Nr. 286 Drittes
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die ,,-ießen« Lmniliendlätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da; „llreirdlatt siir den «reis Sietzen" zweimal
wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seitsragen" erscheinen monatlich zweimal.
Blatt IH Jahrgang
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhejsen
Samstag. 5. Dezember J9J4
Rotationsdruck und Verlag der Brühllschen Universität; - Blich- und Steindruckerei.
R. Lange, Bietzen.
Schrfftlettung, Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul- straße?. Geschäftsstelle u.Berlag:sqK5I,Schrift leitungi LEI 12. Adresse lür Trahtnachrichtein Anzeiger Gießen.
Zrend und Leid aus Feldpostbriefen.
Man hat uns in den letzten Tagen aus Leserkreisen wieder Feldpostbriefe in überreicher Zahl zur Per öffentlichung zur Verfügung gestellt. Die beschränkten Platz Verhältnisse, mit denen ivir wie alle Blätter in diesen Zeiten rechnen müssen, gestatten uns nach wie vor nur kleine Auslesen aus der reichen Fülle des gemäß dankbaren Stoffes. Wer also seine Einsendungen unter der folgenden Zusammen stellung nicht wiedcrsindet, möge in erster Linie den Raummangel dafür verantwortlich machen.
Den Beginn mache das an uns gerichtete Schreiben eines beurlaubten Psarrverwesers, der den schwarzen Rock mit der grauen Uniform vertauscht hat. Auch er hat die bekannte große Reise nach dem Osten mitgemacht und schreibt uns kurz nach sei»« Ankunft in Polen:
JffioS ferner geahnt, wurde Tatsache: Wir ziehen nach Rußland. Lull genug, ein Lorschinack znkünsriger Freuden, war schon die Eisenbahnfahrt. Wir sind nicht verwöhnt, aber an russische Kalle müsse» nnr uns erst noch gewöhnen. In T. gabs WiMerquartier in den Baracken, nicht fiir verwöhnte Kavaliere, aber um so dichtgedrängter. Nicht lange hielt uns die vreutzische Gr enz s« sl e. mutig fuhren wir hmein ins heilige russische Reich. Ä. nimmt uns als vorläufiges Ziel in seine Mauern aus. Angehörige der „oberen Stände"' sind größtenteils verschwunden, verhärmte und meist armselige Gestalten schleichen taub durch die dumpf hallenden -Strassen. Und doch ist K. belebt, es ist zu einem deutw>-üsferreichischen Heerlag« geworden. Ta stehen zwischen den Trümmern K. Ängehörrqc aller Waffengattungen, alle ^»altirtor, und ösderverchischen Dialekte dnrchsckmnrren die Luft. Da Hilden Infanteristen Spalier: Ein Reginrent Artillerie zieht "vorbei, mit dem Staub Frankreichs noch bedeckt, vier Tage sind sie »uterwegs. (,^Licb Vaterland nragst ruhig iem" fingen sie. Alte lÜmegÄaureraden schütteln sich i« Hände.
In der „weibl. Kommerzschule" ist unser Hauptguar- tier. Die Gasröhren liegen im ganzeit Revier, man brauch! nur einen Schlauch anzuschließen, einen mehrslammigeu Brenner dran, und lustig kocht bald der Kaffee im Kochgeschirr. Gebraten wird auch, erstaunlch billiges Fleisch, das Pfund zu 30—40 Pfennig. Die armen Geschäftsleute sind froh, daß sie an uns was verdienen können. Wir sind überhaupi eine gesegnete Einnahmeguelle für alles, was zu verkaustu ttachlet. Unsere Kaserne wimmeli von allerlei Händlern, weiblichen und männlichen. Aepftl, Zigarttten, Brötchen, Gebäck, Tee, Kaffee usw. iverden in airidiinglichst« Weise aus schmutzigen Händen ff, gebrochenen, Halbdeuffch angevriesen. Zu allem Ueberffuß bevvllern noch schmutzigere Kinder unser Elysium uiü> betteln, ohne sich verscheuchen zu lassen, um „Brot" oder „ein Fenny". (Wir aber liegen aut der Bärenhaut, spazieren si» der einst <fo idjbatat Stad t, die sogar teilweise gutes "Pflaster hat, lesen an der Ko nruwn dantur die neuen Telegramme, sehen gefangene Russen und lassen ims von Benmmdeten den Stand der Schlackst berichten. Aber gestern am '25. gabst, Ab- wochsÄuug: Geburtstagsfeier Sg. öttnngl Hoheit, Am Abend »ogeu wir auf den KrvchüKatz, wo die große, prächffge, nrsffick»e Kirche unversefett sfebt. Festansprache des Schreibers die- ier Zellen. Musik hat >ms lecher gefehlt. Wir dachten des gestiebten Landesherrn und der Heimat mit Wünschen für baldigen Frieden. Ausführlicher hätten wir feiern können, wenn nubt am IV November die letzte Hoffnung das Soldatenherz erfreut hätte. So wartet jetzt alles auf frische Löhnung, Marschbefehl gegen den Zaren und Liebesgaben aus Gießen, letztere aber erst, wenn sie unsere Adresse ersähren haben."
Mit reichlicher Verspätung traf eine ebenfalls an uns gerichtete Karte eines Freiwilligen vom Bischweiler Regiment ein aus der Zeit, da dieses seinen Aufentbalt noch nicht gewechstl! hatte. Sie enthält ein kleines, „A h n u n g" be- titettes Gedicht, das wir gerne wiedergeben mit der Hoff- inlng, daß die Ahnung trügen möge:
Es ist ein Stern gefallen In kalter Mitternacht.
Ich stand aus dunklem Felde Bann Feinde aus der Wacht.
Es geht bei uns die Sage Im schönen Hessenland:
Wer einen Stern sieht fallen,
Mäht bald des Schnitters Hand.
Fern doimern die Kanonen,
Das Schützens«,« kracht.
Es ist ein Stern gefallen.
Ich stand vorm Feinde Wacht.
In Prosa sendet der Schreiber uns folgenden Gruß: "Sehr werte Redakffon!
Wir haben lange Zeit 200—300 Meter vor den englischen Schützengräben vor dem unsinnig befestigten Chateau gelegen. Jeden Morgen gegen 10 Uhr und abends gegen 7,5 bekamen wir den „Morgengruß" und „Abendsegen" der englischen Arlcklerie, aber entweder schossen sie zu kurz oder meistens ein paar Meter zu weff, daß »ns nur der Treck in die „Billa zum frierenden Höhlenbären" spritzte, dann und wann auch ein paar Tchravnell- kugeln. Jeden ?lbend gegen '/.9—9 haben sie dann ein wüstes Feuer gegen uns losgclatscn. Maschinengewehre, Infanterie und Artillerie. Warum'? Wir nannten das „Beäiigstigungsseiier".
Eine große Freude war, wenn wir den Gießen« Anzeiger mit der Post bekamen von Muttern. Deshalb diese Katte als Dank.
Eine Nacht in einher Artilleriestellung in den Argonnen beschreibt ein Sergeant in einem Brief an seine Angehörigen:
..... Manch einsames Kreuz, aus Birkenäsicn gezimmert,
bezeichnet die Stellen, wo wir unsere toten Helden in die fremde Erde versenkten. Wenn dann die Nacht kommt, ffeln man diese weißen Kreuze weitbin im Mondenschein, und manchem kommt der Gedanke: Wo wrrd dein Kreuz zu stehen lonnnen, oder sollst du das Glück haben, als stolzer Sieger in die Heimat zturück- zukebren'? Wunderbar schön sind die sternhellen Nächte und manche Stunde liege ich wach "in meinen Mantel gehüllt, starre träumend hinauf zu den slimmernden Sternen und denke der Lie - ben zu Hause. Stundenlang scheint alles io friedlich und man denkt gar nicht daran, daß man auf so nahe Entfernung dem Feind gegenüber liegt, der- ,edcn Augenblick das mörderisch,- Blei zu „ns herübersenden kam,. . . . Auf einmal erscheim es, als wenn die Hölle losgelaffen wäre: tausend und abertausend Gewehre krachen, dazwischen rollt der Turin er der ztzanonei» tvie Mntpfer Trommel,chlag. Bor, hinter „nd über uns zerspringen TchravnellS und Granaten. Im Nu ist die Batterie in dichten Nebel von Bulverdamvi eingebüllt, der nur von Zeit zu Zeit durch das Abseueri, unserer Geschütz,' zerrissen Ivird. Ein iurckt- bar schönes Schauspiel bietet so ein Kamps bei Nacht. Lv dauert das nächtliche Feuer manchmal eine Stunde und iwch länger, bis der feindliche Angriff abgewebrt ist. Tann liegt ivieder heilige Stille über den Fluren."
Dem Brief eines Laiidtvehrmaiiiies entnehmen ivir die anschauliche Schilderung der Vernichtung eines feindlichen Fliegers:
Ein Drama in den Lüften svielt sich am nächst jotgeudcu Vormittag ab« Ein französisch« Doppeldecker gepan
zert) erschien gegen 1l Uhr über uite» Er hatte schon oft i» den Tagen trotz unserer -Schrapnells die verwegensten Erkmi- d,lugen auSgeffihrt. Fortwährend langsam kreisend, suchte er unsere Artillerie-Stellung und die im Tam,engehölz von uns gegrabenen Erdhöhlen, die mit Tanneiffiangen, Erde und Moos überdeck, sind, zu einritteln, uni uns dann der französischen Artillerie bestens zu empfehlen. Eben beobachte ich den Apvarat mtt einem Fernglas, das bei Sedan einem ffanzöfffchen Brigade Adiutarne» gehörte: aha, gleich zwei Schrapnells — zu kurz — drei — vier — fünf — gut so, der Flieger steigt schnell und nimmt rasendes Tempo ^an — vergebens, unsere Kanoniere waren schneller', der secktste Schuß ettvas hoch, da, der siebente Schuß mitten in die Maschine---Trümmer sausen zur Erde, mit ihnen zer
setzte Leiber. Heldentat!"
Eine richtige „Philosophie des L a n d st u r m s" sendet uns ein Leser, der beim Gießener Landsturmbalaillon im Westen steht. Von der Platzfrage abgesehen, dürfen ivir unserem Mitarbeiter bei diesem Bataillon, der schon wiederholt gern gelesene Lebenszeichen aus dem Bataillonsstandort an dieser Stelle zum Besten gegeben hat, iricht zu sehr ins Handwerk pfuschen lassen. Eine Stelle ans deni Briese aber, >vo der Philosoph p» attffch ivird, sei wiedergegeben:
„Die Zubereittmg der Speisen fft bei unserer zweiten Kon, pagnie ein besonders ruhmvolles Kavitel. Wir verfügen über drei Kameraden, die in ilirem bürgerlichen Berufe Besitzer von drei Gasthäusern in Gießen sind, imd bst in unser« Schloß- küche sbilliger tun s,e"s nicht!) mit einer Selbstverständlichkeit am Herd stehen und den langen Lössel schwingen, als hätten sich da draußen, wo ,etzt „och die Kanone,, donnern, nie Deutsche und Franzosen die .Halse gebrochen."
Das nun folgende Schreiben datiert ebenfalls noch aus der Zeit, da die bewußten Regimenter nock> anderswo lagen. Seine lebendigen Zeilen lauten:
„Wir sind immer noch fft F. in Oiurrti«. Obwohl das Dorf ganz zerschossen wurde, sind noch Einwohner hi«. So auch in >m serm^Quartier: und so sitzen wir abends in der warmen Sttibe um den Tisch herum, deutsche Soldaten, die französische Familie und und unterhalten uns, io gm es eben geht imd ganz friedlich. Ei» alter Grobbat« ist dabei, er raucht Zigarren mtt uns und ist sehr gesprächig: hat einen kriegsgesangenen Sohn in Deutschland. Heute abend wurde uns der große Sieg H i n d e n b u r g s bekanM gegeben. Tann hatten wir Gottesdienst in der Kirche, um die vor Tagen heiß gestrttleu wurde; traurig sieht das Kirchlein aus. Ein paar Kerzen erhellen den Raum: Schatten liegen in den Nischen und Ecken, in denen Granaten hausen: über einem Jesubild eine Jnschrisr: „Aimez-vous leS uns leS auttes". Liebet Euch untereinander und darum — die Spuren von Gewehrkugeln, »ein Fenst« ist mehr Aanz; der blaue 'Abendhimmel sieht tjn'cin. Ein deutscher Soldat >pieU die Orgel und: Jesu geh voran. Ein feste Bmg ist unser Gott, und: Ich bete an die Macht d« Liebe, brausen durch den Raum. Dann spricht der Pfarrer: einfach und schlicht und ergrissen verlassen wtt die Kirche. . . . Uns« Kompagnic- führ« hat das Eiserne Kreuz für die Kompagnie bekommen.
Wie der Jubelim Schützengraben über Hmden- burgs letzte Erfolge die Franzosen kopfscheu machte, schildert ein Pionier aus Holzheim:
„Gestern abend kurz vor 12 Uhr kam die tztachricht, dag 70 O0O Russen gefangen und 80 Geschütze «beutet seien. Da brach ein viellmndntstttmniges Hurra aus auf der ganzen vorderen Schützenlinie, wo wir größtenteils kaum 100 Met« vom Feinde abliegen. Tie Franzmänner schossen wacfer den Takt dazu, denn sie glaubten, wir machten einen Sturmangriff. Am anderen Morgen wurde der Scherz vollendet von unseren Minemversernz welche eine teere Konservenbüchse mit einem Zettel tn den feindlichen. Schützengraben schleuderten mir d« Ansschrift: 70000 Russen gefangen, 80 Geschütze «beutet! Tie besten Grüße von Eueren Verbündeten."
(©in Wehrmann, der bei einer hiesigen Familie im Quartier gelegen hat, sendet derselben aus dem Lazarett ein langes Schreiben, in dem er schildert, wie er verwundet dem Tode entronnen ist:
„Am 5. bekam ich schon einen ganz lleinen Granatsplitter ins linke Ohr und am 6. einen größeren in die linke Schulter. Bei diesem Schuß blieben gleich 6 Maim, 5 Pioniere und 1 Artillerist, aus d« Stelle tot. Außer mir waren noch etwa 10 Kameraden, tells leichter, teils auch sehr schw« verwund«. Nach unserer Bev- wundung, es war um die Mittags;ett, wurden wir in den Kellern jenes Herrenbauses unt«gebracht, um des Abends von hier abgeholt zu w«den. Bon jetzt an alle Einzelhetten zu erzählen, ist fast nicht möglich. Gegen Abend, als d« Feind im Anznge war, hatte uns«e Kompagnie das Gut verlassen, um auszuschw-ärmen und sich dem Feind entgegenzuwersen. Inzwischen war der Arzt gekommen, war ab« gleich, das Unhaltbare d« Lage «kennend, mit den Leichtverwundeten geflohen, ohne daß ich, d« ich im Kellerraum nebenan allein lag, davon gehört hatte. Obwohl nicht leicht verwund«, hätte ich mich doch angeschlossen, well ich doch lausen komtte. So fand ich mich mtt noch 4 schw« verwundtten Kameraden ganz allein, den sichern Unt«gang vor Augen Da habe ich furchtbare Minuten durchkost«. Ganz v«laff«i und oben ein mörderisches Feuer. Ta l>aben zw«, einer der die rechte Schult« lavut batte und ich, es gewagt, durch einen regelrechten Kugelregei» zu entkommen. Jmm« wied« uns hingeworfen, bis ein Deines Wäldchen uns auinahm und uns den Augen unserer Feinde entzog. Als wir dieses ««lasten mußten, wurden wir von der feindlichen Infanterie nicht mehr beschossen. Hinter dem Waldrand irrte ein Bizeseldwebel mtt zerschmettert« Hand herum, fürchtend, wir in dem Gebüicki seien Franzosen. Nun waren wir zu dreien. ""Aber nur kurze Zeit. Ter Eine kam von uns ab, ist aber auch glücklich durchgekommen. Nach einig« Zeit erreichten wir, der Feldwebel und ich, unsere Artillerie Wir mußten und wollten aber weit«. So kamen wir, besonders da wir den absahrrnden Protzen nachliesen, nochmals in heftiges Artillerief«,er. Als nun die Engländer unser« abiahrenden Artillerie keinen Schaden zuiügen konnten, sie schossen viel zu kurz, haben sie tatsächlich »«sucht, uns beide zu tteffen. — Zuletzt warseil wir uns in eine riefe, von d« Artlllerie v«lassene Stellung, in ver ein Geschütz eingegraben gewesen war, um den Kerlen aus den Augen zu kommen. Ta haben sie uns mit ibren Granaten buchstäblich gesucht. — Kurz entschlossen verließen wir unser gefährliches Loch, liefen so schnell wie möglich ub« das Feld und erreichten auch sehr bald, und ohne weiteren Schaden, «neu riesen Hohlweg. Jetzt waren wir unseren Verfolgern eittschwunden. Jmm« voran stürmend stehen wir aus einmal einer Pattoullle gegenüb«. War es feindliche ob« waren es Kam«aö«i '? Im Zwielicht war das nicht mehr zu erkennen. Ich ries so laut ich konnte „Guten 'Abend ztam«aden". Ebenso kräftig scholl es zurück: Guten Abenh, guten Abend. Wir warni g«ett«.
Aus den uns vorliegenden Fe st b e r i cht c n von der Geburtstagsfeier des Großherzogs im Felde sei noch einer herausgcgrisfen, der von einem 116 er stammt und die Feier des Stabes einer Kompagnie beschreibt:
„Ta es beute abend wied« zwei Tage in den Schützengraben geht, sollt Jbr wieder eine» Briet von mir «halten. Ta uns also auch der 25. 11. noch dort finden wird, so sand heute schon die Feier von Großhnzogs Geburtstag nvobt als «ne der ersten, ini engsten Kreise statt. Ten Mittelpunkt bildete den Umständen gemäß das Festesten, an dem d« Feldwebel und die Bizeseldwebet
der Kompagnie einschließlich des Kompagniesübrers teilnahmen. Tas Esten war zwar einsach: l. Gang: Goulasch, 2. Gang: ge backles Ocht'ensttick mit Bratkartosseln, spät« Süßigkeiten per Mieden« Art, die von den Teilnehmern an dem Mahle aus ihr«! Vorräten zur Verfügung gestellt waren ,ich selbst war leider schon abgebrannt), aber vorzüglich. Bem«kensw«t ist, daß sogar die Kartoffeln nicht requiri«t, sondern gekauft tvaren. Den Ein tvohnern i» den besetzt«: Dörfern fehlt es nämlich an allem, »nd in vielen Fällen erhallen Beivohner Essen und Brot von den. deutschen Soldaten. Früher gekauft war auch d« Wein, der zuin Tssen, und am gleichen Tage das Bl« !>, welches darnach ge trunken wurde, der erfte Tropfen »ach etwa 3 Monat«». Während des Essens sprach ickt ein paar Worte üb« die Bedeutung des Tages unter Hinweis aus die besonderen Verhältnisse. Auch der Humor kam trotz d« ernsten Zeit zu jeineni Recht. Ein Reservist verstand es, mit komiicktei, Vorträgen all« Art die Hörer stunden lang zu unterhalten. Erst späl suchte mau feine Lagerstatt aus: den üblichen Passus „nackidem muri die Jugend zu ihrem Reckü gekommen >va> und llott das TauzMin geichwung«! batte", muß leider im Festbericht fehle»."'
Ein iveniger erireiilickics Bild, das aber ö e n r sche A r t schlich!^und herzlich kennzeichnet, möge den Beschluß bilden: „Ich rill abends gegen 9 »bi mit meinen Kamera ben drnäi einen kleine» Wald, da bemerkten >oir ein kl«nes HauS, das wir m unserem Quartier nmdn'u wollten, i'lts mir uns«,' Pferde ein gestellt mio geftttte« hall«,, bettat«» wir das »ras, dos anschemend von den Einwohnern »«lassen war. Wir suchten mtt dem Revolvr, in der Hand alles von oben bis unten durch. 'Niemand war zu sehen. Als wir beide nun gemütlich unser Sttick Brot aß«l, hörte ich aut einmal das Stöhnen eines Kindes. Ich stürzte tti den Kelfer. ivo der Schall herkam, und suchte init einer kleinen Tasltnnilafenie den Keller gründlich ab: es war nichts zu ftnden. Regungslos blieb ich mit in«n«n^Freunde einige Minuten steh«i. Da aus «uinal hinter mir das Stöhnen wieder. Jetzt ln nierkte >n«n Freund eine kleine Tür, welche verschlossen >oar. Ick, nahm mm eure Art und öffnete die Tür. Uns bol tickt ein Bild des Schrecknis. Aut einige» KAatrazen lag eine Fern» mit 4 Kind«», dariutter eur nsigebore »es, das erst 8 Tage alt sein konnte. Tie Frau erklärte »ms, daß sie mit den Kindern ans Furcht vor dem Kanonendomier in den Keller gegangen sei. Ihre Eßware» härlen die England« alle mitgenommen. Zu essen batten sie nichts mehr. Ich gall>ppi«>e mit meinem Rappen in d«> nächst«» Hoi und ickilachtete 3 Hühner, welche ich noch nachts kochte. Als die Hühii«s«ppe s«'tig war. holten ivir die Frau mit dei» 4 Kindern in die Stube. Til'se Freude hättet Ihr sehen sollen. Die Kleinen, welche erst Angst twr nus hatten, wurde» min zuttautich. Ich Hali" noch keine Träne v«gossen wahrend des Krieges, aber unsere Augen könnt«! nicht ttockeic bleiben, als ein t2jähriges Mädchen mich in»,, ob ich seinen Bal«' auch lotschießen wolle. Antwort koimte ich dem Kinde nicht geben. . .
6cvi(^ufaal.
« Wiesbaden, 4. Tez. Ter Obermeister Matte rn, bis vor kurze,» Vorsitzender der Fleischer-Vcreinioiiiig und Metzger- meist« in Wiesbaden, ivurde von der hiesigen Strafkammer wegen Unterschlagung von 20000 9)1 ot(, die er als Vorsitzender der Verrimgimg vereinnahmt hatte »nd die ihm an- vertraui ivare», zu neun Monaten Geiängnitt verurteilt.
Spielplail der Sletzener StaMfteaterr.
Direktion: Hermann Tteingoetter.
Sonntag, den 6. Dezember, nachmittags 3}4 Uhr, bei Volls- preile» : „Minna von Barnhelm." Ende gegen 6 Uhr. Abends 7'/, Uhr, bei kleinen Preisen: .Wallensteiiis Tod.' Ende gegen 10t£ Uhr. Dienstag, de» 8. Dezember, abend; 8 Uhr, 6. Diens- tag-Abo»nements-Vorl'lelIung, bei gewöhnlichen Preisen kermäßigtj : „Als ich »och im Flügelkleide'. (Neuheit!j Ein tröhiicheS Spiel in 4 Auszügen von Albert Kehn» und Blartin Frehsee. Ende nach !<>'/, Uhr. Freitag, de» II. Dezember, abends 8 Uhr. 6. Freitag- Abonnements - Vorstellung, bei gewöhnlichen Preisen (ermäßigt): ,Hasen,anns Töchter." Polksstück in 4 Akten von Adolph L'Arronge. Ende 10'/, Uhr. Sonntag, den 13. Dezember, »achniittags 3'/, Uhr, bei Bolkspreisen: „Zovl und Schwert" Ende 6 Uhr. Abends
7'/, Uhr. bei kleinen Preisen: „Tie SchmctlerlingSschlacht." Komödie in 4 Akten von Hermann Euvermann. Ende in;L Uhr.
Märkte.
FC. Wiesbaden. Biehhos-Marktbericht von» 4. Dez. Austrieb: Rinder 33 »Ochsen 2, Bullen 6, Kühe und Färsen 26),
Kälber 83, Schafe 17, Schweine 192. Preise lür 100 Psd.
Geschäft niiltelmäßig. Lebend- Schlacht-
gewicht.
Ochsen. Mk. Mk.
Vollsieischiqe, ausgemäslete, höchsten Schlacht- wertes im Alter aon 4—7 Jahren . . . bl—56 93—102
Junge, fleischige, nicht ausgeniäslet« »nd ältere
ausgemäslete............ 48—60 88—93
Mäßig genährte junge „nd gut genährte ältere 43—47 81—87
Bullen.
Bollsleischiqe, ausqcw. höchsten Schlachtw. . 43—46 76—82
Pollfleischige, jüngere......... 38—42 66—70
Färsen. Kühe.
Vollfteilchige, ausgemästete Färsen höchsten
Schlacbtwerles......... . 48—53 88 —98
Lollfleischige ausgen,ästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahr«, .... 38—45 70—86
Wenig gut entwickelte Färsen...... 40—46 77—86
Kälber.
Feinste Mastkälber.......... 60— 00 100—00
Mittlere Mast- und beste Saugkälber ... 54—58 90—94
Geringe Saugkälber.......... 46—47 77—82
Schafe.
Weidemaslschase:
Mastlänuner und Masthanimel. . . . 41,00—00,00 86—00
Geringere Masthaininel und Schale . . , 33'/,—00 76—00
'Heitere Masthammel, gut genährte junge Schafe und gering«« Mastlämmer . . . 00-00 00-00
Schweine.
Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 leg
Lebendgewicht...........54 ',,—65 72—73
Vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgew. 56—56'/, 72-73 Vollfleischige Schweine von 100 bis 120 kg
Lebendgewicht...........52'/,—54 68—69
Bolltleischige Schweine von 120 bis 150 kg
Lebendgewicht............ 54—54'/, 69—70
gegen
Schnupfen


