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krnft Ellrich, Groß-Eichen. Schotten. verm. Res. Ludwig Liß- nann. Lich, Gießen, verm. Gesr. d. Res. Georg Dürkes, Becht- jeun, Worms, verm. Res. Pseiner »crm. Res. Louis Schnel­ler, Lumda. Gießen, verm. Res. Hermann Packheiser, Mehlsack, Araunsberg, verm. Musk Georg ?ldam Weber, Birkenau^ öeppenheinl, lvw. Gest. Ludwig Mattisczack, Petzen, Schrimni, chvw. Wehrm. Heinrich Debus, Darmstadt, lvw. Wehrm. Wilhelm Weber, Lengseld, Dieburg, lvw. Wehrm. Heinrich öang, Weitershain, Gießen, lvw. Res. Wilhelm Friedrich Wörner, Mbenhausen, Wetzlar, verm. Wehrm. Otterbein verm.

Res. Gustav Adolf Crummenerl, Berlinghausen, Mtena, verm.

Res. Emil Wagner, Trohe, Gießen, verm. Musk. Jakob Andel. Darnrstadt, lvw. Musk. August Ernst Clemens, Köhn- hcim. Straßburg, schvw. Musk. Gottlob Wacker, Oferdingen, Tübingen, schvw. Res. Ludwig Bovv, Hausen, Gießen, lvw. Gest. d. R. Gusdav Wilhelm, Lehnheim, Msseld, lvw. Gest. >. Res. Wilhelm Schwalb, Alten-Buseck, Gießen, lvw. Wehrm. Friedrich Löchel, Darmstadt,, lvw. Wehrm. Wilhelm Will, Annerod, Gießen, lvw. Gesr. ix Res. Wilhelm Schuster, Hochel­heim, Wetzlar, verm. Ilnteroff. Karl Ntoritz Wittkop, Weilburg, Lberlahn, gefallen. Res. Karl Hosfmann, Alten-Buseck, Gießen, lvw. Gesr. d. Res. Konrad Wittich, Burg-Gemünden, Alsjeld, lvw. Wehrm. Georg Auth, Bürgel, Offenbach a. M., lvw. Wehrm. Martin Knauer, Oberfellendors, Ebermannstadt, schvw. Wehrm. Wilhelm Eidenmüller, Darmstadt, lvw. Gesr. d. L. Karl Schneider, Unterbeerbach, Darmstadt, lvw. Wehrm. Wil­helm Linsenmaier, Darmsladt, lvw. Gesr. d. Res. Friedrich Müller, Eibelshausen, Dill, lvw. Wehrm. Rothhammer schvw. Wehrm. Valentin Schäfer, Raibach, Dieburg, verm. Wehrm. Ludwig Prescher, Vilbel, Friedberg, verm. Wehrm. iAugust Freund, Groß-Umstadt, Dieburg, verm. Res. Kroll verm. Res. Heinrich Möller, Wernges, Lauterbach, gefallen. Wehrm. Karl Sauer, Marburg, gefallen. Wehrm. Friedrich Necker, Cal- how, Oberkales, gefallen. Res. Johann Merkel, Mendorf, Gießen, lvw. Unterosf. d. Res. Grimmelt schvw. Wehrm Heinrich Höhne, Worms, lvw. Res. Rubels Schmitz, Borbet, Altena, schvw. Res. Wilhelm Reuter, Lüdenscheid, schvw.

1 2. K o m v a g n i e. Uftz. Willy Hagen, Misterhorst, Garde­legen, gef. Musk. Wilhelm Hirsch, Hilgenbach, Sregen, gef. Wehrm. Karl Wagner, Ober-Ohmen, Msseld, gef. Wehrm. Johann Schrodt, Langen, Offenbach, gef. Ufsz d. R. Samuel Leonhard, Osfeirbach, gef. Wehrm. Johann Friedrich, Eberstadt, Darmsladt, gef. Gesr. d. R. Johann Kühler. Runborn, Erbach, gef. Wehrm Georg Gövisch, Ober-Ramstadt, Tarmstadt, gcs.

Gefr. d. R. Peter Romann, Osburg, Trier, lvw. Musk. Albert Rosenthal, Wenings, Büdingen, lvw. Musk. Ludwig Beyerleim Hoheuweiler, Mittcliranken, lvw. Musk. Engen Lanoix, Schivindratzhain, Zabern, lvw. Musk. Albert Eisel«, Straßburg, lvw. INusk. Georg Kleis, Maißenheim, Lahr, schvw.

Musk. Daniel Mischlich, Dornheim, Großs-Gcrau, lvw. Res. Heinrich T-ietz, Erchelsdorf, Schotten, lvw. Gesr. d. R. Adam Sauer, Rodenberg, Erbach, lvw. Res. Friedrich Wolf, Tiesenbach, 'Wetzlar, lvw. Gefr. b. R. GÜstav Finkensieper, Mainz, lvw. Res. Otto Kreutzer, Gleiberg, Wetzlar, lvw. Gesr. d. R. Karl Schmidt, Haiern, Dillkreis, lvw. Gesr. Karl Schmitt, Lauter, Gießen, low. Gefr. Wilhelm Haup, Linpcnau- bach, Dillkreis, lvw. Wehrm. Heinrich Übrig, Eifa, Msseld, lvw. Wehrm. giudolf Jäger, Großselda, Alsfeld, lvw. Wehr­mann Heinrich Wagner, Leihgestern, Gießen, schvw. Wehrm. Ludwig Schnaitt, Watzenborn, Gießen, lvw. SBelyrm. Mathäus Rovs, Worms, lvw. Off.--Stellv. Jmbcscheidt, Darmstadt, lvw.

Wehrni. Johann Strohmenger, Lindensels, Benshetm, lvw.

Wehrm. Heinrich Teckzett, Eberstadt, Tarmstadt, lvw. Wehrm. Peter Hauch Wittenberg, lvw. Gesr, d. R. Karl Krämer, Hoinicksen, Döbeln, lvw, Wehrm. Josef Häsner, Rie­den, Wittenberg, lvw, Wehrm. Karl Bender II., Hungen, Gie­ßen, lvw. Wehrm Jacob Helsmann, Langen, Darmstadt, lvw.

Wehrm. Paul Schulze, Stössen, Wcißensels, lvw. Wehrm. Heinrich Müller, Langen, Tarmstadt, lvw. Wehrm. Sebastian Tietz, Ofsenbach, lvw. Musk. Peter Müller, Obertshausen, Ofsenbach, vm. Rest Rudolf Heun, Eichelsdorf, Schotten, vm. Gefr. d. R. Robert Manderbach, Bergebersbach, Dillkreis, vm

Res. Wilhelm Klinkel, Lollar, Gießen, vm. Wehrm. Friedrich Hofmann II., Heuchelheim, vm, Wehrm. Heinrich Feldpnsch, Eifa, Msseld, vm. Wehrm. August Schneider, Vierminden, Frankenberg, vm. Wehrm. Johannes Dechert, Ebersladt, Darm­stadt, vm. Wehrm. Georg Breidert, Langen, Ofsenbach,. vm.

Wehrm. Karl Kircher, Rainrod, Msseld, vm. Gesr. d. R.

Karl Wender I., Bockenheim, Fanksurt, vm. Wehrm. Emil Nisse, Homardingen, Saarbnrg, vm. Wehrm. Jacob Herbold, Gr.-Rohrheim, Bensheim, ges. Ufsz. d. R. Fritz Stoll, Wind­ecken, Hanau, lvw. Musk. Weidmann, gef. Musk. Johann Schneider, Offstern, Worms, lvw, Musk. Franz Hornung, Ofsenbach, lvw. Wehrm. Johann Haber, Eifa, Msseld, vw., in Gefangenschaft, _

Au» stnöt und Land.

Gießen, 13. November 1914.

"Einen neuen schweren Verlust hat das Offi­zierkorps des Infanterieregiments 116 zn beklagen. Major August Schroeder, Bataillonskommandeur im Re­serve-Infanterie-Regiment Nr. 116, ist am 12. November den H e l d e n t o d in Frankreich- g e st o r b e n. Am gleichen Tage besiegelte sein ältester Sohn ,H o r st, der als Leutnant im gleichen Regiment stand, die Treue zu Kaiser und Reich mit dem Tode. Das doppelt schwere Opfer, das die Hinter­bliebenen dem Baterlande bringen mußten, wird lebhaftes Mitgefühl finden, denn Major Schroeder voar in weiten Bürgerkreisen durch sein sympathisches Auftreten und durch seine vielseitigen, namentlich musikali­schen Interessen eine außerordentlich beliebte Persön­lichkeit, die oft und gern bei manchervei Ge­legenheiten und Veranstaltungen zugczogcn wurde. Major Schroeder, der am 9. Juli 1869 in Fulda geboren war, ivurde 1889 Leutnant und kain als Oberleutnant im Jahre 1897 zu den 116 ern nach Gießen. 1905 wurde er zum Hauptmann und am 22. Mörz dieses Jahres zum Major befördert.

** Wechsel im Kreisarztamt, Die Großherzogin hat an Stelle des in den Ruhestand getretenen Kreisarztes des Kreisgesundheitsamtes in Gießen Geh. Med.-Rat Dr. I. H a b e r k o r n den Kreisarzt Med.-Rat Dr. W a l g e r aus Erbach zum Kreisarzt in Gießen und für Erbach den Kreis­assistenzarzt Dr. A. Jaup ernannt.

** Oeffentlicher Dank. Der Kommandeur des Landwehrinfanterie - Regiments 116, Oberstleutnant Gras v. Schlieffen, ersucht uns um Veröffentlichung der nach­stehenden T-ankesworte:Das Landwehrinfanterie-Regimcnt Nr. 116 spricht auf diesem Wege dem Verein vom Roten Kreuz, allen Landesvereinen und Privaten, die das Regiment mtt Liebesgaben aller Art so reichlich bedacht haben, seinen w t r m st e n D a n k aus."

** Die militärische Vorbereitung der Jugend ist nunmehr auch in Gießen in die Wege geleitet worden, nachdem bereits an vielen Orten in dar Umgegend die Anregungen der Re­gierung praktische Form angenommen haben. Vorgestern abend fand in der Turnhalle der Oberrealschnle eine Zusammenkunft statt, die sich mit den einleitenden Schrüten befaßte. An ihr nahmen außer! dem Oberbürgermeister, den Vertretern des Osfizierkorps, der Lehrerschaft und der Sport- und Turnvereine etwa 150 junge Leute teil, die demnächst an den in Aussicht genommenen Uebungen sich beteilige» wollen. Stimmungsvoll leitete der Knabenchor der Stadt- Knabcnschute unter Leitung des Lehrer Görlach mit dem nieder- tändifchen Dankgebet und dem volkstümlichen ChorDer Soldat" den Abend ein, woraus Oberbürgermeister Keller mit einer vatriotischen Ansprache sich an die Fugend wandte und auf den Zweck und die erstrebten Ziele der beabsichtigten militärischen Aus­bildung der Jugend hinwies. Seine Rede llang ans in ein Hoch aus Kaiser und Reich. ür das die Versammlung begeistert cinstimmte.

Professor Tr. Krausmüller widersprach dem hier und da erhobenen Einwand, als ob es sich hier um eine militärische Spielerei handele, und wies daraus hin, daß unsere Freiwillige, t in einer Zeit von ivenigen Wocl>an als tüchtige Streiter für das Vaterland ihre Ausbildung erhallen haben und daß in Zukunft die militärische Ausbildung in der Kaserne für die Jugend weit einfacher und leichter sich gestalten werde, wenn der Rickcut schon vorher sich gewisse notwendige Fertigkeiten angeeignet habe. Dev Kriegsministcr habe die Behörden ausgesordert, sich der militärischen Ausbildung der Jugend ohne Massen anzunehmlejiz, und alle die Vereine, die bisher durch Äirncm, Sport und Spiel die körperliche Erlllchllgung erstrebt haben, müßten, da cs sich bei der militärischen Ausbildung der Jugend um eine echt vaterländische Sack>e handele, alle Sonderbestrebungcn z u r ü ck t r c t e n l a s s e n. Es sei geplant, jeden Sonnlag mittag um 2 Uhr die jungen Leute antreten zn lassen. Tie Uebungen werden geleitet von militärisch vorgebil- delen Personen. An jedem Mittwoch abend würde dam, eine Zu- sammenkunjt stattsinden, bei welcher die militärischen Uebungen für den Sonntag vorbereitet ,verden. Anschließend daran sollen der Jugend, so lange der Krieg dauert, die militärischen Geschehnisse aus den Kricgsfchauplätzen erllärt und näl>ergerückt werden. Professor Volzel hielt hierauf eine zündende Ansprache an die Jugend. Er führte die Hörer zurück an die Zeit vor 100 Jahren, wo das ganze Volk sich in Deutschland erhob, um die Fremdherr­schaft abzuschütteln. Er führte aus, wie es drei Haupteigcnschastcn gewesen seien, die unser Volk befähigten, die Ketten der fremden Knechtschaft zu sprengen: deutsche Sitte, deutsches Pflichtgefühl und deutscher Glaube. Durch diese Eigenschaften sei es unseren Vätern gelungen, das Deutsche Reich mit Blut und Eisen zu begründen, und mit diesen Eigenschaften werde der deutsche Geist auch ans dem uns aufgezwungenen Rieseukamps, wie ihn die Welt noch nicht gesehen, als Sieger hervorgehen. Es sei eine große Zeit, die nnferc Jngend beute miterlebe, die Erinnerung daran könne nie verblassen. Deshalb aber auch solle sich die Jugend dieser Zeit würdig zeigen, »nd sich bereit sinden lassen, einzutreten sür das Vaterland, besten Größe und dessen Wchrhastigkcit. Begeisterte Zu­stimmung der versammelten Jugend zeigte dem Redner, daß er mit seinen Ausstihrungen das rechte Verständnis gesunden hatte.

Professor Dr. Krau smüller teilte mit, daß am Sonn­tag mittag um 2 Uhr aus dem Hose der Zeughauskascrn» die erste Zusammentunst stattsindet. Mit dem gemeinsam gesungenen Liede:Deutschland, Deutschland über alles" schloß der gute Anfang eines zweifellos für Jugend und Vaterlandgedan­ken zweifellos bedeutsamen Unternehmens.

** Das Recht der Zukunft machte gestern abend in der Aula der Universität Geh. Justizrat Pros. Dr. Leist znm Gegen­stände eines tiefgründigen bedeutsamen Vortrages, dessen kühne und originale Gedanken das gespannte Interesse der Zuhörerschaft sanken.

Der Streit der Parteien, so führte der Redner aus, ist in der Größe des Kampfes gegen den äußeren Feind verstummt. Der Deutsche weiß, daß cs hinter der Front keine Uneinigkeit geben darf, wenn er draußen siegen will. Das ist kein Gebot der Oppor­tunität, sondern eine sittliche Notwendigkeit. Wir, die wir nicht für das Vaterland sterben dürfen, sind seiner nur wert, wenn wir mit voller, ft»geteilter Seele für das Vaterland leben. Muß nun später der Krieg im Innern wieder entflammen, wenn der äußere Find nicdcrgernngen sein wird? Was nützte es den Deutschen, wenn sie die ganze Welt gewännen, aber Schaden an der Volksseele erlitten? Alle Erfolge, diic wir gewinnen:, sind der Opser nicht wert, wenn uns die gemeinsamen Ziele wieder ver­loren gehen. Es fällt gewiß schwer, zu glauben, daß dies herrlich« Volk, das wir jetzt kämpfen und leiben sehen, wieder in die Ge­hässigkeit der letzten Jahrzehnte zurückfallen sollte. Ein Mick in die Geschichte lehrt uns aber, daß wir sehr wohl damit rechnen können, ist es doch nach der herrlichen Zeit von 1870/71 nicht anders gewesen. Parteileidcnschast ist ebenkeine Hcringsware, die mack" einpökclt aus einige Jahre", Spaltet sich nach diesem Kriege Deutschland wieder in verschiedene Parteilager ohne gemein­same Partciziele, so mag Deutschland vielleicht mächtig und mächtig werden, zufrieden wird es nicht sein. Ohne zn untersuchen, ob der Kapitalismus, wie man es von mancher Seite behauptet, die Notwendigkeit neuen inneren Kampfes herausbcschwört, so taucht doch bei dem Gedanken, daß die Gegensätze zwischen der besitzenden und der besitzlosen Klasse sortdauern werden, die Frage aus: Ist es nötig, daß diese Kämpfe und Gegensätze forlbestehen? In dieser Fage liegt die Frage nach dem Rechte der Zukunft.

Unsere Wirtschaftsordnung beruht ans dem Privatrecht. So ergäbe sich eigentlich folgerichtig als Mittel zur Beseitigung des wirtschaftlichen Gegensatzes die Abschaffung des bestehenden Privatrechtes und die Ersetzung desselben durch ein öffentliches Recht, wie ein solches der Sozialismus anstrebt. Sein Ideal ist die rechtliche Verteilung aller Produktion und aller Einkünfte durch den Staat und die Gemeinde aus der Grundlage eines öffent­lichen Rechtes. Man muß sich aber fragen, ob die Beschränkung des Privateigentums, die Betonung des Erbrechtes des Staates, die Reservierung wichtiger Industrien für ihn und die ins nn- gemcssene ausgchehnte Arbeiterversichcrung die Klassengegensätze auf die Dauer aus der Welt schalten können. In diesem Sinne erscheint es sehr schwer möglich, das Privatrecht mit den For­derungen des Sozialismus in Einllang zu bringen. Es bliebe also seine vollständige Beseitigung.

Vielleicht gibt es aber noch eine dritte Möglichkeit. Ms solche wäre eine Fortbildung des Privatrechtes, ein Um­bau desselben eben im Hinblick auf die Klassen- kämpse ins Auge zu fassen. Betrachtet man unser Wirtschafts­leben als einen Strom, dessen Bett durch Sittlichkeit, Sttte und Recht gebildet wird nur in einem solchen Bett kann das Wirt­schaftsleben zur Volkswirtschaft werden so muß aussallen. daß Beobachtungen darüber, wie das Privatrecht dieses Bett beeinflußt, fast vollkommen fehlen. Daß die Möglichkeit eines Einslusses des Privatrechtes auf die Gestaltung dieses Sttombettes vorhanden ist, kann nicht bestritten werden. Aber man llammert sich in der gel­tenden Rechtsauffassung nun einmal zu sehr an Vulpians Wort, daß das Privattccht die Utilitas singulorum sei. Doch die Anschauungen und die Interessen sind veränderlich.

Ter Gegensatz zwischen Besitzlosen und Besitzenden wird be­stehen, so lange es ein Privatrecht gibt, der Gegensatz zwischen einer besitzlosen und besitzenden Klasse aber besteht mir deshalb, weil es heute als Einzelfall angesehen werden muß, daß Spar­samkeit, Fleiß und Befähigung dem Besitzlosen die Erreichung der gleichen menschlichen Ziele gestatten wie dem Besitzenden. Hier muß der Hebel angesetzt werden. Zur Aus­bildung des Kapitalismus hat das Privtarecht mitgeholfcn, also kann es auch an der Beseitigung der aus ihm kommenden Mängel helfen. Es kann sich für das Privatrecht nicht darum handeln, den Sttom des wirtschaftlichen Lebens zurückznbämmen: Reaktion wäre ihm ein schlechtes Rezept. Aber in dem Strombett können Veränderungen bewirkt werden, aus dem Geröll, das der Kapitalisimis mit sich sühn, können Dämme errichtet werden, die.den Strom zum Meere zwingen. Wie allerdings die Ein­führung einer Effindung schwieriger zu sein pflegt als die Er­findung selbst, so wird es schwerer sein, diesen Gedanken einzu- bürgcrn als einen fettigen Entwurf für die Reform des Privat­rechts in diesenr Sinne zu erdenken. Ist es doch eine ganz neue Federung, mittels des P r rva t rechtes So zra l poli­tt k in größtem Stil zu treiben, huldigt man doch der Ansicht, das Privatrecht entwürdige sich, wenn es versuchen wolle, das Wirtschaftsleben zu korrigieren, und ist man durchgchends noch der Meinung, ein für menschliche Zwecke ungebildetes Recht bedeute eine Prosanierung der gegebenen Rechtswahrheiten.

Ein junger Philosoph hat kürzlich unsere wichtigste Lebens­frage dahin präzisiett, ob cs nicht möglich sei, das Bil­dungsprivileg der Besitzenden zu durchbrechen. Fest steht, daß es nicht gut ist, daß in den untern Schichten die ethischen und intellektuellen Kräfte nicht in vollem Umfange dem Gemeinwohl nützlich gemacht werden können, wie man es doch auch mit jeder Naturkraft und mit den Schätzen der Motette macht. Deutschland braucht nach dem Kriege die vollen ange- svannten Kräfte aller seiner Kinder, wenn es seine weltgeschichtliche Mission erfüllen will. Das Privatrecht und auch nur dieses kann diese Kräfte in dem nötigen Umsange durch

Reformen sreimachen. Es erwachsen ihm also heilige Ausgaben, auch wenn es dabei den Nimbus des von wirtschaftlichen Interessen unberühtten Selbstziveckes «inbüßcn sollte.

"Personalnotiz. Ernannt wurde am 3. November Wilhelm Grö ßer in Gießen zum Schreibgehilsen am Amlsgettcht Gießen.

" Turnerisches. Nächsten Sonntag, den 15, Nov., vor­mittags 8'/- Uhr, findet in der Turnhalle des Männerturnvereins (Oberrealschule, Bismarckstraße) unter Leitung des Gauturnwarts Will» Gießen die zweite Bezirksvorturner stunde des zweiten Bezirks des Gaues Hessen zur militärischen Ausbildung der Vorturner statt. Gäste sind willkommen.

" Die Silberne Hochzeit feiern heute die Eheleute Christian Bepperling und Frau, Auguste, geh, Euler. Hessen-Nassau.

r. Winnen <Kr. Marburgs, II. Nov. Durch die Einbernsung »»seres Lelirc'rs Walter ist die hiesige Stelle unbesetzt. Jniolge- deben geben die Schüler, 27 a» der Zahl, in die Schule nach dem knapp 10 Minnie» von hier liegenden Nordeck.

r. Nor deck <Kr. Marburg), >1. Nov, Vorige Woche wurde di« älteste Frau unseres Srlcs und auch ivobl der biehgen Gegend, Frau Christine Hosiman», »n Aller vou 94 Jahren zu Grabe getragen und gestern ivnrde Johannes Müller, Veteran von 1870,71, zur letzten Ruhe bestallet. Der Kciegerverein Jlordeck- Winnen gab die drei Ehrcnlalven ab,

m Neustadt, 12. Nov, Mit dem Eisernen Kreuz zn'eiter Klasse wurden ausgezeichnet Amtsgerichtssekretär G o t l - s ch l i eh von hier, zurzeit Feldwebel-Leutnant, ferner Feldwebel Tbcodor D o m l ch l o h po» hier, der aus dem östlichen Kriegs­schauplatz kämpil. Tie Zahl der hiesigen Kämpfer, die das Eiserne Kreuz erwarben, ist bereits aus iüns gesl-cgen.

w. Cronberg T., 12. Nov. <W. B. Nichtamtlich.) Aus dem F e l v b e r g und dem A l t k ö n i q ist heute nacht der erste Schnee gefallen. Die weißen Berggipfel sind weithin sichtbar.

Gericht»saal.

Der latsche Bürgermeister Köslin, 12. Nov. <W. B. Nichtamtlich.) Nach einer Der- bandlung von mehr als b Stunden wurde der frühere Kreisausfchuß- Assistem Heinrich Tbormann, der unter dem Namen vr. jm. Alexander annähernd ein halber Jahr in Köslin 2 . Bürger­meisler war, weaen schwerer Urkundenfälschung in zwei Fällen in Taleinbeit mit Betrug z» einer Gesamt st rase von 16 Dt onate» Gefängnis und zweiJahrenEhrverlust verurteilt. Tbormann wies in seiner Stellung als Bürgermeister zwei Anweisungen an die Stadlbanplkafse zur Zahlung an den Archileiien Fohanneleii in Stettin a», obgleich es einen Architekten dieses Namens überhaupt nicht gibt. Er hat das Geld an sich zahlen lassen und sür sich behalten.

verrnischte».

^Leipzig, 13. Nov. Dem VerbandederDeutschen Buchdrucker (freie Gewerkschaft) wurde für seine Beteiligung an der Internationalen Ausstellung sür Buchgewerbe und Graphik in Leipzig der Staatspreis des Königreichs Sachsen verliehe». Es ist dies die höchste Auszeichnung, die einem Aus­steller überhauvt verliehen werden kann. Es ist beabsichtigt, das große Denkmal, das das Wirken des Verbandes in sozialer Hinsicht auf der Ausstellung verkörperte, aus dem großen Leipziger Fried- hose aufzusteilen, zum Andenken an die für das Vaterland gefal­lenen Buchdrucker.

* Sturm in Berlin. Ein gemaltiger Sturm, der am Donnerstag früh in der vierten Stunde einsetzte und nach einstnndigem Toben seinen Höhepunkt erreichte, hat in Berlin und Umgegend mehrfach großen Schaden ange­richtet. Jm Tiergarten und im Friadrichshcrin wurden Baumstämme umgeworfen und besonders im Grimewald stürzten unter der Gewalt des Sturmes Hunderte vou starken Kiefern um. Jin Innern der Stadt wurden Tausende von Dachziegelir auf die Straße geschleudert, Fensterscheiben wur­den zertrümmert und andere Schäden verursacht.

Letzte Nachrichten.

Die bevorstehende Reichstagstagung.

Berlin, 13. Nov. Zu der bevorstehenden Reichstags­tagung kann dieVossische Zeitung" Mitteilen, daß Steuer­vorlagen nicht eingebracht werden. Nur eine zweite Kreditvorlage wird erscheinen, die der ersten ähnlich sein soll, Tie bewilligten fünf Milliarden halten noch Monate vor. Für die Folgezeit will die Regierung schon jetzt eine genügende Bedarfs­deckung sichern. Außerdem ist eine Denkschrift über die Kriegs- verordmingen zu erwarten. Der Reichshaushaltsetat wird erst im Februar vorgelegt werden.

Die Lage in Westflandern.

Berlin, 13. Nov. Die Lage der Kämpfe in Westflandern findet durch den militärischen Mitarbeiter desNieuwe Rottcr- damschc Courant" folgende Beurteilung:

Die Eingriffe der deutschen Truppen sind aus der ganzen Linie ersolgreich fortgesetzt worden. Rückschläge sind mrgends eingetreten. Immerhin muß mit einer längeren Dauer der Kämpfe gerechnet werden. Wenn auch eine Entscheidung noch nicht unmittelbar bevorsteht, so zeigt sich doch die vorzüglichr Lage der Deutschen aus den zahlreichen Gefangenen und cr- bttitcttn Maschinengewehren.

Sven Hedin bei der Kronprinzessin.

Berlin, 13. Nov. Die Kronprinzessin empfing gestern den schwedischen Forschungsreisenden Sven Hediu nach seiner Rückkehr aus dem Hauptquartier des Kron­prinzen zur Abcndtafel. Ter Gelehrte überbrachte der Kron­prinzessin Grüße ihres Gemahls und berichtete ihr fesselnde Einzelheiten über seine Erlebnisse auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen.

Die türkisch-englischen Kämpfe beim Suezkanal.

Berlin, 13. Nov. Wie Mailänder Blätter lautBerl. Lokalanz." aus Kairo melden, wird jenseits des Sucz- kanals gekämpft. In Kairo sollen vier Eisenbahnwagen voller Verwundeter angckommen sein. Die englischen Behörden erklärten, es seien Kranke gewesen, man wisse aber, daß zivischen Jsmaila und Suez eine Empörung unter den eingeborenen Trup­pen ansgcbrochen ist, weil die Engländer die Brunnen der Wüste zerstörten, um den türkischen Bormarsch zu erschweren. Die Blät­ter sind angewiesen worden, zu schweigen.

Schnee im Thüringer Wald.

Berli n , 13. Nov. Wie unlängst im Südwesten des Reiches, ist jetzt mr Thüringer Wald bei starkem Tempcratnrsall Schneesall eingetteten.

Wetteraussichten in Hessen am Samstag, de» 14. Nov. lout Mein irüb und wolkig, Niederschläge, etwas wärmer» lebhafte süd­westliche Winde.

Verantwortlich fürFeuilleton",Gerichtssaal" u.VcrmisckUes": I. V.: A u g u st G o e tz.