Nr. 295 Zweites Blatt M. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme bcs Soniuags,
'Tic „Si'ßener Zamilienblätter" werden dem „Anzeiger' viermal ivöcheullich bciqelegl, das ..Krcisblatt für den Kreis Sießen" zwennal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitsragen" erscheinen monatlich zweimal.
General-Anzeiger ffir Gberhejjen
Mittwoch, 16. Dezember 1914
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Schriitleitung,Geschäftsstelle ».Druckerei: Schul- straße?. Geschäftsstelle u.VerlacgL^öl.Schrist- leilung: r-^112. Adresse llir Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Zonnino und die Türkei.
Ban unterrichteter Seite wird uns geschrieben:
Ter italienische Minister des Aeußern 2 v » n i n o hat wegen des Zwischenfalles mit dem italienischen üonsul in Hodeida in der römischen Kammer einen sehr energischen Ton angeschlagen. Er hat damit dein bereits von der Regierung belundeten Willen Italiens Ausdruck gegeben, feine Stellung als europäische Großmacht während des Weltkrieges nachdrücklich gu betonen. Es ist gewiß, das; die Worte Sonninos einen starten Widerhall in der italienischen Lesfenllichteit gefunden haben. Aber nicht minder gewiß ist es, daß der Zwischenfall, der sich in der arabischen Hafenstadt am Roten Meer, wo die Mekkapilger alljährlich zu landen pflegen, bedauerlicherweise ereignet hat, eine befriedigende Lösung finden wird, ohne zu einem Konslitt zwischen Italien und der Türtei zu führen. Es handelt sich ganz offenbar um einen Mißgriff untergeordneter Gen tarmeriebeamter. An maßgebenden Stellen in Berlin zweifelt man nicht daran, daß die türkische Regierung alles tun wird, um die Angelegenheit aufzttklären, und daß sic sich bereitfinden wird, Italien eine genügende Genugtuung zu gewähren, ivenn cs sich Herausstellen sollte, daß der Zwischenfall sic erfordert. Die Türtei hat bei ihrem Eintritt in den Weltkrieg die unzweideutige Erklärung abge geben, daß sie Wert auf die Fortdauer guter Beziehungen zn Italien legt, und sic wird die Gelegenheit nicht unbenutzt lassen, die Aufrichtigkeit dieses Wunsches jetzt zu bekräftigeil.
Tie Verhandlung in der italienischen Kammer lenkt noch inehr als bisher die Aufmerksamkeit aus den gegen tvärtigen Leiter der auswärtigen Politik Italiens. Tin merkwürdiger Zusall fügt es, das; Sidney Sonnino, der heute die mit dem Orient so eng verknüpften Interessen seines Vaterlandes vertritt, in Alexandrien in Aegypten .geboren wurde. Glicht ntmbft interessant und auch in gewissen; Sinne bedeutsam ist die Tatsache, daß Sonnino als fuuger Gcsandtschastsattachä im großen Jahre 1870 der diplomatischen Vertretung Italiens am Berliner .Hofe zu ge teilt war und sogar Gelegenheit hatte, dem historischen Krönun,gsaktc Kaiser Wilhelms I. zu Versailles bei - zuwohnen. Der Tag der Gründung des neuen Deutschen Reiches tonnte nicht verfehlen, auf den jungen italienischen Diplomaten einen tiefen Eindruck zu machen, und Sonnino Tj.it sich in der Tat später oft mit Begeisterung über die er- chebeudc Größe jenes historischen Augenblicks ausgesprochen. Wenn er bereits iin Jahre 1871 die oiplomatische Karriere wieder verließ, so geschah das wohl nur, uni sich ungehinderter der Politik widmen zu kömien. ES ist bekannt, daß das bedeutendste Blatt der italienischen Hauptstadt, das Giornale dIJtalia, seit Jahren unter seiner geistigen Leitung steht. Er ivurde zum ersten Male 1880 als Abgeordneter in die italienische Depntiertenkanrnicr geivählt, wo er von Anfang au dem linden Flügel des itaiienischeu Zen-- trums angehörte. Rach sieben Jachten war er bereits Unterstaatssekretär im «chatznrinisterinm und gehörte später als gleichzeitiger Finanz- und Schatzmiirister dem Kabinett Erispi an. Zweimal ist Svirnino Kabinettschef gewesen, in den Fahren 1906 und 1909, aber seine Amtszeit war jedesmal nur von kurzer Tauer. Der Grimd hierfür mag ge- ivesen sein, daß es ihm in seinem Bestrebe», ohne Rücksicht ans die Parteien jedes Ressort mit einem fülligen Mann zn besetzen, nicht gelang, seinem Kabinett eine genügend breite parlamentarische Basis zn geben. Trotz seiner Mißerfolge als Kabrncttschef oder vielleicht gerade deshalb, hat die Mehrheit der politisch-entwickelten Kreise Italiens Sonnino ihr Vertrauen bewahrt und feine Ernenming zum Minister des Austvärligen mit Genugtuung begrüßt. Sonnino ist ein Staatsmann, der allen politischen Winkelzügen abhold ist und gewohnt ist. ans sein Ziel gerade loszngehe». Sein offener Charakter kommt auch in der Behandlung des Zwi-
va§ Standbild des Grafen Egmont und Hoorn in vrüffel.
Z«m 50. Jahrestage feiner Enthüllung: 16. Dezember Man schreibt uns: Graf Egmont ist durch Goethe für uns zu einem deutschen Helden geworden. Den deutschen Kriegern, die ;etzt in Brüssel zu den: Tovpeldeukmat emporblicken, klingt EmvnglS Name vcrtraick, wie ciircr der ihrigen. Das Denkmal wurde am 16. Dezember 1864. deni Geburtslage König Leopolds, feierlich enthüllt. Auf dem Plane vor dem Königlichen Sctiloffe, dem Rathaus gegenüber genau an der Stelle, wo die edlen Häupter der beiden Graten unter dem Beil des Henkers fielen. Tic Wohl dieses Plates batte zu langen Unterlurndtmrgen geführt, und erst mul! vielen Sitzungen, im» nachdem man die Meinung mehrerer Künstler vernommen hatte, erklärte sich endlich der Gemein de rac mit dem vorgefchlagenen Ttandvrle einverstanden.
Ter Künstler hat de» Momeill zum Ausdruck gebracht, wo die beiden Grafen zum Richtplatze schreiten. Tie geschichtlichen . Uebertieserunqcn bestätigen, daß Gras Egmont auf den:Wege zum Rütckplatz ein Taschentuch in der Hand hielt und die ih,n begegnenden alten Waffengeiährten begrüßte. Er war mit einem iedergeschmückten Hut bekleidet, trug ein Wams, von den, er sich selbst, ehr er das (Pefängnis verlassen, den Klagen abge- schuitten, wid ein Kleid von karmoisürrolen: Damast, über welches er feinen Mantel geworfen. Nach denselben Berichten weiß man, daß Gras Hoorn einen mailändischen Faltenhul in der .Hand hielt, den er hei tu; zusammendrückte. Der Gcfichtsausdruck und die ganze Halfimq' der majestätischen Gestalt verraten die unterdrückte Wstt, die den Grasen beherrscht, da man ihn „im Lohn iür die Dienste, die er seinem Baterlandc geleistet, zum Tode führt. Tic Stellung Egmonts ist rnhr.icr. enifagcndcr und lve- inger stolz aks die des Grafen Hoorn. Die (Pestalten der beiden zu einer Gruppe vereinigt darznsvellcn, ist eine kümtlerisckw Freiheit, die ein ivcnig von den geschichtlichen Tatsachen abweicht, denn Hoorn Ivurde eine Stunde später als Egmont hingerichtct. Aber die Famifienbande, ilne gemeinsamen Taten und besonders ihr Tod haben diese beiden Opfer Philipps II. in den -Ge« bauten eines ihrem 'Andenken geweihten Denkmals unzertrenni- licki gemacht. Das Denkmal, in Bronze ansgeführt, ist ein Werk des fwnzöjisälen Bildhauers Faiki».
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„hindenburgftratze".
Im „Kunst wart" schreibt Dr. ing. Paul Klopfer, du Direktor der Wciniarer Ännstgewcrbeschule:
Jedes Städtchen taust in unsern Tagen eine Straße „Hiliden burgstroße". Ja, ich lveiß fvgar eine Stadi, die will eine schau benannte Straße, sie heißt jetzt noch Südstraßc, in „Hindenburg- slraße" umtausen.
schensalles von Hodeida zum Ausdruck. Heute steht er ini siebenundsechzechzigsten Lebensjahre und dürfte als Protestant der erste italienische Minister evangelischen Glaubens sein. Tic Eindrücke, die er in seiner Jugend von der nationalen Größe des deutschen Volkes enipsing, haben sich mit den Jahren nicht verwischt, und in seiner ganzen politischen Laufbahn ist er stets von der Voraussetzung ansge- gangcn, daß das Festhalten Italiens am Dreibünde die beste Politik im Interesse seines Vaterlandes sei. Als er jetzt ans seinen verantwortungsvollen Posten berufen ivurde, konnte man mit Bestimmtheit annehmcn, daß er mit den Traditionell einer Politik, die den wirklichen Interessen des Landes entspricht, nicht brechen würde, und bestrebt sein würde, die einzige nicht in den europäischen Konflikt hinein- gczogcnc Großmacht von abenteuerlichen Unternehmungen sreizuhalten. Auch die Regelung des Zwischenfalles von Hodeida wird ihm gelingen, und gerade weil er so offene Worte in der italienischen Kammer sprach, können wir sicher sein, daß es wegen dieser Angelegenheit zu keinem Konflikt zwischen Ital ien und oer Türkei kommen wird. _
Au» gefielt
Beschaffung von Arbeitsgelegenheit durch den hessischen Staat.
rm. Tar mst adt, 15. Dez. Ter Finanzausschuß der Zweiten Kammer tagte heute unter dem Vorsitz des Abg. Tr. Osann, um die Regierungsvorlage bctr. die Bereitstellung von Mitteln zur Bcschasjung von Arbeitsgelegenheit zu beraten. Von der Regierung wohnten die drei Minister, Staatsrat Tr. Becker, sowie die Ministerialräte Hölzinger, Tr. Weber, Schlicphackc und Tr. Kratz, sowie Geh. Oberbaurat Klingclhöfcr den Verhandlungen bei. Nack; Art. t des Entwurfes sollen die unter Kap. 2 , 28 , 94, 103 und 104 des Voranschlags für 1915 verzeichnetcn Ausgaben mit zusammen 470 980 Mk. aus den Verwaltungsein- nahmcn für 1915, ev. aus Staatskredst, serner die unter Kap. 2 verzeichnetcn Ausgaben von 25100 Mk. aus den für 1915 aus den Badeanstalten Bad-Nauheim und Bad Salzhausen zu erwartenden Einnahmen und die unter Kap. 128 und 132 verzeichnetcn Ausgaben von 631 200 Mk. aus Mitteln des Staatskrcdits stüssig geinacht werden. In Artikel 2 wird die Regierung ermächtigt, zur Beschaffung der nottvendigcu Mittel, Schuldverschreibungen, Schatz- anweisungen usw. auSzipieben.
Tie Forderungen setzen sich wie folgt zusanlmen: In K a v. 2. Hosbauwesen: Herstellungen im Residcnzschloß Darmstadt 6500 Mark, Herstellungen und Ausbau des Dachstockes 5800 Mk. Für Herstellungen im Tomanialhof Mönch ho; 13 500 Mk und 16 000 Mark. Neubau au; der Forstwartei Glashütten I3 700Mk. Bersch. 58 000 Mk. In Kap. 8. Bad-Nauheim: Isolierung der Teruralleitungen, Verlegung der Pumpwerke in Bad-Nauheim 16000 Mk., Errichtung eines neuen Gradierbaues in Bad «alzhausen 9100 Mk. In Kap. 28. Zentralbauwesen: Herstellungen in Frauenklinik, der Universitätsbibliothek. Gewächshäuser im Bot. Garten. Physik a l i sch - E h e in. I n st i t u t usw. 57 050 Ml. Für die Tech». Hochschule Darnrstadt. Bot. Garten 20 500 Mk. Gymnasium zu Bensheim, Errichtung einer Dienstwohnung 10800 Mk. Für Herstellungen im Lehrerseminar zu Friedberg, Gymnasium zuBüding c n, Londgraf-Ludwig-Gymnasinm zu G i e ß e n (Zentralheizung), Landesheilanstalt Hofhcim bei Goddelau, Landesbeil- anstall Heppenheim, Landesheilanstalt Alzey, Hcbammcnlehranftalt Mainz, Alicestist b. Tarmstadt, Arbeitshaus Dieburg, zus. '224 730 Mark. In Kap. 94, Justtzwesen: Neubauten und größere Herstellungen im neuen Justizgebäude in Darmstadt 12 550M!., altes Gerichlsgcbäudc daselbst 500 Mk., Provinzialarrcsthaus Darmstadt 5100 Mk., Amtsgericht Laubach 9000 Mk., Einführung von elcllr. Beleuchtung in verschiedenen Amtsgerichten und Haftlokalen 6300 Mk., Landeszuchthaus Maricnschloß, Kirchenfenster, neue Orgel und Kläranlage 29 400 Mk., elektr. Beleuchtung im alten Gerichtsgebäude zu Gießen 8500 Mk. In Kap. 103, Finanzministerium : Elektrische Beleuchttmg im .Hauptsteueramtsgebäude in Gießen 11 100 Mk., Herstellung mn Dampsboot „Hassia" 4500 Mark, Anstrich. der Mainbrücke bei Kostheim 16 000 Mk. In Kapitel 128, Neubau eines Amtsgerichtsgebäudes in Ltienbach a. M. 15 000 Mk., Hebammenlehranstalt in Mainz 63100 Mk., Kurfürstliches Schloß in Mainz letzte Rate 51000 Mk. Kap. 132, Ber-
Warum nennt die Stadtgeineinde eine Straße, die irgendwo in irgendeinem Stadtviertel liegen kam; —- Hindcnburgftraße? Um Hindenburg zu ehren? Oder um dir Straße zu ehren!? In den Straßen wohnen Hausbesitzer, Mieter und Aftermteter, das Adreßbuch, das jedes Jahr sich ändert, weist eine Reihe von Namen miß die notwendig in keiner' Beziehung zur Straße, und somit auch in keiner Beziehung zuni Straßennamen stehen. Wenn die Straß« nicht Hindenlmrgstmße hieße, würde mau dann die Straße schwerer finden? Etwa, wemr sie Süd- oder Nordoder Ost- oder Weststraße hieße? Oder ;oürde dann der Fremde sich eher zurechtfinden, als ivemi er mich der „Hindenbiirgstraßc" suchen müßte? Oder wiirde man ettva dann Hiudcnbnrg vergessen? — Nun, da brauche ich wohl nichts weiter zu sagen. Gut. .Aber man will doch den Mirun ehren! Gestern Bismarck, heute Hindenimrg, gestern Wörth, morgen Tamrcnberg?
Nun sei einmal die Frage ertaubt: Ist solche Namengebung nicht eine recht blllige ,Art, einen Großen zu ehren? llnd eine oberflächlich-falsche dazu?
Uebertegen wir: Was bedeute; denn, ;vas bezweckt eine Straße? Eine Straße ist eine bauliche Einrichtung, sie besteht zum mindesten in einer Weg- oder Fahrbahn und ist zumeist nfit Bäumen oder Häusern eingefaßt. Sie eurbäll in ihren Wänden (Häusern) Wohnungen von Menschen, oder sie führt zu solchen. Sie ist eine technisch notwendige .Einrichtung, etwa wie eine Maschine. Unsere Großeltern haben Lokomotiven fiellich auch benannt: Ste- vdenson usw. Eine neue Zeit numerierte diese Maschinen. Nun ist erne Straße etwas mehr, wenigstens eine architektonijch und wirtschaftlich vernünftige Straße. Mannheim, das seine Straßen buchstabiert und numeriert, macht aus den Straßen rin totes Ding. Eine Straße ist also noch etwas mehr als eine Maschine. Tie kann cm KunsNorrk werden — aber mir in seltenen Fällen. Aber gerade da I>at man bis heute noch wenig Bismarck imd Nloltkesttaßen getroffen, gerade da mcht, wo nian von einem „Straßenkunstwerk" reden kömlle. Wir kennen die Linden in Berlin, die Poagersttaße in Dresden, oder Plätze n»ie den Prater in Wien, den Englischen Garten in München. — Ganz, gowz selten finden sich für große und schöne Straßen und Plätze aus .älteren Seiten Nomen von großen Männern, wie etwa bei dem berühmten Stanislousplatz in Danzig, dem Friedrichs- Platz in Kassel. Kleinere oder gar nichts sagende Straßen bekamen fiührr reinen Namen von oben her. Wo denn sonst her? Bon innen heraus. Wie ihre Besfimmung, ihr Zweck vorschricb, io etwa wie ;vir eine Nähmaschine nicht Enima- oder Jda- Mafchine nennen. So war cs fiüher. Wir haben da von alters her die 8 losterstraße, die jeder schnell fand, denn das Kloster loar weither bekannt, die Erfirrtersfiaße, die nach Erfurt führte, die Rittergasse, die längs den groben von dcr Ritterschaft be- nohntcn Giebelhäusern lies > heute schreien die Anwohner »er Rittcrgasse Zeter und Mordio und verlangen, daß wenigstens aus .der Gasse eine Straßx ganackl würde' , wir haben die
beiscrung dcr Hutweiden im Vogelsberg 200000 Mk., Umwandlung der Eichcnschälwaldungcn in .Huttveiden im Odenwald 20000 Mk., verschiedene Bacherguliernngcn der Lumda, der Nidda usw. 171000 ?Nk. Die Gcsanttfoiderung beträgt 1117 280 Mk.
In dcr Begründung ivird misgcsührt, daß aus früheren Bewilligungen noch ein ansehnlicher Beirag zur Verfügung steht, aus dem besonders dem .Handwerk und der Industrie Arbeit und Verdienst zugewiescn werden kann. Es muß indessen mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß sich das Bedürfnis nach Arbeit und Verdienst noch steigert, so daß dcr Staat auch für vermehrte Arbeitsgelegenheit wird sorgen müssen. Die vorgefchlagenen Arbeiten sind durchlvcg notwendig, zum großen Teil auch wert- schaffende und wextsteigerndc ?lusgaben. Der Ausschuß hat die An- sorderungcn einstimmig g u l g e h e i ß e m Weitere Vorlagen werden in ?lussicht gestellt.
Im Lause der 'Aussprache werden noch verschiedene Wünsche 'aut. ll. a. regt Abg. Brauer mit Rücksicht auf den Arbeits^ Mangel den Schluß der Fortbildungsschulen auf dem Lande während des jetzigen Winters an. Der Minister des Innern sagt wohlwollende Prüfung dcr Angelegenheit zu. ,
Abg. O i a n n wünscht Bereitstellung von staatlichen Schulgebäuden zu Lazarcttzweckcn in Darmstadt, da die staatlichen Schulen bisher verschont wurden.
Aus dem Reiche.
Berlin, 15. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Ter „Reichsaw» zeiger" veröffentlicht den Wortlaw einer Verordnung des Bnndcsrars von; 15. Dezember 1914 betr. Einigungs- ä m l c r , die mil dcr Ausgabe betraut werden, zwischen Mietern und Pcnnielern oder zwischen Hypothelenschuldnern und Hypothekengläubigern zu vermitteln.
Berlin, 15. Dez. <WTB. Nichtamtlich.) Tie vom evangelischen Oberkirchcnrat angeordncte, am diesjährigen Erniedanksest zur Linderung der durch den Krieg hervorgerusenen Notstände in Ostpreußen eingeleitctc Kollekte ergab allein in den älteren Provinzen Preußens die stattliche Summe von 420 000 Mark. Dcr Betrag der Sammlungen in den neueren Provinzen für den gleichen Zweck steht noch nicht sest, dars jedoch als reicher bezeichnet werden.
Aachen, 76. Dez. (WTB. Nichtamtlich? Dcr Oberbürger- merDer g;üt bckaunr: Seine c a; i p a l r i'o t; (ch e Gesinnung oekundete dcr deutsche Untertan 'Natthias Werker m Providence 65Z o r b a n; f t (f ö) dadurch, daß' er seine Militärpcnsiön von 798 Marf^sur die Zwecke der .ittiegssürsorgc her Stadt Aachen durch die Konigli'chc Regieruna m Aachen zur Bersügung stellte, mn dem Hinzufügen, daß er selber leider nicht lmitande sei, kür Deutschlands Ehre zu kämpfen.
München, 15. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Nach dem amtlichen Wahlergebnis wurden bei den gestrigen Münchener- Wahlen zum Gemein dekollcgium gewählt: Ein Kandidat der Liste der Hausbesitzer, 8 Sozialdemokraten, 6 Zentrum, 3 Kandidaten des Verbandes der liberalen Vereine und 2 Altliberale. Das Gewinn- bczw. Verlustvcrhältnis für die einzelnen Parteien ist: Liste dcr Hausbesitzer einen Sitz gewonnen, Sozialdemokraten 3 Sitze gewonnen, Zentrum ebenfalls 3 Sitze gewonnen, Liberale 6 Sitze verloren. Tie Liste der Christlich-Sozialen ist durch- gesallen.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Attikek übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Liebesgaben.
Man sollte stets nur farbige Taschentücher — graue, grünliche, bunte — unseren Soldaten ins Feld schicken, sogen. Jagdtaschentücher. Das weithin sichtbare Weiß ist, wenn kein Schnee liegt, ein außerordentlich gutes Ziel. Ein weidgerechter Jäger vermeidet schon, sein in weißes Papier eingewickcltes Frühstück aus dem Rucksack zu nehmen, wenn er Wild in der Nähe weiß. Wer durch schneelose Landschaft, durch schneclosen Wald geht, wird erkennen, wie weithin ein llcines Stück Weiß den Blick aus sich zieht, wie ein grauer oder grünlicher Fleck auf drei Schritt schon dem Auge entschwindet. m—r.
Süd- und die Rordstraße, die jedem Fremden sofort sagt, wo er sie zu finden hat.
Aber was sollen wir denn mit unserer Begeisterung machen? Wir woUe;r doch Bismarck feiern und Moltkc und Hindenburg! Setzt ihnen Denkmäler, seien's auch keine großen Werke, sondern einfache Denffteine, in den Park bei der Stadt, vielleicht jMrt Ruhebänken umgeben an stillem Platze, ungestört vom Lärm, der durch die Straßen zieht, die ihr sonst patriotfich bedenken wolltet. Da kann ich an Hindenburg denken, da fühle ich ihn geehrt, nicht, wenn ich die so benannt^ Straße aus eine Hausnummer absuchc. Es ist in doppeltem Srm;c zu — billig, dieses „ehren" durch eine — Etikette.
— Zwei unbekannte Werke von Peter Bischer. Einen bedeutsamen Zuwachs zu den Werken des größtcir deutschen Plastikers der Renaissance, des Peter Bischer, briugen zwei bisher unbeachtete Grabplatten im Tom zu Meißen, aus die Hans Joel in den von Pros. Biermann herausgegebenen Mtonatshefien für Knnstwijsenschaft ausmerksaur macht. Der hohe künstlerische Wert einiger Grabplatten im Meißener Dom ist schon seit Jahr zehnten anerkannt. Aber man beschäftigte sich nur mit den Wettiner- Gräbern in der Fürstenkapelle und vernachlässigte die Werke der Hauptfirche. Unter diesen finden sich nun zwei Grabdenkmäler, die Joel als Arbeiten Peter Vischers nachweist. Das künstlerisch wertvollere der beiden ist die Grabplatte des Domherrn Heinrich Sterker von Mellerstatt, die die Gestalt des 'Toten im Brustblld nfit Brust und Kelch, umrahmt von einer breiten Inschrift und schönen Ornamenten, darstellt. Noch heute, wo durch die Jahrhunderte manche Kontur arg verschliffen ist, macht diese monumental gestaltete und psychologisch lebensvolle Figur einen fiesen Eindruck. Mit feinstem ästhefischrm Verständnis fit das Werk geschaffen. Daß der große Nürnberger der eigenhändige Schöpfer der Platte ist. läßt sich in erster Linie aus der Ornamcnfik beweisen, die sich au; andern beglonbigtcn Werkeir des Meisters ganz so findet. Die Entstehungszeit ist möglichst nahe an die Jahrhmidertwcndc in die Jahre 1496—15Ö0 zu setzen. Es ist noch ganz ein Werk des ersten Sfils Peter Vischers, in dem der Künstler sich von der fiatienischen Renaissance noch völlig unbeeinfiußt zeigt Gerade in dcr einhell lichen Geschlossenheit dieser Arbeit liegt ihr hoher Wert. Das zweite neue Werk Vischers, die nicht weit von dem Denkmal Meller statts im Querschifi des Meißener Doms stehende Grabplatte des Bischofs von Weißcnbach steht an künstlerischer Bedeutung pci» ersten Werk nach: sic ist mehr kunsthistorisck, wichfig, denn sie zeigt bereits ein Eindfingcn der italienischen Renaissaneegedanken und trägt so dazu bei, die llafsrnde Lücke, die bisher zwischen den Werke;; des alten Stils und den ersten reinen Renaissanceschöpsungen Vischers bestand, zu schließe;; Auch hier läßt sicli dcr Zusammen Hang der Platte mit Bischer deutlich beweisen; dock, stanunt sie vlllleicht nicht von seiner Hand, sondern nur ans seiner Werk statt Tic Datierung des Weißcnbach Denkmals muß in die Jadrc 1500—7503. angesetzt werden.


