Kr. W
du ;fe$ Blatt
M. Jahrgang
Erscheint lägt ich mit Ausnahme de? Sonntag?.
Die „«ießeuet Z-miiiendtäUer" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da? „Krcisblatt |it den Kreis Kietzen" zweimal
wöchentlich. Tie „landwirtschaftlichen Sett-
fragen" erscheinen monatlich zwcrmal.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhejsen
Montag. 27. Zun!
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießeiu
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^©51. Redaktion.S^A112. Tel.-Adr.:AnzergerGießen.
Ein Deutscher in Mexiko erschossen.
i Di« „Frankfurter Zeitung" meldet aus Mexiko vom 86. Juni: In Tarreon wurde am 21. Mai der deutsche Monteur Karl Str chle erschossen, der seit Ende vorigen Jahres als Oberst in Villa? Diensten steht. Er leitete in Torrcon den Straßenbahnverkehr. Ob er er niordet oder standrechtlich erschossen wurde, ist noch nicht be< tzantnt. Die hiesige Regierung versichert, der Fried« mit oer Union sei unterzeichnet. Da aber die Rebellen nicht lkbegrifsen sind, ist es fraglich, ob damit ein ivescntlicher Fortschritt erreicht ist. Earranza ist noch unentschlossen, ob er überhaupt in Vcrlsandlungen mit Huerta cintre- ten soll.
Dar Schwimmsest des Schwimm- und Wassersport- Vereins Gietzen.
tb. Gießen, 29. Juni.
Das Schwimniscst, welches der im Oktober vorigen Jahre? erst .rgründete Gicßcner Schwimm- .u. Wasser sportvcrein n der Müllersckien Badeanstalt veranstaltete, »ahm nicht nur portlich einen interessanten Verlaus, sondern erregte auch da? rbhajte Interesse der Zuschauer. Die Lauistege der Müllerschen bad«ulftalt, che Dächer der Anstalt sowie das gegenüberliegend« User der Lahir ivoren von Menschen übcrsüllt. Ta? Fest selbst war von 1200 zahlenden Personen besucht, so daß der Zuschauer- raum bedenklich eng war. Unser.Regiment war außer durch seinen I '■ Kommandeur Oberst Schin.melpsennig durch Maior Grostmann und zahlreich« andere Ossiziere, unsere Schulen teilweise durlli ihre Letter vertreten.
Die sportliche Veranstaltung nalmi folgenden Verlaus:
I Erössnungs schwimmen, 70 Meter, für Mitglieder des iestgedenden Vereins: 1. Pr. G. Hoesels und S. Erk 60- Sek: 2. E. Heinpel und K. Renk 61: 3. Friß Mthoss 66%. Es starteten 12 Mttglieder des Vereins.
S ch ü l c r b r u stsch w i ui m c n , 35 Meter, Konkurrenz
3 Schwimmer imter 17 Jahren: l. Preis Fr. Althvsj 10 Sek.: >2 Hans Geyer 40%; 3. Theo Eck 40%.
Junior springen, 4 Uebungcn vom 1 Meter-Brett:
1. Preis. Matthias Frcyeiscn (Erster Franksurter Schwimmklub)
26'/ Pkt.: 2. Walter Jung 24' 3. Karl Koch 21%.
Jugend-Ermunterungs-Hand über - Hand- schwimmcn. 35 Meter osten, für Mitglieder des Giehener Vereins unter 17 Jahren: l. Preis Fr. Althost 35' . 2ck.; 2. E. Hem- pel 3S'/z>: 3 Theo Erk 37.
M i l i t ä r b r u sts ch w im men , 70 Meter, osten nur für . -Soldaten des Ins.«Negis. 116: 1. Preis H. Happel 1.18 Min.,
2. Ad. Schoßnick 1.24.
Jnnior-Bruststasctte, dreimal 35 Meter um den J Rvhde-Preis: Es nahmen daran teil Erste: Frankstirter Schwimm- ! Null gegen Sportverein Merkur-Gießen und den scstgebendcn Ber- , ein: SckMttnm- und Wasscrivortvercin Gießen in 1.41 Min.:
I 2. der FranHurter Verein 1.42'st,; 3. Merkur-Gießen 1.56%.
J-rgend springen, eine Hebung vom 3 Meter-Brett, i tuvü -etmnoen vom 1 Meter-Brett: 1 Preis Theo Eck 22% Pkt.; ^ ttUe'Rahnield 21'/. : 3. Wilh. Ratmlcld 21
Werbeichwimmeu, 70 Meter, nur für Schwimmer aus cn und Umgegend: 1. Preis G. Hoesels, 1.7% Min.: 2. K. mm, 1.28: 3. E. «ommerkoru, 1.35.
140 McterSchwimmcn: I. Preis Wilh. Sauer (Erster lks. SchwimmUuh) und W. Dorn (Schwimmvcrein Darmstadt), '»Min.: 2. Ph. Harpcl, 2.13: 3. Marlin Schmidt, 2.23. Eierschwi m m en , 35 Meter: Georg Wellhansen war der „yige von 8 Schwimmern, der es fertig brachte, das Ei, welches er in einen, Lössel beim Schwimmen im Dbundc tragen mußte, unterwegs nicht zu verlieren.
Damcnbrustschwimmen, 70 Meter: 1. Preis Fräul. /Stöber, Frankfurt a. M., 1.25 Min.: 2. Frl. Johäntges, Frankfurt a. M., 1.29: 3. Frl. Gisevius, 1.34.
Damcnbr n st schwimmen, 35 Meter, stroman: 1. Preis ßFrl. Kübel, 56 Min.: 2. Art. Kraushaar 59: 3. Frl. Appel 62.
Streckcntauchcn: 1. Preis G. Hoesels, 35 Meter: 2. W.
. Weller, 27 Meter: 3. Matthias Freyeisen (Franks. Schwimmklub), |20 Meter.
Militärstasctte, 4x35 Meter, Sieger 1. Bataillon gegen
2. und 3. Bataillon des Kaiser Wilhelm-Regt. 116 Mannschast: Lcop. Rothschild, PH. Halkenbäuser, Paul Becker und Georg Albvld.
Junioren-Hand-über-Handschwim men, 70 Meter: 1. Preis Alb. Meyer (Erster Franks. Schwimmklub), 1.2% Min.: 2. S. Eck, 1.2%: 3. Ph. Haspel, 1.4%. Beim Endkamps zwischen Meper und Eck holte der letztere, der etwa % Meter zurück war, kräftig aus, er hätte nur früher zum spurt cmsetzcn m'sstscn, um Sieger zu werden. Die Zuschauer gerieten bei diesem Schwimmen bis zur Sicdehitzung in Ausregung. Es war unstreitig das interessanteste Schwimmen des Tages.
1 Schülcrstafcttc, 4x35 Meter. Teilnehmer: Realgymnasium, Lberrcalschule, Gymnasium und Volksschule. Lieger: I Gymnasium in 2.12 Min.. 2. Realschule 2.54, Realgymnasium I 3,35, Volksschule ausgrgcbcn.
Hau Pt springen um den Preis der Stadt Gießen. 4 vor- I geschriebene Sprünge und 2 Kürsprünge: 1. Preis G. Hoesels, I 64'/, Punkte: 2. W. Sauer (Erster Franksurter Schwimmklub), 1 : 62'/. P.. 3. Paul Becker (vom 116. Jnf.-Regk.) 61 Punkte.
Rückenschwimmen, 70 Meter: 1. Pr. W. Lauer (Erster i Franks. Schwimmklub). 1.10'/» Min.: 2. W. Weller, 1.19 Min.:
3. H. Schaub, 1.21 Min
Jugend-Rückenschwimmen: 1. Karl Renk. 1.15 M.: 2. Fr. Althoff. 1,27 M. _ ...
Militär-Bru st schwimmen: 70 Meter für die Gie- ßener Garnison offen: 1. Schosniek, 1.20'/» M.; 2. Thron,
1.24% M
Alt Herren Brustschwimmen 35 Meter: I. Aug Noll. Hofbäcker, 39%: 2. Karl Lang, 40: 3. Tr. ohil. G-star (Frankfurt a. M.(, 40'/».
Junior-Seitenschwimmen, 35 Meter: 1. L. lÄk und H Weis; (Erster Franks. Schw.-El. 32: 2. Otto Gttberi (Wetzlar Schw.-Vercin) 82%: 3. Willi Amend 33.
Damen Rücken sch wim men, 35 Meter : I irrt- Paula Stöber (Frankfuri a M. , 10'/»: 2. Frl. Dosch, 43: 3. Frl. Gtse- vius. 44: 4. Frl. Johäntges, 45. ..
Das Wasserbau spiel verlor der Schwimm- n. Waper- s'^rkverem Gießen gegen den Ersten Franks. Schm.-Cl. mrt 1 : 4. Bei den Namen. No keine Bezeichnung dabeitteh!. handelt e- nch um -Mitglieder des Giehener Bereins, der mit seinen 1t>i) ordentlichen . Mn gl cedern und seiner 40 Kopie starken Schül^r-Abt eilmig q ^ hat. daß er das Schwimmen mit Ester pflegt unb m»f Mitglieder >n tüchtigein Können hernnzubilden vertteht. nmnnr^n dem noch nicht ein Fahr bestehenden Berein Glück zu der moylgeluw- renen ersten öfsentlichcn Veranstaltung. _
vereinsnachrichten.
% Hörnsheim. 28. Juni. Gesang swc ttst r eit u nd 10j ä h r lg es Stiftungsiest des Gcsangvererns „Evrtracht ourde heute hier abgehalten. Das Wettsrngen fand vormitlags cn
der Wirllchait Albert Engel statt. Um 2 Uhr wurde der Festzug ausgestellt, welche 27 Abteilungen zählte. Festvräsident A. Engel brachte ein Hoch auf den Kaiser aus. Frl. Elisabeth Linker trug ein von A. Engel verfaßtes Festgedicht vor und übergab namens der Frauen und Jungfrauen eine Fahnenschleste. Die Festrede des Vcreinsvorsitzendcn L. Schmidt klang in cm Hoch auf das deutsche Lied aus. Herr A. S ch w a r z ließ dem Verein «inen Fahnennagel übergeben. Lehrer Müller- Wismar, der Grüüder und erste Tiri- zcnt des Vereins erhielt «ine Ehrenurkunde. Der Ehrenpräsident Engel und Lehrer Schumacher hatten ein Festbuch versaßt. Reichstagsabgeordneter Behrens und Landtagsabgeordueter Krüger befanden sich unter den Prcisststlcrn. Tas Weitungen hatte folgendes Ergebnis: A. Klasscnsingcn: 1. Klasse: 1 Preis mit 254 Punkten Eintracht Ferndors, 2. Preis mit 231 Punkten Elntracht- Ehringshausen: 2. Klasse: I. Preis mit 230 Punkten Licdcrtasel- Lollar, 2. Preis mit 222 Punkten Männcrgesangverein-üLtzellin- den: 3. Klasse: 1. Preis mit 224 Punkten tlnion-Trnpbach, 2. Preis mtt 204 Punkten Gesangverein Reichelsheim, 3. Preis mit 201
Punkten Männergesangverein Rödcgn: ö. Ehrenprcis- singcn: I. Klasse Sieger mit 115 Punkten Eintracht Fcrichorf, 2. Klasse gleiche Punktzahl Lollar »nd Lützellinden, das oL's entscheidet für Lützellinden, 3. Klasse Sieger mit 107 Punklen Union- Trupbach: 6. Höchstes Ehren singen: 1. Sieger mit 122 Punklen Eintrachl-Fcrichors, 2. Sieger mit 116 Punkten Union- Trupbach.
A Niedcr-Wöllstadt, 28. Juni. Einer der ä l t e st e n Vereine der W c t t c r a u , der Gesangverein „Konkordia" von hier, feierte heule sein 75jähriges Jubiläum unter sehr starker Beteiligung der Wcttcrauer Gesangvereine und der hiesigen Vereine. Gestern abend war aus dem Festplatz eine Vorfeier. Ter Vorsitzende des Vereins, Philipp Beck, hielt eine Ansprache und übergab dem Dirigenten Lehrer K i tz eine Ehrenurkunde: beute vormittag %10 Uhr fand Festgottesdienst statt. Dekan Orth hielt die Festpredigt. Ter Fcstzug wurde um 2 Uhr an der Hclmoltschcn Villa ausgestellt. Aus dem Festplatzc begrüßte der Vorsitzende Phil. Beck die Gäste. Unter eLttung des Lehrers Kitz wurde von der „Konkordia" der BegrüßungSchor vorgetragen. Sehr beherzigenswerte Worte über die Bedeutung des deutschen Bolksqesangcs sprach Tclan Orth in der Festrede. Regicrungs- assessor Olöbel-Frieobcrg übergab die vom Großherzog pcrleihenc F a h e n s ch l e i s c. Frl. 'Auguste Bauer überreichte im Namen der Frauen und Jungsrauen eine Schlcisc: auch der Kriegerveiein hatte ein Geschenk gestislet, welches Lehrer Reuß übergab: die von dem Deutschen Turnverein gcstistele Ehrengabe, einen Fahnen- nagcl, überreichte Ehr. Wittigschlager. TS folgten Gesangsvorträge der Gastvcreinc sowie turncrisitze Borsührungen, Tan; und Volksbelustigung.
Neue wunder der Technik.
Als der iüngst verstorbene Kaiser Menelik von Abessinien den dort tätigen schweizerischen Ingenieur Jlg einmal fragte, was ein Ingenieur eigentlich sei, gab Jlg schlagfertig zur Antwort: „Ein Ingenieur ist ein Mensch, der alles machen kann." Der schwarzen Majestät muß dieser Ausspruch gewaltig imponiert haben, denn er machte bald daraus den einfachen Ingenieur zu seinem erste» Ratgeber und Minister. Ein Zeichen, daß man in Asrika nicht von dem traditionellen Vornttcil befangen ist, 'für einen solchen Posten ausschließlich Juristen zu nehmen. An die selbstbewußte Anlwort Jlgs wird man nnwillkürlich erinnert, wenn man das Resultat der Preisfrage nach den modernen sieben Weltwundern, die kürzlich von einer Tageszeitung an ihre Leser gerichtet wurde, sich einmal näher ansieht. lieber 150000 Antworten liescii ein. Tie relativ meisten Stimmen cnstielen aus die drahtlose Telegraphie, dann solgcn der Panamakanal, das lenkbare Lustschiss, die Flngmaschine, die RadiniN'Anwendung, der Krnematograph, und zuletzt der Riescndampscr „Imperator". Mit Ausnahme der Radium-Anwendung, die den Physikern, Chemikern !nnd Medizinern zugerechnct werden muß, sind es nur Werke der Jügenieurkunst, die als Weltwunder angestannt werden. Und cs erscheint datier ganz folgerichtig, daß man allgemein dte Ingenieure als die Männer ansieht, die im Rahnien der Naturgesetze alles machen können.
Außer dem Riesenwerk des Panamakanats wird in Amerika gleichzeitig nocki ein anderes technisches Wunder der Vollendung nahe gebracht, das alle ähnlichen Anlagen aus der Erde über- trifft. Durch Ausnutzung der gewaltigen Wasserkräfte des Missis- sipoi bei Keokul werden 300 000 Pserdcstärtcn gewonnen. Tie gesamte Anlage, die in der Hauptsache aus einem geioaltigen Staudannn und dem Kraftwerk mit 30 Turbinen von je 7500 Kilowatt Leistung bestebt, erforderte einen Kosteiuiuswand von 24 Millionen Dollar. Der Strom wird auf 110 000 Volt transformiert und den im weitesten Umkreise liegenden Orten, wie z. B. Cbicagu aus 352 Kilometer Entseriiung und St. Louis aus 226 Kilometer Entfernung, zngesührt. Mit natürlichen Wasser- sällen und Strvmschnellen ist Amerika reich gesegnet, aber auch mit künstlichen Stauseen und Talsperren kann cs austvarten. Die den Plattensluß in Nordamerika zurückhaltende „Palhsindcr- spcrrc" saßt bei einer Stauhöhe von 58 Meter 1350 Mitlionen Kubikmeter Wasser, die den Saltiluß dämmende „Rooievelt-Spcrre" mit der böchsten bis jetzt erreichten Stauhöbe van 67 Meter faßt sogar 1700 Millionen Kubikmeter und wird nur von der Nit- spcrrc bei Astuan (Aegyptcn> mit 2300 Millionen Kubikmeter Wasser übcrtrosten. Jni Vergleich zu diesen künstlich gestauten Seen erscheint die größte Talsperre Europas, die im Fürstentum Waldeck gelegene Edcrtalipcrrc, durch die 202 Millionen Kubikmeter Wasser zuriickgehalten IkXh, noch klein Tie Sperr- maucr hat eine Höhe von 48 Mieter bet einer Breite von 40 Meter an der Sohle und 8 Meter an dee Krone. Das von der Watdecker Talsperre in einen Sec verwandelte Stangebiet umsaßr eine Fläche von 1170 Hektar aui einer Länge von 27 Kilometer bei einer Breite von l75 bis 1000 Meter. Tic Baukosten belaufen sich aus rund 20 Millionen Mark, wovon allein aui die 400 Meter lange Sperrmauer rund 8 Millionen Mark entfallen. Die nächstgrößte Talsp>'rre in Europa ist die Möhnetalsperre für die Ruhr mit 130 Millionen Kubikmeter Wassergehalt. Zurzeit gibt es auf der Erde 31 Talsperren, von denen 26 auf Europa, und davon imedcr 17 aus Deutschland kommen. Noch nicht eingerechnet ist hierbei die Riescntalsperre am Panamakanal, die an Ilmsang sogar die ägyptische übertresten wird.
Mit einem ebenso kühnen ivie kosstpieligen Jugenieurvrosekt beschäftigt man sich schon seit Jahren in Rußland. Der hohe Gebirgszug des Kaukasus, der gleich einem Riegel die Landzunge zwischen dem Kaspischen und Schwarzen Meer durchgnett, wird heute noch an keim-r Stelle von einer Eisenbahnlinie durchbrochen, tim von der nördlich gelegenen Stadt Wladikowkas nach dem süd- tichen Tiflis, das in der Luftlinie nur 200 Kilometer entfernt ist, zu konimeu, muß man längs der Küste des Kaspischen Meeres eine Strecke von mehr als 1500 Kilometer zurücklegen. Die projektierte Bahn über den Kaukasus wird eine bedeutende Annäherung des südlich gelegenen Transkaukaslens an Rußland ergeben, und zugleich die Beherrschimg von Nordpersien durch Rußland weitgehend fördern. Bis auf eine Höhe von 1350 Meter über dem Meere wird die Bahn anstcigen und hierauf einen Tunnel von 23,5 Kilometer Länge quer durch die Hauptniaste des Gebirges durchsalnen.. Vor diesem Teil der Aufgabe war man bisher zurück-
e " reckt, aber nach der glücklichen Vollendung des Simplon- els könucn die Schwierigkeiten nicht mehr für unLberwrndlich
gelten. Da die mittlere Jahrestemheralur ander Stelle des vor- lgeiehenen Tunncleingangs 1,5 Grad Kälte deträgi, dürste sie inl Innern des Tunnels nirgends 35 Grad Wärme überschreiten, was im Vergleich zu den beim Simplontunncl gemachten Ersahrungen als eine mäßige Wärme zu bezeichnen ist. Tie Anlagekonen der proieklierten Gebirgsbahn sind ohne die Ausrüstung für elektrischen Betrieb aus 101 Mttlionen Rubel veranschlagt. Das russische Ministerium hat bereits eine Million Rubel für die Vor- arbettcn bewilligt.
Hobe und zerklüftete Gebirge, die jede» Verkehr unmöglich Machen, haben für den modernen Verkchrsmgcnieur ihre Sckireckcn verloren, sie spornen jlm im Gegenteil zu immer kühneren Wagnissen an. Im wildesten Teile des Himalavagcbirges beabsichtigen die Engländer eine 120 Kilometer lange Kabclschwebebahn zur Verbindung der Stadt KasckMir mit Abbvttabad im Penhschap an- zulegen. Zwei in einem Abstand »an drei Meter nebenelnander lausende Drahtkabcl, die in einer Lpannweite von je 200 Meter durch eine Reihe von Stahltürmcn gestützt werden^ sollen über die Gebirgsschluchten geführt werden. Die ganze Strecke wird IN Abschnitte van je neun Kilometer Länge iieteilt, von denen sede Sektion ihre eigenen elektrisch betriebenen Zugkabcl erhalten wird. Sobald die Anlage im Gütertransport genügende Sicherheit bewiesen Hai, will man kleine Schwcbewagen aiul, für Reisende ein- stellen. Freilich wird eine Reise über 1000 Meter tiefe 'Abgründe in, Himolaya nicht im entserntcstcn die Annehmlichkeiten biete», welche die neuen Speisewagen, die von diM meußisch- hessischen Staatsbahnen im Oktober in Dienst gestellt wurden, dem anspruchsvollen Europäer gewähren. Diese neue» Wagen haben zwei dreiachsige Drehgestelle, also sechs Achsen, während die älteren Spciseivagen nur zweiachsige Drel>gestcllc hatten. °Der IWagenkörpcr ruht nicht allein auf 'Bkatstedern, "sondern vor allem aus narlcn Sviralsedern, von denen icdcr <So~- wiederum aus drei Federn befielst, indem eine parke äußere zwei schwächere Federn im Innern umschließt. Durch diese komplizierte Federung werden alle Stöße beim Fahren nacheinander von drer Federn ausgenommen und abgcschwächt. Weitere Vorzüge der neuen Speisewagen sind die elektrische Bclcuchtting »nd die Vergrößening der Küchen- räumc um einen ganze» Meter.
Eine völlig neue Erscheinung aus de» preußischen Staats- bahnci, bildet die Tikselmotor-Loloinotive, die als dritter Konkurrent der Tampslolomotivc neben dem elektrischen Triebwagen erstände» ist. Acnßerlich ähnelt das 16,6 Meter lange Eisenbvhn- i'alrzciig eiv-m Personenwagen. Die Antricbmaichine, ein Gler- zylindri'e-r "eielmotor, liegt IN der Mitte der Maschine: INI vor- rercit des Wagens T'i die Tnlssmaschiine mit darüberlicgJidam Kompressor für Drucklust montiert, rm Hinteren Teil sind die Trnck- lustbchältcr angeordnct. Zwischen den Znliildcru der 'Antricbs- maschinc besindcn sich die Pumpen für die Zusuhr von Brennstosf iund Bcrbrennuiigslust. Bei der Abfahrt wird den Zylindern der Antricbsmaschine Drucklust zugesührt, bis eine Geschwindigkeit von etwa zehn Kilometer erreicht ist: sodann wird die Druckluft abgcspcrrt und :Brennsl«if der Antriebsmaschine zugesührt, die nun als Dieselmotor arbeitet. Der Maschinemvagen ist mit Lustdruckbremsen und Handbremsen ausgerüstet und kann normal 100 Kilometer in der Stunde zurücklegen. Die neue Thermo- Lokomotivc hat vor kurzem ihre Probefahrten aus der Strecke Berlin—Mansfeld erfolgreich bestanden: aber erst nach sahrelangcin Betrieb wird man zu einem abschließenden Urteil bezüglich den Leistungssäbigkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit gelangen können. Für jeden, der technischen Problemen Interesse entgegcn- brmgt, bedeutet der Wettkampf der drr' Elemente: Dampf, Elektrizität und Drücktust aus dem Gebiele der Zugförderung eine wichtige Phase in der Entwicklung unserer modernen Berkehrs- tcchnik.
Vermischte».
* Eine Selb st morde pidemie unter den jungen Mädchen in Indien. Im indischen „Statesman" schreibt ein eingeborener Mitarbeiter: „Ein neuer Geist scheint unter den Mädchen der bengalischen Rasse zu erwackzen. Mit einem Staunen, das von einem Gefühl der Ehrfurcht und der Bewunderung durchsetzt ist, hat Bengalen in letzter Zeit eine Reihe Fälle von Selbstopserirng zartfühlender bengalischer Mädchen erlebt." Tie Tatsache, über die der binduscktrciber mit so viel Freude berichtet, ist IN Wirklichkeit eine sehr merkwürdige Selbstmordepidemie, die seit einigen Wochen Opfer aus Opscr sordcrt. Tas begann mit dem Selbstmord eines Mädchens, namens Sneha- tala, dessen Vater im Begriffe stand, sein Besitztum zu verpfänden, um die Summe zum Kaufe eines Bräutigams sür seine Tochter ausznbringcn. Die Preise, die heute in Bengalen von den Vätern hciratssähigcr Söhne gefordert werden, sind unerschwinglich hixh geworden. Für einen Rasah, der die Schule absolviert bat, verlangt der Vater bis zu 10 000 Rupien, also mehr als 13 000 Mark: 3000 Rupien sür einen Bräutigam sind eine alltägliche Fordcning. 'Diese hohen Preise für Ehemänner erklären sich durch das Gesetz von Angebot und Nachstagc. Nach Landcsbrauch müssen die Mädckien gewöhnlich vor ihrer Reife bereits verheiratet sein: aulDcr anderen Seite haben die höheren Ansprüche, die man'heutzutage an Erziehung und Bildung eines sungcu Mannes 'stellt, dazu geführt, daß die Jünglinge sich später verheiraten. So fehlt.es an Ehemänner». Snchalata tränkte ihre Gewänder mit Petroleum und zündete sich selbst an. Ihr Tod erregte w-ittim im Lande bei Ehcrcsormern und Vätern heiratsfähiger Töchter einen wahren Stnrin der Bervunderung. Tic Folge davon war, daß viele andere junge Mädchen dem Beispiele SnehalataS folgte». In den Mädchenschulen erzählen sich die Schülerinnen stolz, daß sie ans die gleiche Art verbrennen ivcrden, wenn die Heiratszeit für sie 'herannaht. Die Setbstmordcpidemic hat bald auch auf die Witwen übcrgcgrstscn, und sede Selbstverbrennung erntet bei den Eingeborenen Ruhnr und Anerkennung. Bei dem traurigen Lebens- schickial, das noch immer einer indiickzcn Witwe harrt, ist zu befürchten, daß die neue Selbstmordepidemic sich schnell weiter ausbreitet.
* Eine wunderbare Rettung. Kein lebender Flieger kann auf ein so aufregendes Abenteuer zurückblicken wie der snnge amerikanische Amateurstieger Knox Morton, der am Mittwoch in Long Island mit seinem Zweidecker aufsticg. Ats das Flugzeug eine Höhe von über 1000 Fuß erreicht hatte, klemmte sich plötzlich der Draht der Steuervorrichtung seit, »nd das Flugzeug überschlng sich. Mit rasender Geschwindigkeit stürzte es herab, und alle, die vom Flugplätze aus das grMienhaste Schauspiel mitanial>:n, ogffcrten sofort jede Hoffnung. Allein plötzlich, nach einem Sturze von 200 Fuß, geriet das Flugzeug in eine Böe imd richtete sich ans einige Sekunden wieder aus. Dann begau» es, vollkvmme» steucrlos, in der Lust l/iit- und her zu taumeln, bis cs sich wieder neigte und von neuem siel. Aber nach hundert Fuß richtete sich der Apparat wieder aus, blieb etwa eine Piinutc lang im wagerechten Fluge, um dann, zum dritten Male, senkrecht brnabzultürzen. Das Schicksal des Fliegers schien besiegelt, als sich wie durch ein Wunder in kurzer Entfernung über dem Erdboden die Maschine wiederum ausrichtete und nun in einem Gebüsch niederfiel. Das Flugzeug sing sofort Feuer, inan half Knox Morton von seinem Sitze, die Menge wollte erst nicht glau- ben„ daß der Flieger noch am Leben sein könnte. Allein er war mit entern leichten Nervenckmck davon gekommen und tonnte zu Fuß ohne Hilfe in sein Hotel gehen.


