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Viert« Blatt
krjcheml tizlich mit Ausnahm« heS Sonntag».
„Gietzeuek Lamtlienblätter" werden dem «Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, du» „llreirdlott fB» den Krtis Liehen" zweimal wöchentlich. Die „rmdwlrffchastlichtn Seit- Iragen" erichemen monatlich zweunat.
l64. Jahrgang
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhejjen
§amrtag. 27. Juni
R»t«tion»druck und Verlag der Brühlhche» UniversitLts - Buch- und Steindrnckerei. R. Longe, Biegen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftraße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion: essö 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen,
Reinhard Lar! Theodor Eigenbrodt.
lErrnne rung cn aus den Jahren 1848, 1849 und 1850.
Die historische Kommission für das GroßherzogNm, Dessen hat vor kurzem un Gvoßherzoglichcn »taatsverlag in Darmstadi als zweiten Band ihrer Forichungcn zur .hessischen Geschichte: „Reinhard Carl Theod. Eigenbrodt: Meine Erinne- rungen aus den Jahren 1848, 1849 und 1850" erscheuirn lassen, ine mit einem Vorwort und einer biographischen Einleitung von ^.udUng Bergstraße!, Greifswald herausgegebcn wurden.
Lus grund des reickzen Materials, das deni Herausgeber von der kzainilrc Eigenbrodt. dein Haus. Illid Staatsarchiv zu Darm stadt und durch die gütige Vermittlung von Historikern und Beamten aus ?xaml1ien- und anderen Arcküven zur Deriügung gestellt wurde, war es ihm ermöglicht, ein getreues Bild von dem -^ebensqang und der Tätigkeit des bedeutenden hessischen Staatsmannes und Politikers aus der bewegten Zeit der deutschen EiN- heitsbestrebnngen zu entwerten. Aus Eigenbrodts Studentenzeit ünr den Eintritt des Ihsährigcn Jünglings im Jahr 181o in den kurz vorher gegründeten ..idealistischen Frcundschasts- bunü der Germania" in Gießen. seine Beziedungen zu den , Schwarzen" daselbst, seinen Anschluss an die „Altdeutschen" in Heidelberg, seme poluischc Wandlung in Jena vom radikalen zum gemäßigten Liberalen und seinen Freundichostsbund mit Heinrich oon Ga gern, .im weiteren werden mir unterrichtet über Eigenbrodts Euurttt und Ziele im Landtag 1847 1818. seine Arbeit im „Märzministerium" Gagern und seine Tätigkeit als Bcvoll- 4?^thl ig ter bei der „Z^c n t ra 1 g ew a 1 t" in Frankfurt Ter Schluß der biograpdiichen Skizze bringt Eigenbrodts Beschäftigung in der „unsreiwilligen Muße des Pensionärs" von 1852 bis 1860, seine „Reaktivierung" und Wiedereintritt in edn Staatsdienst 1860, sein Ende am Vorabend der Verwirllickmng der deutschen Einhcttsbesttcbungrn am 3. Jul, 1866. dem Tag von Köurgqräß
Eigenbrodts Erinnerungen aus den Jahren 1848, 1849 und 1850 umfassen in deni vorliegenden zweiten Band der Forschungen zur Hessischen Geschichte über 360 Trucksciten und gliedern sich in zwei Teile: erster Teil: M ärzininisterium, zweiter Teil: Franksurt. Als Anhang sind bcigegeben: Gagerns und des Darmstädtcr Bürgers Fe Ising Ansprache an die Odenwälder vom März 1848, zwei Briese des Landrichters Pistor in Michelstadt über die Bewegung im Odenwald, ein Auszug aus Eigenbrodts Bericht aus Franksurt vom 18. 21. September 1848, ein Brief von K. Tb. Welckcr vom 16. September 1848, Einiges über unsere (hessische) besonderen Bemerkungen zum Entwurs der Reichsversassung. Die Anmerkungen des Herausgebers am Ende des Buches, die aus den, ihm zugänglichen reichen archivalischen Material geschöpst sind, bieten eine Fülle schätzbarer biographischer Mitteilungen von Staatsmännern und Politiker» aus der Zeit der deutschen Revolution und geben wertvolle Ausschlüsse her der Lektüre der „Erinncruugen". — Eigenbrodt hat die beiden ersten Teile seiner „Erinnerungen" während der Jahre 1852—1854 niedergeschriebcu: sie sind nur Bruchstücke geblieben. „Bon dem »orgesebenen Teil III iil nicht? aus uns gekommen "
Der erste Teil der „Erinnerungen". Märzministesium über« schrieben, beginnt mit Eigenbrodts Eintritt in die Kammer im Jahre 1847 ». bietet eine Schilderung der staatlichen, kirchlichen und wirtschaftlichen Perhältniise in Hessen unter dem Ministerium T u XJ)i 1. Im weiteren werden besprochen die Umstände, die zur Beseitigung des vormärzlichcn Ministeriums, zur Ernennung des Erkgrvßherzogs zum Mitregcnten und znr Gründung des Mini- -strrrums Ga gern sührten. Wir eriabren, wie durch die Exzesse gegeit die Riedeselschen Schlösser in Lautcrbach. durch die tumulsiiarischcn Austritte in der Insanteriekascrnc in Darmstadt Und durch die Baucrnrevolle» in Oberhesseu und im Odenwald das Ministerium Gagcrn ei» Ministerium der „Konzessionen" wurde.
Der' zweite Teil, die „Frankfurter Erinnerungen" verbreiten sich im einzelne» über die Ereignisse, die zur Beseitigung des allen Bundestages südrtcn. über die Tätigkeit der Na- t i v n o 1 v c r s a m in 1 u >i g , über die Schäftung der Zentral» g e w a 1 t mit ihren Regie rungs bevollmächtigten, über R e ichs m i n i st c r i ü in, Erb kalter und über die Beratung der neuen B u n d c s v c r i a s i u n g. Interessante Kapitel sind die Besprechungen über ein R c i ch s m i n i ft crtitm, über die Gründung einer d c u t scheu Falte, über die Fragen der einheit
lichen Regelung der Da n d c 1 s vc r b äl 1 n i, se, das Zoll-, Post- und Münzwesen. Eingehender werden besprochen Gagerns Bemühungen um Gründung eines engeren und weiteren deutschen Bundes, der „Notenkricg" zwischen Oesterreich und der Nationalversammlung, der eine „Kriegserklärung Oesterreichs gegen den Bundesstaat, gegen Preußen und vor allem gegen Gagern ergab, den Träger der Idee des Bundesstaates mit der preußischen Vorstand schaft. Beachtenswert ist weiter die Besprechung über die Bemühungen der österreichischen grvßdcutschen Partei der Nasional- oersamnrlung, um den Sieg der Idee des cinheitlichcix Oberhauptes zu vereiteln". Tie Frankfurter Erinnerungen schließen mit dem Antrag des badischen Bevoltmäckstigteir Welcker in der Nationalversammlung vom 12. März 1849, der dahin ging, die Reichsversassung, wie sie der Bersassungsausschuß mit Rücksicht aus die Wünsche der Regierungen revidiert batte, anzunehmen und dem König von Preußen die deutsche Kaiscrwürdc anzutragc».
Tamit schließen Eigenbrodts Erinnerungen. Wir wissen, daß der König Friedrich Wilhelm IV,, von Preußen die ihm vom Frankfurter Parlament im März 1849 angebotene Kaiserkrone nicht angenommen hat. Auch Preußens weitere Unsi»ibcstrebungcn sührten in der deutschen Frage nicht züm Ziel. Sie konnte nur durch Blut und Eisen gelöst werben. Erst die Nachkommcnden iverden, so sagt der Herausgeber, zur Würdigung Eigenbrodts am Schluß seiner biographische» Einleitung „anerkennen Uich ehren die politische Arbeit der vielen, die im Jahre der Revolution Liebe zum Vaterland aus den Kampfplatz ries, deren Arbeit vergebens war sür den Augenblick, Samen für die Zukunit wie immer, wenn der Einzelne handelt an Hingabe einer Idee".
Welche Kämpfe cs gekostet hat, bis der deutsche Einheitsgedanlc zur Wirklichkeit wurde, darüber unterrichte» uns die hinterlafte- nen „Erinnerungen" von Eigenbrodt bis ins Emzetste, die seht dank der Bemühungen des Herausgebers und ber gütigen llnler- stützung der historiichen Kommission von heften jedem zugänglich gemacht worden sind, so daß deren Veröffentlichung von jedem Valerlandsfreund begrüßt werden muß.
Or. h. Bcrgisp.
Der Fremdenverkehr in den deutschen Städten.
In dem soeben erschienenen statistische^ Jahrbuch deutscher Städte siir 1912 wird zum ersten Mal eine Statistik des deutschen städtischen Fremdenverkehrs veröffentlicht. Es werden darin berücksichtigt sowohl die Hotel- wie hie Gasthof- Uich herberg- Frcmdcn. Dagegen scheiden zunächst noch aus alle in privaten, Fremdeulogis, Krankcnpensionaten, Sanatorien, Heimen, Hospizen, Vereins- und Missionshäusern wohnenden Fremden. Ferner konnten zunächst aus wichligeu Gründen nur die von den Hotel- und Herberge-Fremden ausgenommen werden, die wenigstens einmal im Orl übernachteten. Jniolge der Zugnindlegung des llcbernaeb- tens als Bedingung für die Aufnahme in die Slalisttk läßt sich die wirtschaftliche Bedeutung des städttfchen Fremdenverkehrs be, den erwähnten Fremdengrupven annähernd berechnen. Und diese wirtschaftliche Bedeutung ist natürlich einer der Hauptgründe der Vornahme der Statistik.
Was nun die gewonnenen Ergebniiic angehl, io berechnet Dr, Karl Eichclmann, der Besorger der Statistik, zunächst für den stärksten Tagcsvcrkcbr unter den Städten, welche die Kopfrahl der Fremden angebe», folgende Zahlen: Berlin 3695 am Tag, Dresden 1660, München 1511, Hamburg 1486, Stuttgart 829, Breslau 773, Hannover 615, Nürnberg 606, Bremen 562, Leipzig 560, Düsseldorf 541, Dortmund 537, Wiesbaden 460, Heidelberg 456, Koblenz 413: 300—400 Fremde am Tag wurden gemeldet in Halle, Sttaßburg, Ebemnitz, Mainz, Würzburg: 200—300 i» Posen, Kiel, Stettin, Kassel, Magdeburg, Plauen, Lübeck: IM—200 In Ateseld, Mühlhausen i. Eis.» Meß, Königsberg, Bonn, Bicleseld, Hagen, Frankfurt a, O. Allr übrigen Städte der Statistik erreichen die 100 als Tagcszisicr nicht.
Setzt Ulan die Zabl der Fremden i» Beziehung zur Einwohnerzahl. so ergibt sich, daß die kleineren Städte einen verhältnismäßig starken Fremdenverkehr aufzuweiscn haben, und daß der der Verteilung des Gewinnes hieraus aus den Kopf inehr lommt als in den großen. So kommen i» Heidelberg »ui 1000 Einwohner 2973 Fremde, in Koblenz 2667, in Wiesbaden 1937, in Würzburg 1340, in Freiburg 1212, in Dresden 1105, in Mainz
1063, in Stuttgart 1075. Rur 500—1000 Fremde dagegen kamen demgegenüber auf 1000 Einwohner in Berlin, Breme», Breslau. Dortmund, Düsscldvrt, Hamburg, Hannover, München, Nürnberg, Kassel, Halle, Plauen, Posen, Straßburg, Bielefeld, Bonn, Brandenburg, Darm stadt, Dessau, Fraukftitt a d. O., Lübeck, Metz, Mühlhausen: nur IM—500 in Ebemnitz. Duisburg, Siel, Königsberg, Leipzig, Magdeburg, Stettin, Bochum, Elberielb, Mühl- beim IRuhr, Brombcrg, Hagen, Harburg, Herne, Kaiserslaulern, Liegniß, München-Gladbach, Potsdam, Remscheid, Solingen, weniger als IM in Charlottenburg, Gekfcnkirchen, Mühlheim a. Rh , Unter den Städten, die die Zahl der Uebernachtungen feststellen konnten, steht Ulm mit 3438 Uebernachtungen aus 10M Einwohner an erster SteUe.
Eine Unterscheidung nach Deutschen uich Ausländern haben nur 24 Städte vvrgenvmnien. Unter diesen steht Straßburg mit einer großen Zahl von AusILndern an der Spitze. Unter IM Hotelgästen waren hier nicht wimiger als 23 Ausländer. Die wenigsten Uebernachtungen dat Königshüttr und Hamborn, die wenigsten Ausländer Solingen und Metz.
27 Städte haben wieder über das Herkunftsland der Ausländer berichtet. Insgesamt sttegen hier ab: 507 564 Ausländer: wovon 24,2 Russen, 18 Oesterreicher, 11,5 Amerikaner, se 7,7 Engländer und Franzosen, 6,2 holliichcr, 3,6 Schweizer, 2.4 Belgier, 1,9 Italiener, 14,5 übrige Europäer und 2,3 übrige Ausländer (outtcr Amerika' waren Tic Bestrebungen der Städte zur Hebung des Fremdenverkehrs und die 'Ausgaben hierfür sind sebr verschick., und vielseitig, außer vrivoieu Ausgaben nsw. haben die mristen »täd,e einen Posten „Zuschuß a. d. Fremdenverkehisverein". Xer größten Betrag zahlte Köln mit 9240, den zweitgrößten Hannover, Mannkeim, Straßburg mit se 1,000. Ten kleinsten Betrag an den Jremdeiiverkehrsvevein zahlte München-Gtadbach mit 50 Marl iVereinsbcitrag). i
Landwirtschaft.
Die Vogetkberger Rinderraffe.
Eine sür die gewonnene Kenntnis der Bogclsberger Riicher- raiic äußerst wichtige Abhandlung ist dieser Tage als hest 15 der Arbeiten der Laichwirtlchastskammcr für das Großherzogtum Hessen erschienen.
Ter Bersasser her Arbeit ist Dr. Karl Klein in Gießen, welcher in Gemeinichait mit dem Landwirtschaftskammer-Ausschutz für Obcrhessen, den Bettrauensmännern der Kreisrinderzucht- vereine und den Züchtern ei» sehr wcrtvoUes Material gesammelt und wissenschasttieb bearbeitet Hit.
Der erste Teil dieser Arbeit bringt die Entwickelungsgefchichte der Pogelsberger Rasse. Nach.einer kurze» Cliarakterisierunq brr selben in ilrer äußeren Form und ihren Nutzeigenichaften schildert der Persaiscr. wie man infolge des gewaltigen Umsckprmiiges Mitte vorigen Jahrhunderts veisucküe, durch Einfuhr von schwere» Rassen und durch planloses Kreuzen derselben inst dem einheimischen Vieh mehr Masse in dasselbe buicinzubringcn Ader man bat dieses Ziel nicht erreicht. Erst in den 80er Jahren ist man sich wieder der vornehmsten Znchteraufgabe bewußt geworden, durch strenge Retnzucht aisi dem Wege der herdbuckstührung eine sestumgrrnzic Rasse mit bestimmter Forni und Eigensckiastrn zu züchten. Fehlerfreier Körperbau, feste Gesundheit und Zucht au> Leistung, Befestigung der Rasse ohne Beimischung siemden Blutes, das war das Zuchtziel, welches man sich gesteckt hatte, und das man dirrch sede Maßnahme zu erreichen suchte und auch terttächlich erreicht hat. Der zweste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit dem Stammesausbau der !Bogelsbergcr Rafte. Die Bedeutung der Stammbaumfnrickrung wird Ireftend geschildert >md namenüich darauf hingewiesen, wie wichtig cs ist, genaues über die Mitam- fnunq und den dlusbau, sowie über die Vererbungskrast seiner Ahnen zu wissen. Es folgt dann eine Beschreibung der einzelnen toichiigsten Blntlinie», die in der Vogelsbergrr Zucht eine bedeu- -endc Rolle gespielt haben „,id teilweise es noch tun. ?Ick>t haupt- blutlinieu werden angegeben, von denen besonders die Mar 338- Linie eine hervorragende Bedeutung erlangt hat. Ter Bulke Mar 338 selbst stammt au? der (Zucht von Fuh Rahn zu TTOenDnin (Kr. Schotten, ist im ganzen 7 Jahre zur Zucht verwendet worden und wurde mehrfach 'prämiiert
Bei der Bearbeitung de? Materials bat sich ergeben, daß auch hier, wie in so vielen anderen Zuchten, dos Blut nur einiger
Krauctt'R«n-scbau.
Allerlei von der hochi'nlntnernwde.
Ter Sonnenschirm, dcsien Aufgabe es ja nicht ausschließlich ist, elegante Frauen vor den Sonnenstrahlen zu ichützen, der viel- znebr die ganze Toilette krönen soll, ha« eine entzückende Bereicherung erfahren. Schon die neueste Form - die Glockcnfvrm — beweist, daß er mehr zum Zierrat, zum Schaustücke geworden ist, und dies gilt besonders v oit^den neuartigen h a n d g e st i d t c n Sonnenschirmen. Tic Stickerei ist in farbiger Wolle aus- gesiihrt, was eine reiche orientalische Wirkung erzielen kann: bevorzugte Farben sind Lila, Blau, Braun und Ledersarbe, Gelb und ein IcbhaitcS Grün. Tic Blumen und Fruchtmuster, denn um solche bandelt cs sich wohl ausschließlich, nu:rdcii in einer Art Schlcifcn- stich ausgefülrt, ober »ich! i» der gewohnten Art, sondern die Ssiche liegen soweit auseinander, das: sie strahlen bilden, die von der 'Milte nach außen lausen, in der Art der Millesleurearheitcn: dabe, bleibt natirrlich ein Teil des Leidcngrundcs unbedeckt, und es sieh: dann aus, als ob die Leide mit durchsichtigen Fäden bedeckt wäre. — Ganz neue Schöpfungen gibt es letzt aut dem Gebiete der Halsketten. Er kommt nicht mehr daraus an. durch Kostbarkeit zu glänze», sondern cs wird vielmehr au, gewählte Farbenzusammcnstcllung und Klcidiamkcit gesehen. a.er grüne Nephrit. Lasurstein, Korallen nnd Bernstein stehen an erster SteNe. hochmodern ist der wolkige Bernstein, der in stachen, länglichen Perlen abwcchiclnd mit anderem Material aufgereiht wird. Bei solchen Kellen lat tedc Fron Gelegenheit, ihren eigenen Geschmack walten zu lassen nnd Form nnd Farben anzuordncn, wie cs ilw gut scheint. Nun sind Nephrit, wie die übrigen Steine und Halbedelsteine zu iolchcn Ketten ziemlich lostfviclig, doch es sc, zuin Tröste getagt, daß sic nicht echt zu sein brauchen: es kommt hier weniger ans den Wert, als aut die Wirkung des Schmuckes an.
__Unentbehrlich wie nur je zuvor ist die Ä a n d t a s ch c. In
diesem Sommer trägt inan zum Kostüm oder Rachmittagskleide sehr korrekte seidene Taschen au? Moirec, Taftctt und glatter oder penrustertcr Seide. Diese Taschen sind langovai oder einind, unten gewödnlich mit einer Quaste geschmückt und an ziemlich langen Schnüren und Bändern zu iragen. Zu Ausfwgen im 'Auto ist eine Tasche aus Leder, die einige Toilettengcstände enthält, vorzuziehen weil sic den Inhalt gegen Staub schützt. Tic zarten Gold- und Sstbertäschchen sind beim Einkäufen sehr beliebt: Brokat und kostbare Sbitzcn werden sür die Abendtchche bevorzugt (Labe, werden die Spitzen auf Gold oder Srlbergrund oder auf Farbenloncn, die zum Kleide paffen, vcrarbettet und wirken dann sehr elegam. — Zum <ochne>derkleide ttagi man in der Stadr einen ziemlich hohen, meist zweifarbigen SU es er aus Lackleder mit Tuch oder Wildleder. Ter Tuchleil ist braun, beige gelb oder grau gehalten: in, Knopfftiefel ist er vorn schalt herunter bis -zum Knopsteil vorne mit einem Lederstreiien »er- febert — oft in einer dritten Farbe — um das struntne Tuch vor dem Scheuern am Kleiberiaum zu schützen, Etgcimrttg und neu
ist ein Stiesel im Gamaschenfsil, der nach Maß gefertigt werde» muß, soll er wirklich gut sitzen und den Ansckzein der Gamasche erwecken: er schließt ganz an der Seite, und die Knopfe beginnen säst am Hacken. Halbschuhc werden mit Spangen und Bändern gehalten. Etwa zensimeterbreite Seidenbänder werden aut dem Svann gekreuzt, unr die Fessel geschlungen, miete gekreuzt und ziemlich hoch am Bein vorn zu einer kleine» .L^keiie gebunden: diese Schleisc soll abcr^nicht zu sehen sein. Die Strümpfe sind schlcierdünn und mit Spitzeneinsätzen vecziert: langgestrecktt, rautenförmige Muster werden bevorzugt: zieinlich auffällig sind auf- genöhlc fliegende Vögel und um das Bein geringelte Schlangen: vornehm nnd rnbig wirken schlichte tzohlsäume S ch u h > ch n a I- 1 e n sii Form von Gürtelschnallen und Schlesien werden immer moderner: man sieht kleine Eulenküvic, Schmetterlinge, 'Meiast schlesien mit kleinen Sleinchen nnd ähnliches.
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— Die Kleidung im So miner. Tic Anpassung an die Jahreszeit in Bezug auf Dicke der Kleidung iotl sich innerhalb mäßiger Grenzen ballen, um keinesfalls die Abbörlungsmaßnalz- men zu gefährden. Für die heißen Länder Hai astcrdings die Dünne der Kleidung ihre Grenzen, oa man sonst unter chr verbrennt. Durch zu dünne weiße Troverftacken Hai nranch einer eine auälendc hautvcrbrennung davongctragen Kann sich lemernd v»» duftigen dünnen Stoffen auch unter der Tropensomic nickst trennen, so soll er sic wenigstens farbig wählen, »m so doch einen Teil des prallen Svmienlichlcs abziibalten. Tie bunsiarbigcn, lavanischcn Krmomos sind in dieser wie in fast ,eder anderen Hinsicht «ne htzgienischc Wohltat. — Ganz besonderen Schutz, so schreibt Pros. Dr. P. Schmidt zu Schluß seiner interessanten dluSfübrungen in der „Umschau", verlangen unter der Troveisionnc, aber auch schon im europäischen So_mmer, Kahlköpfe, da erwiesen ist, daß ein gcwifter Teil der Sonnensttahlmig in das Innere des Schädels eindringt. Das gsit ganz belontes sür die dünnen Kindenck»ädel. Die Ersahrirnaen der Kinderärzte smechcn daftrr, daß eine Reihe krankhafter Zustände der Kleinen infolge intensiver Besttahkung entstehen können.
— Di c Wiederkehr des großen Hutes. Daß die Tage des kleinen Hutes gezählt sind, steht im Rate der Moöegrößen sest. Tos war vorauszusehen, denn alle Welt trägt jetzt kleine hüte, sodaß man schon etwas Neues haben muß, und außerdem sind diese kavsiziösen Gebilde lange iricht so kleidsam, als die brette Krempe, die einen so entzückenden Rahmen um das Gesicht legt- Während die mondänen Tarnen von gestern sich noch mit ihren.Toaues und nnnzigen Schuten den Teint und die Augen verderben, taucht aus deil Köpfen der Modedamen, hie in die Zukunst schauen, bereits ein wirksamerer Schutz gegen die Sonnen- strshien auf. -sier Mattoienhut ist es, der den großen Umschlag in der Form del: eleganten Kovfbedeckung airkündigt. Dieser sckncke hui IN marimeblauer Seide oder in zariem Tüll hat bereits eine sehr breite Kvnnpe und bereitet w das baldige Erscheinen der Rem«
brandt- und Rad-Hüte vor. Ter Eindruck der Größe wird durch die reiche Garnierung verstärkt, die in einer brciteir Blumengirlande, einem Band mit voller Schleife oder auch in einer Krone non Tüdern besteht, die um den Kops kerumgelegt wird. Auch wird der Hutrand durch eine Einsassung mit Spchen oder feinem TAI vergrößert, und das Gesicht io in zarte »chatten gehüllt.
— Die Mrßerziehniig der amcrikanischen M l'ß. Einer der sieimütigsten Kritikei' des gcielsichaltlichen Lebens ber oberen ZelntMisend si> New Bork, Fredcrick Townsend Manin, der als Schriftsteller auch bei uns geschätzt wird, ist jüngst gestorben Aus seinen, Nachlasse veröffentlicht nun der „New Bork American" einen Aufsatz, der am besten als „die Mißerzichimg der amerikanischen Miß" zu überschreiben ist, in dem Martin ein äußerst hartes, aber wvbl gerechtierffgtes rlltcil über Wesen und Gebahren der vornehmen sungen Amerikanerin abgibt. Er spricht vom „vollkommenen Beriall guter Manieren" und bezieht dies nicht etwa auf die jungen Mädchen allein, sondern selbst aus die >ungen Frauen. Beabachlct man sie, so fällt einem zunächst au>, daß sie eine Sprache brauchen, die weder Englisch noch Amcrikansich ist, sondern ein ganz gemeiner amerikanischer „»lang", aus den man in der guten Gesellschaft gar nick» rechnet. Die lungen Amerika- nerrnncn ober finden es eigen, so zu sprechen und unlerhatten lich ganz nnverfroren in dieser gemeinen »prache Weiter ist an der Sprache zu tadeln, daß die jungen 'Amerikanerinnen außerordentlich schnell, ja hasttg, zudem gewäbulich zu mehreren gleichzeitig sprechen: sind drei oder mehr oon ihnen in einem Gespräche, so reden sic gewiß alle glcichzeilig, unbekümmert darum, ob irgend eine die andere versteht, denn cs kommt jhnen nur daraufhin, daß sic überhaupt reden. Dabei ist cs eigentlich nicht reden, sondern Schwatzen zu nennen, und man hat den Eindruck, als wüßten sie nicht, daß jedes Wort seine besondere Bedeutung hat. Die Fehler, die Marsin den Amesikerncrinuen vorwirst, gehen natürlich aut deren Eltern zurück, und da bsi der amerikanischen Erziehung der allzu beichäfsigte Barer kaum eine Rolle spielt, ist es die Mutter, die der Borivurf trifft Sic versäumt, so enrnimmi man Marsins Tarstellungen, nicht nur ihre Pflicht, die Tochter zu guten Manrercn und zu vernünfsigem Sprechen anzuhalten, sondern erlaubt sogar, daß junge Mädchen inisien in der Nacht, nach dem Theater, Konzert oder ähnlichen Peranstalttrngen bis in den frühen Morgen hinein im Restaurant sitzen! Marsin steht mit ssiner Ansicht offenbar nicht allein, denn er weist aus einen Bund hm, der sich zur Ausgabe gestellt hat, diese Mißerziehung her amerikanischen Miß zu beseisigen. Der Weg, den die „Junior League" einschlägt, ist wohl der richsigc: die Mßcrziehung liegt darin, daß das junge Mädchen sich selbst überlassen ist. Man braucht ihr nur eine vernünftige Arbeit zu überttogen. so ist eine Äenderung Isicht herbeizuführen, und so unterhält dieser Bund denn fest einiger Zeit Einrichtungen. ,n denen die Töchter der guten Gesellschaft nach kurzer Dorbüdirna al? Lebresinnen ihrer minder- begüterten Schwestern in allen möglichen Ttngcn beschäftigt werden.


