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Rr. 293

Swettes Blatt

Jahrgang

Erschein! Isgfich mit Ausnahme btS Sonnürqs.

DieAietzener ZamiNendläfter" werten dem

Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ltreirblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschastlichen Zeit­sragen" erscheinen monatlich zweimal.

@fefper

General-Anzeiger für Gderheffen

Montag. H. Dezember m

Rotationsdruck und Verlag der Brühtschen Universitäls - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schristleitung,Geschästsstelleu.Druckrrei: Schul- straße 7. Geschäftsstelle u.Verlag:^E5l,Schrift- leitung: e=® 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gieße».

vom rheinifch-westsälischen lrohlensyndikat.

w E ssen , 11. Tez.

Das Kohlcnsyndikot Kat in seiner Ijejitcgeit Siliung bezüglich Erhöhung der Preise solgendcn Beschluß gcsaßt:

Die Richtpreise ftir Kohlen und Briketts werden um durchschnittlich Mk. 2 . aus die Tonne erhöht, diejenigen für KokS werden um durchschnittlich Mk. 1.50 die Tonne er mäßigt. Tie neuen Preise gelten vom 1. April bis 31. Aug. 1915, also für 5 Monate."

Tie Richtpreise bilden die Grundlage für die Bestimmung der Verkauispreisc im Groß- uich Kleinhandel. Tie Preiserhöhungen wurdeir, wie von uns bereits mitgeteilt, mit der durch die Vermin derung der Bclegsckwsten hcrbeigesührten bedeutenden Steigerung der Selbstkosten und mit den vermehrten Kosten der sür den Berg­bau erforderlichen Materialien begründet. Als mutmaßlicher Ab­satz sür Januar wurden 65 Proz. in Kohlen, 80 Proz. in Bri­ketts und 30 Proz. in Koks angenommen und dementsprechend die Beteiligungsanteile festgesetzt. In, November 1914 betrug bei vicr- nndzwonzrg Arbeitstagen der auf die Beteiligung entsaftende Ab­satz 4 600119 Tonnen gegen 4 667 084 Tonnen im Oktober. Tas sind 65,29 Proz. der Beteiligung gegen 58,88 Proz. im Oktober: arbeitstäglich ergeben sich 191 679 Tonnen. Gegen den November des Vorjahres ergibt sich ein M i n d e r v c r s a n d von I 436 390 Tonnen, das macht anj den Arbeitstag weniger 69 366 Tonnen gleich 26,57 Proz. Der Koksabsatz stellte sich ans 548 466 To. gegen 566 725 T. im Oktober. Tas sind 35,33 Proz. der Betei­ligung gegen 34,90 im Oktober. Im November vorigen Jahres betrug der Koksabsatz 807 797 Tonnen oder 56,62 Proz. der Be- keiligurzg. An Briketts tmirden 335 807 Tonnen gegen 304 681 Tonnen im November versandt. Tas sind 87,96 Proz. der Betei­ligung gegen 72,03 Proz. im Oktober. Ter Versand in Briketts ist also gegen den Vornionat etwas gestiegen, während er in Kohlen einen kleinen Rückgang anin>eist, weil der November weniger Ar­beitstage zählt: arbeitstäglich ist der Koblcnvcnand bedeuteiid höher als im Oktober. Die Förderung stellte sich auf 5 753 293 To. gegen 6 041 509 Tonnen im Oktober und 7 0891848: sie ist also gegen Oktober um 7,13 Proz. und gegen November 1913 um L9 Proz. geringer.

Sodann wurden die Anträge des ?lusschusses auf Abände­rungen im neuen Snndikatsvertragc mit großer Mehrheit ange­nommen. Ter Entwurf, des neuen Syndikatsvertrages ist nun­mehr durch Mehrheitsbeichluß der Zechenbesst-cr genehmigt und soll in der aus den 23. Januar rugesetzten Zechcnbeswerver-- samürlung den jetzigen Svndikatsmitglüdern zur Uriterschrift vor­gelegt werden, vorausgesetzt, daß die bis zum 20. Tezember eiu- Lefordertrn Erklärungen über die Berzichtleistung bis zuin 1. 'Okto­ber 1915 aus Bertäuse ab 1. Januar 1916 sämtlich cingchen. Es wurde hierbei bekanntgrgebcn, daß der preußische Ru1,rsiskus sich bereits erklärt hat. eine dicsbwmglichc Verpflichtung einzugcfteu.

Dazu ist zu bemerken, daß die eingangs mitgeteilte Preis­erhöhung sür Kobeln sür alle Zechen Anlaß sein wird, die ver­langte Berzächrleistung bis zum 20. Dezember eiuzngehen. Mit dieser ^Berzichtleistung begeben sich die Zechen des ihnen nach dem Syvdiktas vertrug zustchenden Rechts, ab 1. Januar 1915 Verkäme für eigene Rechnung vorzunctznteir, falls das Syndikat mcht rechtzeitig bis dahin wieder erneuert ist. Sie verpflichten sich, bis 1. Oktober 1915 aus Eigenverkäufe zu verzichten, damit umu Jßett gewinnt, die «noch den Krieg vewögerte Erneuerung des Syndikats bis daliin zu bewerkstelligen 9kach den obigen Mitteilungen sollen nun die von dem Ausschuß sür die Erneue- mmg des Syndikats beantragten Abätiderrmgeii im Bertrags- entmurs genehmigt und der neue Bectraqseuttimrf der am 23. Jdnwii stattsindenden Versammlung der Zechenbesitzer zur Unter­schrift vorgelegt werden. Tic Frage bleibt nnr. ob alle Zewen -rhrc Unterschrift geben werden. Es ist nicht das erstemal, daß der umredigiertc fertige Vertragsentwnrf, der Versammlung zu: llnterschvist vorgelegt wurde. Noch sedesinal kamen schwerwiegende Bedenken gegen die eine oder andere Bertragsbestimmung zum Vorschein. Es wird am 23. Januar kaum anders sein, zumal die gegenwärtige günstige Verfassung des .ikohkenmarkts bei vielen Zechenbesitzern die Ansicht hat aufkominen lassen, daß die Syn- dikatserneuerung zurzeit weniger dringlich sei und die Schaffung eines Provisoriums vollkommen genüge. lieber verschiedene Neue­rungen ffn Syndlkatsvrrtvag herrscht mich heute noch keinesfalls Uebereinstiniurung. Tic Meinungsverschiedenheiten znnschen den reinen Zechen rrrrd den Hütteirzechcn über die Berbranchsbetei- ligung. und den beschränkten Kohlenzukani sür die Koksberstellnng bestehe» fort und die Bemühungen einzelner Hüttenzechen, den ihnen besonders unbegneinen 8 14 des neuen Snndikatsvertrags, der die Beschränkung des Kohlenzukanfs präzisiert, ivieder zu streichen, dürsten kaum von den reineir Zechen Unterstützung fin­

den. Auch iu eurer Reihe weiterer grundlegender Bestimmungen bestehen noch Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Zechengruppen, die bis zunr 23. Ja,mar kaum beseitigt sein können. Tie Bereitwilligkeit des Ruhrfiskus, bezüglich des sistier- ten Verkaufs die gewünschte Verpflichtung cinzugehen, läßt aber die Hoffnung zu, daß wenigstens das Provisorium bis 15. Oft. 1915 am 23. Januar zustande kommt.

Aus Hessen.

Vorläufige Bildung der Kammern und Eröffnung

des Landtages.

Ter kommende Landtag (36.) ist, wie bekannt, durch landesherrlichen Erlaß vom 18. v. Mts. auf Mittwoch, 16. Dezember, zur Beratung imfr Beschlußfassung von Vor­lagen, die infolge des Krieges geboten sind, cinbcrufen. Znuächst hat die vorläufige Bildung der Kammern zu er­folgen. Zu diesem Zwecke versammeln sich am 16. vorm. IOV 2 Uhr die Mitglieder jeder Kammer fiir sich in ihrem Sitzungssaal: sobald die Anwesenheit bei der Ersten Kammer von 14 Mitgliedern, bei der Zweiten Kammer von 30 Mit­gliedern festgestellt ist, nehmen die landesherrlichen Bevoll­mächtigten für die Erste Kammer «taatsrat Wilbrand. für die Zweite Kammer die Herren Staatsrat Dr. Best und Ministerialrat Hölzinger die vorläufige Bildung vor. Hiernach sinden die Wahlen des Vorstandes in jeder Kammer statt'. U'nt 1B/z Uhr vereinigen sich beide Kammern in dem Sitzungssaal der Zweiten Kammer zur feierlichen Eröffnung des Landtags, die diesmal ö f f c .n t l i ch ist. Diese geschieht durch Staatsminister Dr. v. Ewald ans Grwnd des ihm erteilten Allerhöchsten Auftrags. Hierbei wird der Staats ininister eine Rede an die Ständeversammlung halten. Nach der Eröffnung des Landtags verlassen die Mitglieder der Ersten Kammer den Sitzungssaal der Zweiten Kammer, worauf alsdann die erste Sitzung^ der Zweiten Kammer stattsinden wird. ._

Höchstpreise für Mterlartoffeln.

Das Wolfs-Bureau veröffentlicht folgende Bekamitmachung über die Höchstpreise für Futterkartosseln und Erzeugnisse der Kar- tosseltrocknerci sowie der Kartosselstärkcsabrikation, vom 11. De­zember 1914.

Aus Grund des 8 3 des Gesetzes, betreffend .höchstpreiie, vom 1. August 1914 cReichs-Gesctzbl. S. 339) in der Fassung der Be­kanntmachung vom 28. Oktober 1914 (Reichs-Gesetzbl. S. 458) hat der Bnndcsrat fotgende Verordnung erlassen:

8 1. Der Preis sür die Tonne inländischer Futter- oder Fcld- kartofseln darf beim Verkauf durch den Produzenten nicht über­steigen :

im ersten Preisgcbiete, nämlich in den preußischen Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Posen, Schlesien, Pommern, Branden­burg, in den Großherzvgtüniern Mecklenburg-Schwerin, Mecklen- burg-Strclitz 36 Mark:

ffn zweiten Preisgebiet, nämlich in der preußischen Provinz Sachsen, im Kreise Herrschaft Schmalkalden, im Königreiche Sach­ten, nn .Großherzogtume «astücn ohne die Enklave Ostheim a. Rhön, im Kreise Blankenburg, iin Amte Calvörden, in den Herzogtümern Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Koburg-Gvlhr ohne die Enllave Königsberg i. Pr., Anhalt, in den Fürstentümern Schwarzburg-Sondershausen, Schwarzburg-Rndolstadt, Renß ältere Linie, Reuß jüngere Linie 37,50 Mark;

im dritten Preisgebiete, nämlich in den Preußischen Provinzen Schleswig-Holstein, Hannover, Westfalen ohne den Regierungs­bezirk Ansberg und den Kreis Recklinghausen, im Kreise Graf­schaft Schaumburg, im Großherzogtum Oldenburg ohne das Fürstentum Birkenfeld, im Herzogtume Braunschweig ohne den Kreis Blankenburg und das Amt Calvörde, in den Fürstentümern Schaumburg-Lippe, Lippe, in Lübeck, Brenicn, Hamburg 39 Mark: im vierten Preisgebiet, nämlich in den übrigen Teilen des Deutschen Reiches 40,50 Mark:

Dem Produzenten gleich steht jeder, der Kartoffeln verkauft, ohne sich vor dem 1. August 1914 gewerbsmäßig mit dem An- oder Verkaufe von Karwsfeln befaßt zu haben.

Der Höchstpreis eines Preisgebietes gilt für die in diesen« Gebiete produzierten Kartoffeln.

Die Höchstpreise gelten nicht ftir Verkäufe, die eine Tonne nicht übersteigen.

8 2. Der Pc Äs für Erzeu.gnll.fse der inländischen Kartossel­trocknerei und Kartofselstärkesabrikation darf beim Verkaufe durch

den Trockner oder Stärkefabrilanien nicht übersteigen für den

Doppelzentner:

Kartoffelstöcken...... 23,50 Mark,

Kartoffelschnitzel...... 22,25 Mark,

Kartofselwalzmehl...... 27,50 Mark,

trockene Kartoffelstärke rmd Kartosselstärkemehl 29,80 Mark. _

Bei allen weiteren Berkäusen dars der Preis nicht überstek- gcn ftir den Doppelzentner: trockene Kartoffel-

Kartoffel- Kartoffel- Kartoffel- stärke u. Kar- flocken schnitzcl walzmehl toffelstärkemehl

in der prenß. Provinz

Ostpreußen ....

24,30

23,05

27,80

30,10

in den übrigen Teilen

des ersten Preisgebiets

25,30

24,05

28,80

31,10

iw. zweiten Preisgebiele

25,80

24,55

29,30

. 31,60

dritten

26,30

25,05

29,80

32,10

vierten

26,80

25,56

30,30

32,60

Die HöchstvrÄse im

: Ws. 2

erhöhen

sich bei Verkäufen, die

eine Tonne nicht übersteigen, um 0,60 Mark sür den Doppel­zentner.

Ein nach den Absätzen 8 oder 3 bn einem Preisgebiete bs-

stehender Höchstpreis gilt sür die Erzeugnisse, die in diesem Ge-i faict abzunehmen sind.

8 3. Tie Höchstpreise (8 l und § 2) gelten fiir Lieferung ohne Sack, bei Kartosselivalzmehl, trockener Kartoffelstärke und Kar- tofselstärkemelst ftir Liesencng mit Sack.

Sie gelten ftir Barzabtnng bei Empfang. Wich der Kauf­preis gestundet, so dürfen bei den Höchstpreisen nach 8 1 üud 8 2 Abi. I bis zu 2, bei den Höchstpreisen nach 8 2 Abs. 2 bis zu 1, bei den Höchstpreisen nacht 8 2 Ws. 3 bis zu 3 vom Hnn dert Jahreszinsen über Reickrsbanwiskont hinzugeschlagen werden.

8 4. Tie Höchstpreise nach 8 1 und 8 2 Abs. 1 schließen die Kosten des Transports bis zum nächsten Güterbahnhpfe, bei Wassertransport bis zur nächsten Anlegestelle des Schiffes oder Kahnes sowie die Kosten der Berladuirg ein.

Tie Höchstpreise nach 8 2 Abs. 2 schließen die Kosten des Transportes bis zum 'Bahnhof des Ortes ein, wo die Ware ab- znnehmen ist. Tie. Höchstpreise nach 8 2 Abs. 3 gelten ab Lager.

8 5. Tie Höchstpreise nach 8 l^iind 8 2 Abi. 1 und 2 dieser Verordnung sind Höchstpreise im Sinne von 8 2 Ws. 1. Die

Höchstpreise nach 8 2 Ws. 3 dieser Verordnung sind Höchstpreffc ini Sinne von 8 2 Abs. 2 des Gesetzes, betreffend HöchstprÄse,

vom t. August 1914 in der Fassung der-Bekanntmachung über Höchstpreise vom 28. Oktober 1914.

8 6. Diese Verordnung tritt am 14. Tezember 1914 iu Kraft. Ter Bundesrat bestimmt den Zeitpunkt des Außerkraft­tretens.

Zusammenstoß eines Lazarettzuges mit einem Güterzng.

München, 12. Dez. (Ndcldnnq der Korrespondenz Hoffman».) Die Kgl. Eisenbahndirektion teilt mit: Am 11. Dezember abends ist ein von Saarbrücken kommender und nach Karlsruhe bestimmter, mit 260 Berwundeben be­setzter Lazarettzng in der Station Rohrbach bei St..Ingbert auf den im dritten Geleise stehenden Güte»- zug 2838 aufgefahren. Beide Lokomotiven des Laza rottz-nges sowie ein hinter der Lokomotive lcrnsender Hetz' wagen und zwei Wagen am hinteren Ende des Lazarett- zuges sind dabei entgleist. Vier Wagen des Güterzpgps wurden zertrümmert. Der Lokomotivführer der Vorspann- lokomotive des Lazarettzuges wurde leicht verletzt. Sonst sind keine Verletzungen weder beim Lazarettzng noch beim Personal des Güterzuges eingetretm,. Sämtlich»' Geleise waren gesperrt. Seit 1 Uhr nachts ist das erste und seit 8 Uhr vormittags auch das zweite Geleise wieder frei. Die Ursache ist noch nicht endgültig festgestellt Ver­mutlich liegt eine fehlerhafte Bedienung der Stellwerk- anlage vor. Tie Insassen des Lazarettznges wurden in einem später eingetroffenen leer zum Kriegsschauplatz fahrenden Lazarettzng einquartiert und sodann aus Lazarette der Strecke Rohrbach-Homburg-Nennkirchen verteilt

ülehlspeisen - Suppen

ausDr. Oetkers Gustin sind billig, nahrhaft und wohlschmeckend Keine deutsche Hausfrau wird noch das englische Mondamin kaufen

<ßicftcttcr Stadttheater.

Die Schmetterlingsschlacht.

Komödie von Hermann Sudermann.

Nur VorÄngenoimnenheit kann leugnen, daß! der Verfasser derEhre", derHeimat" und vonSodoms Ende" irgendwo in seinem Herzen einen Gefühls- und Empsmdungswinkel besäße. Als Sndermann vor am paar Jahren seinenBeftler »on Syra­kus" aui die Deutschen Bühnen sandte, hat man ihm^ vielfach diesen Winke! streitig machen wollen, ihm mit einer großen Ein­mütigkeit effektvolle Mache und theatralische Rechenkunst^ als die FundameMe seines Schaffens vorgeworscn und nnt einer ge­wissen Schadenfreude die Wirkung sÄner Ichövinngen fraglos verallgemeinernd jn» die groben Register des blanken Erfolg­hungers gestellt. Suderuwnn hat mit seinen!Bettler" das Urteil über seine Knust in einer Art beÄnftußt, daß nmn es schon vom Stcmdvunkt lileranscher Bildungsbeslisfenheit begrüßen kann, wenn man Gelegenheit bekommt, an Hand des Genusses eines sÄner jüngeren Werke fich zu eÄnnern, daß Her- inann «ndermorm nicht immer nnt geballter Faust dahin schlug, wo andere leife, wie mit einem Fittich die Stirn streiften, nnt anderen Worten, daß cr nicht mir Regisseur, sondern auch Dichter ist. Seine zeichnende Hand ist unheimlich sicher. Wer well er wÄß. daß der TeiNsche seine Senlimentalftät liebt, so Vev- zichtet cr nicht aut den voÄischen Khusgang^ und hütet sich loohl, die Welt ungeschminkt zu zeigen und der Satire nidft ani Ende doch noch eine liebenswürdige Ntoral anzuhängm. So entstand wenigstensD i e .S ch m e t t« r l i n g s s ch l a ch t". Tie mit vir­tuoser Intimität gezeichnete Famllienkomödie der glänzenden Mi­sere derer, die »ach anßmiauf sich haktenl", zuchause aber die Kaffeebohnen zählen müssen, und deren Mvha unh Omega die Jagd nacb der guten Partie ist. Eine gantz böse ^atroc würde daraus werden, wenn eben Sndermann nicht ans diese llnannchm- lichknt verzichtete und die Fanülienmoral on einem reinen Seel­chen gesunden ließe soweit dies möglich ist und erraten iverden kann, lieber der Frage, wie weit es damit gedeiht, fällt bekanaN- lürf> zum letzten mal der Vorhang Wie weft der DrnmMiker die Phantasie seines Publikums beschäftigen will, das ist solchen FragezÄchcnschlüssen eigenllich eine mehr äußerliche Frage, eben­so wie die Schmetterlinge ivenig mit denn inneren Gehdlt des Stückes zu schaffen haben. Jedenfalls verklingt die vikanie Melo­die unter versöhnlichen Tönen, wie sie auch in ihrer FarbigkÄt bald vergessen lässt, wie unsagbar beaucm cs sich Sndermann mit sei­ner' Exposition gemacht hat: Ein vaar vorstellendc Handbewe-

gnngen und gemütliche llTfterhaltnngeu, und der Stein rollt.

Einen Sudermannabend der hefte» Art gab gestern unser Theater, den sich mft gutem Gewissen ein paar Hundert Menschen mehr hätten ansehen können. Sie wären gewiß auf ihre Kosten ge­kommen. Ganz im GÄst der Komödie restlose Uebertragung des Lebens auf der Bühne. Da war jede Gestalt vorzüglich gespielt. Tie fÄn gestÄchelten AuftÄtte und der RÄchtnm des Stücks kanien zu lebendiger Spiegelung. Ter erste Dank dafür gebührt Phlline Wen gerbt, die als Rösi Äne überaus sÄne, ausgeglichene Lei­stung bot und Äne vollkommene Vermischung der DarstelleÄn mit dem Tarzustellcnden zeigte, Än Aufgehn in der sympathischen Welt schwärmenden Jungmädchentums, das von tavserem Ovscrsinn und rührender Naivität wie von Änem .HÄligenschein nmkränzt wird. Wenn wir nicht nach dem Theaterzettel sondern nach unserer Be- weÄung der LÄstungen gehn, möchten wir an zweiter Stelle Carl R o 11 e ck nennen, dessen Aufgabe allerdings kÄner psychologischen Anstrengungen>aft, der aber den mit allen Wassern gewasche­nen, kaltschnäuzigen, smaÄen, selbstgefälligen GeschästsrÄsenden mit so viel ergötzlichm Bildtreue über die Bühne flanieren ließ, daß er Än gut TÄl am Enolg beansvruchen dan, und sogar mit Äner zÄtgemäßcn volftischen Spitze auswartete, die ihm verständnisvollen BÄsall aus ossener Szene Äutrug. Kitty Sonntag-Blume zÄchnÄe das etwas zwÄsclhastc Cha- rafterbild der lebensftohen jungen Witwe gÄchickt nach, und Auguste F r e n z e l als die mit drÄ HÄratssähigen Töchtern gesegnete, fürs Air und das Glück der Kinder zu jedem Opfer bereite Mutter, bewährte ihr sicheres DarstÄlungsvermögen. Walter Dworkowski, der auch für die Svielleitnng zeichnÄe, stellte mit viel eigener 'Ausgestaltung den galligen, zitronensmirrn Geldsack- rÄter Winkelmann ganz famos heraus. Auch die übrigen Rollen, das anspruchsvolle Gänschen Laura in Maria Schild, der am Gängelband und hinters Lickst geführte gute Kerl Max in Ferd. St ei »Hofer und der Firlefanz Wfthelm Vogel in Ludwig Grosser, fanden ihre sachgemäße Vertretung. SÄnen Stim­mungen angepaßt erziÄtc das Stück so denn auch verständnisvolle Heiterkeft sowohl als angenehme Rührung und als ganzes wohl­verdienten und gern geipcndelen BÄsall. -a-,

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Deutsche ttunft in Zeindeslanv.

Ein Mitarbeiter schreibt uns «ns dem Felde: Die «llte Kathedrale von Laon, von deren Türmen inan bei klarem Wetter die Türme von Reims am Horizonte hernber- tvinken sieht, erlebte ain ersten 'Adventssonntag ein merk­würdiges Ereignis. Die alte, ans einem hnseisensürmigen

Bergkamm über die Msne- und Oise-Hügel emporragende Stadt Laon ist von der deutschen Heeresleitung zu einem der wichtigsten Etappenplätze gemacht worden!: sie ist ein bedeutender Eisenbahnknotenpnnkt und beherbergt wohl ein Dutzend meist spezialisierter Kriegslazarette. Zu dem zahl­reichen Personal all dieser Einrichtungen gesellen sich Trup­pen, die hier in Reserve liegen, und täglich kommen zahl­reiche Offiziere und' Mannschasten aus den nahen Schützen­gräben herein, um allerhand Bedürsnisie zu befticdigen, sei es nach neuen Nachrichten, sei es nach Lebensmitteln, Bekleidungsstücken, Heizmaterial usw.

In dieses bunte deutsche Leben ist mui auch die deutsche Kunst eingegliedert lvorden, dank der Tatkraft Professor Fritz Steins, der gerade in diesem Herbst die Nach- solgerschafl Max Negers an der Meininger Hoskapellc hatte antreten sollen, aber vorerst als srnwilliger Kriegskranken­pfleger mit ins Feld gerückt ist. Stein griff auf einen Ge­danken zurück, den er schon in seiner alten Wirkungsstätte Jena seil Begirm des Krieges mit großem Erfolge verwirk­licht hatte, nämlich den der mus tkalischen Andacht in der Art der berühmten Leipziger Motette, jedoch mit Be­vorzugung der Orgelvorträge. So trug denn das deutsche Heer nach Frankreich hinein den denffchesten Musiker, und deutsch war es auch, daß der denffchc Soldat die langent­behrte künstlerische Erbauung mcht in leichter Kimst, sondern in der schwersten und höchsten erleben wollte. Bach stand mit der dreiteiligen Fuge Ed-dur an der Spitze des Pro­gramms und war ferner mit dem OrgelchoralHerzlich tut mich verlangen", sowie mit dem CyoralvvrspielWachet ans, ruft uns die Stimme" vertreten. Prof. Stein wurde unterstützt durch die Ntistin Mapga Spoor-Berlur, die chrem Gatten als Krankensckstvester ins Feld gefolgt ist, sic sang MozartsAve verum Corpus". Keiner der Deutschen, die jene Wendstunde in den mächtigen Hallen der französi­schen Kathedrale miterlebt haben, nnd wohl auch keiner der Einheimischen, wird die musikalische Feier vergessen, und unvergeßlich wird es auch sein, wie die ganze Gemeinde sich zu dem Gesänge dc's Mtniederlündischen Tankgol>ets der- einte. K. SB.