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lief) sah mojt in her Hand her in den ersten Reihen Stehen­den W a ch s l i ch l c r anfslammen. Ein Ocstcrrcicher trat hervor und hielt eine begeisterte Ansprache ans die Waffen­brüderschaft Deutschlands und Oesterreichs, die mit einem Hoch ans die beiden Monarchen nnd den deutschen Kron­prinzen ausklang. In diesem Moment öffneten sich die Balkontüren und die Kronprinzessin, be- gleiteL von mehreren Damen ihres Gefolges, trat an die Brüstung des Balkons, begeisterter Jubel erhob sich, laut Berl. Lokalanzeiger", beim Erscheinen der hohen Frau. Alles ries und winkte begeistert. Die .Kronprinzessin dankte bewegt für die ihr dargebrachten Huldigungen.

TcS Kaisers Schwager als Fahnenträger voran.

Generalleutnant Prinz Friedrich Karl von Hes­sen führt sein Infanterie-Regiment Nr. 81 als Komman4 deur ins Feld. Dieses Regiment war in cinein Gefacht her­vorragend beteiligt, wo ein deutsches Armeekorps gegen drei französische .Korps den Sieg errang. Besonders Ijeift ging es dabei am 22. August nachmittags zu; die 8ler hatten den von französischen Truppen besetzt gehaltenen Ort mit aufgepflanztem Bajonett im Sturm zu nehmen. Verwundete berichteten in derFranks. Zeitung" darüber u. a. folgendes:

Bald waren wir vorn und wurden vom Feind mit Granaten und Schrapnells beschossen. Rechts und links lichteten sich unsere Reihen, aber rastlos ging es vorwärts. Als wir den Wald verlassen hatten, sahen ivir in einer Entfernung von etwa 150 Mtr. eine Anhöhe, die von seindlicher Jnsanterie imd Artillerie besetzt war. An Deckung war nicht viel vorhanden. Wir standen mitten im Hafer nnd schossen aus den Feino, dann ging cs im Laufschritt zum Sturm auf die Anhöhe. Daß nun nicht alle niedcrgemctzelt wur­den, liegt an dem sckffcchten Schiehen der Franzosen, die wohl heftig draus losschichen, aber nicht dabei zielen. Bald war die An­höhe in unserm Besitz und der Feind in voller Flucht. Wir ver­folgten ihn 10 Klm. weit. In einem Schützengraben fanden wir etwa ein Dutzend Franzosen, die keinen Laut von sich gaben und Tote markierten. Wir merkten aber bald die List und machten sie zu Gefangenen. Ter Feind erlitt starke Verluste, aber auch ivir hatten viele Leichtverwundete. Bei dem Sturm auf M. erg r i f s unser Ober st,PrinzFricdrichKarlvon Hessen,eine Fahne nnd trug sie seinen Soldaten voran. Das Gefecht und die Verfolgung der Feinde bat bis in die Nacht gedauert. In einem aicdern Bericht heißt es über den Obersten: Das erste Bataillon stand besonders stark im Fcner. Zahlreiche Offiziere sind ver­wundet und gefallen. Selbst der Fahnenträger siel. Da er­greift unser Kommandeur unser Panier und stürmt dem Regiment voran.

Skandalöses Vorgehen französischer Gendarmen gegenüber deutschen Familien.

Straß burq, 27. Aug. Auf der Kaiserlichen Zoll- direklion hat der Zolleinnehmer von Saales unter Eid zu Protokoll gegeben: Nachdcnl am 11. August die Fran­zosen Saales passiert hatten, erschienen französische Gendarm e n u n d n a h m e n 8 B e a m t e m i t F r a p e n und etwa 20 Kinder, darunter solche, die kaum drei Wochen alt waren, a u s eiOchsen karren mit fort. Sie schleppten sie nach St. Dis, wo sie vor einer Fabrik abgeladen wurden. Was weiter aus den Frauen und Kindern geworden ist, wissen wir nicht.

Deutsche Reservisten auf der Rückkehr nach der Heimat angchalten.

Am st e r dam . 26. Aug. Die Blättler melden aus Fak- mouth: Der hvfländischc DampferPotsdam" traf hier von New Port kommend mit vierhundert deutschen Reservisten und einigen österreichischen Dicnst- Vilichtigen ein. Die deutsche Post nmrde beschlagnahmt nird die Reservisten zu Gefangenen gemacht.

Italien und der Dreibund.

W. T. B. Wien, 27. Aug. DasFremdenblatt" lveist auf die jüngst vom italienischen Ministerpräsidenten abgegebe­nen Erklärungen über die strikie Neutralität Italiens hin und schreibt:

Die Gründe, die Salandra bestimmten, würdigen wir vollständig. Das Blatt weist sodann auf die von maßgeben­der Stelle dem Korrespondenten desllorrierc della Sera" im Kriegspreßquartier zuteil gewordene Auskunft hin, daß Oesterreich-Ungarn absolut keine feindlichen Absichten gegen Italien Hage. Wir sind überzeugt, daß Italien auch als neutrale Macht unserer und der Sache unseres Verbündeten erhebliche Dienste zu erweisen vermag. Wenn König Viktor Emanncl und die italienische Regierung zu. dem Schlüsse gekvnvmen sind, daß Italien am besten tue, neutral zu bleiben, ist damit nicht gesagt, daß der Drei­bund nunmehr hinfällig geworden sei. Das Verhältnis zwi­schen den drei Mächten besteht weiter und wird nach dem Kriege weiterbestehen, weil es ihren Interessen entspricht. In Rom weiß man genau, daß eine Niederlage Oesterreich- Ungarns und Deutschlands, an die auch außerhalb unserer Grenzen vermutlich nur wenige glauben, für Italien, ein nationales Unglück wäre. In Wien und Berlin aber weiß man, daß, wenn Italien seine Stellung im Mittelmeere in Frieden und Ruhe befestigt, dies auch für uns nicht bedeu­tungslos ist. Es gibt mehr Interessengemeinschaften zwi- schen den drei Mächten, als d-re Feinde ahnen.

Die ostprcußischcn Flüchtlinge.

Berlin, 27. Aug. Für die oft preußischen Flüchtlinge wurde gestern nachmittag im Dom, der bis luf den letzten Platz gefüllt war, ein Gottesdienst cch- gehaltcn. In der großen Seiten.!»ge wohnte die Kron­prinzessin der Andacht bei. Ans deni Ehrenplatz im Schiffe der Kirche vor dem Altar hatten die von Haus und Hof geflüchteten Brüder und Schwestern aus Ost­preußen Platz genommen.

Die Ocstrrreichcr nnd die Russen.

Wien, 27. Aug. Aus dem Kriegs-Pressequartier >v«d amtlich gemeldet: Tie aus Honved-Kavalleric bestehende fünfte Armcedivision hoc am 16. August die Aufgabe er­halten, die russische Grenzsicherung am Zbruz tu durchbrechen, um festzusteuen, ob sich dahinter stärkere Kräfte befinden. Bei diesem Versuch stieß unsere Kavallerie auf überlegene feindliche Kavallerie, die von Infanterie Unterstützt wurde. Der Feind wurde trotz­dem in die Flucht getrieben und verfolgt, bis sich russische Verstärkungen in befestigter Stellung zeigten, die sofort von den Honved angegriffen wurden. Dabei lfaben letztere größere Verluste erlitten. Mit der Feststellung stärkerer russischer Kräfte in dieser Gegend war die Auf­gabe gelöst. Die Honveds, die sich darauf in Satanow einquartiert hatten, wurden n«chts von den Orts­bewohnern überfallen und zum Teil getötet. Der Ort wurde infolgedessen strafweise nieder- geb rannt. Ei,re genaue Angabe der Verluste ist noch nicht urüglich -

Wien, 27. Hch. (W. T.-B.) Die Rach wicht von dem siegreichen Ausgange der dreitägigen Schlacht bei Kras- nik hat in der ganzen Monarchie freudigste Genugtuung hervorgerufen. In Wien haben zahlreiche Häuser geflaggt. DicPressc gibt ihrer Genugtuung über den Sieg auf dem nördlichen .Kriegsschauplätze Ausdruck und hebt hervor, daß die Schlacht von größerer Bedeutung sei, als die ersten Meldungen voraussetzen ließen. Rach den Berichten der Kriegskorrespondenlen der Blätter scheint die Niederlage der russischen Armee eine Folge einer wcitausgreiscndcn llm- ehung zu sein. Der Kampf war überall hartnäckig, der rfolg der österreichisch-ungarischen Armee vollständig.

Ein Komplott ägyptischer Offiziere gegen England.

Wien, 27. Aug. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die Engländer befürchten eine Revolution der arabischen Bevölkerung Aegyptens. Ein Komplott mehrerer ägyptischer Offiziere gegen England soll bereits entdeckt worden sein. Etwa 60 Offiziere sind verhaftet. Tie eingebo­renen Truppen sind entwaffnet worden. Prinz Dlziz Pascha Hassan wurde auf eine Festung gebracht. Die englische Mili­tärbehörde befürchtet auch eine Invasion der arabischen Truppen der Türkei und hat bereits Verteidigungsmag- regeln getroffen. Tic Okkupationstruppen mit ihrer Ar­tillerie sind längs des Suezkanals ausgestellt, man befürch­tet aber, daß, sie zu schwach sein werden, um einem Angriff von 50000 gut bewaffneten und von religiösem Fanatis­mus beseelten Türken zu widerstehen. (Nationalztg.)

Ans Marokko.

Berlin, 26. Aug. Nach einer Mitteilung des kaiser­lichen Geschäftsträgers in Tanger sind DentscheinTan- gc r bis zu seiner Abfahrt von den marokkanischen Behörden icichtbchelligt worden. Sie flüchteten größtenteils nach Cadiz.

Die schlimme Lage Serbiens.

W. T.B. Wien, 27. Aug. DieSüdslawische Korre­spondenz" meldet aus Sofia: Ein an amtlicher Stelle vorliegender Bericht aus Nisch vom 18. August betont, daß die falschen Sicgesdcpc scheu, die das ser­bische Hauptquartier verbreiten läßt, in der Bevölkerung keinen Glauben mehr finden, zumal die Folgen des Krieges im Lande selbst mit erschreckender Dcutlichteit in die Er­scheinung treten, die erhoffte Zufuhr über Griechenland ins Stocken geraten ist und cs an Mehl, Salz, Konserven und Sanitätsmaterial mangelt. Die nach vielen Hunderten zählenden Verwundeten, die in das Innere des Landes gebracht wurden, finden weder Pfiege noch Unterkunft. Es herrschen in sanitärer Hinsicht geradezu haar­sträubende Zustände, welche die Gefahr von Seu- en herausbeschwören. Das massenhafte Zuströmen der evölkcrnng aus den Grenzbezirken trägt zur Erschlverung der Lage bei. Die Preise für Wohnungen und Lebensmittel sind ins Phantastische gestiegen. Eine herbe Enttäu­schung für die Bevölkerung sei das Verhalten Ruß­lands, dessen Hilfe bis jetzt nur durch die Entsendung einiger russischer Offiziere und einer Anzahl russischer Frei­williger in Erscheinung tritt.

Ein Telegramm des Kaisers.

Berlin, 27. Aug. Der Kaiser hat an die Witwe des verstorbenen Generaldirektors der Staatsarchive Ex­zellenz Kos er, über deffen .Hinscheiden wir gestern berich­teten, folgendes Telegramm gerichtet:

Durch die Meldung von dem Hinschcidcn Jbres von mir hoch­verehrten Gatten schmerzlich berührt, spreche ich Ihnen mein wärm­stes Beileid auS. Ich habe in dem Verewigten nicht nur einen treuen Beamten und Gelehrten von hervorragendem Wissen und Können, sondern zugleich einen, um mich und mein Haus hochver­dienten Freund verloren, Gott der Herr tröste auch Sie in dieser ernsten Zeit, in der so viele schwere Opfer vom Vaterland gefordert werden. Ich habe meinen General st la suite General der In­fanterie von Jakobi mit meiner Vertretung bei der Beisetzung be­auftragt. Wilhelm R. (Verl. Lokalanz.)

Zum Tode des Prinzen Luitpold von Bayern,

des Sohnes des Thronfolgers Rupprecht (Wir haben die Todesnachricht gestern nur'noch in einem Teil der Auflage bringen können, schreibt dieNordd. Mlg. Ztg.":

Ms ein schwerer Schlag trifft das Ableben des jungen Sprosses aus deni Hause Wittelsbach den Kronprinzen Rnp- precht, die königlichen Großeltern und das ganze bayerische Herrscherhaus. Mit den Leidtragenden teilt das Bayernvolk den tiefen Schmerz über den herben Verlust, den ein uner- forschlicher Ratschluß der Vorsehung gesägt hat. Aber auch außerhalb Bayerns wird in allen Gauen des deutschen Vaterlandes die Kunde von dem Hinscheiden des jugendlichen Prinzen, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, herz­lichstes Milenrpsinden loecken,

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Au§ dem Reiche.

Mannheim, 27. Aug. Aus Anlaß des Krieges hat Herr Tr. Krebs, Inhaber des Strebelwerles in Mannheim, wie die .Neue Badische Landeszeitung" meidet, sür die Angehörigen seiner Firma eine» Unterstützungssonds von einer Viertelmillion Mark errichtet.

Stuttgart, 27. August. Der König ließ den Mitalicdeni des Hoitheaters mitteile», daß die Verträge ivährend des Krieges, auch wen» nicht gespielt würde, auircchk erteilten bleiben. Den im Felde siebende» verheirateten Mitgliedern werden die Bezüge weiter- bezahlt. Das Holtbeater nimmt seine Spielzeit am 5. September aus.

Aus StaSt u«rvan&

Gießen, 28. August 1914.

" Die Siegesglocken läuten. Anläßlich der von dein westlichen Kriegsschauplätze cingetroffeuen SiegeS- nachrichten ivurde heute vormittag 10 Uhr mit allen Glocken geläutet.

** Die Besuchszeiten im Rescrve-Lazarc tt in Steins Garten sind wie folgt festgesetzt: 1. für Gie ße ne r: jeden Nachmittag von 2 bis 4 Uhr; 2. für Auswärtige: jeden Tag von 11 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags.

* Gefangenen- und Verivuudctcn-TrauS- porte. An den letzten beiden Tagen hat cS aus unserem Bahnhof an Gcfangencn-TranSpocten nicht geschlt, bei denen auch vereinzelte verwundete Franzosen mit befördert wurden. Von jedem Transport mußten einige verletzte Franzosen die Reise unterbrechen, weil deren Zustand cS nötig machte, sic in Gießen schon in Lazareltbehandlnnq z» nehmen. Unsere Lazarette werden allmählich sich füllen. Mit jedem Zuge, der vom Kriegsschauplätze anlangt, treffen neue Opfer des Kampfes hier ein. Teilweise sind schon die Klinik, das evangelische Schwesternhaus und die Turnhalle mit Ner- mundeten belegt.

** Hessische Kriegsversicherung auf Gegen­seitigkeit für den Krieg 1914. Die Bank für Handel

und Industrie dahier ist Annahmestelle für Versicherung«, anträge und bereit, den Angehörigen der im Felde stehenden Krieger alle wünschenswerten Anleitungen zu geben. Man wende sich daher a» die Kasse der Bank, Johanncsstraße l,

** Auszug aus der Verlustliste. Gardc-Ärag.-Regi, ll. Großb. Hessischest Nr. 23. 2. Eskad. Gardedragoner Heinrich Dedio aus Ossenbach a. M. tot. 4. Eskad. Gardedragoner Johann Moll aus ProjenSdorf, Schleswig-Holstein, tot. Gcsr. Georg Lochmann aus Dornberg leicht verw., rechtes Bein, linker Fuß. Wilhelm Merz gen. Nauhcinc aus Niederseltcrs vermißt. Wil-- Helm Leist aus Wertha vermißt. Karl Kops aus Bechtolsheim ver-. mißt. 5. Eskad. Unteroff. Emil Kunz aus Lammsheim leicht verw., rechtes Knie.

" Eisenbahner für Belgien. Rach Belgien sind ans dem Eisenbahn-Direktionsbezirk Frank­furt a. M. 6 Ingenieure soivie mehrere Bahnmeister, Roit- meisler und zahlreiche Eisenbahnarbeiter zur Bahnbcwachung und -Unterhaltung beordert. Auch Betrieb?» und Fahrper­sonal ivicd folgen.

"Eine großeSchlachtbei Gießen. Die Bericht­erstattung unserer Feinde, der Franzosen im Besonderen, liefert klassische Beispiele.Noch in der Nacht hat das französische Kricgs- ministerium der englischen Regierung zur Weiterverbreitung über alle Ozeane die an sich für Franzosen und Engländer gewiß er­freuliche Mitteilung gemacht, daß die deutsche Armee in vollem Rückzug über den Rhein sei." Gleichzeitig kommen aus dem Wege über Kopenhagen französische und englische Meldungen, in denen ganz genau beschrieben tvird, wie die Deutschen bei Mülhausen in einer großen Kapiialschlacht geschlagen wurden und wie sie (wenn wir nicht irren, in einer Schlacht bei Gießen) cinundneunzig Geschütze verloren. Also nicht etwa über 80 oder migcfädr 90, sondern g e n a u 9l Ge­schütze fielen den Franzosen bei Gießen in die Hände. Das ist wirklich zum Schießen:

Kreis Frlcdbcrg.

L. Friedberg, 27. Aug. Stadtverordnetensitzung am 26. August. Als einziger Punkt steht auf der Tages- rodnung: Unterstützung bedürftiger Angehöriger der Kriegs-, teilnehmer. Nach den reich?gesetzlichen Bestimmungen er­halten die Angehörigen bedürftiger Kriegsteilnehmer, denen durch die Einberufung des Ernährers zum Heere die Existenzmöglichkeit genommen ist, vom Reiche eine Unterstützung, welche beträgt a) für die Frau monatlich 9 Mark, d) für jedes Kind unter 14 Jahr inonatlich 6 Mk Seitens des Kreistages ist aus Mitteln des Kreises ein Zu- c schuß gewährt worden, der für die Frau monatlich 3 Mk i beträgt (im Winter 6 Mk.). Die Versammlung ist ein- stiminig der Ansicht, daß für das Land diese Sätze wohl ausreichend sein mögen, für die teuere Lebenshaltung in den Städten aber nicht ausreichen würden. Sie beschließt deshalb, einen Zuschuß, zu leisten, der 50 Proz.' des Reichs- Zuschusses ausmacht. Eine Kommission soll unter dem Vor­sitz des Bürgermeisters die Anträge prüfen. Der Stadt erwächst dadurch eine große Ausgabe, doch sollen alle ver­fügbaren Mittel hierzic herangezogeu werden. Eine Zentral­sammlung soll organisiert und in der Stadt dafür gesam­melt werden, damit die bedürftigen Familien gegen Not geschützt bleiben. Die Unterstützung soll in erster Linie für Miete und Lebensmittel sein, die durch gemeinsamen Bezug zugänglich gemacht und ausgegebcn werden sollen.

k. Butzbach, 27. Aug. Gestern abend um 8 Uhr trafen die. ersten Verwundeten hier ein, 186 an der Zahl, von ver­schiedenen Negimenter», darunler einige Schwerverioundcte. Heule vorinittag uni i'A Uhr ertönte das Signal der Feuerwehr mit dem Rufe.Sanitätskoloune". Kurz daraus trafen ivcilere 120 Ver­wundete hier ei». Sämtliche Verwundete wurde» hier ii» Reserve­lazarett Kaserne unlergebracht. Die Schwcrverwuudctcn wurden au! Autos und an! Tragbahren in das Lazarett eingcliefcrl. In aller Frühe sah mau Leichtverwundete spazieren gehen, um die sich triippeweis« die Bürgersleuten scharten, um Erzählungen vom ktriegsschauplatze zu hören.

a Bad Salzhausen, 21. Aug. Das Kaufmanns» Erholungsheim dahier ist nun als Kriegslazarett fertig ein­gerichtet. Den, Vernehmen »ach solle» in den ersten Tagen Ver- ivundcte hier eintreffen.

Starkcnburg und Rheinhcssen.

Darmstadt, 26. Aug. Das Lcibgardc-Jn santerie-Regiment Nr. 115 hat am Samstag von ! bis 9 Uhr abends in» Gefecht eine französische Artillerie­stellung gestürmt, wobei ihm 40 Geschütze und eine Fahne in die Hände fielen. Das Reginient hat, entgegen anders­lautenden Meldungen, nur geringe Verluste, wenig Tote, meist Leichtverwundete, da die Franzosen sehr schlecht schossen.

rm. Darmstadt, 27, Aug. Ein infolge de: erlittenen Verwundungen im hiesigen Lazarett gestorbener französi­scher Offizier wurde gestern nachmittag in Begleitung eines katholischen Geistlichen auf dem hiesigen Friedhöfe beigcsetzt. Der einfache Leichenwagen wurde von einem Ariillcriegespaun gezogen und von 6 Kanonieren begleitet. Wie ivir erfahren, soll aus die Anfrage in der Batterie nach Freiwilligen zur Begleitung des Wagens kein Mann vorgetreten sein, woraus 6 Mann kommandiert wurden.

Darmstadt, 27. Autz. Tie Fürstin Erbach-Schönberg hat das ihrem Bruder, dem englischen Admiral Prinzen Ludwst von Battenberg, gehörige Schloß Heiligeuberg deur Rote» Kreuz zur Verfügung gestellt.

Hessen-Nassau.

X H a n a u , 27. Aug. Die Stadtverordneten haben heute beschlossen, zur Beschaffung von Arbeitsgelc gen- beit verschiedene Arbeiten ausführen zu lassen, zur Bekämp­fung der Arbeitslosigkeit eine erste Rate von 20000 Mark zur Verfügung zu stellen. Die in Hanau stark vertretene Edclmctalfindustrie ist Luxusindustrie und hat ihrer Natur nach bei den jetzigen Kriegsw-irren besonders stark zu leiden. Wie der Oberbürgermeister bekannt gab, hat der Magistrat bei dem Minister der öffentlichen Arbeiten und der Regie­rung in Kassel telegraphisch angefragt, ob es sich nicht er­möglichen lasse, die Arbeiten zur Fortfiihrung der Main- kcmalisation wieder aufzuuehmeu.

b Bad H o >» b u r a v. d. H., 27. Aug, Eine arme Frau ivac von der Polizeibehörde in eine K e l d st r a f e genommen ivorden, weil sie ihre schulvstickNigen Kinder Zeitungen tragen ließ. Eie beantragte richterliche Entscheidung, zog den Einspruch aber gestern a»> Anrate» des Richters vor deni Schöffengericht zurück. Dan» laugte das gesamte Richterkollegiuur unter voller Würdigung der Notlage der Frau in die eigene Tasche und brachte im Haud- »indreheu die Auslagen der Frau und noch einen Grosckru mehr auf. In Frankfurt verknuse» etwa 3000 Frauen und Kinder gegenwärtig die .neuesten" Kriegszeitungen, Tie Polizei kümmcrt sich dort nicht im mindesten um di- Leute und gönnt diesen den kargen Verdienst recht gern.

Der $anitäts= und Liebesdienst in Gießen

Unsere ersten Verwundeten sind eingckchrt und es muß ein wohltuendes Gefühl für sie sein, bei dieser Heimkehr zu beobachten, baß, während sie da draußen alle Strapazen ertrugen und freu« diq Gesundheit und Lichen aufs Spiel setzten, auch wir hier nicht müßig waren. Die Militärbehörden, die Stadtverwaltung und die private Fürsorge haben miteinander gewettcisert, um nicht nur sür die Zurückgebliebenen unserer Sieger möglichst zu sorgen, son- - der» um auch sür sie selber, falls sic verwundet heim kämen, alles bereit zu halten und dafür zu sorgen, daß sie von ihren Wund«