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der Geschäfte tritt. Der Eintritt Sonninvs in das Kabinett ist gleichzeitig eine Anerkennung sür die Richligkeft jener Grund­prinzipien, zu denen sich der Kabincttsches bekennt. Man kann wohl sagen, daß seit Kriegsausbruch der in Rom innegchaltene Kurs dort immer mehr als der richtige erkannt wird und daß immer größer die Zahl derjenigen wird, die sich zur Politik strenger Neutralität bekennen. Hierin allein ist die Ge­währ zu erblicken, daß Italien für seine weitverzweigten Inter­essen, die säst das ganze Mittelmeerbeckrn umsassen, den in dieser Weltkrise gebotenen Schub siuden wird.

Beschlagnahme eines italienischen Dampfers.

(WTB.) Mailand, 5.Nov. (Nichtamtlich.) DemCorrierc della Scrra" nach haben die Franzosen den italienischen DampferSilvia", der 6500 Tonnen Getreide für die schweize­rische Firma Sprecher an Bord hatte, beschlagnahmt und nach Toulon gebracht.

(WTB.i Zürich, 5. Nov. (Nichtamtlich.) Nach einer Mel­dung derNeuen Züricher Zeitung" aus Mailand ist der Tamvser Duca di Genova", der von englischen Kriegsschiffen nach Gibraltar gebracht worden war, mft 1382 Passagieren aus New Uork in Neapel eingetrofsen. 300 Tonnen amerikanisches Kupfer waren, obwohl sür Italien bestimmt, von den Engländern als Kriegskonterbande zurückbehaften worden.

Aus Bulgarien.

(WTB.) Paris, 5. Nov. (Havas-Meldung.) Dem Echo de Paris" zufolge, ließ die bulgarische Regie­rung den Verkehr zwischen den Häfen des Landes einstellen. 'Es seien die Truppen des 2. Aufgebotes aufgerusen. Uebcrall herrsche lebhafte Bewegung.

(WTB.) Sofia, 5. Nov. (Nichtamtlich.) Meldung der Agence Bulgare. Die Leiter der Oppositionsparteien find heute von Roda Slavoe empfangen worden, der ihnen die Lage Bulgariens unter den gegenwärtigen Umständen auseinandersetzte. Am Schluß des Interviews halten die Leiter eine Besprechung, nach der sic der Presse mitteillen, paß nach deu Erklärungen Roda Slavos Bulgarien in lder gegenwärtigen Lage entschlossen ist, d i e H a l t u n g strenger Neutralität zu bewahren.

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Erfolge der Oesterreicher.

(WTB. Nichtamtlich.) W i e n , 5. Nov. Amtlich wird be­kanntgegeben: Auch gestern verliefen die Operationen aus dem nördlichen Kriegsschauplatz plangemäß und ungestört vom Feinde. Südlich von 'der Wieleka-Mündung warfen unsere Truppen den Gegner, der sich auf dem westz- lichen Saw-Ufcr festgesetzt hatte, aus allen Stellungen, mach­ten über 1000 .Gefangene und erbeuteten Maschinen­gewehre. Ebenso vermochte auch de r Feind im S t r n j -- Tale unseren Angriffen nicht standzuhalten. Hier wurden 500 Russen gefangen genommen, eine Maschi- ttengewehrabteilung und sonstiges Kriegsmaterial erbeutet.

Der Stellvertreter des Ehefs des Generalstabes, v. H ü f e r, Generalmajor.

Ein vergeblicher Berzweiftungsschritt Rußland».

Berlin, 5. Nov. DerNationalzeitung" wird aus Wien 'berichtet: Der russische Gesandte in Sofia, Sawinski, hat der bulgarischen Regierung den Abschluß eines ser­bisch-bulgarischen Defcnsivbündnisses vor­beschlagen. Dieses Bündnis soll nach russischer Auf­fassung sowohl gegen die Türkei als auch gegen Ocsterreich- (Ungarn gerichtet sein. Die russische Regierung verpflichtet sich für den Fall des Zustandekommens dieses Bündnisses, Bulgarien nach dem allgemeinen Friedensschluß durch die serbisch-makedonischen Gebiete, die Bulgarien durch den Bukarester Frieden verloren hat, voll zu entschädigen und gewährleistet die Rückgabe des in diesem Frieden an Ru­mänien abgetretenen Streifens der Dobrudscha. Die bul­garische Regierung hat diesen Vorschlag als unverein­bar mit ihrer Würde zurückgewiesen und die rumänische Regierung von dem russischen

Anerbieten bezüglich der Dobrudscha in

Kenntnis gesetzt. Gegenwärtig findet ein lebhafter

Meinungsaustausch zwischen Sofia und Buka­rest statt.

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Bericht aus dem türkischen Hauptquartier.

(WDB.> Konstantinopel, 5. Nov. sNichtamtlich.) Anft- 'ftcher Bericht aus dem Großen Hauptauartier. Die Russen begannen ihre Stellungen nahe der Grenze zu befestigen, wurden ged och ans dem Gcbrctc von Karaklissa und Jlskban vollstän­dig zurück geworfen. Die Stimmung und Ausbildung unse­rer Truppen ist ausgezeichnet. Nach späteren Meldungen nahmen an der Beschrcßung des Dardanelleiu-Einganges vier englische Kriegsschiffe, ferner ein französisches Panzerschiff, sowie zweisiran- zösischc Kreuzer und acht Torpedoboote teil. Sre gaben 240 Schüsse ab. Es gelang ihnen jedoch nicht, irgend euren be­deutenderen Schaden zu verursachen. Unsere Forts gaben nur 10 Schüsse ab, von denen erncr ein cnglrsches Panzerschiff traf, woraus eine Explosion ent« -..ft and.

Im Aövaly in Klern-Asien wurde ern englischer Dampfer zum Sinken gebracht, nachdem die Besatzung und Ladung gelandet tvar. l Iie Bemannung des russischen Damp­fersKorolcwa Olga", die hier verhaftet wurde, ist zu Krregs- gefangencn gemackst worden.

Enver Pascha an den Kronprinzen.

Berlin, 5. Nov. (ctr. Bln.) Auf das Telegramm des Kronprinzen an den türkischen Kriegsminister Enver Pascha antwortete dieser, wie aus Konstantinopel berich­tet wird, folgendes:

Tic Kaiserlich Ottomanische Armer dankt Eurer Kaiser­lichen Hoheit sowie der 6. Armee für die brüderlichen Grüße und hofft fest, alle ihre Feinde gemeinsam mft den Armeen Seiner Majestät des Deutschen Kaisers, deren Tapserkeft weltberühmt ist, zu besiegen."

Afghanistan im Ansstand gegen England.

(WTB.) Wien, 5. Nov. (Nichtamtlich.) DieSüdsla- vische Korrespondenz" meldet aus Konstantinopel: Wie die über Persien hier eingctrofsenc bedeutendste afghanische Zei> tungSiradsch-al-Asbari" berichtet, hat der Emir von Afghanistan eine Armee von 170000 M a n n m i t 135 Geschützen unter Führung seines Sohnes, des Emirs Behadurkhan, an die englische Grenze pormarschieren lassen. Die von Herat nach Puschk führende Eisenbahn sei zerstört worden, um den englischen Aufmarsch zu hindern. Eine Anzahl der Krieger indischer Grenz stamme habe sich dem Heere Bahadnrkhans ange- ischlossen. An der Grenze herrsche volle Revolution gegen England. Die englischen Beamten seien gefan­gen genommen, einige von ihnen getötet worden.

Kein griechisches Torpedoboot beschädigt.

Athen, 5. Nov. (WTB. Nichtamtlickp) DieAgence hkAthenes meldet: IN den letzten Tagen war die Nachricht verbreitet, daß im Mittelmeer ein griechisches Torpedoboot durch das Feuer von englischen Kreuzern, die es für ein tür­kisches Torpedoboot hielte^, zun: SuAm gebracht worden

sei. Wir sind ermächtigt, diese Nachricht entschieden in A b re d c z u st e ll e n, da kein griechisches Torpedoboot der Feuerlinie der Kriegführenden nahegclommen ist.

Tie Jagden derEmden".

Berlin, 5. Nov. (Priv.-Tel.) DasBerl. Tagebl." meldet aus Rom: Der in Neapel eingetroffenc Tantpfer Roma" begegnete bei Aden einem englischen Geschwader, das auf dieEmden" Jagd machen soll. DieEmden" habe eben wieder zwei Dampfer versenkt, nachdem sie ihnen Lebensmittel und Kohlen entnommen hatte.

Sclbstvernichtung des österreichischen Kreuzers Kaiserin Elisabeth".

(WTB.) London, 5. Nov. (Nichtamtlich.) Reuter meldet folgende amtliche Mitteilung aus Tokio: Man glaubt, daß sich der KreuzerKaiserin Elisabeth" auf der Reede von Tsingtau in die Luft gesprengt hat. Das Schwimmdock ist cbenjalls ver­nichtet. Tie Beschießung dauert an.

Ter japanische Kricgsminister erkrankt.

(WTB.) Tokio, 5. Nov. (Nichtamtlich.) Der japanische Kriegsminister O ka ist schwer erkrankt. _

Aus dem Reiche.

Der Bundesrat hat die H ö ch st P r e i s e im Großhandel sür inländischen Hafer, die vom 9. November ab in Kraft treten, für 32 Hauptorte festgesetzt. Der Preis sür Berlin ist 212 Mk. für die Tonne. In den Nebenorten ist der Höchstpreis gleich dem des nächstgelegenen Haupwrtes. Die Höchstpreise bleiben bis zum 31. Dezember 1914 unverändert, von da ab erhöhen sw sich am 1. und 15. jeden Monats um (1,50 Mk. für die Tonne. Sie gelten sür Lieferung ohne Sack und sür Barzahlung bei Emp­fang. Die vom Bundesrat angenommene, sofort in Kraft tretende Bekanntmachung betr. die Regelung des Absatzes von Erzeugnissen der Kartofseltrocknerei bestimmt in 8 1: Wer Erzeugnisse der land­wirtschaftlichen oder gewerblichen Kartofseltrocknerei herstellt oder durch andere Herstellen läßt (Trockner,, darf die Erzeugnisse bis zum 30. September 1915 nur durch die Trockcnkartofsel-Bcrwertungs- gesellschast mit beschränkter Haftung in Berlin absetzen.

Berlin, 5. Nov. (WTB. Amtlich.) In der heutigen Sitzung des Bundesrates gelangten zur Annahme: Der Entwurf der Bekanntmachung betr. die Regelung des Absatzes von Erzeugnissen der Kartosseltrocknerei, der Entwurf der Bekanntmachung über Höchst v reise für Hafer, die Vor­lage betr. die Befreiung von Waren von Zöllen und Verbrauchs­abgaben, die den deutschen Truppen und Vereinigungen vom Roten Kreuz oder den Ritterorden für die freiwillige Kriegskrankenpflegö gespendet werden, die Vorlage betr. die Verlegung derZoll- grenze gegen das hamburgische Freihasengebiet und der Entwurf der Bestimmung über die Einrichtung und den Betrieb von An­lagen zur Herstellung von Bleifarben und anderen Blci- Produkten.

WTB. Karlsruhe, 5. Nov. (Nichtamtlich.) Der Land- ständisch c A u s s ch u ß dielt gestern unter dem Vorsitz des Prin­zen Max von Baden seine Herbst tagung ab, die vom Prinzen mit einer warmen Ansprache eröffnet wurde, in der er auf die wunderbare Haltung des deutschen Heeres und des Volkes hinwies, und das Vertrauen auf dm Sieg der deutschen Waffen ausdrückte. Finanzdirektor Dr. Rein bol dt gab einen eingehenden Bericht über den Stand der badischen Finanzen, die erfreulicherwcffe sich als durchaus gesund erwiesm haben, wenn auch die Wirkungen des Krieges nicht spurlos vorübergegangen seien. Die Lage der Land- Wirtschaft werde als sehr günstig bezeichnet; aber auch die Ar­beitslosigkeit in der Industrie habe lange nicht den erst bestirchtetm. Umsang angcnommm. Die ganze wirtschaftliche Lage habe sich ge­gen dm August wesmtlich gebessert, was auch in dem steigenden Erträgnis des Güterverkehrs zum Ausdruck komme. Von der Groß­herzoglichen Regierung wuiche für die nächste Zeit eine zahlen­mäßige Darstellung der Finanzlage des Landes in Aussicht ge­stellt.

Aur Stadt uttö Land.

Gießen, 6. November 1914.

Auf dem Felde der Ehre gefallen.

(Aus Hessen und den Nachbargebietm.)

Gefr. Ad. Schwab, Feldart.-Regt. 13, aus Wiesbadm. Fähnrich Otto v. Kathen , Jäger-Bat. 11, aus Wiesbadm. Feldwebel d. Res. Chemiker Ernst Becker, Jns.-Regt. 80 in Wies­baden. Hauptmann d. Landw. Rechtsanwalt Rich. Kühne, Jns.-Regt. 80, aus Wiesbaden. Gesr. Jakob Brenner, Jns.- Regt. 88, aus Pfeddersheim. Res. Karl S ch neider, Inf.-' Regt. 81, aus Reiskirchen (Wetzlar). Gefr. d Res. Rudolf Hummel, Jns.-Regt. 168, aus Ofsenbach a. M. Ersatz-Res. Siegfried Löb, Jns.-Regt. 116, aus Offenbach a. M. Gefr. d. Res. Peter Anton F a y, Jns.-Regt. 116, aus Bieber b. Osfen- bach. Landwehrm. Main Schweikart, Rcs.-Jns.-Regt. 118, ans Mainz. Landwehrm. Heinrich Hofmann, Jns.-Regt. 116, aus Berstadt. Res. Ludwig Krausmüller, Jns.-Regt. 116, aus Romrod. Res. Ferdinand Sch midt, Jns.-Regt. 116, aus Schwabenrod. Res. Heinrich Greb, Jns.-Regt. 116, ans Heidelbach. Res. August Jungk, Jns.-Regt. 116, aus Angm- rod. Res. Georg Roß, Jns.-Regt. 116, aus Nieder-Beerbach. Untcroff. d. Res. Karl Bert, Jns.-Regt. 116, aus Ober-Ram- stadt. Obergefr. Theo Haitzmann, Fuß-Art.-Regt. 3 in Mainz. Postbote Ludwig Harnisch, Jns.-Regt. 116, aus Mm-Buscck. Landwehrm. Wilh. Roth, Jus.-Regt. 118, aus Mainz. Feldwebel Josef Schmidt, Jns.-Regt. 81. aus Mainz. Musk. Josef Milden bur ge r, Jns.-Regt 117, aus Mainz. Musk. Christoph Schimpf, Jns.-Regt. 117, aus Nieder-Weisel. Res. Lehrer Jak. Weber, Res.-Bat. 8, aus Oberklingm. Major und Kommandeur des Rhein. Jäger-Bat. 8 Hermann Lotheißcn, Darmswdt. Militär-Krankmwärtcr Franz Haeling (Teilh. d. Firma H. Henkel & Co.) in Darm­stadt. Reservist Adam Beit, Jns.-Regt. 116, aus Tarmstadt.

Kriegsfreiwilliger Ernst Klepper, stich, mach., 24. Jäger- Bat., in Darmstadt. Res. Konr. 9Üxtnt Klein aus Hechtsheim.

Kriegsfreiw. Fahnenjunker Heinz Sternhäußer, Jns.- Regt. 168, aus Friedbcrg. Res. Wilh. Mühlig, Res.-Jnf.- Regt. 116, aus Reichelsheim i. d. Wetterau. Gefr. Friedrich Müller, Landw.-Rcgt. 116 in Butzbach. Landwchrmann Heinrich Philipps, Jns.-Regt. 116, aus Langenhain. Unteroff. d. Res. Hilssgcfangmmwärter Job. Andr. Kilchert, Jns.-Regt. 116 in Butzbach. Landwehrm. Heinr. Grüninger, Jns.-Regt. 116, aus Butzbach. Sergeant Joh. Heinr. Grein', Jns.-Regt. 168, aus Eudorf. Landwehrm. Friedrich Krämer Res.-Jnf.-Regt. 116, aus Ruttershausen. Heinr. Oestreich und Friedr. Oestreich aus Ostheim b. Hanau. St. d. Res.

Architekt Willb Schee fers, Jns.-Regt. 56, aus Hanau. _

Musk. Ludw. Schreiber, Jns.-Regt. 81, aus Hanau. Gefr. d. Res. Emil Haustein, Jns.-Regt. 116, aus Friedberg.

" Der Herzog von Braunschwelg ist gestern abmd mit Gefolge und Dienerschaft, in zwei Automobilen kommend ftn Hotel Großherzog von Hessen abgcsftegen. Ter Herzog trat heute früh gegen 10 Uhr die Weiterreise an, die ihn zur Front im Welten führen wird.

** Vom Kartoffelmarkt c. Tie Gemüter wollen sich immer noch nicht beruhigen, im Gegenteil kommt in der absoluten Verödung des Kartofselmarktes auch an den letzten beiden Markttagen zum Ausdruck, daß die Lairdleutc ihren Groll noch mcht haben fahren lassen und einstweilen noch eine abwartendc Politik verfolgen wollen. Inzwischen hat die Stadt allerhand an crkennenswcrte Schritte getan, um die Marktbesucher wenigstens in etwas schadlos zu hiftcn und ihnen die zu so hohen Ehren ge­kommene Frucht in kleinen Mengen zukommen lassen zu können. Wie man uns mittcilt, haben fid) städtische Beamte auf den Kar­toffelkauf begeben und den Erfolg gehabt, daß städtischcr-

feit# am Dienstag 40 und gestern 80 Zentner Kartoffeln für den Kleinverkanf bereit gehalten werden konnten. Auch fjj t

morgen soll die Stadt wieder über einige achtzig Zentner verfügen Namentlich Holzheim er Landwirte sollen sich der Verwattune gegcnüber sehr entgegenkommend gezeigt und gute Ware zu aui nehmbarem Preise geliefert haben. Die Stadt fordert sür ihre löffeln 3V, Pfennig im Kleinverkaus. Ucbrigens wird man den­jenigen, die mft dem Einkauf des Winterbetarss der Holum Presse wegen noch zurückgehalten haben, recht geben köniren. Das erhellt u. a. aus folgenden Erwägungen: Zunächst teilt uns die Stabt» Verwaltung hcmc folgendes mit:

^Nachdem in einer kürzlich in Darmstadt im Ministerium des Innern stattgehabten Besprechung der zuständigen Bcrwaltungs- stetlen ftoovon loir gestern Mitteilung machten. D. Red.) sich er, geben hat, daß zwecks Sicherstellung der Versorgung der städtischen Bevölkerung mft Kartoffeln eine Hinaussetzung der obe­ren Prcisgrcnze empschlenswert sei, l>at der Oberbürgtt- meister die Höchstpreise sür beste ausgclcsene Sveisekartofseln nun­mehr aus 7 Mark proTovvelzcntner ftei Lieferung Keller und aus 8 Pfg. für ein Kilogramm im Kleinverkaus, bei Mengen bis zu 5 Kilogramm, festgesetzt. Bei diesem recht angemessenen Preis muß unbedingt erwartet werben, daß die in unserer Gegend reichlich vorhandenen Vorräte an Kartoffeln den Bewohnern un- lerer Stadt zum Verkauf gebracht werden."

Ferner wird man erwarten dürfen, daß nach der Vollendung der in diesem Jahre ja besonders schwierigen Feldbestellung d(x Bauern den Weg zur Stadt eher finden iverdcn, und schließlich wird die Beunruhigung in Kreisen der Käufer und Bei) käufer mit der sortscbrertenden Erkenntnis von ihrer Grundiojio. feit zweifellos abnehmen. Dies in Verbindung mft den oben mitgeteilten neuen Festsetzung en der Verwaltung wird wchr verfehlen, ferne wohltätigen Wirkungen aus den Markt auszu­üben, und jm Interesse des allgemeinen -Friedens wird man gerne hoffen, daß, nun endlich einmal das Klagelied über die Kartosfelmisere verstummen wird.

** Im Gefangenen-Lager aus dem Trieb sind zurzeit etwas über 400 Franzosen, Belgier und Engländer untergebracht.

Vor einigen Tagen kamen 300, gestern 40 unserer Feinde hier an Ter größere Trupp wurde an der Siechenanstalt ausgrladen, mäh. rend der lleine Trupp vom Personenbahnhof zum Läger marschie­ren mußte.

** Der Bund deutscher O ffizierfrauen P, wie man uns schreibt, bereits nach kurzem Bestehen in der Lage, einer größeren Anzahl Offiziermätsen eine weitere un­entgeltliche standesgemäße Erziehung nachzuweisen und älteren bedürftigen Töchtern gefallener Osfiziere eine kostenlose berufliche Ausbildung zuteil werden zu lassen. Außerdem hat er in den meisten größeren Städten AuS- kunfts- und Beratungsstellen eingerichtet. Der Oft brauch dieser Einrichtungen ist nicht von einer Mitgliedschaft ab­hängig, sie können von allen Angehörigen des Offizierstan- des. des Sanitäts-, Reserve- und Beterinär-Ofsizierkorps be­nutzt werden. Die Mitgliedschaft selbst wird durch eine Zah­lung von mindestens 3 Mark halbjährlich und I Mark Ein­trittsgeld erworben. Zuschriften sind an den Bund deutscher Offizierfrauen, Berlin SW. 11, Hallesche Straße 20, zu richten.

** Deutsch« vaterländische DrchtNn g. Mft dm trefflichen Worten, die der alte Attinghaus in SchillersWilhelm Tel!" an seinen Neffen richtet:Ans Vaterland, Mrs teure, schließ' > dich an" leitete Universftätsprosessvr Geheimrat Dr. Krüger gestern abend seine Arrsführungen über vaterländische Dichtung ein.

Er wies nach, wie zwischen den Begriffen Heimat und Vaterland ein Unterschied vorhanden ist, keineswegs aber Gegensätze bestehen.

Der Name Heimat klingt süß und weich, Vaterland aber stolz und hart. Die Heimatlieder tragen mehr den Mollcharakter, die Melo­dien der Vaterlandslieder sind zumeist in Dur gesetzt. Uns Deut- scheu ist das Vaterland aus der Not der Befreftingskricge erwachsen. I Der Preuße, der Hesse, der Sachse besaßen es nicht. Mft Recht fragt darum der Dichter: Was ist des Deutschen Vaterland? und nach- dem er die einzelnen Stämme geiramft hat, fährt er fort:Das § ganze Deutschland soll es sein, das, wackrer Deutscher, nenne dein, (oweft die deutsche Zunge llingt und Gott im Himmel LiÄrer singt."

Das durch den Korsen kstapoleon in seinen heftigsten Gefühlen j verletzte deutsche Voll erhob sich in den Befreiungskriegen wie ein Mann und schuf sich ein gemeinsames Vaterland, das durch dir Ideen der deutschen Idealisten vorbereftct und durch ein Helden­tum sondergleichen in die Erscheinung treten konnte.

Die ersten Ansätze der Vaterlandsgcsänge zeigten sich aller­dings schon früher. Sie rankten sich an einzelnen Heldat in die Höhe. iEin solcher volkstümlicher Held war der Preußenkönig Friedrich.der Große, dessen Taten in aller Munde lebten, und den die Dichter seiner Zeit in Liedern verherrlichten. Es entstände» damals die von Gleim geschriebenen ,,Kriegslieder eines preußi­schen Grenadiers", von welchen der Bortragende das Eingangs­lied und das Siegeslied nach der Schlacht bei Lowositz zu Gehör brachte. Lessing urteilt zwar, daß diese Lieder in ihrer Sprache 30 Jahre älter seren als die darin geschilderten Begeben heftm, aber der Verfasser weiß sich unstreitig mit großem Geschick in die Rolle eines Zuschauers hftrein zu versetzen, woraus sich di« große Wirkung erklärt, die sie bei sonstigen Schwächen auf die Zeit­genossen ausübten. Ein anderer Zeitgenosse, der bei Kunersdorf ' verwundete preußische Offizier Ewald von Kleist, hat in seiner Ode an die preußische Armee das ausgesprochen, tvas wir von unseren im Felde stehenden tapferen Soldaten sagen, hoffen und wünschen. Der lange Zeit auf dem Hohenasperg gelungene Christian Friedrich Daniel S ch u b a r t, ein genial veranlagter Ntmsch schrieb außer Sinngedichten und Smüchen auch verschiedene vater­ländische Gedichte, in welchen er seinem Zorn über dir Uukrast des deutschen Volkes und seiner Sehnsucht nach der Freiheft Aus­druck gibt. Sein GedichtFürftengruft" ist eilte Dichtung voller Feuer, in einem andern,das Vaterland" überschrieben, preist er das altgermanische Heldentum. Am bekanntesteir ist sein ,L> Humus aus Friedrich den Großen", der im Todesjahr des großen Krieges 1786 entstanden ist. Nach dem Tode Friedrichs ging ein neuer Geist auch durch Deutschlands Gaue. Drei Jahre danach begann in Frankreich die große Revolution. In Deutschland aber ist diese Zeit durch unsere großen Gerstesheroen: Goethe, Schiller, Schleiermacher, Fichte gekennzeichmt. Dir tiestraurigeZcft nach 1806 bewirkte eine ernste Prüfung, cim Rückkehr zu den Tugenden früherer Zeften, zu Frömmigkeit und Vaterlandsliebe.

Not lehrt beten, beten sür die heiligen Güter der Persönlichkeit, der Famftie, des Vaterlandes, beten zu dem einen Gott, als Glieder eines Volles, als Kinder eines freien Volkes. Indessen zeigt sich nirgends etwas Gemeines, so daß der Historiker Lamp- rech t von dieser Zeit sagen konMe: Niemals zeigte sich ein Volk in seinem gerechten Zorn mäßiger als das deutsche, überall der gleiche Geist, Demut, Gottvertraucn, Glaube und Hoffnung. Heute noch sind wir hingerissen von den Liedern der Freiheftsdichter. ' eines Ernst Moritz Arndt, Körner und Schenkendori Ihre Töne dringen uns tief ins Herz hinem, denn sie atmen war­mes dichterisches Leben, Helle Begeisterung und edle Vaterlands­liebe, so daß sft stets ein Schatz des Volles'bleiben werden, wenn sie auch vielfach nur, wie Arndt selbst sagt, Gelegenhfitsgcdichtc sind und den Erzeugnissen unserer.größten Dichter nicht an die Seite gesetzt werden können. Daß >mr aber gerade mit diesen Freihertsliedern so eng verwachsen konnten, hat seinen ticsercn Grund in der Geschichte unseres Volles selbst. Als der Franzmann aus Deutschland sortgejagt war, war die Not noch nicht beendet. Die Besreiung war crsolgt, aber die Freiheit, wonach man sich sehnte, nicht erschienen. Die Sehnsucht er­losch nicht. Schenkendors gab ihr Ausdruck in dem Lied:Freiheit- die ich meine". Es sind ferner zu nennen: Uhland, Frcilig' rath. Hoff mann von Fallersleben, der am 26. Aug.

1841 in Helgoland das jetzt zum Gemeingut des deutschen Volkes gewordeneDeutschland, Deutschland über alles" nicderschricb.

Das Geschrei unserer westlichen Nachbarn nach der Rheingrem« beantwortete Nicklas Becker mit dem Lied:Sic sollen ihn niw> haben, den freien deutschen Rhein", und 30 Jahre vorher, ehe un­sere Soldaten im Jahre 1870 nach Frantreich zogen, entstand mächtig wirtendeWacht am Rhein" von Max Schnecken­bur g c r. Unter den viclen.Soldatcnliedern .1870/71 sind die meisten