Nr. 1?5 Zweitez Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
164- Jahrgang
Die „»ietzener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger» vierinal wöchentlich beiqelegt, dar „«reirdlatt für den «relr Stehen" zweinial wöchentlich. Tie „rindwirtlchasilichen Sei,, fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gietzener Aiyetzer
Seneral-Anzeiger für Gberhefjen
Mittwoch, 2Y. Juli PN
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Ve.lag: e 3 £j»61. Redaktion: 112. Tel.-21dr.: AnzeigerGießen.
3«r tage in Irland.
,, L o n d o n , 28. Juli. In der gestrigen Sitzung des Unterhauses führte der Antrag Redmonds auf Vertagung, um die Aufmerksamkeit des Sauses auf die Vorfälle in Dublin zu lenken, zu einer lebhaiten Debatte Redmond tadelte, dast die Waffeneinfuhr in Irland erst verdaten tvor- den sei, nachdem die Mehrzahl der Ulsterfreirvilltgen mit Waffen versehen gewesen, wahrend man in anderen Gegenden Irlands fäxrrf etngcfchritten fei, um die Waffeneinfuhr für die Nationallisten zu verhindern. Redmond verlangte -die Aushebung des Verbots der Waffeneinfuhr in Irland und die Entfernung der Beamten, die gestern für die Der- wcndimg der Truppen verantwortlich waren, ebenso die Entfernung des beteiligten Regiments. Der Sekretär für Irland Birrell sagte eingehende llnterfuchung zu. Er ivies darauf hin, daß die Truppen von der Volksmenge an- gegriffen und viele Soldaten verletzt worden seien Bonar Law übte an der Regierung schrafc sititir und erklärte, dast sie für die Vorfälle verantwortlich sei. Premierminister Asquith betonte, dast man das Militär herausgefvrdert habe. Die Waffeneinfuhr sei eine verhältnismäßig nebensächliche Angelegenheit. Weil wichtiger sei die Haltung, welche die Opposition gegen die Autorität des Gesetzes ein- nehme. Dadurch werde die Schwierigkeit, Irland unter den gegenwärtigen Verhältnissen zu regieren, vermehrt. Die Opposition habe die Gesetzesverletzung als Kardinaltugcnd proklamiert. Wenn sie selbst zur Regierung kommen sollte, so würde sie finden, daß die Regierung Irlands eine .Aufgabe für sie sei, die sie nicht lösen könne.
10. Deutscher Ztenographentag.
Düsseldorf, 28. Juli. Der 10. Deutsche Steno- gr a Phcntag, der gestern in dem Rittersaal« der hiesigen Slädrischen Tonhalle tagte, zeigte einen außerordentlich zahlreichen Besuch. Im Vordergründe des Interesses stand die Stellungnahme der Vereine des Deutschen Sienograplsenbnndes Gabcls- bergcr zur deutschen Einhcitsstcnographie. Der Bundesoorsitzende, Professor P s a f f - Darmstadt, gab einen Rückblick über die langjährigen Verhandlungen zur Schaffung einer deutschen Einheitsstenographie, die jetzt vor dem Abschluß ständen. Dr. Ganticr- Franksnrt a. M. schlag namens der Bundesvvistandschaft eine Resolution vor, die besagst, daß der Deutsche Stcnographcntag bereit sei, für ein deutsches Einheitssystem weitere Opfer zu bringen und der die deutschen Regierungen sowie die österreichische Regierungt ersucht, dem Einheitssvstem nach dessen endgültiger Fassung durch Einführung in den Schulen zum Durchbruch zu verhelfen. Hieran schloß sich eine nuchrstündigc erregte Aussprache, an der sich auch der Kammersteiiogimph uud eigentliche Schöpfer des Effiheits- shstementwurses S ch c i bl«-Stuttgart beteiligte. Bei der Abstimmung ergab sich die Annahme der Entschließung Gantterz mit überwrcgender Mehrheit, während eine Entschließung der Gegenparteien, wonach die Schule Gabelsberger nach der endgültigen Fassung des Einheitsentwurscs nochmals gehört werden möge, ab- gelehnt wurde.
Au» Stavt uuv («nd.
Gießen, 29. Juli 1914.
** Instruktion an bie preußisch-hessischen Eisenbahnbeamten. Die Beamten der preußisch-hessischen Staatsbahnen erhielten, wie die „Darmst. Ztg," mitteilt, eine umfangreiche Instruktion, wie sie den gegenwärtigen veränderten politischen Zuständen Rechnung zu tragen haben. Danach sollen sie allen aus der Heimreise befindlichen Oesterreichern nach jeder Aichlung hin behilflich sein.
** Telegrammverkehr nach L> e st e preich- ll n g a rn, Rußland und den Balkan st a a t e n. Wegen sehr starker Anhäufung der Telegramme nach Oesterreich-Ungarn, den Balkanstaatcn und Rußland erleiden die Telegramme dorthin große Verzögerungen. Sämtliche tele- Hraphischen Verbindungen zwischen Ungarn und Serbien sind aufgehoben. Telegramme nach Serbien können auf Gefahr des Absenders zur Wvrttaxe von 35 Pfg. via Schweiz-lJtalien-Griechenland befördert werden.
" 7. Gesellschastssahrt des Hess. Flotten-' Vereins an die Wa s, c r t a n t c. Ter Landes lusschuß für das Grosthcrzogtum Hessen des deutschen Flvttenp.-reins unternahm vom 16. bis 27. Juli d. Js, unter der Leitung des Hauplmanns V o l lm a r-Darinstadl die 7. Gesell- sibaftssahrt nach Hamburg-Helgoland-Kiel und dora anschließend nach Kopenhagen' Saßnitz. Die Besichtigungen der kaiserlichen Werft, des Torpcdohafens, mehrerer Kriegs- schissc usw., boten ein reiches Bild von der Tätigkeit unserer Flotte. Ten etwa 200 Teilnehmen, für Hie vorzüglich, auch sür Essen und Quartiere, gesorgt ivar, nnrd diese Fahrt eine schöne dauernde Erinnerung bleiben.
** Hessischer Schutzverein für entlassene Gefangene Trat soeben erschienenen ReäseusibastSbericht des Var standes des Vereins cnwehmcn wir folgendes aus der Statistik der Pfleglinge des Jahres 1913. Unter den 210 Pfleglingen des Berichisjabres ivaren 39 <1912: 42) weibliche Gefangene
(18,6»,o gegen 21,6°° im Vorjahre). Dem Familienstand nach waren 61 <571 Pfleglinge noch letjig, 141 (132) verheiratet, 5 (2i verwitwet, imd 3 (31 geschieden. Zum ersten Mal bestrast waren 75 ( 73), 135 (121) waren bereits vorbestrast. Dem Wohnsitz nach entsallen am Starkenburg: 111 Pfleglinge (53°/o), 1912: 100 Pfleglinge (51°°), Obettjessen: 31 Pfleglinge (15°/o), 1912: 20 Pfleglinge <l0»°), Rheinheiten: 63 Pfleglinge (30°'o), 1912: 69 Pfleglinge '36%), auf das Großhcrzogtnm Lessen also im ganzen: 205 Pfleglinge (98°,»), 14112: 189 Pfleglinge (97°°). Bon den 210 Pfleglingen waren lHangclisch 1913: 127 <60,5°/o), 1912: 123 (63,4»»), katholisch 1913: 81 (38,5°°), 1912: 70 (36,1 "o), israelilisch 1913: —, 1912: l (0,5°,d). Die Vercinskasserechnung ergibt an Einnahmen 12 400,77 Mk., an Ausgaben 12 284,91 Mk., an barem Kassevorrat bleibt ein Rest von 128,86 Mk. Das verzinsliche Vermögen betrug 1913: 56 866,74 Mk. Der Voranschlag sür 1915 schließt in Einnahmen mit 12 100 Mk.. in Ansgaben mit 11 6CK) Mk. ab In 159 <191(2: 173) FÄlen würde von den! Pfleglingen um Geldunterstützung nachgcsucht: in 135 <1912: 132), Fällen wurde dcni Gesuch entsprochen, teils um
den Angehörigen des! Pfleglings während seiner Strafverbüßung zu Helsen, teils um den Pslegling iiach 'der Entlassung heim Wiedereintritt in seine Berufstätigkeit über die erste Zeit hinauSzu- bringcn. In 25 Oll) Fällen arwicS sich nackz den angrstelltenl Ermittelungen eine Unterstützung als unnötig und in einem Falle waren die Ermittelungen noch nicht abgeschlossen. Von den 135 Pstcglingen erhielten 99 eine einmalige Unterstützung. Für Untcr- stützungcn wurden 8955,08 Mk. verausgabt.
** Stenographisches Wettschreiben. Bei dem mit dem Bundessest des Deutschen Stenographenbundcs Gabclsberger i» Tüsseldors 'verbundenen Wettschreiben, das am Sonntag, den 26. d. M. bei einer Beteiligung von rund 3000 Personen statt- sand, haben nachstehende Mitglieder des hiesigen Stenographcn- Vereins von 1861 Preise erhalten: in der Abteilung 240 Silben: 1. und Ehrcnhreis Dr. b. Roloff; Abt. 180 Silben: 1. Preis Dr. E. Meyer, 2. Preis Emil Weber: Abt. 140 Silben: 1. Preis Hcinr. Müller, 3. Preis Fritz Schomber: Abt. 120 Silben: 1. Preis Hcinr. Engelbach, 2. Preis FritzSchlau- d r a I f, Peter V o s s e r i, 3. Preis Eduard Rademaker. Dem Wettschrcibcn waren außerordentlich schwere Bedingungen zugrtmde gelegt, insbesondere war die Fehlergrenze sür die einzelnen Abteilungen sehr niedrig bemessen. Es wurde geschrieben von 120 Süden ab aufwärts bis 440 Silben in der Minuie.
** ■Billig« Briefe nach den Vereinigten Staaten <10 Pfg. sür je 20 g). Die Portoermäßigung erstreckt sich nur aus die Briefe, nicht auch auf Postkarten, Drucksachen Ilsw. und gilt nur für Briefe nach den Vereinigten Staaten von Amerika, nicht auch nach anderen Gebieten Amerikas, z. B. Kanada. „Imperator" ab Hamburg 31. Juli, „Königin Luise" ab Bremen 1. August, „Berlin" ab Bremen 4. August, „Kaiserin Auguste Victoria" ab Hamburg 6. August, „Bremen" ab Bremen 8. Äug., „Kaiser Wilhelm der Große" ab Bremen 12. August, „Vaterland" ab Homburg 12. August, „Kronprinzessin Cecilie" ab Bremen 18. August, „George Washington" ab Bremen 22. August, „Kron- vrinz Wilhelm" ab Bremen 25. August, „Imperator" ab Hamburg 26. August, „Großer Kurfürst" ab Bremen 27. August, „Prinz Friedrich Wilhelm" ab Bremen 29. August (Postschluß nach Ankunst der Frühzüge). Alle diese Schisse sind Schnelldampfer oder solche, die sür eine bestimmte Zeit vor dem Abgänge die schnellste Besörderungsgelegenheit bieten. Es empfiehlt sich, die Briefe mit einem Leitvermerk wie „direkter Weg" oder „über Bremen oder Hamburg" zu versehen.
** Heil N r. 959 der Mitteilungen der Großh. Zentralstelle sür die Londcsstatistik, das heute als Beilage zur „Darmsiädtcr Zeitung" beiliegt. Hai folgenden Inhalt: Tchwcinc- zählung Juni 1914. Güterverkehr in den bäten Hessens 1913. Todesursachen in den Kreisen, März und April 1914. Lcbens- mittelvrciie Mai 1914. Kurse der hessischen Staatsanleihen 1913. Geschästsergcbnissc der Sparkassen des hessischen Sparkasscnvcr- bandc- 1913. Ucbcrsichi über die Zahl und Art der bei den Krcis- und Provtnzialausschüssen abgehaltenen Sitzungen und verhan- dcllcn Gegenstände 19l3. Schlachtvieh- und Flcischbesäxiu 1912 und 1913. Großh. Hoibibliothek 1913 14. Großh. Universüäts- btblioihek 1912.14. Landes,iniversüät Gießen Sommer 1914. Technische Hochsckmlc Darmstad! zu Sommer 1914. Anzeigen.
** Grundstücksvcrkehr Grundstickc zu Münzende r g, die aut den Namen des Johannes Fritz und dessen erster Ehefrau Sophie geb. Bnß zu Münzender-, eingrttagen waren, sollen Montag, den 14. September, nachmittags 3 llhr, aus dem Ral- hause zu Münzenbcrg versteigert werden, ledoch nur der dem Johannes Fritz zustehende ideelle Eigentunrsanterl — ■/»• Die Versteigerung erfolgt im Wege dex Zwangsvollstreckung.
** Äonturse in Hesse». Das Konkursverfahren über das Vermögen des Valentin He kling VI. in Biblis ist nach Vollzug der Schlußverlcilung aus^ehoben. — In dem Konkursverfahren über das Vermögen des «chmicdcmeisters Nikolaus W a h l i g in F c h l h c i m ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters nach rechtskräftig bestäpgtem Zwangsvergleich vom 22. Mai 1914 der Schlußtermin aus Samstag, 22. August 1914, vormittags 10 Uhr, vor dem Großh. Amtsgericht Zwingenberg, Saal 8, bestimmt worden.
Landkreis Gießen.
-cht. Eberstadt, 29. Juli. Der Faselwärter Heim war in^löegriff, den vierjährigen und bis dähin ungefährlichen Zuchtbullen zu putzen, als dieser plötzlich störrisch wurde, den Mann auf die Hörner uahui uud auf die Futterkrippe warf. Tann ging der Ochse mit den Hörnern auf den Mann loS und brachte ihm so schwere Verletzungen bei, daß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Da das Tier auch weiterhin gegen seinen Wärter tätlich vorging, wurde es zum Schlachten verkauft.
Kreis Büdingen.
A Büdingen, 28. Juli. Das 500jährige Jubel- fteslt dar Schützcn g e s el l s ch a ft, von dem wir berichteten, hat fortgesetzt unter der Ungunst der Witterung zu leiden. Trotzdem ist der Besuch mit. Auf dem Schützen- und Jiesiplatz knalle jetzt unablässig die Büchse der Schützen. Die Aussichten aus Preise sind für die Schützen sehr günstig, stehen doch Preise im Werte von etwa 7000 Mk. zur Verfügung und dazu kommen noch zahlreiche Ehrenpreise: heftig wird der Kamps Um den Kaiserprris^ einen prachtvollen Pokal, werden. Er trägt ans der einen seitr das Reichswappen, aus der andern den Nameuszug des Kaisers. Unter Führung der Für st in Adelheid haben die Frauen und Jungfrauen der Stadt 500 Mk zu einer Erinnerungsgabe an die Schützengesellschast gesammelt. Die St-üü hat sür das Jubiläum 500 Mls gestistet. Ein Kampf der Schützenvereinc wurde bereits ausgesochten. Es erhielten dabei Preise aus 175 Meter
1. Schützenverein Frankfurt 54 Ringe, 2. Bockenheim 38 Ringe, 3. Schlüchtern 38 Ringe: auf 100 Meter: 1. Frankstrrt 59 Ringe,
2. Osten hoch 36 Ringe, 3. Büdingen 28 Ringe. Der Fürst verteilte die Preise.
Kreis Lauterbach.
Eiu Volkeseft im BogelSberg.
z. Hochwaldhanscn, 26. Juli. (Verspätet eingetrvssen.) Das zu den Seltenheiten unseres Vogelsberges zählende Volkssest, das heimische Trachtenfe st desBundcsderLandwirtc, wurde heute in Hachwaldhauscn gefeiert. Der Himmel machte im Lause des Tages kein freundliches Gesicht, trotzdem hatte das Fest eine tausendköpstge Menschenmenge angezogen. Aus dem Bahnhofe Ilbeshausen wurden die mit den regulären und Sonderzügen kommenden Gäste festlich emvsangen. Um 2 Uhr nachmittags zog der F e st z u g durch die festlich geschmückten Straßen des Dorfes nach dem Festplatze. Hier hielt der Bezirksvorsitzendc des Bundes der Landwirte, Beigeordneter Ochs, Ilbeshausen, die Begrüßungsansprache und schloß mit einem Hoch aus den Kaiser. Fräulein Lvdia N i k o l - Hochwaldhamen sprach den Prolog. Landiags- abgevrdneter Oekonomicrat Korell, Angenrod, danlte Fräulein Nilol für ihren Vortrag und überreichte ihr einen Blumenstrauß. In seiner Slnsprache rühmte er den Vogelsberg und brachte zum
Die Höften des welttrieges.
Was Oesterreich-Ungarn ein Krieg kostet, darüber hat sich der österreichische Finanzminisler im Reichsrat einmal ausgesprochen, indem er erklärte, mau werde für jeden Mann der Armee täglich 10 Mark brauchen, wobei die Summen für Pensionen, Entschädigungen und andere aus einem Kriege entstehende Ausgaben nicht mitgercchnei sind. Ein Krieg von 6 Monaten Dauer, in dem 2 Millionen Soldaten mobil gemacht werden, würde also nach dieser Schätzung 3 600 000 000 Mark verschlingen. Von dieser heut so besonders aktuellen Feststellimg geht der englische Finanzfachmann Edgar Crammond in einer interessanten Betrachtung über die Kosten eines Zukunstskrieges aus, die er in der Quarterlh Review verössenilicht hat. Er sucht zunächst die Summen felizustellen, die einige der großen Kriege der jüngsten Vergangenheit verschlungen haben. So berechnet er die Gesamiverluste Frankreichs an getöteten, verwundeten und gefangenen Mannschaften während des deutsch- französischen Krieges aus 21500 Offiziere und 702 000 andere Soldaten. An Geld hat Frankreich der Krieg 1088 000 000 Marl gekostet, während sich die Ausgaben Deutschlands sür das Militär auf 15.50 000 000 Mark beliefen. Die Verluste an Soldaten be- trugen für Deutschland 6247 Osstziere und 123 400 Mannschaften. Der südasrikanische Krieg, der 31 Monate dauerte und England an Soldaten ungefähr 44 700 Man» kostete, bat nach den Bcrech. nungen des großbritannischen Schatzamtes eine Geldsumme von 4 220 000 000 Mark verschlungen. Der 1-/r Jwhr dauernde russisch- japanische Krieg brachte Japan an Soldaten einen Verlust von 135 000 Mann: die direkten Kriegskvsten betrugen sür die ,apanrsche Regierung 4 060 000 000 Mark. Rußland hatte an verwundeten, getöteten und gcsaiigcnen Soldaten 350 000 Mann zu beklagen: die direkten Kosten, die die Russen anfbringen mußten, belautcn sich ani rlrnd 6 Milliarden Mark. Nach den Schätzungen des Verfassers müssen die Summen, die Deutschland in den ersten sechs Wochen nach Erklärimg eines Krieges aufzubringen hätte, mit 2 450 000 000 Mark angesetzt werden. Jedensalls ist -nzunchmcn, daß die Ausgaben, die ein großer Staat machen muß, bei ,edcm künftigen Krieg während des ersten Vierteljahres nicht Niedriger als mit 2 Milliarden Mark beziffert werden können. Dazu kommen dann noch die Materialschäden, die ein Staat allein an seiner Wehrmacht erleiden kann. Ganz ungeheuer kann der schaden icin, der durch die Zerstörung der Flotte angerichtet wird. Crammond berechnet die Kosten, die England sür den Wiederaufbau seiner Flotte anfbringen müßte, aus etwa 2 Milliarden Mark. Zu den eigentlichen Kriegskvsten treten dann noch als ein nicht minder wichtiger Faktor die ungeheuren Verluste,^ die selbst ein glücklich durchgcsührter Krieg für den Handel und für das Gesamtvcrmögen »stres Ltlnbes bedeutet. Der Verfasser berechnet, daß die Herab
setzung der in Engtand vorhandenen Kapiialien durch einen Krieg mit nicht weniger als 10 Prozent angenommen werden muß. Bei einem in England vorhandenen Gesamttiermögen von 160 Milliarden Mar! würde sich also die Wertherabsetzung aus 16 Milliarden Marl belaufen. Dazu käme noch die völlige Lahmlegung des Handels im Falle eines Krieges, imd diesen Verlust müßte man mit etwa 2 Milliarden Mark beziffern. Der Gesamtverlust, der bei einem Weltkrieg durch das Stocken des Handels hervvrgcrusen werden würde, dürste bei einjähriger Dauer des Krieges nicht unter 10 Milliarden Mark angenommen werden. Es sind also ganz ungeheure Summen, die bei einem Weltkrieg auj dem Spiel stehen.
— Flüssige Luft als Sprengmittel. Herstellung, Lagerung und Transport von Svrengstoften bergen stets schwere Gesahren, die selbst bet größter Sorgsalt Unglückssällc nicht aus» schließen, lieber einen neuen Sprengstoff, der von diesen Gefahren vollkommen frei ist, entnimmt die ,^Jniernationale Mvnatssebrist" einem Berichte des Geheimrat Kolbe einige interessantc Einzelheiten. Es handelt sich um die Benutzung flüssiger Luft zur Herstellung von SprenMwffen. Bei unserem ältesten Sprengstoff, dem Pulver, hatte der Salpeter die Aufgabe, den zur plötzlichen tDcrbreimung der Kohle und des Schevesels erforderlichen Sauerstoff zu liefern. Dabei kann der Salpeter durch jede Substanz ersetzt werden, die schnell viel Sauerstoff liefert: also auch durch klüftige Lust. Während die gewölmliche Luft rund 20 Prozent Sauerstoff und 80 Proz. Stickstoss enthält, birgt die flüssige Luft 50 Proz. Sauerstoff und erhöht diesen Sauerstofsgehalt noch bei der Aufbewahrung durch Verdampfung deS Stutlwsses. Man brauckit also nur einem leicht brennbaren Stoffe wie beispielsweise Petroleum flüssige Luft zuzufllhren: und ein neuer, sviikungs- völler Sprengstoff ist gewonnen. Bereits beim Bau des Simplon- tunncls unternahm man in dieser Richtung Versuche, aber die Schwierigkeit der Handhabung verhinderte eine allgemeinere Anwendung. Diese Schwierigkeiten sind jetzt auf Grund von neuen Versuchen ans den nskalffchen Kalksteinbrückien in Rüdersdorf mit überraschend günstigem Erfolge überwunden worden. Dir Sprengpatrone enthält trockenen Sprengstoff, eine Mischung von Kiesclgnhr und Petroleum. Sie wird in das Bohrloch eingefühirt, alle Vvrbeoeitungen zum Sprengen getroffen und erst dann — immittelbar vor der Zündung — setzt man die klüffige Luft zu. Das geschieht mit Dilse einer Luftpumpe und einer Pavprvhr- leikung, dinch die die flüssige Lust in die Patrone erngesührt wird. Tie ganze Manipulation zum Laden von drei Patronen erfordert bis zum .Schuß eine Minute. Bei den Rüdersdoner -Versuchen war die Sprengwirkung die gleiche wie bei dem bisher verwendeten Appmm-Cahüri^ ,Für einen Schub brauchte mau
einen Liter flüffige Luft. Der neue Sprengstoff stellt sich somit auch im Kostenpunkte sehr billig. Der Hauptwort des neuen Verfahrens liegt in der Tatsache, daß der Erplostvstoss erst unmittelbar vor dem Schuß entsteht. Flüssige Luft und die mit Brrnnstois gefüllte Patrone sind gcttcnnl absolut ungesährliche Körper: alle sonst unvermeidlichen Gesahren bei der Herstellung, im Transport und der Lagerung des Sprengstoffes fallen fort. Besonders in schlagwettersicheren Gruben und Bergwerken wird das neue Sprengmittel eine wesentliche Erhöhung der Betriebssicherheit mit sich bringen.
— Die Krebsgefahr für Raucher und Trinker. Aus Lo^on wird bmichtet: Einen neuen Beitrag zur Krebsforschung bringen die soeben verösientlichien Unters,ichuugeu des Gcsundheitskommffsars von Woolwich Dr. S. Davtes. der sich mit der Enlpsänglrchkeit von Rauchern und Mkoholikern sür KrebS- crkrankung beschäftigt hat. Ausgehend von der Tatsache, dotz der Krebs vst aus örtliche Reizungen besttmuiter Organe oder Körperteile hurückgeht, hat Dr. Tovies Material über den Tabakverbrauch und über den Alkoholkonsum von 120 Personen gesammelt, die an Krebs starben. Die Untersuchung erstreckte sich auf die letzten zehn Lebensjahre der Verstorbenen. Für den Alkohol wurde ein tägliches Duochschuittsmaß bestimmt, das als der Gesundheit unschädlich anzusehcn ist: dieser Durchschnitt wurde aus IV» Pints Bier, also auf nngrsähr °/,° Liter angenommen, während man bei Rauchern den gesundhcitsuns-äüidlichen wöchentlichen Tabaks- Verbrauch aus zwei Unzen, also nicht ganz 60 Gramm Tabak, bestimmte, Na-tlz dieser Berechnung ergab sich, daß 3t der Pattenten in ihrem Alkoholoerbrauch den mittleren Durchschnitt übersibritten, 10 Heu Turcksschnitt inne hielten und 74 darunter blieben. Aus die Todesfälle entfallen somit 27 Proz,, in denen der Kranke gewohnheitsmäßig zu viel dllkohol zu sich nahm. Jnbezug aus das Rauchen ergab sich, daß 45 zu piel rauchten, 5 im Rahmen des Durchschnitts blieben und 66 darunter: es entsollen also auf die Todesfälle 39 Proz, starker Raucher, Zum Vergleich untersuchte Do. Dvvies die Lebensgrwohnhciten von 108 Persone», die unter gleichen Berhältnffsen nicht am Krel^ starben. Aus die starken Sllkoholverbroiicher enttielcn hier 18 Proz., auf die starken Rancher 17 Proz. der Todesfälle, Unter 33 Personen, die an Lippen-, Zungen-, Gaumm- oder Mnndhöblenkrebs starben, waren vierzig starke lAlkoholvcrbrancher, also nicht weniger als 45 Proz, sowie 25 starke Raucher, also 76 Proz, Die Zahlen weisen darauf hin, daß Alkohol und Nikotin die Dispositton für Krebs steigern. Bei den männlichen Rauchern wurde in zehn Jahren ein Steigen des Tabakvcrbrauches von 25 Prozent sestgeslellt: um den gleichen Prozentsatz stiegen die Krebserkrankungen der Mundhöhle,


