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D. 2t 7

Zwettes Blatt

*64. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

TieSirtzener Za«iliendlitter" meiden dem »Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das XreirdlvN für den Kreis «jetzt»" zweimal wöchentlich. Die ,, Landwirtschaftlichen Zelt- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gietzener Anzeiger

Seneral-Anzeiger für Gberhejsen

Mittwoch. *6. Zeptember J9X4

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerci.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: s^5l. Redaktion: 112. Tel.-Adr.:AnzeigcrGießen.

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Zur Aufilarung über die Kriegsanleihe.

(Nachdruck erwünscht.)

Alle Zeitungen bringen jetzt die Aufforderung:Zeich- «et die Kriegsanleihe!" Aber diejenigen, die mit Wert­papieren noch nichts zu tun hatten und gewohnt sind, ihre Ersparnisse nur der Sparkasse anzuvertrauen, werden doch vielfach nicht recht wissen, wie diesesZeichnen" vor sich geht und was es überhaupt mit dieser Anleihe auf sich hat. Darum hier ein paar Worte zur Aufklärung.

Zunächst ein Beispiel: Jemand hat auf der Sparkasse etwa 1000 Mark. Er weiß, daß er sie in den nächsten M»aten wahrscheinlich nicht braucht, lim aber für alle Halle doch einen Teil stets zur Verfügung zu haben, ent­fließt er sich, nur für die Hälfte Kriegsanleihe zn zeichnen. Die Zeichnung ist nur möglich bis Samstag, 10. September, l Uhr. Er geht also an die Sparkasse und erklärt, er nwlle für 500 Mk. fünfprozentige ( 5%) Deutsche Reichsanleihe kaufen. (Es kann auch weniger oder mehr sein, der kleinste Betrag ist für 100 Mk.) Die Sparkasse wird ihm dann Anfang Oktober die nötige Summe von seiner Ersparnis herauchahlcu, denn bis zum 5. Oktober 1914 müssen kleinere Beträge der Reichsanleihe (bis 1000 Mk.) bezahlt sein. Die Sparkasse wird auch den Ankauf meist selbst besorgen tonnen; tut sie das nicht, so besorgt es jedFs Bankhaus.

Die Anleihe wird zu 97,50°/» ausgegeben, d. h. für 100 Mk. braucht man nur 97,60 Mk. zu bezahlen; also für «in Stück von 500 Mk. nur 487,50 Mk. An dem Wertpapier, das man erhält, sind sog. Kupons (d. h. Zinsscheine). Sie sind alle Halbjahre abzuschneiden, der erste an, 1. April 1815. Jedes Bankhaus zahlt dann den darauf stehenden Zinsbetrag. Dieser beträgt also für das Halbjahr bei einem Stück von 500 Mk. 12,50 Mk. Die Verzinsung ist also besser, als auf der Sparkasse, die nur 3 bis 4 Prozent zahlt. Auch ist das Geld ebenso sicher angelegt; denn solange das Deutsche Reich überhaupt besteht, wird es auch seine Zinsen zahlen.

Das Wertpapier selbst kann man um es vor Dieben .zu sichern ii auch bei der Bank oder in der Berliner Reichsbank aufbewahren lassen. Das verursacht keine Kosten. Die Zinsen erhält man dann von der Bank oder der Reiclxs- hänkstelle des Wohnorts. Bei der Zeichnung muß man diesen Wunsch äußern. Braucht man später einmal das Geld, so kann man das Werlpapier bei einer Dank verkaufen. Geht der Krieg gut für ans aus, so wird man es teuerer verkaufen können als man es gekauft hat.

Aber nicht die Hoffnung auf Gewinn soll uns Air Zeich­nung veranlassen, sondern der Wunsch, dem Baterlande zu helfen. Denn zum Krregfühven gehört Geld, sehr viel Geld, und deshalb nimmt das Reich jetzt diese Anleihe auf.

Aber nian versäume die Frist nicht: vor Samstag, den 19. September, 1 Uhr, muß! die Zeichnung erfolgt sein!

A. M.

Ei« Aufruf des Hansa-BundcS.

Der Hansa-Bund richtet an seine Mitglieder folgenden Aufruf:

Die deutsche Kriegsanleihe ist m it E ndfri st v o m 19. S c p- ttmber d. I. bei den bekannt gegebenen Stellen zur Zeichnung

aufgelegt: sie ist nicht; >oie die vom Jahre 1870, gleich in den! machen sie einen völlig verwahrlosten und verwilderten Ein­ersten Tagen nach dem Kriegsausbruch aufgelegt worden, sondern druck. Auffallend war mir die große Zahl Pockennarbiger, erst etwa sieben Wochen später, nach Beseitigung der Zahlungs- Der Ernährungszustand der Leute war nicht schlecht, obschon mittel-Krisis und nackchem die dcm Kredilvcrkehr bedrohenden Ge- sie nach ihren'Erzählungen aus den langen Tagemärschen fahren, ohne Erlab eines :Jc o ta tot i u m 3, erheblich ge- I oftmals nur unzureichende Verpflegung gehabt l>atten. Mit

mildert sind.

Der scheinbar hrche Betrag der Kriegsanleihe ist relativ gering, wenn er gemessen loird an unsere« gewaltigen finanziellen und wirtschaftlichen Hüssquellen, namentlich an unscrcni das englische und französische übersteigende Volksvermögen, an unseren Spar-Einlagen von etwa 20 Milliarden, unseren Bankdepositcn von rund 6 Milliarden Mark und den überaus bedeutenden eigenen Mitteln unserer Sparkassen, staatlichen Bersichenmgsanstalten und privaten Lebensversicherungsgcsell- schaften.

Die Kriegsanleihe, deren Sicherheit von Niemandem bezweifelt werden kann, wird ausgelegt zu den denkbar günstigsten Bedingun­gen, insbesondere zu hohen: Zinssatz und billige,« Kurs sowie mit angemessenen Zahlungsterminen. Die Mittel zur Zeichnung lassen sich durch Verpfändung von Wertpapieren bei den Darlehnskassen beschaffen, und zwar zu Sätzen, die beim jetzigen Bankdiskont nur um etwa 7- Prozent den Durchschnittszinssatz der Kriegsanleihe übersteigen, deren Kurs bei günstigem Äusgcmg des Krieges, dm nur mit Sicherheit erwarten dürfen, vorartssichtlich diesen Zins- ccusfall mehr als ausgteichen wird.

Wäre dem aber auch anders, das geringe Opfer darf für die zu Hause Gebliebenen nicht in Betracht kommen, die mit freudiger Genugtuung die Gelegenheit ergreifen müssen, dem Auslande zu zeigen, daß unsere finanzielle.Rüstung nicht hinter unftrer mili­tärischen zurücksteht und daß die sich gründlich täuschen, welche glauben, uns finanziell oder wirtschaftlich aushungcrn zu können.

Wir erwarten, daß auch in diesem Falle alle unsere Mit­glieder ihre Pflicht gegenüber dem Baterlande durch höchstmög­liche Zeichnungen auf hie Kriegsanleihe crsüllen.

Unter russischen verwundeten.

Ans Berlin wird uns geschrieben:

Unter den zahlreichen in Berlin unter gebrachten Ber- wundeten stellen die Russen einen besonders starken Bestand­teil. In fast allen Lazaretten finden sich verwundete Russen; leicht und schwerverwnndete liegen, die einen anscheinend schmerzlos, die andern vor Schmerzen stöhnend, durch­einander. Alle aber zeigen und äußern sich zufrieden und beglückt über die ihnen zuteil werdende ärztliche Behand­lung und Pflege. Und andererseits äußern sich die Aerzte und Krankenschwestern durchweg lobend über die Geduld, die Willigkeit und Dankbarkeit ihrer Pfleglinge. In einem Lazarett fiel mir auf, daß, so viele Verwundete neben mideven Verbänden auch Kopfverbändr trugen. Natürlich führte ich das auf Kopfschüsse zurück und sprach meine Verwunderung über die,/afffallend vielen Kopfverletzungen" aus. Lächelnd klärte mich die fieundliche Oberschwester über meinen Irr­tum mit den Worten auf:Die Verbände sind' nicht wegen Verletzungen angelegt, sondern wegen des UngeMfers. Fast alle ein gebrachten Russen wimmeln von L.....; wir

E ft hatten schon stark darunter zu leiden und suchen nun ch desinfizierende Kopf verbände das Urtel zn bekämpfen. Die meisten Russen sind in der allen Gardedvagvuer- Kaserne in der Alexandrinenstvahe untergrtracht, 600 an der Zahl, darunter 4 Offiziere, 2 Häuptleute und 2 Leut­nants. Auf dem Kasernenhvfe herrscht reges Leben. In Gruppen von 20 bis 30 Personen stehen die Russen zu­sammen, teils in lebhaftem Gespräche, teils stumm vor sich hinbrütend. Dazwischen bewegen sich als Anffichtsposten Mannschaften des Alexanderregiments mit aufgepflanztem Seitengewehr, ein imponierender Anblick! Die Russen machen durchweg einen trostlosen, stellenweise sogar einen geradezu verkommenen Eindruck. Ihre Kleidung ist die denkbar schlech­teste, vielfach kann mau von Lumpen sprechen. Namentlich die Fußbellcidung ist durchweg äußerst mangelhaft. Aber auch sonst ist das Aussehen der Leute höchst traurig. Mll ihrem ungeschnittenen Haar und ihren ungepflegten Bärten

ihrer jetzigen Beköstigung sind sie aufs höchste zufrieden und uianchem kann man auf den GesichtSzügen ablesen, daß er sich in seiner jetzigen tßefirngenschaft behaglicher fichll als unterVäterchens" zärtlicher Knute. Wiederholt erzählten inir Verwundete, sic hallen keine Ahnung davon gehabt, daß es in den Krieg gehe. Sie seien zu ,Klebungen" beordert und gleichzeitig ausgesordert worden, nach Möglichkeit eigene Sllesel, Hemden, Strümpfe usw. mitzubringen. Für diese eigenen Sackfen würde ihnen eine Entsclfäd-ignng ge­zahlt. Unwillig fügte» sie hinzu: die versprochene Entschädigung sei ausgeb lieben, ja nicht einmal ihr Hold in: Felde, monatlich 1 Rubel, etwa 2 Mark und 10 Pfg. sei ihnen ausgczahlt nwrden! Der fromme Sinn der Russen ist bekannt. Bei vielen Verwundeten entdeckte ich auf der Brust neben der sogen. Erkennungsmarke den Rosenkranz, und einen verwundeten Offizier traf ich dabei, als er, caiff dem Bette sitzend, im Neuen Testamente las.

Stuf einem Flur der Kaserne standen vor einer Tür 3 Posten mit ausgepflauzten, Seitengewehr.Hier liegen die verwundeten 4 Offiziere. Einer von ihnen hat schon einen Fluchtversuch geniacht. 'Darum jetzt die strenge Be­wachung," so klärte mich mein Begleiter über das außer­gewöhnliche Bild ans. Beim Betreten des Zimmers nahmen die Offiziere sogleich militärische Haltung an, ihr Benehmen zeugte von guten Fornicn. Einer von ihnen, ein Balle, sprach fließend denffch. Ihre Stimmung war gedrückt; nicht ihre Verwundung war es, worüber sie klagten, sondern ihre Ge­fangenschaft. lieber die chncn zuteil 'werdende Behandlung waren sie des Lobes voll. An: unerträglichsten sei ihnen die llntällgkeit und ,die dadurch hervorgerufene Langeweile. Sie hatten sich aus Pappendeckel ein Schachbrett zurecht ge­macht, umDame" spielen zu können.Aber den ganzen Tag können wir doch nicht Dame spielen," ineiute der Balle. Finslerblickend, ja zornig, sah der eine Offizier drein, der den Fluchtversuch gemacht hatte. Er konnte sich angcnschein- lich am wenigsten in seine Lage finden. Und von den beiden anderen Offiziere», jungen, hochaufgeschossenen Männern, beide durch «chüsse am Arm verwundet, wußte mir der deutschsprcchcnde Hauptmann zu erzählen, daß sie ganz be­sonders gedrückt seien durch die Art, wie fie in Gefangen­schaft gerieten. Ms sie die Verwundung erlitten hätten, sei es ihnen gelungen, ein russisches Automobil zu erreichen. Der Führer aber habe sich in der Richtirnsg geirrt und sie anstatt zn ihrer Truppe uumillcMccr zu den Preußen geführt.

Mit vornehmer Verbeugung, der sich sogar der finster dreinblickendc Houptmann anschloß, erwiderten die Offiziere meinen Abschiedsgrnß.

Asrikanerschau in Frankreich.

Die nachstehenden Mitteillmgen gehen derRhein.-Wesi- fälifchen Zeitung" über Lyon von einem ihrer französischen Mitarbeiter (Deutschamerikaner) zu, der in der Hauptsache iui Dienste amerikanischer Blätter steht und deshalb in Frankreich verbleiben konnte:

Was jetzt an afrikanischenWilden nach Frankreich her- übergeschasst wird, davon macht man sich außerhalb dieses Landes absolut keinen Begriff. Von Algier, Tunesien, Marokko bis hinab znni Kap der Guten Hvsfnung wird es >ovhl kaum noch einen Vvlks- stamm geben, der, soscrn er unter sranzösischer, englischer oder belgischer Herrschaft steht, nicht Krieger an Frankreich abgebev würde. Die Feinde Deutschlands handeln offenbar nach dem Grundsatz der Warenhausbesitzer: die Masse soll es schaffen! Auch die Anwendung dieses Grundsatzes ist nur ein Zeichen mehr, daß die Regierenden, die ihn anwendcn, und die Regierten, die aus ihn bauen, nicht mehr fähig sind, sfth Reä>ensck>ast von ihrem

Schlachten vor Paris.

Es ist ein blutgetränkter Boden, jenes Hügelgelände vor Paris, Kut dem schon Cäsars Legionen die Gallier ichlugen und letzt unsere Armeekorps eine schwere Entscheidungsschlacht kämvten. In jenem Unglücksjahr, in dem unter Führung von Vercingetorix aanz Gallien gegen die röm. Herrschaft aufflammte, zog Cäsars Feldherr Labicnus den vor Lutetia dem heurigen Paris versammelten feindlichen Streitkräftcn entgegen.Gedenkt eurer alten Siege: glaubt Cäsar, der euch so oft zum Sieg führte, welle unter euch", ries er den Soldaten zu und itürmte zwischen Jssy und dem heutigen Luxemburg-Palast das Lager der Gallier, die mrter dem SchlachtrufTerribcn! Terriben!" haut ihnen den Schädel ein entgeqenqpzogen kamen. Der gallische Führer Camulogcne fiel. Erst die 840 beginnenden Einfälle der Nor­mannen trugen neuen Kriegsschrecken vor die inzwischen zu cmer kbedeulenden Handelszentrale emporgewachsene Stadt. Viermal schlugen diese Normannen die schwachen Slleftkräfte des Grafen von Paris, plünderten die Vororte und waren nur gegen Zabluug eines hoben Lösegeldes znm Abzug zu bewegen. Erst 886 scheiterte ein neuer Angrist cm den inzwischen verstärkten Mauern der «tadt. Die vielen Straßenkämpse, die Paris seft den Tagen des Bürger­vogtes Ettennc Marcel, der sich gegen die Macht der Valois auf- le^Ne und den Dauphin Karl aus der Stadt vertrieb, von Fahr hundert zu Jahrhundert heimgcsucht haben und die zuletzt im blutigen Kommuneaufstand von 1871 die Leidenschaft des leicht entflammbaren Volles aufpeiffchten, sind keine eigentlichen«chlaclr- len vor Paris", toenngleich bei ihnen oft die von der ärmercul Bevöllerung bewohnten Vorstädte mit Waffengewalt gegen die vom Königspalast beherrschten Stadtviertel anrückte». Doch zog Etiennc Marecl mit einem Bürgcrheere dem nach Mraux geflüchteten Dauphin entgegen, erlitt aber durch dessen Ritterscharen eine so schwere Niederlage, daß Karl am 1. August 1358 wieder in Paris einziehen konnte. Der 100jährige Krieg sah Frankreichs .Haupt­stadt wiederholt im Besitz der siegreichen Engländer. Wie lauschte die Bevölkerung daher ans, als im September 1429 das Heer Karls VII. unter Führung der Jungfrau von Or­leans vor den Toren erschien Nach mehrwöchentlicher Be­lagerung führte die heilige Jungfrau selbst die Truvven auf das linke User, um hier durch einen Handsttcich den Eintritt in die Stadt zu erzwingen. Doch die Engländer waren gerüstet, und die Jungfrau wurde in der sich entwickelnden Schlacht am Schenkel schwer verwundet. Ihr Heer mußte sich hinter die Loire zurück ziehen.

Die mehrfachen Belagerungen der Stadt durch .Heinrich IV. erlitten im Frühjahr 1590 eine Unterbrechung, als der König dem Heere der katholischen Liga entgegenrückte, und dieses bei Jvry südlich von Paris entscheidend aufs Haupt schlug. Auch vom Schrecken des dreißigjährigen Krieges erhielt Paris einen Vor­geschmack, als 16Z6 pro Recht« fisch« ran dos hatzrischem

Generals von Werth plündernd vor den Mauern erschienen. Sie mußten sich jedoch bald vor der llebermacht znrückziehen. Schwerer waren die Kämpfe, die an die Erhebung der F r o n d e" gegen die zenttalisierende Macht des Kardinals Mg- zarin anknüpften. Am 2. Juli 1652 kam cs zu einer Entschei­dungsschlacht vor Paris; der die Truppen der Fronde befehligende Prinz Conds schien schon vom Maischall Tnrenne besiegt, als ihm die Pariser durch die von seiner Schwester, der Herzogin von Lon- gueville geöffneten Tore zu Hüfe ellte« und die Schlacht zu seinen Gunsten entschieden Bis zum Ende der napoleonischcn Herrschaft sah Paris keinen äußeren und inneren Feind. Während aber Na­poleon I. nach den ftir ihn unglücklichen Schlatchen von Laon und Arcis-sur-Ailbe nach dem Rhein maschierte, um die Verbündeten von seiner .Hauptstadt abtulenken, erschien am 29. März 1814 Blücher mit 100 000 Preußen als erster vor dem nur mangelhaft befestigten Paris. Des Kaisers Bru­der Josef nahm auf dem im Osten vor Paris gelegenen Höhen­zug, aus dem der Mvntniartce und die Höhen von Bellevlllc bo>- stionsarttg hervorragcn, die Schlacht an. Doch Blücher stürmte mft den Korps Kleist und Bork in wenigen Stunden die Montmartte- höhen, während bei Bellcvllle die Russen und die Preußische Garde unter dem Prinzen Wilhelm, den, späteren Kaiser Wilhelm I. sieg­reich vorrückte, ^rchon ani Nachmittag kam es zum Wafscnstilljtaich, währenddessen die Pariser vor dem Jnvalidendom 1500 erbeutete Fahnen und Trophäen dermapoleonischen Feldzüge, darunter einen Säbel Friedrichs des Großen, verbrannten. Am folgenden Tage zogen die Verbündeten in der Stadt ein.

Als Blücher nach der Schlacht bei Waterlo» zum zweiten M a l c vw r P a r i s erschien, fand er aut dem exlstacht- selde des Vorjahres umfassende Verteidigungswerkc. Da faßte er den kühnen Plan, hie 60 000 Mann starke Arniee Davanfts zu umgehen. Er übeffchrüt die Seine und stürmte von Versallies aus di« Höhen von Sevres und Meudon, bis er in Jssy vor den Toren der Strtt stand. Damit war das Schicksal von Paris wiederum entschieden.

Die Belagerung von Paris im deutsch-ßranzöskschen Kriege brachte »heitere blutige Schlachten vor fei­nen Toren. Am 30. September 1870 machte General Bi non mft 10 000 Mann den ersten größeren Ausfall gegen Bllleinit, wurde aber unter großen Verlusten zurnckgeschlagen, Zwei weitere Aus­fälle verliefen ebenso unglücklich, bis General Trochü Ende Oktober jenen großen Durchbrnchsversuch nach Norden gegen Le Bourget unternahm, der zwar zur vorübergehenden Besetzung dieses Dorfes führte, aber wenige Tage daraut unter schweren Verlusten der Franzosen vereitelt wurde. Auch die Schlacht bei Champigny, durch dir ein Durchbruch nach Südosten versucht werden sollte, war für die Franzosen unglücklich Ms die Not in der Ltadt

I aufs Höchste gestiegen, fand Mitte Januar der letzte, in der Rich­tung aus Bersalltes geachtete Ausfall statt, bei bent die bisher gchchortten Natranalgardeii ins Feuer gchchrt wurden, der aber

wiederum mit einem glänzenden Sieg der Deutsche» endete und damft der Bevölkerung von Paris die Angen öffnete, daß jeber wettere Widerstand nutzlos sei.

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Der alte Zrltz und seine Soldaten.

Die .Heldengestalt des größten Feldherrn, den dasHohenzollern« Haus aufzuweisen gehabt hat, steht in den gegenwärtigen Kriegs- ,eiten lebendiger denn je vor den Augen der Nachwelt. Ein be­sonders hcrzersrcnendes Kapitel im Leben des alten Fritz bildet fein trotz aller königlichen Würde mcnjchlichkamcradschaftliches Verhältnis zu den Soldaten, die er bekanntlich seinelieben Kin­der" nannte und die dafür auch mit einer freiniüttgen Anhänglich­keit an ihm hingen, die in der Geschichte der deutschen Fürsten wohl einzig dastehen wird. Erinnern wir hier an einige verbürgtc Anekdoten, die dieses schöne Verhältnis von Feldherr und gewöhn­lichem Krieger trefflich beleuchten.

Kerls, wollt ihr denn ewig leben?" rief der zornige König in der unglücklichen Schlacht bei Kolin einem Regiment entgegen, das dem Feinde nicht länger standzuhaltcn vermochte. Ta ant­wortete ihm ein alter Grenadier:.tzör mal Fritze, ich dächte doch, der dreizehn Pfennigen Löhnung wär's für heute genug!"

Nach verlorener Schlacht ritt der König abends nach Nimburg nur von wenigen Truppen begleitet. Um die Pferde zu tränken) ward in einem Dorfe kurze Rast gemacht. Da trat ein alter ver­wundeter Reiter auf den König zu und bot ihm Wasser:Trinke Eure Maejstät doch und laß Bataille Bataille sein!. Es ist nur gut, daß Sie leben. Unser Herrgott lebt gewiß auch, der kann uns schon wieder den Sieg geben."

_ In Nimburg zogen die Reste der Garde am Könige vorüber. Kinder", sagte er,ihr habt heute einen schlimmen Tag gebubt.' Und aus die Antwort, daß es an der Führung gefehlt habe:Nun habt Geduld, ich werde alles wieder gut maclnu "

Am' 9. Oktober 1744 erzwang Zielen den Uebergang über die Moldau bei Thein. Dabei fiel der Husarenleutnant vo» Wedell, ein besonderer Liebling des Königs. Ans die Meldung lnervott ritt dieser mit dem Rufe:Wo ist Wrtcll? Wv ist Wedell?" in großer Mcfiegung durck» die Reihen der Verwundeten. Ta richtcti sich ein Leutnant, dent der Fuß zerschossen war, aus und antwortete: Majestät, hier liegen lauter Wrtclls."Er hat mir eilte gn te Lehre gegeben, ick danke Ihm davor! Wie in Sein Name?"Hohendori."Wenn Er kuriert ist, melde Er sili bei mir." Hohendori wurde nnedcrhergestellt. meldete sich und erhielt vom Könige eine Oberföritcrstellc.

Ms im Feldzuge des Jahres 1757 ein Leutnant den Soldaten ans dem Maffchc beim Vorübcrkommen des Königs das Singen untersagen wollte, fuhr dieser ihn an:Herr, lass- Er meine Leute vergnügt sein! 'Denkt Er, daß Ec Sklaven unter sich hat? Nein, es sind nreitie Preußen! Kinder, smgt fort.

ich will euch nicht stärml" j jy