unter Leitung Leos stehenden obersten Nationalkomitees beschlossen, dem Vertreter aller polnischen politischen Parteien äuge hören.
Blamage des sranzöfischen ÄriegSministcriumS.
Wien, 18. Aug, Das „Frcmdenblall" schreibt: Große Heiterkeit erregt hier die Tatsache, daß das französische Kriegsministerium einen Bericht an die Pariser Blätter ver sandt hat, in dem es heißt, der Zar habe das Königreich Polen wiederhergeflellt, und er öfferr --Ungar, Armee sei es trotz der größten Anstrengungen nicht gelungen, Russisch- Tarnovol in die Hände zu bekommen. Das französische Kriegsministerium weiß offenbar nicht, daß T arnopol eine galizische Stadt ist, und daß Oesterreich-Ungarn cs nicht nötig hat, die Stadt Taruopol erst zu erobern.
Die belgischen Greuel.
Berlin, 18. August. Ter Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatssekretär Delbrück, erläßt folgenden Aufruf:
Durch die deutsche Presse geben zahlreiche Nachrichten über Gewalttätigkeiten, denen unsere Landsleute an Leben, Lech und Gut in den ersten Tagen des August in Belgien ausgesetzt waren. DaS össentliche Interesse ersordert es. daß amtlich sestgestellt werde, inwieweit diese Nachrichten aus Wahrheit beruhen. Es geht daher hiermit an alle diejenigen, welche aus eigener Wahrnehmung Mißhandlungen oder Grausamkeiten der belgischen Bevölkerung und Behörden gegen deutsche Reichsangehörige oder Angrisse auf ihr Eigentum bezeugen können, die Aufforderung,ih reWahr- neh in ungen bei der Polizeibehörde ihres Aufenthaltsortes zu Protokoll zu geben. Die Landesregierungen sind ersucht worden, die Ortsbehördcn mit der Entgegennahme von Bekundungen zu beauftragen und die Protokolle an das Reichsamt des Innern gelangen zu lassen. Bon der vatri- otischen Gesinnung und der Wahrheitsliebe des deutschen Volkes wird erwartet, daß alle diejenigen, aber auch nur dieienigen, die wesentliche Mitteilungen aus eigener Wahrnehmung zu machen lzaben, oder zuverlässige Nachrichten erhalten haben, der Aufsor- derung bereitwillig folgen.
Landtagsabgeordneter Professor Richard Eickhoff schreibt der „Köln. Ztg,":
Die entsetzlichen Greueltaten, die an unfern Landsleuten in Belgien verübt worden sind, rufen mir eine Unterredung ins Gedächtnis zurück, die ich vor neun Jahren mit dem verstorbenen Könige Leopold II. hatte. In Brüssel tagte die 13, Interparlamentarische Konferenz, und am 28. August 1903 wurden die Mitglieder des Interparlamentarischen Rates im königlichen Schloß vom Könige empfangen, der in Generalsuniform ohne Degen, auf einen Stock gestützt, in den Saal trat. Die beiden Vertreter Deutschlands waren die ersten, die dem Könige vorgestellt wurden. Er wandte sich zu mir und begann das Gespräch, das wohl zehn Minuten dauerte, mit "dem Ausdruck der Bewunderung über Deutschlands wirtschaftlichen Aufschwung, die Blüte kwn Handel und Industrie. Tann aber sprach er von den Deutschen in Belgien und wußte nicht genug ihren Fleiß und ihre Tüchtigkeit zu rühmen, zählte die Tausende, die in Brüssel, Antwerpen, Lüttich wohnen, auf und fügte hinzu: „E s s i n d m e i n e b e st e n B ü r g c r, die den Wohlstand Belgiens mit haben begründen helfen." Wir sprachen dann von den regen kommerziellen und industriellen Beziehungen. zwischen Deutschland und Belgien, Wer die sich der König aufs genaueste unterrichtet zeigte, die er tveiter zu fördern hoffte und von denen er sich eine glückliche wirtschaftliche Entwicklung fiir beide Länder versprach. Diese Hoffnung ist nicht unerfüllt geblieben. Ich bin seit jener Zeit alljährlich mehrmals in Belgien gewesen und habe mich von der stetig »wachsenden kulturellen Entwickelung des Landes überzeugen können. In Antwerpen besonders sind die Deutschen geradezu die Führer dieser Entwickelung gewesen. Namen wie Bücking, v. Bary, v. Bernath, Fuhrmann, v. Mallinckrodt haben in ganz Belgien einen guten Klang. Die deutschen 'Schulen in Brüssel, Antwerpen und Lüttich standen bisher in hoher Blüte und haben auch auf das belgische Unterrichlswcsen befruchtend eingewirkt. Um so größer ist unser Erstaunen und unsere sittliche Entrüstung darüber, daß die belgischen Behörden die Greuellaten, die sich besonders der Mob von Antwerpen an den „besten Bürgern des Landes" zuschulden kommen ließ, nicht verhindert haben. Niemand wird so ungerecht sein, das belgische Volk in seiner Gesamtheit für diese Freveltaten verantwortlich zu machen. Es gibt sicherlich zahlreiche Belgier, die sie ebenso verurteilen wie wir Deutsche. Noch dieser Tage wurde berichtet, wie in Brüssel, als ein belgischer Landsmann ausgewiesen wurde, der dort jahrzehntelang gelebt hatte, seine Arbeiter dies gar nicht glauben wollten und unter Tränen von ihm Abschied nahmen. Aber auf den belgischen Behörden bleibt doch, wenn die aus Antwerpen und Brüssel kom wenden Nachrichten, woran kaum noch zu zweifeln, der Wahrheit entsprechen, für alle Zeiten der Makelhaften, daß sie Greueltaten, an friedlichen, fleißigen Bürgern verübt, zugelassen haben, die eine Schmach unseres Jahrhunderts sind.
Eine Erklärung des Metzer Gemeinderats.
Metz, 18. August. Der Gemeinderat der Stadt Metz faßte eine Entschließung, in der er in scharfer Weise Stellung nimmt zu auf M i l i t ä r pe r s o n e n verübten Attentaten und in der es u. a. heißt: i
Einmütig und aufs schärfste verurteilt der Gemeinderat der Stadt Metz solch ruchlose Attentate, die jedem Bürger die Schamröte in das Gesicht treiben und ihn mit Abscheu erfüllen. Wer die Hand gegen die Beschützer unseres Landes und die eigenen LaWeskinder erhebt, der ist kein echter Lothringer, kein echter Deutscher! Nur Meuchelmörder, die unbekümmert um das Schicksal ihres heimatlichen Bodens absichtlich und böswillig verkennen, was unser lothringisches Land dem Deutschen Reiche verdankt und schuldig ist, können zu solchen Schandtaten fähig sein. Solche Scheusale haben jede Gemeinschaft mit dem Lande und ihren Blntsgenossen verloren. Der Gemeinderat der Stadt sieht es einmütig als seine höchste und heiligste Pflicht an, seine Zusammengehörigkeit mit der tapferen deutschen Armee, mit welcher unsere eigenen Söhne für Kaiser und Reich und für die Zukunftunse» res lieben deutschen Vaterlandes kämpfen, bluten und siegen, offen und laut zu bekennen. Ihre Gefiihle für das mächtige Deutschland, dessen Geschick mit dem unsrigen untrennbar verbunden ist und bleiben soll uW dem sie mit Stolz und in uuwuWelbarer Treue angehören, fassen unsere Stadtverwaltung uni) der Gemetnderat zusammen in die Worie: Seiner Majestät unserem geliebten Kaiser Wilhelm geloben wir aufs neue unverbrüchliche Treue und Gehorsam und wünschen von ganzem Herzen, daß Gott unsere tapferen Truppen von Sieg zu Sieg führen lverde!
Die Entschließung ist von dem Bürgermeister Dr. F o - r e t, der selbst, aus allLothrmgijcher Fauulle jtamMt, und
dem Gemeinderat, in dem sich ebenfalls zahlreiche Einheimische befinden, unterzeichnet.
Bezug von Arzneimitteln.
Berlin, 18. Aug. Es wird mehrfach Klage geführt, daß die rechtzeitige und hinreichende Versorgung von Krankenanstalten und Apotheken mit Morphium, Kokain und einigen anderen wichtigen Arzneimitteln in der letzten Zeit aus Schwierigkeiten gestoßen ist, weil diese Stoffe int Handel vorübergehend nickst oder nur zu außerordentlich erhöhten Preisen zu erlangen waren. Bon anderer Seite verlautet, daß noch größere Vorräte des für die Verwundeten- pflege so notwendigen Morphiums in schweizerischen Fabriken und Handelsnicderlagen vorhanden seien. Der preußische Minister des Innern hat die erforderlichen Schritte getan, um den Bezug von Arzneimitteln in Postpaketen aus der Schweiz nach Möglichkeit zu erleichtern und auch die unverzögerte Zuführung derartiger Sendungen in die Wege zu leiten. Die Apothekenvorstände werden "auf diese Bezugs- gelcgenheit ausdrücklich hingewiescn.
wir haben Brot für ein Zahr.
Von sonst recht gebildeten Leuten konnte man es, zumal in industriellen Gebieten, sehr oft hören: unsere heimische Landwirtschaft ist zu schwach, sie kann uns nichttim entferntesten aus eigner Kraft ernähren! Solche Schlagworte, die wohl der politiscll: Kampf des Alltages geprägt hat, gehen unbewußt in die Wirt- sckchtskunde oder vielmehr in das Gefühl des einzelnen über: in normaler Zeit ist die Unkenntnis über diffe Tinge nur be- daucrlick:, — in Kriegszeiten aber ist sie gesäbrtich. Und darum iiümm man heute die Statistik und de» Rechenstist und vrüst die Frage, ob wir genügend Brot aus eigener Erzeugung haben, an der Hand der verfügbaren Zahlen. Es betrug dte deutsche Ernte in Tonnen (eine Tonne gleich 1000 Kg. gleich 20Zentner): 1913 1912 1911 1910
To. To. To. To.
Weizen 4 656 00) 4 361000 • <1060 000 3 851000
Roggen 12222000 11 698000 108fiß r 00 1051100)
»»(.Ti 818 000 15 959 000 11932 0 -0 14.372 090
Ei» gesührt wurde» a» Brotgetreide »nd Mehl nach
Deutschland:
Weizen 2 661000 2 314 000 2 501 000 2 350 000
Roggtu 351000 317 000 616 0 0 301 000
zus. 29)3000 2 631000 31190O0 2750000
Ansgesührt wurde» daqeae»:
Weizen 955 00 » 679 000 612 000 633 000
Roggen 1)63 000 980000 912 000 902 000
zus. 2113 00» 1 659 000 1 »1 »Ou I ü 2b 009
Es betrug also der E i» f » b k -11 e b e r I ch u b :
r»»d 300 000 1 090 00) 1600 009 1 120 000
Die Tatsachen, die in diesen Zahlen ausgedrückt sind, dürften wir selbst unseren Todfeinden im Auslande, also den Franzosen, den Russen, die allen Berichten nach vor einer Mißernte stehen, und erst recht dem getreidearmen England zeigen. Der Ernte- crtrag des laufenden Jahres ist ziffernmäßig natürlich noch nicht bekannt. Wir wissen nur aus dem Reichsanzeiger vom 8. August), daß die Anbaufläche in Winterweizen diesmal noch »us 2,6 und von Winterroggen um 1,5 Prozent größer ist als im Vorjahre; und wir wollen gemäß der 'in diesen Tagen geäußerten Ansicht von Fachleuten annehmcn, daß die Getreideernte an Menge »nd Wert etwa der vorjährigen gleichkommt. Weiter wollen wir, so rechnet die „Rhein.-iWests. Ztg.", den Fall setzen, daß wir auch aus den neutraten Staaten int Laufe des Jahres kein Getreide einführen können, weil die Häsen blockiert werden möchten und überall Ausfuhrverbote ergangen sind und durchgehalten werden. Annehmcn müssen wir indessen aber auch andererseits, daß kein Getteidc von uns ausgesüdtt wird gemäß dem bekanntlich ergangenen Verbot. Wie stellen sich dann angesichts dieser Tatsachen der Verbrauch an Brotgetreide und seine Deckung? Den normalen Verbrauch errechnen wir aus der eigenen Ernte plus dem Einfuhr- Uebcrschuß. Wir haben also nötig, »ach den obige» 1913er Zahlen, 16 878 000 Tonnen Brotgetreide plus 800 000 Tonnen Einfuhr- Ueberschuß, gleich zusammen 17 678000 Tonnen in 52 Wochen. Das sind pro Woche 3-10 000 Donnen. Das heißt, der oben aus- gcwiesene Einfuhr-Ucbcrschuß an Brotgetreide von 800 000 Tonnen stellt den Bedarf von etwa 2'/« Wochen dar. Nur dieser Bedarf von ein paar Wochen wäre also bei gleichblcibender Ernte ungedeckt. Unsere Getreidebilanz ist eben per Saldo gar nicht so schlecht, wie derjenige meint, der die Entwicklung unserer Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten nicht ziffernmäßig verfolgt hat. Gewiß: bei einer eigenen Weizen ernte von rund 4,5 Milt. Tonnen führen wir 2,5 Mill. Tonnen dieses Getteides ein. Diese zwei Zahlen sehen zunächst bedrohlich aus; sie verlieren indessen ihren Schrecken schon einigermaßen, wem: man erwägt, daß andererseits rund 1 Mill. Tonnen dieser Getreidcart von uns ausgeführt werden (in 1913 hauptsächlich nach Frankreich, dann nach Holland, Dänemark, Belgien usw.). Von 6 Mill. Tonnen gesamten Weizenverbrauch lieferte dann das Inland mit 4,5 Mill. Tonnen doch immerhin Dreiviertel. Dann aber der Roggen: Wir steigerten unsere Roggcnproduktion bis aus 12,22 Millionen Tonnen. Eingesühtt wurden in den letzten beiden Jahren nur ein Drittel Million! Tonnen, ausgesührt indessen wurde 1 Mill. Tonnen. Unsere heimische Landwirtschaft erzeugt also mehr Roggen, als wir gebrauchen könne»: und die überschießende» Menge» sind ein willkommener Ausgleich für unsere starke Weizeneinsuhr. Die letztere fehlt uns jetzt; und darum müssen wir uns nach der Decke strecken. Wir müssen, das beweisen diese Zahle» schlagend, mehr Roggen esse n als bisher; und wir sollten damit als vorsichtige Hausväter gleich jetzt ansangen, denn der Krieg braucht nicht in einigen Monaten zu Ende zu sein. Sehr richtig erließ schon dos bave- r i s ch« Ministerium des Innern einen Aufruf, die Bevölkerung möchte sich jetzt schon a» das Schwarzbrot anstatt des Weißbrotes gewöhnen. Wir brauchen nicht pures Schwarzbrot zu essen, sondern nur weniger Brötchen und schwärzeres Brot als jetzt üblich, das heißt, dem Teig ist mehr Roggenmehl beizumcngen, als sonst Wir zweifeln nicht daran, daß unsere in Innungen gut organisierte)! Bäcker diese» notwendigen Gedanken bald Durchführung verschaffen werden.
Unsere ganze oben verzerchnete Ernte in Weizen und Roggen wird natürlich nicht von Menschenmund verzehrt und darf es nickst Iverden. denn nnr wollen nicht nur ernten, sondern auch imeder säen. Die Herbstbestellung geht ja im September schon wieder los: und zwar sind dazu nach vorliegenden Schätzuugerr etwa 11/ 2 Millionen Tonnen Körner erforderlich. Es blieben dann noch 15 Millionen Tonnen Brotkrucht übrig, von denen aber, wie wir alle wissen, in normaler Zeit ein Teil zur Nalwung fürs liebe Vieh in Körnern oder Kleie entfällt. Nach übereinstimmenden Berechnungen der Nationalökonomen Engel, Lexis u. a. beträgt das ans den Kopf der Bevölkerung entfallende Mmdest- quantum Roggen und Weizen für Nahrungszwecke durchschnittlick) 180 Kilogramm im Jahre. Bei 67 Millionen Seelen (wir wollen onnehmen, daß wir unseren Millionen Soldatm d>e Verpflegung auck) inS Msland nachliesern müssen), würden also für .Menfchen-Nahrung efforderlich sein nur 12,06 MillüNm Tonnen, daß drei Millionen Tonnen Roggen und Weizen ohne weiteres für tierische Nahrung übrig blieben. Mo auch nach dieser Rechnrmg kämcrr wir mit unserer eigenen Ernte sehr gut zu recht. ' ■ ' |
Aber Vorsicht ist besser wie Nachsehen, auch fehlt uns die Einfuhr von Futtergerste, und deshalb muß immer wieder aut unsere wichtige Kartoffelreserve verwiesen werden. Wir sind das bei weitem reichste Kartoffelland der Walt: Auf den Kaps der Bevölkerung kommen bei uns bei guter Ernte 813 Kilogramm Kartoffeln pro Jahr; daun kommen in loeitem Abstande Belgien mit 458, Frankreich mit 328, Rußland mit 240, England mit 157 und Oesterreich-Ungarn mit 107 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung, lieber 800 Kg. also 16 Zentner, Kartoffeln pro Jahr sind natürlich mehr als ein normaler Menschentnagen vertragen kamt, Di« totzchstik rechnet mit eurer Perpfhesungötation
Kartoffeln von 450 Kilogramm pro Kopf. Das bei uns über- r I! schlissige Svttoffelguantvm geht natürlich arrdere Wege des Konsums. Ein BolkSwittschaftlcr (Dr. Behrend. Me Kartoffel im Kriege. Pneus» Jahrbücher November 1908) hat de)) Verbleib einer deutschen Kartoffelernte von 43 Millionen ^Tonnen (die Rekordernte im Jahre 1913 betrug 54 Millionen Tonnen), nrie « 1 folgt berechnet: 12 Millionen Tonnen zur menschlichen Ernäh- rung, 17,6 Millionen Tonnen zur Berfütlertmg, 5,2 Mllümen l Tonne)) zur Aussaat, 3,9 Millionen To>rne>i für gewerbliche » <
Zwecke (Brennerei) und 4,3 Millionen Verderb und Abfall. Der J ’■ Hinweis auj unsere riesige Kartoffelcrnle, die im Jahr 1913 , t
bei einer Preisbemrssung von IV2 Mark pro Zentner allein euren Wert von ly* Milliarden Mark repräsentiert, muß uns in der Frage der Nahrungsmittelversorgung eine große Beruhigung jem. (
Der Krieg traf uns, >vas die Srnälnungsftage unseres Volkes 1 < £ angeht, im denkbar günstigsten Moment. In normalen Zeiten u führte» wir in den ersten Monaten nach der Ernte immer stark ! b Getreide arrs. Diese Ausfuhr unterbleibt jetzt. Die alte Ernte j - ii ging zur Neige; immerhin berechnete jüngst Graf von Schwerin- . Löwiy die noch vvrbanbenen Vorräte an Korn und Mehl bei Landwirte», Händlern, Mühlen usw. noch mit 40 Millioucn Zenmer. t . Nun kommt die neue Ernte jetzt herein, bezw. große Teile sind schon eingebracht. Man muß bedenken, daß der Osten immer einige Wochen in der Getreidereife gegen den Westen voraus ist: die Ernte- : serien beginnen dort nicht zufällig schon Anfang Juli; und der ! I moderne Landwirt läßt das Korn nickst ntel>r so lange liegen, wie das früher geschah: es wird sofort mit Maschinen auf dem Felde 1 ,
gedroschen. Unsere Soldaten halten uns ja den Feind an der West- ( -
und Ostgrenze vom Leibe; Erntcarbeiter sind, wie die Landwirt- ,( schastskammer mitteilte, in genügender Zahl vorhanden, und darum ! wird die Erntearbeil flott vorangehcn. Nur wäre wohl noch die 1 Mahnung am Platze, daß Landrätc, Städte und Landwirlfchafts- kammern immer wieder durch Zeitungen und Merkblätter darauf. , dringen, daß noch mit größerer Sorgfalt als sonst Gemüse gebaut, ^ . Futter gepflanzt, gesät und gedüngt wird. Denn kein Mensch kann ! - die Tauer des Krieges Vvrmrsiehen. ,1 ;
Laut freuen aber wollen wir uns in dieser ernsten Zeit. , darum, daß wir eine so starke und leistungsfähige Landwirt- * schaft unser eigen nennen. Bei uns sind 10 Mlllionen und in England nur noch 11/2 Millionen Adensche» landwirtschaftlich tätig. Wir haben unsere Landlvirtschaft nicht fallen I \ 1 lassen, wie es die Engländer zu ihrer jetzt großen Sorae taten, J \ \ wir haben unseren Ackerbau durch Zölle geschützt. Vielleicht I i
macht die gegenwättige Lage manchen Zoll-Saulus z)>m Paulus. ! Die Landwirtschaft bat nicht hinter der Zollmauer geschlafen: sonst stünde es schlecht mit uns. Der Körnerertrag pro Hektar bestellter e Bodenslächc ist in Deutschland ständig gewachsen. Er bettug z. B. u in Weizen im Jahre 1881: 12,7 und im Jahre 1912: 22,6 Doppel- « zentner pro Hektar! Solche Erträge hat trotz teilweise besseren ! 1 Bodens kein anderes Land der Erde aufzuweisen. Es betrug z. B. « im Jahre 1912 der Weizenertrag pro Hektar in Rußland nur 6,9, in den Vereinigten Staaten 10,7, in Frankreich 13,6 und in Oesterreich-Ungarn 15,0 Doppelzentner. Und wie in Weizen, so ist es in allen a>ü>eren Hauvtfruchtarten: in Roggen, Gerste, Hafer. 3 Die Erzielung so hoher Erträge durch intensive Bewirtschaftung und künstliche Düngung war »nr möglich, wenn Zollwälle den Preis einigermaßen sicherten. Diese Wälle erweise» sich heute für uns " als Schutz ebenso wichtig, wie alle Armeekorps! : ' e
Au§ dem Reiche.
Essen (Ruhr), 18, Aug. In der heutigen Beiratssitzung des K 0 h l en s n n d i k a t s wurde besästosien, vo» der Festsetzung von neuen Richtpreisen für Hochosenkoks »nd Kokskohle für das Winterhalbjahr 1914 15 bis aut weiteres abzusehen. Die Umlagen für Jilli wurden für Kohle auf 7 Proz, (wie bisher), für Ko^ auf 9 Proz, »bisher 7 vEt,), für Briketts aut 8 Proz, »wie bisher) sestgesetzst, Tic daran sich anschließende Zechenbesitzerversammlung genehmigte nachträglich die für Jul) in Anspruch genommenen Beteiligimgsanteile in Kohlen, Koks, Briketts. Tie Festsetzung der Anteile für August und September blieb dem Vorstände nack» Maßgabe der tatsäckstickwn Förderung überlassm. Sodann nahm die, Veriammlmtg von den ErsätzeruiDininge)) z,)M Beirate Kenntnis. Nach Erstattung des Berichts des Vorstandes ivurdc besckstofsen, der Hauplstelle des Roten Kreuzes 100000 Mark zu überweisen,
Karlsruhe, 18, ?lug. Als einen „lebendigen Ausschnitt aus dem Jahre 1870" bezeichnen Karlsruher Blätter eine Episode am dortigen Bahnhof, die sich nffe folgt abspielte: Nachdem ein Zug mit einer baverischen Niumtionskolonnc den Bahnhof verlassen hatte, lies am Bahnsteig 3 ein anderer Zug ein mit Reservchnsanteric aus Lübeck, Mecklenburg, Holstein und) Westfalen, lauter Prachtgestalten von Männern und alle voll Begeisterung, Jetzt traf auch die Großherzogin Luise ein, die die Leute mit ihrer herzgewinnenden Freundlichkeit begrüßte. Sofort brach die höchste Begeisterung aus für „die Tochter unseres ersten Kaisers". Die Großherzogin sprach mit allen Offizieren und schritt Wagen für Wagen der Mannschaften ab, überall die nordisckwn' Recken mit herzlichen Worten crsreuend. De» Mmrnschasten wurde gestattet auSzustcigen und erneu Kreis unr die Großherzogi)) zu bilden, die bei allen herrrmging und für iebten ein gutes Wort hatte. Sie gab jedem Mann Postkarteir vom Roten Kreuz mit, damit er seinen Lieben zu Hause einem Grrrß ferrdeii könn'et Zuletzt nahm die hohe Frau Ausstellung am Ende des Bahnsteiges und ließ den ganzen aussahrenden Zug an sich vorüberziehen, unter fortwährendem Winke» und Grüße», während - die Krieger die „Wach: am Rhein" sangen und die Grüße der „Tchchter des ersten Kaisers" mit Hellem Jubel erwiderten. z.
München, 18, Aug, Tie Säncrrm G, ---- ine F e r a r, die zurzeit in einem Münchener Sa'atorium > , x Kur weilt, hat ihre beiden Mercedesivagen den bapzeifflchen Truppen geschenkt, ' »
München, 18, Aug, Tie Wimw Sahra Gehnitz in Mübllxrch bei Karlstadt schickt elf gediente Söhne ins Feld; ein Enkel hat sich freiwillig gemeldet,
Gotha, 18, Aug, Das hiesige Gewerkschoftshaus der sozialdernokratischen Pattei wuvde der Belwrde als Lazarett zur Bcrfügrrng gestellt,
Breslau, 18, Aug, Ter Magistrat hat bei der Stadtverordnetenversammlung die Beivilligung vo» 10 Mtllionen Mark für die Versorgung der cstadl mit Lebensmitteln beantragt, 1>« Million Mark als Kosten der Einauartierung, 3>/j Millionen Mark Unterstützung der Familie» cingezogcner Mann- schaflcn rmd 200 000 Mark für den nationalen Frauendienst.
Au» Stadt und skauv»
Gießen, 19. August 1914.
Trinker-Fürsorge st eile für Stadt und Landkreis öließeu, Gieste» Asterweg 9. Sprechstunde jeder) Tonnerslag abend 6 bis 7'/. Uhr.
** Ehrendoktor, Die theologische Fakultät unserer Landesuniversität hat den Pfarrer in Riisselsheim, Lic, Emil Fuchs, zum 18. August, dem Erinnerungstage an Gravelotte, ehrenhalber zum Doktor der Theologie promoviert,
** Verschlossene Briefe nach Oesterreich-Ungar» unzulässig. Fortgesetzt werden noch zahlreiche vcrschlossenc Briefsendungen nach Oesterreich-Ungarn aufgeliefert, Aue diesem Anlaß wird von neuem darauf hingewiesen, das entsprechend der in den Schallerfluren der Postmrstaltcr aushängenden Bekanntmachung Nr. 2 über die Beschrän< kungen für deit Post- usw, Verkehr verschlossene Bricfsen düngen nach dem Auslände, einschließlich Oesterreich Ungarn, abgesehen von den nachgegcbcnen Ausnahmen vorläufig nicht befördert werden,
** ©in zweiter Ausbildung S kn rsus s ü r Kran k e n Uü g e r beginnt am Aloirpag, 24. August» im alten spitol «>
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