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Nr. H4

Der Siebener Anzeiger

erscheint täglich, anher KpnntagS. - Beilagen: vier»,«! wöchentlich SietenerZamNIendlätteri zweimal wöchemlüireir- »I«1Isstrix» ilrek Sieben (Dienstag »nd Freüaq); zweimal monatl. kand- »irtschafliich» Seils nigen sierniorech - Anschlüße: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition H Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietzen. Annadnie non Anzeigen sür die Lagesnummer bis vormittags s Uhr.

Erster Blatt

m. Jahrgang

_ Dienstag, 28 . Juli

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Giehener Anzeiger«

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General-Anzeiger für Oberhessen W8

Sotaffo«dr»ck >md Verlag der vrilsstsch«« rtaw.-Sach- mtz Sirradnicktrei 8. rangt. SrdaMo«. Lxpe-itioi, und vrnckerei: Schulpratzr 7. Anzeige'm':' BcL

Bessere Aussichten sür den Frieden.

Oesterreich mobilisiert acht Armeekorps, die Hälfte sei- ner Truppenmacht. lieber 2000 Einberufene sind schon ge- stern und heu te aus Berlin nach ihren österreichischen Stand­orten gefahren. Ein entscheidender Schritt gegen Serbien scheint noch nicht unternommen ru sein, tvenigstens sind aus Wien oder Belgrad zuverlässige Nachrichten nicht bekannt geworden, da der Telephonverkchr gesperrt ist und der Brief- und Telegrammverkehr unter scharzer Zensur steht.

Die Diplomatie der Großmächte unter FuhrsntzDentsch- l^ds arbeitet jetzt in dem Sinne, daß die Einmischung einer dusiten Macht in den österreichisch-serbischen Streit ver­hindert wird. Jeder Versuch, aus die uns verbündete Dop­pelm onorchie einen Druck zugunsten Serbiens auszirüben, wird uns aus den Plan rusen und wäre geeignet, allge­meine europäische Verwicklungen hervorzurufen. Mau darf glauben, daß mit ernstem Willen schließlich ein Ausweg aus dem jetzigen Labyrinth widerstreitender Meinungen und In­teressen gesuichen werden wird. In aNen enropäischen Lxruptstadten finden eifrige Verhandlungen der Diplomaten untereinander statt, Erklärungen gehen von Kabinett zu Kabinett und wenn ein positives Ergebnis auch noch nicht erzielt wurde, so scheint doch die starke Spannung etwas nachgelassen zu haben. Wenn alle Mächte wirklich niit be­stem Gewissen auf die Beseitigung der drohenden Gefahr hinziclen. dann dürfte der große Kriog vermieden, diirstr der Frieden Europas gesichert sein.

Eine Wiener Erklärnng.

Wien, 27. Juli. (W. Korr.-Dur.) Der k. k. Gesandte Freiherr v. Gicsl hat die serbische Antwortnote auf die österreichisch-ungarischer: Forderungen am 6. ds. Mts. bei seiner Ankunft in Wien dem Ministerium vorgelegi. 'Diese Note beabsichtigt den falschen Schein zu erwecken, als ob die serbische Regierung die von Oesterreich-Ungarn gestellten Forderungen in weitgehender Weise zu erfüllen bereit wäre, tatsächlich ist aber die Note von einem Geist der Unaufrichtig)- keil erfüllt, der es klar erkennen läßt, daß cS der serbischen Regierung nicht ernstlich darum zu tun ist, der sträflichen Duldung ein Ende zu. bereiten, welche sie bisher den Umj- irieben gegen die Monarchie zuteil werden ließ. Sowohl hinsichtlich der allgemeinen Grundlage der österreichisch­ungarischen Demarche als auch in Betreff der einzelnen van Oesterreich-Ungarn gestellten Forderungen enthält die serbische Note so weitgehende Vorbehalte und Einschrän­kungen, daß auch die tatsächlich gemachten Zugeständnisse bedeutungslos werden, insbesondere wurden unter einem nichtigen Vorwand die Förderungen Oesterreich-Ungarns auf die Teilnahme von k. k. Organen an den Erhebungen zur Eruierung Mrs serbischem Boden besindlicher Teilnehmer an dem Komplott vom 28. Juni vollkommen abgelehnt. Ebenso konimt die Zusage, die Oesterreich-Ungarn zur Be­kämpfung der der Monarchie feindlichen Presse gemacht wurde, einer Ablehnung gleich. Das Begehren Oesterreich. Ungarn», daß die könrgliche Regierung die notwendigen Maßregeln treffe, damit die aufgelösten, der Monarchie feindlichen Vereine ihre Tätigkeit nicht unter einem anderen Namen u. in anderer F-orni fortsetzcn, wird überhaupt nicht berücksichtigt. Da die in der Note der k. k. Regierung vom 23. ds. Mts. enthaltenen Forderungen mit Rücksicht aus das serbischerseits bisher beobachtete Verhalten das Mindest­maß dessen darstellen, was zur Schaffung dauernder Ruhe im Südosten der Monarchie nötig ist, muß die serbische Antwort als unbefriedigend betrachtet werden. Daß übrigens die serbische Regierung sich selbst dessen bewußt war, daß ihre Note für uns inakzeptabel sei, beweist der Umstand, daß es uns am Schluß derselbe:: vorschlägt, die Regelung der Kontroverse aus schiedsgerichtlichem Wege zu suchen, eine Einladung die die richtige Beleuchtung durch den Umstand gewährt, daß schon Stunden vor der Ucbergabe der Note, die erst wenige Nttnuten vor Ablauf der Frist stattfand, die Mobilisierung der serbischen Armee erfolgte.

Die österreichische Mobilmachung.

Wien, 27. Juli. Folgende Korps sind mobilisiert: Graz, Prag. Lcümeritz, Bosnien, Herzegowina, Dalmatien, Temesvar. Budapest und Agram. Der erste Mobilmachungstag ist auf den 28. Jul: festgesetzt.

Kaiser Franz Josef und das Vorgehen gegen Serbien.

Wien, 28. Juli. Wie verlautet, kostete es schwere Mühe, den greisen Kaiser Franz Joseph zu dem energischen Vorgehen gvgen Serbien zu benregcn. Erst als der General- staibsches Konrad v. Hötzcndorft mit seiner Demission drohte und der Erzherzog Thronfolger Karl Franz Joseph sich aus dessen Seite stellte, gab der Kaiser seine Zustimmung.

Das Tasten auf dem KricgSpfade.

Semlin, 27. Juli. Jede Verbindung mit Belgrad ist abgebrochen. Der Belgrader Bahnhof ist von serbischen Soldaten in Brand gesteckt worden.

Wiener Dank an Kaiser Wilhelm und

König Viktor Emanuel.

Wien, 27. Juli. Nach der gestrigen großen Kund­gebung der Wiener Bevölkerung vor bem Rathause richtete Bürgermeister Weißkirchncr an die Botschafter Deutschlands und Italiens eine Dmikeskundgedung sür die Bekundung der Bundestreue zur Weiterle:tung an ihre Souveräne. Vorher hatte der Bürgermeister eine zündende Ansprache gehalten und die Bundestreue Deutschlands und Italiens hervorgchoben. Brausende .Hochrufe aus Kaiser Wilhelm und König Viktor Emanuel schlossen sich der Rede an.

»

Wien, 27. Juli. Seit gestern verkehren die Orient­expreßzüge nur von und bis Budapest.

Budapest, 28. Juli. Beide Häuser des Ungarischen Reichstages sind ans morgen einberusen worden.

Vorpoftengesechtc?

Wien, 27. Juli. DieSonn- und Montag-Zeitung" meldet: Di« Serben haben die DonaubrüL zwischen Belgrad und Semlin in die Luft gesprengt. (Wieder­holt.)

Wien, 27. Juli. Bei Demeskubin beschossen ser­bische Truppen, die sich auf einem Dmiaudampscr befan­den, von dem Schiffe aus österreichische Truppen. Das Feuer wurde erwidert. Es entspann sich ein größeres Geplänkel.

Paris, 27. Juli. Einer Meldung aus Belgrad.zu­folge soll in der Nacht zum 26. Juli durch eine Kompagnie, die in -Serbien :rnbe kannte Uniformen trug, der serbische Vorposten in der Nähe von Nikitsch angegriffen worden sein. Von feindlicher, angeblich österreichischer Seite sollen mehrere Schüsse gefallen sein. Die Serben sollen, einen: strengen Befehl zufolge, das Feuer nicht erwidert haben. Ein serbischer Sotdat, welcher aus die Lestcrreiclzcr schießen wollte, wurde sofort durch 25 Stockhiebe bestraft.

Berlin, 28. Jüli. Nach einer Nöeldung des Lokal- anzcigers haben die österreichischen Truppen die ungarisckie Grenze überschritten und mit dem Vormarsch nach Mitro- vitza den programmäßigen Punkt erreicht. Die Serben sind überall zurückgcworfcn worden. In Wien wurde die Nack), nicht von dem AuSbruch der Feindseligkeiten mit großem Jubel ausgenommen. Miirovitza ist ein ungarischer Grcnz- ori an der Save und hat ungefähr 12000 Einwohner. Eine weitere Wiener Meldung des Lokalanzeigers besagt, auf der Donau bei Kozcwo wurde ein serbisck>er Truppentrans­port auf dem DampferWardar" und ,Lar Nikolaus" von der österreichischen Bootsflottille ausgcdracht.

Serajewo, 28. Juli. Bei Bisegrad an der Drina ist eS zu einem Scharmützel gekommen, bei dem serbische Sol­daten von einer Insel in der Drina auf das österreichische WacksthauS schossen. Das Feuer wurde von diesem heftig erwidert. Nach einem viertelstündigen Kampf zogen sich' die serbischen Soldaten zurück, indem sic in drei Booten nach der serbischen Seite übersetzten. Sie nahmen drei Ver­wundete mit sich.

Nuterwerfung Serbiens?

Wien, 27. Juli. Hiesige Banftreise haben Nachrichten er­halten, daß Serbien sich bis morgen unterwerfen werde, bereits durch den Botschafter einer ftcmdcn Macht unterhandle und bereit sei, die Kosten der österreichischen Mobllisicrung zu bezahlen. Die Entscheidung fällt morgen Dienstag mittag.

Masscndesertioucn serbischer Soldaten.

Wien, 27. Juli. DieSüdslawische Korrespondenz" meldet aus Agram: Die Desertionen serbischer Soldaten nahmen in den letzten Tagen einen bisher noch nicht beob­achteten Umfang an. Vielfach betraten die Deserteure in voller Uniform mit Waffen den österreichischen Boden und erzählten, daß unter den serbischen Soldaten Unzufrieden­heit herrsche; sie verlangten, nach Hause entlassen zu werden. Tie Stimmung i» Belgrad flaut ab.

Belgrad, 28. Juli. König Peter traf gestern in Belgrad ein und btzgab sich in den Konak, wo die Königs- standarte gehißt wurde, aber keine Wache auftog. Nach Iftzstündigem Aufenthalt reiste der König im Automobil nach dem Hauptguarlicr. Die Mobilisierung schreitet angeb­lich rasch vorwärts, doch herrscht bei den Bauern teilweise Unzufriedenheit, weil sie die Ernte im Stich lassen müssen. In Belgrad herrscht nach dem ersten Rausch eine ernste nüchterne Stimmung. Die Behörden zeigen sich den österreichischamgarischen Äaats- angehörigen g^cnüber sehr höflich. Die Zeitungen schreiben, der Frieden sei noch nicht endgültig verloren.

Ein Angriff auf den serbischen Kronprinzen?

Wien, 27. Juli DieZeit" läßt sich aus Belgrad melden, daß der Kapitän Dusan Petrowitsch, der Bräu- tigani von Ldumilla v. Hartwig, der Tochter des verstorbe­nen russischen Gesandten, den Kronprinzen Alexander mit der Reitpeitsche angegriffen habe.

Der Dank Serbiens sür Bulgariens neutrales Verhalten.

Sofia 27. Juli. Die serbische Regierung hat hier ansragen lassen, welche Haltung Bulgarien in eirieut Kon­flikt mit Oesterreich-Ungarn «innehmen werde. Minister­präsident RadoSlawow anttvortetc, daß Bulgarien sich neu­tral verhalten werde. .Pasitsch erwiderte mit einer Dank- depcsche und fügte hinzu, daß Bulgarien für seine Neutrali- tät entschädigt werden würde.

Eine Erklärung Sir Greys

London, 27. Juli. Die Erklärung, die Sir Edward G r c h im Unterhaus über die europäische Lage abgegeben, hat folgenden Wortlaut:

Ich glaube, dem Hause ausführlich die -Stellung, die die brittsche Regierung bis setzt eingenommen hat, darlegen zu müssen. Am letzten Freitag morgen erhielt ich vom österreübißb-ungarischen Botschafter den Text der Mrttrilungen der österreichisch-ungarischen Regierung an die Mächte, die in der Presse auch erschienen sind, welche die Forderungen Ocsteircich-Ungarns an Serbien enthalten. Am Nachmittag sah ich die übrigen Botschafter und drückte ihnen gegenüber die Ansicht aus, daß wir, solange der Streü aus Oester­reich-Ungarn und Serbien beschränkt bleibe, kein Recht hätten, uns ei »zu Mischen, wenn aber die Beziehungen zwischen Oesterreich-Un­

garn, Deutschland und Rußland bedrohlich würden, sei es eine Sache des europäischen Friedens und gehe uns alle an. Ich wußte in jenen: Augenblicke nichl, welchen Standpunkt die russ. Regierung eingenom­men hatte und machte doSivegen keinen unmütclbarcn Vorschlag, aber» ich sagte, wenn die Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland einen bedrohlichen Charakter annähmcn, so scheine mir die einzige Chance sür den Frieden darin zu bestehen, daß die vier an her serbischen Frage nicht unnnttelbar rntcressrerten Mächle, nämlich Deutschland, Frankreich, Italien und Grvßbrüannien in Petersburg und Wien gleichzeitig und zusammen dahin wirken svll- ten, daß Oesterreich und Russtand dre militärischen Operationen ein- ftellen möchten, während sich die vier Mächte bemühen, Bei­legung des Konfliktes zu erzielen.

Nachdem ich gehört hatte, daß Oesterreich-Ungarn die Beziehun­gen zu Serbien abgebrochen habe, machte ich folgenden Vorschlag: Ich wies gester:, nachmittag die britischen Botsckraster in Paris, Berlin und Rom telegraphisch an, bei den Regierungen, her denen sic beglaubigt sind, anzusragen, ob diese gewillt seien, ein Ein­vernehmen dahin zu treffen, daß der französische, deutsche und italienische Botschafter in London mit mir zu einer Konferenz in London zusammen - treten, um sich zu bemühen, ein Mittel zur Beilegung der gegenwärtigen Schwierigkcücn zu finden. Gleich­zeitig beauftragte ich unsere Vertreter, jene Regierungen zu er­suchen. ihre Vertreter in Wien, Petersburg und Belgrad zu er­mächtigen, die dortige Regierungen von der vvrgcschlagencn Kon- screnz zu informieren und sie zu ersuchen, alle aktiven militärischen Operationen bis zur Beendigung der Konferenz einjustcllcn.

Daraus habe ich noch nicht alle Antworten erhallen. Bei diesem Vorschlag ist natürlich die Zusammenarbeit der vier Mächte eine wesentliche. In einer so schweren Krisis wie diese, Ivürden die Be­mühungen einer einzelnen Macht, den Frieden zu erlösten, un­wirksam sein. Die in dieser ?lngelegenheü verfügbare Zeit war so kurz, daß ich die.Gefahr aus mich nehmen mußte, den Vorschlag zu machen, ohne die üblichen vorbereitenden Schritte zu unter­nehmen, um mich zu versichern, ob er gut ausgenommen werde. Aber wo die Dinge so ernst, die Zeit so kur» und die Gefahr, etwas unwillkommenes vvrzuschlagen, unvermeidlich ist, bin ich trotzdem der Ansicht, daß er angenommen wird. Der in der Presse er­schienene Text der serbischen Antwort ist richttg. Wie ich glaube, sollte dieser Vorschlag wenigstens die Grundlage bieten, aus 'der eine freundschastliche und unparteiische Gruppe von Mächten, unter denen sich Mächte bcftnden, die her Oesterreich-Ungarn und Ruß­land gleiches Verttauen genießen, imstande wäre, eine Beilegung zu finden, die allgemein annehmbar wäre.

Es müßte jedem, der nachdenkt, klar sein, daß in dem Augen­blick, wo der Streit aufhärt, ein solcher zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien zu sein, und wo er einer wird, in welchen eine anders Großmacht verwickelt ist, dies mit einer der größten Kata- strvvhen enden kann, die jemals den Kontinent und Europa heimsuchten. Niemand kann sagen, was das Ende der auSgebroche- nen Schwierigkeiten sein wird. Ihre direkten und indirekten Folgen würden unberechenbar sein. (Beifall.)

Nach der Erklärung G r e n s fragte Harrst L a w s o n, ob eS wahr sei, daß der deutsche Kaiser flaute morgen das Prinzip der Vermittelung, das Grev vvrgcschlagcn habe, angcnomml», habe. Gren erwiderte, er sei überzeugt, daß die deutsche Regierung der Vermittelungsidee im Prinzip als zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland günstig sei, aber über den speziellen Vorschlag, daß man zu dem Prinzip der Vermittelung greise, habe er noch kerne Antwort von der deutschen Regierung erhalten.

London, 27. Juli. Frankreich hat der britischen Re­gierung sein vollständiges Einverständnis mit dem Vor­schläge' Sir Edward Greys mitgeteilt.

Rom, 27. Juli. Man bestätigt an maßgebender Stelle, daß die italienische Regierung den Vorschlag einer Vermitt­lung Englands angenommen habe. Man meldet weiter, daß der Botschafter Deutschlands in Petersburg der ruflischrn Regierung erklärt habe, Deutschland widersctzte sich durch­aus nicht einer Vermittlung.

Botschafter-Konferenz in Paris.

Paris, 27. Juli. Der interimistische Minister des Acußern Bienvcnue Martin empfing lzeute nachmittag den östcrreichisch-ungarisckxn Botschafter, mit welchem er eine längere Unterredung hatte. Anßerden: hatte der Ministcr eine neue Zusammenkunft mit dem deutschen Botschafter. Der russische Botschafter, der gestern abend von Petersburg zurückgckchrt ist, erschien nachmittags im Ministerium des Äeutzern und konferierte längere Zeit mit dem Minister Bicnvenue Martin. -Schließlich hatte der Minister des Aeußern noch eine Besprechung mit de::: Minister des Innern, den Ministern des Krieges, der Marine und der Kolonien.

Paris, 27. Juli. Nach einer aus London datierten an­scheinend offiziösen Mitteilung beraten die Großmächte über zwei Interventionspläne. Der erste Plan bestehe in einer Intervention Englands, Deutschlands, Frankreichs nnd Italiens zwischen Oesterreick) und Rußland. Dieser Plm: sei bereits vor einigen Tagen in einer Unterredung des Sir Edward Grey mit dem französischen Botschafter Paul Cam- bon aufgetaucht. Anfänglich habe die Haltung Deutschlands diesen Plan als nicht sehr hoffnungsvoll erscheinen lasse::. Nach der gestrigen Unterredung sck>einc die deutsche Regie­rung dein Plane etlvas günstiger gestimmt zu sein. Der ztvctte Plan bestehe in einer Intervention Englands zwischen Oesterreich und Serbien. Die Anregung zu diesem Plane sei von der serbischen Regierung ausgegangen. Nach einer aus Rom datierten Mitteilung habe Rußland Vvrgeschla- gen, daß Italien die Vermittelung zwischen Oesterreick»- Ungarn und Serbien übernehmen möge. Italien wäre hierzu angeblich bereit, wenn Oesterreich zuskimmen würde.

L o:: don, 27. Juli. Der deuffche Botschafter Fürst Lüh- nowskn hat ®it Änvard Grey im Auswärtigen Amt einen Besuch abgestatiet.

London, 27. Juli. (Reuter.) Wie gester:: abend in diplomatischen Kreisen bekannt wurde, Ijat die englisch)« Regierung ihre Boffchaftcr in Paris, Berlin mrd Rom angewiesen, Schritte anznregrn, die in Wien und PeierS-