopÄhischen VeraÄagung berichen. Ein sehr erheblicher Teil der Soldaten, die schwere Psychosen zeig­ten, war nachweislich schon vor dem Kriege krmik und z. T. schon in Anstalten gewesen. Auch von den Epilepttkern hatte ein erbeb licher Teil schon früher eplleptische Anfälle gehabt. Unter den Epileptikern waren verhältnismäßig wenige, die infolge ihrer Krank­heit Konilikte irgend welcher Art im Dienst gehabt batten: in den evilevfisckten Delirien und Dämmerzuständen spulten die kriege- rischen Ereignisse keine besondere Rolle. Besonders imeresjant sind die Beobachtungen, die Prof. Meyer bei Leuten einer psychopathi-' scheu Beratilagnng gemacht hat. In dem abnorm leichten Eintreten einer Reakfion auf äußere Umstände bei diesen Kranken liegt die GesÄir von Konflikten verschiedener Att und von Selbstmordver suchen begründet.Immerhin hält eine Reche von Psychovachen den Kriegsdienst muh nieinen Beobachttmgen bislter gtll durch, ja, leistet Hervorragendes. Es scheint säst, als ob der besondere An­reiz, der in den kriegerischen Verhältnissen mit chren unbegrenzten Möglichkeiten liegt, sür manche solcher Individuen gerade eine freiere Entwicklung als in der ruhigen Friedenszeit gewährt. Den Eindrtick habe ich besotchers auch sür ein vaar Fälle von Mor­phinismus aus der Basis psychopathischer Konstittifion, denen dm Krieg wenn matt sich so ansdrücken darf bisher besonders gut bekonimen ist." Leichtere nervöse imd psychische Störungen wurden hervvrgernsen durch das Einschlagen von Granaten lli umnittel barer Nähe des Kranken ohne äußere Verletzung und durch düs lange Liegen in Schützengräben. Bei einem großen Teil der Fälle ioar auch hier eine gewisse Disposifion. z. T. schon irühere äbu liche Erkrankung nachtveisbar Die Aussichten aus Wiederherstellting sind bei diesen im Verlauf der kriegerischen Ereiginsse entstan denen Stöningen günstig.Versuche ich unsere Resultate zusam menzufassen," so schließt die Abltandlitug,so ergibt sich bisher kein Anhalt dafür, daß icktverr Psychosen chronischm Charakters infolge des Krieges Itesonders zahlreich zur Beobachtung käineu: ebensotoenig ist eine besondere Färbung derselben erkennbar. Da gegen geben unzweisrlbast die kriegerischen Ereignisse häufig den Anstoß zu akuten Psychosen auf alkoholischer und evilepkischer Basis, wirken verschlechternd auf die Epilepsie und führen ganz lu-sondeG vst vielfach bei einer «gewisseu Disposifion - zu vjnchna, ner­vösen Störungen vsyckwgener Art."