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Nr. 200

Zweiter Blatt

Erschein! täglich mit AuSnahm» des Sonntags.

DieSietzetier Zamilicndlätter" werden dein »Anzeiger" viermal ivöchenilich de,gelegt, da- Ureisblatt für den Nreir Siehen" ziveimal wöchentlich. Dierandwirtschaftlichen Seil

fragen" erscheinen inonallich zweimal.

W4. Jahrgang

General-Anzeiger für Oberhessen

Donnerstag. 27. August

Rotationsdruck »nd Dcrlag der Brülil'schen

UniversitälS - Biich- >i»d Licindrnckcrci, R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Triickcrci: Schul­st! aßc 7. Expedition lind Verlag: e^ i s> M. 'Jici>aftioii:e^ll2. Tcl.-Adr.:AilzrigcrGleßen.

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Unser Gouvernement Belgien.

Belgien Ijat einen deutschen Gouverneur! sämtliche Zri tungen mit Aus>ahme derer von Antwerpen erscheinen in deutscher Svrack-e.'. so lautet die amtliche Meldung Man traute seinen '.Ingen nittn so rasch? Und doch ist es wahr, und doch ist es selbstverständlich. Tas Belgien von gestern sit nicht mehr und das iveilere, das neue ivird sich tinde». Belgien, diö Mille Europas. der geometrische Ort für alle Linien der bcrittaniichen .Kulturgeschichte, der große schnitt Punkt all der Kräfte, durch deren Zuiammenschlag sich seit tausend fahren der europaiittte G.-ist bewegt, ist »ach blu­tigem Ringen in die deutsche Hand gekommen und wrd hier eine politische Umgestaltung ersahren. was der große Krieg auch sonst noch bringen sollte Das bisherige Belgien war eine -Zwitterbildung der politischen Praxis oline Blutgewicht und ohne seeltiche »rast. Die Belgier selbst ivustten es ganz gei-.au und suhlte» sich im Wirklichkeit entweder als Flamen oder als Ballonen. Bei den Flamen steht die Zugehörigkeit -um germaiitschen Bolksstamme unbestritten sest. Tie Ballv» nen lidsten sich gerne von Baris sousslieren. daß sie Ro­mane» seien. In Wahrheit sind auch sie deutscher Abkunft, und mir im Lause der Fahrhunderie venio.-lscht. sie sind »ach der nnjsenschasllichen Forschung nichts anderes als die westlichen Stammesbrüder der Rhein u»o Moirliranlen. di-- Maassranken Ihre Mullersprache war ursprünglich gar Nicht das romanische, sondern das niedersränkiscbe Idiom. Grund und urdentich ist das Land auch da. wo die Ballo nckn die Bolksiiberzahl Uber die Flamen haben.

'.'las dem Berge bei Brüssel hat einst der Herzog von Brabant seinGott will es" Uder bic Massen gerusen und von dort flutete in de» »renzzügen die deutsche Woge durch die Well Ter Name Brüssel selbst ist deutschesten Ursprungs Ter Heidriibekeb rer tüangerich. Bischof von Eambrai, errich­tete im vierten Jahrhundert in dem von der Senne durch zogettc» Lumpsland ibruoc) jene Kapelle. um die sich dann die ersten Wohnungen (feie, daher bruocsele, Wohnung im iEuchps) Bruiselas gruppierten. Tie Grasen von Löwe» um Gaben im elften Fahrhundert die s-tadi mit Mauern Tie wut'gundiiche Zeit und später Maria Theresias Herrschaft hat so viel deutsches Wesen im Lande entwickelt, daß inait nocli hxute tro? des französischen Einflusses aus Schritt und Trttl du- alte deutsche Art stiidel. In der ganzen unteren stadt Brüssel ivird flämisch gesprochen. In Ant wer pcn ist liberhaupt die Bevölternng durchaus iläniisch. Tic rcittisdeutsche »olonie >var vor Ausbruch des »rieqes attu bis »eiiiitansend Seelen stark, und es gab mehr als ein Tilpeiid deutscher Bereine. Tie (üeschichitS iorichnng kann uns erzähle», ivie einst in Antwerpen die Fugger, die Tnttxec, die Welser und der Hansabtiiid vor­bildlich ipirtten. so könnte nian fast in jeder belgisckwik stadt unter dem iraiizptlichen Firnis den urbenischeit Untergrund nachioeise» 8, a in » r, das unsere braven Trnp pen nun genoinnie» haben, führt die slämische iid gut- deutsche BezeichnungRainen". Und ivenii unsere Truppen jeßl nach Eharleroi ivciter rücke», kommen sie in die bel- giicke Provinz mit dem ivilnderschöne» Raine» Hennrga». Und hie avderrn Provinzen? tßibt es scirünere und deut­schere Raine» wie Flandern, Brabaiit, Limburg? Teut- Ick'ere Lrisnainen wie Ostende, wo sich schon seit Jahren der Berliner erhole» pflegt, Genl, das »iiter Kaiser »'arl V. eine der ersten Städte des Kontinents und nächst Paris die größte stadt des nördlichen Europas >oar, end­lich die alte Hansestadt Brügge?

Brügge ivird vielleichl unter deutschen EinsKiß viel Von seluer einstigen Bedeutung zurückgewinnen. Es >r»ar jahrliiiiidertclang der Mittelpunkt des nordeuropäisckxeii Welthandels und stand unter dem btirgunt>ifd>en Hause aus der Hohe seiner Macht. Als der Zugang zur Nordsee versandete, verlegten die große» Handelshäuser ihre Tätig­keit uatt, Antwerpen. Vieles schöne, namentlich an inler- essantrn Baiiiverieii, ist seitdem verschwunden und die Ein­wohnerzahl quf.ein Triitel zurückgeganaen. Aber seit 1907 besteht der »ene, auch für große seeschissc befahrbare »anal nach Zeebrugge, der das Wiederaufblühe» der stadt er­möglicht. Und überall begegnen fiel» trotz des ^chrnes, de» der jehi;ze »rieg ansgrlöst liat, in Belgien deulsckxe Laute.

Uriegsthrater-Kepertoire

Tic Frage, ob e? den Tlieater» möglich fein wird, iit diesen, ooiicn »oh i imrtrit. ift für viele heutzutage zur Lebensfrage geworden ckioOciel: ist et mirrriiam, frstzusteUe». mir es 18(0 gelang, tret- des Krieges wrilerzu,vielen. welche stücke man wählte, um der veranderien Stimmung Rechnung zu trogen.

A» einem Tage ml» man tu Berlin angezeigl:TeS Königs Befehl". ..D.e preußische Morknrndrrrn". ..Preußens Beirerung" ote,lhlü. >>>1. 1H1.V,Ter Abschied des Landivebrmonns". Panier Eliizugsmarfch",Des »önigs Rud", An der svree und am Riem".Berliner in Frankreich--.Des »tiegers Trouin in o-ei-it>'Siaud- undLouis in louiend Aengsten". Fast durch die Bank Einnkier und leichteste Ware Tos Belle Alliance Theater ivie.le ,Aui »ach Pari»-', daneben freilich auch, »nd bas ging den Mnwiekende» gewiß von Herzen,Ums liebe iKeld", das Woliersdor.erMil Gon für »oiiig und Vaterland", das Tivoli- zheaierFraukreicl. du dauerst mir", da» Victoria TheaterBer­lin im Krieg und Frieden-- Mit ähnlichen stücken iuchte der stoviiiiisiionseai Ertget, der Bel,«er des Krollfckicn tSariens und Theater», eine ltgtobrfannic Persönlichkeit, der nebenbei nock, das Roir-nckickTloaier übernommen batte, i'icki durchzub.'1'en. Vor­nehmer war »alürltcki dn» Berliner Scknnii viel hau». do»Wil- doim TrU", ,/Äinna von Barndelm - und Hensesüolberg" brachte, später uberiiglrn es auchTes Kriegers Frau", eine Szene von üarl Hiigel. die in München sehr gefalle» ball soweit inan in de» Broviimbeatern noch spielte. Königsberg und Boten B liattf» aant gesch.Ioiien. birlt man auf etwas mevr'oirtimad a:s in Berlin. Im Leipziger staittheatev, das Friedrich Haase .ive, Tage nach her Kriegserklärung übernommen balle, gab man ..An Kötners (Krad ' uiw ..Freund und Fernd--. eur stück, das >m daiiiick-en Kriege >884 fmette. In Cefterrnch gab man. ivenn ave- i-.ich: Ohne Widenornch und bäuüg berngi von der Ieniur, stüae. die deutich'reundlikv waren oder gedeutet »erden tonnten. TaS IoiephNödler Theater in Wien gabT-r Krieg^und ieinc recken", das Eartli-eatersiraßburg, die deutick-e stadr" und tosTbearer «. d Wien" erzielte mit dem Betgiiben Schmarren ..Ter deuiiche Bruder-' glanzende Einnahmer,. nickt zum mrn testen, weit der Held vreuriick.- Landweheuniiorw irug. Voeher lrUte am berfelbcit- Buhne'Xapoleon" Gelegenheit zu Temon stratioiu-n gegeben. Das gute Pubtikuni harre Blücher Beiiall gektaischl, da» weniger gmc dem Kaiser Rgpoleon, wobcr ihm

Als im Jahre 1910 Kaiser Wilhelm auf de» Trinkjpritchj des belgi'chen Königs in Brüssel entgegen dem staats zeremoniell in deuticher spräche erwiderte, brachen die Flame» in helle Begeisterung aus. Ihre Kulturbewegung war schon überaus mächtig geworden Ter deutsche Volks verein, der sich die Erhaltung des deutsche» K-ulturd.-jikies in Belgien, die Sicherung und Durchsepung der deutschen spräche zur Ausgabe gemacht batte, cntvmeie damals eine kräftige Uiitcrstuyung vo» deutscher seile. Tie Politik er. laubie es damals nicht. Heute, aus bUitgcdünglem Boden, steigen die alten Hoffnungen und Erwartungen .vicdcr aus Und wenn der Haß. und Gram des Krieges überwunden kein wird, findet sich sicherlich alles zusammen, ,vas deutsch sprickit und deutsch empfindet. Tann wird auch >rs inmier noch etwas sraiizöfiiche Wortotouvernciiient" einer beul« scheu und deutlicheren Bezeichnung weiche».

GumbinnenBerlin.

Von einer Gwnbinncr Familie, die ivegen des Krieges ihr Anwesen in Gumbinnen verlaüen mußte und iiiziviichcn in Berlin eingetrosien ist, ntcrben demTag" folgende Einzelheiten und Ein drücke berichtet:

Rach dem siege unserer lavieren Truppen bei Slallupöneu glaubten wir schon, daß unsere stadt von den kriegeriichon Er cigmssen verichonl bleiben würde. Tic dorirge» K'impi.- datle» sich in der Zeit vom 17. bis >8. August abgo'vi>-lt. ledoch noch einige stunden von unserer sladi enlicrnl, obmvbt der Kanonen donncr und der Lärm des Kamvscs vernclimlich zu unseren Dbrrn drangen. Unser HauS beiand sich in der Rübe des Babnlivis. »nd iagelang vorher lomiiei, ivir die Bevölkerung der in Mülcidc» schüft gezogene» Ortichastcn durchziehe» sehent viele lzaiten in der Eile nur das Notwendigste miinehmen können. Auch zahlrciche Bernnlndete wurde» bereits in die stadt gebracht.

Am Abend des 18 August verlautete, daß der Feind mimt gegen unsere stadt iitt Vorgehen begriffen sei Rack, einer ver hältniSmäßig ruhigen Rächt dorten wir gegen Morgen das Gr ichühieucr heiliger werden es ivar kein Zweifel mehr, diesmal wurde es ernster. Verschiedentlich wurde u»s deshaw .geraten, die stadt zu verlasse». Wir packten unsere Habicligkeuen zusammen und eilten aus den Bahnhof. Hier hatten sich schon vor uns viele tSunibimier Familie» und beionder-s Leute aus den Härter» der Umgegend, die bis zuni letzte» Augenblick auf ihrer schotte geblieben ivaren, veriammelt. Unterschiede zwiichcn arm und reich iraren gänzlich ausgelöscht, jeder kalte etwas verloren und zurück lassen müssen, die meiste» waren gänzlich mittellos. Troydem ,rar.-n alle voller Zuversicht im Vertrauen aus die unverglcichiick Tapfer leit unserer soldaicn und honten, bald ivicdrr zurückichren zu können. Jeder >var auch nach Kraiten bemüht, des anderen Last tragen zu helfen und zu lindern. Einige berichtete» über haar straübeude Grauiamteiten der russische» Kosalen. die sich vor unseren Truppe» feige und hinterlistig benehmen, der iiirück gebliebenen wehNoien .Bevölkerung gegenüber aber im Rauben und Morden Außerordentliches leisten, so manche Grcueltgi der NlsiischeN Aoldareska ivurde hier vo» durchaus einwandireien. Zeuge» ivicdcrgegcben und ermecklt überall Zorn uiid tiefftc Em­pörung. trm alter Heer- verlad bei» Brief seines AohucZ. der in der Front kamvit In dem schreiben heißi es ». a.:Wir sind sehr empört über die hinterlistige Kampseswriic der Russen. <so bald Teile von uns im Gefecht vorAehen und de» Russen ausS Fell rücken, hebe» diese die Arme ickwn von weitem lwch und lassen diirch Riederlegen der Gewehre erkenncii. daß sie ücki ergeben ivollen sobald wir aber bi» aut einige schritte iiahegek-immen sind, schießeil die Halunken mit dem (rfnirll auigehobenen Gewehre am uns. In viele» Fällen wurde auch am Mitglieder de» Roten Kreuzes geschossen." Tic ieindlichen Gcsangeneri. die durch Gum­binnen transportiert ivurden, bestanden .zum größten Teil aus russischer Insameric. Einige imechen Tcutsch und erzählen, daß sie bisher i» allen Gcfcchlen schreckliche Verluste erlitten hätten: die schühengräben seien bis zum Rande von Geigngeneu voll, viele Liiizierc hätten sich immer hübsch vorsickwig hinter der Front gehalten.

Inzwischen ist unser Zug eingesahren: er hätte dovvell so lang sein müsse». Es schien einfach immöglich, alles wegzube­kommen: einige Gumbinner kehrten um, um zu Wagen ober zu Fuß zunächst Insterburg zu erreichen. Wir andern aber veriucküen, so gut e-s ging, uns einzurichtcn, und bald iaßen oder standen ,oir eingekeilt zioiichen Berten und Reiiegepäck aller Art im Zuge. Wer nie eine solche Fahrt miigemachl. bat keinen Begrisi davon, ivas cs beißt, 4L stunden am engstem Raum eingepiercht zuzu- bringen, während der Nacht völlig im Finstern, dazwischen Kinder- gcschrei. Und vor allem die sorge um die Heimat! Würde» mir noch einmal unser Häuschen unoerschn wieberfehen? Unwillkürlich denkt mau hxr Friedcnszeit, wo eine solche Fobrt im 10-Zug

allerdings der Irrtum begegnet war, den Uebergang über die Berefina rür einen rranzöiiichen sieg zu Hallen. In Prag, wo mau BauernieldsTer kalegoriickw Iniveranv" undEin deul- ichcr Krieg" spielte, strich die Zensur alle stellen, die deuhch- ireundlicke Kuirdgebungeu Kälten hervorruieii kömren In Paris endlicki amüsierte man sich beim Ausbruch des Krieges mit dem VolksstuckPrinz und Isnriigtist", das die Erschießung Viktors Noirs durch den Prinzen Napoleon darstclllc, dann gab es vatrio- liichc stücke, die besonderen Beiiall sanden, weil die MarseiUaiie gesungen werden durste, und am 10. September hörten alle Theater aus behördlichen Befehl auf zu spielen.

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Sin Krieg mit England ersehnt Bon Klov - stock. Es wird uns aus ißießen, 26. Aug., geschrieben: Rach nahezu anderthalb Jahrhunderten geht der Wurn'ch des urdeutichen Tichlers Klovitock, dnc Engländer vor der deutschen Klinge zu sehen, keiner Eriüllung entgegen. Im Jahre 1766 prägte Kloo Nock in seiner Dbc ,,'®t und sic" iTeutschc und Engländer: die markigen Vene:

sie schlagen in der finstern Schlacht,

Wo schi'i an schiis sich donnernd legt!

Wir schlügen da, wie sic! sie rücken auch in lener schlacht,

Tic Wir allein verstehn! heran.

Vor Uns entilöhen sic!

D iodn Wir sie in icner schlacht.

Tie Wir allein verstehn! einst dickit Am slahl, wenn er nun iinkt Wenn Unsre Fürsten Hermanns sind!

Cherusker Untre Heere sind.

Cherusker, kalt, und kühn!

Dir wurden keine würdigen Enkel de» vaterländischen Tichlers iein. wenn uns nicht gleich'alls innewohnte icine iür die Tuich ''ehung einer eriolgreichen Eniicbeidung unerläßliche stegesgewiß beit, der eiserne Wille zu liegen, der selbst durch einzelne Miß erielge nicht erlchürien. sondern nur gestärkt werden soll, im sinne einer alten Mahnung des romrichen Tichlers Virgil:Weiche nicht dem Ungemach, sondern ithreite um io kühner voran!" in der Ur spräche: Tu ne eede malis. sed contra ajdentior ito!..

Tobet können mir uns wiederum an Klovstock anlehnen, der in ieiwer OdeMein Vaterland" Teurschtanü zurutt:

c odlbiihncn -Berlin iast eine Erholuiigsiahrt bedcittele. In Inster­burg traten wir au> einen Zug mit Gesänge,'.e und Verwundeten. Reben deutichen soldate». dir am dem sdstichlielde vmonndet ivar,iah man a»d> russische Verlorle sowohl diese als audi die in untere (Wfiangcnidjait geraienm Rniien präsentierten üdt zum größten Teil in red» ichtechter Veriasiung. sdiubwerk und Be- Itcidiiiig lassen viel zu wünschen übrig, einige ivarest bariuß, die Uniivrmcn bcichmuvt und zerrissen Wie gut, pratttich und haltbar ist dagegen der Anzug unserer deutidie» soldatcu.

In langiamer Mtlitärzugiahrt ging die Reise über Königsberg, Tiricvgu. schneideniüdl. Am sonntag, 2.1., gegen Morgen, trafen ivie au> Bahnhof Alczanderpla-.i ein. Troß der große» körper- Iidieii Müdigkeit zunächst eine Zeitung! Und mit geipanntesteni Interesse läse» ivir:T,is l . Armeekorps Iwt am 20 d. Mts. erneut de» aut Gumbinnen l-orgehendon Feind angegrisfen und geworfen, dabe, lind 8.*Oi» Gefangene gemocht und ad» Geichuse erbeutet worden." Tankl>arcn Herzens gedenken ivir uuieres taviern Heeres an der Ostgrenzc. das unser Euienunn dort oben bisher mgd'tvoll geidtüßt inil. Viellcick« ist die Zeit iiickn mehr teru. wir im Geiübl vollkvmmcner SidjcrItett wieder die Rückfahrt antreien können!"

Holländer mit derwacht am Rhein".

TerDeutsche» Wochenzeitung für die Niederlande und Belgien" in Amsterdam schreibt ei» holländischer Leser sol­lendes erheiterndes Erlebnis:

Am Tirnslag vor acht Tagen laut ich etwas zu spät zum Zug nach Hilversum und siel, mit einem spning, sozusagen in das lewe Lkb.cil. das vo» >4 solbatm des 7., iu Amsterdam garnisonierenden Iutamcriercgin»-nis beseht ivar. Tie Leute nxireu ungemein iangessreudig. aber ick, irauic meinen Obren laum: waS iie iangcn, iihu zuerstT i c Wacht am stibein" und dann2ck> bin ei» Preuße, kennt Ihr meine Farben?" Ra. das ging mir, als gutem Hollaitder, denu doch über die Hutschnur. Ick, fragte:Hoor eens, jongrns, keinieu jelui da» gecu hollandsche liebere»." Tic soldaleu guckten midi an,atjol zii 't in Keulen 2»Horden dondercn" und einer von ihnen, der etwas Holländisch oerstgnd. erklärte mir, unter weldien Umständkit sie i» die hol ländiidte Ilniiorm gerate» ivaren.

Wir sind, ein paar Hundert an der Zahl, alle im R bei li­la i, d gebürtig, der Tlcke dort in Wilbelmsbaveu Als Kinder haben wir mit deutidteu Kindern gespielt, sind mit ihnen zur schule gegangen, baden ihre Sprüchlein, ihre Lieder gelernt. ii»d ii» Herzen Tentschc geworden. Ten» unsere Ettern ixnechen auch nur. Teulsch. Ter eine oder aiwere vo» uns lxit in Holland ioobl seine Dienstzeit gbiotoiert, aber das genügt doch uidti, um unsere eigentliche Muttersprache zu verstehen, so lonimt'fl denn auch, daß ivir »ur deuiiche Lieder singen können. Als ivir zir uniern- Gemeind«, durdi den niederläildisdieii Mobiliiierimgsbesehl au>- gerusen wurden, zogen wir sofort unsere » i c d e i l g n d i s ch e fl i s o r n, an, die dermaßen das Erftauiieil der Polizei erregte, baß wir wegen groben Unfugs zum Bürgermeister mitimißten, der iSdocki die sadie direki begritr und unserezcikooekies" stempelte.

I» einem d e u t s d> c n Militärzug ivurden wir, »Et Tau­senden deutsche» Soldaten, bcsördert Gerade wie diese auch, emp- iingcn wir Eiicn und Trinleu und dazu ä! ie b e sg a b c », in der Form von Zigarren, Zigaretten. Tabak, sdtvkolade iiiw. Bier. .Wern ober gar Schnaps gaVs nirgeudivo. Rur Tee, Kaffee und Limonade. Wie ein Lausteuer verbreitete sicki die .tbrnide:Die Holländer ziehen mit um)!" Aber die Holländer mgren io srci. sich in Weiel zu verabschiedeil. Ich kam bei Rieuweschans über die vaterlgiwischc Grenze. Dort mußte ich mal austrcten und fragte den stationsvorüchcr in .Demidi, denn Holländiid» verstehe ich nicht:Tart idi meinen Tornister eben in Iln Bureau legen?" Ter s cha u t e m ich wütend an und sagte:Om de blixem niet, neem je rommel maar mec nt maat Hollandich!" Ich merkte, da« sch im Vaterland war." __

Ostpreußischer Zeldbries.

Folgender Brief aus Pillau wird derD. Tagcsztg." zur Versügung gestellt:

Habe Tcinc Karte heule Sonntag erhalten, und da id) icht gugeublicklich Zeit habe, will ich Dir and, gleich Antwort schreiben, denn man weiß nicht, was noch allss kommen kann. Jd> hoffe, nachmittag haben ivir wieder Alarm, und ivenn c» unruhig ist, bann gleich die Gcichühc besetzen. Air haben uns hier aut der Nehrung sehr gut ocrsdianzi, daß uns so leicht keiner hindert, und unter einer Million Toten ivird wohl kein Feind hier hineinkommen. Jede dritte Rocht haben wir Wache. Aber cs ist fürs Vaterland. Tu sagst, liebe Sduvesler, ich soll nur nicht verzagen. Das ist ganz ausgcschtoiien Ich glaube, solch eine B e g c i fte r u n g bat n o ch nie im deutschen Heer geherrscht wie jetzt. Wenn cd heißt: Freiwillige vor,

Nie war, gegen das Ausland,

Ein anderes Laich gerechl, wie du!

Sei nick>> allzu gerecht. Sie denken.nicht edel genung,

Zu sehn, wie schön dein Fehler ist!

Ter Boykott der d e ul s d> c n M u s l k in Eng­land. Aus Loichon vom 16. August erbält der Mailänder Eorrierc dclla Sera folgende telegraphische Mitteilung, die auch in ihrer Form interessant genug ist, daß sic im Wortlaut iviedergcgeben werden mag:Es ist berickxlet worden, daß, die deuh'chen Erzeug­nisse in Englaich immrttelbar nadi der Kriegserklärung akl ihre Beliebtheit verloren. Mit diesem ruhigen und iriedlichm Mittel gibt jeder engliid»e Bürger feinen kleinen Tribut znm .Kriege Tieic Form des Bohkotts wurde nicht offiziell verkündet -was lekannllich »ad, neueren Meldungen heute nicht mehr richtig ist , iviiderii sie ivurde bisher mir allgemein orafliidi geübt, und wenn iic and, in der Hauptsache gegen die Erzeuguiiie des Bodens und der Arbeit der Teutfchen gerichtet ivar, ia hat dieses Scherben- gerickit sich von heute ab oui die Werke des deutichen Geistes eritrecki. Tie Mrnikfreunde, ivelch- gemeinhin die am wenigsten Iriegerlicheii Sterblickien lind, haben den größten Beweis von Valetlondsliebe geliefert. Man muß vo» ihne» den Bohkoll der deuisckien Musik erwarten. Roch ist es kein Monat her, da« es als eine unwahrscheinliche sckxmähung erschienen wäre, von der Wagner scheu Musik schlecht zu ivrechen. Heute sind in England die Werke de» große» deutschen Meisters in der Tat beiseite geschoben. Ter Wagner Kultus ist zeinveilig vom Kirege erstickt norden, ttzeftern abend enthielt das Programm des Kon- ieries in der Queens' Hall wie gewöhnlich einige stücke aus dem Ring und auch aus demDon Juan" von Rickzard Strauß: abcr un letzten Moment »vurde» die Wagnerstücke durch dos Italienische Eaviiccio" von Tschaikowski, durch ein e Arie aus GounodsFaust" ..Rachbari». euer Flo-ünhen!" tiefer Kerl kommt doch auch mis Teuiick-! md' »nd durch ein Kon- sert von saint saefts rrirw. ivsbrend anstelle der Muiik ron slrouß unter betäubendem Beiiall dn Marjeillatfe ge- iviclt wurd,. Und dies alle geickrat.. obnohl tie Hauvtanziehungs- frait t:i Konzerte in der Queens oa.ll bisher immer die voll­endete Ttii'fuhrung der deutschen 'iufit gewesen ist. Auch dre ö ü e rr e ich tick - u n a a ri i che Muiik erlebt dasselbe widrige ickiat, obgleich es i r:ver iein Isnntc, nch ein volkstümliches Konzert ohne wenigsten- ein stück von Liiji voizustellen."