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nach Dem Ufrrtfrr von 1812 chhrrn wolle. Frankreich dürfe jetzt schon ahnen, welche Stolle cs mit ferner Gcfühlspolitik «eben Eng­land, Rußland und Japan spiele.

Keine Einmischung Portugals in den Krieg.

London, 23. Okt. (WDD- Nichtamtlich.)Daily Chro- nicle" meldet: Die kürzlich umlaufenden Gerüchte von einer bevorstehenden Einmischung Portugals in den europäi­schen Konflikt sind unbegründet.

Mailand, 23. Okt. Einer MätttrmÄdung zufolge hcchen der portugiesische Minister des Innern und der Kriegsminister ihren Rücktritt angebvten, wenn der Präsident der Republik auf einer Beteiligung Por­tugals am europäischen Krieg bestehen bleibt. Falls das gesamte Ministerium zurücktritt, ist auch der Rücktritt wei­terer leitender Persönlichkeiten im Kriegsministrrium und im Generalstab wahrscheinlich.

Die Stimmung in London.

London, 23. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Der militä­rische Mitarbeiter derMorning Post" schreibt: Während die Stimmung in Paris o p t i m i st i s ch bleibt, heißt es, die Stimmung in London sei niedergedrückt. Die deutschen Kriegsnachrichteu behaupten dies und einige Lon­doner Blätter scheinen zuzustimmen. Die Leute scheinen zu glauben, daß wir sicher genug wären, weil den Deutschen nichts Entscheidendes gelungen ist. Das ist eine gefährliche Auffassung. Den Verbündeten ist ebensowenig etwas Ent­scheidendes gelungen. Die Deutschen bleiben im Besitz f a st ganz Belgiens und eines Teiles von Frankreich. Die Lage ist nicht danach angetan, zu jubeln, es ist unangebracht, über den Feind zu witzeln und seine militärische Kraft und seinen Mut zu unterschätzen. Der Verfasser des Artikels polemisiert, ohne Namen m nennen, gegen den militärisck>en Mitarbeiter derTimes , der gesagt hat, daß zwei Drittel der jetzt nn Felde stehenden deutschen Truppen zweiten und dritten Ranges seien, mehr oder iveniger ausgcbildct und bis zu 45 Jahren alt.

D«s Wirke» ««serer Kreuzer.

London, 23. Okt. (WTB. Nichtamtlich. Reuter.) Die Tätigkeit derEmde n" erweckt, obwohl sie äußerst ärger­lich ist, bei dem englischen Volke eine gewisse Bewunderung, insbesondere da der Kommandant, besten Tapferkeit und Un­erschrockenheit unbczweifclbar ist, bei jeder Gelegenheit Menschlichkeit nnd Ritterlichkeit bewiesen hat. Jedoch herrscht in der ganzen britischen Marine das allge­meine Gefühl, daß die Zeit nahe sei, wo wirksame Maßnah­men für die Wegnahme des Schiffes getroffen werden.

Berlin, 23. Okt. Nach hier eingegangenen amerika­nischen Meldungen sollen die Deutschen KreuzerG n e i s e- nau" nndScharnhorst" die englischen KreuzerMi­notaur" undHampshire" im Ehinesischen Meer be- kämpst haben. Die beiden brittschcn Kreuzer kamen be­kanntlich schon vor längerer Zeit sehr zerschossen in Hong­kong an.

Der irrtümliche Angriff auf ein dänisches Unterseeboot.

Berlin, 23. Okt. (WTB. Amtlich.) Der kaiserliche Gesandte in Kopenhagen, Brockdvrff, wurde beauftragt, der dänischen Regierung mitznteilen: Die sofort angestell- ten Feststellungen haben ergeben, dah die am 18. Oktober, 2,35 Uhr nachmittags, auf das dänische UnterseebootHa v- mand" abgefenerten Torpedoschüsse nicht von einem deutschen Fahrzeug abgesehen worden sind.

Befestigung Lemberg» durch die Ruffeu.

Wien, 23. Okt. Die Russen, die ursprünglich ihre Truppen bis auf eine kleine Besatzung aus Lemberg zurück­gezogen hatten, warfen nach der Entsetzung von Pzemysl durch die österreichische Armee außerordentliche Vcrstär- kungennachLemberg. Gegenwärtig liegen dort 80 000 Manu. Tag und Nacht arbeiten sie an der Befestigung der Stadt. Die Bevölkerung wird zum Schanzengraben gezwun­gen. Die anfangs milde Behandlung der Bewohner ist einem rohen Regime gewichen. Es fehlt an Nahrungsmitteln. Die Ran banfälle mehren sich allabendlich. Die Rüsten wollen Lemberg um jeden Preis halten.

Der Bormarsch aus Warschau.

Krakau, 23. Okt. Der Vormarsch der Verbündeten auf Warschau steht günstig. Der Bürgermeister von Czer- uowitz wurde von den Rüsten nach Rußland geschleppt. 300000 Kronen Kriegs ko ntribution wurden von den Rus­sen zurückgegeben.

W i e n, 23. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Die Blätter mel­den aus Czernowitz: Unsere Truppen wurden von der Bevölkerung mit unbeschreiblichem Jubel emvfangcn. Die Bewohner eilten den Truppen in freudigster Erregung ent­gegen. Die Soldaten wurden im Triumph in die Stadt ge­leitet. Der Abzug der Russen erfolgte so rasch, daß in der Stadt kein erheblicher Schaden angerichtet wurde.

Der letzte Bericht de» russischen Generalstabs.

Stockholm, 23. Okt. Wie aus Petersburg gemeldet wird, hat der rustische Generalstab einen Bericht über den Stand der Kämpfe ausgegcben, worin es heißt: Wir haben am 20. Oktober einige Erfolge erzielt, doch ist die Stel­lung der Deutschen aus denr linken Weichseluftr ge­sichert und befestigt. ,

Petersburg wirb befestigt.

S v f i a, 23. Okt. Die Sofioter Gesandtschaft einer euro­päischen Regierung hat die Mitteilung erhalten, daß in Pe- Icrsburg mit Bcfcstigungsarbeitenbegonnen worden ist. Tic Armeeleiiuug ließ plakattcren, daß die Befestigungs­arbeiten nur aus Vorsicht anqeordnet würden. Zu Besorg­nissen liege kein Grund vor.

Russisch)« Drohungen gegen Bulgarien?

Wien, 23. Okt. Aus Sofia wird gemeldet, der russische Gesandte habe in Sofia die Freigabe der Häfen Varna und Bnrgas für den ruffischen Transitverkehr drohend gefordert. Trotzdem sei die Ablehnung dieser russi­schen Forderung wahrscheinlich

Eine Lüge.

Berlin, 23. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) DieTimes"- Meldung aus Petersburg, nach der bei Warschau die R u s s c ii 50 deutsche Geschütze nnd zwei Fahnen erbeutet nnd eine große Anzahl Gefangene gemacht haben, ist erfunden.

Auö Samoa.

Berlin, 23. Okt. (WTB. Nichtamtlich) Zu der Be­setzung Samoas durch die Engländer schreibt der Di­rektor des Museums für Völkerkunde in Berlin, Professor

v. Lu schon, in einem aus Papopago, dem Hafen der amerikanischen Samoainsel Tutuila, au den Staatssekretär des Reichskolonialamts, Dr. Sols, gerichteten, von Hono­lulu aus abgesandten Brief u. a.:

Vielleicht darf ich auch mitteilen, wie die hiesigen Amerikaner voll Begeisterung von dem Leiter der deutschen Fnnkenstation in Llpia erzählen, daß er im letzten Augenblick den Llpparat un­brauchbar machte und die Engländer auslachtc, als sic ihm 100 000 Mark boten, wenn er ihnen den Apparat wieder in Ordnung brächte. Noch niehr aber lache er den Leuten ins Gesicht, als ihm niit Erschießen gedroht wurde. Der ivackere Deutsche namens Hirsch, Angestellter der Deutschen Südsce-Gescklschast wir drahtlose Telegraphie, ist schließlich von den Engländern aus Samoa weg- gesührt roordcn.

Chinas Protest gegen Japau.

Rotterdam, 23. Okt. Die chinesische Regie- rntig hat au ihre Vertreter im Auslaudc ein Rund­schreiben erlassen, das gegen den Netttralitätsbrnch sei­tens her Japaner im Schantimg-Gcbiet proiesttert. Die in dem Protest festgestellten Tatsachen sollen den Auswärtigen Aemtern übermittelt werden.

Der japanische Kreuzer Takatschio iusolge eines Torpedoangriffcs gesunken?

Rotterdam, 23. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Ein Tele­gramm aus Schanghai meldet: Sicherem Vernehmen nach ist der japanische KreuzerDcckrtschio" vor Tsingtau nicht auf eine Mine gelaufen, sondern durch einen Angriff des Torpedobootes8 8 0" vernichtet worden. Das Torpedoboot wurde nach dem Angriff 60 Seemeilen üblich von Tsingtau aus Strand gesetzt und gesprengt. Die Mannschaft ist gerettet worden.

Griechenland annektiert den Epirus?

Turin, 23. Okt. DieStampa" erfährt über Bari aus Durazzo, daß der Albanische Epirus der griechischen Provinz Janina angegliedert wurde. Eine offizielle Be­tätigung liegt noch nicht vor.

Belastung von KriegSordcn an die Hinterbliebenen.

Berlin, 23.Okt. Eine kaiserliche Verordnung be­stimmt, daß sämtliche vor dem Feinde erworbenen Orden und Ehrenzeichen den Hinterbliebenen ohne deren Antrag als Andenken überlassen werden sollen.

Au» Stadt und LanS.

Gießen, 24. Oktober 1914 .

Zur Festsetzung von Höchstpreisen.

Wie u. a. im Anzeigenteil unseres Blattes gestern be­kanntgegeben wurde, ist das Kreisamt nunrnehr dazu übergegangen, die Regelung der Kar tos selprei se in die Hand zu nehmen. Mit sofortiger Wirkung wurde der Verkaufspreis von auserlesener Ware auf 6, von geringerer auf 5 Mk. für den Dopclzentner festgesetzt. Dabei wird in der Bekanntmachung ausdrücklich auf die §§ 2 und 4 des Reichsgesetzes über Höchstpreise verwiesen, wonach ein zwangsweiser Verkauf der Ware für Rechnung des Eigen­tümers cintreten kami, wenn dieser sich weigert, seine Ware zu dem festgesetzten Preis abzuheben, nnd wonach mit emp­findlichen Strafen vorgegangen werden darf gegen jeden, der seine Vorräte verheimlicht, den Aussirhrungsbestim- mungen der Behörden nicht nachkomint oder die Preise über­schreitet. Mit diesem Vorgehen des Kveisanrtes ist »u» mehr ein Zustand geschaffen, der in den weitesten Kreisen der Bürgerschaft dringend gewünscht worden ist, da die Stadt mit ihrem Vorgehen den beabsichtigten Erfolg nicht erreicht hat; wurde doch der Gießener Markt von den Produzenten säst ganz gemieden, die ihre Ware dort adznscheu versuchten, wo man ihnen die geforderten Preise, ivenn auch ungern^, bewilligte. Es kann wohl kaum einem Zweifel unterliegen, daß die Verfügung des Krcisamts den gedachten Zweck im großen ganzen erreichen wird. Eine andere Frage ist es, wie sie in den Kreisen unserer landwirtschaftlichen Bevölkerung ausgenommen werden wird, die von der Prersregulierung sehr stark bettoffen werden muß. Bei der Beurteilung der Tatsachen wird man gut tun, sich zu vergegenwärtigen, daß nach den übereinstimmenden Urteilen des Lcmdwirtschafts- rates und des Kartoffelgroßhändlerverbandes eine Ursache für einen höheren Kcrrtoffelpreis als im Vorjahre nicht ge­geben ist. Wenn man dabei allerdings auch die lokalen Ver­hältnisse, nach denen der Ernteerttag ja differieren kanns. in Bettacht ziehen muß, so wird man anderseits annehmen dürfen, daß das Kreisamt auch dieses Moment bei seinem Entschluß gewürdigt hat, und daß der festgesetzte Preis allen Gesichtspunkten Rechnung trägt. Immerhin hat es einen unangenehmen Beigeschmack, wenn der shoang erntritt, daß die Behörde als Preisregulätor w-ttken muß, nnd man wird es d-urchgehends für viel begrüßenswerter halten, wenn dies Amt von dem gesunden Verständnis der ganzen Oefsentüch- keit übernommen närd. Es erscheint deshalb nicht iot<ma&- bracht, an di« vaterlän dische Ges innung der tu Be­ttacht kommenden Kreise zu apeMeren, die sich hoffentlich sagen werden, daß es nun genug des grausamen Spiels sein muß, und daß es unter allen Umstanden verdienstlich ist, zur Wohlfahrt der Ges am theik ans einen klei­nen persönlichen Nutzen zu verzichten. Des Dankes des Publikums wttd man danhi bei denen, die cs angeht, gewiß sein können. <

Man hat nns in den allerletzten Jahren eine Anzahl von Zuschriften übergeben, die sich mit der Frage der Höchstpreise entgehend beschäftigen, und die wir ver­öffentlicht haben würden, wenn sie rricht inzwischen durch den Gang der Dinge überholt worden wären. Dem Ver­nehmen nach steht die Festsetzung von chstpreisen für Roggen, Hafer und Gerste, sowie für Weizen unmittelbar bevor. Der Bundes rat wird in seiner näch­sten Sitzung über die ihm unterbreiteten Vorschläge Beschluß fassen. Für Kartoffeln sollen Höchstp-irise im "Augenblick nicht festgesetzt werden: dies bleibt fitt später Vorbehalten. Der Höchstpreis für Roggen dürste auf etwa 225 Ml., für Weizen ans 245 bis 250 ML bestimmt werden. Zur Er- loäguirg steht ferner, ob nicht auch für Futtermittel die gleiche Aäaßncchme getroffen werden soll. Da die Er- nritllnngen des ReichsgesundheitzSamtes ergeben haben, daß bei der Backware ein Zusatz von Karto-ffetbestandteilen bis zu 20 Prozent durchaus gejundheitsunschädttch ist, so wird eine Beimischung in dieser Höhe vorgrschrieben werden kön­nen. Hocherfteulich ist es, daß, wie derBerl. Lok.-Anz." anscheinend offiziös meldet, der Getreidebedarf un­seres Volles bis zur nächsten Erntt gedeckt ist. Slüch der Viehbestand ist so außerordentlich befriedigend, daß die Fleisch Versorgung des Bowes außer« llerFrage steht.

Der Bnndesrat scheint sich hinsichtlich der Kartoffel- prcise in Ucbcreinstimmnng mit dem Kartoffclgroßhänd- lerverband zu befinden, der, wfte wtzr in Nr. 248 mitteilten.

ein einheitliches Vorgehen nicht für ratsam hält, vielmehr

eine Entscheidung von Fall zu Fall empfiehlt. 'Da beim Kar- tosselbcdars eine gleichmäßige Verschiebung und Verteilung der Erntenicngen schwieriger sein dürste als beim Getreide, wo die Mühlen für den Ausgleich sorgen, ist diese Auffassung

verständlich.

Trotz dieser in Aussicht stehenden Maßnahmen und zwn

Vergleich mit den wiedergegckbenen Airsck-auniigen möcksten wir noch auszugsweise ein Schreiben au unsere Arial rum wicdcvgebcn, das die Lage auf dem Lebensmittelmarkl zmn Gegenstände hat nnd ein Bild von der Beunruhigung geben mag, die hinsichtlich seiner in weiten Schichten verbreitet ist, wenn das Schreiben auch in einigen Punkten von der Entwicklung der Tinge überholt ist. "Wir entnehmen chm folgende Sätze:

Die Härten, die der Krieg über das ganz« deutsche Volk gebracht hat, dürfen nicht znm Vorteil einzelner Weniger ausgcbeutet und unnötig vermehrt werden. Darüber ist sich wohl die große, weitaus größte

Mehrheit unseres Volkes einig. Ohnehin bringt der Krieg für jeden ohne Ausnahme zahlreiche und schwere wrrt» schastliche Opfer mit sich, für welche eine volle Entschädigung selbst nach einem wie wir hoffen für uns siegreichen Ausgang des Krieges nicht zu gewärtigen ist. Es muß daher als eine dringende, unabiveisbcrre Pflicht der maßge­benden Behörden bezeichnet werden, möglichst bald energische Schritte zu tun, daß das Voll vor einer Teuerung der wichtigsten und notwendigsten Nahrungs­mittel Mehl und Brod, Kartoffeln, Hülsensrüchte und Fleisch bewahrt bleibe. In erster Linie kommt hier» jür die Reichsregierung in Frage. Sollte diese sich aber in absehbarer Zeit nicht entschließen können, derattige Maß. regeln zu ergreifen, so wäre es Aufgabe der Höchstkommau- dicrcnden der bclrefsenden Provinzen, denen während der Dauer des Krieges auch die Zivilverwallungcu unterstellt sind, die Festsetzung der Höchstpreise zu verfüge».

Das Vorgehen einzelner Lokalbehörden ist gewiß dar- läufig m)tt Dank zu begrüßen, aber eine dauernde und duvch- greifendc Abhilfe kann damit nicht geschaffen werden.

Daß wir hier in Gießen ein verständnisvolles Ent­gegenkommen unserer Stadtverwaltung in dieser Frage mit Freuden zu verzeichnen haben, gehl aus der bereits von Wochen erfolgten Festsetzung der Höchstpreise für Kartoffeln hervor. Bereits durch Verfügung vom 25. Sept. d. I. hat der Oberbürgermeister den Höchstpreis derselben zu 3,5 Psg. für das Pfund im Kleinhandel, später auf 3,0 Psg. festgesetzt. Da aber viele Händler zu diesen Preisen nicht liefern woll­ten, wurde seitens der Stadtverwaltung dazu übergegange», Kartoffeln in größeren Mengen einzukausen und an die Kon­sumenten zu billigen Preisen abzugeben. Auch dieses Vov- gehen verdient die vollste Anerkennung durch die Bürg«, schaff. Aber hiermit ist doch erst ein Teil der Uebrlstäude be­seitigt. Es sei daran erinnert, daß die Bäckerinnnng Gie­ßens Mitte September sich veranlaßt sah, öffentlich bekannt zu geben, daß sic durch die Erhöhung der Mehlpreise genötigt sei, die Preise für Brot (4 Pfund) auf 60, 64 bezw. 68 Psg, zu erhöhen.

Bereits in einemEingesandt vom 23. Sept. wurde von einem Mitbürger ein Gespräch mit einem, ihm befreunde­ten Großhändler mitgcteilt, woraus hervorging, daß die Höhe der Mehlpreise durch die Kriegslage nur zum kleinen Teil gerechtfertigt sei, die Hauptschuld vielmehr die Spekulation trage, welche ihre Lager verschließe, oder nur ungenügend öffne, mn die Preise künsllich noch weiter in die Höhe zu schrauben.

Daß auch ür unserer nächsten Nähe schon erfreuliche Versuche gemacht sind, den gerügten Teuerung sudelst ändcu abzuhelfen, beweist die folgende Mitteilung in einer Frank- furttr Zeitung vom 28 . September d. I. Es heißt daselbst:

Tic anhaltend niedrigen Schweinepr ei se haben eine neue Festsetzung des Höchstpieists für Schweinefleisch erfordert. Der Landrat des Kreises Schlüchtern hat durch Verfügung vom 24. Sept. den Höchstpreis für Schweinefleisch, für Leber- nnd Blut­wurst ans 70 Psg. für das Pfund festgesetzt. Zn der Brotprrisscst. setzuug vom 3. Sept. wird bemerkt, daß der cmsgebackenr Laib Weiß­brot zu 55 Psg. mindestens 3V-Pfund und der ansgcbackcne Laib Schwarzbrot zu 65 Psg. mindestens 4Vr Pfund wiegen muß"

So erfreulich auch solch vereinzeltes Vorgehen zur Fest­setzung von Höchstpreisen ist, so ist doch damit der Allgemein­heit wenig genützt. Es ist daher dringend erwünscht und zu hoffen, daß die Rerchsrcgierung und, falls diese versagt, die Regierungen der einzelnen Bundesstaaten energische Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Preissteigerun­gen treffen. Aber auch hier gilt der Satz: bis dat, qui cito dat! Mögen auch diese Zeilen dazu beitragen, die so außer­ordentlich wichttgr Frage der Beschaffung preiswerter und billiger Nahrungsmittel in diesen krittschen Zeitläuften und der Verhinderung von wucherischer Ausbeutung unseres deut­schen Volles einer möglichst raschen Lösung näher zu brin­gen und die maßgebenden Behörden zu einer schleunigen Beseitigung der drohenden Gefahr einer wirklichen Le» bensmittelnot und Teuerung trotz unserer, wie allgemein zu­gegeben, mfttleren nnd befriedigenden, stellenweise sogar recht guten Erntt zu veranlassen. Sollte jedoch wider Erwarten auch jetzt noch keine Abstellung dieses diotstandes erfolgen, so würde sich ein Zusammenschluß einer größeren Anzahl hiesiger Bürger zu einer Genossenschaft vollziehen müs­sen, deren Aufgabe die Beschaffung billigenGctreides, billigenBrotes nnd der anderen wichtigsten Nahrungs­mittel für unsere Mitbürger auf eigene Rechnung nnd Ge­fahr wäre, wozu sich unter Umgehung des Groß- und Zwischenhandels durch direkte Fühlungnahme mit der Landwirtschaft wochl Mitte? und Wege finden lassen würden. Doch ist zu hoffen, daß es zu diesem äußersten Ausweg nicht zu kommen braucht, und baldmöglichst die verantwottlichen Stellen das Erforderliche veranlassen werden. Eile tut not!!" A. v. Jhering.

Ohne naher auf die Einzelheiten dieser Zuschrift ein- zugehen, wird man sagen dürfen, daß die sttvtwcndigkeit belicht, eine Klärung der Behältnisse so oder so herbeizu- sühren. Die Hoffnung bleibt, daß die Eingabe deZ Hessi­schen Handelskammertages an die Rcichsregierung (Gießener Anz. Nr. 240) und andere ähnliche Tendenzen verfolgende Schritte Erfolge zeftigen werden.

^ Wie unsere Verwundeten verpflegt wer­den. Folgender Brief, der nns von einem Leser zur Ver­fügung gestellt wird, erzählt davon, in welcher Weise für unsereFeldgrauew', dre bereits dem Vaterlwnde ihren Tribut zollten, gesorgt wird, damit sie ihre altt Gesundheit und ihren Frohsinn wieder erhalten:

Nun sind wir hier in dem kleinen bessiscben Dad«rtt S a l z - hausen gelandet. In Ncmhcini, woher mein letzter Brief tarn, war eine solche Fülle von Verwundeten, daß fast alle solche, die nicht mehr zn viel ärztsirhe Behandlung brauchen, nach auswärts abaeschoben im'rden, um neuen Leidensgesälirtrn Platz zn machen. Ich war auch mit dabei, denn mein Beinschuß verlieiit schon rocht schön, so daß ich bald wieder Hippen kann. Wir sind in dein Ern st- Lndwig-Hcim (Heim der Deutschen Gesellschaft für Laus-